Woche 14 | Teil: 1 Viel wildlife entlang der Great Lakes

Foto: Biber schwimmt im Teich

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Canadiano anstatt Americano

Wir starten in die neue Woche mit einem Gang zum Dorfbäcker/Souvenirladen/Spezialitätengeschäft. Wir wollen eigentlich Getränke vor Ort trinken und das Gebäck für später einpacken. Nach der recht chaotischen Bestellung kommt alles zum Mitnehmen, so viel zu unserem Pappbechercounter… Naja. Wir nehmen noch Cheesecakebrownie für später mit und frühstücken beim Losfahren. Chris bestellt sonst immer Americano, doppelter Espresso mit heißem Wasser, hier heißt der Canadiano, man will sich abgrenzen. Der Kaffee ist so lala, immerhin gab es nur einen kleinen anstatt dem bestellten großen. Das Gebäck ist dafür sehr gut. Das beste ist ein Pistazien-Schoko-Crossaint.

Stellplatz und Bretti beim Vögel beobachten

Unser Weg führt uns jetzt wieder durch naturbelassene Landschaft und nicht mehr durch Kulturlandschaft. Die war auch interessant, aber die Natur gefällt uns natürlich viel besser. Nach den Great Lakes geht es durch die “große Leere” vor den Rocky Mountains. Da wird es für 2000 km nur Kulturlandschaft geben, von daher sind wir froh über mehr Natur.

Während der Fahrt liest Bretti aus dem Buch über die Flucht der Mutter unserer letzten Gastgeberin gen Ende des zweiten Weltkrieges vor. Das ist definitiv keine leichte Lektüre, aber gerade der große Kontrast zu unserem jetzigen Leben macht es umso wichtiger, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen und warum wir jetzt so leben können.

Wir machen einen Tankstopp mit 1,02 € für einen Liter Superplus. Dazu Pizzapause und Fahreriewechsel. Nach unserer Zeit rund um Toronto wollen wir heute wieder Wasser auffüllen. Es gibt leider nicht wirklich Auswahl. Bei der einzigen Quelle steht ein Schild “Nur für Anwohner”. Es ist schon jemand da und wir fragen ihn, ob wir trotzdem etwas Wasser auffüllen dürfen. Er meint das ist kein Problem. Er erzählt uns noch von einem halb Albino Elchkalb, welches ein Bekannter von ihm gesehen hat. Allerdings wird das Wildlife auch hier durch den Menschen vertrieben. Die Minen machen so viel Krach, dass sich die Tiere weiter in den Norden verziehen.

Wir folgen weiter dem Lake Heron und biegen am Ende unserer Tour in eine Schotterstraße ein, der wir 8 km zu einem kleinen See folgen. Es ist super ruhig und es gibt viele Insekten. Als wir uns wegen der Mücken in den Volvo verziehen, ist es leider schon zu spät und wir haben sehr viele Mücken im Auto, trotz Mückengitter vor den Fenstern.

Es gibt viele Libellen. Das hier ist eventuell eine Lilypad clubtail (Arigomphus furcifer).
Und das hier ist vermutlich ein Chalk-fronted Corporal (Ladona julia).
Diese gelben sind Kanadische Tigerschwalbenschwänze (Papilio canadensis).

Alles juckt…

Das erste mal auf dieser Reise sind wir komplett zerstochen (das wird in den nächsten Tagen auch nicht mehr besser) und alles juckt. Nach den heißen Tagen am Lake Ontario, ist es hier fast schon kalt. Tagsüber 20°C und nachts nur 5°C, ganz angenehm. Für uns geht es aus dem Bett direkt in den See. Da es auch morgens viele Mücken gibt und auch Fliegen, die einen beißen, geht es bald wieder raus aus dem Wasser. Wir ziehen uns an und sprühen uns mit Insektenschutz ein, dann gibt es draußen Frühstück.

Hier ist weit und breit niemand, deswegen lassen wir zum ersten mal unsere neue Drohne steigen.

Der Stellplatz am See von oben
Etwas teurer Selfiestick

Um 13:30 Uhr machen wir uns dann auch mal auf den Weg. Vorher hat Chris noch unser eines Rücklicht repariert. Die Rücklichter wurden in der Geschichte des Autos schon mal “repariert”, aber leider sehr schlecht. Es ist also mit weiteren defekten Kabelverbindungen zu rechnen. Unser Weg führt uns durch kleinere Abschnitte mit Kulturlandschaft und überall gibt es Hinweisschilder auf Kutschenverkehr. Es sind auch auffällig viele Pferde auf den Koppeln und irgendwann sehen wir auch die ersten Pferde, die zur Feldarbeit eingesetzt werden. Die Leute sehen nicht aus wie Amish, die es hier auch irgendwo gibt, aber tragen andere traditionell anmutende Kleidung, sehr spannend. Der Asphalt trägt uns dann aber zügig weiter.

Zwischen Vergangenheit und Moderne

Wir stoppen an der Sault Ste. Marie Canal National Historic Site einer alten Schleuse, die den Lake Huron mit dem Lake Superior verbindet. Als wir dort ankommen, sehen wir direkt wie ein Schiff geschleust wird, schon sehr spannend. Auch die Entenfamilie, die in die Schleuse geschwommen ist, kommt unbeschadet unten im Lake Huron an.

Entenküken in der Schleuse

Neben der Schleuse befindet sich noch eine Insel, die den Nativ Americans (First Nation) “geschenkt” worden ist, da sie früher ein so wichtiger Fischereiplatz für das Volk dargestellt hat. Durch die Industrie der Europäer gibt es hier allerdings kaum noch Fische zu fangen. Der Umgang mit den Natives lässt uns immer sehr schwermütig zurück.

In rot die Insel. Komisch, dass es kaum noch Fische gibt….
Schön ist es hier natürlich trotzdem
Auch wenn es für die Natives kein Lebensraum mehr ist, schaffen sich andere hier ihren Lebensraum. Hier ein Biberdamm

Wir machen noch einen Einkaufstopp und wollen eigentlich eine Eiswürfelform kaufen, es soll wieder Mojitos geben, es gibt aber leider keine und deswegen nehmen wir Wassereis mit Geschmack mit. (So eine Tüte mit Eiswürfeln/crashed Eis würde nie in unser Eisfach passen.) Wir stocken noch weitere Vorräte auf und folgen dem See noch 100 km zu unserem Übernachtungsspot. Angekommen müssen wir noch die Füße in den See halten. Der Lake Superior ist viel kälter, deshalb verschieben wir das Badengehen auf Morgen früh.

Hunde zum Frühstück?

Wir schlafen gut und lange. Wir stehen an einem Bootsanleger in der Nähe von Häusern. Während wir draußen Frühstück aufbauen, werden wir von zwei Hunden belagert. Der Größere hat seine Nase genau auf Tischhöhe und hätte gerne auch was bekommen. Ein Einheimischer, der vorbeikommt, meint, dass die beiden überall ankommen, wo es was zu holen geben könnte. Beide sind aber sonst ganz entspannt und verziehen sich, als sie merken, dass es nichts gibt. Ein großer Greifvogel fliegt über uns hinweg, der sucht vermutlich auch noch Frühstück.

Nach dem Frühstück rasiert Chris noch Brettis Undercut und dann geht es ins Wasser. Es ist immer noch sehr kalt. Ein Mädchen kommt auf einem Schwimmding vorbei und hat einen kleinen Hund dabei. Dieser schleppt bei Bretti immer wieder Steine an, die sie werfen soll, damit er sie holen kann. Das geht soweit, dass der Kleine gar nicht mit seiner Besitzerin weiterziehen will und immer wieder zu Bretti läuft. Am Ende schafft das Mädchen es aber, ihn mit genug kleinen Steinen zu überzeugen, mit zu kommen und wir können aufbrechen.

Unsere Couch scheint uns zu belauschen (Belagerung beim Frühstück)
Der Rest des Hundes zu den Ohren

Wir fahren durch dünnbesiedeltes Gebiet, was uns auch zu einem Schild führt: “Letzte Tankstelle für 150 km”. Eigentlich wäre tanken erst so in 50 km dran. Wir haben uns angewöhnt ab 200 km auf dem Tacho, nach einer Tankstelle zu schauen. Die Preise unterscheiden sich teilweise sehr stark, da lohnt es sich mal weiter zu fahren. Bei unserer Reichweite von 350-400 km muss man da, aber schnell aufpassen. Der Volvo benötigt SuperPlus, das heißt hier Premium. Das Benzin hat eine höhere Oktanzahl als das normale super Benzin. Warum sich das schwedische Militär dafür entschieden hat, ist uns schleierhaft. Mehr Oktan hat natürlich Vorteile, Details erspare ich euch hier mal, aber in einem Notfall bekommst du das Zeug nicht an jeder Ecke. Genau so ergeht es uns auch hier an dieser letzten Tankstelle. Wir fahren aber seit Halifax, also seit ca. 9000 km, 20l Premium Benzin durch die Gegend und so sind wir unsere eigene Tankstelle. Hoffentlich geht uns jetzt nicht wegen einer Panne der Sprit aus. Dafür hatten wir die 20l nämlich eigentlich dabei.

Mehr Kuchenpause, mehr Elch

Wir haben zum Glück keine Panne und tanken die 20l Ersatz beim nächsten Mal wieder auf. Wir legen danach eine Kuchenpause an einem schönen Aussichtspunkt direkt an der Straße ein.

Kuchenpausenplatz mit Blick auf Lake Superior

Kurz nach dieser Pause sehen wir einen Elch am Straßenrand und später läuft auch noch einer vor uns über die Straße. Der Elchcounter ist somit bei drei und es ist ganz klar, dass wir mehr Kuchenpausen machen müssen.

Wir fahren heute 350 km am Lake Superior entlang. Mit den 100 km gestern sind es jetzt 450 km und wir sind gerade mal bei der Hälfte des Sees, absolut riesig. Am Stellplatz angekommen, soll es eigentlich Mojitos geben, aber unser gekauftes Wassereis ist seit gestern noch null gefroren. Wir stellen den Kühlschrank eine Stufe höher, damit es morgen zumindest was wird. Zitat Chris: “Unser Safteis wird doch auch fest, wieso denn das Wassereis nicht?” Und da fällt uns auf, dass wir in den Safteisformen ja auch einfach Wasser einfrieren können… naja niemand hat gesagt, dass wir besonders schlau sind. Wir füllen die Safteisformen mit Wasser und hoffen für morgen das Beste.

Morgen soll es in den Pukaskwa-Nationalpark gehen, dort wollen wir unser Aufblaskanu endlich mal nutzen. Das sind noch ca. 25 Minuten fahrt und heute stehen wir direkt an einem See mit Biberdamm. Nach dem Abendessen stellen wir unsere Wildtierkamera noch am Damm auf. Wir glauben zwar nicht wirklich daran, was aufzunehmen, aber genau so haben wir uns das mit der Kamera vorgestellt und versuchen muss man das dann ja auch. Bevor wir uns vor den Mücken wieder in den Volvo flüchten, sehen wir etwas im See schwimmen. Ist das ein Biber? Wir holen das Fernglas und die Kamera und “verstecken” uns auf dem Auto.

Zwei Dullis auf dem Autodach umringt von Mücken

Es ist ein Biber, der fleißig Material zum Damm transportiert. Lange halten wir es mit langen Klamotten, Mückennetzen für die Köpfe und Mückenspray aber nicht aus. Ausreichend zerstochen lassen wir den Biber seine Arbeit machen und verziehen uns ins Auto. Hier werden wir zum ersten mal, die nun jeden Abend stattfindende Choreografie des Mücken-Klatschens aufführen. Es klappt ganz gut, wir haben am nächsten Morgen nur wenige neue Stiche.

Biber vom Autodach fotografiert

Ob unsere Kamera in der Nacht etwas aufgenommen hat erfahrt ihr dann in Teil 2.

Comments

2 responses to “Woche 14 | Teil: 1 Viel wildlife entlang der Great Lakes”

  1. Andy Avatar
    Andy

    Ich hab noch nie einen echten Biberdamm geschweige denn einen Biber in freier Wildbahn gesehen.

    Bin gespannt, ob die Wildcam was aufnimmt.

    P.S. Ich habe heute gelernt, dass es wohl Biber in Schleswig-Holstein gibt. Ganze 30 Stück – Aber immer hin.

    1. Bretti & Chris Avatar
      Bretti & Chris

      An der Stör soll es Biber geben meine ich, muss man sich auf jeden Fall mal anschauen.

      Ich verstehe ja das Bauern es wenig geil finden wenn ihre Felder geflutet werden, aber wir findne Biber schon ziemlich cool

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