Wir starten den Tag mit Nebel verhangenen Bergen und einem Bad im eiskalten Fluss/See. Gut, dass wir hier gestern die Aussicht noch genießen konnten, denn heute sieht man nicht mal mehr den Fuß der umliegenden Berge.
Wir fahren den Weg zurück zur Straße und schrecken eine Gruppe Ptarmigans auf. Zwei der Gruppe entscheiden sich aufgeschreckt, vor uns die Straße lang zu laufen, anstatt in das seitliche Gebüsch zu verschwinden. Wir halten irgendwann einfach an und warten etwas. Bei unserer Weiterfahrt sind sie immerhin verschwunden.
Es folgt noch die spektakuläre Flussdurchfahrt mit dem folgenden Anstieg, der uns diesmal gar nicht so schräg vorkommt wie noch auf dem Hinweg. Beim Hinweg steckte uns wohl die letzte Tour noch zu sehr in den Knochen.
Es geht weiter Richtung Süden, also Richtung Haines in Alaska. Es ist schon irgendwie sonderbar, wieso Alaska hier an der Küste entlang geht und Kanada vom Meer abschneidet. Die Städte dürften als Versorgungspunkt für Seereisen nach Alaska früher sicher sinnvoll gewesen sein. Dass ihr einziger Landzugang nur durch Kanada führt, ist schon etwas schräg, gerade wenn man an den aktuellen Handelsstreit der beiden Länder denkt. Wäre sicher interessant, wie die Bewohner von Haines, Skagway und der ganzen anderen Städte ohne Landverbindung in die USA das ganze sehen.
Für uns bedeutet das heute aber nur, dass wir noch nicht bis an den Pazifik fahren können. Wir stoppen auf dem Weg bis an die Grenze immer wieder und bestaunen die alpine Landschaft mit ihren wolkenverhangenen Bergen. Je näher wir der Grenze kommen desto mehr senkt sich das Gelände ab und wir stecken bald mitten in der Wolkendecke mit Sichtweiten unter 50 m. Das hält die meisten anderen Autofahreries nicht vom Rasen ab. Wir sind etwas unschlüssig, ob langsam fahren so eine gute Idee ist, wenn uns die Leute mit Vollgas einholen. Wir entscheiden uns für eine mittlere Geschwindigkeit und Warnblinklicht, eine Nebelschlussleuchte besitzen wir leider nicht.
Durch die wenige Sichtweite, sehen wir auch keine Wildtiere. Wir versuchen, noch etwas dichter an den Fluss in der Talmitte zu kommen, aber der einzige Zufahrtsweg endet 20 m über dem Fluss in den Bäumen. Wir hatten gehofft, hier vielleicht Lachse zu sehen, denn dieser Fluss fließt direkt in den Pazifik bei Haines. Das Gebiet ist bekannt für seine Lachswanderung und die fischenden Grizzlies. Aus der Distanz und im Nebel sehen wir so leider nichts von beidem. Dafür war der Weg sogar für unsere Verhältnisse recht zugewachsen. Die Äste waren sehr dünn und mit den ganzen nassen Blättern ist der Volvo vorne und an den Seiten jetzt richtig sauber. Natur Waschanlage quasi.
Wenn man genau hinguckt, sieht man unten den FlussNaturwaschanlage, keine Garantie auf Kratzfreiheit
Wir drehen an der letzten Wendemöglichkeit vor der Grenze um und fahren den ganzen Weg wieder hoch. Die Wolken reißen sogar etwas früher wieder auf und wir haben wieder einen schönen Blick auf die Berge. Unser Weg führt uns heute auf den Wanderparkplatz des Chuck Creek Trails. Eine größtenteils flache dafür mit 22 km recht lange Wanderung. Dafür lockt am Ende die Aussicht auf den Samuel Gletscher. 22 km sind für uns definitiv zu viel, aber wir hoffen, morgen immerhin einen Blick auf den Gletscher zu erspähen. Morgen soll das Wetter auch wieder besser werden, heute bleibt es bewölkt und regnerisch, deswegen bleiben wir im Volvo. Bretti macht noch einen Apfelkuchen bzw. eine schwedische Apfeltorte ohne Sahnetopping. Wir kochen auch noch und nutzen einen neuen Sahneersatz, dieser taugt leider nicht in herzhaften Speisen. Auch ungesüßt bringt es zu viel Süße selber mit, im Kuchen macht er sich dafür ganz gut. So hat die Soße einen besonderen Touch, kann man aber trotzdem gut essen. Wir lassen den Abend dann noch gemütlich im Volvo ausklingen.
Zwischen den Bergen erstreckt sich das Tal in gefühlt endlose Weiten
Dienstag ist Wandertag
Der Titel ist heute Programm, aber bevor es los geht wird natürlich gut gefrühstückt und ein paar Brote geschmiert. Während des Frühstücks sieht Chris einen SUV auf der Straße vorbei fahren. Er meint daraufhin, dass seine Wahrnehmung von Autos völlig verzerrt ist, da sein erster Gedanke war: “Oh ein kleines Auto”. Es wird sicher wieder spannend, in Europa auf normale Autogrößen zu stoßen, auch wenn sie dort ebenfalls immer größer werden.
Nun brechen wir zur Wanderung auf. Sie führt durch sehr schön blühende Berglandschaften. Wir sehen viele Bärenhinterlassenschaften, aber keine größeren Wildtiere. Dafür unzählige Erdhörnchen, was Chris beim Fotografieren regelmäßig entzückte Ausrufe ausstoßen lässt.
Wetteraussichten sind wechselhaftOh ein SnackNomnomnomLeckerWir werden beobachtetDas kleine ist sehr nah ran gekommenChris fotografiert Tiere und Bretti fotografiert Chris
Wir sehen noch zwei Northern Harrier (Hudsonweihe), wieder Ptarmigans (Schneehühner) und einige kleinere Vögel. Nach 7 km kommt auch der Gletscher langsam in Sicht. Wir sind motiviert und der Aussichtspunkt ist nur noch 4 km entfernt. Da wir den ganzen Weg natürlich auch noch zurück gehen müssen, entscheiden wir uns aber, vor der zweiten Flussquerung eine Pause zu machen und dann umzudrehen, den Gletscher sehen wir auch von hier schon. Das ist auch definitiv die bessere Entscheidung, denn am Ende werden wir nach 15,5 km ganz schön platt sein.
Die richtig hohen Berge kommen in SichtDurch das Teleobjektiv sehen die Berge schon ganz nah ausNorthern Harrier (Hudsonweihe)Northern Harrier (Hudsonweihe)Ptarmigan stolziert wie ein KönigDer Lidstrich sitzt auchGolden-crowned SparrowHerbstfarben knallen richtigPhotograph ChrisAdventure ChrisExplorer BrettiPausen Bretti mit AussichtDer Gletscher ist in SichtDie kargere Landschaft verwandelt sich in eine BlumenwieseSchnellste Kacki der Welt 😀Oben links: Arktisches Wollgras, Oben rechts: Arktisches Weidenröschen, Mitte rechts: Arktische Weide, Unten: (links) Schwarze Krähenbeere, (rechts) Alpen-Beerentraube Oben links: grüner Germer, Oben rechts: Schwarzes Engelwurz, Mitte rechts: Alaska Lupine, Unten links: Engelwurz, Unten rechts: Kanadische BüffelbeereOben links: Orangeroter Heftelnabeling(Vielleicht), Oben rechts: Alpenscharte, Mitte links: Ledublättrige Leptarrhena, Mitte rechts: Hoher Rittersporn, Unten links: Sumpf-Grasnelke, Unten rechts: Yukon-Scharte
Der Rückweg ist genau so schön wie der Hinweg und so haben wir auch ohne den Aussichtspunkt eine super Zeit. Es sind noch richtig viele Hummeln unterwegs, damit hätten wir schon gar nicht mehr gerechnet, nachts fallen die Temperaturen hier schon unter 0°C. Zurück am Auto gibt es Kaffee und Kuchen. Schön, die geschafften Beine hochlegen zu können, die letzten 4 km haben sich noch ganz schön gezogen.
Da wir in einer Woche Besuch bekommen, bricht nun schon das Ende unserer Zeit in der Gegend hier an. Wir können uns an der Landschaft ehrlich gesagt gar nicht satt sehen. Die nächsten Tage stehen aber über 1000 km Strecke an, also fahren wir heute noch 120 km den Weg zurück bis kurz vor Haines Junction. Um uns den Abschied noch schwerer zu machen, sehen wir auch noch einen Schwarzbären am Straßenrand. Dieser ist aber sichtlich durch unsere Anwesenheit irritiert, also fahren wir nur an ihm vorbei. Wir stehen heute an einem kleinen Fluss, wo wir seit langem mal wieder mehrere andere Reisende sehen. Viele Plätze sind dank der späten Ankunftszeit schon belegt, aber hier gibt es zum Glück endlos viele weitere und so finden wir auch noch einen Platz direkt am Fluss mit einem tollen Blick auf die Berge. Geschafft lassen wir den Tag hier ausklingen.
Erstmal wieder gen Norden Und schwups von BC wieder in den YukonStellplatz für die Nacht. Ganz schön kalt, für die Nacht sind Minusgrade angesagt, aber mega Aussicht
Erster Fahrtag Richtung Terrace
Wir werden unseren Besuch in Terrace einsammeln, dafür geht es die nächsten Tage den Alaska Highway zurück nach British Columbia. Durch die Tage hier in den Bergen sind unsere Vorräte ziemlich aufgebraucht und so starten wir heute ohne Frühstück. Zum Glück ist die Village Bakery in Haines Junction nicht weit. Wir essen was zum Frühstück vor Ort und packen noch 4 Stück Brownie ein. Man kann schließlich nie genug Kuchen haben und es steht ein Geburtstag ins Haus. Leider enttäuscht der Kaffee diesmal etwas. Chris hat diesmal einen großen Americano bestellt und Bretti meint, der wurde am Ende noch mit heißem Wasser aufgefüllt. So hat er leider auch geschmeckt.
Bretti wartet noch auf die GetränkeChris wartet mit dem restlichen Frühstück. Alles wieder sehr gesund
Außer dem Kaffee ist hier alles wieder sehr lecker und so kann es frisch gestärkt weiter gehen. Wir stoppen wieder beim Visitor Center des Kluane Nationalparks, denn letztes Mal hatten wir das inkludierte Cultural Center der lokalen Natives nicht mehr geschafft. Auch dieses ist ganz ansprechend gestaltet und wir lernen viel über die Geschichte und die Traditionen. Lohnt sich auf jeden Fall auch, man muss nur ordentlich geistige Kapazität zum Lesen der ganzen Texte mitbringen. Wir fragen uns, wie lange es wohl gedauert hat, den Text über die Vertreibung und Wiederansiedlung der Natives, so zu schreiben, dass beide Seiten zufrieden waren. Hier unter einem Dach ist man sicher bemüht, das ganze neutraler dazustellen. Die Realität war sicher grauenhaft. Immerhin wird das ganze hier nicht verschwiegen und aus Geschichtsbüchern gelöscht wie in anderen Teilen Nordamerikas.
Gemälde von einer lokalen Künstlerin der Kluane ParkAndere deutsche Touries schauen sich unser Auto anViel Geschichte auf engen RaumRiesen Karte mit historischen und aktuellen Orten der natives
Nach diesem Stopp geht es 120 km zurück nach Whitehorse. Hier kaufen wir wieder neue Vorräte. Gut ausgestattete Supermärkte gibt es im Yukon nur hier. Ein Stopp bei Chris Lieblingsbrauerei in Kanada, Yukon Brewing, darf natürlich auch nicht fehlen. Wir nutzen noch die günstige Tankmöglichkeit und fahren weitere 200 km bis über die Grenze nach British Columbia. Kurz vor unserem Ziel futtert sich ein sehr großes Stachelschwein durch die Begrünung an der Straße. Chris verdrängt irgendwie, dass er auch Aussteigen könnte zum Fotos machen, durch die dreckige Scheibe sind die Bilder so lalala.
Eine beliebige FahraufnahmePorcupine oder auch Baumstachler (Stachelschwein)Dazu eine weitere beliebige Fahraufnahme
Bretti lässt in alter Posermanier den Motor aufheulen, sie kann einfach nicht aus ihrer Haut. Unerwarteterweise verzieht sich der Baumstachler dann ins Gebüsch und nimmt nicht ihre Aufforderung zu einem Rennen an. Bergauf wäre das vermutlich ein Kopf an Kopf Rennen geworden.
So kommen wir ohne Rennen am heutigen Ziel an, die Recreation Site Morley Lake. Hier haben wir auf dem Hinweg schon ein paar Tage verbracht und so werden wir es auch diesmal machen. Im Gegensatz zum letzten Mal ist es recht voll, aber wir finden noch ein Plätzchen mit netter Sicht auf den See. Da Morgen Brettis Geburtstag ist, werden wir eine Pause von unserem rasanten Reisetempo einlegen und hier bleiben. Sektfrühstück, Kuchen essen und Boot fahren steht auf dem Programm.
Sonnenuntergangs Stimmung über den See
Wie es Bretti in ihrem neuen Lebensjahr geht lest ihr dann im nächsten Teil.
Wir starten mit einer netten Aussicht in den Tag, leider zeigen sich weiter keine Grizzlies oder andere Tiere. Bretti fährt den Rest des Offroadtracks zurück und alles läuft entspannt. Vom Ende des Trails fahren wir zum Campingplatz am Kathleen Lake. Die Übernachtung kostet 30 C$ und Feuerholz ist inklusive. Das wollen wir heute aber gar nicht nutzen, denn Parks Canada macht heute hier einen Lagerfeuertalk. Der startet erst um 19:00 Uhr und vorher machen wir uns einen entspannten Tag. Wir backen Kaffeecookies und tauschen den Benzinfilter. Mit dem ganzen Schlamm der letzten Tage hatte der auch ordentlich was zu tun.
Der Dreck im Filter spricht BändeVom Platz haben wir keine Fotos gemacht, aber immerhin von den Toiletten.
Wir füllen noch Kühlerfrostschutz auf, nachts sollen es -6°C werden. Dann machen wir einen Spaziergang zum See und schreiben Blog, bis es schließlich zum Talk geht. Am zentralen Lagerfeuerplatz gibt es heißen Tee und Kakao und wir sitzen in einer größeren Runde um ein Feuer. Die Parkmitarbeiterin erklärt uns viel über die Fische des Parks. Sehr interessant und gut gemacht. Fische sind jetzt nicht unser Lieblingsthema, aber anhören kann man sich das ja mal.
Seit heute schmeckt unser Trinkwasser komisch / “chemisch”. Wir hatten in Haines Junction ganz wenig Wasser nachgefüllt. Der Wasserhahn hatte sehr wenig Wasser geliefert, entsprechend hatten wir maximal einen Liter mitgenommen. Da wir uns nicht so sicher sind, ob wir das trinken sollten, lassen wir es hier ab, spühlen das ganze System und dann schmeckt das neue Wasser auch wieder neutral. In 50 m Entfernung können wir mit unserem Kanister neues Wasser holen. Da auch dieser Wasserhahn nicht so schnell Wasser liefert, füllen wir den restlichen Tank morgen auf. Während wir das Wassersystem reinigen, kommt ein älterer Herr aus der Schweiz vorbei. Er ist in einem kleinen Dorf mitten in den Bergen aufgewachsen und der Bäcker / Gemischtwarenhändler ist immer mit einem Volvo C303 vorbei gekommen. Das ist das Zweiachsermodel unseres Volvos. Unseren Volvo zu sehen, hat ihn ganz nostalgisch werden lassen, meint er. Er macht ein Foto und meint, er schickt das an seine Familie mit dem Titel: “Guckt mal, der Bäcker ist in Kanada”.
Eine schräge Angelegenheit auf dem Weg zum Mush Lake
Nach einem entspannten Frühstück füllen wir noch den Rest des Wassertanks auf. Der Geschmack ist weiterhin neutral, hoffentlich bleibt das so. Wir fahren nochmal an den See und machen einen überraschend kurzen Spaziergang. Zurück am Fahrzeug werden wir kurz hintereinander von drei Gruppen Menschen angesprochen. Deutsche, Puerto-Ricaner und zwei Menschen aus Alaska. Das ganze zieht sich etwas, ist aber wie immer ganz nett.
Kathleen Lake im Hintergrund der Kings Throne PeakDas Wasser ist so klar, man sieht sogar die StegverankerungUnd blau ist esAm Wegesrand sieht man Pilze, Beeren (Kanadischer Hartriegel) und lustiggeformte Birken.
Wir fahren los zum Anfang der Mush Lake Road der heutigen Offroad Passage. Dieser Trail soll anspruchsvoller sein als der letzte, wir sind mal gespannt. Der ganze Weg zum See ist 22,6 km lang. Die ersten 7 km sind recht entspannt, eher ein normaler Waldweg. Ab Kilometer 8 gibt es eine Flussdurchfahrt und das Gelände wird bergiger. Hier ist alles gut machbar, nur die Lage am Hang gibt einem ein etwas mulmiges Gefühl. Die Straße wird schlechter, aber wir haben auch ziemlich viel Spaß. 5 km vor dem Ziel, führt die Straße am Zufluss des Sees entlang und die Straße wird teilweise sehr schräg. 21° zeigt unsere Schräglagen-App an. Das ist ein ganz schöner Schritt über unsere Komfortzone hinaus. Der Adrenalinpegel ist sehr hoch. Dass der Wagen umkippt, wäre absolute Katastrophe, hier bekommt man den Volvo auch nicht geborgen. Wir überlegen kurz, zurück zu fahren, aber dafür müssten wir mehrere Kilometer rückwärts die Straße zurück fahren. Das ist jetzt auch nicht wirklich besser, also geht es weiter und alles geht gut. Die Straße wird zum Glück auch wieder besser und so kommen wir gut am See an. Der ganze Weg hat 3,5 h gedauert und wir sind ganz schön geschafft nach den letzten Kilometern.
Ab durchs WasserBisschen schräg, schräger als es auf dem Foto aussieht
Es ist hier leider sehr windig, entsprechend fahren wir heute nicht mehr Boot, die Wellen sind ziemlich hoch. Dafür haben wir einen schönen Blick über den See auf die Berge und entspannen erstmal. Wir machen ein Lagerfeuer, grillen und haben einen entspannten Abend nach der stressigen Anfahrt. Der Wetterbericht sagt mitlerweile für Morgen auch Regen voraus, mal sehen ob wir nicht doch schon Morgen zurück fahren, bevor der Rückweg noch schlechter wird.
Das Holz hat netterweise ein Biber für uns gefällt, siehe Bissspuren.Söders feuchter Traum bis auf die Paprika
Ein Tag am Mush Lake
Wie der Titel schon verrät bleiben wir heute doch noch hier. Der Wetterbericht zeigt nicht wirklich was hilfreiches an, aber die Stimmung ist heute besser. Auch wenn Chris nicht wirklich gut geschlafen hat, ist die Stimmung morgens ziemlich gut. Wir gehen erstmal baden, muckelige 9°C haben Wasser und Luft.
Während wir Frühstück machen, kommt ein Pickup vorbei. Die Insassen nutzen eines der vorhandenen Boote und fahren auf dem See rum. Hier liegen mehrere Boote, welche mit normalen Bootsanhängern hergebracht worden sind. Respekt.
Das Ankommen des Pickups bestärkt uns, hier zu bleiben. So schlimm kann der Weg dann ja nicht sein. Die nächsten zwei Stunden soll es trocken bleiben, also machen wir einen Spaziergang am See entlang. Es zeigen sich leider keine Grizzlies, dafür zwei Schwäne.
Chris der TierfotografTundra- oder Trompeterschwäne?Auch ein Horned Grebe oder deutsch Ohrentaucher schwimmt vorbeiUnd ein Ground Squirrel mit Pflanzen im Fell inspiziert unser Auto
Zurück am Auto entscheiden wir uns, auch heute kein Boot zu fahren. Falls der Wetterbericht recht hat, wird es viel regnen. Dafür arbeiten wir am Blog und am Auto. Es stellt sich dann doch kein Regen ein und auch der Wetterbericht zeigt keinen Regen mehr an. Wir ärgern uns etwas, dass wir das Boot nicht genutzt haben, aber so ist das dann eben. Dafür machen wir wieder Lagerfeuer. Als das Feuer brennt, fängt es dann doch an zu regnen. (Der Wetterbericht zeigt immer noch “kein Regen”.) Naja, dafür haben wir ja unser Tarp und entsprechend sitzen wir im Trockenen.
“Die Frau und der See” und kalte Füße
Da es immer wieder stark regnet, sind wir mitlerweile ganz froh, nicht im Boot zu sitzen. Wir kochen noch auf dem Feuer, trinken ein Bierchen und schauen aufs Wasser. Es ist relativ kalt und regnet, deswegen kochen wir noch Tee. Es hat ein schönes Herbstfeeling hier und so lassen wir den Tag ausklingen.
Rückweg zum Highway
Am Ende des Frühstücks reißt Bretti unseren Tisch im Volvo ab, sodass alles auf den Boden fällt. Uns war klar, dass unsere Konstruktion dafür anfällig ist, wir sind entsprechend eher beeindruckt, dass es solange ohne Abriss geklappt hat.
Zu sehen ist die Halterung, die man leicht mal aushakt, wenn man von unten gegen den Tisch kommt
Wir hatten schon fertig gegessen entsprechend passiert nicht viel, nur die Butter landet auf dem Boden. Nach dem Aufräumen, gehen wir noch baden und dann treten wir den Rückweg an.
Chris fährt den Anfang des Rückwegs und Bretti weist ihn ein, wo er am besten fahren soll, um die schrägsten Stellen zu entschärfen. Das klappt ziemlich gut und der Rückweg ist dadurch zwar immer noch anspruchsvoll, aber gut machbar. Bei der Hälfte wechseln wir und Bretti fährt den Rest. Wir brauchen wieder ca. 3,5 Stunden für die 22 km.
Zusammenschnitt des Hin- und Rückweges mit etwas übertrieben dramatischer Musik 😀
Zurück am Highway fahren wir noch einige Kilometer weiter nach Süden und einen kurzen Offroadtrack zu einem Bergsee, dem Kelsall Lake.
Blick vom HighwayWunderschöne Landschaft & immer noch auf dem HighwayUnd wieder offroad
Wir haben hier einen wunderbaren Blick auf die Berge und den See. Es liegt hier etwas Feuerholz und wir machen ein kleines Feuer. In dem entspannten Setting haben wir einen schönen Abend. Wie es in den Bergen hier weiter geht, lest ihr dann nächste Woche.
Die Füße mussten natürlich direkt ins eiskalte WasserDem Volvo war es zu kalt, der wollte nicht ins WasserEin bisschen SonnenuntergangDie Offraodtracks kennt Google Maps nicht und entsprechend fehlen sie auf der Karte
Nach dem Frühstück starten wir zur ersten Tankstelle, bei der es wieder Premium Benzin gibt. Fazit unseres Experiments mit Oktanbooster & Regular Benzin: Wenn man den Oktanbooster deutlich höher dosiert als angegeben, kann man das für Notfälle mal machen, dann lohnt es sich preislich allerdings nicht gegenüber Premium, außer der Preisunterschied zu Regular ist sehr hoch. Wir werden eine Flasche Oktanbooster als Vorrat zurechtlegen, falls es mal wieder nur Regular gibt.
Wir fahren wieder durch die ganzen Baustellen und dann passiert es. Ein entgegenkommender LKW schießt einen Stein so gegen unsere Frontscheibe, so dass ein kleiner Riss entsteht. 20.000 km durch Kanada, inkl. der Steinschlagstraße Nr. 1, dem Dempster-Highway, hatten wir unbeschadet überstanden und nun ist es passiert. Kann man nichts machen, wir haben ja noch das Scheiben-Reparatur-Set am Start, damit versuchen wir das heute Abend zu flicken.
Der LKW auf dem Bild war nicht der ÜbeltäterSieht zum Glück nicht ganz so schlimm aus
Vorher halten wir noch am Straßenrand für einen Geburtstagscall mit Brettis Eltern. In Deutschland ist es jetzt 0 Uhr, bei uns 15 Uhr nachmittags. Wir schnacken 1-2 Stunden, dann geht’s in Deutschland auch mal ins Bett. Wir machen noch Mittag und dann geht’s weiter.
Bei uns scheint die Sonne, in Deutschland ist es NachtWie auf hoher See
Wir düsen durch bekannte Landschaft zu einem Platz, wo wir auf dem Hinweg schon gestanden haben. Dort angekommen stehen wir wieder gemütlich neben einem Fluss und versuchen uns erstmal an der Scheibenreparatur. Das Endergebnis wird man erst morgen sehen. Nun haben wir noch einen ruhigen flauschigen Abend.
Altbekannter Platz
Bretti bohrt in Kacke rum
Morgens zeigt unser Thermometer zum ersten Mal Minusgrade. Man merkt, es wird jetzt schnell Herbst. Dementsprechend baden wir diesmal auch nicht im Fluss, sondern fahren direkt nach Whitehorse. Wir tanken, waschen und gehen endlich mal wieder in einem großen Supermarkt einkaufen, entsprechend groß ist auch der Einkauf. Gegenüber des Waschsalons gehen wir spontan essen. Es gibt Bisonburger, schmeckt wie Rind (surprise), aber lecker. Wir wollten noch ein YouTube-Video im freien WLAN hochladen, aber Chris Laptop hat einen Sprung im Display. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Wir werden die Tage versuchen, ein neues Display zu organisieren. O-Ton Chris:”Das zu reparieren, kann ja nicht so schwer sein.” Gut, dass wir zwei Laptops mithaben, so müsst ihr nicht auf unsere Reise-Anekdoten warten. Zwei Laptops kamen uns zwar schon immer übertrieben vor, nun ist es aber ganz praktisch.
Wir fahren noch 40 km in Richtung Kluane Nationalpark, wo wir die nächsten Tage verbringen wollen. Heute verbringen wir die Nacht aber noch vor dem Park am Takhini River. Am Stellplatz befindet sich eine große Vielfalt an tierischen Hinterlassenschaften, in denen Bretti erstmal herumbohrt. Zur Analyse, das ist Wissenschaft. Ergebnis: “Nicht mehr frisch, vermutlich Pferd und Wapiti/Caribou/Deer.”
Nach dieser wissenschaftlichen Exkursion, planen wir die nächsten Tage und machen uns einen entspannten Abend im Auto. Bretti näht dabei ihren Kopfkissenbezug, den hat sie durchgeschlafen, vielleicht ist der Stoff auch einfach langsam alt.
Offroad im Kluane-Nationalpark
Heute geht es nach Haines Junction ins Visitor Center des Kluane-Nationalparks. Wir haben null Plan, schauen uns erstmal das Center an und lassen uns von den Mitarbeiterinnen beraten. Das Center ist wieder richtig toll gestaltet und wir lernen viel über Pflanzen, Tiere, Menschen und Geschichte der Gegend.
Ausblick aus dem Visitor CenterViele Infos über die Geschichte der Konflikte zwischen First Nation & europäischen Siedlern. Alles dreisprachig, englisch, französisch und die Sprache der Natives hier.
Die Mitarbeiterin empfiehlt uns zwei Wege, die wir auch mit dem Auto fahren dürfen, die seien aber eher was für Offroad-Fahrzeuge. Das lassen wir uns doch nicht entgehen. Für ein potenzielles Lagerfeuer inkl. Grillung, kaufen wir noch Bison-Bratwurst und stoppen bei der lokalen Bäckerei. Die begeistert uns sehr. Sie hat richtig guten Kuchen, eine coole Atmosphäre und es gibt regelmäßig Live-Musik. Auf dem Rückweg kommen wir hier bestimmt nochmal vorbei.
Sogar der Kaffee schmeckt gut. #Chrisapproved
Frisch gestärkt geht es ins Alsek-Valley auf den ersten Offroad-Trail. Es ist der einfachere von beiden, ca. 30 km Hin- und Rückweg. Wir hoffen entlang des Weges außerhalb der Parkgrenzen einen Übernachtungsplatz zu finden, dann müssen wir auch nicht den ganzen Weg auf einmal wieder zurück fahren. Der Weg startet mit zwei kleinen Flussdurchquerungen. Es sind unsere ersten richtigen Flussdurchquerungen, wir sind entsprechend etwas aufgeregt und laufen einmal durch. Es klappt aber alles ganz entspannt. Das beschreibt den ganzen Weg eigentlich ganz gut. Wir werden gut durchgeschüttelt, aber sonst gibt’s keine herausfordernden Stellen. Die Flussbetten sind überwiegend trocken. Wir haben die ganze Zeit einen richtig tollen Blick auf die Berge und den Alsek River, an dem wir ein Stück sogar direkt entlang fahren können. Auch wenn wir hier in einem der Hauptgebiete für Grizzlys in Kanada unterwegs sind, begegnen uns keine. Ein Murmeltier und zwei Mountainbiker kreuzen unseren Weg. Die Fahrradfahrer überraschen uns ganz schön, wir hatten nicht damit gerechnet, hier jemandem zu begegnen.
Bretti prüft die Wassertiefe, bevor wir durchfahren.Der Weg ist versperrt… Die Rillen im Hang sind Überbleibsel eines ehemaligen Seeufers.Freie Fahrt für freie Wähler oder soEin Murmeltier, gut getarntKleine Pause direkt am Alsek River
Am Ende der 15 km veranstalten wir ein etwas umständliches Wendemanöver, ein Hinweis auf das Ende des Weges kurz vorher, wäre ganz nett gewesen, da hätte man noch ganz enstpannt umdrehen können. Wir finden auf dem Rückweg kurz hinter der Parkgrenze einen Platz mit wunderschöner Aussicht. Hier übernachten wir. Wir lassen diesen Tag und Blogbeitrag mit Resteessen und dem Spiel Piraten kapern ausklingen. Ob wir es auch wieder zurück durch die Flüsse zum Highway geschafft haben, lest ihr in Teil 2.
Mount Martha Black links und Mount Archibald rechts Mount Martha BlackDie Offraodtracks kennt Google Maps nicht und entsprechend fehlen sie auf der Karte
Heute verlassen wir Tuktoyaktuk wieder. Morgens springen wir deshalb noch ein letztes Mal in den Arktischen Ozean. Das Wasser ist immer noch sehr kalt, aber was soll man machen, wenn man schon mal da ist.
Bis zu den Beinen ganz gut aushaltbarDer Arktische Ozean verabschiedet uns mit Sonnenschein
Danach geht’s ab ins Visitor Center, diesmal hat es sogar auf. Es ist wohl das bisher kleinste Visitor Center, dass wir gesehen haben. Ein Container mit Toiletten und einem kleinen “Empfangsraum”, in dem ein paar Broschüren ausliegen. An den Wänden hängen Telefonnummern für Schmuck oder für Angeltouren. Auf dem Weg aus dem Ort fahren wir wieder an der Mülldeponie vorbei, offen auf der Erde und teils im Wasser, zerstreut durch Wind und Tiere. Der Klärteich ist gleich daneben. Wir nehmen unseren Müll diesmal mit, wobei in Kanada überall der meiste Müll auf solchen Deponien zu landen scheint.
Mülldeponie
Mit schönerer Aussicht geht es weiter bis nach Inuvik. Wir sehen mehrere Schwäne, vermutlich Tundra Swans (Zwerg-/Pfeifschwan) oder Trompeterschwäne. Aus der Distanz nicht so gut erkennbar, auf jeden Fall weiße Vögel mit schwarzem Schnabel. Sonst laufen uns leider keine Wildtiere über den Weg.
Fahraufnahme, die Hügel sind Pingos
In Inuvik gehen wir einkaufen und danach ins Visitor Center. Hier sehen wir zumindest Fotos von Wildtieren und auch ein paar ausgestellte Tiere wie diesen Moschusochsen.
Andere Reisende haben wohl sogar Moschusochsen am Dempster gesehen. Wir traurigerweise nicht.Mal eine andere Perspektive, von Süd (oben) nach Nord (unten)
Der Mitarbeiter gibt uns noch ein paar Tipps für Inuvik. Wir wollen hier zwar nicht über Nacht bleiben, aber das Greenhouse Café hat eh nur bis 16 Uhr auf. Da fahren wir hin. Die ehemalige Eishalle ist jetzt ein großes Gewächshaus und Community Center mit Café und Tee- und Gemüseverkauf. Ausgestattet mit Gebäck und Getränken spazieren wir durch das warme Gewächshaus. Es ist richtig schön. Hier wächst allerlei an Gemüse, z.B. Tomaten und Kohl und überall blüht es. Wir fühlen uns wie in einem schönen Garten Zuhause. Wir haben ja schon mal die Golfrasengärten hier beschrieben. Das Gewächshaus ist da mal eine schöne Abwechslung. Bevor wir aufbrechen, kaufen wir hier noch eine frisch geerntete Zucchini.
Fast wie Zuhause
Dann wird noch getankt und weiter geht’s in die Grenzregion von Northwest-Territories und dem Yukon.
Die Landschaft verändert sich
Wir fahren heute für unsere Verhältnisse recht lange. Gegen 22 Uhr kommen wir an unserem Übernachtungsplatz an, oben auf einem Berg neben einer Richtfunkstation, davon sieht man entlang des Dempsters immer mal welche. Der Ausblick ist richtig schön. Wir sehen links und rechts das Tal und vor und hinter uns Berge.
Die Richardson Gebirgszüge kommen in SichtUnser Stellplatz für die NachtSuper Aussicht
Regen, Kälte und die Uhrzeit treiben uns ins Auto, so genießen wir die Aussicht im Warmen. Dabei hören wir immer mal ein komisches Geräusch. Was das wohl ist? Irgendwann kommen wir drauf, dass das der Dreck sein könnte, der vom Auto abfällt. Wir haben nämlich den Dempster-Look erreicht, sprich das ganze Auto ziert eine solide Dreck-/Schlammschicht. Bei vielen Autos ist die Rückseite komplett bedeckt, bei uns wird sie ein bisschen durch das Ersatzrad und das Kanu geschützt. Dreckig ist das Auto aber trotzdem. In Kombi mit dem Regen wird daraus eine richtig schöne Schmierschicht. Man könnte meinen, das Auto könnte eine Wäsche vertragen, allerdings denken wir uns, das wird ja eh wieder dreckig. Bevor wir in die USA einreisen machen wir das bestimmt, für den besseren Eindruck.
Beispiel “Dempster Look”
Wunderschöne Landschaften
Am nächsten Morgen sehen wir einen Sprinter, der wohl noch nach uns angekommen ist, also nach 22 Uhr. Um 10 Uhr bricht der auch schon wieder auf. Wir sind da noch am Frühstücken. Die Aussicht ist auch einfach zu fantastisch, um sich zu beeilen. Nach dem Frühstück checkt Chris den Ölstand und wackelt an allen Autoteilen, alles noch fest. Bretti macht derweil Drohnenaufnahmen.
Dann geht’s weiter durch wunderschöne Landschaften. Irgendwie komisch, wieder nach Süden zu fahren, so als wäre das schon der Rückweg unserer gesamten Reise, dabei liegt über die Hälfte der Zeit ja noch vor uns. Nach Tuktoyaktuk werden wir wohl aber nicht nochmal kommen, von daher nehmen wir schon irgendwie Abschied von diesem Abschnitt Kanadas. An der Landschaft können wir uns definitiv nicht satt sehen. Andere Reisende sagten uns, dass der Dempster sich nur am Anfang entlang des Tombstone Gebirges landschaftlich lohne. Wir finden gerade die Abwechslung aus Gebirge und weiter Tundra richtig cool, gerade mit dem Gedanken im Kopf, dass darunter Permafrostboden liegt. Natur ist schon abgefahren.
Wieder im YukonVon baumlosen Landschaften voller Beeren……zu dichten Wäldern.
Der heutige Fahrtag bringt uns zu einem Platz im Flussbett. Dieser Platz wurde uns von anderen Reisenden empfohlen und wir hatten ihn auf dem Weg nach Norden schon einmal ausgekundschaftet. Kurz vor Ankunft spielt der Öldrucksensor verrückt. Die Warnlampe geht noch und zeigt keinen niedrigen Öldruck an, von daher scheint es ein Wackelkontakt zu sein. Damit können wir leben, bzw. das lässt sich wohl reparieren. Am Platz angekommen schnacken wir kurz mit anderen kanadischen Reisenden, halten die Füße ins Wasser, hängen die Wildtierkamera auf und lassen den restlichen Abend entspannt flauschig ausklingen.
Eingeladen auf “ein” Bier
Am nächsten Tag schaffen wir drinnen erstmal etwas Ordnung. Es wird ein neuer Versuch gestartet, Auspuff und Motor abzudichten. Ergebnis sehen wir in den nächsten Tagen, denn heute bleiben wir hier noch stehen. Während Chris unterm Auto liegt, kümmert Bretti sich um Feuerholz für unser Lagerfeuer.
Profis bei der Arbeit. Keine Sorge, beim zweiten Mal hat Bretti auch getroffen 😀
Da es schon den ganzen Tag immer mal wieder regnet und ab 15 Uhr durchregnen soll, bauen wir zum ersten Mal unser Tarp auf. Als das Lagerfeuer brennt, fängt es dann auch direkt wieder an zu regnen. Wir sitzen schön trocken unterm Tarp, wechseln samt Feuer immer mal die Seite, da der Wind sich ein paar Mal dreht. Dann wird schön gegrillt. Abends lassen wir das Feuer ausgehen und verziehen uns gegen 18 Uhr ins Auto. So richtig warm ist es draußen nämlich nicht. Durch das nasse Holz in Kombi mit dem Regen raucht das Feuer auch mehr als dass es viel Wärme spendet.
Camp-Setup, erstes Mal mit Tarp. Praktisch, so ein herumliegender Baum.Ein Ende des Regens ist nicht in SichtGrillmeisterin Bretti in Aktion
Gegen 20 Uhr kommt ein Pickup-Camper ins Flussbett und stellt sich ziemlich exakt vor unsere Wildtierkamera. Das hatten wir erst gar nicht wahrgenommen. Nun holen wir die lieber mal, nicht dass sie denken, dass wir sie absichtlich filmen wollen. Der Camper kommt aus Chile. Wir kommen direkt mit den draußen sitzenden Eltern ins Gespräch. Nach den üblichen Themen wird das Gespräch aber nicht wie sonst mit den kanadischen Leuten beendet, sondern sie laden uns auf ein Bierchen ein. Aus einem werden mehrere Biere und plötzlich ist es 3 Uhr nachts als wir uns letztlich ins Bett begeben. Uns alle hat es gefreut, endlich mal wieder ein längeres Gespräch zu führen. Die beiden teilen unsere Erfahrung, was die Gespräche mit den Kanadieris angeht nämlich auch. Bevor es ins Bett geht checken wir noch die Wildtierkamera und richten sie neu aus. Sie hat tatsächlich was aufgenommen. Wahrscheinlich ein Wolf oder ein Kojote. Was sagt ihr?
Ton an. Es wird viel geschnüffelt und wurde da in die Kamera gebissen?
Ende Dempster, Ende Sommer
Weil wir so lange wach waren, schlafen wir heute mal länger. Der Regen tröpfelt gemütlich aufs Dach. Vielleicht sind wir ein bisschen verkatert, vielleicht liegt es auch am Rauch vom Lagerfeuer oder am späten ins Bett gehen, vielleicht auch von allem ein bisschen. Wir packen langsam unsere Sachen zusammen und dann geht’s wieder auf den Dempster Highway. Auch wenn es sehr regnerisch ist, sind die Landschaften in ihrem neuen Herbstgewand sehr beeindruckend. Das bunte Herbstlaub in Kombination mit den dunklen Felsen sieht cool aus. Und ja, hier wird es schon Herbst im August.
Erst noch hauptsächlich Nadelbäume und daher eher unauffälligdann wirds bunt mit knalligem Gelbdazu verschiedene Wasserfarben wie hier das weißliche Blau, das nach faulen Eiern riechtUnd dann sind wir auch schon wieder im Tombstone GebirgeAlles ganz schön wolkenverhangenBretti hat sich Beschäftigung besorgt, Kletten von den Wollsocken entfernen…
Leider zeigen sich auch auf dem Rückweg keine Wildtiere. Dafür sind die “Flusspferde” vom Hinweg noch da und haben sich nur einige hundert Meter weiter entlang des Flussbetts bewegt. Wir stoppen am Grizzly Lake Wanderparkplatz. Da wir uns nicht so fit fühlen, das Wetter nicht so toll ist und es auch schon recht spät ist (16 Uhr), machen wir hier nur Mittagspause. So tief wie die Wolken hängen, hätte man eh keinen Weitblick. Nach der Pause bestreiten wir die letzten 100 km des Dempster Highway, der nochmal zeigt wie schlecht Straßen in Kanada sein können, Wellblechpiste lässt grüßen. Trotzdem überleben wir auch die letzten Meter und machen noch ein obligatorisches Abschlussfoto. Es gibt hier immer wieder Merch mit “I survived the Dempster Highway”. Für uns fühlte sich das wie eine ganz normale Straße in Kanada an. Das einzig anspruchsvolle ist die Planung zwecks Vorräte und Tankstopps.
Wir biegen wieder auf den Haupthighway ab, der ist hier auch nicht geteert und in einem ähnlichen Zustand wie der Dempster. Er führt uns zu einem Platz am Stewart River neben einem Flugfeld. Flugzeuge sehen wir keine. In den entlegeneren Gegenden hier gibt es immer mal wieder Landebahnen ohne weitere Infrastruktur, auf dem Dempster war manchmal auch einfach die Straße ein Airstrip (Landebahn). Viele dienen als Notfall-Landepunkt. Nachvollziehbar bei der sonstigen Landschaft, da ist die Straße das einzige gerade, feste und baumlose im Umkreis von einigen hundert Kilometern.
Ein Strich Nichts im Wald (Landebahn)Stellplatz am Stewart RiverEin bisschen KunstDreck kann auch kunstvolle Muster bildenFast schon wieder Durchblick, Chris putzt die Fensterdreckiges Auto mit saubereren Fenstern
Bretti kocht was aus unseren Resten und der Zucchini aus dem Greenhouse in Inuvik, ansonsten geht heute nicht mehr viel. Chris befreit noch die Fenster vom Schlamm, damit wir auf den Fluss gucken können.
Am nächsten Morgen fällt Chris auf, dass Benzin aus unserem Tankdeckel tropft. Wir hatten gestern noch getankt und stehen jetzt ungünstig schräg, nachdem wir nur 10 km gefahren sind. Das unser Tank mal “zu voll” ist, hatten wir auf der Reise auch noch nicht. Hoffentlich ist da nicht soviel über Nacht rausgelaufen. Wir haben eine große “Ölspritze” zum Befüllen der Getriebe dabei und mit der ziehen wir erstmal einen Liter Benzin ab. Jetzt läuft der Tank immerhin nicht mehr über. Sobald wir wieder fahren erledigt sich das ja von selbst.
Benzin in der Spritze, falls sich jemand gefragt hat wie das aussiehtDer Weg ist super steil, was auf dem Bild natürlich nicht rüber kommt
Ein bisschen Ost Vorpommern in Dawson City
Wir fahren zurück nach Dawson und parken auf der Hauptstraße vor einem kleinen Pavillon. Dort sitzen einige Einheimische, die uns direkt anquatschen. Wir schnacken kurz und dann gehen wir los zum Visitor Center. Bevor wir los gehen, schließen wir den Volvo ab, da meint einer von den Einheimischen: “Hier brauchst du nicht abschließen, das ist Dawson City” und lacht. Er bemerkt vermutlich wie sonderbar das klingt. Das würde ja auch jeder sagen, der in das Auto einbrechen will. Ehrlich gesagt, machen wir uns gar keine Sorgen, dass hier irgendjemand ins Auto einbrechen würde. Allerdings ist das Abschließen bevor man weg geht eine gute Routine.
Hier fährt wirklich jeder Pickup
Im Visitor Center kaufen wir Tickets für die Führung durch die Dredge No 4. Das ist ein schwimmender Eimerkettenbagger, mit dem früher Gold gefördert worden ist. Wir bummeln noch etwas über die Hauptstraße, kaufen Souvenirs und holen uns Kaffee und Kuchen in einem Café. Als wir weiter fahren wollen, kommt ein Deutscher vorbei, der in die USA ausgewandert ist. Gerade ist er als Tourguide mit einem Bus aus Alaska hier unterwegs. Wir sprechen eine ganze Weile und er lädt uns ein, ihn in Utah zu besuchen, wenn wir im Winter da sind. Den Kontakt nehmen wir gerne, mal schauen ob das klappt. Während wir quatschen, hält ein Pickup Camper neben uns und eine Frau spricht uns an: “Kommt ihr wirklich aus OVP?” Zur Erinnerung der Volvo ist mit OVP Kennzeichen unterwegs. Auch mit ihr schnacken wir eine Weile.
Goldförderung um Dawson City
Irgendwann können wir uns loseisen und brechen Richtung Bonanza Creek auf. Dort steht die Dredge seit sie 1966 außer Dienst gestellt worden ist. Die Dredge und ihre Schwestern Bagger haben hier in der Gegend so ziemlich jedes Flusstal umgegraben. Um das Gold aus dem ausgehoben Boden zu spülen, ist zusätzlich der ganze Mutterboden weggeschwemmt worden und heute sieht man in den Tälern nur noch Steinhaufen. Nach über 50 Jahren haben sich langsam wieder erste Pionierpflanzen angesiedelt, aber ein Renaturierungsgesetz gab es damals nicht. Heute sieht das zum Glück anders aus, die Firmen müssen ihre Flächen in einen natürlichen Zustand zurück versetzen, was auch immer das heißt, erzählt uns die Mitarbeiterin von Parks Canada.
Bei Google Earth erkennt man die Schutthaufen ganz gut.Dredge Hinterlassenschaften Seitenansicht
In der Gegend rund um Dawson wird immer noch Gold gefördert. Auch wenn sich die eingesetzten Geräte modernisiert haben, ist das Grundprinzip immer noch das selbe.
Zuerst werden alle Bäume und Sträucher gerodet. Die oberste Erdschicht wird mit Wasser weggespült. Tschüss lebenswichtiger Humusboden, der 100 Jahre für jeden Zentimeter im Aufbau gebraucht hat. Nachdem man die Lebensgrundlage aller Lebewesen auf diesem Planeten einfach weggespült hat, erreicht man den Permafrost. Diesen hat man früher mit großen Feuern Schicht für Schicht aufgetaut und dann weggespült, heute bohrt man Rohre in den Boden und pumpt heißen Dampf hinein. Jetzt hat man im bestenfalls die goldführende Schicht freigelegt. Nun kommen die Dredge, Handarbeit oder heute moderne Bagger zum Einsatz. Die Dredge schwimmt in ihrem eigenen kleinen Teich, ohne das Wasser wäre der 3000 t Bagger nicht zu bewegen. Es handelt sich um einen “mobilen” Teich. Die Dredge buddelt vorne Boden weg und schüttet hinten den Teich mit dem gewaschenen Boden wieder zu. Die Eimerkette fördert über den Baggerarm den Boden nach oben und dort wird alles in einer großen Trommel gewaschen. Größere Steine werden durch die Schwerkraft hinten aus der Trommel befördert, alles was klein genug ist, wird durch die Löcher in der Trommel ausgespült. Gold ist um einiges schwerer als der Rest und bleibt in mehreren Goldauffangwannen liegen, während der Rest ausgespült wird. Das ganze Prozedere benötigt Unmengen an Wasser. Man befindet sich hier zwar in einem Flussbett, aber diese Mengen kann der Fluss gar nicht liefern. Dafür wurde ein 113 km langer Kanal von den Tombstone Mountains gebaut, davon 32 km in Holzrohren mit mehreren Pumpstationen. Auch wenn eine Dredge mit nur 4 Leuten Besatzung auskommt, benötigt sie mehr als 100 Leute für die Vorbereitung des Geländes und die Wartung des Baggers selbst und eben auch des Kanals. So kam es, dass der Betrieb der Dredge sich 1965 schon nicht mehr gelohnt hat. Im Winter konnte man hier nicht arbeiten und als die Arbeiter im Jahr 1966 in eine neue Saison starten wollten, fanden sie die Dredge halb gesunken in ihrem Teich vor. Die Bergung hätte sich nicht gelohnt und so wurden alle Mitarbeiter entlassen und die Firma ließ einfach alles zurück wie es war. Großzügig wie man war, spendete man den gesunkenen Bagger Jahre später an Parks Canada, die sich dann auch um die Bergung kümmerten.
Die Dredge ist ein mehrstöckiges GebäudeBaggerarm vorneHinteres Förderband InnenansichtWaschtrommel Innenansicht
Im Gegensatz zu Dawson City sind die Mitarbeiter von Parks Canada bemüht, ein ehrliches Bild von der Goldförderung zu zeigen. In der Stadt wird die Goldsuche aus touristischen Gründen sehr positiv dargestellt. Bei unserer Führung wurde eindeutig klar gemacht wie schlecht die Goldförderung ist. Wenige werden damit reich, die meisten haben wenig für harte Arbeit verdient. Zusätzlich wurde die Natur unwiderruflich zerstört. Früher haben finanzstarke Investoren in Kombination mit starkem Lobbying auch schon die Gesetze so beeinflusst wie es ihnen passte und die Folgen sieht man überall im Yukon. Es ist etwas besser geworden, aber es wird immer noch Gold gefördert. Durch den ohrenbetäubenden Lärm sind viele Arbeiter auch einfach gehörlos geworden. Wer hier einen Garten anlegen will, muss erstmal jahrelang Bodenaufbau betreiben. Das alles für einen Rohstoff, den wir nicht mal zu 100% nutzen, sondern der zum größten Teil irgendwo in Tresoren von Banken rumliegt. Wie man an der Länge des Abschnittes merkt, hat uns die Tour sehr gut gefallen. Gerade die kritische Einordnung ist hier super.
Riesige Zahnräder zum Heben des BaggerarmsAlles wird über riesige Winden und Stahlseile gesteuert.Am Weg neben den Schuttbergen stehen immer wieder Vogelhäuschen. Eine Renaturierungsmaßnahme?In der Gegend steht überall zurück gelassenes Arbeitsgerät.
Mit viel neuem Gesprächsstoff machen wir uns auf zum Dempster Highway. Jetzt soll es wirklich weiter nach Norden gehen. Wir tanken am Start des Highways noch auf und kommen mit einem Neuseeländer ins Gespräch. Er ist gerade zurück vom arktischen Ozean und kann es zu 100% empfehlen. Er ist schon ein paar Jahre zum Arbeiten in Canada und nun auch mal als Tourist unterwegs. Letzten Winter hat er sich um Schlittenhunde im Yukon gekümmert. Er meinte -40°C sind gar nicht so schlimm. Sobald es nass kalt und windig wird, braucht es gar nicht so niedrige Temperaturen, um sehr unangenehm zu werden. Er hat den ganzen Winter in seinem Pickup-Camper mit Holzofen gelebt und quasi den ganzen Winter durchgeheizt. Diesen Winter will er auf Vancouver Island bleiben, vielleicht trifft man sich dort nochmal.
Dempster Highway Start SchildDer Programm für die nächsten Tage sieht ca. so aus
Für die knapp 900 km Schotterstraße zum Ozean lassen wir den Luftdruck der Reifen um 0,5 bar ab. Keine Ahnung, ob das wirklich einen Unterschied macht, aber alle sagen, dass es sich dann angenehmer fährt. (Anmerkung vom Zeitpunkt des Schreibens und 900 km testen: Kann sein, dass es einen Unterschied gemacht hat, aber man wird trotzdem massiv durchgeschüttelt.)
Wir fahren noch ca. 100 km und stehen an einem kleinen Bach direkt am Highway. Die Fahrzeuge, die vorbei brettern, sind laut, aber passt schon für heute und wir machen uns einen entspannten Abend im Volvo.
Startposition für morgen ist schon eingenommen
Besuch im Tombstone Territorial Park
National Park, Provincial Park und nun auch noch Territorial Park? Was ist denn das schon wieder, haben wir uns gefragt und das haben wir uns zusammen gereimt: Im Grunde ist es wie ein National Park, also Tiere schützen, keine Siedlungen oder Industrie etc., allerdings werden die Territorial Parks mit den indigenen Volksgruppen der Gegend zusammen geführt und erstellt. Zusätzlich dürfen diese Gruppen ihren traditionellen Aktivitäten auch im Park nach gehen. Also jagen, fischen etc. Klingt etwas kontraproduktiv für den Naturschutz, die Natives jagen heutzutage mit Quad und Gewehr, fördert aber sicher die Akzeptanz.
Wir haben heute genau vor dem Park gestanden, weil wir nicht wussten wie es mit Campen im Park aussieht, aber die Straße gehört nicht mit zum Park also darf man da auch übernachten. Nach dem Frühstück untersucht Chris wieder alles unterm Auto, ob sich was gelöst hat. Sieht alles gut aus, nur der Benzinfilter sollte wohl mal gewechselt werden. Solange der Verbrauch, aber nicht auffällig ansteigt, wechseln wir den erst, wenn wir zurück auf Asphalt sind. Und ja ein Vergasermotor verbraucht mehr Benzin, wenn er zu wenig bekommt, scheinbar, sind schon magische Dinger. Nach der Wartungssession hat Chris die Farbe von Straße und Auto angenommen, entsprechend gibt es eine Minibadesession im Bach. Der Bach ist nicht gerade tief, dafür seeehr kalt.
Der erste Stopp im Park ist das Interpretive Center des Parks. Hier gibt es wieder eine schöne Ausstellung zu Flora, Fauna, der geologischen Geschichte, zum Bau des Dempster Highways und zu den Natives der Gegend. Die Center sind oft echte Highlights, lohnt sich, außer in Banff, normalerweise immer. Hier brennt auch der Kamin und es gibt Tee, da könnte man auch länger bleiben.
Vor dem Visitor Center blüht es wieder fleißig, hier Schmalblättriges Weidenröschenund Alaska wild-rhubarbElchkopf mit Zubehör (Fell und andere Dinge)Bretti wandelt zwischen der Geschichte der GegendOfen mit gratis Tee
Wir wollen noch wandern und informieren uns entsprechend. Es gibt leider nicht wirklich viele offizielle Wege. Wir dürfen aber auch einfach so in die Gegend laufen und z.B. einem GPS-Trail aus dem Internet folgen. Das klingt erstmal gut, aber als wir am Startpunkt eines solchen Trails vor einem dichten Gebüsch stehen, überlegen wir uns das nochmal. Generell liest man überall wie empfindlich die Pflanzen hier sind und wie lange sie zum Wachsen brauchen. Dann einfach querfeldein auf den Pflanzen rum zu trampeln, scheint uns da auch falsch zu sein. Wir fahren zurück zu einer kleineren offiziellen Wanderung und machen lieber diese. Die Wanderung ist “nur” 6 km lang, dafür geht es ordentlich nach oben. Die Gegend lohnt sich schon von der Straße aus, aber von weiter oben eröffnet sich ein noch spektakulärerer Blick in die wolkenverhangenen Täler.
Fahraufnahme in ein Seitental. Die Weite kommt wie immer nicht rüberRastplatzaussichtNaaaaaa, willst du Mitfahren?Ganz klein sieht man noch das Visitor CenterKleine Aussichtpause beim Aufstieg muss seinKurze Regenpause wird genutztWas hat er wohl erspäht? Einen Bären vielleicht?Tiere haben sich leider nicht gezeigt. Sonderbare Selfies dürfen nicht fehlenGlücklich, dass es aufgehört hat zu regnen(zumindest kurz)Links: Scharfes Berufkraut (oben), Preiselbeere (unten), rechts: Sumpf-Heidelbeere (oben), Schwarze Krähenbeere (mitte), Pilz, keine Ahnung welcher (unten)
Mal wieder wissen wir noch nicht, wie weit wir heute fahren wollen und halten recht spontan an einem Platz direkt am Blackstone River. Dieser fließt von hier bis ins arktische Meer und ist auch seehr kalt. Extra für euch getestet. Vielleicht denken wir auch mal daran, ein Thermometer reinzuhalten. Spoiler: Bis zum arktischen Ozean wird das scheinbar nichts.
Wir überlegen kurz, uns einfach vom Fluss bis zum Ozean transportieren zu lassen, entscheiden uns dann aber dagegen. Am Volvo gibt es immerhin kaltes Bier und davon gönnen wir uns jetzt erst mal eins am Flussufer. Auch wenn es nach dem Wetterbericht den ganzen Tag hätte trocken sein sollen, nieselt es durchgängig. Immerhin als es richtig anfängt zu regnen, ist diese Wolke auch auf der Wetterkarte zu sehen. Wir verziehen uns ins Auto, kochen, machen Sudokus und lauschen dem Regen auf dem Dach bis wir ins Bett gehen.
Heckfenster Aussicht auf den Fluss
Fahrtag mit vielen Zwischenstopps
Das Wetter ist hier zwar häufig etwas regnerisch, aber insgesamt ganz angenehm mit um die 23°C. Das lässt einen schnell vergessen, dass unter unseren Füßen der Permafrost ist. Dieser bindet riesige Mengen an Methan und ist immer in Gefahr aufzutauen und das Gas entweichen zu lassen. Das beschleunigt die Klimakatastrophe und bringt hier zusätzlich ganz direkte Probleme mit sich. Jede Straße wird auf einer dicken isolierenden Schicht Erde gebaut, damit der Verkehr und die fehlende Vegetation nicht den Permafrost auftauen lassen. Gefrorenes Wasser dehnt sich bekanntermaßen aus und wenn der Boden nun taut, sackt er in sich zusammen. In dieser unwirklichen Landschaft, welche in der dünnen Schicht über dem Permafrost entsteht, wächst wie gesagt alles sehr langsam. Zusätzlich gibt es im Boden kaum Leben, welches Pflanzenreste und co zersetzt. Entsprechend sollte man hier seine eigenen Hinterlassenschaften nicht verbuddeln, sondern in einer Plastiktüte mitnehmen und im nächsten Mülleimer entsorgen. Wir sind mal wieder ganz froh über unsere eigene Toilette, welche wir also in die Mülleimer entleeren, die regelmäßig an den Rastplätzen vorhanden sind.
Wir starten unseren Tag wieder mit einer kleinen Badesession, immerhin ist der Fluss hier tief genug, um liegend unterzutauchen. Wärmer ist der Fluss nicht geworden, entsprechend bleibt es ein kurzer Badespaß. Wir verlassen heute den Park, fahren aber weiterhin durch eine sehr schöne Berglandschaft. Im Yukon haben wir bisher sehr wenige Wildtiere gesehen, immerhin stehen hier ein paar (vermutlich nicht so wilde) Pferde im weiten Flussbett und grasen entspannt.
Wir werden interessiert beobachtetWir haben immer den Wal Die Wolken hängen hier immer noch tief zwischen den Bergen
Da es heute nicht regnet, wirbeln alle auf der Straße große Staubwolken auf. Wenn uns ein LKW entgegen kommt, sind wir unsicher, ob wir anhalten sollen, ein nachfolgendes Fahrzeug sieht uns in unserer Staubwolke erst sehr spät, weiterfahren ist aber auch sehr gefährlich. Soweit möglich fahren wir langsam mit Warnblinklicht weiter und hoffen das Beste.
Der Highway ist hier nicht gerade wenig befahren. Wir haben mit so 3-4 Fahrzeugen am Tag gerechnet, diese sieht man hier aber eher in 30 Minuten. Vieles sind Touris auf dem Weg zum oder zurück vom Nordmeer, aber auch viele Einheimische und LKWs sind unterwegs. So erblicken wir auch diesen Van, der uns entgegen kommt.
Frontscheibe ist mit Klebeband überklebt
Ob das Klebeband die Scheibe zusammen hält oder präventiv angebracht ist, wissen wir nicht. Auch mit mehr Verkehr als erwartet ist die Straße gut zu fahren und in keinem schlechteren Zustand als die anderen Straßen in Kanada. Wir halten regelmäßig am Weg, um uns besondere Highlights aus der Yukon App anzusehen, aber meistens verstehen wir nicht wirklich, warum die App genau hier anhalten will. Insgesamt ist die Tour aber sehr lohnenswert.
Durch das Eisen im Boden wird der Fluss rostrotDie Körner sehen aus als ob hier einfach Kupfer liegtEndlich mal wieder Erdmännchen
Wir stoppen für eine Mittagspause auf einem Hügel an der Straße. Es wird Suppe gekocht, zum ersten mal auf unserem “Außentisch”, den Sandblechen. Wir machen noch ein paar Drohnenaufnahmen, anders kommt die Weite der Landschaft hier gar nicht rüber.
Chris freut sich schon auf die SuppeEine der vielen Brücken auf dem Dempster Highway
Wir holpern noch einige Kilometer weiter den Highway entlang. Dieser führt auf einem Bergrücken durch die Landschaft und bietet so viele tolle Ausblicke. Unser heutiger Stellplatz ist wieder einfach kurz vom Highway runter. Leider ohne Aussicht, dafür recht ruhig. Hier verbringen wir einen flauschigen Abend.
Frühstück am nächsten MorgenChris zieht eine lose gewackelte Mutter an einer Feder wieder fest. Täglich nachschauen lohnt sich bei den Wackelpisten schon sehr.
Auf in die Northwest Territories
Wir haben nach unserer Panne in Québec gar nicht damit gerechnet, hier her zu kommen, aber heute geht es nun doch in eine weitere Provinz Kanadas, die Northwest Territories. Diese riesige Provinz (die zweitgrößte Kanadas und ca. 3x so groß wie Deutschland) hat nur 40.000 Einwohneris, also ein halbes Flensburg. Entsprechend gibt es auch nur wenige Straßen, ca. 2000 km, von denen wir in den nächsten Tagen ca. ein Viertel befahren werden. Dafür müssen wir aber erst mal wieder tanken und wir kommen mit Tankanzeige auf 0 auch an der Tankstelle an. Der Liter Benzin kostet hier 2,72 C$, Rekord auf der Reise. Spoiler: Dieser Rekord wird nicht lange halten… Ihr wisst ja noch damals für 1,45 C$ für Premium naja. Immer noch günstiger als in Deutschland und diese Tankstelle ist auch wirklich am Arsch der Welt in Eagle Plains. Nicht nur wir verstehen zuerst nicht wie die Zapfsäule funktioniert und so kommen wir mit anderen ins Gespräch. Es ist für uns immer wieder spannend wie entspannt die Kanadier einem eine Frikadelle ans Ohr labern, wenn schon Leute aufs Tanken warten, denen man Platz machen müsste. Hier scheint das aber niemanden besonders zu stören.
Es werden hier immer die englischen Namen und die Namen in der Sprache der Natives angegebenRastplatz im Nirgendwo
Heute steht wieder ein Fahrtag an und wir fahren weiter durch sehr schöne Landschaft. Die Berge und Wälder weichen langsam einer Tundra Landschaft und wir überqueren zum ersten mal in unserem Leben den Polarkreis. Wir sind nun in dem Bereich, wo die Sonne im Winter gar nicht auf und im Sommer nicht unter geht.
Chris auf der Suche nach einem Geocache
Vom Polarkreis ist es nicht mehr weit zur Grenze vom Yukon in die Northwest Territories. Wir schleichen mal wieder eine Passstraße hinauf und halten oben am Infopunkt. Hier sammeln viele Leute (vermutlich) Cranberries, die hier in Massen wachsen. Die Gegend ist wieder bergiger und die Weite ist mit dem Smartphone kaum einzufangen. Alles sehr spektakulär. Wir haben heute schon so viele schöne Übernachtungsplätze gesehen, man fühlt sich etwas schlecht, dass man die nicht alle nutzen kann.
Entering Northwest Territories Fast am ZielWollgras gibt es hier fast überall
Am Weg stehen immer wieder verlassene Pickups, diese gehören scheinbar zu Einheimischen auf der Jagd. Eine Gruppe scheint gerade mit ihren Quads zurück gekommen zu sein. Auf einer Pickup-Ladefläche liegt ein frischer Caribou Kopf.
Fahrbild
Wir kommen wieder mal auf ein besonderes Gesprächsthema, welches wir euch hier nicht vorenthalten wollen. In den hochalpinen Gegenden Asiens trocknen die Menschen den Dung ihrer Tiere, um damit zu heizen. Das Thema wurde uns letztens von zwei wundervollen Menschen näher gebracht, die dort gerade mit dem Fahrrad reisen. Da Dung im Allgemeinen hier im Boden ja nicht verrottet, haben wir uns gefragt, ob man das nicht auch mit menschlichem Dung machen könnte. Wir recherchieren ein wenig. Generell scheint wirklich durch getrockneter menschlicher Kot ganz ordentlich zu brennen, allerdings steckt dieser auch voller Krankheitserreger. Diese können beim Trocknen auf alles mögliche überspringen, also ist Kot trocknen leider keine gute Option. Wäre ja auch zu praktisch gewesen, wir hatten schon philosophiert, wie wir eine Trocknungskammer an den Motor anbauen können. Naja anyway.
Wir fahren heute noch bis Fort McPherson. Hier gibt es wieder “günstiges” Benzin für 2,25 C$ und sogar zwei Supermärkte. Diese haben leider schon zu, so entschließen wir uns, hier zu bleiben und parken direkt am Fluss. Hier gibt es eine solide 4 auf der Mückenskala, damit kann man leben. Die wenigen Mücken liegen vielleicht an den ganzen riesigen Libellen, die hier unterwegs sind. Wir sprechen noch kurz mit einer Einheimischen die vorbei kommt, sind aber ziemlich geschafft vom heutigen Tag. Die Zeit-Verschiebung, eine Stunde wieder zurück, hilft da auch nicht wirklich. Irgendwie ist es zügig 23:30 Uhr als wir duschen und dann schnell ins Bett hüpfen.
Um Mitternacht ist die Sonne gerade erst hinter dem Horizont verschwunden. Das tut sie hier eh überhaupt erst seit 10 Tagen wieder. Dass die Sonne sich so “komisch” verhält, ist schon absolut wild zu erleben. Zeigt einem auch wieder mal, dass wir nur eine Horde etwas intelligenterer Affen sind, die auf einer Gesteinskugel mit einem Affenzahn durchs All fliegen und dabei eine andauernde Wasserstoff fusionierende Kugel umkreisen. Mit diesen Gedanken schlummern wir in den Montag hinein.
Ob der Rest der Woche auch mit so demütigen Gedanken weiter geht, lest ihr dann im nächsten Teil.
Der Tag startet wolkenverhangen. Der Gipfel des Keno Hills hat sich in den Wolken versteckt, eigentlich alles, was mehr als 50 m weit weg ist. Das soll uns aber nicht aufhalten, vielleicht klart es ja noch auf und Bewegung ist immer gut. Wir packen noch Chris altes GPS Gerät ein, falls wir den Trail in dem Dunst verlieren. Als wir los laufen, kommen wir noch mit unseren Nachbarn ins Gespräch. Sie waren schon beim Gipfel, zumindest glauben sie das, es war zu neblig. Da kommt doch Freude auf. Er gibt uns noch einige Tipps für andere Wanderwege im Yukon.
Als wir uns loseisen, klart es sogar etwas auf, das steigert die Motivation. Wir folgen zuerst einer Art Straße den Berg hinauf. Es gibt immer mal wieder ein Schild für den Monument Trail (dem folgen wir). Irgendwann biegt der Weg von der Straße ab und ab hier sieht man nur noch alle 100 m ein Schild, einen Weg gibt es nicht. So krakseln wir über Geröll bis zum Gipfel(?). So ganz eindeutig ist es nicht. Es ist sehr neblig und ein richtiges Kreuz gibt es auch nicht, eher ein Pfosten oder sowas. Die GPS-Karte sagt aber auch, dass hier der Gipfel ist, immerhin, das soll uns reichen.
Chris auf der StraßeChris auf dem Weg zum GipfelstabGipfelselfie mit Wolke im Bart
Da der Weg ein Rundweg ist, folgen wir den sporadischen Schildern weiter. Sobald der Gipfel außer Sicht ist, gibt es nur noch Steinhaufen ohne Schilder. Auch diese verschwinden bald. Wir überlegen kurz zum Gipfel zurück zu gehen, aber wir entscheiden uns, dem Trail auf dem GPS zu folgen. Zurück zum Gipfel wäre ungefähr genau so lange wie runter. Der Nebel reißt auch immer wieder mal auf, so können wir die Straße weiter unten schon sehen und uns zusätzlich orientieren. Der “Weg” führt weiter über Geröll, Moos und quer den Hang hinunter. “Wegführung mit viel Interpretationsspielraum”, nennen wir das. Mit unseren Wanderstöcken ist der Weg über das Geröll kein Problem und so kommen wir im Nieselregen unten an der Straße an. Wir suchen kurz den offiziellen Anfang des Weges an diesem Ende, aber es findet sich nichts. Generell wäre es am sinnvollsten gewesen am Gipfel umzudrehen, aber naja, der Pfad ist nicht nur auf dem GPS sondern auch auf der Wanderkarte am Parkplatz verzeichnet, scheint aber länger keine Pflege gesehen zu haben. Auch mit den ganzen Wolken und dem kreativen Abstieg war das eine schöne Wanderung, die Landschaft ist hier an sich sehr schön.
Bretti auf dem ganz eindeutigem WanderwegHier geht es nicht runterOben links: Alpen-Rispengras (Alpine Sweet Grass) & Knöterich (Bistort), rechts oben: Alaska-Spierstrauch (Labrador Tea), rechts unten: Arktisches Weidenröschen (Dwarf Fireweed), unten: evtl. Frauenhaarmoos (Alpine Moss)Das rote ist evtl. Preiselbeere infiziert durch einen parasitären Pilz (Lingonberry plant with red leaf disease), außerdem Zottiges Zackenmützenmoos (?) und (Rentier)flechtenWeiter den eindeutigen Wanderweg entlang
Trotzdem sind wir ganz froh, dass die Wanderung nicht so lang war und wir über die Straße zügig zurück am Parkplatz sind. Hier machen wir es uns im Volvo gemütlich und lauschen dem Regen auf dem Dach. Bretti kocht noch was schönes und wir hören mal wieder 5 Minuten Harry Podcast. Coldmirror empfiehlt in der Folge das satirische Musical: “A very potter musical“, welches wir beide nicht kennen. Wir schauen uns den ersten Akt an. Absolute Empfehlung, solange man flachen Humor mag. Die Aufnahme auf YouTube ist vom Sound her leider eher mittel, aber man kann sich das trotzdem gut anschauen. Vermutlich kennen das eh schon die meisten und wir sind nur late to the party.
Und hier noch mehr Bilder, die wir vorher vergessen hatten.
Strahle BrettiEin Willow Ptarmigan/Moorschneehuhn Männchen(?) im SommergefiederEin Moorschneehuhn Weibchen passend dazuIm Tal sieht man verteilt noch einige weitere Ruinen
Goldsucher im Yukon
Heute verlassen wir den Keno Hill und wenn alles klappt auch den Silver Trail wieder. Morgens ist es mit 4,5°C ziemlich kühl draußen. Entsprechend frühstücken wir heute lieber mal drinnen. Es war die ganze Zeit wolkenverhangen, aber passend zum Frühstück reißt die Wolkendecke etwas auf und wir können nochmal die schöne Aussicht von hier genießen. Wäre richtig gutes Wanderwetter heute, naja.
Zufahrtstraße zum Platz
Wir wackeln gemütlich 10 km den Weg hinab nach Keno City. Von hier nehmen wir die von der Pizzabäckerin als sehr schlecht beschriebene andere Straße zurück nach Mayo. Schlechte Straßen ziehen uns magisch an, obwohl man wohl mit gutem Gewissen sagen kann, dass im Yukon jede Straße “schlecht” ist. Der Weg ist jetzt auch nicht schlechter als der Durchschnitt, dafür fahren hier viel weniger LKW. Wir fahren viel durch Wald über matschige Straßen, ab und zu ist auch eine größere Pfütze dabei. Nichts anspruchsvolles, aber ganz nett im Vergleich zum Hinweg.
Ab Mayo geht es dann auf Teer zurück zum Highway, der nach Norden führt. Wir tanken jetzt wieder Premium Benzin. Der Regular-Test war erfolgreich, wir haben bloß nicht beliebig Oktanbooster dabei, deswegen wird, wo verfügbar, auch weiter Premium getankt. Ab der Tankstelle übernimmt wieder Bretti das Steuer und bringt uns Richtung Dawson City. Bis in die Stadt fahren wir heute aber nicht, 30 km vorher startet der Dempster Highway, der ans arktische Meer führt und in diesen biegen wir heute schon mal ein. Morgen geht es dann nach Dawson. Andere Reisende hatten uns einen Stellplatz am Anfang des Dempster Highways empfohlen und dort fahren wir jetzt hin. Sie haben nicht erwähnt, dass hier mehrere Menschen längerfristig stehen. Wir kommen schnell ins Gespräch und entscheiden uns, hier zu bleiben. Sie sind schon zwei Monate an dieser Stelle und suchen Gold. So ganz verstanden haben wir nicht, wie sie hier Gold finden wollen, aber gut. Grundsätzlich nette Leute, allerdings merkt man schnell, dass sie an alle möglichen Verschwörungstheorien glauben. Vielleicht will sich auch deshalb kein längeres Gespräch ergeben. Wäre vermutlich spannend, aber auch sehr wild und anstrengend geworden. So verziehen wir uns bald ins Auto und haben einen entspannten Abend.
Goldsucher Camp
Kurz vorm Einschlafen fängt der Waschbeckenabfluss an zu gluckern. Was auch immer da los ist, muss jetzt erstmal bis Morgen warten.
In der “Westernstadt” Dawson City
Mit dem Rauschen des Flusses haben wir entspannt geschlafen. Einer der Leute meinte, dass die Vögel einem hier Nüsse aus der Hand fressen, wenn man geduldig genug ist. Chris versucht sich auch mal, aber er ist wohl keine Disney Prinzessin und die Vögel bedienen sich nur an den Nüssen außerhalb seiner Hand.
Handyhalterung besteht bald nur noch aus Kabelbindern. Ein Gelenk ist noch nicht gebrochen
Nun geht es nach Dawson City. Der Stadtkern erweckt schon den Eindruck einer Westernstadt, die Autos trüben den Eindruck aber etwas. Dawson existiert nur wegen des Goldes, welches mehrfach einen Goldrausch ausgelöst hat. Heute leben hier knapp 2000 Menschen. In Hoch-Zeiten waren hier bis zu 30.000 Menschen beheimatet. In der ganzen Gegend waren es bis zu 100.000. Heute hat der ganze Yukon 40.000 Einwohneris. In der Stadt dreht sich alles um die Geschichte des Goldes in der Gegend. Außen herum dreht sich auch weiterhin alles um den Goldabbau, denn hier wird seit über 100 Jahren Gold aus dem Boden geholt. Wie das gemacht wird erklären wir die Tage noch, wir wollen uns nämlich die Dredge No. 4 anschauen, diese wurde hier zum Goldfördern genutzt.
Random Laden in DawsonFahrradfahren wird hier groß geschriebenBretti wartet auf die Wäsche
Mitten zwischen den Westernhäusern gibt es einen Campingplatz und dort fahren wir zum Waschen hin. Während die Maschine läuft, befreien wir die Lüftung des Abwassertanks vom Schlamm. Nun sollte das Blubbern im Abfluss verschwunden sein und die entstehenden Gase und die Luft wieder nach draußen entschwinden. Während wir auf die Wäsche warten bringen wir unsere Geräte im freien WLAN auf den neusten Stand. Außer die Laptops, die zieren sich zu sehr. Windows Updates sind auf der Reise irgendwie immer schwierig. Naja, nächstes mal. Wir drehen noch eine kleine Runde durch das Stadtzentrum. Wir holen Bargeld und schauen im Visitor Center vorbei. Im kleinen Baumarkt kaufen wir ein paar Schrauben. Eine Schraube an der Fensterverriegelung ist ein Opfer der Dirtroads und ihren Schlaglöchern geworden. Der Baumarkt hat ausnahmsweise eine richtig gute Auswahl. Er ist auch der einzige im Umkreis von 700 km.
Das rechts ist der Baumarkt “Dawson Hardware Co.”
Die Wäsche ist langsam trocken und wir machen uns mit dem Volvo zu einem der zwei Supermärkte der Stadt auf. Hier gibt es keine großen Supermärkte à la Walmart und co. Der Supermarkt ist in mehreren der Westernhäuser versteckt. Der Laden ist ein absolutes Chaos und auch ziemlich teuer. Hier im Norden nimmt man aber, was man bekommt. Wie das Einkaufen ist auch das Tanken teuer, 2,48 C$ pro Liter. Mal sehen ob das weiter im Norden noch getoppt wird. Der Preisunterschied von Regular zu Premium ist hier mit 30 Cent recht hoch. Wir rechnen aus, ob Regular mit Oktanbooster teurer ist. Das lohnt sich schon ab 15 Cent Preisunterschied. Vielleicht müssen wir davon in Zukunft mehr kaufen.
Der letzte Stopp ist der Napa Store, wo unser Ölfilter in ca 1,5 Wochen ankommen soll. Wir wollen fragen, ob sie ein genaueres Datum für uns haben. Das haben sie auch, der Filter sei schon da. Die Palette werde morgen früh ausgepackt und wir könnten den ab 11 Uhr abholen. So viel zu den zwei Wochen Lieferzeit. Da wir nun Morgen früh eh noch mal nach Dawson fahren, geht es für die Nacht zu einem Platz in der Nähe. Auch dieser wurde uns von den Bekannten empfohlen, die uns den letzten Platz empfohlen hatten. Wir sind entsprechend gespannt, welches Detail sie hier vergessen haben zu erwähnen. Der Weg führt uns lange den nächsten Berg hoch und dann eine Weile auf einem Bergkamm entlang, um dann nach 10 km vor einem Camping verboten Schild zu stehen. Ob sie das ignoriert oder nur “übersehen” haben wissen wir nicht. Wir versuchen, uns an alle Verbote zu halten. Die Menschen haben sich schließlich extra die Mühe gemacht, ein Schild aufzustellen und es gibt hier immer genug Alternativen. Entsprechend suchen wir etwas herum und nehmen dann einen kleinen Platz am Ende eines doch recht zugewachsenen Weges. Nicht ganz gerade, aber super Aussicht. Wir setzen uns aufs Dach und schauen über das Gebüsch auf die entfernten Berge. Wir trinken so ein Bierchen und schnibbeln auch gleich das Gemüse fürs Abendessen dort oben.
Die Einfahrt ist vielleicht etwas zugewachsenGrüße von de Füße
Mit diesem Ausblick geht es dann am nächsten Morgen in Teil 2 weiter.
Wir starten den Tag mit unserer Monatsabrechnung für Juli. Wir sind wieder deutlich über unserem 2000 € Budget. Auch wenn wir uns eh nicht an die 2000 € halten, sind 3000 € drüber doch etwas viel. 1200 € sind davon allein Autoteile, 700 € z.B. der neue Krümmer. 1700 € für Benzin. Das sind nochmal 300 € mehr als im Juni. Wir erinnern uns, da sind wir mehr als 5000 km gefahren. Das Benzin ist hier im Norden allerdings auch deutlich teurer geworden (ok eigentlich ist hier alles teurer). Es zeigt sich, auch diesen Monat sind wir wieder 5000 km gefahren. Hoffen wir mal, dass der August mit etwas weniger Fahrerei daher kommt. (Wahrscheinlich nicht.)
Wartungstag Nr. 2
Damit überhaupt weiter gefahren werden kann, geht es mit dem Auspuff weiter. Natürlich passt das alte Hosenrohr nicht an den neuen Krümmer. Deswegen lösen wir zuerst die Vergaserbrücke und den Krümmer wieder. Das reicht leider noch nicht, also biegt Chris kurzerhand das Hosenrohr mit dem Spaten zurecht. Es fehlte zum Glück nur 1 cm. Alleine diese Kleinigkeit hat mehr als eine Stunde gedauert. Der Rest des Auspuffs geht dann zum Glück ziemlich gut. Eine der Auspuffklemmen zerlegt sich beim festziehen noch, aber die war eh nicht so wichtig.
Neu und alt vereint
Während Chris unterm Auto zugange war, hat Bretti eine neue Feuerlöscherhalterung gebaut. Die Originale hat leider nicht so lange gehalten und seitdem wohnt der Feuerlöscher hinten in der Ecke, bei dem ganzen anderen Kram, der keinen festen Platz hat. Direkt greif- und einsetzbar sieht anders aus. Nun hängt er wieder direkt bei Herd, Heizung und Motorhaube. Mal schauen, ob der Eigenbau länger hält als das Original.
Arbeitsschutz wird hier groß geschriebenFeuerlöscher hängt wieder
Wir lassen den Volvo testweise etwas laufen und ziehen noch ein paar Schrauben nach. Das Auto klingt jetzt ganz anders, vielleicht sogar etwas leiser? Naja, nun werden wir uns die nächsten Tage wieder bei jedem Geräusch fragen, ob das normal ist, super. Richtig testen wir das erst Morgen, wenn wir weiter fahren. Heute ist noch genug Wartungstag über, also geht es noch weiter. Der Beifahrerscheibenwischer-Schalter war defekt, zum Glück nur ein Kabel abgewackelt. Dies wird etwas besser gelegt und bleibt hoffentlich nun dran. Wir schauen noch unterm Auto, ob sich durch die ganzen Schotterpisten irgendwas gelöst hat. Eine Schraube am Tank hat sich etwas gelöst, sonst sieht aber alles gut aus. Wie immer zieht sich das ganze, aber gegen Nachmittag geht es in den Feierabend. Wir kühlen uns im seichten Uferbereich des Flusses ab. Das tut sehr gut nach der ganzen Arbeit. Schön ist der Platz hier ja, schattig aber nicht gerade.
Feierabend wie das duftet
Nach Kuchenbacken und Kochen machen wir uns ans Blog schreiben mit Blick auf den Fluss. Während wir schreiben, landet ein Seeadler etwas entfernt, fliegt dann leider in die andere Richtung davon. Da es langsam Abend ist zeigt sich auch ein Biber, der den Fluss hinauf schwimmt.
Biber auf dem Weg zur Arbeit?Adler sitzt quasi im Wasser
Es waren ganz schön anstrengende Tage und wir gehen zeitig ins Bett. Als wir schon am einschlafen sind, römmst es ein Mal ordentlich und der ganze Volvo wackelt. Wir sind direkt wieder wach und spähen aus den Fenstern. Ist da gerade ein Tier gegen das Auto gelaufen? Sehen tun wir nichts. Chris klettert durchs Dachfenster aufs Dach, kann aber auch nichts entdecken. Praktisch, dass es noch so hell ist. Dann sieht er, dass das Ersatzrad wieder ans Auto geschwenkt ist. Wir hatten es mit dem Spaten abgestützt, damit wir die Hecktür leichter auf machen können. Durch unsere Bewegungen im Auto ist der Spaten vermutlich umgefallen und der Träger mit dem schweren Ersatzrad gegen das Auto geprallt. Wohl besser als Tiere, die gegen das Auto laufen. Beruhigt schlafen wir wieder ein.
Zurück nach Whitehorse
Am nächsten Tag fliegt, während wir frühstücken, ein Adler oder sowas über uns, welcher regelmäßig seinen Schrei hören lässt. Etwas wild aber gut. Wir packen alles wieder ein, nach einigen Tagen stehen wundert man sich ja wie viel Unordnung man so produziert. Wir baden noch kurz und dann geht es zurück nach Whitehorse.
Letzter Morgen an diesem Platz
In Whitehorse geht es erstmal ins Visitor Center. Dieses ist für den gesamten Yukon zuständig, entsprechend unpräzise sind die Empfehlungen. Was für uns aber entscheidend ist, ist, dass die Lachse erst Ende August in den Yukon kommen und so entscheiden wir uns, erstmal weiter nach Norden zu fahren, anstatt an die großen Flüsse im Südwesten. In Whitehorse sammeln wir auch noch den zweiten Yukon Städte-Sticker ein. Mal sehen, wie viele wir davon zusammen bekommen.
Wir kaufen wieder mal ein, so gut gefüllte Supermärkte gibt es vermutlich weiter im Norden nicht. Natürlich darf ein Stopp bei einem Autoteilegeschäft nicht fehlen. Der letzte Ölfilter lässt sich ja nicht anschrauben, entsprechend brauchen wir Ersatz. Den gibt es hier natürlich nicht, auch wenn die Webseite was anderes sagt, also muss der bestellt werden. Lieferzeit mindestens eine Woche + x. Solange wollen wir nicht hier bleiben, mit Hilfe der Mitarbeiter können wir den Filter immerhin ins weiter nördliche Dawson schicken lassen. In Dawson werden wir mindestens zwei Mal vorbei kommen, hoffentlich ist der Filter dann irgendwann da. Lieferzeit ist irgendwas zwischen 1-2 Wochen. Wir hätten den schon gerne, bevor wir auf dem Dempster Highway ans Arktische Meer fahren, aber solange drauf warten ist auch keine Option. Das ist eindeutig ein Problem für die Zukunft, also fahren wir erstmal los.
Wir hatten noch kein konkretes Ziel für heute. Wir machen einen Stopp an einem alten Road House. Hier konnten früher Menschen übernachten und ihre Pferde ausruhen. Diese gab es alle paar Kilometer. Mit den aufkommenden motorisierten Fahrzeugen haben sie immer mehr an Bedeutung verloren.
Roadhouse Ruine
Am Ende fahren wir noch 160 km. Einkaufen und co hatte sich wie immer etwas gezogen. Wir stehen einfach in der Nähe des Highways an einem kleinen Fluss. Hier absolut nichts ungewöhliches oder besonderes, zuhause wäre das ein Traumplatz.
Alles Mayo
Heute steht ein Fahrtag an. Ziel noch ungewiss, aber das findet sich schon. Wir halten an der ersten Tankstelle und tanken 20 l Regular Benzin. Das hat eigentlich zu wenig Oktan, aber das gibt es hier überall. Auf dem 760 km langen Dempster Highway ans Nordmeer gibt es nur Regular und deswegen wollen wir testen, wie der Motor mit Regular und Oktanbooster klar kommt. Ein Oktanbooster ist ein Benzinzusatz, welcher dafür sorgt, dass das Benzin sich erst bei stärkerer Verdichtung und Temperatur selbst entzündet. Das ist genau das, was die Oktanzahl angibt und was der Unterschied zwischen Regular und Premium Benzin ist. Der Markt für Benzinzusätze ist voll mit unnötigen bzw. nichts bringendem Zeug, gerade bei den Oktanboostern. Wir haben das Zeug extra bestellt und viel gutes gelesen, aber wir testen das lieber mal vorher.
Bei der Tankstelle sprechen uns zwei Deutsche mit einem Landcruiser an. Sie sind schon über ein Jahr in Nordamerika unterwegs und haben dabei quasi die Route gemacht, die wir auch vorhaben. Wir tauschen Erfahrungen aus und sie berichten von absolut unproblematischen Grenzübertritten aus und in die USA. Gerade sind sie auf dem Rückweg aus Alaska zurück in die USA, um dort den Winter zu verbringen. Vielleicht sieht man sich ja noch mal auf der Tour.
Nach diesem netten und etwas längerem Gespräch geht es weiter. Am Straßenrand sieht man immer mal wieder verunfallte rostende PKWs, diese lässt man hier scheinbar einfach liegen anstatt sie zu bergen.
Aussicht beim Fahren
Wir kommen heute viel durch Straßenbaustellen. Wie in Kanada üblich fahren wir mitten durch die aktive Baustelle. Natürlich hält sich hier niemand an die erlaubten 50 km/h, was wir bei den rutschigen Schlammpisten sehr mutig finden (oder dumm).
Neben Baufahrzeugen sehen wir auch wieder viel verbrannten Wald
Wir kommen nach 100 km an der nächsten Tankstelle an und da sich der Motor absolut normal verhält, tanken wir nochmal 20 l Regular inklusive Oktanbooster. Wir werden das noch etwas wiederholen, es ist ja immer ein Rest Premium im Tank, diesen Einfluss wollen wir möglichst minimieren. Wir füllen auf dem gratis Campingplatz direkt am Fluss noch Trinkwasser auf und weiter geht es zum mittlerweile festgelegten Tagesziel. Wir werden die nächsten Tage dem Silver Trail durch den Ort Mayo und bis nach Keno City folgen. Wie der Name verrät handelt es sich um eine Minenstraße. Diese wurde schon häufiger aufgegeben und wieder aktiviert, je nachdem, ob sich das Betreiben der Minen gerade lohnt. Die Aussicht entlang der Straße soll ganz nett sein und am Ende der Straße in Keno City wartet die angeblich beste Pizza im Yukon auf uns. Wir sind gespannt was uns erwartet. Heute geht es noch zum Devils Elbow am Stewart River. Warum der so heißt keine Ahnung, gesehen haben wir den nicht. Da die Mückenskala wieder eine 6 anzeigt, verbringen wir nicht viel Zeit draußen und verziehen uns ins Auto für den Abend.
Quasi getarnt
Wir informieren uns noch etwas über die Gegend und erfahren die Geschichte von Major Heinz Thomy. Ein Deutscher, der aber seine Jugend in Kanada verbracht hat. Er ist hier als Mayo Pilot, also der Mayonnaise Pilot bekannt. Er ist dafür berühmt geworden, dass er in einem schlimmen Winter, die eingeschneiten Menschen des Ortes Mayo, mit Lebensmitteln versorgt hat. Anhaltendes schlechtes Wetter hatte dafür gesorgt, dass kein anderer Pilot starten wollte. Nur Heinz Thomy, ein Veteran aus dem zweiten Weltkrieg, traute sich den Flug anzutreten. In der Armee musste er sich trotz seiner Erfolge, immer wieder in der kanadischen Armee beweisen und belegen, nicht für die Deutschen zu arbeiten. Er brachte den Eingeschneiten Lebensmittel für mehrere Woche, darunter auch Mayonnaise. Da er die Mayo nach Mayo gebracht hatte, wurde er als Mayo Pilot berühmt. Als er in Rente nur noch zum Spaß flog, ließ er sich in Mayo in der Nähe des Flughafens nieder.
Vielleicht ist das alles aber auch nur Quatsch😉und wir haben zu viel über Mayonnaise und den Ort Mayo geredet. (Na, erkennt ihr die Anspielungen bei Heinz Thomy?)
Der Silver Trail
Wir hatten eine entspannte Nacht und nun geht es weiter nach Mayo. Hier gibt es leider kein Café, dafür Haribo-Frösche im recht gut sortieren Supermarkt. Ist ja auch nicht verkehrt. Wir tanken nochmal nach und folgen ab hier einer Schotterstraße weiter nach Keno City. Es gibt hier aktive Minen im Gebiet und so herrscht hier einiges an LKW Verkehr. Keno City ist ein sehr kleines Dorf mit ca. 20 Einwohneris. Es gibt ein Minenmuseum, einen Campingplatz und die Snack Bar, mit der sagenumwobenen Pizza. Wir machen einen kurzen Spaziergang durchs Dorf und landen am Ende bei der Snackbar. Es sieht nicht wirklich offen aus, aber die Betreiberin öffnet uns direkt als wir vor der Tür stehen. Es ist ein etwas skurril eingerichteter Laden, aber die Betreiberin ist nett und wir quatschen recht viel. Sie verschwindet nebenbei immer mal wieder in der Küche, um Dinge umzurühren oder so. Hier kann man nur bar zahlen, sehr ungewöhnlich für Kanada und so kratzen wir unser letztes Bargeld zusammen. Wir nehmen beide natürlich Pizza, so viel anderes gibt es hier auch nicht. Während die Pizza im Ofen ist, quatschen wir weiter mit der Betreiberin. Sie bekommt zwischendurch immer wieder SMS mit Bestellungen. Sie hat also ordentlich zu tun, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Die Pizza ist soweit solide, aber alleine, dass es hier am Ende der Welt Pizza gibt, ist schon großartig.
Sightseeing in MayoVolvo im Zentrum von Keno CityBretti genießt die eigentümliche Dekoration sichtlichPizza geht immer
Wir fahren noch 10 km den Berg hinauf zum Keno Hill Signpost. Nun stehen wir auf ca.1600 m Höhe. Der Pfosten wurde hier 1956 anlässlich eines internationalen Geophysik Kongresses aufgestellt und zeigt die Heimatstädte der Teilnehmenden mit der jeweiligen Entfernung. Später sehen wir auch noch zwei Männer, die Steine untersuchen. Scheint hier immer noch relevant zu sein, Steine sind ja bekanntlich geduldig.
Es ist noch nicht so spät, da aber Regen angesagt ist, verschieben wir das Wandern auf Morgen. Dafür gehen wir, solange es noch trocken ist, etwas spazieren und fliegen Drohne.
Auf dem Weg zum Sign Post4200 km sind es von hier ungefähr bis nach Hamburg
Als es anfängt zu schütten, geht es in den Volvo und Chris backt eine britischen Cornflakes Cake, super süß, wird wohl keine Wiederholung geben. Immer, wenn es mal kurz nicht regnet, springen wir aus dem Auto und machen noch ein paar Fotos (viele Fotos), es sieht hier einfach zu schick aus. Es wird dann langsam Abend und wir machen nichts besonderes mehr. Morgen wird dann bei hoffentlich besserem Wetter gewandert. Der Wetterbericht sieht so lala aus, aber zuverlässig ist der hier ja eh nicht. Ob wir nass geworden sind lest ihr dann nächste Woche.
Spaziergang während einer RegenpauseChris wird eins mit der UmgebungHeimwerkertraum mit viel Potenzial. Ehemalige Minengebäude stehen bzw. liegen hier häufiger in der Gegend herumAussicht zum nicht satt sehen
Der Tag startet damit, dass Chris Frühstück macht und Bretti das MTV unplugged Album von die Ärzte abspielt. Das sorgt für viel Nostalgie und Mitgesinge, 24 Jahre ist das Album schon alt. Die Ansagen werden auch auswendig mitgesprochen, man könnte uns schon als Fans bezeichnen.
Während wir unser Zeug für die heutige Wanderung zusammen packen, kommt eine Person vorbei. Sie hat den Volvo gezeichnet und fragt, ob wir das Bild haben wollen. Das finden wir richtig cool und klar nehmen wir das Bild gerne.
Nun geht es los zur Wanderung. Der Startpunkt ist auf der anderen Straßenseite von unserem Stellplatz. Es soll der Mountain Hero Trail gewandert werden. Wir wissen nicht ganz genau, wie lang der Weg ist, aber im Zweifelsfall laufen wir nicht den ganzen Trail. Unser Ziel ist es, über die Baumgrenze zu kommen. Der Weg folgt grob einer alten Minenseilbahn, mit der früher Kohle den Berg herunter transportiert worden ist. Weit oberhalb der Baumgrenze gibt es auch noch die alten Minen zu sehen, dahin schaffen wir es aber vermutlich nicht. Am Weg soll es auch vorher schon was zu sehen geben und das bestätigt sich auch.
Ein Mast der alten SeilbahnLeiter & Mast sind in einem nicht mehr ganz so guten Zustand, wir bleiben mal untenDas ist ein Förderkorb der Seilbahn
Der Weg schlängelt sich erst durch einen Birkenwald bis an den Rand der Berge. Dort wechselt er sich mit Fichten ab, durch die wir dem Weg in Serpentinen den Berg hoch folgen. Im Visitor Center hatten wir eine Karte bekommen, diese zeigt aber nicht den realen Verlauf des Weges und ist damit leider nutzlos. Auch zu den roten Punkten am Weg verrät die Rückseite nicht wirklich was.
Unsere “Wanderkarte”
Wir finden trotzdem den richtigen Weg und kommen nach dem Wald in eine alpine Landschaft. Es geht noch 2 km weiter immer höher. Hier machen wir eine Snackpause und entscheiden, den letzten Anstieg nicht mehr hoch zu gehen. Wir können die Minen zwar schon am gegenüberliegenden Hang hoch oben sehen, das sind aber sicher noch 3 km und das ganze müssen wir ja auch noch zurück. Der Ausblick ist auch so wunderbar und hier oben gibt es auch wieder Erdhörnchen. Diese hatten wir schon richtig vermisst, nachdem sie uns so lange durch die Great Plaines begleitet hatten.
Bretti vergleicht die Karte mit dem Weg, den sie sieht
Auf dem Rückweg nehmen wir uns auch mehr Zeit zum Fotos machen. Außerdem gibt es noch einen kleinen Abstecher zu mehr alter Seilbahninfrastruktur.
Schade, dass die Seilbahn nicht mehr in Betrieb ist, bergab wäre die ganz praktisch gewesen. So kommen wir am Ende auf 15 km mit 23.000 Schritten. Insgesamt sind wir gut geschafft, war aber alles machbar. Hier ein vorher/nachher Bildvergleich.
Welches ist wohl welches?
Zurück am Auto entscheiden wir, hier noch eine Nacht zu bleiben, organisieren noch ein paar Dinge und dann geht es geschafft ins Bett.
Man steht hier auch ganz gut
Whitehorse, Capitol of Yukon
Heute geht es nach Whitehorse, die einzige etwas größere Stadt (21.000 Einwohner) im Yukon. Zum Wäschewaschen und Vorräte auffüllen. Vorher philosophieren wir über die Zukunft des Volvos nach unserer Reise. Ob wir weitere größere Reisen machen wollen, welche Veränderungen am Volvo dafür gut wären und ob man nicht doch lieber direkt ein anderes Fahrzeug nehmen sollte. Das ist zum Glück alles noch weit weg und so lassen wir unsere Gedanken einfach kreisen.
Da hier wenig los ist, nutzen wir die Chance und machen ein paar Drohnenaufnahmen.
Drohnenaufnahme vom Wasser und den BergenChris am Boden der Tatsachen (mit dem längsten Selfie-Stick der Welt)
Der Muskelkater hält sich zum Glück in Grenzen, zumindest solange wir heute keine Treppen oder einen weiteren Berg steigen müssen. Nun geht es erstmal zurück nach Carcross. Hier holen wir uns etwas Süßgebäck in einer Bäckerei. Leider gab es hier kein frisches Brot oder Brötchen, aber wer wird sich schon über Cookies und Kuchen beschweren. Nächster Stopp des Tages ist die Carcross Desert. Dies ist eine große Düne, auf die man rauf laufen kann.
Wir hatten Videos von Leuten gesehen, die mit ihren Autos bis auf die Düne gefahren sind. Das fänden wir auch interessant, aber vor Ort stehen alle Fahrzeuge brav auf dem Parkplatz. Wir sehen kein “befahren verboten Schild”, aber eine eindeutige Erlaubnis gibt es auch nicht, nur den Hinweis, “motorisierte Fahrzeuge sind erlaubt/geduldet, solange sie sich auf den Trails oder auf pflanzenfreiem Gelände bewegen”. Da kein anderer auf die Düne fährt, halten wir uns an die sandigen Wege in der Gegend, dort ist das Fahren immerhin eindeutig erlaubt. Wir wechseln uns mit dem Fahren ab und Chris lotst Bretti direkt in losen Sand. Hier kommt auch der Volvo mit seinem Standard 4×4 schnell nicht mehr weiter. Bretti testet mit dem Allrad und den Sperren herum und bringt uns wieder auf festeres Terrain. Wir überlegen den Luftdruck der Reifen abzusenken, das soll im losen Sand Wunder wirken. Chris setzt unseren Kompressor an, aber das Ablassen dauert schon ewig. Aufpumpen müssten wir die sechs Reifen ja auch wieder. Wir testen das wann anders mal. Wir nutzen die Gelgenheit aber, um den Druck der Reifen zu testen.
Ohne größere Probleme kommen wir an der befestigten Straße wieder an und düsen nach Whitehorse. Wir kaufen ein und schmeißen zwei Waschmaschinen an. Während wir warten, sehen wir, dass einer unserer Außenspiegel zurückgebogen ist. Scheinbar ist jemand gegen unseren Spiegel gefahren und natürlich abgehauen. Die Spiegel, die wir haben, sind nicht original, sondern ganz einfache Treckerspiegel. Ein Bekannter hat sie wie folgt beworben: “Da kannst du auch ruhig mal drüber fahren, das macht denen nichts.” Entsprechend hat der Spiegel nur ein paar neue Kratzer, sonst ist er heil.
Anderes Reisefahrzeug getroffen, der Volvo wirkt ganz klein daneben
Wir fahren aus Whitehorse raus, den Yukon River entlang zu einer Stelle, wo wir die nächsten Tage verbringen wollen, es steht Wartung an.
Kann man hier schon aushalten
Heute machen wir noch einen Ölwechsel beim Motor und prüfen alle Getriebe auf ausreichend Öl. Ölwechsel wollten wir eigentlich in Werkstätten machen lassen, aber die haben immer so viel Vorlaufzeit. Entsprechend machen wir den diesmal selbst. Öl ablassen klappt soweit okay. Wir haben neben der alten Ölkanne mit Trichter, einen Eimer und eine ölaufsaugende Matte dabei. So gerät auch nichts in die Umwelt. Das Altöl kann man hier dann unkompliziert beim nächsten Autoteileshop abgeben.
Der Ölfilter, den wir noch aus Deutschland mithaben, hat ein kaputtes Gewinde und kann nicht genutzt werden. Sehr ärgerlich, da wir keinen weiteren Ersatz dabei haben. Dass wir von unseren zwei mitgebrachten Filtern, genau den kaputten erwischen, wenn wir keinen Ersatz verfügbar haben, ist auch wieder so ein Zufall. Der alte wird wieder montiert und muss noch ein paar Kilometer durchhalten.
Die anderen Ölstände sehen soweit ok aus. Nur dem mittleren rechten Portalgetriebe fehlt schon wieder Öl. Wir hatten den Ölverlust schon mal untersucht, aber nicht heraus gefunden, wohin das Öl verschwindet. Das hatten wir dann noch etwas beobachtet, aber keinen Ölverlust festgestellt. Es scheint also sehr langsam Öl zu verlieren. Wir beobachten das wohl weiter, in anderen Abständen. Es wird noch aufgefüllt und dann ist auch mal Feierabend.
Wir haben hier Jever gefunden, schmeckt immer noch schön herb
Es wird sich der Dreck abgeduscht. irgendwie ist unser Auto in den letzten Wochen sehr dreckig geworden. Den Abend lassen wir mit einer neuen Serie ausklingen, Cowboy Bebob – Sci-Fi-Anime und irgendwie Kult.
Wartung Tag Nr. 1, wie viele es wohl werden mögen?
Wir frühstücken mit Blick auf den Yukon River und dann geht es mit dem Schrauben weiter.
Zuerst wird das Radlager geprüft, welches wir in Calgary nachgezogen haben. Es ölt scheinbar wirklich weniger, das nachziehen scheint die Dichtungen stärker anzupressen. Vielleicht fehlt da noch etwas mehr, um ganz dicht zu sein? Wir kümmern uns da bei Zeiten mal weiter drum.
Als nächstes werden die unzähligen Schmiernippel nach gefettet. Unser mitgebrachtes Fett ist leer, also wollen wir hier gekauftes in die Fettpresse füllen. Die Kartusche passt nicht genau und so endet Chris mit einem großen Fetthaufen auf der Hand und stopft diesen in die alte Kartusche. Das ganze hat länger gedauert als das Abschmieren selbst.
Schmiernippel SuchbildSchade, dass Chris 2 cm zu klein ist, um den Flaschenzug entspannt zu bewegen
Es hat alles wie immer länger gedauert als gedacht, deswegen startet nun erst gegen 15 Uhr Projekt “Auspuff”. Dem Sportwagenklang soll es jetzt an den Kragen gehen.
Wir demontieren das Auspuffrohr vor dem Schalldämpfer (ob der wirklich was bringt?), das Hosenrohr, einen Motorhalter und dann ist der Krümmer ganz leicht demontiert.
Natürlich nicht. Man kommt an alles sehr schlecht ran. Wir müssen noch die ganze Vergaserbrücke lösen, um den zweigeteilten Krümmer abnehmen zu können. Es reißt dafür, zumindest hier, keine Mutter oder Schraube ab, es sind die kleinen Freuden. Bei der Demontage ist es immerhin hilfreich, dass der hintere Krümmer in mehrere Teile zerbricht.
Der Krümmer ist zerbrochen und hat noch weitere RisseDie neuen Krümmer sind nicht aus Guss, entsprechend kann man die auch schweißen, wenn mal was reißen sollte
Die neuen Krümmer sind irgendwann dann doch an ihrem Platz und werden montiert. Der Rest des Auspuffs folgt dann Morgen. Das wird ordentlich Muskelkater geben. Zwischendurch hat Bretti noch unser Kanu gewaschen. Wir versuchen das regelmäßig zu machen, um keine invasiven Spezies in den Seen zu verbreiten.
Fahrzeugbaustelle. Links im Bild das Hosenrohr. Dieses bündelt die Abgase von den beiden Krümmern in einem RohrSieht eindeutig nach Spaß aus
Heute gibt es wieder mal Nudeln mit Pesto. Es ist schon 22 Uhr und es hat keiner mehr Lust auf Kochen. Mit einem lokalen leckeren Feierabendbier schauen wir auf den vorbeiströmenden Fluss und lassen den Abend so ausklingen.
Feierabendaussicht
Morgen geht es dann weiter mit dem Rest vom Auspuff und ein paar anderen Kleinigkeiten. Ob wir das ganze wieder zusammen bekommen und welche Probleme noch auftreten, lest ihr dann in Teil 2.
Am nächsten Morgen hat die Batterie nur noch 3%. Das reicht aber noch fürs Frühstück machen. Nach einer kurzen Untersuchung der Kabel scheint der Übeltäter für die fehlende Solarenergie ein Stecker zu sein, der sich gelöst hat. Wieder zusammen gedrückt fließt die Energie wieder in die Batterie.
Auf dem Dach haben wir auch Kandidaten für die Ursache des Wassereinbruchs im Vorratsschrank gefunden. Da werden wir demnächst mal was drauf schmieren.
Während Chris in der Fahrerkabine alles für die Abfahrt bereit macht, ruft Bretti, er solle auf den Fluss schauen. Dort schwimmt ein Biber gegen die Strömung den kleineren der Flüsse hinauf. Vielleicht ist er auf der Suche nach einem eigenen Revier? Da muss sofort die Kamera her, um ein paar Fotos zu machen. Das ganze sieht ziemlich anstrengend aus für den kleinen Kollegen.
Ist auch eine ganz schöne Fellkugel
Der Biber kämpft sich weiter den Weg hinauf und wir machen uns weiter abfahrbereit. Wir fahren allerdings nicht weit, denn wir wollen den steilen Weg aus dem Flussbett zum Entlüften des Kühlsystems nutzen. Dafür muss das Auto vorne schön hoch stehen, der Kühler geöffnet werden und der Motor warm laufen. Wir hoffen, dass sich jetzt auch die letzten Luftblasen aus dem System verabschieden. Wir sehen einige aufsteigen, ob das nun alles war, wissen wir nicht. “Versuch macht klug” (O-Ton Chris).
Schön schrägChaos und gute Laune
Dann geht’s los auf den Alaska Highway. Wir fragen uns wieder, ob die vielen Tiersichtungen am Montag mit der späteren Tageszeit zusammen hingen oder ob es Zufall war und auch jetzt (mittags) die Chance besteht, Tiere zu sehen. Anhaltspunkte liefern ein Schwarzbär, ein Bisonkalb und zwei erwachsene Bisons, die wir innerhalb der ersten Fahrstunde sehen und eigentlich auch schon der Biber, den wir am Morgen gesehen hatten. Es scheinen also auch tagsüber Tiere unterwegs zu sein, vielleicht werden es zur Dämmerung einfach noch mehr?
Wir machen einen kurzen Stopp am Whirlpool Canyon, snacken und füllen den Tank mit unseren Kanistern auf.
Wo genau der Whirlpool ist wissen wir auch nicht
Dann geht’s auf Richtung Watson Lake im Yukon. Entlang des Weges sehen wir noch sieben weitere Bisons, die sich für ihre Größe überraschend gut im lichten Wald verstecken können.
Man beachte die schicke KopfdeckoGanz entspannt am Straßenrand grasen sie
Auf dem Weg wechseln wir mehrfach von BC in den Yukon und zurück. Angekommen in Watson Lake, der ersten richtigen Stadt im Yukon, tanken wir für 2,35 C$. Wer sich erinnert, wir fanden schon 2,24 C$ teuer. Naja, hilft ja nichts. Wir füllen unsere Vorräte auf und schauen uns dann den Sign Post Forest an. Hier im Yukon werden die Tankstellen sicher nicht häufiger.
Auch wenn wir kein Kennzeichen aus Plön gefunden haben, gibt es hier Würzburg, Schleswig, Rendsburg, Neumünster, sehr viele Ratzeburger und Hansestadt Lübeck. Ganz schön umtriebig die Schleswig-Holsteiner. Generell sehen wir viele deutsche KFZ-Kennzeichen und Ortsschilder. Der Sign Post Forest ist ganz cool, auch wenn manche Schilder etwas cringe (Definition laut Duden: “auf peinliche Weise erschreckend oder unangenehm”). Wir selbst bringen kein Schild an.
Mit solchen Pfosten geht es hier noch endlos weiter
Wir fahren zu einem Stellplatz kurz hinterm Ort am Fluss und flüchten direkt vor den Mücken ins Auto. Wegen der vielen Mücken führen wir eine Skala ein, von 1 bis 10, wobei wir eine 9 für Ontario vergeben, die 10 bleibt unangefochten (bisher) bei den Reisfeldern in Spanien auf unserer ersten Reise 2019. Der vorherige Stellplatz war eine 5-6, es gab einige Mücken, aber das erwartet man hier auch. Dieser Stellplatz ist eine 8, fast so wie in Ontario.
Aussicht heute lieber von innen
Das Mückenlevel hält sich am nächsten Morgen bei der 8, auch wenn sie erst angetäuscht haben und wir kurz Hoffnung hatten. Wir frühstücken also drinnen und fahren dann weiter den Alaska Highway entlang, mit netter Aussicht, aber diesmal leider ohne Tiersichtungen. Erster Stopp des Tages sind die Rancheria Falls. Leider sind hier alle Wege mit “Danger, do not enter” Fladderband abgesperrt. Wir fragen uns zwar, warum man nicht hin darf, vielleicht ist der Holzbohlenweg kaputt, schade, aber dann halt nicht. Eine Familie Texas hingegen denkt sich, sie steigen da einfach mit ihren kleinen Kindern einfach drüber. Top Erziehungsmaßnahme. Tatsächlich kommen sie auch nach kurzer Zeit schon wieder.
Gefahr!
Wir fahren erstmal weiter und wechseln mal wieder zurück nach BC. Dort halten wir später nochmal neben dem Highway an einem Pullout für eine Snackpause. Dort überlegen wir, wie weit wir heute fahren und entscheiden uns spontan für eine Recreation Site in BC kurz vor der Grenze zum Yukon.
Aussicht während der Fahrt
Die Recreation Site ist ein schöner Platz direkt am See. Am anderen Ende der Site stehen noch drei weitere Fahrzeuge, sonst ist nichts los. Wir beschließen, hier morgen Boot zu fahren, wahrscheinlich inklusive einer weiteren Übernachtung und beenden den Abend mit Blog schreiben und Audioaufnahmen bearbeiten.
Auf zum OKGAbendsonne MorgenkaffeeDie Common Loons waren zu weit weg dafür gab es einen Drosseluferläufer im Prachtkleid
Der Samstag startet sportlich, denn Bretti holt zum ersten Mal auf dieser Reise die Isomatte für ihr Sportprogramm raus. Danach wird im See gebadet. Der ebenfalls frisch gebadete Chris bereitet währenddessen das Frühstück vor. Es soll heute trocken bleiben, deshalb werden die Stellen am Autodach abgedichtet, die wir als Ursache für das Wasser in unserem Vorratsschrank vermuten. Danach widmen wir uns zwei kleinen Steinschlägen in der Scheibe der Beifahrertür und der Frontscheibe auf der Beifahrerseite. Hier ist es zwar üblich solange mit Steinschlägen und Rissen in der Frontscheibe zu fahren, so lange man noch was sehen kann, wir möchten aber präventiv größere Risse vermeiden. Leider hält der Wetterbericht mal wieder nicht, was er verspricht und es fängt währenddessen an zu regnen. Wird schon passen.
Es haben sich risse in der GFK Kantenabdichtung gebildetProfies bei der Arbeit
Als es aufhört zu regnen, sehen wir unsere Chance und lassen das Boot zu Wasser. Leider fängt es auf dem Wasser direkt wieder an, ordentlich zu regnen und hört auch so schnell nicht mehr auf. Wir denken uns, nass werden wir ja eh, paddeln wir einfach weiter. Da hinten ist der Himmel schon wieder blau oder so. Irgendwann wird es zumindest weniger und auf dem Rückweg hört es sogar ganz auf.
Paddelspaß im RegenPaddelspaß in der Sonne
Zurück am Auto stärken wir uns mit Suppe und Kuchen. Es fängt auch wieder an zu regnen, so viel zu “es soll trocken bleiben”. Zum Abendessen macht Bretti dann Auflauf und der Himmel klart auf. Nach einer Verdauungspause starten wir unsere zweie Paddelrunde, diesmal in die andere Richtung des Sees. Wir sehen mehrere Biber. Einer schlägt demonstrativ mit dem Schwanz aufs Wasser, wahrscheinlich um uns zu vertreiben. Wir finden das zwar eher niedlich, nehmen die Botschaft aber an und paddeln weiter. Auf dieser Ecke des Sees gibt es viel flaches Wasser mit Wasserpflanzen, weshalb wir hoffen, einen Elch zu sehen, der hier grast. Auf dem Rückweg sehen wir tatsächlich ganz kurz einen Elch, der verschwindet aber leider schnell wieder in den Wald. Gegen 22 Uhr kommen wir wieder am Auto an. Es ist immer noch relativ hell. Trotzdem gibt’s noch unsere Abendroutine und dann geht’s ab ins Bett.
Entschwindender Elch
Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück wieder auf den Highway. Probeweise stecken wir einen improvisierten Stöpsel in das Loch für den Ölmessstab, um zu testen, ob der die Ursache für unser Ölleck ist. Nach den ersten Kilometern scheint auch ein Erfolg sichtbar zu sein, kein Öl auf dem Ventildeckel. Beim nächsten Stopp ist allerdings wieder alles voller Öl. Der Stöpsel ist rausgefallen. Der Motorraum ist sehr ölig, der Verdacht erhärtet sich, dass es mit dem Loch für den Ölmessstab zusammenhängt. Wir werden also mal schauen müssen, wie wir das besser dicht bekommen. Wir stoppen einige Zeit später am Südende der Canol Road. Hier gibt es interessante Infotafeln zum Bau der Straße und einige Autowracks. Die Straße wurde gebaut, um eine Öl-Pipeline aus den Northwest-Territories in den Yukon zu leiten. Schon ein Jahr nach Fertigstellung wurde die Pipeline aus Kostengründen außer Betrieb genommen. Die Straße ist in entsprechendem Zustand, insbesondere der nördlichere Teil. Heute ist sie vor allem bei Reisenden, die das Abenteuer im eh schon menschenleeren Yukon suchen. Vielleicht fahren wir die Straße im Laufe des Monats nochmal lang.
Neues Ausbau Projekt? Chris sieht eine Chance mit “viel Potenzial” Bretti sitzt schon mal ProbeAuswahl gibt es hier genug
Die Fahrzeuge stehen hier seit über 70 Jahren im Regen und haben teilweise trotzdem weniger Rost als vieles was hier rumfährt.
Heute führt unser Weg nach Carcross. Auf dem Parkplatz vor dem Visitor Center suchen wir uns einen Schattenplatz auf einer Bank für eine Snackpause. Dabei beobachten wir wie die Menschen um unser Auto herumlaufen und Fotos machen. Wie viel Fotomaterial gibt es wohl schon von unserem Auto? Carcross ist touristisch geprägt. Es gibt kleine Verkaufshäuser, z.B. mit Eis, Honig, Seife, Kunst usw. Im Visitor Center gibt es vor allem Flyer lokaler Dienstleister oder Hotels. Wir bekommen einen Tipp für eine beliebte Wanderung inklusive Karte.
Wem gehört wohl welcher Bagel?Hier endet die White Pass and Yukon heritage Route. Die geht leider bis nach Alaska. Hoffentlich schaffen wir die wenn wir auch nach Alaska einreisenKleinere und größere VerkaufshäuschenSpannende Deko gibt es hier
Während wir vor dem Visitor Center sitzend noch das freie WLAN nutzen, hören wir ein Brummen gefolgt von einem lauten Geräusch oder Knall. Wir denken uns erstmal nichts dabei, als wir losgehen sehen wir einen implodierten Tankwagen, der vom Ort des Geschehens verschwindet. Da hat heute jemand sicher (k)einen richtig guten Tag. Wir fahren zum Trailhead der morgigen Wanderung, einem überraschend ruhigen Platz am Fluss neben dem Highway mit schicker Aussicht auf die Berge und 0 Mücken.
So “dunkel” ist es hier gegen 23:00 Uhr
Morgen geht es dann zu Fuß auf in die Berge. Mal sehen wie unsere sportlichen Körper das mitmachen. Falls wir das überstanden haben, lest ihr das nächste Woche.