Woche 23 | Teil 1: Mit Pizza zum arktischen Ozean | 18.633 km

Alltag auf dem Dempster Highway

Wir haben letzte Nacht irgendwie nicht so gut einschlafen können, deswegen schlafen wir heute mal länger und kommen entsprechend später los. Vorher gibt es wieder einen Check, ob sich nichts am Auto gelöst hat. Wir tauschen zwei alte Gummis eines Stoßdämpfers, diese hatten sich schon ganz schön aufgelöst.

Der Linke ist doch noch gut oder was?

Wir gehen noch im lokalen kleinen Laden einkaufen, hier ist vieles ausverkauft. Wir entscheiden uns für Möhren, Zwiebeln und solche Frühstück Toasties (English Muffins). An der Kasse erklärt uns der Mitarbeiter, dass wir zusätzlich zwei weitere Möhren und eine Zwiebel mitnehmen dürfen. Auf unsere Nachfrage warum, reagiert er nicht, vielleicht hat er sie nicht gehört. Naja, mehr Gemüse mehr gut, da werden wir uns nicht beklagen.

Wir düsen weiter Richtung Norden und stehen schon bald an der nächsten Fähre. Diese führt über den Mackenzie River, der ist hier schon ordentlich breit. Die Fähre benötigt einige Zeit bis sie auf unserer Seite anlegt. Wir müssen uns hier nicht langweilen. Ein Rabe sitzt sehr fotogen auf dem Wohnmobil vor uns und lässt sich geduldig von Chris fotografieren. Zusätzlich fliegen ein ausgewachsener Seeadler und zwei junge Seeadler vorbei.

Die jungen Seeadler landen freundlicherweise in der Nähe, so gibt es auch ein ordentliches Foto
Fähranleger auf der anderen Seite, also festgefahrener Dreck.
Die Anlegestellen werden hier immer mal überflutet und weggeschwemmt und müssen dann neu aufgeschüttet werden

Nach dieser kleinen Fotopause geht es weiter Richtung Inuvik. Das ist die größte Stadt hier in der Gegend und dort hoffen wir, auch was zu essen für uns zu finden. Es gelüstet uns mal wieder nach Pizza oder ähnlichem.

Vorher geht es aber noch 100 km entlang des Dempsters. Nach den ganzen Wildtieren im Norden von British Columbia sind wir vom Yukon bis her eher enttäuscht. Bisher haben wir keine großen Wildtiere zu Gesicht bekommen. Die gibt es hier grundsätzlich schon, vermutlich haben sie hier aber einfach noch mehr Platz. Seit August ist hier auch wieder Jagdsaison, da würde ich die Menschen bzw. deren Straßen auch meiden. Es freut uns deswegen um so mehr, dass vor uns eine Schwarzbärin mit zwei, nicht mehr ganz so kleinen, Jungtieren die Straße kreuzt. Die Jungen stellen sich auf ihre Hinterbeine und schauen unser Auto interessiert an. Ihre Mutter legt sich ganz entspannt ins Gras und futtert ein paar Beeren. Das hätten wir natürlich sehr gerne so fotografiert, aber der Moment ist so schnell vorbei wie er gekommen ist.

Kurzer Abschiedsblick der Bären Mutti.

Nach diesem Highlight geht es weiter durch die endlosen Wälder, obwohl Wald hier etwas optimistisch ausgedrückt ist. Durch die kurze Wachstumszeit sind die Bäume hier sehr dünn und eher klein. Es reicht vermutlich gerade, um die ganzen Elche und Grizzlies vor uns zu verstecken.

Kurz vor Inuvik fahren wir plötzlich wieder über eine geteerte Straße. Zwischen der Stadt und dem Flughafen hat man die Straße vor nicht allzu langer Zeit geteert. Im Ort selbst ist alles weiterhin Schotter. Wir fahren eins der wenigen Restaurants der Stadt an. Hier gibt es Pizza und andere Nudelgerichte. Das Restaurant entpuppt sich als eine “Ausgabestelle” ohne Sitzplätze im Gemeindezentrum, welches zusätzlich über ein Schwimmbad, Sporthallen und andere Räume verfügt, die man sich für Aktivitäten mieten kann. Ausgerüstet mit Pizza und Auflauf geht es zum heutigen Stellplatz. Der Campingplatz im Ort hat die schlechtesten Bewertungen, die wir seit langem gelesen haben. Wir entscheiden uns, dann lieber einfach auf dem Parkplatz neben dem Ortschild zu übernachten. Das scheint hier niemanden zu stören, ist gratis und freies WLAN gibt es auch. Da kann man nicht meckern und so verbringen wir hier einen entspannten Abend und können mal wieder unsere Geräte updaten und Bilder sichern.

Ab an den arktische Ozean

Dafür, dass wir direkt an der größten Straße des Ortes geschlafen haben, war die Nacht ganz in Ordnung. Wir schauen noch anderen Touris zu, wie sie Fotos mit dem Ortsschild machen und dann geht es an die letzten 140 km nach Tuktoyaktuk. Die Landschaft wandelt sich kurz nach Inuvik von Wald in eine Tundra Landschaft. An dieser endlosen Hügellandschaft können wir uns gar nicht satt sehen.

Die Straße nach Tuktoyaktuk
Die Schlitten warten wohl auf den Winter

Bevor wir in Tuktoyaktuk ankommen, geht es es sogar hier am Ende der Welt noch durch eine Baustelle.

Wir stoppen für das obligatorische Ortsschild-Foto und machen dann eine kleine Pause. Hier hätten wir fast einen Hund zwangsadoptiert. Er wäre gerne mit ins Auto gekommen, aber die Fellnase muss da bleiben. Wie immer gehört der hier sicher irgendwo zu und hofft auf zusätzliches Futter.

Das Maskottchen der Nationalparks wirkt hier etwas fehl am Platz in seinen knalligen Farben

Wir halten kurz zum Tanken und sprechen etwas mit dem Tankwart. Es war das kälteste Jahr, was er hier erlebt hat. -52°C im Winter und kein wirklicher Sommer. Das scheint sich auch auf die Benzinpreise nieder zu schlagen, 2,79C$ kostet hier der Liter Benzin. Eine unserer letzten Begegnungen meinte noch, in Tuk, wie Tuktoyaktuk gerne abgekürzt wird, sei das Benzin am billigsten. Wir hatten das ehrlich gesagt eh nicht geglaubt, aber etwas gehofft hatten wir das natürlich schon. Wir stoppen kurz am Visitor Center, aber da ist niemand, obwohl es eigentlich offen sein sollte. Ein Motorradfahrer, der seine Geräte an der Außensteckdose auflädt, meint, es sei auch in den letzten Stunden niemand da gewesen.

Kleines Zusatzfahrzeug, hm…
Es gibt auch noch ein beliebtes Ortsschild hier

Was solls und so geht es für uns die letzten Kilometer bis an das Ende des Ortes, welches in den arktischen Ozean ragt. Hier kann man direkt campen und so suchen wir uns einen, der noch viel vorhanden freien Plätze. Natürlich machen wir auch hier die obligatorischen Fotos.

Wir sind zwar nur vom Volvo hier her gelaufen, aber hier endet der Trans Canada Trail, ein Fernwanderweg
Die Füße müssen natürlich auch direkt ins Wasser.

Wir machen noch einen kurzen Spaziergang zum nächsten Supermarkt. Dieser führt alles von Lebensmittel, Autoersatzteilen und Fellen.

Hier sieht man traditionelle Häuser, so genannte Sods. Aus Treibholz wurde ein Gerüst gebaut, welches dann mit Torf bedeckt wurde.
Das ist der oberirdische Eingang zu einem unterirdischen Eishaus. Ein Gesellschaftskühlschrank im Permafrost.
Diese Seite des Supermarktes sieht noch recht klassisch aus
Hier dann die Baumarkt und Auto Seite
Unten gefärbte Robbenfelle, darüber gefärbte Fuchs-/Wolfsfelle, neben den anderen Andenken für die Touris

Jetzt gibt es erstmal Toffifee mit Blick aufs Meer. Wir sind über 10.000 km gefahren, seit wir zuletzt am Meer waren und der Anblick macht uns sehr glücklich und zufrieden. Draußen sind es 6°C mit Nieselregen. Drinnen werden die Wollsocken angezogen und wir machen es uns bei ein paar Partien Piratenkapern gemütlich. Es ist das erste Mal, dass wir eines unserer mitgebrachten Spiele nutzen. Kann gerne in Zukunft öfter vorkommen. Musikalische Unterhaltung gibt es auch noch, Bretti übt sich an der Ukulele.

Platz in der ersten(und einzigen) Reihe
Wasser vor Wasser
War windig und nass

Ein weiterer Tag am Ende der Welt

Die meisten Leute bleiben nur eine Nacht oder fahren direkt nach den obligatorischen Fotos wieder Richtung Süden. Wir wollen noch eine Nacht bleiben und so startet unser Tag ganz entspannt mit einem Spaziergang durch den Ort. Wir laufen auf einen Pingo. Das ist ein Hügel, der durch den Permafrost aufgetürmt worden ist. Wir besuchen den einzigen Souvenirshop des Ortes. Hier erzählt uns ein reichlich bekiffter junger Mann was von den lokalen Handwerksarbeiten. Dann geht es am Steinstrand zurück zum Volvo.

Die Häuser haben hier kein richtiges Fundament, sondern stehen nur auf Pfosten, falls der Permafrost absackt
Die Stadt liegt größtenteils auf einer schmalen Halbinsel
Wo sich die kleinen Häuser dicht an dicht drängen
Sehr ungewöhnlich für uns, dass die Pfeile nach Peking und Moskau nach Westen und nicht nach Osten zeigen

Wichtigster Tagesordnungspunkt: Wir gehen baden. Das Wasser hat ganze 9°C, ist immerhin wärmer als die Luft. Entsprechend fällt der Badespaß doch etwas kürzer aus.

Zurück am Volvo backt Chris einen Brownie und wie genießen den direkten Blick aufs Meer. Während wir im Auto rumexistieren kommen zwei mal lokale Handwerkeries vorbei, um uns Dinge zu verkaufen. Alles ist aus Knochen oder Fell. Wir behaupten und vermuten, das dürften wir nicht nach Deutschland einführen und so ziehen sie schnell wieder ab. Freundlicherweise reißt die Wolkendecke irgendwann nochmal auf und wir machen einen weiteren Spaziergang. Zurück am Auto sitzen wir draußen und schnibbeln schon mal das Gemüse fürs Abendessen. Die Sonne bleibt leider nicht lange und sobald es wieder regnet, verziehen wir uns ins Auto. Die Nachbarn haben ein Lagerfeuer entzündet und harren auch im Regen davor aus. Das brauchen wir heute nicht und machen es uns im Auto gemütlich, schauen aufs Meer, kochen und es wird wieder gespielt. Ein sehr flauschiger Abend.

So entspannt geht der Tag hier zu Ende und damit auch der erste Teil dieser Woche.

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