Letzter Blick auf den Arktischen Ozean
Heute verlassen wir Tuktoyaktuk wieder. Morgens springen wir deshalb noch ein letztes Mal in den Arktischen Ozean. Das Wasser ist immer noch sehr kalt, aber was soll man machen, wenn man schon mal da ist.


Danach geht’s ab ins Visitor Center, diesmal hat es sogar auf. Es ist wohl das bisher kleinste Visitor Center, dass wir gesehen haben. Ein Container mit Toiletten und einem kleinen “Empfangsraum”, in dem ein paar Broschüren ausliegen. An den Wänden hängen Telefonnummern für Schmuck oder für Angeltouren. Auf dem Weg aus dem Ort fahren wir wieder an der Mülldeponie vorbei, offen auf der Erde und teils im Wasser, zerstreut durch Wind und Tiere. Der Klärteich ist gleich daneben. Wir nehmen unseren Müll diesmal mit, wobei in Kanada überall der meiste Müll auf solchen Deponien zu landen scheint.

Mit schönerer Aussicht geht es weiter bis nach Inuvik. Wir sehen mehrere Schwäne, vermutlich Tundra Swans (Zwerg-/Pfeifschwan) oder Trompeterschwäne. Aus der Distanz nicht so gut erkennbar, auf jeden Fall weiße Vögel mit schwarzem Schnabel. Sonst laufen uns leider keine Wildtiere über den Weg.
In Inuvik gehen wir einkaufen und danach ins Visitor Center. Hier sehen wir zumindest Fotos von Wildtieren und auch ein paar ausgestellte Tiere wie diesen Moschusochsen.


Der Mitarbeiter gibt uns noch ein paar Tipps für Inuvik. Wir wollen hier zwar nicht über Nacht bleiben, aber das Greenhouse Café hat eh nur bis 16 Uhr auf. Da fahren wir hin. Die ehemalige Eishalle ist jetzt ein großes Gewächshaus und Community Center mit Café und Tee- und Gemüseverkauf. Ausgestattet mit Gebäck und Getränken spazieren wir durch das warme Gewächshaus. Es ist richtig schön. Hier wächst allerlei an Gemüse, z.B. Tomaten und Kohl und überall blüht es. Wir fühlen uns wie in einem schönen Garten Zuhause. Wir haben ja schon mal die Golfrasengärten hier beschrieben. Das Gewächshaus ist da mal eine schöne Abwechslung. Bevor wir aufbrechen, kaufen wir hier noch eine frisch geerntete Zucchini.





Dann wird noch getankt und weiter geht’s in die Grenzregion von Northwest-Territories und dem Yukon.

Wir fahren heute für unsere Verhältnisse recht lange. Gegen 22 Uhr kommen wir an unserem Übernachtungsplatz an, oben auf einem Berg neben einer Richtfunkstation, davon sieht man entlang des Dempsters immer mal welche. Der Ausblick ist richtig schön. Wir sehen links und rechts das Tal und vor und hinter uns Berge.



Regen, Kälte und die Uhrzeit treiben uns ins Auto, so genießen wir die Aussicht im Warmen. Dabei hören wir immer mal ein komisches Geräusch. Was das wohl ist? Irgendwann kommen wir drauf, dass das der Dreck sein könnte, der vom Auto abfällt. Wir haben nämlich den Dempster-Look erreicht, sprich das ganze Auto ziert eine solide Dreck-/Schlammschicht. Bei vielen Autos ist die Rückseite komplett bedeckt, bei uns wird sie ein bisschen durch das Ersatzrad und das Kanu geschützt. Dreckig ist das Auto aber trotzdem. In Kombi mit dem Regen wird daraus eine richtig schöne Schmierschicht. Man könnte meinen, das Auto könnte eine Wäsche vertragen, allerdings denken wir uns, das wird ja eh wieder dreckig. Bevor wir in die USA einreisen machen wir das bestimmt, für den besseren Eindruck.

Wunderschöne Landschaften
Am nächsten Morgen sehen wir einen Sprinter, der wohl noch nach uns angekommen ist, also nach 22 Uhr. Um 10 Uhr bricht der auch schon wieder auf. Wir sind da noch am Frühstücken. Die Aussicht ist auch einfach zu fantastisch, um sich zu beeilen. Nach dem Frühstück checkt Chris den Ölstand und wackelt an allen Autoteilen, alles noch fest. Bretti macht derweil Drohnenaufnahmen.
Dann geht’s weiter durch wunderschöne Landschaften. Irgendwie komisch, wieder nach Süden zu fahren, so als wäre das schon der Rückweg unserer gesamten Reise, dabei liegt über die Hälfte der Zeit ja noch vor uns. Nach Tuktoyaktuk werden wir wohl aber nicht nochmal kommen, von daher nehmen wir schon irgendwie Abschied von diesem Abschnitt Kanadas. An der Landschaft können wir uns definitiv nicht satt sehen. Andere Reisende sagten uns, dass der Dempster sich nur am Anfang entlang des Tombstone Gebirges landschaftlich lohne. Wir finden gerade die Abwechslung aus Gebirge und weiter Tundra richtig cool, gerade mit dem Gedanken im Kopf, dass darunter Permafrostboden liegt. Natur ist schon abgefahren.



Der heutige Fahrtag bringt uns zu einem Platz im Flussbett. Dieser Platz wurde uns von anderen Reisenden empfohlen und wir hatten ihn auf dem Weg nach Norden schon einmal ausgekundschaftet. Kurz vor Ankunft spielt der Öldrucksensor verrückt. Die Warnlampe geht noch und zeigt keinen niedrigen Öldruck an, von daher scheint es ein Wackelkontakt zu sein. Damit können wir leben, bzw. das lässt sich wohl reparieren. Am Platz angekommen schnacken wir kurz mit anderen kanadischen Reisenden, halten die Füße ins Wasser, hängen die Wildtierkamera auf und lassen den restlichen Abend entspannt flauschig ausklingen.
Eingeladen auf “ein” Bier
Am nächsten Tag schaffen wir drinnen erstmal etwas Ordnung. Es wird ein neuer Versuch gestartet, Auspuff und Motor abzudichten. Ergebnis sehen wir in den nächsten Tagen, denn heute bleiben wir hier noch stehen. Während Chris unterm Auto liegt, kümmert Bretti sich um Feuerholz für unser Lagerfeuer.
Da es schon den ganzen Tag immer mal wieder regnet und ab 15 Uhr durchregnen soll, bauen wir zum ersten Mal unser Tarp auf. Als das Lagerfeuer brennt, fängt es dann auch direkt wieder an zu regnen. Wir sitzen schön trocken unterm Tarp, wechseln samt Feuer immer mal die Seite, da der Wind sich ein paar Mal dreht. Dann wird schön gegrillt. Abends lassen wir das Feuer ausgehen und verziehen uns gegen 18 Uhr ins Auto. So richtig warm ist es draußen nämlich nicht. Durch das nasse Holz in Kombi mit dem Regen raucht das Feuer auch mehr als dass es viel Wärme spendet.



Gegen 20 Uhr kommt ein Pickup-Camper ins Flussbett und stellt sich ziemlich exakt vor unsere Wildtierkamera. Das hatten wir erst gar nicht wahrgenommen. Nun holen wir die lieber mal, nicht dass sie denken, dass wir sie absichtlich filmen wollen. Der Camper kommt aus Chile. Wir kommen direkt mit den draußen sitzenden Eltern ins Gespräch. Nach den üblichen Themen wird das Gespräch aber nicht wie sonst mit den kanadischen Leuten beendet, sondern sie laden uns auf ein Bierchen ein. Aus einem werden mehrere Biere und plötzlich ist es 3 Uhr nachts als wir uns letztlich ins Bett begeben. Uns alle hat es gefreut, endlich mal wieder ein längeres Gespräch zu führen. Die beiden teilen unsere Erfahrung, was die Gespräche mit den Kanadieris angeht nämlich auch. Bevor es ins Bett geht checken wir noch die Wildtierkamera und richten sie neu aus. Sie hat tatsächlich was aufgenommen. Wahrscheinlich ein Wolf oder ein Kojote. Was sagt ihr?
Ende Dempster, Ende Sommer
Weil wir so lange wach waren, schlafen wir heute mal länger. Der Regen tröpfelt gemütlich aufs Dach. Vielleicht sind wir ein bisschen verkatert, vielleicht liegt es auch am Rauch vom Lagerfeuer oder am späten ins Bett gehen, vielleicht auch von allem ein bisschen. Wir packen langsam unsere Sachen zusammen und dann geht’s wieder auf den Dempster Highway. Auch wenn es sehr regnerisch ist, sind die Landschaften in ihrem neuen Herbstgewand sehr beeindruckend. Das bunte Herbstlaub in Kombination mit den dunklen Felsen sieht cool aus. Und ja, hier wird es schon Herbst im August.






Leider zeigen sich auch auf dem Rückweg keine Wildtiere. Dafür sind die “Flusspferde” vom Hinweg noch da und haben sich nur einige hundert Meter weiter entlang des Flussbetts bewegt. Wir stoppen am Grizzly Lake Wanderparkplatz. Da wir uns nicht so fit fühlen, das Wetter nicht so toll ist und es auch schon recht spät ist (16 Uhr), machen wir hier nur Mittagspause. So tief wie die Wolken hängen, hätte man eh keinen Weitblick. Nach der Pause bestreiten wir die letzten 100 km des Dempster Highway, der nochmal zeigt wie schlecht Straßen in Kanada sein können, Wellblechpiste lässt grüßen. Trotzdem überleben wir auch die letzten Meter und machen noch ein obligatorisches Abschlussfoto. Es gibt hier immer wieder Merch mit “I survived the Dempster Highway”. Für uns fühlte sich das wie eine ganz normale Straße in Kanada an. Das einzig anspruchsvolle ist die Planung zwecks Vorräte und Tankstopps.

Wir biegen wieder auf den Haupthighway ab, der ist hier auch nicht geteert und in einem ähnlichen Zustand wie der Dempster. Er führt uns zu einem Platz am Stewart River neben einem Flugfeld. Flugzeuge sehen wir keine. In den entlegeneren Gegenden hier gibt es immer mal wieder Landebahnen ohne weitere Infrastruktur, auf dem Dempster war manchmal auch einfach die Straße ein Airstrip (Landebahn). Viele dienen als Notfall-Landepunkt. Nachvollziehbar bei der sonstigen Landschaft, da ist die Straße das einzige gerade, feste und baumlose im Umkreis von einigen hundert Kilometern.






Bretti kocht was aus unseren Resten und der Zucchini aus dem Greenhouse in Inuvik, ansonsten geht heute nicht mehr viel. Chris befreit noch die Fenster vom Schlamm, damit wir auf den Fluss gucken können.


Leave a Reply