Woche 24 | Teil 2: Hallelujah, ist das schräg | 20.545 km

Lagerfeuer und Fische

Wir starten mit einer netten Aussicht in den Tag, leider zeigen sich weiter keine Grizzlies oder andere Tiere. Bretti fährt den Rest des Offroadtracks zurück und alles läuft entspannt. Vom Ende des Trails fahren wir zum Campingplatz am Kathleen Lake. Die Übernachtung kostet 30 C$ und Feuerholz ist inklusive. Das wollen wir heute aber gar nicht nutzen, denn Parks Canada macht heute hier einen Lagerfeuertalk. Der startet erst um 19:00 Uhr und vorher machen wir uns einen entspannten Tag. Wir backen Kaffeecookies und tauschen den Benzinfilter. Mit dem ganzen Schlamm der letzten Tage hatte der auch ordentlich was zu tun.

Der Dreck im Filter spricht Bände
Vom Platz haben wir keine Fotos gemacht, aber immerhin von den Toiletten.

Wir füllen noch Kühlerfrostschutz auf, nachts sollen es -6°C werden. Dann machen wir einen Spaziergang zum See und schreiben Blog, bis es schließlich zum Talk geht. Am zentralen Lagerfeuerplatz gibt es heißen Tee und Kakao und wir sitzen in einer größeren Runde um ein Feuer. Die Parkmitarbeiterin erklärt uns viel über die Fische des Parks. Sehr interessant und gut gemacht. Fische sind jetzt nicht unser Lieblingsthema, aber anhören kann man sich das ja mal.

Seit heute schmeckt unser Trinkwasser komisch / “chemisch”. Wir hatten in Haines Junction ganz wenig Wasser nachgefüllt. Der Wasserhahn hatte sehr wenig Wasser geliefert, entsprechend hatten wir maximal einen Liter mitgenommen. Da wir uns nicht so sicher sind, ob wir das trinken sollten, lassen wir es hier ab, spühlen das ganze System und dann schmeckt das neue Wasser auch wieder neutral. In 50 m Entfernung können wir mit unserem Kanister neues Wasser holen. Da auch dieser Wasserhahn nicht so schnell Wasser liefert, füllen wir den restlichen Tank morgen auf. Während wir das Wassersystem reinigen, kommt ein älterer Herr aus der Schweiz vorbei. Er ist in einem kleinen Dorf mitten in den Bergen aufgewachsen und der Bäcker / Gemischtwarenhändler ist immer mit einem Volvo C303 vorbei gekommen. Das ist das Zweiachsermodel unseres Volvos. Unseren Volvo zu sehen, hat ihn ganz nostalgisch werden lassen, meint er. Er macht ein Foto und meint, er schickt das an seine Familie mit dem Titel: “Guckt mal, der Bäcker ist in Kanada”.

Eine schräge Angelegenheit auf dem Weg zum Mush Lake

Nach einem entspannten Frühstück füllen wir noch den Rest des Wassertanks auf. Der Geschmack ist weiterhin neutral, hoffentlich bleibt das so. Wir fahren nochmal an den See und machen einen überraschend kurzen Spaziergang. Zurück am Fahrzeug werden wir kurz hintereinander von drei Gruppen Menschen angesprochen. Deutsche, Puerto-Ricaner und zwei Menschen aus Alaska. Das ganze zieht sich etwas, ist aber wie immer ganz nett.

Kathleen Lake im Hintergrund der Kings Throne Peak
Das Wasser ist so klar, man sieht sogar die Stegverankerung
Und blau ist es
Am Wegesrand sieht man Pilze, Beeren (Kanadischer Hartriegel) und lustiggeformte Birken.

Wir fahren los zum Anfang der Mush Lake Road der heutigen Offroad Passage. Dieser Trail soll anspruchsvoller sein als der letzte, wir sind mal gespannt. Der ganze Weg zum See ist 22,6 km lang. Die ersten 7 km sind recht entspannt, eher ein normaler Waldweg. Ab Kilometer 8 gibt es eine Flussdurchfahrt und das Gelände wird bergiger. Hier ist alles gut machbar, nur die Lage am Hang gibt einem ein etwas mulmiges Gefühl. Die Straße wird schlechter, aber wir haben auch ziemlich viel Spaß. 5 km vor dem Ziel, führt die Straße am Zufluss des Sees entlang und die Straße wird teilweise sehr schräg. 21° zeigt unsere Schräglagen-App an. Das ist ein ganz schöner Schritt über unsere Komfortzone hinaus. Der Adrenalinpegel ist sehr hoch. Dass der Wagen umkippt, wäre absolute Katastrophe, hier bekommt man den Volvo auch nicht geborgen. Wir überlegen kurz, zurück zu fahren, aber dafür müssten wir mehrere Kilometer rückwärts die Straße zurück fahren. Das ist jetzt auch nicht wirklich besser, also geht es weiter und alles geht gut. Die Straße wird zum Glück auch wieder besser und so kommen wir gut am See an. Der ganze Weg hat 3,5 h gedauert und wir sind ganz schön geschafft nach den letzten Kilometern.

Ab durchs Wasser
Bisschen schräg, schräger als es auf dem Foto aussieht

Es ist hier leider sehr windig, entsprechend fahren wir heute nicht mehr Boot, die Wellen sind ziemlich hoch. Dafür haben wir einen schönen Blick über den See auf die Berge und entspannen erstmal. Wir machen ein Lagerfeuer, grillen und haben einen entspannten Abend nach der stressigen Anfahrt. Der Wetterbericht sagt mitlerweile für Morgen auch Regen voraus, mal sehen ob wir nicht doch schon Morgen zurück fahren, bevor der Rückweg noch schlechter wird.

Das Holz hat netterweise ein Biber für uns gefällt, siehe Bissspuren.
Söders feuchter Traum bis auf die Paprika

Ein Tag am Mush Lake

Wie der Titel schon verrät bleiben wir heute doch noch hier. Der Wetterbericht zeigt nicht wirklich was hilfreiches an, aber die Stimmung ist heute besser. Auch wenn Chris nicht wirklich gut geschlafen hat, ist die Stimmung morgens ziemlich gut. Wir gehen erstmal baden, muckelige 9°C haben Wasser und Luft.

Während wir Frühstück machen, kommt ein Pickup vorbei. Die Insassen nutzen eines der vorhandenen Boote und fahren auf dem See rum. Hier liegen mehrere Boote, welche mit normalen Bootsanhängern hergebracht worden sind. Respekt.

Das Ankommen des Pickups bestärkt uns, hier zu bleiben. So schlimm kann der Weg dann ja nicht sein. Die nächsten zwei Stunden soll es trocken bleiben, also machen wir einen Spaziergang am See entlang. Es zeigen sich leider keine Grizzlies, dafür zwei Schwäne.

Chris der Tierfotograf
Tundra- oder Trompeterschwäne?
Auch ein Horned Grebe oder deutsch Ohrentaucher schwimmt vorbei
Und ein Ground Squirrel mit Pflanzen im Fell inspiziert unser Auto

Zurück am Auto entscheiden wir uns, auch heute kein Boot zu fahren. Falls der Wetterbericht recht hat, wird es viel regnen. Dafür arbeiten wir am Blog und am Auto. Es stellt sich dann doch kein Regen ein und auch der Wetterbericht zeigt keinen Regen mehr an. Wir ärgern uns etwas, dass wir das Boot nicht genutzt haben, aber so ist das dann eben. Dafür machen wir wieder Lagerfeuer. Als das Feuer brennt, fängt es dann doch an zu regnen. (Der Wetterbericht zeigt immer noch “kein Regen”.) Naja, dafür haben wir ja unser Tarp und entsprechend sitzen wir im Trockenen.

“Die Frau und der See” und kalte Füße

Da es immer wieder stark regnet, sind wir mitlerweile ganz froh, nicht im Boot zu sitzen. Wir kochen noch auf dem Feuer, trinken ein Bierchen und schauen aufs Wasser. Es ist relativ kalt und regnet, deswegen kochen wir noch Tee. Es hat ein schönes Herbstfeeling hier und so lassen wir den Tag ausklingen.

Rückweg zum Highway

Am Ende des Frühstücks reißt Bretti unseren Tisch im Volvo ab, sodass alles auf den Boden fällt. Uns war klar, dass unsere Konstruktion dafür anfällig ist, wir sind entsprechend eher beeindruckt, dass es solange ohne Abriss geklappt hat.

Zu sehen ist die Halterung, die man leicht mal aushakt, wenn man von unten gegen den Tisch kommt

Wir hatten schon fertig gegessen entsprechend passiert nicht viel, nur die Butter landet auf dem Boden. Nach dem Aufräumen, gehen wir noch baden und dann treten wir den Rückweg an.

Chris fährt den Anfang des Rückwegs und Bretti weist ihn ein, wo er am besten fahren soll, um die schrägsten Stellen zu entschärfen. Das klappt ziemlich gut und der Rückweg ist dadurch zwar immer noch anspruchsvoll, aber gut machbar. Bei der Hälfte wechseln wir und Bretti fährt den Rest. Wir brauchen wieder ca. 3,5 Stunden für die 22 km.

Zusammenschnitt des Hin- und Rückweges mit etwas übertrieben dramatischer Musik 😀

Zurück am Highway fahren wir noch einige Kilometer weiter nach Süden und einen kurzen Offroadtrack zu einem Bergsee, dem Kelsall Lake.

Blick vom Highway
Wunderschöne Landschaft & immer noch auf dem Highway
Und wieder offroad

Wir haben hier einen wunderbaren Blick auf die Berge und den See. Es liegt hier etwas Feuerholz und wir machen ein kleines Feuer. In dem entspannten Setting haben wir einen schönen Abend. Wie es in den Bergen hier weiter geht, lest ihr dann nächste Woche.

Die Füße mussten natürlich direkt ins eiskalte Wasser
Dem Volvo war es zu kalt, der wollte nicht ins Wasser
Ein bisschen Sonnenuntergang
Die Offraodtracks kennt Google Maps nicht und entsprechend fehlen sie auf der Karte

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