Woche 19 | Teil 2: Auf nach Norden und in den Matsch | 15.704 km*

Foto: Schild des Kilometer 0 des Alaska Highways

*Info: Die Kilometerzahl im Titel zeigt die bisher auf unserer Reise gefahrenen Kilometer.

Von Flüssen und Wandern

Wir frühstücken direkt am Fluss und “baden” dann im flachen Uferbereich des Flusses. Uns ist bewusst, wie gefährlich Strömungen in Flüssen sind und gehen deswegen nie weiter als bis zu den Knien hinein. Hier hat der Fluss auch sichtlich eine starke Strömung. Allerdings ist es ziemlich warm und etwas Abkühlung muss da sein. Da wir schon mal nass sind wird direkt noch geduscht.

Chris rangiert etwas hin und her, vielleicht ragt auch der ein oder andere Ast in die Fahrerkabine, aber dann geht es eigentlich ganz gut raus aus der Parklücke. Es geht den etwas offroadigen Waldweg zurück zum Highway, wo wir noch an einer natürlichen Quelle stoppen. Der Schlauch, aus dem das Wasser kommt, ist so lang, dass wir versuchen ihn direkt in den Tank zu halten. Da man den nicht abstellen kann, fluten wir dabei ein bisschen das Auto.

Volvo an der Quelle

Immerhin ist der Tank bei dem Wasserdruck schnell voll. Wir fahren die paar Kilometer nach Hinton, kaufen ein und tanken. Da die Preise hier recht hoch sind, füllen wir nicht alle Kanister auf, in der Hoffnung, dass die Preise wieder sinken. (Seit dem Zeitpunkt sind die Preise um gut 40 Cent gestiegen…)

Wir fahren zum William A. Switzer Provincial Park, hier haben wir uns eine kleine Wanderung rausgesucht. Es geht vorbei an einem alten Friedhof durch eine buschige Wiesenlandschaft bis zu einem Flugzeugwrack. Es gibt hier unzählige Blumen und entsprechend viele Insekten. Irgendwie hören wir keine Vögel, vielleicht ist es denen auch zu warm. Uns ist auf jeden Fall sehr warm und es gibt kaum Schatten, geschweige denn Wind. Vielleicht steckt uns das Rafting mehr in den Knochen als erwartet, aber wir sind ganz schön platt, als wir nach ca. 3,5 km am Flugzeug ankommen. Für das Flugzeug oder den Friedhof würden wir die Wanderung nicht empfehlen, das lohnt jetzt nicht so, aber die ganzen Blumen sind schon sehr schön. Vielleicht eher was für den frühen Abend.

Wanderweg durch die Blumenlandschaft
Der überwucherte Friedhof
Das abgestürzte Flugzeug von innen
Bretti und das Flugzeugwrack
Blumen Kollage
Oben: Echter Pastinak (vermutlich), unten: Schafgarbe
Schmetterlinge auf Blumen Kollage
Police Car Moths bei der Paarung (oben) oder am snacken auf einem Hahnenfuß (unten)
Links: Glaucous larkspur (Delphinium glaucum), rechts: evtl. Alpen-Süßklee (Hedysarum alpinum)
Oben: Castilleja/Paintrbrush, mitte links: Weißer Storchschnabel, rechts: Feuer-Lilie/Wood-Lily, unten links: Klee, rechts: Berufskraut/Erigeron

Zurück am Auto sind wir ordentlich platt. Dafür haben Brettis neue Schuhe ganze Arbeit geleistet, die nächsten Wanderungen können kommen. Da wir nur 16 km vom letzten Übernachtungsplatz entfernt sind, überlegen wir, kurz zurück zu fahren, entscheiden uns dann aber dafür, 16 km weiter zu einem anderen Platz an einem anderen Fluss zu fahren.

Der Platz ist auch sehr schön und etwas durch den Matsch und über Bäume fahren konnten wir hier auch. Es ist noch recht früh, aber da wir ordentlich platt sind, ist das schon ok. Wir entspannen uns erstmal mit einem Bierchen am Fluss und kühlen uns mit den Füßen im Wasser ab. Danach passiert auch nicht mehr viel, Chris macht ein spätes Mittagsschläfchen und dann wird gekocht. Es werden noch die Bilder der letzten Tage gesichtet, z.B. 4.500 Bilder von der Zeitrafferaufnahme während des Raftings und dann geht es ins Bett.

Den halben Wald haben wir am Reifen kleben
Stellplatz direkt am Fluss
Bretti sitzt barfuß auf einem Stein im FLuss mit einer Brotdose in der Hand
Snackpause im Fluss

Kanadische Freizeitaktivitäten bei Grande Prairie

Heute steht ein längerer Fahrtag an. Wir erfrischen uns noch kurz im Fluss und dann geht es los Richtung Norden. Während Chris einen Platz zum Anhalten sucht, er hat sein Spaßgetränk hinten vergessen, sehen wir einen Kojoten am Straßenrand. Wir fahren ein Stück weiter und halten dann. Nachdem Chris sein Getränk geholt hat, sehen wir, dass der Kojote in unsere Richtung läuft. Wir sind etwas besorgt, dass der Kojote zu Autos (also uns) läuft und nach Essen sucht, aber er scheint kleinere Tiere im hohen Gras zu jagen und biegt kurz vor uns in den Wald ab.

Coyote im hohen Gras

Auch wenn das Foto recht nah wirkt, ist der Kojote immer noch 50 m oder so weit weg. Das ist mit einem 600 mm Teleobjektiv plus digitalem nachträglichen Zoom erstellt worden.

Nach dieser kleinen Fotopause geht es weiter zu den Sulphur Gates. Hier hat der Smoky River eine wasserundurchlässige Schicht durchbrochen und so dieses beeindruckende Felstor geschaffen. Das kann man sich schon mal anschauen.

Flusstal des Smokey Rivers mit Flesen
Smocky River mit seiner milchigen Farbe
Der Smokey River trifft den Sulphur River. Man sieht wie sich das milchige und das klare Wasser mischen
Der Windanzeige-Bart ist auch wieder aktiv

Wir fahren weitere 200 km bis kurz vor Grande Prairie zu einem Fluss. Hier wollen wir eigentlich direkt am breiten Flussufer stehen, aber die Zufahrt ist absolut schlammig. Es steht auch ein Pickup herum, der sieht so aus, als ob er aus der “Pfütze” gezogen worden ist und jetzt nicht mehr fährt. Wir trauen uns das nicht zu und fahren auf die andere Flussseite. Das war auch die richtige Entscheidung, wir sehen vom gegenüberliegenden Ufer nur ein paar Quads und Motorräder, die zum Ufer runter fahren. Die Einheimischen gehen alle zu Fuß.

Volvo am Fluss mit Brücke im Hintergrund
Trotzdem ganz netter Stellplatz

Unser Stellplatz liegt direkt an der lokalen Offroadstrecke und so herrscht hier einiges an Betrieb. Wir hatten uns nicht durch die Schlammlöcher getraut, aber morgen vielleicht?

schlammige Offraodstrecke im Wald
Die Strecke überlassen wir erstmal den Einheimischen

Hier kommen einige Motorräder, Quads, Jeeps und Pickups vorbei. Es angeln einige und es kommt auch das ein oder andere Sportboot vorbei. Allerdings hören wir irgendwann ein sehr lautes Motorengeräusch aus der Ferne näher kommen. Ein Rennboot kommt mit röhrendem Motor den Fluss entlang. Wendet und dröhnt wieder zurück. Das wird sich heute noch ein paar mal wiederholen.

Spannende Freizeitaktivitäten haben die Kanadier, aber warum nicht.

Generell ist es kurz laut, wenn ein Fahrzeug vorbei fährt, dann wird es aber bald wieder leise. Gegen 22:30 Uhr kommt eine ganze Truppe mit Quads, Jeeps und Pickups vorbei. Allerdings wird es diesmal nicht nach kurzer Zeit leiser, also gehen wir mal gucken.

Ein paar Fahrzeuge haben sich festgefahren und es wird versucht, diese zu befreien. Beim Zuschauen kommen wir mit den Leuten ins Gespräch, es sind überwiegend jüngere Leute aus der Gegend. Wir sprechen wieder über alles mögliche bis alle Fahrzeuge befreit sind. Einige ziehen dann die Strecke weiter durch, andere drehen um. Am Ende springt der letzte der Truppe noch auf die Ladefläche eines Pickups und fährt so mit nach Hause. Sehr klischeehaft, aber auch schon cool. Wir gehen zurück in den Volvo und gucken unsere Serie weiter. Später hält noch ein Jeep mit einem leicht angeheiterten Pärchen neben uns und quatscht uns an. Sie haben beide eine ordentliche Fahne, sonst ist das Gespräch aber sehr nett, auch wenn wir viele Fragen zum Auto nicht beantworten können, wie z.B. die Getriebeübersetzung der Portalachsen ist. Naja. Sie punkten außerdem mit ihrem sehr süßen Beaglemix, der uns anschlabbert. Nach einer Weile ziehen auch sie weiter und wir können langsam mal ins Bett.

Es ist uns schon öfter aufgefallen, dass das Verhältnis zu Alkohol im Straßenverkehr hier anders gehandhabt wird. Die Gesetzeslage ist dabei ähnlich wie in Deutschland, es halten sich bloß noch weniger Leute daran. Es wundert uns nicht, dass es eine der häufigsten Todesursachen ist, sich mit einem motorisierten Fahrzeug unter Alkoholeinfluss um einen Baum zu wickeln…

Nun wollen wir auch

Wir haben uns gestern schon vorgenommen, die Offroadstrecke auch zu versuchen. Die meisten meinten, das sollte schon passen. Wenn die Jeeps und Pickups da durch kommen, sollte unser 6×6 das auch packen, denken wir. Vorher wird aber versucht, auszuschlafen. Nicht so einfach, denn ab 6:00 Uhr rollen die LKWs der nahen Papierfabrik über die Brücke und Chris hatte einen Albtraum. Er musste einen Test über die Witcher Buchreihe schreiben und wusste nichts. Schlimm. Wieder einschlafen klappt entsprechend nicht. Um 7:30 Uhr kommt das Rennboot wieder vorbei. Bretti juckt der ganze Lärm wie immer null. Sie rollt sich kurz auf die andere Seite und schläft weiter.

Als gegen 9:00 Uhr dann ganz viele Rennboote hinter einander vorbei brettern, scheint uns das doch etwas unwahrscheinlich für ein Hobby zu sein. Es stellt sich heraus, heute ist hier ein Speedboot-Event und um 9:00 Uhr ging das erste von mehreren Rennen los. Gut, dass wir hier nicht länger bleiben wollen, das ist sogar für den motorenbegeisterten Chris zu viel Krach.

Wir packen alles zusammen und bereiten uns auf die Offroadstrecke vor. Bretti filmt das erste Hindernis noch von außen, dann steigt sie mit ein. Es ist für uns sehr aufregend, aber wie man uns ansieht haben wir auch ordentlich Spaß.

Mit Schlamm bespritzer Volvo
Ist etwas dreckig geworden
Dreckiger Chris der sich freut
Chris ist auch dreckig geworden und er freut sich
Auch unten ist alles etwas schlammig geworden
Der Auspuff hat eine neue Schutzbeschichtung bekommen

Es gab auch ein paar Learnings: Fenster vor der Schlammpfütze zu machen und lieber nur durch Dinge fahren, wo kein Wasser steht. Das eine Loch war doch ganz schön tief. Eigentlich sollte man eh durch alles vorher durch laufen, aber naja.

Am Ende der Strecke fahren wir kurz über das Kiesbett am Ufer des Flusses und dann nochmal zurück. Diesmal ohne das tiefe Schlammloch vom Hinweg. Kurz vor der Teerstraße treffen wir noch auf das, mittlerweile hoffentlich nüchternere Pärchen von Gestern. Kurzer Schnack und dann wünschen sie uns eine schöne Reise. In der Stadt füllen wir wieder unsere Vorräte auf und checken auch einen weiteren Baumarkt aus. Hier kaufen wir Dinge für eine neue Feuerlöscherhalterung, die originale ist leider schon eine Weile kaputt. Es ist schon Mittag und nun geht es endlich weiter Richtung Norden.

Auf dem Highway kommt uns ein Pickup mit einem Getreidesilo auf dem Hänger entgegen. Man transportiert hier alles mit Pickups.

Silo wird auf Autoanhänger transportiert
Screenshot von unserer Dashcam

Wir erreichen irgendwann Dawson Creek und Kilometer 0 des Alaska Highways.

Chris vor dem Alaska Highway Schild, redet mit anderen Reisenden über den Volvo
Chris redet mit anderen Reisenden
Alaska Highway Mile 0 Schild
Standardfoto für alle Reisenden

Es zeigt sich noch ein Kojote am Straßenrand, aber sonst ist die Fahrt heute eintönig und langweilig. Es ist flach und geht meistens einfach gerade aus. Das ganze macht uns recht müde und die eine Stunde Zeitverschiebung nach vorne hilft da auch nicht. Wir sind froh als wir entspannt an der Recreation Site am Inga Lake ankommen. Unser Platz ist schön direkt am See gelegen, leider ist der See nicht so einladend. Man kann ja aber nicht alles haben. Hier sind wieder Leute, die meinen, ein Generator gehöre zu einem entspannten Wochenende in der Natur dazu. Diese befinden sich zum Glück aber am anderen Ende des recht großen Geländes.

volvo auf recreation site campingplatz
Stellplatz für uns wie immer völlig überdimensioniert
Eichhörnchen steht vor Blumenwiese
Es gab zu lange keine Eichhörnchenbilder

Wir sprechen mit einigen Leuten. Unter anderem einem Pärchen, welches für mehrere Monate Bäume in der Forstwirtschaft in Alberta gepflanzt hat und nun mit dem verdienten Geld einen Roadtrip macht. Das ist hier scheinbar ein klassischer Sommer-Job. Ein anderer hält mit seinem Pickup, der ein großes Dieselfass geladen hat und wir sprechen über das Reisen und den Norden Kanadas. In ein paar Wochen will er selber los und wir tauschen Nummern aus, vielleicht trifft man sich ja wieder. Er gibt uns auch einiges an Infomaterial über den Alaska Highway. Wo Werkstätten, Restaurants, Campingplätze und co sind. Generell sind die wenigen Geschäfte, die es hier im Norden gibt, scheinbar gut organisiert und geben zusammen Infomaterial und Karten raus. Sehr praktisch. Bevor er geht, fragt er noch, ob der Volvo ein Diesel wäre, wir verneinen. Schade, denn er hätte uns alle Tanks und Kanister gratis aufgefüllt. Wäre bei den Benzin- und Dieselpreisen hier ein Träumchen gewesen.

Als alle abgezogen sind, schraubt Chris am Volvo und Bretti backt einen Brownie. Bei dem ganzen Schlamm, der immer noch am Auto klebt, war sie irgendwie gar nicht so motiviert die Schrauberaufgabe zu übernehmen, komisch. (Und Chris war eh schon dreckig.) Es gibt hier viele Mücken und es ist recht kühl, für Morgen sind nur 11°C angesagt😱, entsprechend verziehen wir uns zeitig ins Auto und haben noch einen entspannten Abend.

Ein regnerischer Tag entlang des Alaska Highways

Der heutige Tag startet mit Regen und so verwandelt sich die Schotterpiste in eine Schlammstrecke. Die LKWs sorgen für eine gute Durchwühlung. Für den Volvo ist das alles kein Thema, wie die Pickup-Leute ihre riesen Wohnwagen vom Platz bekommen wollen, ist eine andere Frage. Naja..

Matsch am Volvo
Etwas dreckig geworden

Wir tanken in Wonowon für 2,24C$ (1,39 €). Für Deutschland wäre das günstig, hier ist das schon ganz schön happig. Normal wäre hier so 1,70C$. Während wir tanken “tropfen” faustgroße Schlammbrocken vom Auto. Dann geht es weiter Kilometer abreißen. Während der Fahrt bemerken wir eine Hummel oder Biene, die an unserem USB-Ladekabeln hängt. Sie ist wohl irgendwann durchs offene Fenster gestürzt. Wir wollten eh gerade Pause machen, also halten wir an. Sie will unser USB-Kabel erst gar nicht los lassen. Hoffentlich ist sie nicht zu weit von zuhause weg und berappelt sich. Im Zweifelsfall ist sie ein einfacher Snack für einen Vogel. Da machste nichts.

Wir fahren durch endlose Wälder, mal in der Sonne, mal durch dichten Nebel. Ein Elch läuft vor uns über die Straße, bleibt kurz stehen und verschwindet dann wieder in den endlosen Wäldern.

Der Wald wechselt hier zwischen lebendig und verbrannt. Die verkohlten Flächen reichen oft bis zum Horizont. Es ist kaum vorstellbar, was für ein Inferno hier gewütet haben muss.

Viel Straße, viel Wald und wenig los
“Nebel, Nebel überall…”, kennt noch wer dieses Kinderlied?

Vor Fort Nelson stellen wir uns an den Muskwa River, der momentan nicht sein ganzes Flussbett in Anspruch nimmt, so dass wir hier einen entspannten Übernachtungsplatz finden.

Ein riesiges Flussbett für so “wenig” Fluss

Wir machen einen kleinen Spaziergang. So hoch wie die Bäume hier sind, scheint es hier in der Regel trocken zu bleiben. Während wir zurück zum Auto gehen, grüßt ein vorbeifahrender Pickup-Camper mit “Guten Abend”. Zurück am Volvo sehen wir, dass er wieder viel Öl verliert und starten einen neuen Abdicht-Versuch, immer noch der Ventildeckel. Wir beenden diese Woche mit kochen, Blog schreiben und Videoschnitt. Wie unser Weg weiter in den Norden verläuft, lest ihr dann nächste Woche.

Das Bild ist schon Mittwoch entstanden, wollen wir euch aber nicht vorenthalten.

Comments

2 responses to “Woche 19 | Teil 2: Auf nach Norden und in den Matsch | 15.704 km*”

  1. Martin Avatar
    Martin

    elf grad immernoch? wir müssen zusehen das der Golfstrom Weiter läuft. Ich habe im Pool gelegen und sonnenbrand XD

    1. Chris und Bretti 🌬️ Avatar
      Chris und Bretti 🌬️

      Das war zum Glück nur eine Ausnahme, momentan haben wir eigentlich top Temperaturen zwischen 20-23°C und wenig Regen. Nur nachts wird es doch schon recht kühl.

      Wir schicken ein bisschen was von der Kühle rüber, durch die Zeitverschiebung müsste sich das ja gut ergänzen. 😁

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