Woche 22 | Teil 2: Auf den Spuren des Goldes | 18.314 km

Foto: Drohnenaufnahme vom Volvo,auf dem grauen Dempster Highway, einem rostroten Fluss und grünem Wald

Am nächsten Morgen fällt Chris auf, dass Benzin aus unserem Tankdeckel tropft. Wir hatten gestern noch getankt und stehen jetzt ungünstig schräg, nachdem wir nur 10 km gefahren sind. Das unser Tank mal “zu voll” ist, hatten wir auf der Reise auch noch nicht. Hoffentlich ist da nicht soviel über Nacht rausgelaufen. Wir haben eine große “Ölspritze” zum Befüllen der Getriebe dabei und mit der ziehen wir erstmal einen Liter Benzin ab. Jetzt läuft der Tank immerhin nicht mehr über. Sobald wir wieder fahren erledigt sich das ja von selbst.

Benzin in der Spritze, falls sich jemand gefragt hat wie das aussieht
Der Weg ist super steil, was auf dem Bild natürlich nicht rüber kommt

Ein bisschen Ost Vorpommern in Dawson City

Wir fahren zurück nach Dawson und parken auf der Hauptstraße vor einem kleinen Pavillon. Dort sitzen einige Einheimische, die uns direkt anquatschen. Wir schnacken kurz und dann gehen wir los zum Visitor Center. Bevor wir los gehen, schließen wir den Volvo ab, da meint einer von den Einheimischen: “Hier brauchst du nicht abschließen, das ist Dawson City” und lacht. Er bemerkt vermutlich wie sonderbar das klingt. Das würde ja auch jeder sagen, der in das Auto einbrechen will. Ehrlich gesagt, machen wir uns gar keine Sorgen, dass hier irgendjemand ins Auto einbrechen würde. Allerdings ist das Abschließen bevor man weg geht eine gute Routine.

Hier fährt wirklich jeder Pickup

Im Visitor Center kaufen wir Tickets für die Führung durch die Dredge No 4. Das ist ein schwimmender Eimerkettenbagger, mit dem früher Gold gefördert worden ist. Wir bummeln noch etwas über die Hauptstraße, kaufen Souvenirs und holen uns Kaffee und Kuchen in einem Café. Als wir weiter fahren wollen, kommt ein Deutscher vorbei, der in die USA ausgewandert ist. Gerade ist er als Tourguide mit einem Bus aus Alaska hier unterwegs. Wir sprechen eine ganze Weile und er lädt uns ein, ihn in Utah zu besuchen, wenn wir im Winter da sind. Den Kontakt nehmen wir gerne, mal schauen ob das klappt. Während wir quatschen, hält ein Pickup Camper neben uns und eine Frau spricht uns an: “Kommt ihr wirklich aus OVP?” Zur Erinnerung der Volvo ist mit OVP Kennzeichen unterwegs. Auch mit ihr schnacken wir eine Weile.

Goldförderung um Dawson City

Irgendwann können wir uns loseisen und brechen Richtung Bonanza Creek auf. Dort steht die Dredge seit sie 1966 außer Dienst gestellt worden ist. Die Dredge und ihre Schwestern Bagger haben hier in der Gegend so ziemlich jedes Flusstal umgegraben. Um das Gold aus dem ausgehoben Boden zu spülen, ist zusätzlich der ganze Mutterboden weggeschwemmt worden und heute sieht man in den Tälern nur noch Steinhaufen. Nach über 50 Jahren haben sich langsam wieder erste Pionierpflanzen angesiedelt, aber ein Renaturierungsgesetz gab es damals nicht. Heute sieht das zum Glück anders aus, die Firmen müssen ihre Flächen in einen natürlichen Zustand zurück versetzen, was auch immer das heißt, erzählt uns die Mitarbeiterin von Parks Canada.

Bei Google Earth erkennt man die Schutthaufen ganz gut.
Dredge Hinterlassenschaften Seitenansicht

In der Gegend rund um Dawson wird immer noch Gold gefördert. Auch wenn sich die eingesetzten Geräte modernisiert haben, ist das Grundprinzip immer noch das selbe.

Zuerst werden alle Bäume und Sträucher gerodet. Die oberste Erdschicht wird mit Wasser weggespült. Tschüss lebenswichtiger Humusboden, der 100 Jahre für jeden Zentimeter im Aufbau gebraucht hat. Nachdem man die Lebensgrundlage aller Lebewesen auf diesem Planeten einfach weggespült hat, erreicht man den Permafrost. Diesen hat man früher mit großen Feuern Schicht für Schicht aufgetaut und dann weggespült, heute bohrt man Rohre in den Boden und pumpt heißen Dampf hinein. Jetzt hat man im bestenfalls die goldführende Schicht freigelegt. Nun kommen die Dredge, Handarbeit oder heute moderne Bagger zum Einsatz. Die Dredge schwimmt in ihrem eigenen kleinen Teich, ohne das Wasser wäre der 3000 t Bagger nicht zu bewegen. Es handelt sich um einen “mobilen” Teich. Die Dredge buddelt vorne Boden weg und schüttet hinten den Teich mit dem gewaschenen Boden wieder zu. Die Eimerkette fördert über den Baggerarm den Boden nach oben und dort wird alles in einer großen Trommel gewaschen. Größere Steine werden durch die Schwerkraft hinten aus der Trommel befördert, alles was klein genug ist, wird durch die Löcher in der Trommel ausgespült. Gold ist um einiges schwerer als der Rest und bleibt in mehreren Goldauffangwannen liegen, während der Rest ausgespült wird. Das ganze Prozedere benötigt Unmengen an Wasser. Man befindet sich hier zwar in einem Flussbett, aber diese Mengen kann der Fluss gar nicht liefern. Dafür wurde ein 113 km langer Kanal von den Tombstone Mountains gebaut, davon 32 km in Holzrohren mit mehreren Pumpstationen. Auch wenn eine Dredge mit nur 4 Leuten Besatzung auskommt, benötigt sie mehr als 100 Leute für die Vorbereitung des Geländes und die Wartung des Baggers selbst und eben auch des Kanals. So kam es, dass der Betrieb der Dredge sich 1965 schon nicht mehr gelohnt hat. Im Winter konnte man hier nicht arbeiten und als die Arbeiter im Jahr 1966 in eine neue Saison starten wollten, fanden sie die Dredge halb gesunken in ihrem Teich vor. Die Bergung hätte sich nicht gelohnt und so wurden alle Mitarbeiter entlassen und die Firma ließ einfach alles zurück wie es war. Großzügig wie man war, spendete man den gesunkenen Bagger Jahre später an Parks Canada, die sich dann auch um die Bergung kümmerten.

Die Dredge ist ein mehrstöckiges Gebäude
Baggerarm vorne
Hinteres Förderband Innenansicht
Waschtrommel Innenansicht

Im Gegensatz zu Dawson City sind die Mitarbeiter von Parks Canada bemüht, ein ehrliches Bild von der Goldförderung zu zeigen. In der Stadt wird die Goldsuche aus touristischen Gründen sehr positiv dargestellt. Bei unserer Führung wurde eindeutig klar gemacht wie schlecht die Goldförderung ist. Wenige werden damit reich, die meisten haben wenig für harte Arbeit verdient. Zusätzlich wurde die Natur unwiderruflich zerstört. Früher haben finanzstarke Investoren in Kombination mit starkem Lobbying auch schon die Gesetze so beeinflusst wie es ihnen passte und die Folgen sieht man überall im Yukon. Es ist etwas besser geworden, aber es wird immer noch Gold gefördert. Durch den ohrenbetäubenden Lärm sind viele Arbeiter auch einfach gehörlos geworden. Wer hier einen Garten anlegen will, muss erstmal jahrelang Bodenaufbau betreiben. Das alles für einen Rohstoff, den wir nicht mal zu 100% nutzen, sondern der zum größten Teil irgendwo in Tresoren von Banken rumliegt. Wie man an der Länge des Abschnittes merkt, hat uns die Tour sehr gut gefallen. Gerade die kritische Einordnung ist hier super.

Riesige Zahnräder zum Heben des Baggerarms
Alles wird über riesige Winden und Stahlseile gesteuert.
Am Weg neben den Schuttbergen stehen immer wieder Vogelhäuschen. Eine Renaturierungsmaßnahme?
In der Gegend steht überall zurück gelassenes Arbeitsgerät.

Mit viel neuem Gesprächsstoff machen wir uns auf zum Dempster Highway. Jetzt soll es wirklich weiter nach Norden gehen. Wir tanken am Start des Highways noch auf und kommen mit einem Neuseeländer ins Gespräch. Er ist gerade zurück vom arktischen Ozean und kann es zu 100% empfehlen. Er ist schon ein paar Jahre zum Arbeiten in Canada und nun auch mal als Tourist unterwegs. Letzten Winter hat er sich um Schlittenhunde im Yukon gekümmert. Er meinte -40°C sind gar nicht so schlimm. Sobald es nass kalt und windig wird, braucht es gar nicht so niedrige Temperaturen, um sehr unangenehm zu werden. Er hat den ganzen Winter in seinem Pickup-Camper mit Holzofen gelebt und quasi den ganzen Winter durchgeheizt. Diesen Winter will er auf Vancouver Island bleiben, vielleicht trifft man sich dort nochmal.

Dempster Highway Start Schild
Der Programm für die nächsten Tage sieht ca. so aus

Für die knapp 900 km Schotterstraße zum Ozean lassen wir den Luftdruck der Reifen um 0,5 bar ab. Keine Ahnung, ob das wirklich einen Unterschied macht, aber alle sagen, dass es sich dann angenehmer fährt. (Anmerkung vom Zeitpunkt des Schreibens und 900 km testen: Kann sein, dass es einen Unterschied gemacht hat, aber man wird trotzdem massiv durchgeschüttelt.)

Wir fahren noch ca. 100 km und stehen an einem kleinen Bach direkt am Highway. Die Fahrzeuge, die vorbei brettern, sind laut, aber passt schon für heute und wir machen uns einen entspannten Abend im Volvo.

Startposition für morgen ist schon eingenommen

Besuch im Tombstone Territorial Park

National Park, Provincial Park und nun auch noch Territorial Park? Was ist denn das schon wieder, haben wir uns gefragt und das haben wir uns zusammen gereimt: Im Grunde ist es wie ein National Park, also Tiere schützen, keine Siedlungen oder Industrie etc., allerdings werden die Territorial Parks mit den indigenen Volksgruppen der Gegend zusammen geführt und erstellt. Zusätzlich dürfen diese Gruppen ihren traditionellen Aktivitäten auch im Park nach gehen. Also jagen, fischen etc. Klingt etwas kontraproduktiv für den Naturschutz, die Natives jagen heutzutage mit Quad und Gewehr, fördert aber sicher die Akzeptanz.

Wir haben heute genau vor dem Park gestanden, weil wir nicht wussten wie es mit Campen im Park aussieht, aber die Straße gehört nicht mit zum Park also darf man da auch übernachten. Nach dem Frühstück untersucht Chris wieder alles unterm Auto, ob sich was gelöst hat. Sieht alles gut aus, nur der Benzinfilter sollte wohl mal gewechselt werden. Solange der Verbrauch, aber nicht auffällig ansteigt, wechseln wir den erst, wenn wir zurück auf Asphalt sind. Und ja ein Vergasermotor verbraucht mehr Benzin, wenn er zu wenig bekommt, scheinbar, sind schon magische Dinger. Nach der Wartungssession hat Chris die Farbe von Straße und Auto angenommen, entsprechend gibt es eine Minibadesession im Bach. Der Bach ist nicht gerade tief, dafür seeehr kalt.

Der erste Stopp im Park ist das Interpretive Center des Parks. Hier gibt es wieder eine schöne Ausstellung zu Flora, Fauna, der geologischen Geschichte, zum Bau des Dempster Highways und zu den Natives der Gegend. Die Center sind oft echte Highlights, lohnt sich, außer in Banff, normalerweise immer. Hier brennt auch der Kamin und es gibt Tee, da könnte man auch länger bleiben.

Vor dem Visitor Center blüht es wieder fleißig, hier Schmalblättriges Weidenröschen
und Alaska wild-rhubarb
Elchkopf mit Zubehör (Fell und andere Dinge)
Bretti wandelt zwischen der Geschichte der Gegend
Ofen mit gratis Tee

Wir wollen noch wandern und informieren uns entsprechend. Es gibt leider nicht wirklich viele offizielle Wege. Wir dürfen aber auch einfach so in die Gegend laufen und z.B. einem GPS-Trail aus dem Internet folgen. Das klingt erstmal gut, aber als wir am Startpunkt eines solchen Trails vor einem dichten Gebüsch stehen, überlegen wir uns das nochmal. Generell liest man überall wie empfindlich die Pflanzen hier sind und wie lange sie zum Wachsen brauchen. Dann einfach querfeldein auf den Pflanzen rum zu trampeln, scheint uns da auch falsch zu sein. Wir fahren zurück zu einer kleineren offiziellen Wanderung und machen lieber diese. Die Wanderung ist “nur” 6 km lang, dafür geht es ordentlich nach oben. Die Gegend lohnt sich schon von der Straße aus, aber von weiter oben eröffnet sich ein noch spektakulärerer Blick in die wolkenverhangenen Täler.

Fahraufnahme in ein Seitental. Die Weite kommt wie immer nicht rüber
Rastplatzaussicht
Naaaaaa, willst du Mitfahren?
Ganz klein sieht man noch das Visitor Center
Kleine Aussichtpause beim Aufstieg muss sein
Kurze Regenpause wird genutzt
Was hat er wohl erspäht? Einen Bären vielleicht?
Tiere haben sich leider nicht gezeigt.
Sonderbare Selfies dürfen nicht fehlen
Glücklich, dass es aufgehört hat zu regnen(zumindest kurz)
Links: Scharfes Berufkraut (oben), Preiselbeere (unten), rechts: Sumpf-Heidelbeere (oben), Schwarze Krähenbeere (mitte), Pilz, keine Ahnung welcher (unten)

Mal wieder wissen wir noch nicht, wie weit wir heute fahren wollen und halten recht spontan an einem Platz direkt am Blackstone River. Dieser fließt von hier bis ins arktische Meer und ist auch seehr kalt. Extra für euch getestet. Vielleicht denken wir auch mal daran, ein Thermometer reinzuhalten. Spoiler: Bis zum arktischen Ozean wird das scheinbar nichts.

Wir überlegen kurz, uns einfach vom Fluss bis zum Ozean transportieren zu lassen, entscheiden uns dann aber dagegen. Am Volvo gibt es immerhin kaltes Bier und davon gönnen wir uns jetzt erst mal eins am Flussufer. Auch wenn es nach dem Wetterbericht den ganzen Tag hätte trocken sein sollen, nieselt es durchgängig. Immerhin als es richtig anfängt zu regnen, ist diese Wolke auch auf der Wetterkarte zu sehen. Wir verziehen uns ins Auto, kochen, machen Sudokus und lauschen dem Regen auf dem Dach bis wir ins Bett gehen.

Heckfenster Aussicht auf den Fluss

Fahrtag mit vielen Zwischenstopps

Das Wetter ist hier zwar häufig etwas regnerisch, aber insgesamt ganz angenehm mit um die 23°C. Das lässt einen schnell vergessen, dass unter unseren Füßen der Permafrost ist. Dieser bindet riesige Mengen an Methan und ist immer in Gefahr aufzutauen und das Gas entweichen zu lassen. Das beschleunigt die Klimakatastrophe und bringt hier zusätzlich ganz direkte Probleme mit sich. Jede Straße wird auf einer dicken isolierenden Schicht Erde gebaut, damit der Verkehr und die fehlende Vegetation nicht den Permafrost auftauen lassen. Gefrorenes Wasser dehnt sich bekanntermaßen aus und wenn der Boden nun taut, sackt er in sich zusammen. In dieser unwirklichen Landschaft, welche in der dünnen Schicht über dem Permafrost entsteht, wächst wie gesagt alles sehr langsam. Zusätzlich gibt es im Boden kaum Leben, welches Pflanzenreste und co zersetzt. Entsprechend sollte man hier seine eigenen Hinterlassenschaften nicht verbuddeln, sondern in einer Plastiktüte mitnehmen und im nächsten Mülleimer entsorgen. Wir sind mal wieder ganz froh über unsere eigene Toilette, welche wir also in die Mülleimer entleeren, die regelmäßig an den Rastplätzen vorhanden sind.

Wir starten unseren Tag wieder mit einer kleinen Badesession, immerhin ist der Fluss hier tief genug, um liegend unterzutauchen. Wärmer ist der Fluss nicht geworden, entsprechend bleibt es ein kurzer Badespaß. Wir verlassen heute den Park, fahren aber weiterhin durch eine sehr schöne Berglandschaft. Im Yukon haben wir bisher sehr wenige Wildtiere gesehen, immerhin stehen hier ein paar (vermutlich nicht so wilde) Pferde im weiten Flussbett und grasen entspannt.

Wir werden interessiert beobachtet
Wir haben immer den Wal
Die Wolken hängen hier immer noch tief zwischen den Bergen

Da es heute nicht regnet, wirbeln alle auf der Straße große Staubwolken auf. Wenn uns ein LKW entgegen kommt, sind wir unsicher, ob wir anhalten sollen, ein nachfolgendes Fahrzeug sieht uns in unserer Staubwolke erst sehr spät, weiterfahren ist aber auch sehr gefährlich. Soweit möglich fahren wir langsam mit Warnblinklicht weiter und hoffen das Beste.

Der Highway ist hier nicht gerade wenig befahren. Wir haben mit so 3-4 Fahrzeugen am Tag gerechnet, diese sieht man hier aber eher in 30 Minuten. Vieles sind Touris auf dem Weg zum oder zurück vom Nordmeer, aber auch viele Einheimische und LKWs sind unterwegs. So erblicken wir auch diesen Van, der uns entgegen kommt.

Frontscheibe ist mit Klebeband überklebt

Ob das Klebeband die Scheibe zusammen hält oder präventiv angebracht ist, wissen wir nicht. Auch mit mehr Verkehr als erwartet ist die Straße gut zu fahren und in keinem schlechteren Zustand als die anderen Straßen in Kanada. Wir halten regelmäßig am Weg, um uns besondere Highlights aus der Yukon App anzusehen, aber meistens verstehen wir nicht wirklich, warum die App genau hier anhalten will. Insgesamt ist die Tour aber sehr lohnenswert.

Durch das Eisen im Boden wird der Fluss rostrot
Die Körner sehen aus als ob hier einfach Kupfer liegt
Endlich mal wieder Erdmännchen

Wir stoppen für eine Mittagspause auf einem Hügel an der Straße. Es wird Suppe gekocht, zum ersten mal auf unserem “Außentisch”, den Sandblechen. Wir machen noch ein paar Drohnenaufnahmen, anders kommt die Weite der Landschaft hier gar nicht rüber.

Chris freut sich schon auf die Suppe
Eine der vielen Brücken auf dem Dempster Highway

Wir holpern noch einige Kilometer weiter den Highway entlang. Dieser führt auf einem Bergrücken durch die Landschaft und bietet so viele tolle Ausblicke. Unser heutiger Stellplatz ist wieder einfach kurz vom Highway runter. Leider ohne Aussicht, dafür recht ruhig. Hier verbringen wir einen flauschigen Abend.

Frühstück am nächsten Morgen
Chris zieht eine lose gewackelte Mutter an einer Feder wieder fest. Täglich nachschauen lohnt sich bei den Wackelpisten schon sehr.

Auf in die Northwest Territories

Wir haben nach unserer Panne in Québec gar nicht damit gerechnet, hier her zu kommen, aber heute geht es nun doch in eine weitere Provinz Kanadas, die Northwest Territories. Diese riesige Provinz (die zweitgrößte Kanadas und ca. 3x so groß wie Deutschland) hat nur 40.000 Einwohneris, also ein halbes Flensburg. Entsprechend gibt es auch nur wenige Straßen, ca. 2000 km, von denen wir in den nächsten Tagen ca. ein Viertel befahren werden. Dafür müssen wir aber erst mal wieder tanken und wir kommen mit Tankanzeige auf 0 auch an der Tankstelle an. Der Liter Benzin kostet hier 2,72 C$, Rekord auf der Reise. Spoiler: Dieser Rekord wird nicht lange halten… Ihr wisst ja noch damals für 1,45 C$ für Premium naja. Immer noch günstiger als in Deutschland und diese Tankstelle ist auch wirklich am Arsch der Welt in Eagle Plains. Nicht nur wir verstehen zuerst nicht wie die Zapfsäule funktioniert und so kommen wir mit anderen ins Gespräch. Es ist für uns immer wieder spannend wie entspannt die Kanadier einem eine Frikadelle ans Ohr labern, wenn schon Leute aufs Tanken warten, denen man Platz machen müsste. Hier scheint das aber niemanden besonders zu stören.

Es werden hier immer die englischen Namen und die Namen in der Sprache der Natives angegeben
Rastplatz im Nirgendwo

Heute steht wieder ein Fahrtag an und wir fahren weiter durch sehr schöne Landschaft. Die Berge und Wälder weichen langsam einer Tundra Landschaft und wir überqueren zum ersten mal in unserem Leben den Polarkreis. Wir sind nun in dem Bereich, wo die Sonne im Winter gar nicht auf und im Sommer nicht unter geht.

Chris auf der Suche nach einem Geocache

Vom Polarkreis ist es nicht mehr weit zur Grenze vom Yukon in die Northwest Territories. Wir schleichen mal wieder eine Passstraße hinauf und halten oben am Infopunkt. Hier sammeln viele Leute (vermutlich) Cranberries, die hier in Massen wachsen. Die Gegend ist wieder bergiger und die Weite ist mit dem Smartphone kaum einzufangen. Alles sehr spektakulär. Wir haben heute schon so viele schöne Übernachtungsplätze gesehen, man fühlt sich etwas schlecht, dass man die nicht alle nutzen kann.

Entering Northwest Territories
Fast am Ziel
Wollgras gibt es hier fast überall

Am Weg stehen immer wieder verlassene Pickups, diese gehören scheinbar zu Einheimischen auf der Jagd. Eine Gruppe scheint gerade mit ihren Quads zurück gekommen zu sein. Auf einer Pickup-Ladefläche liegt ein frischer Caribou Kopf.

Fahrbild

Wir kommen wieder mal auf ein besonderes Gesprächsthema, welches wir euch hier nicht vorenthalten wollen. In den hochalpinen Gegenden Asiens trocknen die Menschen den Dung ihrer Tiere, um damit zu heizen. Das Thema wurde uns letztens von zwei wundervollen Menschen näher gebracht, die dort gerade mit dem Fahrrad reisen. Da Dung im Allgemeinen hier im Boden ja nicht verrottet, haben wir uns gefragt, ob man das nicht auch mit menschlichem Dung machen könnte. Wir recherchieren ein wenig. Generell scheint wirklich durch getrockneter menschlicher Kot ganz ordentlich zu brennen, allerdings steckt dieser auch voller Krankheitserreger. Diese können beim Trocknen auf alles mögliche überspringen, also ist Kot trocknen leider keine gute Option. Wäre ja auch zu praktisch gewesen, wir hatten schon philosophiert, wie wir eine Trocknungskammer an den Motor anbauen können. Naja anyway.

Wir fahren heute noch bis Fort McPherson. Hier gibt es wieder “günstiges” Benzin für 2,25 C$ und sogar zwei Supermärkte. Diese haben leider schon zu, so entschließen wir uns, hier zu bleiben und parken direkt am Fluss. Hier gibt es eine solide 4 auf der Mückenskala, damit kann man leben. Die wenigen Mücken liegen vielleicht an den ganzen riesigen Libellen, die hier unterwegs sind. Wir sprechen noch kurz mit einer Einheimischen die vorbei kommt, sind aber ziemlich geschafft vom heutigen Tag. Die Zeit-Verschiebung, eine Stunde wieder zurück, hilft da auch nicht wirklich. Irgendwie ist es zügig 23:30 Uhr als wir duschen und dann schnell ins Bett hüpfen.

Um Mitternacht ist die Sonne gerade erst hinter dem Horizont verschwunden. Das tut sie hier eh überhaupt erst seit 10 Tagen wieder. Dass die Sonne sich so “komisch” verhält, ist schon absolut wild zu erleben. Zeigt einem auch wieder mal, dass wir nur eine Horde etwas intelligenterer Affen sind, die auf einer Gesteinskugel mit einem Affenzahn durchs All fliegen und dabei eine andauernde Wasserstoff fusionierende Kugel umkreisen. Mit diesen Gedanken schlummern wir in den Montag hinein.

Ob der Rest der Woche auch mit so demütigen Gedanken weiter geht, lest ihr dann im nächsten Teil.

Comments

4 responses to “Woche 22 | Teil 2: Auf den Spuren des Goldes | 18.314 km”

  1. Holger Avatar
    Holger

    Sehr interessant
    Danke für die tiefgründigen Informationen.

    1. Chris & Bretti Avatar

      Sehr gerne, freut uns wenn sowas auch interessant ist

  2. Martin Avatar
    Martin

    Hah hätte gedacht für Flusspferde wäre es da zu kalt XD

    1. Andy Avatar
      Andy

      Hoëcker, Sie sind raus!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *