Category: British Columbia

  • Woche 25 | Teil 1: Ich wünscht ich wär ein Ptarmigan | 21.161 km

    Woche 25 | Teil 1: Ich wünscht ich wär ein Ptarmigan | 21.161 km

    Richtung Alaska mit Aussicht auf Wolken

    Wir starten den Tag mit Nebel verhangenen Bergen und einem Bad im eiskalten Fluss/See. Gut, dass wir hier gestern die Aussicht noch genießen konnten, denn heute sieht man nicht mal mehr den Fuß der umliegenden Berge.

    Wir fahren den Weg zurück zur Straße und schrecken eine Gruppe Ptarmigans auf. Zwei der Gruppe entscheiden sich aufgeschreckt, vor uns die Straße lang zu laufen, anstatt in das seitliche Gebüsch zu verschwinden. Wir halten irgendwann einfach an und warten etwas. Bei unserer Weiterfahrt sind sie immerhin verschwunden.

    Es folgt noch die spektakuläre Flussdurchfahrt mit dem folgenden Anstieg, der uns diesmal gar nicht so schräg vorkommt wie noch auf dem Hinweg. Beim Hinweg steckte uns wohl die letzte Tour noch zu sehr in den Knochen.

    Es geht weiter Richtung Süden, also Richtung Haines in Alaska. Es ist schon irgendwie sonderbar, wieso Alaska hier an der Küste entlang geht und Kanada vom Meer abschneidet. Die Städte dürften als Versorgungspunkt für Seereisen nach Alaska früher sicher sinnvoll gewesen sein. Dass ihr einziger Landzugang nur durch Kanada führt, ist schon etwas schräg, gerade wenn man an den aktuellen Handelsstreit der beiden Länder denkt. Wäre sicher interessant, wie die Bewohner von Haines, Skagway und der ganzen anderen Städte ohne Landverbindung in die USA das ganze sehen.

    Für uns bedeutet das heute aber nur, dass wir noch nicht bis an den Pazifik fahren können. Wir stoppen auf dem Weg bis an die Grenze immer wieder und bestaunen die alpine Landschaft mit ihren wolkenverhangenen Bergen. Je näher wir der Grenze kommen desto mehr senkt sich das Gelände ab und wir stecken bald mitten in der Wolkendecke mit Sichtweiten unter 50 m. Das hält die meisten anderen Autofahreries nicht vom Rasen ab. Wir sind etwas unschlüssig, ob langsam fahren so eine gute Idee ist, wenn uns die Leute mit Vollgas einholen. Wir entscheiden uns für eine mittlere Geschwindigkeit und Warnblinklicht, eine Nebelschlussleuchte besitzen wir leider nicht.

    Durch die wenige Sichtweite, sehen wir auch keine Wildtiere. Wir versuchen, noch etwas dichter an den Fluss in der Talmitte zu kommen, aber der einzige Zufahrtsweg endet 20 m über dem Fluss in den Bäumen. Wir hatten gehofft, hier vielleicht Lachse zu sehen, denn dieser Fluss fließt direkt in den Pazifik bei Haines. Das Gebiet ist bekannt für seine Lachswanderung und die fischenden Grizzlies. Aus der Distanz und im Nebel sehen wir so leider nichts von beidem. Dafür war der Weg sogar für unsere Verhältnisse recht zugewachsen. Die Äste waren sehr dünn und mit den ganzen nassen Blättern ist der Volvo vorne und an den Seiten jetzt richtig sauber. Natur Waschanlage quasi.

    Wenn man genau hinguckt, sieht man unten den Fluss
    Naturwaschanlage, keine Garantie auf Kratzfreiheit

    Wir drehen an der letzten Wendemöglichkeit vor der Grenze um und fahren den ganzen Weg wieder hoch. Die Wolken reißen sogar etwas früher wieder auf und wir haben wieder einen schönen Blick auf die Berge. Unser Weg führt uns heute auf den Wanderparkplatz des Chuck Creek Trails. Eine größtenteils flache dafür mit 22 km recht lange Wanderung. Dafür lockt am Ende die Aussicht auf den Samuel Gletscher. 22 km sind für uns definitiv zu viel, aber wir hoffen, morgen immerhin einen Blick auf den Gletscher zu erspähen. Morgen soll das Wetter auch wieder besser werden, heute bleibt es bewölkt und regnerisch, deswegen bleiben wir im Volvo. Bretti macht noch einen Apfelkuchen bzw. eine schwedische Apfeltorte ohne Sahnetopping. Wir kochen auch noch und nutzen einen neuen Sahneersatz, dieser taugt leider nicht in herzhaften Speisen. Auch ungesüßt bringt es zu viel Süße selber mit, im Kuchen macht er sich dafür ganz gut. So hat die Soße einen besonderen Touch, kann man aber trotzdem gut essen. Wir lassen den Abend dann noch gemütlich im Volvo ausklingen.

    Zwischen den Bergen erstreckt sich das Tal in gefühlt endlose Weiten

    Dienstag ist Wandertag

    Der Titel ist heute Programm, aber bevor es los geht wird natürlich gut gefrühstückt und ein paar Brote geschmiert. Während des Frühstücks sieht Chris einen SUV auf der Straße vorbei fahren. Er meint daraufhin, dass seine Wahrnehmung von Autos völlig verzerrt ist, da sein erster Gedanke war: “Oh ein kleines Auto”. Es wird sicher wieder spannend, in Europa auf normale Autogrößen zu stoßen, auch wenn sie dort ebenfalls immer größer werden.

    Nun brechen wir zur Wanderung auf. Sie führt durch sehr schön blühende Berglandschaften. Wir sehen viele Bärenhinterlassenschaften, aber keine größeren Wildtiere. Dafür unzählige Erdhörnchen, was Chris beim Fotografieren regelmäßig entzückte Ausrufe ausstoßen lässt.

    Wetteraussichten sind wechselhaft
    Oh ein Snack
    Nomnomnom
    Lecker
    Wir werden beobachtet
    Das kleine ist sehr nah ran gekommen
    Chris fotografiert Tiere und Bretti fotografiert Chris

    Wir sehen noch zwei Northern Harrier (Hudsonweihe), wieder Ptarmigans (Schneehühner) und einige kleinere Vögel. Nach 7 km kommt auch der Gletscher langsam in Sicht. Wir sind motiviert und der Aussichtspunkt ist nur noch 4 km entfernt. Da wir den ganzen Weg natürlich auch noch zurück gehen müssen, entscheiden wir uns aber, vor der zweiten Flussquerung eine Pause zu machen und dann umzudrehen, den Gletscher sehen wir auch von hier schon. Das ist auch definitiv die bessere Entscheidung, denn am Ende werden wir nach 15,5 km ganz schön platt sein.

    Die richtig hohen Berge kommen in Sicht
    Durch das Teleobjektiv sehen die Berge schon ganz nah aus
    Northern Harrier (Hudsonweihe)
    Northern Harrier (Hudsonweihe)
    Ptarmigan stolziert wie ein König
    Der Lidstrich sitzt auch
    Golden-crowned Sparrow
    Herbstfarben knallen richtig
    Photograph Chris
    Adventure Chris
    Explorer Bretti
    Pausen Bretti mit Aussicht
    Der Gletscher ist in Sicht
    Die kargere Landschaft verwandelt sich in eine Blumenwiese
    Schnellste Kacki der Welt 😀
    Oben links: Arktisches Wollgras, Oben rechts: Arktisches Weidenröschen, Mitte rechts: Arktische Weide, Unten: (links) Schwarze Krähenbeere, (rechts) Alpen-Beerentraube
    Oben links: grüner Germer, Oben rechts: Schwarzes Engelwurz, Mitte rechts: Alaska Lupine, Unten links: Engelwurz, Unten rechts: Kanadische Büffelbeere
    Oben links: Orangeroter Heftelnabeling(Vielleicht), Oben rechts: Alpenscharte, Mitte links: Ledublättrige Leptarrhena, Mitte rechts: Hoher Rittersporn, Unten links: Sumpf-Grasnelke, Unten rechts: Yukon-Scharte

    Der Rückweg ist genau so schön wie der Hinweg und so haben wir auch ohne den Aussichtspunkt eine super Zeit. Es sind noch richtig viele Hummeln unterwegs, damit hätten wir schon gar nicht mehr gerechnet, nachts fallen die Temperaturen hier schon unter 0°C. Zurück am Auto gibt es Kaffee und Kuchen. Schön, die geschafften Beine hochlegen zu können, die letzten 4 km haben sich noch ganz schön gezogen.

    Da wir in einer Woche Besuch bekommen, bricht nun schon das Ende unserer Zeit in der Gegend hier an. Wir können uns an der Landschaft ehrlich gesagt gar nicht satt sehen. Die nächsten Tage stehen aber über 1000 km Strecke an, also fahren wir heute noch 120 km den Weg zurück bis kurz vor Haines Junction. Um uns den Abschied noch schwerer zu machen, sehen wir auch noch einen Schwarzbären am Straßenrand. Dieser ist aber sichtlich durch unsere Anwesenheit irritiert, also fahren wir nur an ihm vorbei. Wir stehen heute an einem kleinen Fluss, wo wir seit langem mal wieder mehrere andere Reisende sehen. Viele Plätze sind dank der späten Ankunftszeit schon belegt, aber hier gibt es zum Glück endlos viele weitere und so finden wir auch noch einen Platz direkt am Fluss mit einem tollen Blick auf die Berge. Geschafft lassen wir den Tag hier ausklingen.

    Erstmal wieder gen Norden
    Und schwups von BC wieder in den Yukon
    Stellplatz für die Nacht. Ganz schön kalt, für die Nacht sind Minusgrade angesagt, aber mega Aussicht

    Erster Fahrtag Richtung Terrace

    Wir werden unseren Besuch in Terrace einsammeln, dafür geht es die nächsten Tage den Alaska Highway zurück nach British Columbia. Durch die Tage hier in den Bergen sind unsere Vorräte ziemlich aufgebraucht und so starten wir heute ohne Frühstück. Zum Glück ist die Village Bakery in Haines Junction nicht weit. Wir essen was zum Frühstück vor Ort und packen noch 4 Stück Brownie ein. Man kann schließlich nie genug Kuchen haben und es steht ein Geburtstag ins Haus. Leider enttäuscht der Kaffee diesmal etwas. Chris hat diesmal einen großen Americano bestellt und Bretti meint, der wurde am Ende noch mit heißem Wasser aufgefüllt. So hat er leider auch geschmeckt.

    Bretti wartet noch auf die Getränke
    Chris wartet mit dem restlichen Frühstück. Alles wieder sehr gesund

    Außer dem Kaffee ist hier alles wieder sehr lecker und so kann es frisch gestärkt weiter gehen. Wir stoppen wieder beim Visitor Center des Kluane Nationalparks, denn letztes Mal hatten wir das inkludierte Cultural Center der lokalen Natives nicht mehr geschafft. Auch dieses ist ganz ansprechend gestaltet und wir lernen viel über die Geschichte und die Traditionen. Lohnt sich auf jeden Fall auch, man muss nur ordentlich geistige Kapazität zum Lesen der ganzen Texte mitbringen. Wir fragen uns, wie lange es wohl gedauert hat, den Text über die Vertreibung und Wiederansiedlung der Natives, so zu schreiben, dass beide Seiten zufrieden waren. Hier unter einem Dach ist man sicher bemüht, das ganze neutraler dazustellen. Die Realität war sicher grauenhaft. Immerhin wird das ganze hier nicht verschwiegen und aus Geschichtsbüchern gelöscht wie in anderen Teilen Nordamerikas.

    Gemälde von einer lokalen Künstlerin der Kluane Park
    Andere deutsche Touries schauen sich unser Auto an
    Viel Geschichte auf engen Raum
    Riesen Karte mit historischen und aktuellen Orten der natives

    Nach diesem Stopp geht es 120 km zurück nach Whitehorse. Hier kaufen wir wieder neue Vorräte. Gut ausgestattete Supermärkte gibt es im Yukon nur hier. Ein Stopp bei Chris Lieblingsbrauerei in Kanada, Yukon Brewing, darf natürlich auch nicht fehlen. Wir nutzen noch die günstige Tankmöglichkeit und fahren weitere 200 km bis über die Grenze nach British Columbia. Kurz vor unserem Ziel futtert sich ein sehr großes Stachelschwein durch die Begrünung an der Straße. Chris verdrängt irgendwie, dass er auch Aussteigen könnte zum Fotos machen, durch die dreckige Scheibe sind die Bilder so lalala.

    Eine beliebige Fahraufnahme
    Porcupine oder auch Baumstachler (Stachelschwein)
    Dazu eine weitere beliebige Fahraufnahme

    Bretti lässt in alter Posermanier den Motor aufheulen, sie kann einfach nicht aus ihrer Haut. Unerwarteterweise verzieht sich der Baumstachler dann ins Gebüsch und nimmt nicht ihre Aufforderung zu einem Rennen an. Bergauf wäre das vermutlich ein Kopf an Kopf Rennen geworden.

    So kommen wir ohne Rennen am heutigen Ziel an, die Recreation Site Morley Lake. Hier haben wir auf dem Hinweg schon ein paar Tage verbracht und so werden wir es auch diesmal machen. Im Gegensatz zum letzten Mal ist es recht voll, aber wir finden noch ein Plätzchen mit netter Sicht auf den See. Da Morgen Brettis Geburtstag ist, werden wir eine Pause von unserem rasanten Reisetempo einlegen und hier bleiben. Sektfrühstück, Kuchen essen und Boot fahren steht auf dem Programm.

    Sonnenuntergangs Stimmung über den See

    Wie es Bretti in ihrem neuen Lebensjahr geht lest ihr dann im nächsten Teil.

  • Woche 24 | Teil 2: Hallelujah, ist das schräg | 20.545 km

    Woche 24 | Teil 2: Hallelujah, ist das schräg | 20.545 km

    Lagerfeuer und Fische

    Wir starten mit einer netten Aussicht in den Tag, leider zeigen sich weiter keine Grizzlies oder andere Tiere. Bretti fährt den Rest des Offroadtracks zurück und alles läuft entspannt. Vom Ende des Trails fahren wir zum Campingplatz am Kathleen Lake. Die Übernachtung kostet 30 C$ und Feuerholz ist inklusive. Das wollen wir heute aber gar nicht nutzen, denn Parks Canada macht heute hier einen Lagerfeuertalk. Der startet erst um 19:00 Uhr und vorher machen wir uns einen entspannten Tag. Wir backen Kaffeecookies und tauschen den Benzinfilter. Mit dem ganzen Schlamm der letzten Tage hatte der auch ordentlich was zu tun.

    Der Dreck im Filter spricht Bände
    Vom Platz haben wir keine Fotos gemacht, aber immerhin von den Toiletten.

    Wir füllen noch Kühlerfrostschutz auf, nachts sollen es -6°C werden. Dann machen wir einen Spaziergang zum See und schreiben Blog, bis es schließlich zum Talk geht. Am zentralen Lagerfeuerplatz gibt es heißen Tee und Kakao und wir sitzen in einer größeren Runde um ein Feuer. Die Parkmitarbeiterin erklärt uns viel über die Fische des Parks. Sehr interessant und gut gemacht. Fische sind jetzt nicht unser Lieblingsthema, aber anhören kann man sich das ja mal.

    Seit heute schmeckt unser Trinkwasser komisch / “chemisch”. Wir hatten in Haines Junction ganz wenig Wasser nachgefüllt. Der Wasserhahn hatte sehr wenig Wasser geliefert, entsprechend hatten wir maximal einen Liter mitgenommen. Da wir uns nicht so sicher sind, ob wir das trinken sollten, lassen wir es hier ab, spühlen das ganze System und dann schmeckt das neue Wasser auch wieder neutral. In 50 m Entfernung können wir mit unserem Kanister neues Wasser holen. Da auch dieser Wasserhahn nicht so schnell Wasser liefert, füllen wir den restlichen Tank morgen auf. Während wir das Wassersystem reinigen, kommt ein älterer Herr aus der Schweiz vorbei. Er ist in einem kleinen Dorf mitten in den Bergen aufgewachsen und der Bäcker / Gemischtwarenhändler ist immer mit einem Volvo C303 vorbei gekommen. Das ist das Zweiachsermodel unseres Volvos. Unseren Volvo zu sehen, hat ihn ganz nostalgisch werden lassen, meint er. Er macht ein Foto und meint, er schickt das an seine Familie mit dem Titel: “Guckt mal, der Bäcker ist in Kanada”.

    Eine schräge Angelegenheit auf dem Weg zum Mush Lake

    Nach einem entspannten Frühstück füllen wir noch den Rest des Wassertanks auf. Der Geschmack ist weiterhin neutral, hoffentlich bleibt das so. Wir fahren nochmal an den See und machen einen überraschend kurzen Spaziergang. Zurück am Fahrzeug werden wir kurz hintereinander von drei Gruppen Menschen angesprochen. Deutsche, Puerto-Ricaner und zwei Menschen aus Alaska. Das ganze zieht sich etwas, ist aber wie immer ganz nett.

    Kathleen Lake im Hintergrund der Kings Throne Peak
    Das Wasser ist so klar, man sieht sogar die Stegverankerung
    Und blau ist es
    Am Wegesrand sieht man Pilze, Beeren (Kanadischer Hartriegel) und lustiggeformte Birken.

    Wir fahren los zum Anfang der Mush Lake Road der heutigen Offroad Passage. Dieser Trail soll anspruchsvoller sein als der letzte, wir sind mal gespannt. Der ganze Weg zum See ist 22,6 km lang. Die ersten 7 km sind recht entspannt, eher ein normaler Waldweg. Ab Kilometer 8 gibt es eine Flussdurchfahrt und das Gelände wird bergiger. Hier ist alles gut machbar, nur die Lage am Hang gibt einem ein etwas mulmiges Gefühl. Die Straße wird schlechter, aber wir haben auch ziemlich viel Spaß. 5 km vor dem Ziel, führt die Straße am Zufluss des Sees entlang und die Straße wird teilweise sehr schräg. 21° zeigt unsere Schräglagen-App an. Das ist ein ganz schöner Schritt über unsere Komfortzone hinaus. Der Adrenalinpegel ist sehr hoch. Dass der Wagen umkippt, wäre absolute Katastrophe, hier bekommt man den Volvo auch nicht geborgen. Wir überlegen kurz, zurück zu fahren, aber dafür müssten wir mehrere Kilometer rückwärts die Straße zurück fahren. Das ist jetzt auch nicht wirklich besser, also geht es weiter und alles geht gut. Die Straße wird zum Glück auch wieder besser und so kommen wir gut am See an. Der ganze Weg hat 3,5 h gedauert und wir sind ganz schön geschafft nach den letzten Kilometern.

    Ab durchs Wasser
    Bisschen schräg, schräger als es auf dem Foto aussieht

    Es ist hier leider sehr windig, entsprechend fahren wir heute nicht mehr Boot, die Wellen sind ziemlich hoch. Dafür haben wir einen schönen Blick über den See auf die Berge und entspannen erstmal. Wir machen ein Lagerfeuer, grillen und haben einen entspannten Abend nach der stressigen Anfahrt. Der Wetterbericht sagt mitlerweile für Morgen auch Regen voraus, mal sehen ob wir nicht doch schon Morgen zurück fahren, bevor der Rückweg noch schlechter wird.

    Das Holz hat netterweise ein Biber für uns gefällt, siehe Bissspuren.
    Söders feuchter Traum bis auf die Paprika

    Ein Tag am Mush Lake

    Wie der Titel schon verrät bleiben wir heute doch noch hier. Der Wetterbericht zeigt nicht wirklich was hilfreiches an, aber die Stimmung ist heute besser. Auch wenn Chris nicht wirklich gut geschlafen hat, ist die Stimmung morgens ziemlich gut. Wir gehen erstmal baden, muckelige 9°C haben Wasser und Luft.

    Während wir Frühstück machen, kommt ein Pickup vorbei. Die Insassen nutzen eines der vorhandenen Boote und fahren auf dem See rum. Hier liegen mehrere Boote, welche mit normalen Bootsanhängern hergebracht worden sind. Respekt.

    Das Ankommen des Pickups bestärkt uns, hier zu bleiben. So schlimm kann der Weg dann ja nicht sein. Die nächsten zwei Stunden soll es trocken bleiben, also machen wir einen Spaziergang am See entlang. Es zeigen sich leider keine Grizzlies, dafür zwei Schwäne.

    Chris der Tierfotograf
    Tundra- oder Trompeterschwäne?
    Auch ein Horned Grebe oder deutsch Ohrentaucher schwimmt vorbei
    Und ein Ground Squirrel mit Pflanzen im Fell inspiziert unser Auto

    Zurück am Auto entscheiden wir uns, auch heute kein Boot zu fahren. Falls der Wetterbericht recht hat, wird es viel regnen. Dafür arbeiten wir am Blog und am Auto. Es stellt sich dann doch kein Regen ein und auch der Wetterbericht zeigt keinen Regen mehr an. Wir ärgern uns etwas, dass wir das Boot nicht genutzt haben, aber so ist das dann eben. Dafür machen wir wieder Lagerfeuer. Als das Feuer brennt, fängt es dann doch an zu regnen. (Der Wetterbericht zeigt immer noch “kein Regen”.) Naja, dafür haben wir ja unser Tarp und entsprechend sitzen wir im Trockenen.

    “Die Frau und der See” und kalte Füße

    Da es immer wieder stark regnet, sind wir mitlerweile ganz froh, nicht im Boot zu sitzen. Wir kochen noch auf dem Feuer, trinken ein Bierchen und schauen aufs Wasser. Es ist relativ kalt und regnet, deswegen kochen wir noch Tee. Es hat ein schönes Herbstfeeling hier und so lassen wir den Tag ausklingen.

    Rückweg zum Highway

    Am Ende des Frühstücks reißt Bretti unseren Tisch im Volvo ab, sodass alles auf den Boden fällt. Uns war klar, dass unsere Konstruktion dafür anfällig ist, wir sind entsprechend eher beeindruckt, dass es solange ohne Abriss geklappt hat.

    Zu sehen ist die Halterung, die man leicht mal aushakt, wenn man von unten gegen den Tisch kommt

    Wir hatten schon fertig gegessen entsprechend passiert nicht viel, nur die Butter landet auf dem Boden. Nach dem Aufräumen, gehen wir noch baden und dann treten wir den Rückweg an.

    Chris fährt den Anfang des Rückwegs und Bretti weist ihn ein, wo er am besten fahren soll, um die schrägsten Stellen zu entschärfen. Das klappt ziemlich gut und der Rückweg ist dadurch zwar immer noch anspruchsvoll, aber gut machbar. Bei der Hälfte wechseln wir und Bretti fährt den Rest. Wir brauchen wieder ca. 3,5 Stunden für die 22 km.

    Zusammenschnitt des Hin- und Rückweges mit etwas übertrieben dramatischer Musik 😀

    Zurück am Highway fahren wir noch einige Kilometer weiter nach Süden und einen kurzen Offroadtrack zu einem Bergsee, dem Kelsall Lake.

    Blick vom Highway
    Wunderschöne Landschaft & immer noch auf dem Highway
    Und wieder offroad

    Wir haben hier einen wunderbaren Blick auf die Berge und den See. Es liegt hier etwas Feuerholz und wir machen ein kleines Feuer. In dem entspannten Setting haben wir einen schönen Abend. Wie es in den Bergen hier weiter geht, lest ihr dann nächste Woche.

    Die Füße mussten natürlich direkt ins eiskalte Wasser
    Dem Volvo war es zu kalt, der wollte nicht ins Wasser
    Ein bisschen Sonnenuntergang
    Die Offraodtracks kennt Google Maps nicht und entsprechend fehlen sie auf der Karte

  • Woche 20 | Teil 2: Im Yukon, nicht mehr, doch, nein, oh… | 16.651 km

    Woche 20 | Teil 2: Im Yukon, nicht mehr, doch, nein, oh… | 16.651 km

    Ein energieloser Morgen

    Am nächsten Morgen hat die Batterie nur noch 3%. Das reicht aber noch fürs Frühstück machen. Nach einer kurzen Untersuchung der Kabel scheint der Übeltäter für die fehlende Solarenergie ein Stecker zu sein, der sich gelöst hat. Wieder zusammen gedrückt fließt die Energie wieder in die Batterie.

    Auf dem Dach haben wir auch Kandidaten für die Ursache des Wassereinbruchs im Vorratsschrank gefunden. Da werden wir demnächst mal was drauf schmieren.

    Während Chris in der Fahrerkabine alles für die Abfahrt bereit macht, ruft Bretti, er solle auf den Fluss schauen. Dort schwimmt ein Biber gegen die Strömung den kleineren der Flüsse hinauf. Vielleicht ist er auf der Suche nach einem eigenen Revier? Da muss sofort die Kamera her, um ein paar Fotos zu machen. Das ganze sieht ziemlich anstrengend aus für den kleinen Kollegen.

    Biber Nahaufnahme im Wasser
    Biber in ganzer Pracht
    Ist auch eine ganz schöne Fellkugel

    Der Biber kämpft sich weiter den Weg hinauf und wir machen uns weiter abfahrbereit. Wir fahren allerdings nicht weit, denn wir wollen den steilen Weg aus dem Flussbett zum Entlüften des Kühlsystems nutzen. Dafür muss das Auto vorne schön hoch stehen, der Kühler geöffnet werden und der Motor warm laufen. Wir hoffen, dass sich jetzt auch die letzten Luftblasen aus dem System verabschieden. Wir sehen einige aufsteigen, ob das nun alles war, wissen wir nicht. “Versuch macht klug” (O-Ton Chris).

    Schön schräg
    Chaos und gute Laune

    Dann geht’s los auf den Alaska Highway. Wir fragen uns wieder, ob die vielen Tiersichtungen am Montag mit der späteren Tageszeit zusammen hingen oder ob es Zufall war und auch jetzt (mittags) die Chance besteht, Tiere zu sehen. Anhaltspunkte liefern ein Schwarzbär, ein Bisonkalb und zwei erwachsene Bisons, die wir innerhalb der ersten Fahrstunde sehen und eigentlich auch schon der Biber, den wir am Morgen gesehen hatten. Es scheinen also auch tagsüber Tiere unterwegs zu sein, vielleicht werden es zur Dämmerung einfach noch mehr?

    Mini Bison im Blumenfeld am Straßenrand
    Bison auf Wiese, im Vordergrund Pflanzen

    Wir machen einen kurzen Stopp am Whirlpool Canyon, snacken und füllen den Tank mit unseren Kanistern auf.

    Wo genau der Whirlpool ist wissen wir auch nicht

    Dann geht’s auf Richtung Watson Lake im Yukon. Entlang des Weges sehen wir noch sieben weitere Bisons, die sich für ihre Größe überraschend gut im lichten Wald verstecken können.

    Man beachte die schicke Kopfdecko
    Ganz entspannt am Straßenrand grasen sie

    Auf dem Weg wechseln wir mehrfach von BC in den Yukon und zurück. Angekommen in Watson Lake, der ersten richtigen Stadt im Yukon, tanken wir für 2,35 C$. Wer sich erinnert, wir fanden schon 2,24 C$ teuer. Naja, hilft ja nichts. Wir füllen unsere Vorräte auf und schauen uns dann den Sign Post Forest an. Hier im Yukon werden die Tankstellen sicher nicht häufiger.

    Yukon provinz ankomm Schild

    Auch wenn wir kein Kennzeichen aus Plön gefunden haben, gibt es hier Würzburg, Schleswig, Rendsburg, Neumünster, sehr viele Ratzeburger und Hansestadt Lübeck. Ganz schön umtriebig die Schleswig-Holsteiner. Generell sehen wir viele deutsche KFZ-Kennzeichen und Ortsschilder. Der Sign Post Forest ist ganz cool, auch wenn manche Schilder etwas cringe (Definition laut Duden: “auf peinliche Weise erschreckend oder unangenehm”). Wir selbst bringen kein Schild an.

    Mit solchen Pfosten geht es hier noch endlos weiter

    Wir fahren zu einem Stellplatz kurz hinterm Ort am Fluss und flüchten direkt vor den Mücken ins Auto. Wegen der vielen Mücken führen wir eine Skala ein, von 1 bis 10, wobei wir eine 9 für Ontario vergeben, die 10 bleibt unangefochten (bisher) bei den Reisfeldern in Spanien auf unserer ersten Reise 2019. Der vorherige Stellplatz war eine 5-6, es gab einige Mücken, aber das erwartet man hier auch. Dieser Stellplatz ist eine 8, fast so wie in Ontario.

    Aussicht heute lieber von innen

    Das Mückenlevel hält sich am nächsten Morgen bei der 8, auch wenn sie erst angetäuscht haben und wir kurz Hoffnung hatten. Wir frühstücken also drinnen und fahren dann weiter den Alaska Highway entlang, mit netter Aussicht, aber diesmal leider ohne Tiersichtungen. Erster Stopp des Tages sind die Rancheria Falls. Leider sind hier alle Wege mit “Danger, do not enter” Fladderband abgesperrt. Wir fragen uns zwar, warum man nicht hin darf, vielleicht ist der Holzbohlenweg kaputt, schade, aber dann halt nicht. Eine Familie Texas hingegen denkt sich, sie steigen da einfach mit ihren kleinen Kindern einfach drüber. Top Erziehungsmaßnahme. Tatsächlich kommen sie auch nach kurzer Zeit schon wieder.

    Gefahr!

    Wir fahren erstmal weiter und wechseln mal wieder zurück nach BC. Dort halten wir später nochmal neben dem Highway an einem Pullout für eine Snackpause. Dort überlegen wir, wie weit wir heute fahren und entscheiden uns spontan für eine Recreation Site in BC kurz vor der Grenze zum Yukon.

    Aussicht während der Fahrt

    Die Recreation Site ist ein schöner Platz direkt am See. Am anderen Ende der Site stehen noch drei weitere Fahrzeuge, sonst ist nichts los. Wir beschließen, hier morgen Boot zu fahren, wahrscheinlich inklusive einer weiteren Übernachtung und beenden den Abend mit Blog schreiben und Audioaufnahmen bearbeiten.

    Auf zum OKG
    Abendsonne
    Morgenkaffee
    Die Common Loons waren zu weit weg dafür gab es einen Drosseluferläufer im Prachtkleid

    Der Samstag startet sportlich, denn Bretti holt zum ersten Mal auf dieser Reise die Isomatte für ihr Sportprogramm raus. Danach wird im See gebadet. Der ebenfalls frisch gebadete Chris bereitet währenddessen das Frühstück vor. Es soll heute trocken bleiben, deshalb werden die Stellen am Autodach abgedichtet, die wir als Ursache für das Wasser in unserem Vorratsschrank vermuten. Danach widmen wir uns zwei kleinen Steinschlägen in der Scheibe der Beifahrertür und der Frontscheibe auf der Beifahrerseite. Hier ist es zwar üblich solange mit Steinschlägen und Rissen in der Frontscheibe zu fahren, so lange man noch was sehen kann, wir möchten aber präventiv größere Risse vermeiden. Leider hält der Wetterbericht mal wieder nicht, was er verspricht und es fängt währenddessen an zu regnen. Wird schon passen.

    Es haben sich risse in der GFK Kantenabdichtung gebildet
    Profies bei der Arbeit

    Als es aufhört zu regnen, sehen wir unsere Chance und lassen das Boot zu Wasser. Leider fängt es auf dem Wasser direkt wieder an, ordentlich zu regnen und hört auch so schnell nicht mehr auf. Wir denken uns, nass werden wir ja eh, paddeln wir einfach weiter. Da hinten ist der Himmel schon wieder blau oder so. Irgendwann wird es zumindest weniger und auf dem Rückweg hört es sogar ganz auf.

    Paddelspaß im Regen
    Paddelspaß in der Sonne

    Zurück am Auto stärken wir uns mit Suppe und Kuchen. Es fängt auch wieder an zu regnen, so viel zu “es soll trocken bleiben”. Zum Abendessen macht Bretti dann Auflauf und der Himmel klart auf. Nach einer Verdauungspause starten wir unsere zweie Paddelrunde, diesmal in die andere Richtung des Sees. Wir sehen mehrere Biber. Einer schlägt demonstrativ mit dem Schwanz aufs Wasser, wahrscheinlich um uns zu vertreiben. Wir finden das zwar eher niedlich, nehmen die Botschaft aber an und paddeln weiter. Auf dieser Ecke des Sees gibt es viel flaches Wasser mit Wasserpflanzen, weshalb wir hoffen, einen Elch zu sehen, der hier grast. Auf dem Rückweg sehen wir tatsächlich ganz kurz einen Elch, der verschwindet aber leider schnell wieder in den Wald. Gegen 22 Uhr kommen wir wieder am Auto an. Es ist immer noch relativ hell. Trotzdem gibt’s noch unsere Abendroutine und dann geht’s ab ins Bett.

    Entschwindender Elch

    Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück wieder auf den Highway. Probeweise stecken wir einen improvisierten Stöpsel in das Loch für den Ölmessstab, um zu testen, ob der die Ursache für unser Ölleck ist. Nach den ersten Kilometern scheint auch ein Erfolg sichtbar zu sein, kein Öl auf dem Ventildeckel. Beim nächsten Stopp ist allerdings wieder alles voller Öl. Der Stöpsel ist rausgefallen. Der Motorraum ist sehr ölig, der Verdacht erhärtet sich, dass es mit dem Loch für den Ölmessstab zusammenhängt. Wir werden also mal schauen müssen, wie wir das besser dicht bekommen. Wir stoppen einige Zeit später am Südende der Canol Road. Hier gibt es interessante Infotafeln zum Bau der Straße und einige Autowracks. Die Straße wurde gebaut, um eine Öl-Pipeline aus den Northwest-Territories in den Yukon zu leiten. Schon ein Jahr nach Fertigstellung wurde die Pipeline aus Kostengründen außer Betrieb genommen. Die Straße ist in entsprechendem Zustand, insbesondere der nördlichere Teil. Heute ist sie vor allem bei Reisenden, die das Abenteuer im eh schon menschenleeren Yukon suchen. Vielleicht fahren wir die Straße im Laufe des Monats nochmal lang.

    Neues Ausbau Projekt? Chris sieht eine Chance mit “viel Potenzial”
    Bretti sitzt schon mal Probe
    Auswahl gibt es hier genug

    Die Fahrzeuge stehen hier seit über 70 Jahren im Regen und haben teilweise trotzdem weniger Rost als vieles was hier rumfährt.

    Heute führt unser Weg nach Carcross. Auf dem Parkplatz vor dem Visitor Center suchen wir uns einen Schattenplatz auf einer Bank für eine Snackpause. Dabei beobachten wir wie die Menschen um unser Auto herumlaufen und Fotos machen. Wie viel Fotomaterial gibt es wohl schon von unserem Auto? Carcross ist touristisch geprägt. Es gibt kleine Verkaufshäuser, z.B. mit Eis, Honig, Seife, Kunst usw. Im Visitor Center gibt es vor allem Flyer lokaler Dienstleister oder Hotels. Wir bekommen einen Tipp für eine beliebte Wanderung inklusive Karte.

    Wem gehört wohl welcher Bagel?
    Hier endet die White Pass and Yukon heritage Route. Die geht leider bis nach Alaska. Hoffentlich schaffen wir die wenn wir auch nach Alaska einreisen
    Kleinere und größere Verkaufshäuschen
    Spannende Deko gibt es hier

    Während wir vor dem Visitor Center sitzend noch das freie WLAN nutzen, hören wir ein Brummen gefolgt von einem lauten Geräusch oder Knall. Wir denken uns erstmal nichts dabei, als wir losgehen sehen wir einen implodierten Tankwagen, der vom Ort des Geschehens verschwindet. Da hat heute jemand sicher (k)einen richtig guten Tag. Wir fahren zum Trailhead der morgigen Wanderung, einem überraschend ruhigen Platz am Fluss neben dem Highway mit schicker Aussicht auf die Berge und 0 Mücken.

    So “dunkel” ist es hier gegen 23:00 Uhr

    Morgen geht es dann zu Fuß auf in die Berge. Mal sehen wie unsere sportlichen Körper das mitmachen. Falls wir das überstanden haben, lest ihr das nächste Woche.

  • Woche 20 | Teil 1: Entspannte Tiere, entspannte Reisende | 16.014 km

    Woche 20 | Teil 1: Entspannte Tiere, entspannte Reisende | 16.014 km

    Ein Besuch in Fort Nelson

    Wir fahren nach dem Frühstück erstmal zum Visitor Center in Fort Nelson. Das hat zwar keine Ausstellung, dafür gibt es aber alles mögliche an Infomaterial, zum Beispiel das Zeug, was uns der ältere Herr gegeben hat und vieles mehr. Zusätzlich gibt es offenes WLAN und Kaffee gratis. Wir kaufen noch ein paar Postkarten, in der Hoffnung, dass wir die auf dieser Reise vielleicht abschicken, bevor wir wieder Zuhause sind. Direkt gegenüber ist das Fort Nelson Heritage Museum, dort schauen wir auch noch vorbei. 10C$ kostet der Eintritt, ob sich das so gelohnt hat, wir sind uns nicht so sicher. Es ist eine wilde Mischung aus Schrottplatz, Tieraustellung und Trödelladen. Alles ganz nett, aber es gibt jetzt keine Beschreibung zu den Ausstellungsstücken oder ein System. So steht ein ausgestopfter Schwarzbär, neben alten Außenbordmotoren. Über den Motoren hängt ein nach alter Tradition gebautes Kanu. Daneben wiederum steht eine Sammlung von alten Gewehren. Hier ist ein Schrank voller alter Flaschen, dort stehen 10 Faxgeräte. Es gibt auch mehrere Gebäude und außen herum steht ein wilder Fuhrpark an Zeug. “Hauptsache alt” ist hier das Motto. Sogar eine ganze Kirche wurde vom Museum abgeholt und wird hier ausgestellt.

    Fort nelson haritage Museum von außen
    Das Museum von außen
    Ausgestopfte Tiere im Museum. Unteranderem ein albino Elch
    Der Gang mit ausgestopften Tieren
    Alte Dinge im Museum, alles ganz schön chaotisch
    Ehm Gerümpel?
    Alte Autos in der Museums Garage
    Hier stehen richtige Schätze, sogar überdacht
    Blumenbett in Baggerschaufel. Schild mit Museums Motto: Preserving the Past for the future
    Schicke Blümchen gab es auch
    Das Kirchengebäude wurde in einem Stück hierher transportiert
    Schild an der Hundetränke: Wasser für die Hunde oder kleine Leute mit niedrigen Standards. Wir verurteilen nicht.

    Nach dem Museum geht es weiter entlang des Alaska Highways Richtung Northern Rocky Mountains. Es wird wieder richtig bergig und gibt einige sehr schöne Aussichten auf die Berge. Zu den schönen Aussichten läuft uns einiges an Wildlife über den Weg. Erst ein paar Caribous, dann folgt ein Stachelschwein bzw. ein Urson oder auch Nordamerikanischer Baumstachler. Die laufende Stachelkugel sehen wir leider nur im Vorbeifahren, aber später läuft uns noch einer in bester Foto-Entfernung über den Weg.

    Caribou Teenager am Straßenrand
    Junges Caribou im Fellwechsel
    Caribou am Straßenrand
    Caribou Mutti ist auch dabei
    Straße schlängelt sich durch waldige Berge
    Endlose Straßen durch den Norden BCs
    Am Straßenrand warnt ein Schild vor Bisons
    Ein Schild warnt vor Bison uns gibt das eher Hoffnung/Vorfreude
    Kurzer Stopp an einer der vielen schönen Bergseen

    Es hört heute gar nicht mehr auf mit den Tieren. Am Straßenrand steht einfach ein Bison und futtert sich durch den Grünstreifen. Es handelt sich hier um ein Wood Bison. Die Bisons im Grasslands National Park wollten sich ja nicht zeigen, aber der Kollege lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Wir halten trotzdem einen großen Sicherheitsabstand zu diesem respekteinflößenden Tier und bleiben im Auto.

    Bison steht am Straßenrand und schaut in die Kamera
    Bison unscharf, aber mit Gesicht
    Bison grast am Straßenrand
    Bison futtern den Grünstreifen ab

    Bretti meint: “Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Bär”. Kanada will heute angeben, deswegen ist direkt nach dem Bison ein Schwarzbär am Straßenrand unterwegs. Es folgen noch zwei weitere bis wir am Stellplatz ankommen. Seid dem Baumstachler sind wir nur 16 km gefahren. Ganz schön was los hier, liegt das daran, dass wir etwas später unterwegs sind? Mittlerweile ist es 18:35 Uhr. Dämmerung ist hier aber noch lange nicht. Naja, wir freuen uns sehr.

    Schwarzbär in der Blumenwiese
    Schwarzbär Nr. 2 am Straßenrand
    Schwarzbär näher dran in Blumenwiese
    Schwarzbär Nr. 3

    Unser Stellplatz ist heute am Liard River. Vorher geht es noch einen kleinen matschigen Weg durch den Wald und dann noch eine ordentlich steile Stelle runter ins Flussbett. Bretti fährt heute schon fast die ganze Zeit und so sammelt sie nun die ersten Erfahrungen im Fahren in der Untersetzung auf etwas offroadigerem Weg. Auto und Menschen sind heil angekommen, davon wird es in Zukunft mehr geben.

    Bären Abdrücke am Flussufer
    Bärentatzenabdrücke am Flussufer
    Blick zurück zur Straße mit der Brücke über den Fluss
    Blick zurück zur Straße

    Wir trinken noch ein Bierchen am Wasser und dann verstecken wir uns vor den Mücken im Volvo. Morgen geht es nur die 4 km zu den Liard Hotsprings auf der anderen Seite des Flusses.

    Heiße Quellen und Ruhe

    Wir frühstücken noch mit Flusssicht, schmieren uns ein paar Brote und dann geht es mit dem Auto zu den heißen Quellen. Die beiden Becken sind sehr natürlich gestaltet und für jeden ist ein Temperaturberreich dabei. Ganz oben sehr, sehr heiß und weiter unten schon fast kalt. Wir haben unser Auto am umzäunten Campingplatz zurück gelassen. Hier gibt es viele Bären, deswegen wurde ein Elektrozaun um den Campingplatz gezogen. Die Quellen erreicht man über einen 500 m langen Bohlenweg durch den Sumpf. Die Quellen liegen außerhalb des Zauns, darum ist hier Essen und alles, was Bären anlocken könnte, verboten. Wir entspannen bis wir unsere vier Wasserflaschen ausgetrunken haben in den Quellen und laufen für einen kleinen Snack zurück zum Auto.

    Steg führt durch das Sumpfgebiet
    Bolenweg durch den Sumpf
    Bretti am Tor im elektrozaun mit schockiertem Gesichtsausdruck
    Bretti am Elektrozaun. Schockierend

    Wir entspannen noch etwas im Auto und dann geht es zurück zu den Quellen. Diesmal erkunden wir auch den Kaltwasserzulauf. Unter den Ästen und Wurzeln wirkt das alles sehr mystisch. An der Kaltwasserquelle angekommen ist es dann aber doch etwas sehr kalt und es geht zügig zurück in die wärmeren Bereiche. Im Laufe des Tages hat sich der Badebreich schon gefüllt, aber es findet sich ausreichend Platz für jeden. Diesmal bleiben wir nicht ganz so lange und fahren bald zurück zum Stellplatz am Fluss

    Chris und Bretti Selfi im zugewucherten Fluss
    Selfie im Kaltwasserzufluss
    Bretti schaut ins herein fallende Licht aus dem Wasser
    Der Teil wirkt richtig urig
    Bretti schwimmt zurück zum warmen Teil umgeben von Wald
    Auf dem Rückweg in dem warmen Bereich weitet sich das Becken auch wieder

    Am Stellplatz mündet ein kleinerer Fluss in den Liard River. Auf dessen anderer Seite futtert sich ein Baumstachler (viel coolere Bezeichnung als Stachelschwein) durch die Uferbegrünung, als wir ankommen. Es schaut kurz rüber, lässt sich insgesamt aber nicht vom Volvo oder uns stören.

    Stachelschwein isst Pflanze
    Baumstachler haben orangene Zähne
    Absolut putzige Viecher

    Hier duschen wir uns ordentlich ab, das heiße Quellwasser hat schon einen eindeutigen Schwefelgeruch. Den Rest des Tages entspannen wir einfach nur. So stellt man sich einen Ruhetag vor.

    Aussicht aus dem Volvo um 23:30, sehr dunkel ist das nicht
    Um 23:30 Uhr ist es hier immer noch nicht so richtig dunkel

    Ruhetag light

    Man mag es kaum glauben, aber wir hängen direkt noch einen Ruhetag dran. Zumindest fahren wir heute nicht weiter. Entsprechend starten wir mit einem Sektfrühstück und dann gibt es einen weiteren Call mit einem Kumpel, der uns Anfang September besuchen kommt. Für uns ist es 11:00 Uhr vormittags, für ihn 20:00 Uhr. Zeitverschiebung ist schon was wildes. Es wird sicherlich spannend, zu dritt im Volvo unterwegs zu sein. Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr darauf. Die Zeit verfliegt ziemlich schnell und da er am nächsten Tag arbeiten muss, legen wir zeitnah auf. Nun haben wir Zeit für etwas Haushalt. Es regnet schon den ganzen Vormittag und dabei fällt uns auf, dass es minimal in unseren Vorratsschrank regnet. Ungünstig. Wir haben beim Restaurieren schon unzählige Löcher im Dach geflickt, scheinbar nicht gut genug. Naja, kann man erstmal nichts machen, Handtuch drunter und gut, es ist zum Glück nicht viel. Es wird weiter am Blog geschrieben und Beiträge vertont.

    Die regen Wolken hängen sehr tief über dem Fluss und verhüllen die Berge
    Regenwolken hängen sehr tief im Tal

    Als es aufhört zu regnen, klettert Chris aufs Dach. Er findet auch einen Riss, der die Ursache für das Wasser im Schrank sein könnte. Das versuchen wir bei Zeiten abzudichten. Da es momentan nicht viel regnet, haben wir da keine Eile. Es soll den restlichen Tag trocken bleiben, also geht es jetzt ans Holzmachen fürs Lagerfeuer. Die Kettensäge liefert wieder gute Arbeit und natürlich machen wir zu viel Holz. Während wir fleißig sind kommt eine Familie zum Angeln vorbei. Ihr Golden Retriever bellt unseren Staubsauger an (im Volvo wird der Boden sonst schnell zur Sandkiste), sonst aber alles entspannt. Auf der Suche nach weiterem Feuerholz merken wir, dass sie ihren Pickup die ganze Zeit haben laufen lassen. Absolut unverständlich sowas, alleine wegen der Spritpreise. Nach ein paar Stunden verschwindet die Familie dann auch wieder und wir machen uns ans Grillen.

    Bretti sitzt auf der campingbank vor dem Volvo an der feuerschale und neben ihr rauscht der Fluss
    Grillen aus der Distanz

    Die Würstchen werden zum Teil gegrillt und zum anderen Teil geräuchert, das Holz ist natürlich nicht richtig trocken. Der Rauch vertreibt immerhin die Mücken und wir haben einen entspannten Abend. Im Laufe des Abends kriechen die Wolken über die Berge gegenüber, das sieht ganz cool aus, so richtig einfangen konnten wir das aber nicht.

    Der Berg auf der anderen Flussseite ist völlig in Wolken verhangen
    Wolken verhüllen die Gipfel und im Vordergrund wird ein baum von der Sonne beschienen
    Die Wolken schleichen sich über die Berggipfel

    Nach den zwei Tagen ohne wirklich Auto zu fahren, ist die Batterie vom Volvo relativ leer. Da fällt uns in der App auf, dass die Solaranlage auch seit fünf Tagen keinen Strom mehr liefert. Sowas sieht man natürlich immer erst, wenn die Batterie leer ist… Für die Nacht wird es schon noch reichen und morgen fahren wir eh weiter.

    Während wir am Feuer sitzen, denken wir uns, dass wir einen Bären bei den Geräuschen der Flüsse eh nicht kommen hören würden und er uns vermutlich auch nicht. Hoffentlich schreckt die der Feuergeruch eh erstmal ab. Mit diesen entspannten Gedanken beenden wir den Teil hier und wie es weiter geht, lest ihr dann im zweiten Teil.

    Volvo am Flussufer im Sonnen untergang
    Wurden wir an diesem Platz doch von Bären gefressen? Lest mehr in Teil 2

    Frage an die Lesenden: Nutzt jemand einen Screenreader bzw. ist auf Alternativtexte der Bilder angewiesen?

  • Woche 19 | Teil 2: Auf nach Norden und in den Matsch | 15.704 km*

    Woche 19 | Teil 2: Auf nach Norden und in den Matsch | 15.704 km*

    *Info: Die Kilometerzahl im Titel zeigt die bisher auf unserer Reise gefahrenen Kilometer.

    Von Flüssen und Wandern

    Wir frühstücken direkt am Fluss und “baden” dann im flachen Uferbereich des Flusses. Uns ist bewusst, wie gefährlich Strömungen in Flüssen sind und gehen deswegen nie weiter als bis zu den Knien hinein. Hier hat der Fluss auch sichtlich eine starke Strömung. Allerdings ist es ziemlich warm und etwas Abkühlung muss da sein. Da wir schon mal nass sind wird direkt noch geduscht.

    Chris rangiert etwas hin und her, vielleicht ragt auch der ein oder andere Ast in die Fahrerkabine, aber dann geht es eigentlich ganz gut raus aus der Parklücke. Es geht den etwas offroadigen Waldweg zurück zum Highway, wo wir noch an einer natürlichen Quelle stoppen. Der Schlauch, aus dem das Wasser kommt, ist so lang, dass wir versuchen ihn direkt in den Tank zu halten. Da man den nicht abstellen kann, fluten wir dabei ein bisschen das Auto.

    Volvo an der Quelle

    Immerhin ist der Tank bei dem Wasserdruck schnell voll. Wir fahren die paar Kilometer nach Hinton, kaufen ein und tanken. Da die Preise hier recht hoch sind, füllen wir nicht alle Kanister auf, in der Hoffnung, dass die Preise wieder sinken. (Seit dem Zeitpunkt sind die Preise um gut 40 Cent gestiegen…)

    Wir fahren zum William A. Switzer Provincial Park, hier haben wir uns eine kleine Wanderung rausgesucht. Es geht vorbei an einem alten Friedhof durch eine buschige Wiesenlandschaft bis zu einem Flugzeugwrack. Es gibt hier unzählige Blumen und entsprechend viele Insekten. Irgendwie hören wir keine Vögel, vielleicht ist es denen auch zu warm. Uns ist auf jeden Fall sehr warm und es gibt kaum Schatten, geschweige denn Wind. Vielleicht steckt uns das Rafting mehr in den Knochen als erwartet, aber wir sind ganz schön platt, als wir nach ca. 3,5 km am Flugzeug ankommen. Für das Flugzeug oder den Friedhof würden wir die Wanderung nicht empfehlen, das lohnt jetzt nicht so, aber die ganzen Blumen sind schon sehr schön. Vielleicht eher was für den frühen Abend.

    Wanderweg durch die Blumenlandschaft
    Der überwucherte Friedhof
    Das abgestürzte Flugzeug von innen
    Bretti und das Flugzeugwrack
    Blumen Kollage
    Oben: Echter Pastinak (vermutlich), unten: Schafgarbe
    Schmetterlinge auf Blumen Kollage
    Police Car Moths bei der Paarung (oben) oder am snacken auf einem Hahnenfuß (unten)
    Links: Glaucous larkspur (Delphinium glaucum), rechts: evtl. Alpen-Süßklee (Hedysarum alpinum)
    Oben: Castilleja/Paintrbrush, mitte links: Weißer Storchschnabel, rechts: Feuer-Lilie/Wood-Lily, unten links: Klee, rechts: Berufskraut/Erigeron

    Zurück am Auto sind wir ordentlich platt. Dafür haben Brettis neue Schuhe ganze Arbeit geleistet, die nächsten Wanderungen können kommen. Da wir nur 16 km vom letzten Übernachtungsplatz entfernt sind, überlegen wir, kurz zurück zu fahren, entscheiden uns dann aber dafür, 16 km weiter zu einem anderen Platz an einem anderen Fluss zu fahren.

    Der Platz ist auch sehr schön und etwas durch den Matsch und über Bäume fahren konnten wir hier auch. Es ist noch recht früh, aber da wir ordentlich platt sind, ist das schon ok. Wir entspannen uns erstmal mit einem Bierchen am Fluss und kühlen uns mit den Füßen im Wasser ab. Danach passiert auch nicht mehr viel, Chris macht ein spätes Mittagsschläfchen und dann wird gekocht. Es werden noch die Bilder der letzten Tage gesichtet, z.B. 4.500 Bilder von der Zeitrafferaufnahme während des Raftings und dann geht es ins Bett.

    Den halben Wald haben wir am Reifen kleben
    Stellplatz direkt am Fluss
    Bretti sitzt barfuß auf einem Stein im FLuss mit einer Brotdose in der Hand
    Snackpause im Fluss

    Kanadische Freizeitaktivitäten bei Grande Prairie

    Heute steht ein längerer Fahrtag an. Wir erfrischen uns noch kurz im Fluss und dann geht es los Richtung Norden. Während Chris einen Platz zum Anhalten sucht, er hat sein Spaßgetränk hinten vergessen, sehen wir einen Kojoten am Straßenrand. Wir fahren ein Stück weiter und halten dann. Nachdem Chris sein Getränk geholt hat, sehen wir, dass der Kojote in unsere Richtung läuft. Wir sind etwas besorgt, dass der Kojote zu Autos (also uns) läuft und nach Essen sucht, aber er scheint kleinere Tiere im hohen Gras zu jagen und biegt kurz vor uns in den Wald ab.

    Coyote im hohen Gras

    Auch wenn das Foto recht nah wirkt, ist der Kojote immer noch 50 m oder so weit weg. Das ist mit einem 600 mm Teleobjektiv plus digitalem nachträglichen Zoom erstellt worden.

    Nach dieser kleinen Fotopause geht es weiter zu den Sulphur Gates. Hier hat der Smoky River eine wasserundurchlässige Schicht durchbrochen und so dieses beeindruckende Felstor geschaffen. Das kann man sich schon mal anschauen.

    Flusstal des Smokey Rivers mit Flesen
    Smocky River mit seiner milchigen Farbe
    Der Smokey River trifft den Sulphur River. Man sieht wie sich das milchige und das klare Wasser mischen
    Der Windanzeige-Bart ist auch wieder aktiv

    Wir fahren weitere 200 km bis kurz vor Grande Prairie zu einem Fluss. Hier wollen wir eigentlich direkt am breiten Flussufer stehen, aber die Zufahrt ist absolut schlammig. Es steht auch ein Pickup herum, der sieht so aus, als ob er aus der “Pfütze” gezogen worden ist und jetzt nicht mehr fährt. Wir trauen uns das nicht zu und fahren auf die andere Flussseite. Das war auch die richtige Entscheidung, wir sehen vom gegenüberliegenden Ufer nur ein paar Quads und Motorräder, die zum Ufer runter fahren. Die Einheimischen gehen alle zu Fuß.

    Volvo am Fluss mit Brücke im Hintergrund
    Trotzdem ganz netter Stellplatz

    Unser Stellplatz liegt direkt an der lokalen Offroadstrecke und so herrscht hier einiges an Betrieb. Wir hatten uns nicht durch die Schlammlöcher getraut, aber morgen vielleicht?

    schlammige Offraodstrecke im Wald
    Die Strecke überlassen wir erstmal den Einheimischen

    Hier kommen einige Motorräder, Quads, Jeeps und Pickups vorbei. Es angeln einige und es kommt auch das ein oder andere Sportboot vorbei. Allerdings hören wir irgendwann ein sehr lautes Motorengeräusch aus der Ferne näher kommen. Ein Rennboot kommt mit röhrendem Motor den Fluss entlang. Wendet und dröhnt wieder zurück. Das wird sich heute noch ein paar mal wiederholen.

    Spannende Freizeitaktivitäten haben die Kanadier, aber warum nicht.

    Generell ist es kurz laut, wenn ein Fahrzeug vorbei fährt, dann wird es aber bald wieder leise. Gegen 22:30 Uhr kommt eine ganze Truppe mit Quads, Jeeps und Pickups vorbei. Allerdings wird es diesmal nicht nach kurzer Zeit leiser, also gehen wir mal gucken.

    Ein paar Fahrzeuge haben sich festgefahren und es wird versucht, diese zu befreien. Beim Zuschauen kommen wir mit den Leuten ins Gespräch, es sind überwiegend jüngere Leute aus der Gegend. Wir sprechen wieder über alles mögliche bis alle Fahrzeuge befreit sind. Einige ziehen dann die Strecke weiter durch, andere drehen um. Am Ende springt der letzte der Truppe noch auf die Ladefläche eines Pickups und fährt so mit nach Hause. Sehr klischeehaft, aber auch schon cool. Wir gehen zurück in den Volvo und gucken unsere Serie weiter. Später hält noch ein Jeep mit einem leicht angeheiterten Pärchen neben uns und quatscht uns an. Sie haben beide eine ordentliche Fahne, sonst ist das Gespräch aber sehr nett, auch wenn wir viele Fragen zum Auto nicht beantworten können, wie z.B. die Getriebeübersetzung der Portalachsen ist. Naja. Sie punkten außerdem mit ihrem sehr süßen Beaglemix, der uns anschlabbert. Nach einer Weile ziehen auch sie weiter und wir können langsam mal ins Bett.

    Es ist uns schon öfter aufgefallen, dass das Verhältnis zu Alkohol im Straßenverkehr hier anders gehandhabt wird. Die Gesetzeslage ist dabei ähnlich wie in Deutschland, es halten sich bloß noch weniger Leute daran. Es wundert uns nicht, dass es eine der häufigsten Todesursachen ist, sich mit einem motorisierten Fahrzeug unter Alkoholeinfluss um einen Baum zu wickeln…

    Nun wollen wir auch

    Wir haben uns gestern schon vorgenommen, die Offroadstrecke auch zu versuchen. Die meisten meinten, das sollte schon passen. Wenn die Jeeps und Pickups da durch kommen, sollte unser 6×6 das auch packen, denken wir. Vorher wird aber versucht, auszuschlafen. Nicht so einfach, denn ab 6:00 Uhr rollen die LKWs der nahen Papierfabrik über die Brücke und Chris hatte einen Albtraum. Er musste einen Test über die Witcher Buchreihe schreiben und wusste nichts. Schlimm. Wieder einschlafen klappt entsprechend nicht. Um 7:30 Uhr kommt das Rennboot wieder vorbei. Bretti juckt der ganze Lärm wie immer null. Sie rollt sich kurz auf die andere Seite und schläft weiter.

    Als gegen 9:00 Uhr dann ganz viele Rennboote hinter einander vorbei brettern, scheint uns das doch etwas unwahrscheinlich für ein Hobby zu sein. Es stellt sich heraus, heute ist hier ein Speedboot-Event und um 9:00 Uhr ging das erste von mehreren Rennen los. Gut, dass wir hier nicht länger bleiben wollen, das ist sogar für den motorenbegeisterten Chris zu viel Krach.

    Wir packen alles zusammen und bereiten uns auf die Offroadstrecke vor. Bretti filmt das erste Hindernis noch von außen, dann steigt sie mit ein. Es ist für uns sehr aufregend, aber wie man uns ansieht haben wir auch ordentlich Spaß.

    Mit Schlamm bespritzer Volvo
    Ist etwas dreckig geworden
    Dreckiger Chris der sich freut
    Chris ist auch dreckig geworden und er freut sich
    Auch unten ist alles etwas schlammig geworden
    Der Auspuff hat eine neue Schutzbeschichtung bekommen

    Es gab auch ein paar Learnings: Fenster vor der Schlammpfütze zu machen und lieber nur durch Dinge fahren, wo kein Wasser steht. Das eine Loch war doch ganz schön tief. Eigentlich sollte man eh durch alles vorher durch laufen, aber naja.

    Am Ende der Strecke fahren wir kurz über das Kiesbett am Ufer des Flusses und dann nochmal zurück. Diesmal ohne das tiefe Schlammloch vom Hinweg. Kurz vor der Teerstraße treffen wir noch auf das, mittlerweile hoffentlich nüchternere Pärchen von Gestern. Kurzer Schnack und dann wünschen sie uns eine schöne Reise. In der Stadt füllen wir wieder unsere Vorräte auf und checken auch einen weiteren Baumarkt aus. Hier kaufen wir Dinge für eine neue Feuerlöscherhalterung, die originale ist leider schon eine Weile kaputt. Es ist schon Mittag und nun geht es endlich weiter Richtung Norden.

    Auf dem Highway kommt uns ein Pickup mit einem Getreidesilo auf dem Hänger entgegen. Man transportiert hier alles mit Pickups.

    Silo wird auf Autoanhänger transportiert
    Screenshot von unserer Dashcam

    Wir erreichen irgendwann Dawson Creek und Kilometer 0 des Alaska Highways.

    Chris vor dem Alaska Highway Schild, redet mit anderen Reisenden über den Volvo
    Chris redet mit anderen Reisenden
    Alaska Highway Mile 0 Schild
    Standardfoto für alle Reisenden

    Es zeigt sich noch ein Kojote am Straßenrand, aber sonst ist die Fahrt heute eintönig und langweilig. Es ist flach und geht meistens einfach gerade aus. Das ganze macht uns recht müde und die eine Stunde Zeitverschiebung nach vorne hilft da auch nicht. Wir sind froh als wir entspannt an der Recreation Site am Inga Lake ankommen. Unser Platz ist schön direkt am See gelegen, leider ist der See nicht so einladend. Man kann ja aber nicht alles haben. Hier sind wieder Leute, die meinen, ein Generator gehöre zu einem entspannten Wochenende in der Natur dazu. Diese befinden sich zum Glück aber am anderen Ende des recht großen Geländes.

    volvo auf recreation site campingplatz
    Stellplatz für uns wie immer völlig überdimensioniert
    Eichhörnchen steht vor Blumenwiese
    Es gab zu lange keine Eichhörnchenbilder

    Wir sprechen mit einigen Leuten. Unter anderem einem Pärchen, welches für mehrere Monate Bäume in der Forstwirtschaft in Alberta gepflanzt hat und nun mit dem verdienten Geld einen Roadtrip macht. Das ist hier scheinbar ein klassischer Sommer-Job. Ein anderer hält mit seinem Pickup, der ein großes Dieselfass geladen hat und wir sprechen über das Reisen und den Norden Kanadas. In ein paar Wochen will er selber los und wir tauschen Nummern aus, vielleicht trifft man sich ja wieder. Er gibt uns auch einiges an Infomaterial über den Alaska Highway. Wo Werkstätten, Restaurants, Campingplätze und co sind. Generell sind die wenigen Geschäfte, die es hier im Norden gibt, scheinbar gut organisiert und geben zusammen Infomaterial und Karten raus. Sehr praktisch. Bevor er geht, fragt er noch, ob der Volvo ein Diesel wäre, wir verneinen. Schade, denn er hätte uns alle Tanks und Kanister gratis aufgefüllt. Wäre bei den Benzin- und Dieselpreisen hier ein Träumchen gewesen.

    Als alle abgezogen sind, schraubt Chris am Volvo und Bretti backt einen Brownie. Bei dem ganzen Schlamm, der immer noch am Auto klebt, war sie irgendwie gar nicht so motiviert die Schrauberaufgabe zu übernehmen, komisch. (Und Chris war eh schon dreckig.) Es gibt hier viele Mücken und es ist recht kühl, für Morgen sind nur 11°C angesagt😱, entsprechend verziehen wir uns zeitig ins Auto und haben noch einen entspannten Abend.

    Ein regnerischer Tag entlang des Alaska Highways

    Der heutige Tag startet mit Regen und so verwandelt sich die Schotterpiste in eine Schlammstrecke. Die LKWs sorgen für eine gute Durchwühlung. Für den Volvo ist das alles kein Thema, wie die Pickup-Leute ihre riesen Wohnwagen vom Platz bekommen wollen, ist eine andere Frage. Naja..

    Matsch am Volvo
    Etwas dreckig geworden

    Wir tanken in Wonowon für 2,24C$ (1,39 €). Für Deutschland wäre das günstig, hier ist das schon ganz schön happig. Normal wäre hier so 1,70C$. Während wir tanken “tropfen” faustgroße Schlammbrocken vom Auto. Dann geht es weiter Kilometer abreißen. Während der Fahrt bemerken wir eine Hummel oder Biene, die an unserem USB-Ladekabeln hängt. Sie ist wohl irgendwann durchs offene Fenster gestürzt. Wir wollten eh gerade Pause machen, also halten wir an. Sie will unser USB-Kabel erst gar nicht los lassen. Hoffentlich ist sie nicht zu weit von zuhause weg und berappelt sich. Im Zweifelsfall ist sie ein einfacher Snack für einen Vogel. Da machste nichts.

    Wir fahren durch endlose Wälder, mal in der Sonne, mal durch dichten Nebel. Ein Elch läuft vor uns über die Straße, bleibt kurz stehen und verschwindet dann wieder in den endlosen Wäldern.

    Der Wald wechselt hier zwischen lebendig und verbrannt. Die verkohlten Flächen reichen oft bis zum Horizont. Es ist kaum vorstellbar, was für ein Inferno hier gewütet haben muss.

    Viel Straße, viel Wald und wenig los
    “Nebel, Nebel überall…”, kennt noch wer dieses Kinderlied?

    Vor Fort Nelson stellen wir uns an den Muskwa River, der momentan nicht sein ganzes Flussbett in Anspruch nimmt, so dass wir hier einen entspannten Übernachtungsplatz finden.

    Ein riesiges Flussbett für so “wenig” Fluss

    Wir machen einen kleinen Spaziergang. So hoch wie die Bäume hier sind, scheint es hier in der Regel trocken zu bleiben. Während wir zurück zum Auto gehen, grüßt ein vorbeifahrender Pickup-Camper mit “Guten Abend”. Zurück am Volvo sehen wir, dass er wieder viel Öl verliert und starten einen neuen Abdicht-Versuch, immer noch der Ventildeckel. Wir beenden diese Woche mit kochen, Blog schreiben und Videoschnitt. Wie unser Weg weiter in den Norden verläuft, lest ihr dann nächste Woche.

    Das Bild ist schon Mittwoch entstanden, wollen wir euch aber nicht vorenthalten.

  • Woche 18 | Teil 2: Der versunkene Wald

    Woche 18 | Teil 2: Der versunkene Wald

    Etwas Ruhe von der ganzen Entspannung

    Wir frühstücken noch ganz in Ruhe auf dem Campingplatz, aber nochmal bekommen wir uns nicht zu den heißen Quellen motiviert, der Weg ist ja schon anstrengend. Um 12:00 Uhr müssen wir den Platz auch geräumt haben, also nutzen wir die Zeit für entspanntes aufräumen und packen. Unser heutiges Ziel ist wieder eine Recreation Site und zwar am Stevens creek. Das sind nur 82 km, entlang des Arrow Lakes, Kanada macht unsere Wahrnehmung für Entfernungen einfach kaputt. Wir stoppen zwischendurch, um zu tanken und recht teuer einzukaufen. Momentan planen wir, noch einige Tage durch die Rocky Mountains zu touren, bevor wir dann hoffentlich ein letztes Mal nach Calgary fahren. Dass die Tankstellen und Einkaufsläden in kleinen Städten massiv teurer sind, kennen wir ja schon aus Saskatchewan.

    Wasserfall und CHris
    Wasserfall an einem Rastplatz

    Um zum Platz zu kommen, müssen wir wieder eine Fähre über den Arrow Lake nehmen. Diese ist hier sogar elektrisch, hat aber gerade erstmal Mittagspause und so warten wir 30 Minuten. Hier wäre es jetzt schlau, sich zu merken, wann die zweistündige Pause ist, falls man hier nochmal lang kommt. Aber naja, wir wollen ja nicht vorgreifen. Der Kapitän weist uns darauf hin, dass wir nur zwei Kanister mit Benzin auf einer Fähre in BC mitführen dürfen. Bei der anderen Fähre stand nichts von einer Maximalanzahl, nur dass die Behältnisse nicht größer als 25l sein dürfen. Naja, wer diskutiert schon mit dem Kapitän. Er lässt es uns aber durchgehen und meint, nächstes mal sollten wir sagen, da sei Diesel drin, das wäre ok.

    Fähre mit Aussicht
    Aussicht von der Fähre

    Drüben angekommen folgen wir der Dirtroad 20 km durch den Wald. Stellenweise ist es recht steil und dem Motor und uns wird ziemlich warm, entsprechend machen wir eine Pause, wir haben es ja auch nicht eilig.

    Angekommen am Platz kommen gleich zwei Kanadier bei uns an und bieten uns ihre Plätze direkt am See an. Sie wären nur tagsüber hier und wollten uns nicht den Platz weg nehmen. Wie immer viel zu nett. Der eine ist nur mit dem Motorrad da und entsprechend stellen wir uns zu ihm. Beste Lage direkt am See. Er gönnt sich einen Vodka mit Limo aus der Dose, während er uns über seine weitere heutige Route erzählt. Etwas fragwürdige Einstellung zu Alkohol am Steuer, sonst aber ein netter Typ. Wir quatschen recht lange und er gibt uns einige Tipps für Offroad-Strecken und Karten.

    Platz direkt am See

    Als er davon brettert, packen wir unser Kanu aus und schippern mit einem Bierchen über den See. Es ist ein Stausee und somit müssen wir auf überschwemmte Baumstämme in Ufernähe achten. Wir machen eine recht große Tour und stoppen an der zweiten auch sehr schönen Recreation Site an diesem See für eine Pipipause. Es sind einige Common Loons unterwegs, welche sich entweder angreifen oder einen Balztanz aufführen, wir sind uns nicht sicher. Diese Vögel haben einen sehr einzigartigen lauten Ruf, den wir bis spät in die Nacht über den See hallen hören. Kann man sich hier anhören.

    Chris und Bretti am Paddeln
    Paddelspaß

    Zurück an unserem Platz holen wir das Boot aus dem Wasser und sprechen unsere Nachbarn an, ob wir uns ihrem Lagerfeuer anschließen dürfen. Wir dürfen und so quatschen wir noch über alles mögliche. Bevor es ins Bett geht, versucht sich Chris noch an ein paar Sternenfotos, aber da er zu müde ist, um zu warten bis es richtig dunkel ist, werden die so mittel (seine Meinung).

    See in der Dämmerung
    Blick entlang des Sees
    Sterne über dem See
    Großer Wagen über dem See

    Gehen oder bleiben?

    Wir frühstücken mit einer richtig tollen Sicht auf den See und die Berge. Leider soll das Wetter nicht so schön bleiben. Unsere Wetter Apps sagen Gewitter und oder 33°C voraus. Beides nicht so super zum Wandern, was wir eigentlich für heute eingeplant hatten. Wir entscheiden uns, hier am See zu bleiben und je nach Wetterentwicklung nochmal Boot zu fahren. Bald hört man in der Ferne schon das Gewitter und es zieht immer wieder Regen über uns hinweg. Wir verziehen uns erstmal ins Auto und machen eine Laptopsession.

    Frühstück und See
    Beim Frühstück sieht das Wetter noch gut aus

    Gegen Mittag ist es trocken und wir wollen es riskieren, Boot zu fahren. Bevor wir los kommen, wird Chris noch von einem älteren Pärchen angesprochen, die mit ihrem Wohnwagen hier stehen. Sie wohnen in der Nähe und kommen immer wieder hier her, es sei ihr Lieblingsplatz. Sie geben ihm noch einige Tipps für die Gegend, so auch, dass am Ende des Sees ein Fluss mündet und sie dort schon einiges an Bären, Elchen und Adlern gesehen haben. Das klingt gut und auch nach unserem Ziel für unsere Bootstour. Chris nimmt auch seine Kamera mit, falls sich wirklich ein paar Tiere zeigen sollten. Wir sind ehrlich gesagt etwas überrascht als wir wirklich zwei Rehe/Hirsche und sogar einen Adler sehen.

    Wir haben auch fleißig Fotos gemacht, kommen aber gerade mit dem Durchgucken der Bilder nicht hinterher. Fotos folgen dann später, gilt auch für die Common Loons.

    Generell lohnt sich die Tour auch ohne Tiere. Die überfluteten Bäume bilden einen richtigen Unterwasserwald (“Der versunkene Wald” könnte auch eine Drei ??? Folge sein). Sieht schon spannend aus, ist für unser aufblasbares Kanu aber auch absolut gefährlich. Wir können es nicht vermeiden etwas zu rammen, aber unser Boot steckt das ohne sichtbare Folgen weg.

    Baumstämme über dem Wasser
    Stamm unter Wasser
    Stamm unter Wasser

    Auch wenn heute nicht Donnerstag ist, gibt es nach unserer Rückkehr erstmal Pfannkuchen. Zusätzlich macht Chris noch Blätterteig-Apfeltaschen, soll ja keiner hungern. Voll gefuttert geht es wieder an den Blog. Chris schreibt den nächsten Beitrag und Bretti liest die letzten Folgen für die Audiothek ein.

    Es wird richtig schnell Abend und so starten wir zu unserer zweiten Bootstour. Wir fahren wieder zum Fluss am Ende des Sees und diesmal auch etwas hinein. Es ist aber sehr flach und so drehen wir zeitig um. Wir haben eine Finne unter dem Boot, die ist praktisch um auf dem See nicht abzutreiben, sorgt aber für “ordentlich” Tiefgang. Wir bleiben auch noch zwei Mal an Baumstämmen hängen, die gerade nicht aus dem Wasser ragen. Auch das übersteht das Boot ohne Probleme. Das hält uns auch nur bedingt davon ab, durch die Baumstämme zu schippern. Es zeigen sich wieder die Common Loons und ein Adler landet ganz dicht am Ufer. Er fliegt los, bevor wir nah genug für gute Fotos kommen, dafür fliegt er direkt über uns hinweg. Sehr beeindruckende Tiere.

    Zurück am Auto sichtet Chris noch die ersten Bilder, aber es ist schon nach 22:00 Uhr und so geht es dann auch bald in den Volvo. Da heute noch gar nicht ausreichend gebadet wurde, gibt es vorher noch eine kurze Badesession. Dann geht’s ab ins Auto, noch ein bisschen Serie schauen und dann wird geschlafen.

    Zurück Richtung Calgary

    Jetzt mögen sich die Leseries wundern, was wollen die denn schon wieder in Calgary? Unser Paket mit den Ersatzteilen benötigt nur 4 Tage von Schweden und ist entsprechend voraussichtlich schon Montag zur Abholung bereit (nach Status ist es schon Samstag in Calgary, aber das letzte Stück dauert ja immer genau so lange, wie der Weg über den Atlantik). Wir haben ehrlich gesagt mit mindestens einer Woche gerechnet. Wir wollen uns darüber natürlich nicht beschweren und so planen wir eben um.

    Bevor es los in einen langen Fahrtag geht, darf entspanntes Frühstücken und Baden nicht fehlen. Das Boot wird wieder eingepackt und wir aktivieren unsere “Klimaanlage” zumindest erstmal einseitig zum Testen. Sie ist etwas widerspenstig, vermutlich wurde die in 48 Jahren noch nie genutzt.

    Nur 3 Schrauben und etwas Liebe gegen den Rost

    Es geht die 20 km Schotterstraße wieder zurück zur Fähre. Chris nutzt zum ersten Mal die vier Gänge unseres Untersetzungsgetriebes (eigentlich sind es die vier normalen Gänge plus die Untersetzung), sonst haben wir das nur genutzt, um ganz langsam im ersten Gang zu fahren. So hat der Volvo viel mehr Power, fährt aber auch nur maximal 30 km/h, diese dann aber auch entspannt jeden Berg hoch. So ist der Rückweg um einiges entspannter. Generell ist die Schotterstraße hier ziemlich gut in Schuss und weniger holprig als so manche Teerstraße, die wir hier gefahren sind. Zusätzlich gibt es eine schöne Aussicht, “es fehlen eigentlich nur noch ein paar Wildtiere hier, ein Bär oder Elch oder so” sagt Bretti. Das hält der Schwarzbär scheinbar für sein Stichwort und direkt nach der nächsten Kurve tapst er entspannt über die Straße. Chris verflucht sich mal wieder dafür, dass die Kamera hinten liegt. Wir haben sonst ja auch unsere Dashcam, aber die scheint ab und an nicht zu starten. Zumindest ist der Teil von der Recreation Site bis zur Fähre nicht aufgenommen. Mal wieder was zum Untersuchen (oder Ignorieren).

    Zurück an der Fähre stellen wir wieder fest, dass diese gerade Mittagspause macht. Hätte man sich natürlich auch mal merken können. Eigentlich wollten wir auch weiter Schotterstraßen entlang des Arrow Lakes fahren und uns so die zwei Fähren sparen, aber es gibt einen Waldbrand nahe der Straße. Dieser ist zwar klein, “nur” 200 m², aber gilt als “außer Kontrolle” und wir wollen da kein Risiko eingehen. Dafür, dass gefühlt halb Kanada brennt und Trump die Zölle für Kanada wegen des ganzen Rauchs erhöhen will (lol…), bekommen wir bisher nichts von den Bränden mit. Von der anderen Seeseite sehen wir nun eine kleine Rauchsäule und Löschhubschrauber. Als wir abends wieder in die App schauen, gilt der Brand auch als unter Kontrolle. Wir werden uns wohl noch etwas an die Brände gewöhnen müssen. Regen ist hier zumindest keiner in Sicht.

    Übersicht aktiver unkontrollierter Waldbrände (rote Punkte) in Kanada und des Brandrisikos (flächig blau = niedrig, rot = hoch), Stand 23.07.2026

    Während wir weiter dem Highway Richtung Calgary folgen, schwankt plötzlich die Öldruckanzeige und geht dann auf 0 bar. Bei der spontanen Änderung gehen wir von einem Elektronikproblem aus und nach einem kurzem Blick unters Auto hält Chris auch schon das Kabelende vom Sensor in der Hand. Die Anschlüsse am Sensor sind einfach abgebrochen. Das lässt sich zumindest schnell reparieren, aber solange der Motor heiß ist, lassen wir das. Der Auspuffkrümmer geht direkt daneben entlang und der ist sehr heiß, wenn der Motor läuft. Wir fahren also erstmal ohne Öldruckanzeige weiter, nicht optimal, aber wird schon passen. Den Anschluss reparieren wir morgen früh, wenn der Motor kalt ist.

    Während wir uns die Passstraßen hochkämpfen, nimmt Chris im Rückspiegel ein Fahrzeug mit einem ausreichend großen Sicherheitsabstand wahr. Gerade bergauf tendieren die Menschen hier dazu, sehr dicht aufzufahren. Zu unserem weiteren Erstaunen wird der Abstand im Zuge der längeren Fahrt bergauf sogar größer, da wird doch nicht jemand noch langsamer als wir unterwegs sein?

    Im Gegensatz zur ersten Fähre haben wir an der zweiten ein perfektes Timing. Sie wird gerade entladen als wir uns in die Schlange einreihen. Sonst hätte es bis zu einer Stunde Wartezeit bedeutet. Zu unserer Freude und sicher der Freude der Menschen, die die ganze Zeit hinter uns gefahren sind, passen wir alle auch noch entspannt mit aufs Boot.

    Auf der Fähre werden wir von einigen auf den Volvo angesprochen, unter anderem einer deutschen Auswandererin
    Aussicht von der Fähre

    Wir fahren quasi als letztes von der Fähre und sehen direkt nach dem Anleger einen weiteren Schwarzbären die abzweigende Straße entlang trotten. Geht es da nicht direkt zu einem Campingplatz? Naja, wir müssen dann auch weiter. Es geht wieder durch den Mount-Revelstoke-Nationalpark und den Glacier-Nationalpark. Leider haben wir keine Zeit, hier einen Zwischenstopp zu machen. Die Campingplätze sind sowieso ausgebucht. Vielleicht kommen wir ja nochmal wieder.

    Eine Sicht schöner als die andere

    Wir fahren heute recht lange, vielleicht weil wir auch erst sehr spät los gefahren sind. Zusätzlich fahren wir eine Zeitzone zurück und so ist es schon 21:00 Uhr als wir am Platz ankommen. Vorher hatten wir uns noch etwas Fastfood geholt, zum Kochen ist es dann doch etwas spät. Wir stehen am Kicking Horse River. Montag hatten wir hier noch mit Blick auf die Wapta Falls gefrühstückt und auf dem Weg zurück zum Highway diesen Platz gesehen. Damals standen hier auch schon viele Camper und heute ist es nicht anders. Doch wir finden noch ein Plätzchen in einem alten Nebenarm. So 100% ist es uns nicht geheuer, im alten Flussbett zu stehen, aber das wird schon passen für heute. Wir sind ja schon immer fasziniert, wo die Kanadier mit ihren normalen Autos alles hinfahren. Der Weg hier her war schon echt holprig und es gab eine kleine Wasserdurchfahrt, trotzdem stehen hier mit uns drei Standard PKW. Wir hätten hier auch noch etwas offroadiger weiter fahren können, aber nach einer kurzen Begehung ergibt sich kein schönerer Platz entlang des Weges. Weiter an den Hauptfluss ranfahren müssen wir hier auch nicht. Das ganze lädt aber sicherlich morgen früh zum Spielen mit dem Volvo ein. Wir genießen noch unser Fastfood direkt am Fluss und dann geht es ins Auto. Zähneputzen pullern und ab ins Bett.

    Kicking Horse River, der hat ganz schön Zug
    Überall sehen wir schöne Blumen in verschiedenen Farben.
    Unser Platz im Flussbett (schon am nächsten Tag)

    Kleine Offroad Einlage am Morgen

    Am nächsten Morgen fahren alle anderen schon, bevor wir überhaupt aufgestanden sind, so ca. 9:30 Uhr. Naja, wir lassen uns davon natürlich nicht stressen. Es wird gefrühstückt und wir tanken zwei unserer Ersatzkanister in den Tank. In den Bergen ist es unnötig teuer und wir hoffen, in den nächsten Tagen in Calgary wieder etwas günstiger zu tanken. Chris schließt den Öldrucksensor wieder an, ungünstig dass so ein Flussbett immer so nass sein muss. Nach einmal falsch herum anschließen geht die Anzeige auch wieder. Eigentlich hatte er sich auch aufgeschrieben, welches Kabel wo ran muss, nächstes mal dann direkt richtig. Bretti putzt derweil unser Solarpanel. Der Staub und das Fehlen von Regen haben eine ordentliche Staubschicht auf dem Panel hinterlassen. So richtig was bringen tut das vermutlich nicht, aber so haben wir uns immerhin bemüht. (Jetzt ist es schön streifig.)

    Foto von Bretti auf dem Dach am Solarpanel putzen
    Professionelle Abzieherin 💵

    Es gibt noch einen Schluck Motoröl fürs Auto, der Ventildeckel ölt leider immer noch und es werden beide Türen halb ausgebaut.

    Doppel-Klimaanlage, doppelt gut und doppelt so wenig Platz im Auto

    Dann wird der Motor für die platzeigene Offroad Einlage gestartet. Das Wasser ist teilweise knietief und ordentlich schräg ist es auch. Das ist für den Volvo alles kein Problem, nur die Insassen müssen sich noch an die Schräglage gewöhnen. Da es uns an Erfahrung fehlt, ist das hier eine nette Einlage. Das sieht alles recht unspektakulär aus, deswegen gibt es diesmal die Innenansicht inklusive unseres Gelabers.

    Volo ausblick nach vorne mit FLus
    Startansicht
    Zweite Passage, hier hat die Dashcam aber gestreikt

    Nach dieser netten Abwechslung geht es wieder zurück auf den Highway. Wir stoppen noch kurz zum Wasserauffüllen, sonst passiert nicht viel. Wir passieren wieder die zwei National Parks Yoho und Banff. Die Aussicht auf die Berge ist wieder toll. Es zeigt sich diesmal leider keine Schneeziege, dafür aber ein brauner Bär am Straßenrand. Wir schreiben extra nicht Braunbär, weil es auch braune Schwarzbären gibt.😁 Im Vorbeifahren haben wir das nicht so genau erkannt. Hinter Banff hatten wir uns eine günstigere Tankstelle rausgesucht, leider sind die online Preise nicht aktuell, hilft aber alles nichts. Dafür ist es jetzt nicht mehr weit zu unserem Übernachtungsplatz. Nach den ganzen Campingplätzen und Recreation Sites stehen wir heute einfach neben einem Staudamm. Hier ist einiges los, neben einigen Campern sind auch viele Leute mit ihren Booten hier. Wir stehen etwas in der Botanik, aber sonst passt das alles. Die Straße ist nicht wirklich leise und jede Stunde fährt ein Güterzug vorbei, diese hupen zusätzlich regelmäßig. Dagegen ist das Rauschen des Staudamms ganz angenehm. Solche Plätze gehören auch dazu und wir freuen uns schon wieder umso mehr auf die ruhigen Plätze am See. Nach der ganzen Fahrerei passiert nicht mehr viel, kochen, Blog schreiben und entspannen. Morgen geht es dann die letzten 70 km nach Calgary, um die Pakete einzusammeln. Drückt die Daumen, dass das alles hinhaut und wir zeitnah wieder zurück in die Natur können. Mehr dazu dann nächste Woche.

    Gut, dass es hier keine Zecken gibt, in Saskatchewan wäre das unser Untergang gewesen.
    Das Rauschen war schon ganz schön laut, aber immerhin gleichmäßig. Der Zug war noch lauter.

  • Woche 18 | Teil 1: Berge, Seen und Hitze

    Woche 18 | Teil 1: Berge, Seen und Hitze

    Mücke vs Crossaint

    Wir haben hier sehr gut geschlafen und frühstücken mit dieser wunderbaren Aussicht. Da wir uns mit Anti-Mückenzeug eingesprüht haben, stechen die Mücken in unsere Croissants. Etwas merkwürdig, aber gut, besser als uns.

    Frühstück mit Aussicht

    Unser nächstes Ziel ist eine heiße Quelle, die Halfway Hot Springs, dafür müssen wir aber erst mal wieder ein paar Kilometer abreißen. Heute werden wir noch nicht ganz bis zur Quelle fahren sondern eine Recreation Site 40 km vor dem Ziel ansteuern. Wir wollen nicht zu spät ankommen und riskieren, keinen Platz mehr zu bekommen. Wir folgen also dem Highway durch die beeindruckende Berglandschaft. Berg auf sind wir oft nur mit 30 km/h unterwegs. Das gefällt nicht jedem, uns wird zwei Mal der Mittelfinger gezeigt, als wir überholt werden. Das ist auf der ganzen Reise noch nicht vorgekommen, vielleicht sind die Leute in British Columbia weniger nett als im Rest von Kanada? Es ist natürlich auch einfach Montag. Naja, wir machen uns nichts draus und schleichen weiter. Sollen sie halt zweispurige Straßen bauen, ist ja immerhin die Hauptverbindungsroute Kanadas.

    Highway durch die Rocky Mountains

    Wir hatten im Nationalpark zuletzt was über Schneeziegen gelesen und nun krakselt eine direkt neben der Straße an einer Felswand rum. Eigentlich treiben die sich in höheren Regionen herum, wo noch Schnee liegt, den benötigen sie, um sich im Sommer abzukühlen.

    Wie den Schneeziegen gefällt unserem Volvo das Wetter so mittelmäßig. Solange alles funktioniert überhitzt der Motor zwar nicht, aber ab und an scheint das Kühlwasser nicht richtig zu zirkulieren. Das Kühlwasser vorne im Kühler ist dann relativ kalt, so 76°C, aber das Kühlwasser im Motor wird dann immer wärmer. Wir vermuten, es befindet sich noch etwas Luft im System, das haben wir bisher nicht raus bekommen. Naja, bevor der Motor zu heiß wird, machen wir eine Pause und lassen das Auto abkühlen. Dieses Phänomen taucht nur ab und an auf, deswegen können wir damit leben. Eine Pause tut ja auch uns gut und der restliche Verkehr hat seine Ruhe.

    Nach der Pause geht es weiter durch die schöne Landschaft ohne sich aufregende Autofahrer und leider auch ohne weitere Schneeziegen. Wir stoppen kurz, um zu tanken. Benzin ist leider wieder teurer, aber was soll man machen. Aus Gründen vergessen wir hier einzukaufen. Das wird leider die letzte Möglichkeit für die nächsten Tage gewesen sein. Naja, wie man merkt, verhungert sind wir nicht.

    Schotterstraße und abgebranter Wald
    Die Straße führt auch durch einen abgebrannten Wald, hier keine Seltenheit

    Wir erreichen unser Ziel über eine 10 km lange Schotterstraße entlang des Arrow Lakes. Das ist ein endlos langer Stausee, über den man an mehreren Stellen mit Fähren übersetzen kann. Das steht aber erst Morgen an, heute bleiben wir an der Eagle Bay Recreation Site. Das ist wieder einer der gratis Campingplätze in British Columbia. Hier ist ordentlich was los, aber auch viel mehr Platz. Hat schon was von einem Campingplatz. Beim Fahren im Volvo kommt man bei dem Wetter ordentlich ins Schwitzen, also gehen wir erstmal baden und genießen die Aussicht auf die umliegenden Berge.

    Strand mit Bergen im Hintergrund
    Badeaussicht
    Selfie mit Chris und Bretti
    Bretti dreht schon durch vor Freude über die Aussicht
    Chris, Volvo und Campingplatz
    Unsere Parzelle

    Chris macht danach erstmal Tiramisu, aber der vegane Joghurt, den wir als Mascarponeersatz nutzen, ist scheinbar schlecht. Er schmeckt, sogar für veganen Joghurt, sonderbar. Das fällt leider erst zu spät auf und so geht das ganze in die Tonne. Sehr schade. Der vegane Käse hier ist richtig gut, aber die Ersatzprodukte für Sahne und co taugen alle nicht wirklich was. Nächstes mal dann wohl wieder Kuchen. Nach dieser Enttäuschung lassen wir den Tag am See ausklingen. Wir beobachten mehrere Seeadler beim Fischen und später fliegen ganz viele Fledermäuse dicht über das Wasser. Wir sind für die Uhrzeit schon ganz schön müde, da fällt uns auf, dass wir wieder eine Zeitzone weiter sind. Nun sind wir 9 Stunden vor Deutschland. Entsprechend gehen wir mit gutem Gewissen zeitig ins Bett.

    Heiße Quellen und lauter nette Leute

    Nach dem Frühstück geht es erstmal baden. Es ist schon kälter als Gestern, aber mit der Aussicht kein Thema. Wir haben nur 40 km Strecke vor uns und nun geht es erstmal die Schotterstraße 10 km zurück zur Fähre über den See. Während wir auf die Fähre warten, kommen wir mit einigen Leuten ins Gespräch. Unter anderem mit einer Kanadierin, die gerade deutsch lernt und sich freut, üben zu können. Wie immer sind die Gespräche einigermaßen kurz und oberflächlich.

    Oldtimer warten auf die Fähre
    Wir sind hier nicht die einzigen mit einer alten Karre

    Die Fahrt ist kurz und kostenlos. Diese Fähre ist wieder Teil des Highwaysystems von Kanada. Wir stehen ganz an der Seite und erwarten, dass alle anderen vor uns runterfahren, aber nichts da, wir fahren als zweites von der Fähre und beruhigen somit auch hier wieder den Verkehr entlang des steilen Anstiegs. Als es sich anbietet, lassen wir den angesammelten Verkehr durch und fahren die 30 km weiter. Die letzten 10 km führen uns über eine sehr schlechte Schotterstraße, die uns ordentlich durchschüttelt.

    Angekommen am Campingplatz neben den Quellen beziehen wir unseren Platz für die nächsten zwei Nächte. 20 C$ pro Fahrzeug/Zelt kostet hier ein Stellplatz, finden wir fair. Der Platzwart, ein älterer Surfertyp, kümmert sich auch um die Quellen, die Wege dahin etc. Es gäbe auch genügend umsonst Plätze in der Gegend, aber das unterstützen wir gerne.

    Volvo auf dem Campingplatz
    Unser Stellplatz

    Die Plätze liegen hier sehr schön zwischen den Bäumen. Diese spenden schön Schatten, das macht es angenehm kühl, aber dem Starlink und dem Solar gefällt das nicht so. Kurz nach der Ankunft kommen wir mit einem Kanadier ins Gespräch. Er ist auf Solotour, für zwei Monate von Toronto bis an den Pazifik. Für ihn ist es die erste Reise alleine und wir sprechen über das Für und Wider des alleine Reisens. Für Kanadier ungewöhnlich dauert das erste Gespräch schon etwas länger und wir werden ihn auch abends noch an den Quellen wiedertreffen. Er empfiehlt uns später zu den Quellen zu gehen, gerade sei alles voll mit Tagesgästen. Das klingt nach einer guten Idee und entsprechend chillen wir erstmal.

    Hängematte, Kuschekaktus und Laptop
    Büro with a view

    Chris backt noch einen Kuchen, um das ausgefallene Tiramisu zu ersetzen. Der Platzwart hatte uns noch erzählt, dass es direkt am Campingplatz schon einige Becken gibt. Wir hoffen, dass dort weniger los ist und machen uns, als der Kuchen fertig ist, auf die Suche nach dem Weg. Der “Weg” ist eine sehr steile Schlitterpartie den Hang hinunter. Immerhin gibt es ein Kletterseil. Wir sind natürlich auch wieder mit dem besten Schuhwerk unterwegs, Korklatschen (Birkenstocks, aber nicht die Originalen).

    Der Abstieg ist etwas gewöhnungsbedürftig, dafür sind die Pools hier richtig super. Es gibt mehrere in verschiedenen Temperaturen und man kann sich gefahrlos im Fluss erfrischen. So haben wir uns das gewünscht.

    Bretti während der Kletterpartie
    Bretti in den heißen Quellen

    Wir bleiben eine Weile, aber das soll nur unser Erkundungsausflug sein, entsprechend brechen wir nach 1 1/2h wieder auf. Wir wollen einen besseren Rückweg finden bzw. den Weg zu den Hauptquellen, aber am Ende krakseln wir einen noch abenteuerlicheren Weg wieder hoch. Das ist nichts, was wir nachts wiederholen wollen und wir nehmen uns vor, heute Abend erstmal dem Hauptweg zu folgen.

    Nun wird erstmal wieder entspannt.

    Chris neue Friese

    Es gibt heute Nudeln mit Pesto. Es hat keiner so richtig Lust zu kochen und Chris liebt Nudeln mit Pesto. Gegen 20:00 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg. Wenn man dem Hauptweg folgt, kommt man über viele Stufen viel einfacher runter zum Fluss.

    Treppe im Wald runter zum Fluss
    Abstieg zu den Hauptquellen

    Die Hauptquellen bestehen aus drei großen Becken. Eins ist super heiß die anderen sind eher kühler. Hier treffen wir auch den Kanadier von vorhin wieder. Wir quatschen wieder eine Weile und versuchen noch, uns an einer Stelle weiter unten am Fluss ein eigenes Becken zu bauen. Es gibt hier einige Stellen, wo heißes Wasser aus der Erde kommt, bloß das richtige Mischen mit dem kalten Flusswasser ist gar nicht so einfach. So zieht es uns dann doch wieder zu den Hauptbecken zurück. Hier kommen wir mit einigen anderen Kanadiern ins Gespräch. Die Gespräche dauern hier viel länger, vermutlich hat hier keiner einen Grund weg zu laufen. Es geht um Politik, Bildungssystem und um alles mögliche. Am Ende sind wir die letzten an den Quellen. Wir beobachten eine Weile die Sterne und machen uns dann mit Taschenlampen auf den Rückweg. Morgen werden wir versuchen, von den kleineren Pools aus den Weg zur Treppe an den Hauptpools zu finden. Die kleineren Pools hatten uns um einiges besser gefallen. Kurz vor Mitternacht sind wir wieder am Auto und fallen zufrieden ins Bett.

    Gut durchgegarter Ruhetag

    Wir schlafen schön lange aus und nach etwas Haushalt geht es wieder den abenteuerlichen Weg runter zu den kleinen Pools. Hier verbringen wir wieder einige Zeit und machen uns dann auf die Suche nach dem besseren Rückweg. So richtig findet sich dieser aber nicht und so waten wir einfach durch den Fluss und kommen so recht entspannt an den Hauptquellen an. Mit dem am Seil runterklettern und dem durch den Fluss waten ist das eine richtige kleine Abenteuertour.

    Blick Flussaufwärts
    Blick von den Pools flussaufwärts

    Zurück am Platz wird weiter fleißig entspannt. Auch wenn es blauen Himmel gibt, regnet es immer wieder ein bisschen. In der Ferne grummelt ein Gewitter. Alles gut aus haltbar.

    Hängematte wird ausgiebig genutzt
    Bretti bekommt beim Entspannen Besuch
    Scheint ganz angenehm auf dem Kissen zu sein (übrigens ein White Spotted Sawyer, ein Bockkäfer)

    Abends geht es wieder am Seil hinunter, wir haben sogar an Handschuhe gedacht. Diesmal bleiben wir an den kleineren Pools bis die Sterne rauskommen und haben eine wunderbare Zeit. Die Abwechslung aus heißen Quellen und dem kalten Flusswasser ist perfekt. Sowas hätten wir gerne zuhause. Wir fragen uns, wie lange wir hier bleiben sollten. Durch den Fluss waten im Dunkeln ist ja nicht ganz ohne und der Rückweg ist nachdem man sich hat stundenlang durch garen lassen auch recht weit. Wir beschließen heute früher am Auto zu sein, am Ende ist es 23:30 Uhr. Naja, immerhin oder so.

    Wir finden, wir haben den Ruhetag heute echt mal gut genutzt. So gut erholt beenden wir den Eintrag auch hier. Ob die Erholung anhält, lest ihr dann in Teil 2.

  • Woche 17 | Teil 2: Von Dinos und Wasserfällen

    Woche 17 | Teil 2: Von Dinos und Wasserfällen

    Ein Tag in Museen

    Wir haben gut geschlafen und frühstücken mit netter Sicht auf die Badlands. Der Begriff klingt nach riesigen Landstrichen, aber eigentlich ist es nur dieses schmale Tal mitten in der Agrarwüste. Die sieht man aber von hier unten nicht.

    Unser erster Stopp heute ist die Atlas Coal Mine. Das Tal wurde über viele Jahre vom Kohleabbau geprägt und die Atlas Coal Mine zeugt noch heute von dieser Zeit. Sie ist öfter umgezogen, die Gebäude wurden zerlegt oder am Stück im Winter auf Schlitten an den neuen Standort gebracht. Ihr endgültiges Ende kam erst 1984, obwohl uns das Aussehen mit den Gebäuden aus Holz eher an den wilden Westen erinnert. Die Qualität und Größe der Kohlebrocken war hier wohl schon immer ein Problem und irgendwann einfach nicht mehr rentabel. Wir haben ehrlich gesagt nicht viel Ahnung von Kohle, aber darüber kann man hier viel lernen, z.B. dass die Größe der aus dem Flöz gebrochenen Stücke entscheidend ist. Kleine Brocken sind gut für automatische Brennvorgänge, mittlere will eigentlich keiner haben (wir haben nicht verstanden, warum man die nicht kleiner gebrochen hat, vermutlich die Kosten). Die großen waren im Haushalt zum Kochen und Heizen gefragt und die riesigen Stücke gingen in die Kraftwerke der Industrie.

    Komplette Mine

    Wir haben eine Führung in den “Stollen” gemacht, da wussten wir noch nicht, dass nur 10 m des ursprünglichen 4 km und 2,5 km breiten Stollensystem zugänglich sind. Etwas schade, aber es kam während der aktiven Zeit schon regelmäßig zu Unfällen, das möchte man vermutlich jetzt vermeiden. Der Eintritt inklusive Führung ist mit 30 C$ schon nicht günstig, wir haben drauf verzichtet die zwei weiteren kostenpflichtigen Aktivitäten zu machen. Es lohnt sich insgesamt schon, würden wir sagen, aber für den Preis hätten wir uns noch mehr Informationen an den Ausstellungsstücken gewünscht. Vieles ist ohne Schilder dann doch nur rostendes Metall.

    Gut geschützt geht es in die 10 m Stollen
    Aussicht auf dem Rückweg vom Stollen
    Auch den Kaninchen gefällt der Maschinenpark

    Nach einer Snackpause geht es für uns weiter zum Royal Tyrrel Museum. In der Gegend wurden unzählige Dinosaurierknochen gefunden und deswegen gibt es hier auch endlose Dinosaurier bezogene Attraktionen. Vom Erlebnispark bis zum Museum ist hier alles dabei. Auch heißen die Straßen von Drummheller Tyrex Road und ähnliches. Deswegen steht hier auch die angeblich größte Dinosaurierfigur der Welt. Es ist alles durchkapitalisiert und auch das Parken bei der Figur würde Geld kosten. Entsprechend fahren wir nur dran vorbei.

    Dinofigur im Vorbeifahren

    Das Royal Tyrrel Museum beherbergt unzählige Fossilien aus der Zeit der Dinosaurier, auch wird von hier aktiv weiter ausgebuddelt und präpariert. Der Parkplatz ist ziemlich voll, aber im Museum verläuft es sich ganz gut. Hier zahlen wir 25 C$ pro Person, das ist es auf jeden Fall wert. Das Museum ist beeindruckend und toll gestaltet. Viel ist interaktiv gestaltet und die Erklärvideos sind vom Youtube Channel Kurz gesagt | in a nutshell,von dem sind wir schon seit Jahren Fans und haben auch zwei Tassen dabei.

    Unsere Tassen

    Die schöne Gestaltung hilft aber nicht darüber hinweg, dass es viel zu viele Informationen gibt. Am Ende sind wir ganz schön durch und nach 3,5 Stunden ist unsere Aufnahmekapazität aufgebraucht. Das Museum ist nach der zeitlichen Abfolge gestaltet, von der Entstehung der Erde bis zum modernen Menschen und schließt mit einem kurzen Part über den Kilmawandel und das Artensterben. Der Hauptfokus liegt natürlich auf den Dinosauriern, von denen unzählige Originale ausgestellt sind.

    Am Anfang sind die Dinos “noch eingepackt”
    Danach gibt es nur noch Knochen. Der T-Rex ist ein Original bis auf den Kopf. Der echte Kopf steht davor, denn er ist zu schwer, um ihn aufzuhängen
    Aus einem Haufen Knochen werden hier ganze Szenen
    Nach den ganzen Dinos gibt es auch etwas modernere Geschichte.

    Erschöpft und zufrieden geht es für uns nun die 150 km zurück nach Calgary. Wir stehen einfach in einem Wohngebiet nahe der Werkstatt, die morgen dann hoffentlich unser Auspuffrohr repariert.

    Autoreparaturen und Shopping

    Für mitten im Wohngebiet haben wir ganz gut geschlafen. Generell nicht unsere Lieblingsoption, man fühlt sich schon als Störenfried. Nun geht es ohne Frühstück zur Werkstatt. Diese ist direkt ums Eck und um 8:30 Uhr übergeben wir ihnen das Auspuffrohr. Der Chef meint, das ist in 45 Minuten fertig. Das halten wir für unrealistisch, aber macht ja nichts, wir haben Zeit und nun gibt es erstmal Frühstück. Am Ende sind es 4h, die wir hier verbringen und es muss mehrfach nachgearbeitet werden. Für 190 C$ (118€) aber ganz ok. Der Mechaniker ist auch wie immer top und schenkt uns aus ihren Schrottteilen noch eine neue Auspuffklemme. Sobald sich die Werkstätten auf uns einlassen, machen wir echt nur gute Erfahrungen.

    Auch mit falschem Kamerafokus ein strahlender Anblick

    Als nächstes geht es zu Decathlon. Wir kaufen uns ein Tarp, welches wir als Sonnenschutz nutzen wollen, eigentlich wollten wir auch eins von Zuhause mitgenommen haben, aber naja, irgendwas vergisst man ja immer. Zusätzlich gibt es noch Wanderstöcke, der nächsten Bergtour steht also nichts mehr im Weg. Decathlon befindet sich in einem großen Einkaufszentrum und auf dem Parkplatz sehen wir Schilder mit “Overnight parking with permit”. Das wäre ziemlich praktisch, denken wir uns und versuchen herauszufinden, wie man diesen Permit bekommt. Im Internet findet sich leider nichts aktuelles, also gehen wir zum Infoschalter. Der einzige Mitarbeiter, der die Registrierungssoftware bedienen konnte, habe gekündigt, deswegen könne man leider keine neuen Reservierungen annehmen. Am Ende ist es in Kanada eben auch nicht so anders als zuhause. Auf dem Parkplatz quatschen wir noch mit einem jüngeren Kanadier und er überlässt uns seine übrig gebliebenen frittierten Hähnchenteile und Pommes. Es scheint hier üblich zu sein, viel zu viel zu bestellen und den Rest weg zu werfen. Das ist uns schon öfter in Restaurants aufgefallen, wo regelmäßig fast volle Teller zurück gehen. Was für eine Verschwendung. Heute konnten wir das zumindest verhindern.

    Da wir hier nun doch nicht stehen bleiben können, geht es zu einem pragmatischen Parkplatz am anderen Ende der Stadt. Das heutige Tagesziel ist, uns das ölende Radlager/Portalgetriebe einmal anzuschauen und im best case abzudichten. Wir lassen also das Getriebeöl ab und bauen den unteren Teil des Portalgetriebes aus.

    Nach dem Entfernen des unteren Portalgetriebes Mitte links

    Chris war vorsichtig optimistisch, dass wir die Dichtungen ohne Ausbau der Radlager tauschen können, das stimmt aber leider nicht ganz. Die Walzenlager können drinnen bleiben, aber die zugehörigen Lagerschalen müssen raus (siehe Bild unten). Raus bekommen wir die bestimmt, aber ob wir die auch wieder reinbekommen, ist ‘ne andere Frage. Die Lager und Schalen sehen soweit auch noch gut aus, entsprechend wollen wir die nicht pauschal tauschen.

    Neue Lagerschale in der Hand, Walzenlager auf dem Tisch. Das Walzenlager dreht sich in der Lagerschale
    Reparaturchaos

    Auch die Dichtringe sehen quasi neuwertig aus, warum das ölt wissen wir nicht. Wir werden bei Zeiten Werkzeug fürs wieder Eindrücken der Lagerschalen besorgen und dann die Dichtringe tauschen. Vorerst machen wir alles sauber, fetten die Lager neu und bauen alles zusammen.

    Zusammengebautes Radlager

    Nun geht es ans Einstellen des Lagers. Oben auf dem Bild fehlt noch die zentrale Mutter, diese ist größer als unser größtes Werkzeug, also größer als Schlüsselweite 34. Sie muss nun so fest gedreht werden, dass das Lager sich mit einem Reibwert von 8 kg dreht. Zum Einstellen haben wir uns einiges durchgelesen und auch die Kofferwaage gekauft, aber so richtig überzeugt sind wir vom Prozess nicht. Der Reibwert ist die Kraft bzw. das Gewicht, welches es braucht, um das Lager zu drehen. Generell muss diese Mutter so fest gedreht werden, dass alles ausreichend zusammen gedrückt ist, sonst halten die Dichtungen nicht dicht. Zieht man die Mutter zu fest, reiben die Lager zu stark, werden heiß und gehen kaputt. Wir folgen beim Zusammenbau und Einstellen einer Anleitung aus dem Volvo-Forum, wir müssen da aber nochmal was besseres finden. Mit der Kofferwaage zum Reibwert ermitteln ist das mehr Voodoo als alles andere.

    Ziehen und Waage ablesen, gar nicht so leicht

    Insgesamt haben wir das Lager etwas fester gedreht, in der Hoffnung, dass das schon reicht, um es dicht zu bekommen. Hier wird es sicher noch eine Fortsetzung geben. Wir füllen das Getriebeöl wieder auf, entlüften die Bremsen und dann geht es ab unter die Dusche. Wir haben uns beide ordentlich eingesaut.

    Zum Abschluss des Tages gibt es Reste. Die Hähnchenteile und gebratenen Reis, dazu schauen wir Serie.

    Auf in die Rocky Mountains

    Nach dem ganzen Werkstatt- und Paketstress soll es nun endlich mit Urlaub weitergehen. Das Ziel ist der Banff National Park. Vorher wechseln wir noch das Öl im Verteilergetriebe, darin finden sich keine weiteren Metallteile. Also sollte der Metallstaub normal sein (am Besten nicht mehr werden) und solange keine größeren Metallspäne auftauchen passt das soweit. Zumindest nach Aussage der Werkstatt in Rivière-du-Loup, Québec. Wir holen noch fix ein Amazonpaket für Bretti ab, darin sind Ohrringe, damit sie endlich die Stecker austauschen kann. Der Paketversand lief problemlos, in Kanada dauert das bloß etwas länger als zuhause, ca. eine Woche.

    In Calgary ist momentan das größte Rodeo Kanadas, das Stampede. Wir sind ein bisschen hin und her gerissen, ob das so etwas ist, das man mal erlebt haben sollte, aber eigentlich ist es nicht unser Ding. Wir fragen uns zu sehr, wie es den Bullen und Pferden dabei geht. Überall in der Stadt sieht man Anzeichen des Events. So sehen wir ein “Postkutschen Auto” siehe Video:

    Nun geht es noch zu Canadian Tire, Autoteile und Bärenspray kaufen. Bärenspray wollten wir eigentlich auch schon vorher kaufen, sinnig, wenn man schon Bären gesehen hat, aber irgendwie hat sich das nicht ergeben. Da es in den Rockies auch Grizzlys gibt, schien es uns nun doch dringlicher. Better save than sorry und so. Nun geht es noch Vorräte kaufen, denn in den Rockies gibt es weniger große Supermärkte. Dann geht es endlich raus aus der Stadt. Es sind ca. 100 km bis nach Banff und der Highway führt uns jetzt richtig in die Berge.

    Highway 1 Richtung Banff

    Das Visitor Center ist mitten im Ort Banff. Alles ist super eng und voller Touries, aber der Volvo ist ja klein und handlich. Vielleicht ist hier auch parken für Womos verboten. Da der Volvo als Sightseeing Highlight für die Unmengen an Touries herhält, ignorieren wir das mal, außerdem haben wir das Schild erst gesehen als wir schon eingeparkt hatten und wir haben ja eh eher Pickup-Länge und nicht 10 m wie die Wohnmobile hier im Schnitt. Im Gegensatz zu den anderen Visitor Centern gibt es hier keine Ausstellung oder ähnliches. Immerhin bekommen wir eine Wanderkarte für Tagestouren. Wie die Stadt ist der ganze Nationalpark völlig überfüllt. Immerhin gibt es eine Auslastungsanzeige auf deren Webseite. Diese verrät uns auch, dass der Johnston Canyon abends weniger besucht ist. Da geht es nun noch hin. Wir folgen dem Parkway, der ist aber im Gegensatz zum Highway eher unspektakulär, man sieht quasi nur Bäume.

    Absolut unauffällig geparkt in Banff
    Manchmal zeigen sich auch die Berge zwischen den Bäumen

    Angekommen am Parkplatz ist es zum Glück wirklich nicht sehr voll. Wir folgen dem Wanderweg entlang des Flusses, an den Highlights und den Engstellen bemerkt man dann schon die vielen Touries, aber es hält sich in Grenzen. Je weiter wir dem Weg folgen, desto weniger Leute sind unterwegs. Wenn man hier außerhalb der Hauptzeiten unterwegs ist, kann man die kleine Wanderung auf jeden Fall empfehlen.

    Der erste Wasserfall inklusive Touries
    Einer der mehr als sieben Wasserfälle
    Dumme Selfies müssen sein
    Der Fluss schlängelt sich durch den tief ausgeschnittenen Canyon
    Der Weg ist hier aufwendig in die Hänge gebaut.
    Der letzte Wasserfall für heute

    Zurück am Auto sehen wir, dass Motoröl von unserem Dachträger läuft. In einer der Dachboxen stecken unsere Ersatzteile und eben auch das Motoröl. So richtig finden wir nicht, was genau ausläuft, stellen aber alle Flaschen gerade hin. Eine der neu gekauften Ölfalschen ist nicht mehr versiegelt, vielleicht war die das Problem. Zusätzlich zum Öl vom Dach ölt der Motor auch fleißig. Hier haben wir den Ventildeckel in Verdacht, da müssen wir uns auch noch was einfallen lassen. Wir hatten uns einen Übernachtungsplatz direkt “hinter” dem Nationalpark gesucht, im Park ist übernachten verboten. Leider ist dieser Platz genau vor der Grenze also noch innerhalb des Parks, entsprechend übernachten wir hier nicht. Es hätte auch nichts gebracht, wenn er hinter der Parkgrenze wäre, da beginnt direkt der Kootenay Nationalpark. Hier reiht sich Park an Park, was das Übernachten schwierig macht. Wir entscheiden uns, auf einem Highway Rastplatz zu übernachten. Der Highway zählt praktischerweise nicht zum Nationalpark, auch wenn er direkt hindurch führt. Es ist nicht gerade leise, aber die Aussicht ist schon nicht schlecht. Zusätzlich sehen die Berge in der untergehenden Sonne richtig spektakulär aus.

    Fahrt zum Rastplatz
    Nette Aussicht vom Highway Rastplatz

    Nichts klappt, aber dafür gibt es Wasserfälle

    Wir haben ziemlich gut geschlafen. Nach dem obligatorischen Frühstück schrauben wir etwas am Auto. Bretti schraubt die Holzleisten rund ums Auto fest und Chris baut eine Ölfalle an den Motor, um zu schauen, ob das Öl wirklich von oben kommt.

    Die Dose wird nach der Fahrt eindeutig mit Öl gefüllt sein.

    Wir folgen dem Bowriver durch den Banff Nationalpark. Vom Highway hat man einen beeindruckenden Blick auf die Berge. Hier geht auch ordentlich Wind und so sehen wir eine Windhose auf dem Fluss. Sehr spektakulär, wann ist noch mal Tornado Saison?

    Wir wollen eigentlich eine Wanderung machen, aber der Parkplatz ist voll und viele Autos stehen verbotenerweise schon an der Straße. Wir wollen uns da nicht einreihen, entscheiden uns also, hier nicht zu wandern. Bretti hatte schon vorher den Lake Louise rausgesucht. Hier kommt man nur mit Shuttlebus hin. Da es noch Plätze gibt, wollen wir eben das machen. Wir fahren schon mal los und Bretti versucht die Plätze zu buchen. Es waren noch einige Plätze frei, aber 5 Minuten später sind die alle weg. Dann machen wir das eben auch nicht. Generell ist der Park in der Hauptsaison viel zu voll und am Wochenende ist es noch schlimmer. Wir entscheiden uns, weiter zu fahren und den Park nochmal zu besuchen, wenn wir in Calgary unsere Pakete eingesammelt haben. Dann unter der Woche.

    Da hier Park an Park grenzt, fahren wir weiter in den Yoho Nationalpark und zwar zum Takkakaw Fall, einem beeindruckenden Wasserfall. Die Straße dahin schlängelt sich durch ein enges Tal, wo wir als mobile Verkehrsberuhigung wieder unsere Arbeit machen. Auch hier ist es sehr voll, aber wir bekommen einen Parkplatz. Der kurze Wanderweg führt am Fluss entlang und dann zum Wasserfall. Überraschenderweise verlaufen sich die Touries hier ganz gut. Der Wasserfall ist sehr spektakulär. Von weitem noch mehr als von näher dran, da kann man sich die Touristenmassen vermutlich sparen. Die Gegend am Parkplatz und Fluss ist ganz schön und wir machen hier eine Snackpause mit den Füßen im kalten Gletscherfluss.

    Die beruhigte Bergstraße zum Wasserfall
    Falls aus etwas Entfernung
    Takkakaw Falls in Aktion
    Chris während der Pause am Limotrinken im Fluss

    Nach der Pause geht es die enge Straße zurück und auch hier wird fleißig der Verkehrsfluss beruhigt. Wir Stoppen kurz zum Wasserauffüllen und Ewok Chris “putzt” nebenbei das Auto.

    Ewok Chris
    Ewok Chris mit Stock gegen den Dreck

    Unser heutiges Ziel ist eine Recreation Site. Das sind simple Campingflächen, die von der Provinz British Columbia, in der wir mittlerweile angekommen sind, bereit gestellt werden. Nach dem Andrang im Park haben wir Sorge, hier keinen Platz zu bekommen, aber beide mögliche Flächen sind frei. In der “Nähe” gäbe es auch weitere Sites. Viele der Sites sind gratis und verfügen über Feuerstellen, Bänke und Plumpsklos. Mehr braucht es nicht für einen Platz in der Natur. Grundsätzlich hatten wir ein gutes Timing, im Laufe des Abends fahren noch fünf Autos vorbei, vermutlich suchen sie einen Übernachtungsplatz.

    Der Platz hat eine beeindruckende Aussicht auf die Berge und den Kicking Horse River (bester Name) mit den Wapta Falls in der Ferne. Auch wenn der Wasserfall sehr weit weg ist, durch seine Größe hört man das Dröhnen der Wassermassen sehr doll. Wir sind richtig happy mit unserem ersten Platz in BC (British Columbia). Wir versuchen noch den Motor etwas abzudichten und es wird noch gekocht. Dann lassen wir den durchwachsenen Tag mit dieser beeindruckenden Aussicht ausklingen.

    Bierchen mit Aussicht
    Gemüsetarte mit Aussicht

    Als wir ins Bett gehen, ist es schon dunkel (mittlerweile sind wir 9 Stunden vor Deutschland) und uns fällt auf, dass die Kappe vom Bärenspray im Dunkeln leuchtet, ziemlich schlau.

    Wir wollen die nächsten Tage die Südost-Ecke von BC erkunden. Wandern, Boot fahren und eine heiße Quelle stehen auf dem Plan. Hoffentlich wissen wir dann bald, wann unsere Ersatzteile in Calgary ankommen und wann es weiter in den Norden gehen kann. Wie das läuft, lest ihr dann nächste Woche.