Ein energieloser Morgen
Am nächsten Morgen hat die Batterie nur noch 3%. Das reicht aber noch fürs Frühstück machen. Nach einer kurzen Untersuchung der Kabel scheint der Übeltäter für die fehlende Solarenergie ein Stecker zu sein, der sich gelöst hat. Wieder zusammen gedrückt fließt die Energie wieder in die Batterie.
Auf dem Dach haben wir auch Kandidaten für die Ursache des Wassereinbruchs im Vorratsschrank gefunden. Da werden wir demnächst mal was drauf schmieren.
Während Chris in der Fahrerkabine alles für die Abfahrt bereit macht, ruft Bretti, er solle auf den Fluss schauen. Dort schwimmt ein Biber gegen die Strömung den kleineren der Flüsse hinauf. Vielleicht ist er auf der Suche nach einem eigenen Revier? Da muss sofort die Kamera her, um ein paar Fotos zu machen. Das ganze sieht ziemlich anstrengend aus für den kleinen Kollegen.


Der Biber kämpft sich weiter den Weg hinauf und wir machen uns weiter abfahrbereit. Wir fahren allerdings nicht weit, denn wir wollen den steilen Weg aus dem Flussbett zum Entlüften des Kühlsystems nutzen. Dafür muss das Auto vorne schön hoch stehen, der Kühler geöffnet werden und der Motor warm laufen. Wir hoffen, dass sich jetzt auch die letzten Luftblasen aus dem System verabschieden. Wir sehen einige aufsteigen, ob das nun alles war, wissen wir nicht. “Versuch macht klug” (O-Ton Chris).


Dann geht’s los auf den Alaska Highway. Wir fragen uns wieder, ob die vielen Tiersichtungen am Montag mit der späteren Tageszeit zusammen hingen oder ob es Zufall war und auch jetzt (mittags) die Chance besteht, Tiere zu sehen. Anhaltspunkte liefern ein Schwarzbär, ein Bisonkalb und zwei erwachsene Bisons, die wir innerhalb der ersten Fahrstunde sehen und eigentlich auch schon der Biber, den wir am Morgen gesehen hatten. Es scheinen also auch tagsüber Tiere unterwegs zu sein, vielleicht werden es zur Dämmerung einfach noch mehr?


Wir machen einen kurzen Stopp am Whirlpool Canyon, snacken und füllen den Tank mit unseren Kanistern auf.

Dann geht’s auf Richtung Watson Lake im Yukon. Entlang des Weges sehen wir noch sieben weitere Bisons, die sich für ihre Größe überraschend gut im lichten Wald verstecken können.

Auf dem Weg wechseln wir mehrfach von BC in den Yukon und zurück. Angekommen in Watson Lake, der ersten richtigen Stadt im Yukon, tanken wir für 2,35 C$. Wer sich erinnert, wir fanden schon 2,24 C$ teuer. Naja, hilft ja nichts. Wir füllen unsere Vorräte auf und schauen uns dann den Sign Post Forest an. Hier im Yukon werden die Tankstellen sicher nicht häufiger.

Auch wenn wir kein Kennzeichen aus Plön gefunden haben, gibt es hier Würzburg, Schleswig, Rendsburg, Neumünster, sehr viele Ratzeburger und Hansestadt Lübeck. Ganz schön umtriebig die Schleswig-Holsteiner. Generell sehen wir viele deutsche KFZ-Kennzeichen und Ortsschilder. Der Sign Post Forest ist ganz cool, auch wenn manche Schilder etwas cringe (Definition laut Duden: “auf peinliche Weise erschreckend oder unangenehm”). Wir selbst bringen kein Schild an.



Wir fahren zu einem Stellplatz kurz hinterm Ort am Fluss und flüchten direkt vor den Mücken ins Auto. Wegen der vielen Mücken führen wir eine Skala ein, von 1 bis 10, wobei wir eine 9 für Ontario vergeben, die 10 bleibt unangefochten (bisher) bei den Reisfeldern in Spanien auf unserer ersten Reise 2019. Der vorherige Stellplatz war eine 5-6, es gab einige Mücken, aber das erwartet man hier auch. Dieser Stellplatz ist eine 8, fast so wie in Ontario.

Das Mückenlevel hält sich am nächsten Morgen bei der 8, auch wenn sie erst angetäuscht haben und wir kurz Hoffnung hatten. Wir frühstücken also drinnen und fahren dann weiter den Alaska Highway entlang, mit netter Aussicht, aber diesmal leider ohne Tiersichtungen. Erster Stopp des Tages sind die Rancheria Falls. Leider sind hier alle Wege mit “Danger, do not enter” Fladderband abgesperrt. Wir fragen uns zwar, warum man nicht hin darf, vielleicht ist der Holzbohlenweg kaputt, schade, aber dann halt nicht. Eine Familie Texas hingegen denkt sich, sie steigen da einfach mit ihren kleinen Kindern einfach drüber. Top Erziehungsmaßnahme. Tatsächlich kommen sie auch nach kurzer Zeit schon wieder.

Wir fahren erstmal weiter und wechseln mal wieder zurück nach BC. Dort halten wir später nochmal neben dem Highway an einem Pullout für eine Snackpause. Dort überlegen wir, wie weit wir heute fahren und entscheiden uns spontan für eine Recreation Site in BC kurz vor der Grenze zum Yukon.

Die Recreation Site ist ein schöner Platz direkt am See. Am anderen Ende der Site stehen noch drei weitere Fahrzeuge, sonst ist nichts los. Wir beschließen, hier morgen Boot zu fahren, wahrscheinlich inklusive einer weiteren Übernachtung und beenden den Abend mit Blog schreiben und Audioaufnahmen bearbeiten.




Der Samstag startet sportlich, denn Bretti holt zum ersten Mal auf dieser Reise die Isomatte für ihr Sportprogramm raus. Danach wird im See gebadet. Der ebenfalls frisch gebadete Chris bereitet währenddessen das Frühstück vor. Es soll heute trocken bleiben, deshalb werden die Stellen am Autodach abgedichtet, die wir als Ursache für das Wasser in unserem Vorratsschrank vermuten. Danach widmen wir uns zwei kleinen Steinschlägen in der Scheibe der Beifahrertür und der Frontscheibe auf der Beifahrerseite. Hier ist es zwar üblich solange mit Steinschlägen und Rissen in der Frontscheibe zu fahren, so lange man noch was sehen kann, wir möchten aber präventiv größere Risse vermeiden. Leider hält der Wetterbericht mal wieder nicht, was er verspricht und es fängt währenddessen an zu regnen. Wird schon passen.


Als es aufhört zu regnen, sehen wir unsere Chance und lassen das Boot zu Wasser. Leider fängt es auf dem Wasser direkt wieder an, ordentlich zu regnen und hört auch so schnell nicht mehr auf. Wir denken uns, nass werden wir ja eh, paddeln wir einfach weiter. Da hinten ist der Himmel schon wieder blau oder so. Irgendwann wird es zumindest weniger und auf dem Rückweg hört es sogar ganz auf.


Zurück am Auto stärken wir uns mit Suppe und Kuchen. Es fängt auch wieder an zu regnen, so viel zu “es soll trocken bleiben”. Zum Abendessen macht Bretti dann Auflauf und der Himmel klart auf. Nach einer Verdauungspause starten wir unsere zweie Paddelrunde, diesmal in die andere Richtung des Sees. Wir sehen mehrere Biber. Einer schlägt demonstrativ mit dem Schwanz aufs Wasser, wahrscheinlich um uns zu vertreiben. Wir finden das zwar eher niedlich, nehmen die Botschaft aber an und paddeln weiter. Auf dieser Ecke des Sees gibt es viel flaches Wasser mit Wasserpflanzen, weshalb wir hoffen, einen Elch zu sehen, der hier grast. Auf dem Rückweg sehen wir tatsächlich ganz kurz einen Elch, der verschwindet aber leider schnell wieder in den Wald. Gegen 22 Uhr kommen wir wieder am Auto an. Es ist immer noch relativ hell. Trotzdem gibt’s noch unsere Abendroutine und dann geht’s ab ins Bett.


Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück wieder auf den Highway. Probeweise stecken wir einen improvisierten Stöpsel in das Loch für den Ölmessstab, um zu testen, ob der die Ursache für unser Ölleck ist. Nach den ersten Kilometern scheint auch ein Erfolg sichtbar zu sein, kein Öl auf dem Ventildeckel. Beim nächsten Stopp ist allerdings wieder alles voller Öl. Der Stöpsel ist rausgefallen. Der Motorraum ist sehr ölig, der Verdacht erhärtet sich, dass es mit dem Loch für den Ölmessstab zusammenhängt. Wir werden also mal schauen müssen, wie wir das besser dicht bekommen. Wir stoppen einige Zeit später am Südende der Canol Road. Hier gibt es interessante Infotafeln zum Bau der Straße und einige Autowracks. Die Straße wurde gebaut, um eine Öl-Pipeline aus den Northwest-Territories in den Yukon zu leiten. Schon ein Jahr nach Fertigstellung wurde die Pipeline aus Kostengründen außer Betrieb genommen. Die Straße ist in entsprechendem Zustand, insbesondere der nördlichere Teil. Heute ist sie vor allem bei Reisenden, die das Abenteuer im eh schon menschenleeren Yukon suchen. Vielleicht fahren wir die Straße im Laufe des Monats nochmal lang.



Die Fahrzeuge stehen hier seit über 70 Jahren im Regen und haben teilweise trotzdem weniger Rost als vieles was hier rumfährt.
Heute führt unser Weg nach Carcross. Auf dem Parkplatz vor dem Visitor Center suchen wir uns einen Schattenplatz auf einer Bank für eine Snackpause. Dabei beobachten wir wie die Menschen um unser Auto herumlaufen und Fotos machen. Wie viel Fotomaterial gibt es wohl schon von unserem Auto? Carcross ist touristisch geprägt. Es gibt kleine Verkaufshäuser, z.B. mit Eis, Honig, Seife, Kunst usw. Im Visitor Center gibt es vor allem Flyer lokaler Dienstleister oder Hotels. Wir bekommen einen Tipp für eine beliebte Wanderung inklusive Karte.




Während wir vor dem Visitor Center sitzend noch das freie WLAN nutzen, hören wir ein Brummen gefolgt von einem lauten Geräusch oder Knall. Wir denken uns erstmal nichts dabei, als wir losgehen sehen wir einen implodierten Tankwagen, der vom Ort des Geschehens verschwindet. Da hat heute jemand sicher (k)einen richtig guten Tag. Wir fahren zum Trailhead der morgigen Wanderung, einem überraschend ruhigen Platz am Fluss neben dem Highway mit schicker Aussicht auf die Berge und 0 Mücken.


Morgen geht es dann zu Fuß auf in die Berge. Mal sehen wie unsere sportlichen Körper das mitmachen. Falls wir das überstanden haben, lest ihr das nächste Woche.


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