Category: Northwest Territories

  • Woche 23 | Teil 2: Abschied vom hohen Norden | 19.652 km

    Woche 23 | Teil 2: Abschied vom hohen Norden | 19.652 km

    Letzter Blick auf den Arktischen Ozean

    Heute verlassen wir Tuktoyaktuk wieder. Morgens springen wir deshalb noch ein letztes Mal in den Arktischen Ozean. Das Wasser ist immer noch sehr kalt, aber was soll man machen, wenn man schon mal da ist.

    Bis zu den Beinen ganz gut aushaltbar
    Der Arktische Ozean verabschiedet uns mit Sonnenschein

    Danach geht’s ab ins Visitor Center, diesmal hat es sogar auf. Es ist wohl das bisher kleinste Visitor Center, dass wir gesehen haben. Ein Container mit Toiletten und einem kleinen “Empfangsraum”, in dem ein paar Broschüren ausliegen. An den Wänden hängen Telefonnummern für Schmuck oder für Angeltouren. Auf dem Weg aus dem Ort fahren wir wieder an der Mülldeponie vorbei, offen auf der Erde und teils im Wasser, zerstreut durch Wind und Tiere. Der Klärteich ist gleich daneben. Wir nehmen unseren Müll diesmal mit, wobei in Kanada überall der meiste Müll auf solchen Deponien zu landen scheint.

    Mülldeponie

    Mit schönerer Aussicht geht es weiter bis nach Inuvik. Wir sehen mehrere Schwäne, vermutlich Tundra Swans (Zwerg-/Pfeifschwan) oder Trompeterschwäne. Aus der Distanz nicht so gut erkennbar, auf jeden Fall weiße Vögel mit schwarzem Schnabel. Sonst laufen uns leider keine Wildtiere über den Weg.

    Fahraufnahme, die Hügel sind Pingos

    In Inuvik gehen wir einkaufen und danach ins Visitor Center. Hier sehen wir zumindest Fotos von Wildtieren und auch ein paar ausgestellte Tiere wie diesen Moschusochsen.

    Andere Reisende haben wohl sogar Moschusochsen am Dempster gesehen. Wir traurigerweise nicht.
    Mal eine andere Perspektive, von Süd (oben) nach Nord (unten)

    Der Mitarbeiter gibt uns noch ein paar Tipps für Inuvik. Wir wollen hier zwar nicht über Nacht bleiben, aber das Greenhouse Café hat eh nur bis 16 Uhr auf. Da fahren wir hin. Die ehemalige Eishalle ist jetzt ein großes Gewächshaus und Community Center mit Café und Tee- und Gemüseverkauf. Ausgestattet mit Gebäck und Getränken spazieren wir durch das warme Gewächshaus. Es ist richtig schön. Hier wächst allerlei an Gemüse, z.B. Tomaten und Kohl und überall blüht es. Wir fühlen uns wie in einem schönen Garten Zuhause. Wir haben ja schon mal die Golfrasengärten hier beschrieben. Das Gewächshaus ist da mal eine schöne Abwechslung. Bevor wir aufbrechen, kaufen wir hier noch eine frisch geerntete Zucchini.

    Fast wie Zuhause

    Dann wird noch getankt und weiter geht’s in die Grenzregion von Northwest-Territories und dem Yukon.

    Die Landschaft verändert sich

    Wir fahren heute für unsere Verhältnisse recht lange. Gegen 22 Uhr kommen wir an unserem Übernachtungsplatz an, oben auf einem Berg neben einer Richtfunkstation, davon sieht man entlang des Dempsters immer mal welche. Der Ausblick ist richtig schön. Wir sehen links und rechts das Tal und vor und hinter uns Berge.

    Die Richardson Gebirgszüge kommen in Sicht
    Unser Stellplatz für die Nacht
    Super Aussicht

    Regen, Kälte und die Uhrzeit treiben uns ins Auto, so genießen wir die Aussicht im Warmen. Dabei hören wir immer mal ein komisches Geräusch. Was das wohl ist? Irgendwann kommen wir drauf, dass das der Dreck sein könnte, der vom Auto abfällt. Wir haben nämlich den Dempster-Look erreicht, sprich das ganze Auto ziert eine solide Dreck-/Schlammschicht. Bei vielen Autos ist die Rückseite komplett bedeckt, bei uns wird sie ein bisschen durch das Ersatzrad und das Kanu geschützt. Dreckig ist das Auto aber trotzdem. In Kombi mit dem Regen wird daraus eine richtig schöne Schmierschicht. Man könnte meinen, das Auto könnte eine Wäsche vertragen, allerdings denken wir uns, das wird ja eh wieder dreckig. Bevor wir in die USA einreisen machen wir das bestimmt, für den besseren Eindruck.

    Beispiel “Dempster Look”

    Wunderschöne Landschaften

    Am nächsten Morgen sehen wir einen Sprinter, der wohl noch nach uns angekommen ist, also nach 22 Uhr. Um 10 Uhr bricht der auch schon wieder auf. Wir sind da noch am Frühstücken. Die Aussicht ist auch einfach zu fantastisch, um sich zu beeilen. Nach dem Frühstück checkt Chris den Ölstand und wackelt an allen Autoteilen, alles noch fest. Bretti macht derweil Drohnenaufnahmen.

    https://youtu.be/buEfuJPcZkE

    Dann geht’s weiter durch wunderschöne Landschaften. Irgendwie komisch, wieder nach Süden zu fahren, so als wäre das schon der Rückweg unserer gesamten Reise, dabei liegt über die Hälfte der Zeit ja noch vor uns. Nach Tuktoyaktuk werden wir wohl aber nicht nochmal kommen, von daher nehmen wir schon irgendwie Abschied von diesem Abschnitt Kanadas. An der Landschaft können wir uns definitiv nicht satt sehen. Andere Reisende sagten uns, dass der Dempster sich nur am Anfang entlang des Tombstone Gebirges landschaftlich lohne. Wir finden gerade die Abwechslung aus Gebirge und weiter Tundra richtig cool, gerade mit dem Gedanken im Kopf, dass darunter Permafrostboden liegt. Natur ist schon abgefahren.

    Wieder im Yukon
    Von baumlosen Landschaften voller Beeren…
    …zu dichten Wäldern.

    Der heutige Fahrtag bringt uns zu einem Platz im Flussbett. Dieser Platz wurde uns von anderen Reisenden empfohlen und wir hatten ihn auf dem Weg nach Norden schon einmal ausgekundschaftet. Kurz vor Ankunft spielt der Öldrucksensor verrückt. Die Warnlampe geht noch und zeigt keinen niedrigen Öldruck an, von daher scheint es ein Wackelkontakt zu sein. Damit können wir leben, bzw. das lässt sich wohl reparieren. Am Platz angekommen schnacken wir kurz mit anderen kanadischen Reisenden, halten die Füße ins Wasser, hängen die Wildtierkamera auf und lassen den restlichen Abend entspannt flauschig ausklingen.

    Eingeladen auf “ein” Bier

    Am nächsten Tag schaffen wir drinnen erstmal etwas Ordnung. Es wird ein neuer Versuch gestartet, Auspuff und Motor abzudichten. Ergebnis sehen wir in den nächsten Tagen, denn heute bleiben wir hier noch stehen. Während Chris unterm Auto liegt, kümmert Bretti sich um Feuerholz für unser Lagerfeuer.

    Profis bei der Arbeit. Keine Sorge, beim zweiten Mal hat Bretti auch getroffen 😀

    Da es schon den ganzen Tag immer mal wieder regnet und ab 15 Uhr durchregnen soll, bauen wir zum ersten Mal unser Tarp auf. Als das Lagerfeuer brennt, fängt es dann auch direkt wieder an zu regnen. Wir sitzen schön trocken unterm Tarp, wechseln samt Feuer immer mal die Seite, da der Wind sich ein paar Mal dreht. Dann wird schön gegrillt. Abends lassen wir das Feuer ausgehen und verziehen uns gegen 18 Uhr ins Auto. So richtig warm ist es draußen nämlich nicht. Durch das nasse Holz in Kombi mit dem Regen raucht das Feuer auch mehr als dass es viel Wärme spendet.

    Camp-Setup, erstes Mal mit Tarp. Praktisch, so ein herumliegender Baum.
    Ein Ende des Regens ist nicht in Sicht
    Grillmeisterin Bretti in Aktion

    Gegen 20 Uhr kommt ein Pickup-Camper ins Flussbett und stellt sich ziemlich exakt vor unsere Wildtierkamera. Das hatten wir erst gar nicht wahrgenommen. Nun holen wir die lieber mal, nicht dass sie denken, dass wir sie absichtlich filmen wollen. Der Camper kommt aus Chile. Wir kommen direkt mit den draußen sitzenden Eltern ins Gespräch. Nach den üblichen Themen wird das Gespräch aber nicht wie sonst mit den kanadischen Leuten beendet, sondern sie laden uns auf ein Bierchen ein. Aus einem werden mehrere Biere und plötzlich ist es 3 Uhr nachts als wir uns letztlich ins Bett begeben. Uns alle hat es gefreut, endlich mal wieder ein längeres Gespräch zu führen. Die beiden teilen unsere Erfahrung, was die Gespräche mit den Kanadieris angeht nämlich auch. Bevor es ins Bett geht checken wir noch die Wildtierkamera und richten sie neu aus. Sie hat tatsächlich was aufgenommen. Wahrscheinlich ein Wolf oder ein Kojote. Was sagt ihr?

    Ton an. Es wird viel geschnüffelt und wurde da in die Kamera gebissen?

    Ende Dempster, Ende Sommer

    Weil wir so lange wach waren, schlafen wir heute mal länger. Der Regen tröpfelt gemütlich aufs Dach. Vielleicht sind wir ein bisschen verkatert, vielleicht liegt es auch am Rauch vom Lagerfeuer oder am späten ins Bett gehen, vielleicht auch von allem ein bisschen. Wir packen langsam unsere Sachen zusammen und dann geht’s wieder auf den Dempster Highway. Auch wenn es sehr regnerisch ist, sind die Landschaften in ihrem neuen Herbstgewand sehr beeindruckend. Das bunte Herbstlaub in Kombination mit den dunklen Felsen sieht cool aus. Und ja, hier wird es schon Herbst im August.

    Erst noch hauptsächlich Nadelbäume und daher eher unauffällig
    dann wirds bunt mit knalligem Gelb
    dazu verschiedene Wasserfarben wie hier das weißliche Blau, das nach faulen Eiern riecht
    Und dann sind wir auch schon wieder im Tombstone Gebirge
    Alles ganz schön wolkenverhangen
    Bretti hat sich Beschäftigung besorgt, Kletten von den Wollsocken entfernen…

    Leider zeigen sich auch auf dem Rückweg keine Wildtiere. Dafür sind die “Flusspferde” vom Hinweg noch da und haben sich nur einige hundert Meter weiter entlang des Flussbetts bewegt. Wir stoppen am Grizzly Lake Wanderparkplatz. Da wir uns nicht so fit fühlen, das Wetter nicht so toll ist und es auch schon recht spät ist (16 Uhr), machen wir hier nur Mittagspause. So tief wie die Wolken hängen, hätte man eh keinen Weitblick. Nach der Pause bestreiten wir die letzten 100 km des Dempster Highway, der nochmal zeigt wie schlecht Straßen in Kanada sein können, Wellblechpiste lässt grüßen. Trotzdem überleben wir auch die letzten Meter und machen noch ein obligatorisches Abschlussfoto. Es gibt hier immer wieder Merch mit “I survived the Dempster Highway”. Für uns fühlte sich das wie eine ganz normale Straße in Kanada an. Das einzig anspruchsvolle ist die Planung zwecks Vorräte und Tankstopps.

    Wir biegen wieder auf den Haupthighway ab, der ist hier auch nicht geteert und in einem ähnlichen Zustand wie der Dempster. Er führt uns zu einem Platz am Stewart River neben einem Flugfeld. Flugzeuge sehen wir keine. In den entlegeneren Gegenden hier gibt es immer mal wieder Landebahnen ohne weitere Infrastruktur, auf dem Dempster war manchmal auch einfach die Straße ein Airstrip (Landebahn). Viele dienen als Notfall-Landepunkt. Nachvollziehbar bei der sonstigen Landschaft, da ist die Straße das einzige gerade, feste und baumlose im Umkreis von einigen hundert Kilometern.

    Ein Strich Nichts im Wald (Landebahn)
    Stellplatz am Stewart River
    Ein bisschen Kunst
    Dreck kann auch kunstvolle Muster bilden
    Fast schon wieder Durchblick, Chris putzt die Fenster
    dreckiges Auto mit saubereren Fenstern

    Bretti kocht was aus unseren Resten und der Zucchini aus dem Greenhouse in Inuvik, ansonsten geht heute nicht mehr viel. Chris befreit noch die Fenster vom Schlamm, damit wir auf den Fluss gucken können.

  • Woche 23 | Teil 1: Mit Pizza zum arktischen Ozean | 18.633 km

    Woche 23 | Teil 1: Mit Pizza zum arktischen Ozean | 18.633 km

    Alltag auf dem Dempster Highway

    Wir haben letzte Nacht irgendwie nicht so gut einschlafen können, deswegen schlafen wir heute mal länger und kommen entsprechend später los. Vorher gibt es wieder einen Check, ob sich nichts am Auto gelöst hat. Wir tauschen zwei alte Gummis eines Stoßdämpfers, diese hatten sich schon ganz schön aufgelöst.

    Der Linke ist doch noch gut oder was?

    Wir gehen noch im lokalen kleinen Laden einkaufen, hier ist vieles ausverkauft. Wir entscheiden uns für Möhren, Zwiebeln und solche Frühstück Toasties (English Muffins). An der Kasse erklärt uns der Mitarbeiter, dass wir zusätzlich zwei weitere Möhren und eine Zwiebel mitnehmen dürfen. Auf unsere Nachfrage warum, reagiert er nicht, vielleicht hat er sie nicht gehört. Naja, mehr Gemüse mehr gut, da werden wir uns nicht beklagen.

    Wir düsen weiter Richtung Norden und stehen schon bald an der nächsten Fähre. Diese führt über den Mackenzie River, der ist hier schon ordentlich breit. Die Fähre benötigt einige Zeit bis sie auf unserer Seite anlegt. Wir müssen uns hier nicht langweilen. Ein Rabe sitzt sehr fotogen auf dem Wohnmobil vor uns und lässt sich geduldig von Chris fotografieren. Zusätzlich fliegen ein ausgewachsener Seeadler und zwei junge Seeadler vorbei.

    Die jungen Seeadler landen freundlicherweise in der Nähe, so gibt es auch ein ordentliches Foto
    Fähranleger auf der anderen Seite, also festgefahrener Dreck.
    Die Anlegestellen werden hier immer mal überflutet und weggeschwemmt und müssen dann neu aufgeschüttet werden

    Nach dieser kleinen Fotopause geht es weiter Richtung Inuvik. Das ist die größte Stadt hier in der Gegend und dort hoffen wir, auch was zu essen für uns zu finden. Es gelüstet uns mal wieder nach Pizza oder ähnlichem.

    Vorher geht es aber noch 100 km entlang des Dempsters. Nach den ganzen Wildtieren im Norden von British Columbia sind wir vom Yukon bis her eher enttäuscht. Bisher haben wir keine großen Wildtiere zu Gesicht bekommen. Die gibt es hier grundsätzlich schon, vermutlich haben sie hier aber einfach noch mehr Platz. Seit August ist hier auch wieder Jagdsaison, da würde ich die Menschen bzw. deren Straßen auch meiden. Es freut uns deswegen um so mehr, dass vor uns eine Schwarzbärin mit zwei, nicht mehr ganz so kleinen, Jungtieren die Straße kreuzt. Die Jungen stellen sich auf ihre Hinterbeine und schauen unser Auto interessiert an. Ihre Mutter legt sich ganz entspannt ins Gras und futtert ein paar Beeren. Das hätten wir natürlich sehr gerne so fotografiert, aber der Moment ist so schnell vorbei wie er gekommen ist.

    Kurzer Abschiedsblick der Bären Mutti.

    Nach diesem Highlight geht es weiter durch die endlosen Wälder, obwohl Wald hier etwas optimistisch ausgedrückt ist. Durch die kurze Wachstumszeit sind die Bäume hier sehr dünn und eher klein. Es reicht vermutlich gerade, um die ganzen Elche und Grizzlies vor uns zu verstecken.

    Kurz vor Inuvik fahren wir plötzlich wieder über eine geteerte Straße. Zwischen der Stadt und dem Flughafen hat man die Straße vor nicht allzu langer Zeit geteert. Im Ort selbst ist alles weiterhin Schotter. Wir fahren eins der wenigen Restaurants der Stadt an. Hier gibt es Pizza und andere Nudelgerichte. Das Restaurant entpuppt sich als eine “Ausgabestelle” ohne Sitzplätze im Gemeindezentrum, welches zusätzlich über ein Schwimmbad, Sporthallen und andere Räume verfügt, die man sich für Aktivitäten mieten kann. Ausgerüstet mit Pizza und Auflauf geht es zum heutigen Stellplatz. Der Campingplatz im Ort hat die schlechtesten Bewertungen, die wir seit langem gelesen haben. Wir entscheiden uns, dann lieber einfach auf dem Parkplatz neben dem Ortschild zu übernachten. Das scheint hier niemanden zu stören, ist gratis und freies WLAN gibt es auch. Da kann man nicht meckern und so verbringen wir hier einen entspannten Abend und können mal wieder unsere Geräte updaten und Bilder sichern.

    Ab an den arktische Ozean

    Dafür, dass wir direkt an der größten Straße des Ortes geschlafen haben, war die Nacht ganz in Ordnung. Wir schauen noch anderen Touris zu, wie sie Fotos mit dem Ortsschild machen und dann geht es an die letzten 140 km nach Tuktoyaktuk. Die Landschaft wandelt sich kurz nach Inuvik von Wald in eine Tundra Landschaft. An dieser endlosen Hügellandschaft können wir uns gar nicht satt sehen.

    Die Straße nach Tuktoyaktuk
    Die Schlitten warten wohl auf den Winter

    Bevor wir in Tuktoyaktuk ankommen, geht es es sogar hier am Ende der Welt noch durch eine Baustelle.

    Wir stoppen für das obligatorische Ortsschild-Foto und machen dann eine kleine Pause. Hier hätten wir fast einen Hund zwangsadoptiert. Er wäre gerne mit ins Auto gekommen, aber die Fellnase muss da bleiben. Wie immer gehört der hier sicher irgendwo zu und hofft auf zusätzliches Futter.

    Das Maskottchen der Nationalparks wirkt hier etwas fehl am Platz in seinen knalligen Farben

    Wir halten kurz zum Tanken und sprechen etwas mit dem Tankwart. Es war das kälteste Jahr, was er hier erlebt hat. -52°C im Winter und kein wirklicher Sommer. Das scheint sich auch auf die Benzinpreise nieder zu schlagen, 2,79C$ kostet hier der Liter Benzin. Eine unserer letzten Begegnungen meinte noch, in Tuk, wie Tuktoyaktuk gerne abgekürzt wird, sei das Benzin am billigsten. Wir hatten das ehrlich gesagt eh nicht geglaubt, aber etwas gehofft hatten wir das natürlich schon. Wir stoppen kurz am Visitor Center, aber da ist niemand, obwohl es eigentlich offen sein sollte. Ein Motorradfahrer, der seine Geräte an der Außensteckdose auflädt, meint, es sei auch in den letzten Stunden niemand da gewesen.

    Kleines Zusatzfahrzeug, hm…
    Es gibt auch noch ein beliebtes Ortsschild hier

    Was solls und so geht es für uns die letzten Kilometer bis an das Ende des Ortes, welches in den arktischen Ozean ragt. Hier kann man direkt campen und so suchen wir uns einen, der noch viel vorhanden freien Plätze. Natürlich machen wir auch hier die obligatorischen Fotos.

    Wir sind zwar nur vom Volvo hier her gelaufen, aber hier endet der Trans Canada Trail, ein Fernwanderweg
    Die Füße müssen natürlich auch direkt ins Wasser.

    Wir machen noch einen kurzen Spaziergang zum nächsten Supermarkt. Dieser führt alles von Lebensmittel, Autoersatzteilen und Fellen.

    Hier sieht man traditionelle Häuser, so genannte Sods. Aus Treibholz wurde ein Gerüst gebaut, welches dann mit Torf bedeckt wurde.
    Das ist der oberirdische Eingang zu einem unterirdischen Eishaus. Ein Gesellschaftskühlschrank im Permafrost.
    Diese Seite des Supermarktes sieht noch recht klassisch aus
    Hier dann die Baumarkt und Auto Seite
    Unten gefärbte Robbenfelle, darüber gefärbte Fuchs-/Wolfsfelle, neben den anderen Andenken für die Touris

    Jetzt gibt es erstmal Toffifee mit Blick aufs Meer. Wir sind über 10.000 km gefahren, seit wir zuletzt am Meer waren und der Anblick macht uns sehr glücklich und zufrieden. Draußen sind es 6°C mit Nieselregen. Drinnen werden die Wollsocken angezogen und wir machen es uns bei ein paar Partien Piratenkapern gemütlich. Es ist das erste Mal, dass wir eines unserer mitgebrachten Spiele nutzen. Kann gerne in Zukunft öfter vorkommen. Musikalische Unterhaltung gibt es auch noch, Bretti übt sich an der Ukulele.

    Platz in der ersten(und einzigen) Reihe
    Wasser vor Wasser
    War windig und nass

    Ein weiterer Tag am Ende der Welt

    Die meisten Leute bleiben nur eine Nacht oder fahren direkt nach den obligatorischen Fotos wieder Richtung Süden. Wir wollen noch eine Nacht bleiben und so startet unser Tag ganz entspannt mit einem Spaziergang durch den Ort. Wir laufen auf einen Pingo. Das ist ein Hügel, der durch den Permafrost aufgetürmt worden ist. Wir besuchen den einzigen Souvenirshop des Ortes. Hier erzählt uns ein reichlich bekiffter junger Mann was von den lokalen Handwerksarbeiten. Dann geht es am Steinstrand zurück zum Volvo.

    Die Häuser haben hier kein richtiges Fundament, sondern stehen nur auf Pfosten, falls der Permafrost absackt
    Die Stadt liegt größtenteils auf einer schmalen Halbinsel
    Wo sich die kleinen Häuser dicht an dicht drängen
    Sehr ungewöhnlich für uns, dass die Pfeile nach Peking und Moskau nach Westen und nicht nach Osten zeigen

    Wichtigster Tagesordnungspunkt: Wir gehen baden. Das Wasser hat ganze 9°C, ist immerhin wärmer als die Luft. Entsprechend fällt der Badespaß doch etwas kürzer aus.

    Zurück am Volvo backt Chris einen Brownie und wie genießen den direkten Blick aufs Meer. Während wir im Auto rumexistieren kommen zwei mal lokale Handwerkeries vorbei, um uns Dinge zu verkaufen. Alles ist aus Knochen oder Fell. Wir behaupten und vermuten, das dürften wir nicht nach Deutschland einführen und so ziehen sie schnell wieder ab. Freundlicherweise reißt die Wolkendecke irgendwann nochmal auf und wir machen einen weiteren Spaziergang. Zurück am Auto sitzen wir draußen und schnibbeln schon mal das Gemüse fürs Abendessen. Die Sonne bleibt leider nicht lange und sobald es wieder regnet, verziehen wir uns ins Auto. Die Nachbarn haben ein Lagerfeuer entzündet und harren auch im Regen davor aus. Das brauchen wir heute nicht und machen es uns im Auto gemütlich, schauen aufs Meer, kochen und es wird wieder gespielt. Ein sehr flauschiger Abend.

    So entspannt geht der Tag hier zu Ende und damit auch der erste Teil dieser Woche.

  • Woche 22 | Teil 2: Auf den Spuren des Goldes | 18.314 km

    Woche 22 | Teil 2: Auf den Spuren des Goldes | 18.314 km

    Am nächsten Morgen fällt Chris auf, dass Benzin aus unserem Tankdeckel tropft. Wir hatten gestern noch getankt und stehen jetzt ungünstig schräg, nachdem wir nur 10 km gefahren sind. Das unser Tank mal “zu voll” ist, hatten wir auf der Reise auch noch nicht. Hoffentlich ist da nicht soviel über Nacht rausgelaufen. Wir haben eine große “Ölspritze” zum Befüllen der Getriebe dabei und mit der ziehen wir erstmal einen Liter Benzin ab. Jetzt läuft der Tank immerhin nicht mehr über. Sobald wir wieder fahren erledigt sich das ja von selbst.

    Benzin in der Spritze, falls sich jemand gefragt hat wie das aussieht
    Der Weg ist super steil, was auf dem Bild natürlich nicht rüber kommt

    Ein bisschen Ost Vorpommern in Dawson City

    Wir fahren zurück nach Dawson und parken auf der Hauptstraße vor einem kleinen Pavillon. Dort sitzen einige Einheimische, die uns direkt anquatschen. Wir schnacken kurz und dann gehen wir los zum Visitor Center. Bevor wir los gehen, schließen wir den Volvo ab, da meint einer von den Einheimischen: “Hier brauchst du nicht abschließen, das ist Dawson City” und lacht. Er bemerkt vermutlich wie sonderbar das klingt. Das würde ja auch jeder sagen, der in das Auto einbrechen will. Ehrlich gesagt, machen wir uns gar keine Sorgen, dass hier irgendjemand ins Auto einbrechen würde. Allerdings ist das Abschließen bevor man weg geht eine gute Routine.

    Hier fährt wirklich jeder Pickup

    Im Visitor Center kaufen wir Tickets für die Führung durch die Dredge No 4. Das ist ein schwimmender Eimerkettenbagger, mit dem früher Gold gefördert worden ist. Wir bummeln noch etwas über die Hauptstraße, kaufen Souvenirs und holen uns Kaffee und Kuchen in einem Café. Als wir weiter fahren wollen, kommt ein Deutscher vorbei, der in die USA ausgewandert ist. Gerade ist er als Tourguide mit einem Bus aus Alaska hier unterwegs. Wir sprechen eine ganze Weile und er lädt uns ein, ihn in Utah zu besuchen, wenn wir im Winter da sind. Den Kontakt nehmen wir gerne, mal schauen ob das klappt. Während wir quatschen, hält ein Pickup Camper neben uns und eine Frau spricht uns an: “Kommt ihr wirklich aus OVP?” Zur Erinnerung der Volvo ist mit OVP Kennzeichen unterwegs. Auch mit ihr schnacken wir eine Weile.

    Goldförderung um Dawson City

    Irgendwann können wir uns loseisen und brechen Richtung Bonanza Creek auf. Dort steht die Dredge seit sie 1966 außer Dienst gestellt worden ist. Die Dredge und ihre Schwestern Bagger haben hier in der Gegend so ziemlich jedes Flusstal umgegraben. Um das Gold aus dem ausgehoben Boden zu spülen, ist zusätzlich der ganze Mutterboden weggeschwemmt worden und heute sieht man in den Tälern nur noch Steinhaufen. Nach über 50 Jahren haben sich langsam wieder erste Pionierpflanzen angesiedelt, aber ein Renaturierungsgesetz gab es damals nicht. Heute sieht das zum Glück anders aus, die Firmen müssen ihre Flächen in einen natürlichen Zustand zurück versetzen, was auch immer das heißt, erzählt uns die Mitarbeiterin von Parks Canada.

    Bei Google Earth erkennt man die Schutthaufen ganz gut.
    Dredge Hinterlassenschaften Seitenansicht

    In der Gegend rund um Dawson wird immer noch Gold gefördert. Auch wenn sich die eingesetzten Geräte modernisiert haben, ist das Grundprinzip immer noch das selbe.

    Zuerst werden alle Bäume und Sträucher gerodet. Die oberste Erdschicht wird mit Wasser weggespült. Tschüss lebenswichtiger Humusboden, der 100 Jahre für jeden Zentimeter im Aufbau gebraucht hat. Nachdem man die Lebensgrundlage aller Lebewesen auf diesem Planeten einfach weggespült hat, erreicht man den Permafrost. Diesen hat man früher mit großen Feuern Schicht für Schicht aufgetaut und dann weggespült, heute bohrt man Rohre in den Boden und pumpt heißen Dampf hinein. Jetzt hat man im bestenfalls die goldführende Schicht freigelegt. Nun kommen die Dredge, Handarbeit oder heute moderne Bagger zum Einsatz. Die Dredge schwimmt in ihrem eigenen kleinen Teich, ohne das Wasser wäre der 3000 t Bagger nicht zu bewegen. Es handelt sich um einen “mobilen” Teich. Die Dredge buddelt vorne Boden weg und schüttet hinten den Teich mit dem gewaschenen Boden wieder zu. Die Eimerkette fördert über den Baggerarm den Boden nach oben und dort wird alles in einer großen Trommel gewaschen. Größere Steine werden durch die Schwerkraft hinten aus der Trommel befördert, alles was klein genug ist, wird durch die Löcher in der Trommel ausgespült. Gold ist um einiges schwerer als der Rest und bleibt in mehreren Goldauffangwannen liegen, während der Rest ausgespült wird. Das ganze Prozedere benötigt Unmengen an Wasser. Man befindet sich hier zwar in einem Flussbett, aber diese Mengen kann der Fluss gar nicht liefern. Dafür wurde ein 113 km langer Kanal von den Tombstone Mountains gebaut, davon 32 km in Holzrohren mit mehreren Pumpstationen. Auch wenn eine Dredge mit nur 4 Leuten Besatzung auskommt, benötigt sie mehr als 100 Leute für die Vorbereitung des Geländes und die Wartung des Baggers selbst und eben auch des Kanals. So kam es, dass der Betrieb der Dredge sich 1965 schon nicht mehr gelohnt hat. Im Winter konnte man hier nicht arbeiten und als die Arbeiter im Jahr 1966 in eine neue Saison starten wollten, fanden sie die Dredge halb gesunken in ihrem Teich vor. Die Bergung hätte sich nicht gelohnt und so wurden alle Mitarbeiter entlassen und die Firma ließ einfach alles zurück wie es war. Großzügig wie man war, spendete man den gesunkenen Bagger Jahre später an Parks Canada, die sich dann auch um die Bergung kümmerten.

    Die Dredge ist ein mehrstöckiges Gebäude
    Baggerarm vorne
    Hinteres Förderband Innenansicht
    Waschtrommel Innenansicht

    Im Gegensatz zu Dawson City sind die Mitarbeiter von Parks Canada bemüht, ein ehrliches Bild von der Goldförderung zu zeigen. In der Stadt wird die Goldsuche aus touristischen Gründen sehr positiv dargestellt. Bei unserer Führung wurde eindeutig klar gemacht wie schlecht die Goldförderung ist. Wenige werden damit reich, die meisten haben wenig für harte Arbeit verdient. Zusätzlich wurde die Natur unwiderruflich zerstört. Früher haben finanzstarke Investoren in Kombination mit starkem Lobbying auch schon die Gesetze so beeinflusst wie es ihnen passte und die Folgen sieht man überall im Yukon. Es ist etwas besser geworden, aber es wird immer noch Gold gefördert. Durch den ohrenbetäubenden Lärm sind viele Arbeiter auch einfach gehörlos geworden. Wer hier einen Garten anlegen will, muss erstmal jahrelang Bodenaufbau betreiben. Das alles für einen Rohstoff, den wir nicht mal zu 100% nutzen, sondern der zum größten Teil irgendwo in Tresoren von Banken rumliegt. Wie man an der Länge des Abschnittes merkt, hat uns die Tour sehr gut gefallen. Gerade die kritische Einordnung ist hier super.

    Riesige Zahnräder zum Heben des Baggerarms
    Alles wird über riesige Winden und Stahlseile gesteuert.
    Am Weg neben den Schuttbergen stehen immer wieder Vogelhäuschen. Eine Renaturierungsmaßnahme?
    In der Gegend steht überall zurück gelassenes Arbeitsgerät.

    Mit viel neuem Gesprächsstoff machen wir uns auf zum Dempster Highway. Jetzt soll es wirklich weiter nach Norden gehen. Wir tanken am Start des Highways noch auf und kommen mit einem Neuseeländer ins Gespräch. Er ist gerade zurück vom arktischen Ozean und kann es zu 100% empfehlen. Er ist schon ein paar Jahre zum Arbeiten in Canada und nun auch mal als Tourist unterwegs. Letzten Winter hat er sich um Schlittenhunde im Yukon gekümmert. Er meinte -40°C sind gar nicht so schlimm. Sobald es nass kalt und windig wird, braucht es gar nicht so niedrige Temperaturen, um sehr unangenehm zu werden. Er hat den ganzen Winter in seinem Pickup-Camper mit Holzofen gelebt und quasi den ganzen Winter durchgeheizt. Diesen Winter will er auf Vancouver Island bleiben, vielleicht trifft man sich dort nochmal.

    Dempster Highway Start Schild
    Der Programm für die nächsten Tage sieht ca. so aus

    Für die knapp 900 km Schotterstraße zum Ozean lassen wir den Luftdruck der Reifen um 0,5 bar ab. Keine Ahnung, ob das wirklich einen Unterschied macht, aber alle sagen, dass es sich dann angenehmer fährt. (Anmerkung vom Zeitpunkt des Schreibens und 900 km testen: Kann sein, dass es einen Unterschied gemacht hat, aber man wird trotzdem massiv durchgeschüttelt.)

    Wir fahren noch ca. 100 km und stehen an einem kleinen Bach direkt am Highway. Die Fahrzeuge, die vorbei brettern, sind laut, aber passt schon für heute und wir machen uns einen entspannten Abend im Volvo.

    Startposition für morgen ist schon eingenommen

    Besuch im Tombstone Territorial Park

    National Park, Provincial Park und nun auch noch Territorial Park? Was ist denn das schon wieder, haben wir uns gefragt und das haben wir uns zusammen gereimt: Im Grunde ist es wie ein National Park, also Tiere schützen, keine Siedlungen oder Industrie etc., allerdings werden die Territorial Parks mit den indigenen Volksgruppen der Gegend zusammen geführt und erstellt. Zusätzlich dürfen diese Gruppen ihren traditionellen Aktivitäten auch im Park nach gehen. Also jagen, fischen etc. Klingt etwas kontraproduktiv für den Naturschutz, die Natives jagen heutzutage mit Quad und Gewehr, fördert aber sicher die Akzeptanz.

    Wir haben heute genau vor dem Park gestanden, weil wir nicht wussten wie es mit Campen im Park aussieht, aber die Straße gehört nicht mit zum Park also darf man da auch übernachten. Nach dem Frühstück untersucht Chris wieder alles unterm Auto, ob sich was gelöst hat. Sieht alles gut aus, nur der Benzinfilter sollte wohl mal gewechselt werden. Solange der Verbrauch, aber nicht auffällig ansteigt, wechseln wir den erst, wenn wir zurück auf Asphalt sind. Und ja ein Vergasermotor verbraucht mehr Benzin, wenn er zu wenig bekommt, scheinbar, sind schon magische Dinger. Nach der Wartungssession hat Chris die Farbe von Straße und Auto angenommen, entsprechend gibt es eine Minibadesession im Bach. Der Bach ist nicht gerade tief, dafür seeehr kalt.

    Der erste Stopp im Park ist das Interpretive Center des Parks. Hier gibt es wieder eine schöne Ausstellung zu Flora, Fauna, der geologischen Geschichte, zum Bau des Dempster Highways und zu den Natives der Gegend. Die Center sind oft echte Highlights, lohnt sich, außer in Banff, normalerweise immer. Hier brennt auch der Kamin und es gibt Tee, da könnte man auch länger bleiben.

    Vor dem Visitor Center blüht es wieder fleißig, hier Schmalblättriges Weidenröschen
    und Alaska wild-rhubarb
    Elchkopf mit Zubehör (Fell und andere Dinge)
    Bretti wandelt zwischen der Geschichte der Gegend
    Ofen mit gratis Tee

    Wir wollen noch wandern und informieren uns entsprechend. Es gibt leider nicht wirklich viele offizielle Wege. Wir dürfen aber auch einfach so in die Gegend laufen und z.B. einem GPS-Trail aus dem Internet folgen. Das klingt erstmal gut, aber als wir am Startpunkt eines solchen Trails vor einem dichten Gebüsch stehen, überlegen wir uns das nochmal. Generell liest man überall wie empfindlich die Pflanzen hier sind und wie lange sie zum Wachsen brauchen. Dann einfach querfeldein auf den Pflanzen rum zu trampeln, scheint uns da auch falsch zu sein. Wir fahren zurück zu einer kleineren offiziellen Wanderung und machen lieber diese. Die Wanderung ist “nur” 6 km lang, dafür geht es ordentlich nach oben. Die Gegend lohnt sich schon von der Straße aus, aber von weiter oben eröffnet sich ein noch spektakulärerer Blick in die wolkenverhangenen Täler.

    Fahraufnahme in ein Seitental. Die Weite kommt wie immer nicht rüber
    Rastplatzaussicht
    Naaaaaa, willst du Mitfahren?
    Ganz klein sieht man noch das Visitor Center
    Kleine Aussichtpause beim Aufstieg muss sein
    Kurze Regenpause wird genutzt
    Was hat er wohl erspäht? Einen Bären vielleicht?
    Tiere haben sich leider nicht gezeigt.
    Sonderbare Selfies dürfen nicht fehlen
    Glücklich, dass es aufgehört hat zu regnen(zumindest kurz)
    Links: Scharfes Berufkraut (oben), Preiselbeere (unten), rechts: Sumpf-Heidelbeere (oben), Schwarze Krähenbeere (mitte), Pilz, keine Ahnung welcher (unten)

    Mal wieder wissen wir noch nicht, wie weit wir heute fahren wollen und halten recht spontan an einem Platz direkt am Blackstone River. Dieser fließt von hier bis ins arktische Meer und ist auch seehr kalt. Extra für euch getestet. Vielleicht denken wir auch mal daran, ein Thermometer reinzuhalten. Spoiler: Bis zum arktischen Ozean wird das scheinbar nichts.

    Wir überlegen kurz, uns einfach vom Fluss bis zum Ozean transportieren zu lassen, entscheiden uns dann aber dagegen. Am Volvo gibt es immerhin kaltes Bier und davon gönnen wir uns jetzt erst mal eins am Flussufer. Auch wenn es nach dem Wetterbericht den ganzen Tag hätte trocken sein sollen, nieselt es durchgängig. Immerhin als es richtig anfängt zu regnen, ist diese Wolke auch auf der Wetterkarte zu sehen. Wir verziehen uns ins Auto, kochen, machen Sudokus und lauschen dem Regen auf dem Dach bis wir ins Bett gehen.

    Heckfenster Aussicht auf den Fluss

    Fahrtag mit vielen Zwischenstopps

    Das Wetter ist hier zwar häufig etwas regnerisch, aber insgesamt ganz angenehm mit um die 23°C. Das lässt einen schnell vergessen, dass unter unseren Füßen der Permafrost ist. Dieser bindet riesige Mengen an Methan und ist immer in Gefahr aufzutauen und das Gas entweichen zu lassen. Das beschleunigt die Klimakatastrophe und bringt hier zusätzlich ganz direkte Probleme mit sich. Jede Straße wird auf einer dicken isolierenden Schicht Erde gebaut, damit der Verkehr und die fehlende Vegetation nicht den Permafrost auftauen lassen. Gefrorenes Wasser dehnt sich bekanntermaßen aus und wenn der Boden nun taut, sackt er in sich zusammen. In dieser unwirklichen Landschaft, welche in der dünnen Schicht über dem Permafrost entsteht, wächst wie gesagt alles sehr langsam. Zusätzlich gibt es im Boden kaum Leben, welches Pflanzenreste und co zersetzt. Entsprechend sollte man hier seine eigenen Hinterlassenschaften nicht verbuddeln, sondern in einer Plastiktüte mitnehmen und im nächsten Mülleimer entsorgen. Wir sind mal wieder ganz froh über unsere eigene Toilette, welche wir also in die Mülleimer entleeren, die regelmäßig an den Rastplätzen vorhanden sind.

    Wir starten unseren Tag wieder mit einer kleinen Badesession, immerhin ist der Fluss hier tief genug, um liegend unterzutauchen. Wärmer ist der Fluss nicht geworden, entsprechend bleibt es ein kurzer Badespaß. Wir verlassen heute den Park, fahren aber weiterhin durch eine sehr schöne Berglandschaft. Im Yukon haben wir bisher sehr wenige Wildtiere gesehen, immerhin stehen hier ein paar (vermutlich nicht so wilde) Pferde im weiten Flussbett und grasen entspannt.

    Wir werden interessiert beobachtet
    Wir haben immer den Wal
    Die Wolken hängen hier immer noch tief zwischen den Bergen

    Da es heute nicht regnet, wirbeln alle auf der Straße große Staubwolken auf. Wenn uns ein LKW entgegen kommt, sind wir unsicher, ob wir anhalten sollen, ein nachfolgendes Fahrzeug sieht uns in unserer Staubwolke erst sehr spät, weiterfahren ist aber auch sehr gefährlich. Soweit möglich fahren wir langsam mit Warnblinklicht weiter und hoffen das Beste.

    Der Highway ist hier nicht gerade wenig befahren. Wir haben mit so 3-4 Fahrzeugen am Tag gerechnet, diese sieht man hier aber eher in 30 Minuten. Vieles sind Touris auf dem Weg zum oder zurück vom Nordmeer, aber auch viele Einheimische und LKWs sind unterwegs. So erblicken wir auch diesen Van, der uns entgegen kommt.

    Frontscheibe ist mit Klebeband überklebt

    Ob das Klebeband die Scheibe zusammen hält oder präventiv angebracht ist, wissen wir nicht. Auch mit mehr Verkehr als erwartet ist die Straße gut zu fahren und in keinem schlechteren Zustand als die anderen Straßen in Kanada. Wir halten regelmäßig am Weg, um uns besondere Highlights aus der Yukon App anzusehen, aber meistens verstehen wir nicht wirklich, warum die App genau hier anhalten will. Insgesamt ist die Tour aber sehr lohnenswert.

    Durch das Eisen im Boden wird der Fluss rostrot
    Die Körner sehen aus als ob hier einfach Kupfer liegt
    Endlich mal wieder Erdmännchen

    Wir stoppen für eine Mittagspause auf einem Hügel an der Straße. Es wird Suppe gekocht, zum ersten mal auf unserem “Außentisch”, den Sandblechen. Wir machen noch ein paar Drohnenaufnahmen, anders kommt die Weite der Landschaft hier gar nicht rüber.

    Chris freut sich schon auf die Suppe
    Eine der vielen Brücken auf dem Dempster Highway

    Wir holpern noch einige Kilometer weiter den Highway entlang. Dieser führt auf einem Bergrücken durch die Landschaft und bietet so viele tolle Ausblicke. Unser heutiger Stellplatz ist wieder einfach kurz vom Highway runter. Leider ohne Aussicht, dafür recht ruhig. Hier verbringen wir einen flauschigen Abend.

    Frühstück am nächsten Morgen
    Chris zieht eine lose gewackelte Mutter an einer Feder wieder fest. Täglich nachschauen lohnt sich bei den Wackelpisten schon sehr.

    Auf in die Northwest Territories

    Wir haben nach unserer Panne in Québec gar nicht damit gerechnet, hier her zu kommen, aber heute geht es nun doch in eine weitere Provinz Kanadas, die Northwest Territories. Diese riesige Provinz (die zweitgrößte Kanadas und ca. 3x so groß wie Deutschland) hat nur 40.000 Einwohneris, also ein halbes Flensburg. Entsprechend gibt es auch nur wenige Straßen, ca. 2000 km, von denen wir in den nächsten Tagen ca. ein Viertel befahren werden. Dafür müssen wir aber erst mal wieder tanken und wir kommen mit Tankanzeige auf 0 auch an der Tankstelle an. Der Liter Benzin kostet hier 2,72 C$, Rekord auf der Reise. Spoiler: Dieser Rekord wird nicht lange halten… Ihr wisst ja noch damals für 1,45 C$ für Premium naja. Immer noch günstiger als in Deutschland und diese Tankstelle ist auch wirklich am Arsch der Welt in Eagle Plains. Nicht nur wir verstehen zuerst nicht wie die Zapfsäule funktioniert und so kommen wir mit anderen ins Gespräch. Es ist für uns immer wieder spannend wie entspannt die Kanadier einem eine Frikadelle ans Ohr labern, wenn schon Leute aufs Tanken warten, denen man Platz machen müsste. Hier scheint das aber niemanden besonders zu stören.

    Es werden hier immer die englischen Namen und die Namen in der Sprache der Natives angegeben
    Rastplatz im Nirgendwo

    Heute steht wieder ein Fahrtag an und wir fahren weiter durch sehr schöne Landschaft. Die Berge und Wälder weichen langsam einer Tundra Landschaft und wir überqueren zum ersten mal in unserem Leben den Polarkreis. Wir sind nun in dem Bereich, wo die Sonne im Winter gar nicht auf und im Sommer nicht unter geht.

    Chris auf der Suche nach einem Geocache

    Vom Polarkreis ist es nicht mehr weit zur Grenze vom Yukon in die Northwest Territories. Wir schleichen mal wieder eine Passstraße hinauf und halten oben am Infopunkt. Hier sammeln viele Leute (vermutlich) Cranberries, die hier in Massen wachsen. Die Gegend ist wieder bergiger und die Weite ist mit dem Smartphone kaum einzufangen. Alles sehr spektakulär. Wir haben heute schon so viele schöne Übernachtungsplätze gesehen, man fühlt sich etwas schlecht, dass man die nicht alle nutzen kann.

    Entering Northwest Territories
    Fast am Ziel
    Wollgras gibt es hier fast überall

    Am Weg stehen immer wieder verlassene Pickups, diese gehören scheinbar zu Einheimischen auf der Jagd. Eine Gruppe scheint gerade mit ihren Quads zurück gekommen zu sein. Auf einer Pickup-Ladefläche liegt ein frischer Caribou Kopf.

    Fahrbild

    Wir kommen wieder mal auf ein besonderes Gesprächsthema, welches wir euch hier nicht vorenthalten wollen. In den hochalpinen Gegenden Asiens trocknen die Menschen den Dung ihrer Tiere, um damit zu heizen. Das Thema wurde uns letztens von zwei wundervollen Menschen näher gebracht, die dort gerade mit dem Fahrrad reisen. Da Dung im Allgemeinen hier im Boden ja nicht verrottet, haben wir uns gefragt, ob man das nicht auch mit menschlichem Dung machen könnte. Wir recherchieren ein wenig. Generell scheint wirklich durch getrockneter menschlicher Kot ganz ordentlich zu brennen, allerdings steckt dieser auch voller Krankheitserreger. Diese können beim Trocknen auf alles mögliche überspringen, also ist Kot trocknen leider keine gute Option. Wäre ja auch zu praktisch gewesen, wir hatten schon philosophiert, wie wir eine Trocknungskammer an den Motor anbauen können. Naja anyway.

    Wir fahren heute noch bis Fort McPherson. Hier gibt es wieder “günstiges” Benzin für 2,25 C$ und sogar zwei Supermärkte. Diese haben leider schon zu, so entschließen wir uns, hier zu bleiben und parken direkt am Fluss. Hier gibt es eine solide 4 auf der Mückenskala, damit kann man leben. Die wenigen Mücken liegen vielleicht an den ganzen riesigen Libellen, die hier unterwegs sind. Wir sprechen noch kurz mit einer Einheimischen die vorbei kommt, sind aber ziemlich geschafft vom heutigen Tag. Die Zeit-Verschiebung, eine Stunde wieder zurück, hilft da auch nicht wirklich. Irgendwie ist es zügig 23:30 Uhr als wir duschen und dann schnell ins Bett hüpfen.

    Um Mitternacht ist die Sonne gerade erst hinter dem Horizont verschwunden. Das tut sie hier eh überhaupt erst seit 10 Tagen wieder. Dass die Sonne sich so “komisch” verhält, ist schon absolut wild zu erleben. Zeigt einem auch wieder mal, dass wir nur eine Horde etwas intelligenterer Affen sind, die auf einer Gesteinskugel mit einem Affenzahn durchs All fliegen und dabei eine andauernde Wasserstoff fusionierende Kugel umkreisen. Mit diesen Gedanken schlummern wir in den Montag hinein.

    Ob der Rest der Woche auch mit so demütigen Gedanken weiter geht, lest ihr dann im nächsten Teil.