Woche 18 | Teil 1: Berge, Seen und Hitze

Foto: Bretti badet in einer heißen Quelle

Mücke vs Crossaint

Wir haben hier sehr gut geschlafen und frühstücken mit dieser wunderbaren Aussicht. Da wir uns mit Anti-Mückenzeug eingesprüht haben, stechen die Mücken in unsere Croissants. Etwas merkwürdig, aber gut, besser als uns.

Frühstück mit Aussicht

Unser nächstes Ziel ist eine heiße Quelle, die Halfway Hot Springs, dafür müssen wir aber erst mal wieder ein paar Kilometer abreißen. Heute werden wir noch nicht ganz bis zur Quelle fahren sondern eine Recreation Site 40 km vor dem Ziel ansteuern. Wir wollen nicht zu spät ankommen und riskieren, keinen Platz mehr zu bekommen. Wir folgen also dem Highway durch die beeindruckende Berglandschaft. Berg auf sind wir oft nur mit 30 km/h unterwegs. Das gefällt nicht jedem, uns wird zwei Mal der Mittelfinger gezeigt, als wir überholt werden. Das ist auf der ganzen Reise noch nicht vorgekommen, vielleicht sind die Leute in British Columbia weniger nett als im Rest von Kanada? Es ist natürlich auch einfach Montag. Naja, wir machen uns nichts draus und schleichen weiter. Sollen sie halt zweispurige Straßen bauen, ist ja immerhin die Hauptverbindungsroute Kanadas.

Highway durch die Rocky Mountains

Wir hatten im Nationalpark zuletzt was über Schneeziegen gelesen und nun krakselt eine direkt neben der Straße an einer Felswand rum. Eigentlich treiben die sich in höheren Regionen herum, wo noch Schnee liegt, den benötigen sie, um sich im Sommer abzukühlen.

Wie den Schneeziegen gefällt unserem Volvo das Wetter so mittelmäßig. Solange alles funktioniert überhitzt der Motor zwar nicht, aber ab und an scheint das Kühlwasser nicht richtig zu zirkulieren. Das Kühlwasser vorne im Kühler ist dann relativ kalt, so 76°C, aber das Kühlwasser im Motor wird dann immer wärmer. Wir vermuten, es befindet sich noch etwas Luft im System, das haben wir bisher nicht raus bekommen. Naja, bevor der Motor zu heiß wird, machen wir eine Pause und lassen das Auto abkühlen. Dieses Phänomen taucht nur ab und an auf, deswegen können wir damit leben. Eine Pause tut ja auch uns gut und der restliche Verkehr hat seine Ruhe.

Nach der Pause geht es weiter durch die schöne Landschaft ohne sich aufregende Autofahrer und leider auch ohne weitere Schneeziegen. Wir stoppen kurz, um zu tanken. Benzin ist leider wieder teurer, aber was soll man machen. Aus Gründen vergessen wir hier einzukaufen. Das wird leider die letzte Möglichkeit für die nächsten Tage gewesen sein. Naja, wie man merkt, verhungert sind wir nicht.

Schotterstraße und abgebranter Wald
Die Straße führt auch durch einen abgebrannten Wald, hier keine Seltenheit

Wir erreichen unser Ziel über eine 10 km lange Schotterstraße entlang des Arrow Lakes. Das ist ein endlos langer Stausee, über den man an mehreren Stellen mit Fähren übersetzen kann. Das steht aber erst Morgen an, heute bleiben wir an der Eagle Bay Recreation Site. Das ist wieder einer der gratis Campingplätze in British Columbia. Hier ist ordentlich was los, aber auch viel mehr Platz. Hat schon was von einem Campingplatz. Beim Fahren im Volvo kommt man bei dem Wetter ordentlich ins Schwitzen, also gehen wir erstmal baden und genießen die Aussicht auf die umliegenden Berge.

Strand mit Bergen im Hintergrund
Badeaussicht
Selfie mit Chris und Bretti
Bretti dreht schon durch vor Freude über die Aussicht
Chris, Volvo und Campingplatz
Unsere Parzelle

Chris macht danach erstmal Tiramisu, aber der vegane Joghurt, den wir als Mascarponeersatz nutzen, ist scheinbar schlecht. Er schmeckt, sogar für veganen Joghurt, sonderbar. Das fällt leider erst zu spät auf und so geht das ganze in die Tonne. Sehr schade. Der vegane Käse hier ist richtig gut, aber die Ersatzprodukte für Sahne und co taugen alle nicht wirklich was. Nächstes mal dann wohl wieder Kuchen. Nach dieser Enttäuschung lassen wir den Tag am See ausklingen. Wir beobachten mehrere Seeadler beim Fischen und später fliegen ganz viele Fledermäuse dicht über das Wasser. Wir sind für die Uhrzeit schon ganz schön müde, da fällt uns auf, dass wir wieder eine Zeitzone weiter sind. Nun sind wir 9 Stunden vor Deutschland. Entsprechend gehen wir mit gutem Gewissen zeitig ins Bett.

Heiße Quellen und lauter nette Leute

Nach dem Frühstück geht es erstmal baden. Es ist schon kälter als Gestern, aber mit der Aussicht kein Thema. Wir haben nur 40 km Strecke vor uns und nun geht es erstmal die Schotterstraße 10 km zurück zur Fähre über den See. Während wir auf die Fähre warten, kommen wir mit einigen Leuten ins Gespräch. Unter anderem mit einer Kanadierin, die gerade deutsch lernt und sich freut, üben zu können. Wie immer sind die Gespräche einigermaßen kurz und oberflächlich.

Oldtimer warten auf die Fähre
Wir sind hier nicht die einzigen mit einer alten Karre

Die Fahrt ist kurz und kostenlos. Diese Fähre ist wieder Teil des Highwaysystems von Kanada. Wir stehen ganz an der Seite und erwarten, dass alle anderen vor uns runterfahren, aber nichts da, wir fahren als zweites von der Fähre und beruhigen somit auch hier wieder den Verkehr entlang des steilen Anstiegs. Als es sich anbietet, lassen wir den angesammelten Verkehr durch und fahren die 30 km weiter. Die letzten 10 km führen uns über eine sehr schlechte Schotterstraße, die uns ordentlich durchschüttelt.

Angekommen am Campingplatz neben den Quellen beziehen wir unseren Platz für die nächsten zwei Nächte. 20 C$ pro Fahrzeug/Zelt kostet hier ein Stellplatz, finden wir fair. Der Platzwart, ein älterer Surfertyp, kümmert sich auch um die Quellen, die Wege dahin etc. Es gäbe auch genügend umsonst Plätze in der Gegend, aber das unterstützen wir gerne.

Volvo auf dem Campingplatz
Unser Stellplatz

Die Plätze liegen hier sehr schön zwischen den Bäumen. Diese spenden schön Schatten, das macht es angenehm kühl, aber dem Starlink und dem Solar gefällt das nicht so. Kurz nach der Ankunft kommen wir mit einem Kanadier ins Gespräch. Er ist auf Solotour, für zwei Monate von Toronto bis an den Pazifik. Für ihn ist es die erste Reise alleine und wir sprechen über das Für und Wider des alleine Reisens. Für Kanadier ungewöhnlich dauert das erste Gespräch schon etwas länger und wir werden ihn auch abends noch an den Quellen wiedertreffen. Er empfiehlt uns später zu den Quellen zu gehen, gerade sei alles voll mit Tagesgästen. Das klingt nach einer guten Idee und entsprechend chillen wir erstmal.

Hängematte, Kuschekaktus und Laptop
Büro with a view

Chris backt noch einen Kuchen, um das ausgefallene Tiramisu zu ersetzen. Der Platzwart hatte uns noch erzählt, dass es direkt am Campingplatz schon einige Becken gibt. Wir hoffen, dass dort weniger los ist und machen uns, als der Kuchen fertig ist, auf die Suche nach dem Weg. Der “Weg” ist eine sehr steile Schlitterpartie den Hang hinunter. Immerhin gibt es ein Kletterseil. Wir sind natürlich auch wieder mit dem besten Schuhwerk unterwegs, Korklatschen (Birkenstocks, aber nicht die Originalen).

Der Abstieg ist etwas gewöhnungsbedürftig, dafür sind die Pools hier richtig super. Es gibt mehrere in verschiedenen Temperaturen und man kann sich gefahrlos im Fluss erfrischen. So haben wir uns das gewünscht.

Bretti während der Kletterpartie
Bretti in den heißen Quellen

Wir bleiben eine Weile, aber das soll nur unser Erkundungsausflug sein, entsprechend brechen wir nach 1 1/2h wieder auf. Wir wollen einen besseren Rückweg finden bzw. den Weg zu den Hauptquellen, aber am Ende krakseln wir einen noch abenteuerlicheren Weg wieder hoch. Das ist nichts, was wir nachts wiederholen wollen und wir nehmen uns vor, heute Abend erstmal dem Hauptweg zu folgen.

Nun wird erstmal wieder entspannt.

Chris neue Friese

Es gibt heute Nudeln mit Pesto. Es hat keiner so richtig Lust zu kochen und Chris liebt Nudeln mit Pesto. Gegen 20:00 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg. Wenn man dem Hauptweg folgt, kommt man über viele Stufen viel einfacher runter zum Fluss.

Treppe im Wald runter zum Fluss
Abstieg zu den Hauptquellen

Die Hauptquellen bestehen aus drei großen Becken. Eins ist super heiß die anderen sind eher kühler. Hier treffen wir auch den Kanadier von vorhin wieder. Wir quatschen wieder eine Weile und versuchen noch, uns an einer Stelle weiter unten am Fluss ein eigenes Becken zu bauen. Es gibt hier einige Stellen, wo heißes Wasser aus der Erde kommt, bloß das richtige Mischen mit dem kalten Flusswasser ist gar nicht so einfach. So zieht es uns dann doch wieder zu den Hauptbecken zurück. Hier kommen wir mit einigen anderen Kanadiern ins Gespräch. Die Gespräche dauern hier viel länger, vermutlich hat hier keiner einen Grund weg zu laufen. Es geht um Politik, Bildungssystem und um alles mögliche. Am Ende sind wir die letzten an den Quellen. Wir beobachten eine Weile die Sterne und machen uns dann mit Taschenlampen auf den Rückweg. Morgen werden wir versuchen, von den kleineren Pools aus den Weg zur Treppe an den Hauptpools zu finden. Die kleineren Pools hatten uns um einiges besser gefallen. Kurz vor Mitternacht sind wir wieder am Auto und fallen zufrieden ins Bett.

Gut durchgegarter Ruhetag

Wir schlafen schön lange aus und nach etwas Haushalt geht es wieder den abenteuerlichen Weg runter zu den kleinen Pools. Hier verbringen wir wieder einige Zeit und machen uns dann auf die Suche nach dem besseren Rückweg. So richtig findet sich dieser aber nicht und so waten wir einfach durch den Fluss und kommen so recht entspannt an den Hauptquellen an. Mit dem am Seil runterklettern und dem durch den Fluss waten ist das eine richtige kleine Abenteuertour.

Blick Flussaufwärts
Blick von den Pools flussaufwärts

Zurück am Platz wird weiter fleißig entspannt. Auch wenn es blauen Himmel gibt, regnet es immer wieder ein bisschen. In der Ferne grummelt ein Gewitter. Alles gut aus haltbar.

Hängematte wird ausgiebig genutzt
Bretti bekommt beim Entspannen Besuch
Scheint ganz angenehm auf dem Kissen zu sein (übrigens ein White Spotted Sawyer, ein Bockkäfer)

Abends geht es wieder am Seil hinunter, wir haben sogar an Handschuhe gedacht. Diesmal bleiben wir an den kleineren Pools bis die Sterne rauskommen und haben eine wunderbare Zeit. Die Abwechslung aus heißen Quellen und dem kalten Flusswasser ist perfekt. Sowas hätten wir gerne zuhause. Wir fragen uns, wie lange wir hier bleiben sollten. Durch den Fluss waten im Dunkeln ist ja nicht ganz ohne und der Rückweg ist nachdem man sich hat stundenlang durch garen lassen auch recht weit. Wir beschließen heute früher am Auto zu sein, am Ende ist es 23:30 Uhr. Naja, immerhin oder so.

Wir finden, wir haben den Ruhetag heute echt mal gut genutzt. So gut erholt beenden wir den Eintrag auch hier. Ob die Erholung anhält, lest ihr dann in Teil 2.

Comments

2 responses to “Woche 18 | Teil 1: Berge, Seen und Hitze”

  1. Andy Avatar
    Andy

    Schön zu sehen, dass ihr euch einen echten Ruhetag gegönnt habt 🌞

    Die Kombination aus Heiße Quellen und kaltem Fluss würde mir glaube ich auch gut gefallen.

    1. Bretti & Chris Avatar
      Bretti & Chris

      Wir finde Zuhause brauchen wir sowas auch

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