Woche 14 | Teil 2: Wie viele Mückenstiche sind eine Blutspende?

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Pukaskwa-Nationalpark

Biber sind von der Dämmerung bis zum Morgen aktiv und so sehen wir während unseres Frühstücks die Biber noch fleißig am Arbeiten. Wir sammeln unsere Wildtierkamera ein und machen uns auf den Weg zum Pukaskwa-Nationalpark. Leider soll das Wetter zum Mittag Regen und Gewitter bringen, deswegen beeilen wir uns, unser Kanu ins Wasser zu bekommen. Boot und Zubehör haben die Tour bisher gut überstanden, nur ein unwichtiges Plastikteil ist kaputt. Das Boot hängt hinten an unserem Ersatzrad und wenn es die -20°C und 9000 km Straße gut überstanden hat, haben wir Hoffnung, dass es den Rest der Reise auch gut übersteht.

Paddeln macht uns wieder sehr viel Spaß. Die Perspektive vom Wasser ist was ganz anderes und sehr schön. Unsere Sportroutine ist momentan nicht existent und vermutlich gibt es Morgen Muskelkater, aber das ist es wert. Wir paddeln durch einige Buchten und zwischen vielen Inseln hindurch. Den offenen See versuchen wir zu meiden. Dort kann das Wetter schnell umschlagen und das Wasser ist dort eh schon unruhiger. Wir lassen uns für eine Snackpause von der Strömung treiben, als wir ein Donnern in der Ferne hören. Gewitter auf dem Wasser muss man jetzt nicht erleben, also machen wir uns auf den Rückweg.

Bretti erkundet den Park. Mückennetz ist auch auf großen Wasserflächen angebracht
Unser Boot nach der Tour

Unseren Wetter-Apps zufolge haben wir bis zum Regen und Gewitter noch viel Zeit, also stressen wir uns nicht mit dem einpacken. Allerdings fängt es genau in dem Moment an zu regnen, als Chris die letzten Sachen in unsere Dachbox packt. Dem Regen hat wohl niemand was von dem Plan der Wetter-Apps erzählt. Naja, nochmal Glück gehabt. Wir schauen uns noch das Visitor Center an und nutzen das WLAN. Die Parks haben auch Merchandise unter anderem diesen Button:

Fühlen wir sehr

Das fühlen wir sehr. Ab wann sind Mückenstiche eine Blutspende und hat man dann drei Monate Ruhe bis zur nächsten?

Wir überlegen, was wir nun machen, warten bis der Regen aufhört und noch etwas wandern oder weiter fahren? Laut unseren Wetter-Apps soll es ja eigentlich gerade gar nicht regnen, dafür später, die sind also nicht sehr hilfreich. Wir entscheiden uns, weiter zu fahren. Kurz bevor wir den Park verlassen, hört es auf zu regnen, so ist es ja immer.

Tiere haben wir keine gesehen, aber so groß ist ein Elch.

Ein Fluss bildet die Parkgrenze und nachdem wir diesen passiert haben, sehen wir einen Schwarzbären am Straßenrand. Dieser wartet sogar so lange bis Bretti ihr Handy in der Hand hat, um ein Video zu machen. Generell haben wir bisher jegliches größere Wildlife außerhalb der Nationalparks gesehen.😁

Die Qualität ist leider etwas mies, Teleobjektiv war nicht zur Hand

Wir sind richtig begeistert über den Bären, hatten schon die Sorge, dass wir gar keinen zu Gesicht bekommen. Dieser Tag ist aber noch nicht zu Ende, während der Weiterfahrt steht ein Elch am Straßenrand. Elche sind, wie alle Hirschtiere, Wiederkäuer und so steht der/die Elch entspannt neben der Straße und kaut vor sich hin.

Karibischer Abend am Lake Superior

Wir folgen dem endlosen Lake Superior und haben heute wieder einen Stellplatz direkt über dem Strand. Es regnet mittlerweile wieder und es sind endlos viele Mücken unterwegs, trotzdem springen wir kurz ins Wasser. Gefühlt ist der See noch kälter geworden als Vorgestern.

Aussicht aus dem Bett. Könnte schlechter sein.

Vom karibisch anmutenden Sandstrand inspiriert machen wir erstmal Mojitos und hören karibische Musik. Für die Mojitos nutzen wir Ahornsirup anstatt Zucker, können wir eher nicht so empfehlen. Das Wetter ist sehr wechselhaft, so sehen wir noch einen Regenbogen und auf dem See bildet sich eine dicke Nebelbank, die alles verschlingt.

Nebelbank zieht über den See

Wir trauen uns bei den ganzen Mücken heute nicht mehr raus und machen uns eine schöne Zeit im Auto. Neben Mojitos backt Chris, inspiriert von unserem letzten Kauf, Brownie-Käsekuchen.

Brownie-Käsekuchen in Rohform
Jemand noch einen Mojito?

Bretti versucht irgendwo Fußball zu schauen, aber die wollen frecherweise alle Geld dafür. So bleibt es beim Live-Ticker und Bretti übernimmt die Kommentatorenrolle. Als Abschluss des Tages schauen wir noch, was die Wildtierkamera bei den Bibern aufgenommen hat und das ist dabei rumgekommen.

Wir sind sehr happy über die Biberaufnahmen. So haben wir uns das vorgestellt. Nach einigem Mücken-Klatschen geht es dann auch ins Bett.

Doppeltankstopp

Wir gehen morgens direkt wieder baden, das Wasser ist gefühlt noch kälter als gestern. Uns tun direkt die Füße und Beine weh vor Kälte und alles ist voller Mücken, also geht es zügig zurück ins Auto. Das Wetter ist heute sehr schön, aber wegen der ganzen Mücken frühstücken wir lieber im Auto mit Blick auf den See.

Dies wird unser letztes Frühstück an den Great Lakes sein, denn heute verlassen wir den Lake Superior nach Westen. Es folgen zum Glück noch endlos viele Seen, diese sind bloß kleiner. Obwohl hier klein relativ ist. Der “Lake of the woods” ist zum Beispiel nur 4.400km² groß, der Lake Superior im Vergleich umfasst hingegen 83.100km², etwa ein Viertel der Fläche Deutschlands. Der Lake of the Woods ist somit ein vielfaches kleiner, aber trotzdem noch doppelt so groß wie das Saarland, in Kanada aber nur oberes Mittelfeld.

Wir machen heute einen Doppeltankstopp. 80l in den Tank und 80l in die extra Kanister. Auf den nächsten Kilometern gibt es wenig Tankstellen. Außerdem wollen wir den Highway für einen Umweg durch die Natur verlassen. Dort finden wir vermutlich gar keine Tankstellen. Der Weg gehört zum Trans Canada Trail, dessen Idee es ist, nur auf unbefestigten Straßen quer durch Kanada zu fahren. Wir wissen nicht wie anspruchsvoll das wird, entsprechend bereiten wir uns auf alles mögliche vor. Mit den 180l Benzin kommen sogar wir ein paar Kilometer ohne Tankstelle aus. Die “Wildnis” startet aber erst Morgen. Vorher passieren wir noch die Wasserscheide zum Nordmeer. Alle Flüssen fließen von hier an ins Polarmeer. Immer wieder spannend sowas. Unser Stellplatz ist genau auf der Grenze zur nächsten Zeitzone (7 Stunden vor Deutschland), unsere Uhren sind mit dieser “Grenzerfahrung” aber nicht zufrieden und springen fleißig hin und her. Teilweise reicht es, sich im Bett von links nach rechts zu drehen. Der Stellplatz ist diese Nacht einfach an einem Waldweg. Nichts spannendes aber ruhig.

Unser Stellplatz im Wald

Abseits befestigter Straßen

Bevor es abseits der befestigten Straßen durch die Natur geht, muss das Auto erstmal anspringen. Das ist momentan etwas zickig, deswegen versucht sich Chris schon mal während Bretti die restlichen Sachen zusammenräumt. Chris scheint den Dreh langsam raus zu haben, das Auto springt ziemlich direkt an und braucht nur etwas Standgas, damit es im Leerlauf nicht aus geht. So ist er aber an den Fahrersitz gebunden, während es stark anfängt zu regnen und alle Türen und Fenster noch offen sind. Mit dem Regenschirm kann er das Beifahrerfenster noch schließen. Durch den lauten Motor hört Bretti seine Rufe auch nicht, aber nach einer Weile bemerkt sie, dass es ins Auto regnet und schließt alle Türen und Fenster. Nochmal einigermaßen gut gegangen.

Wir wissen leider nicht, woher die Startprobleme jetzt kommen. Zu wenig Luft oder zu wenig Benzin vermutlich, aber was sich nun wieder verändert hat… Naja, wir beobachten und lassen uns was einfallen. Wenn der Motor läuft ist auch alles gut und er fährt sich normal. Auch im Laufe des Tages macht er, meistens, keine Probleme.

Nun soll es aber in die Natur gehen, dafür werden noch 100km Highway abgerissen und wir biegen dann in einen Waldweg ein. Der Trail ist eine nette Abwechslung zum Highway. Für den Weg hätte man aber kein Allrad oder ähnliches gebraucht. Wir fahren über trockene Schotterwege, nur mit weniger Bodenfreiheit hätte man bei ein paar Steinen sicher aufpassen müssen. Wir haben aber eine gute Zeit und sehen mehrfach Elch- und Bärenhinterlassenschaften, aber nicht die Verursacher. Eine Schlange schrecken wir auf, diese verzieht sich über die Straße. Zwischendurch kommen wir an eine alte Holzbrücke. Wir sind erst skeptisch, aber unter der alten oberen Schicht sehen die Balken noch sehr gut aus.

Am Ende absolut unspektakulär.

Nach ca. 30 km endet unser Weg an einem Fluss, die Brücke existiert nicht mehr und durchfahren ist keine Option. Sehr schade, aber auch das gehört dazu.

Weg ohne Brücke

Nun heißt es, die 30km zurück zum Highway, es gibt keine andere Überquerung. Auf dem Rückweg begegnet uns ein Ruffed Grouse (Kragenhuhn, Bonasa umbellus), welches gar nicht einsieht, uns Platz zu machen. Es plustert sich auf und “bedroht” uns. Erst dann sehen wir die winzigen Küken, die es verteidigt. Soooooo süß. Sie sehen aus wie Hühnerküken, aber maximal halb so groß.

Zurück am Highway kippen wir erstmal zwei unserer Ersatzkanister in den Tank. Über 200 km ist der letzte Tankstopp schon wieder her, also erstmal tanken. Wir haben etwas hin und her überlegt, ob wir eine andere Route versuchen, uns aber dann dagegen entschieden. War eine nette Abwechslung, aber so spannend dann auch nicht. Wir düsen entsprechend weiter nach Westen. Wir finden noch eine Quelle am Rand des Highways und biegen dann in eine nicht mehr genutzte Straße ein. Wir haben uns extra für weniger Natur endschieden, weil wir Morgen die Reifen umsetzen wollen und für den Wagenheber ein fester Untergrund einfach besser ist. Außerdem hoffen wir, auf dem Teer weniger Zecken einzusammeln. Während wir die alte Straße lang fahren, um etwas Abstand zum Highway zu haben, entpuppt sich ein Stein auf der Straße, dem wir ausweichen, als Schildkröte. Wir bekommen einen ordentlichen Schreck. In diesem Fall gut, dass Schildkröten bei Gefahr an der Stelle bleiben, wo sie sind und nicht panisch weg laufen. Als wir nach dem Parken zurück gehen, ist sie aber weg und wir finden auch keine Unfallspuren. Dafür liegt am Straßenrand ein Pizza-Karton, vielleicht sind wir hier einem der Ninja Turtles auf Urlaub begegnet?

Als Abschluss des Tages bekommt der Blinker Arc eine Fortsetzung, nun wird auch die rechte Seite mit LED ersetzt. Die LED links funktioniert immer noch tadellos.

Boxenstopp, fast wie bei der Formel 1

Nach dem Frühstück starten wir direkt in unseren Boxenstopp. Diesel wird getankt und es wird auch etwas geputzt. Wir suchen immer noch Leckagen am Motor, entsprechend werden Schläuche nachgezogen und Teile geputzt, um zu sehen, wo es wieder ölig wird. Ganz dicht wird der vermutlich nie, aber wir geben unser Bestes.

Das größte Projekt heute ist, die Reifen von vorne nach hinten zu tauschen, damit sich der Verschleiß gleichmäßig verteilt. Unsere vorderen Reifen werden viel mehr abgefahren, wohingegen die hinteren wie neu aussehen. Eigentlich wollten wir, um Arbeit zu sparen, nur vier Reifen tauschen, normalerweise würde man alle sechs versetzen. Am Ende sind dann doch alle einmal ab, um die Bremsen und Radlager zu prüfen. Leider zeigt sich hier, dass zwei Radlager Öl verlieren. Das haben wir schon vermutet und die Teile aus Deutschland mitliefern lassen. Erstmal wird alles nur geputzt und geschaut, dass genug Öl im Portalgetriebe ist. Die Ölstände sind super, entsprechend ist es nicht viel Öl, was verloren geht. Die Radlager sind soweit auch heil. Das Öl landet aber in der Bremstrommel und das sorgt für eine verminderte bis gar keine Bremsleistung. Entsprechend werden wir bei Zeiten einen Stopp dafür einlegen. Auch wenn wir extra auf einer Straße stehen, muss Bretti später eine Zecke aus dem Bein ziehen. Die sind hier auch echt überall.

Bretti am Reifen einbauen

Der Boxenstopp dauert bis 14:00 Uhr, dauert also doch etwas länger als bei der Formel 1. Dafür gibt es bei uns Kuchen. Dann geht es wieder weiter Richtung Westen. Wir haben mehrere Stellplatz Optionen rausgesucht, vermutlich bleiben wir direkt beim ersten in 100 km, dieser verspricht eine richtige Offroadpassage.

Kleiner Einschub: Wir haben schon häufiger diskutiert wie “Offroad” eigentlich wirklich zu nennen ist. Da ist ja immer irgend eine Art Weg, also so richtig Off ist man da nicht. Mit “4×4 Trail” findet man auch solche Wege, aber wir haben ja einen 6×6. Also alle 6 Räder sind angetrieben. Ein normaler PKW ist entsprechend 2×4, zwei Räder sind angetrieben. Anyway.

Der Stellplatz verspricht eine spannende Passage abseits befestigter Straßen entlang eines Gebiets, welches durch seine Struktur eine definierte Richtung vorgibt. Das ist viel handlicher als einfach “Offroad” zu sagen. Außerdem ist er an einem schönen See.

Auf dem Weg dorthin überholt uns ein LKW, soweit normal. Allerdings fährt dieser so, dass der Gegenverkehr auf den Standstreifen ausweichen muss. Wie man im unteren Video sieht, überholt er schon eine ganze Weile auf der Gegenfahrbahn, ohne Rücksicht auf den entgegenkommenden Verkehr. Wahnsinnige hat man auch hier.

Die Zufahrt zum Platz ist etwas zugewachsen, entsprechend fahren wir erstmal vorbei, bzw. müssen auf dem Satellitenbild erstmal schauen, wo die sein soll. Der Weg folgt erst einer alten Straße, biegt dann in einen Waldweg ab, der auf felsigem Untergrund endet, wo wir uns ein Plätzchen suchen. Chris fährt und Bretti weist ihn ein, entsprechend ist sie jetzt alleine unterwegs. Ihr versteht, einweisen von einweisen in eine Klinik. Witze werden immer besser, wenn man sie erklärt. Ich (Chris) schweife ab.

Es ist das erste Mal, dass wir auf Felsen unterwegs sind. Auch wenn der Fahrer definitiv mehr Übung benötigt, bringt das Gelände den alten Schweden nicht aus der Ruhe. Mit eingeschalteter Untersetzung ruckelt er über die Felsen und durch den Matsch. Die 40 cm Bodenfreiheit, also der Abstand vom Boden zum niedrigsten Punkt des Fahrzeuges, tun ihr übriges. Nach etwas rangieren und rückwärts einparken stehen wir mit wunderbarem Blick auf den See.

Wir machen uns eine entspannte Zeit am See. Wir checken die Feuerwarnstufe, alles im grünen Bereich und bereiten Holz für ein kleines Feuerchen vor. Wunderbarerweise sind hier kaum Mücken. Keine Ahnung wieso, aber wir genießen das sehr. So stellen wir unsere Bank an das Seeufer und genießen den spiegelglatten See mit unserem Feuerchen.

Feuer in unser Buschbox
Chris, Bank und See

Eine oder mehrere Schildkröten tauchen immer wieder mit dem Kopf aus dem Wasser auf und beobachten uns. Sehr knuffig. Wir futtern noch die Reste von gestern. Bretti hatte gekocht, nun leidet sie selbst sehr unter der Schärfe. Zur Ablenkung schnuppert Bretti am gut riechenden Nadelholz.

Ich und mein Holz

Ohne Mücken können wir es hier sehr gut aushalten und haben einen sehr schönen letzten Abend in Ontario. Denn Morgen geht es in die nächste Provinz Manitoba. Das seht ihr dann nächste Woche.

Comments

2 responses to “Woche 14 | Teil 2: Wie viele Mückenstiche sind eine Blutspende?”

  1.  Avatar
    Anonymous

    Kalten See würden hier alle sofort nehmen. Wir haben über 35°

    1. Chris & Bretti Avatar

      Wir hätten 17°c und Regen im Angebot. Bisschen Gewitter ist auch im Program. Wenn du frische Minze mitbringst gibt es auch Mojitos;-)

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