Triggerwarnung: Auf dem vierten Foto sind viele Krabbeltiere bzw. Zecken zu sehen.
Frühstück in der Prärie
Der Tag startet wie der letzte aufgehört hat, wir frühstücken mitten in der Wiese, diesmal aber im Schatten unseres Autos. Die Sonne hat schon morgens richtig Kraft. Wir sind jetzt ca. auf der Höhe von Stuttgart. Neben der Sonne ziehen hier auch wieder Regenwolken durch.

Nach dem Frühstück geht es den Lehrpfad entlang. Es gibt weniger zu lernen als erhofft, insgesamt gibt es ca. 5 Schilder mit wenig Text. Trotzdem nett als kleiner Spaziergang. Der Weg ist schnell maximal überwuchert und ist nur noch daran zu erkennen, dass außen rum das Gras noch höher ist.


Wir sind Mücken und Zecken ja schon gewohnt, entsprechend stecken die Hosenbeine in den Socken. Auch wenn wir zurück am Auto viele Zecken von unseren Klamotten entfernen, werden wir die nächsten Tage immer wieder welche auf uns rumkrabbeln sehen. In den Falten der Hosen haben sich unzählige Zecken versteckt, die auf ihre Chance warten.

Diese 8 Zecken sind erst der Anfang, auf Chris Hose befinden sich mindestens noch 40 andere. Bei Bretti sieht es ähnlich aus. Insgesamt kommen wir in den folgenden Tagen aber auf nur drei wirkliche Zeckenbisse, die wir bemerkt haben.
Nach diesem spaßigen Spaziergang will Chris die Schläuche am Benzinfilter nachziehen. Dabei bricht der Filter direkt auseinander. Vermutlich war der eh nicht mehr richtig dicht, nun wird er getauscht.
Auf in andere endlose Weiten
Nach einem weiteren schwierigen Autostart, geht es weiter nach Saskatchewan. Das Auto läuft aber erstmal ganz gut, später wird es bergauf wieder Probleme machen.
Am Straßenrand sehen wir nicht nur unzählige Pumpen, sondern auch einen Kojoten. Die Pumpen gab es schon in Manitoba und wir dachten, die seien für Grundwasser. Bald sehen wir eine Gasfackel neben einigen Pumpen. Das bedeutet, die Pumpen fördern kein Wasser sondern Öl. Eine kurze Recherche bestätigt, jep, hier wird aus vielen kleinen Brunnen Öl gefördert. Mitten zwischen den Feldern hat das eine komische Atmosphäre.

Generell fahren wir immer noch durch endlose Kulturlandschaft, aber die Flächen in Saskatchewan sind viel größer und die “Bauernhöfe” sind eher Industrieanlagen ohne Wohnhäuser. Zu den Industrieanlagen gehören sogar Agrarflugzeuge.

Die Straßen ziehen sich endlos geradeaus und zwischen den Feldern sind immer wieder Koppeln mit Bisons, Pferden und Rindern. Nach 100 km geradeaus kommen sogar zwei Kurven direkt hintereinander, ein echtes Highlight. Neben domestizierten Tieren sehen wir auch Rehe mit sehr langen Ohren. Zitat Chris: “Die Ohren sind länger als der Kopf, also ist es ein großer Hase”.
Auf den kleineren Straßen rennen immer wieder Erdhörnchen über die Straße. Die sind schon sehr süß, aber ohne rechten Überlebensinstinkt ist das auch sehr stressig. Nachdem wir einige Kilometer über staubige Pisten gefahren sind, fällt uns ein, dass wir das Heckfenster nicht vollständig verschlossen haben. Immerhin ist der Staub vor dem Mückennetz geblieben. Unser heutiger Übernachtungsplatz sollte der Castle Butte werden, leider ist hier campen verboten, alles ist hier privates Land.

Da das Auto kurz vor Ankunft mehr Probleme gemacht hat, sind wir leider nicht wirklich entspannt genug, um hier mehr Zeit zu verbringen. Wir besprechen, wo wir in der Nähe für die Nacht stehen bleiben können, aber so richtig bietet sich nichts an. Wir entscheiden uns, an der Dirtroad stehen zu bleiben, aber nah an der Teerstraße. Soll uns keiner vorwerfen, dass wir hier heimlich campen. Bretti macht uns noch eine Kleinigkeit zu essen und Chris tauscht den anderen Benzinfilter. Die Probleme sind ja erst seit dem Filtertausch da. So richtig an Besserung glauben wir aber nicht.

Nachdem wir gegessen haben, hält ein Auto neben uns und ein älterer Herr steigt aus. Der ist sichtlich schlecht gelaunt und will uns nicht hier haben. Nachdem wir ihm die Situation erklärt haben, willigt er ein, dass wir hier bleiben können. Gut findet er das aber nicht, betont er immer wieder bis er davon fährt. Nach dieser freundlichen Einladung, hier zu bleiben, versuchen wir noch bis in den nächsten Ort zu kommen.
Das Auto springt widerwillig an, läuft dann aber ganz gut. Wir fahren in der Dämmerung die 20 km in den nächsten Ort und stehen dort vor einer Curlinghalle. Wir werden Morgen erstmal das Ventilspiel einstellen, das ist eigentlich schon seit 1.500 km dran und ist eine Routinewartung. Wir glauben auch hier nicht wirklich an eine Besserung, aber da die Wartung eh ansteht, gehen wir das an. Nach Google kann das zu Startproblemen und Leistungsverlust führen, klingt schon nach unseren Problemen. Grundsätzlich hat jeder Zylinder des Motors ein Einlassventil (für das Benzin-Luft-Gemisch) und ein Auslassventil (für die Abgase). Wenn diese nicht mehr richtig schließen, drückt nicht mehr die ganze Energie der Explosion den Zylinder runter, sondern ein Teil geht verloren. Mehr dazu dann aber Morgen.
Wartung und netter Mechaniker in Bengough
Nach dem stressigen Abend haben wir gut geschlafen und sehr gut gefrühstückt. Soweit gestärkt machen wir uns ans Ventilspiel einstellen. Zuerst kommen die Zündkerzen raus, beim Einstellen muss man die Kurbelwelle drehen und das geht nur, wenn der Motor keinen Gegendruck(Kompression) hat. An den Zündkerzen sieht man auch, ob die Verbrennung sauber abläuft, also das Gemisch aus Benzin und Luft so ist, dass es sauber verbrennt. Diese sehen immerhin gut aus. Bisschen mehr Benzin im Gemisch wäre noch gut, aber dafür muss der Auspuff erstmal wieder dicht sein, dieser hat nämlich einen Riss… Warum der Auspuff dicht sein muss, damit die Benzinmenge richtig ist, ersparen wir euch für den Moment. Verbrennermotoren sind auf jeden Fall physikalische Wunderwerke, wenn man sich genauer mit ihnen beschäftigt. Für uns momentan zu viel Wunder und zu wenig Werk.

Das Ventilspiel muss zwischen 0,4 und 0,45 Millimeter eingestellt werden. So filigraner Kram ist ja nicht so unsere Stärke, aber muss ja. Bisher haben wir geglaubt, dass die Wartung nicht soo wichtig ist. Muss man natürlich machen, aber ob nun 1.000 km früher oder später macht keinen Unterschied. Trotzdem wären wir bereit, wenn das Auto nun besser läuft, das auch häufiger zu machen. Die Probefahrt zeigt: Es hat nichts verändert. Immerhin gibt es eine Werkstatt im Ort zu der wir jetzt erstmal fahren. Sie ist zum Glück nur zwei Straßenecken weiter.

Der Mitarbeiter hat eigentlich keine Zeit, guckt sich den Motor aber trotzdem erstmal an. Er hat nicht direkt eine konkrete Idee. Wir probieren mit ihm ein paar Sachen aus und stellen am Ende ein bisschen was am Vergaser ein. Wir machen eine kleine Probefahrt und das Auto läuft aus uns noch nicht ganz nachvollziehbaren Gründen wieder besser. Es geht im Leerlauf z.B. nicht mehr aus. Er meint, man müsste sich mal den Vergaser genauer angucken, allerdings hat er zu viel Angst, dass er irgendwas nicht mehr zusammen bekommt oder kaputt macht, Ersatzteile nicht da hat etc. und dass wir dann hier festhängen. Zumal er eh erst ab Dienstag Zeit hätte (heute ist natürlich Freitag). Er empfiehlt noch, eine Benzinpumpe mit mehr Leistung zu verbauen. Da das Auto wieder einigermaßen läuft, fahren wir weiter Richtung Grasslands National Park. Während der Fahrt stellt sich heraus, dass das Problem auf jeden Fall noch nicht behoben ist, aber wir können mit 60 km/h bis zu unserem Ziel fahren. Dafür sehen wir einen Kojoten am Straßenrand.

Unser heutiges Ziel ist ein Schotterplatz in der Nähe des Nationalparks. Chris zerlegt noch die Benzinpumpe, während Bretti Kartoffelgratin macht. Die Pumpe sieht aber soweit sauber aus und scheint in Ordnung zu sein. Es zieht ein dickes Gewitter auf, deshalb klemmen wir zum ersten Mal unser Solarpanel und das Starlink ab. Ob es eigentlich was bringt, wenn das Auto vom Blitz getroffen wird, wissen wir nicht, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Kaum Gewitter und mehr Autoprobleme
Das Gewitter kommt erst morgens bei uns an, ist aber nicht besonders stark, entsprechend schließen wir als es aufhört zu regnen unser Solarpanel und Starlink wieder an. Danach wollen wir eigentlich zum Eastblock des Grasslands Nationalparks aufbrechen, aber das Auto springt nicht mehr an. Wir improvisieren etwas, um die Benzinzufuhr sicherzustellen. Der gibt Lebenszeichen von sich, springt aber nicht an.

Wir testen den Zündfunken des ersten Zylinders. Es zeigt sich kein regelmäßiger Zündfunken. Das gibt uns einen Hinweis, wonach wir suchen müssen. Wir testen mit der Zündzeitpunktpistole die Zündsignale der einzelnen Zylinder, messen aber nix. Möglicherweise ein Messfehler? Wir konnten gestern ja noch fahren. Daraufhin schaut sich Chris den Zündverteiler an. “Der Rotor sieht komisch aus”, meint er. Wir vergleichen Bilder online mit unserem Rotor. Unserer sieht wie ein abgebrannter Rotor aus, das scheint vorzukommen. Wir fragen uns zwar, wie wir überhaupt noch fahren konnten, aber das scheint zumindest die Ursache für unsere Probleme zu sein. Es ist Elektronik, also startet Chris, der Elektriker, eine Pfusch-Reparatur.

Die Reparatur und das alles zusammenzubauen dauert etwas länger, aber der Motor springt schließlich direkt an. Es besteht ein gewisses Risiko, dass die Reparatur durchbrennt, entsprechend sitzt Chris hinten im Koffer mit offener Motorhaube und dem Feuerlöscher griffbereit, während Bretti zu einer Probefahrt ansetzt. Die Probefahrt läuft gut, nichts steht in Flammen, enstprechend starten wir Richtung Nationalpark. Chris bleibt vorsichtshalber aber im Koffer. Hinweis: Bitte nicht nachmachen! Verschleißteile lieber vorher einstecken!
Wir kommen wider Erwarten am Nationalpark an, die Fahrt lief unauffällig. Wir checken erstmal für eine Nacht ein (17€ die Nacht). Im Gespräch mit der Dame am Empfang, bietet sie an, dass wir die Auto-Ersatzteile auch zur nächsten Poststation schicken könnten und sie die dann mitbringen könnte. Wir beziehen aber erstmal unseren Platz und beseitigen das restliche Chaos im Auto. Nachdem wir die Reste von gestern gegessen haben, planen wir, welche Ersatzteile wir wohin bestellen. Hoffentlich können wir das Montag festzurren. Danach geht’s geschafft, aber happy ins Bett, wir sind froh, dass das Auto wieder läuft.

Grasslands Nationalpark Eastblock Day 1
Wir verlängern am nächsten Tag direkt für eine weitere Nacht, auch wenn es heute den ganzen Tag regnen soll. Morgen wollen wir eine Wanderung im Park machen. Wir nutzen den Regentag und fahren die 10 km lange Panoramastraße entlang der Parkgrenze. Trotz Regen und Wind genießen wir die spektakuläre Aussicht. Es gibt leider keine Bisons zu sehen, dafür ein paar Kühe in der Ferne, die die Flächen freihalten.


Die Panoramastraße ist einspurig, um Verkehr durchzulassen gibt es Ausweichstellen. An einer dieser Ausweichstellen hält ein Auto neben uns, welches uns mit “Ihr seid ja ganz schön weit weg von Zuhause” begrüßt. Es sind deutsche Auswanderer auf dem Weg zurück nach Manitoba. Wir quatschen kurz und schimpfen über das Wetter wie es sich für echte Deutsche gehört. Zitat: “Wenn es mir schon morgens auf die Brille pisst, dann hab ich direkt keinen Bock mehr.” Bretti kann das mit ihrer nass geregneten Brille nachvollziehen, von Ausflügen zu den Aussichtspunkten und Infotafeln hält es uns aber nicht ab.

Nach diesem hochkulturellen Austausch und dem Beenden der Tour geht’s zurück zum Campingplatz. Dort sammeln wir Feuerholz ein, denn wir haben uns für heute optimistischerweise eine Feuer-Erlaubnis geholt. Ab 14 Uhr sollte es laut Wetterbericht trocken bleiben. Chris verstaut die Autoersatzteile, denn das Auto ist heute morgen sogar im Regen perfekt angesprungen. Bis der Regen aufhört, gammeln wir im Auto. Bretti macht schwedische Apfeltorte. Wie immer hat sie vergessen, das halbe Rezept zu machen, entsprechend haben wir jetzt zwei Torten.

Das mit dem trockenen Wetter klappt so mittelmäßig, aber immerhin wartet der nächste Regenschauer bis das Feuer ordentlich brennt. Wir flüchten uns derweil ins Auto. Der Regen hört immer mal wieder auf, mal nieselt es nur und mal stehen wir sogar trocken am Lagerfeuer. Die Feuer-Erlaubnis ist bezahlt, also nutzen wir das auch. Wir genießen dabei die fantastische Aussicht mit schönem Sonnenuntergang und später noch Kojotengeheul in der Ferne.


Gegen 22 Uhr geht uns das Feuerholz aus, das passt uns auch gut, denn wir können auch langsam mal ins Bett.


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