Category: Ontario

  • Woche 15 | Teil 1: Endlose Weiten und Erdhörnchen in Manitoba

    Woche 15 | Teil 1: Endlose Weiten und Erdhörnchen in Manitoba

    Frühstück ohne Mücken

    Wir frühstücken in der Sonne mit dem Blick auf den See, ganz ohne Mücken. Wir genießen das sehr, so stellt man sich das vor. Nach dem entspannten Frühstück geht es wieder los. Erstmal müssen wir von unserem schönen Platz wieder los.

    Wir folgen dem Trans Canada Highway Richtung Manitoba. Am Straßenrand geht ein Schwarzbär gemütlich seines Weges. Das macht Bär Nummer zwei. Die Wälder von Ontario weichen den weiten Feldern von Manitoba. Zwischen Ackern gibt es immer wieder Koppeln mit Rindern und sogar eine Bisonfarm. Hoffentlich sehen wir die Tiere noch in freier Wildbahn, also im Nationalpark.

    Wir stoppen am Mittelpunkt Kanadas, also Mittelpunkt Ost/West. Die Strecke von hier nach St John’s auf Neufundland, dem östlichsten Punkt Kanadas, beträgt 4.400km. Wir sind bisher 10.000 km in Kanada gefahren. Paar kleine Umwege.

    Snackpause am Mittelpunkt Kanadas
    Bei dem großen Land sieht Chris viel kleiner aus

    Nach einem reinen Fahrtag kommen wir in Winnipeg an. Es ist schon recht spät, deswegen kaufen wir nur noch Lebensmittel und wie sollte es anders sein, Autoersatzteile, eine neue Ersatzblinkerbirne muss her. Wir übernachten mitten in der Stadt, denn Morgen ist Waschtag.

    Waschtag und Lake Jackson

    Nachts hat es geregnet, entsprechend springt der Volvo schlecht an. Als das klappt, geht es zur Wäscherei. Wir können günstig und zügig waschen und trocknen. Auch wenn alles gut klappt, dauert Waschen immer recht lange und wir fahren nur noch 100 km zum Lake Jackson. Vom Highway geht es direkt auf eine Dirtroad. Diese ist nach dem ganzen Regen schön schlammig, ergibt vermutlich Sinn, dass hier alle 4×4 Fahrzeuge fahren. Unser Volvo hat hier keine Probleme, sieht nur aus wie Sau.

    Unser Übernachtungsplatz ist direkt an einer Badestelle. Zusätzlich gibt es hier ganz viele Erdhörnchen und wir machen ganz viele Bilder. Während des frühen Abends kommt ein älterer Herr vorbei, mit dem wir, kanadisch ganz untypisch, ziemlich lange quatschen.

    Übernachtungsplatz vom See aus
    Frühstücks Selfi, mit Apfelaufkleber auf der Stirn (den Chris bis zum Foto vergessen hatte)

    Am nächsten Morgen frühstücken wir am vorhandenen Tisch und die Erdhörnchen wuseln um uns rum. Wir gehen noch baden und dann geht es weiter. Heute soll es als nächsten Stopp zum Spruce Woods Provincial Park gehen, dafür hat Google uns eine nette Strecke über “Landstraßen” rausgesucht. Aber vorher noch süße Erdhörnchen Bilder.

    Ein Eichhörnchen hält Ausschau
    Erdhörnchen vor kakaobecher
    Erdhörnchen hätte gerne was von Bretties Kakao

    Eine ganz normale Straße

    Die Strecke zum Provincial Park ist mit 37 km verhältnismäßig kurz. Landstraße fahren heißt hier Dirtroad fahren, das ist zwar holpriger, dafür mal was anderes. Wir fahren ja eh nur 70km/h auf dem Highway und auf den Dirtroads kann man gut 60 km/h fahren. Dann rumpelt es sich über die Wellblechpisten auch nicht mehr so doll. Die Route startet auch wie erwartet, wandelt sich aber schnell zu einem größeren Offroad-Abenteuer als der Trans Canada Trail. Auch wenn wir noch durch die Kulturlandschaft fahren, sind die Pfützen auf dem Weg sehr tief und schlammig, dazu gibt es ordentlich sandige Passagen.

    Kleiner Routenausschnitt

    Über sandige Hügel geht es immer weiter. Chris meint, einen Truthahn erspäht zu haben, aber dieser verschwindet schnell wieder im Gebüsch. Nach einiger Zeit stehen wir vor einem Schild mit der Aufschrift: “Provincial Park permit required”. Bretti recherchiert den Permit und wir fahren weiter. Den müsste man eigentlich ausdrucken, aber naja, wir kaufen den Permit für 10C$ und schauen mal, ob überhaupt jemand danach fragt. Der Weg ist ziemlich zugewachsen. Der Dachträger und der Lack gehen mit der Natur auf Tuchfühlung.

    Nachdem der Baum mit unserer Akkukettensäge aus dem Weg geräumt wurde, wird der Wald lichter und das Fahren wird angenehmer. Der Weg geht abwechselnd durch Wiesen und Wälder, alles ganz nett. Gut, dass Google uns hier lang geführt hat.

    Angekommen am eigentlichen Ziel, dem Spirit Sand Dünen Wanderparkplatz, stellen wir fest, dass wir den Permit hier eh zum Parken brauchen, dafür muss der aber gedruckt werden. Das geht immerhin beim 4 km entfernten Campingplatz. Die Wanderung zu den Dünen ist kurz, aber schön und erinnert an Dänemark.

    Es ist zu windig für Brettis Hut, also wird improvisiert
    Snackpause mit Sonnenschutz
    Auch auf dem sandigen Boden gibt es viele Blumen

    Zurück am Parkplatz geht es wieder los, immer weiter nach Westen. 300 km sollen es heute noch werden und wir vertreiben uns die Zeit mit Podcasts und Diskussionen über diese.

    Im Verlauf der Fahrt, scheint der Motor beim Beschleunigen über 70km/h nicht genug Benzin zu bekommen und hat Zündaussetzer. Da es bis 70 keine Probleme gibt, fahren wir erstmal weiter, das ist ein Problem für Morgen.

    Gegen 19:00 Uhr erreichen wir unseren Platz. Er ist an einem Lehrpfad über die ursprüngliche Prärie. Auf diesem kleinen Streifen Land umgeben von Agrarlandschaft, versucht man den ursprünglichen Zustand zu erhalten. Das klingt sehr spannend, aber für heute sind wir zu müde. Auch zum lange Kochen haben wir keine Lust, es gibt Nudeln mit Pesto. Das schmeckt gleich doppelt so gut, denn wir sitzen mitten in der “Prärie”.

    Wunderbarer Abendbrot-Platz
    Im Gegensatz zum Golfrasen ist die Prärie voller Blumen
    Prärie und Regenwolken

    Wir sind wieder in einer neuen Zeitzone angekommen, auch wenn diese eigentlich noch 3 km entfernt ist. Unsere Technik ist sich also wieder uneinig, aber das macht heute nichts mehr, denn wir gehen nun ins Bettchen. Die Polarlicht-App meldet sich noch später am Abend, aber der leicht rot/grüne Schimmer kann uns auch nicht mehr aus dem Auto locken. Morgen geht es mit neuer Energie weiter und das lest ihr dann in Teil 2.

  • Woche 14 | Teil 2: Wie viele Mückenstiche sind eine Blutspende?

    Woche 14 | Teil 2: Wie viele Mückenstiche sind eine Blutspende?

    Pukaskwa-Nationalpark

    Biber sind von der Dämmerung bis zum Morgen aktiv und so sehen wir während unseres Frühstücks die Biber noch fleißig am Arbeiten. Wir sammeln unsere Wildtierkamera ein und machen uns auf den Weg zum Pukaskwa-Nationalpark. Leider soll das Wetter zum Mittag Regen und Gewitter bringen, deswegen beeilen wir uns, unser Kanu ins Wasser zu bekommen. Boot und Zubehör haben die Tour bisher gut überstanden, nur ein unwichtiges Plastikteil ist kaputt. Das Boot hängt hinten an unserem Ersatzrad und wenn es die -20°C und 9000 km Straße gut überstanden hat, haben wir Hoffnung, dass es den Rest der Reise auch gut übersteht.

    Paddeln macht uns wieder sehr viel Spaß. Die Perspektive vom Wasser ist was ganz anderes und sehr schön. Unsere Sportroutine ist momentan nicht existent und vermutlich gibt es Morgen Muskelkater, aber das ist es wert. Wir paddeln durch einige Buchten und zwischen vielen Inseln hindurch. Den offenen See versuchen wir zu meiden. Dort kann das Wetter schnell umschlagen und das Wasser ist dort eh schon unruhiger. Wir lassen uns für eine Snackpause von der Strömung treiben, als wir ein Donnern in der Ferne hören. Gewitter auf dem Wasser muss man jetzt nicht erleben, also machen wir uns auf den Rückweg.

    Bretti erkundet den Park. Mückennetz ist auch auf großen Wasserflächen angebracht
    Unser Boot nach der Tour

    Unseren Wetter-Apps zufolge haben wir bis zum Regen und Gewitter noch viel Zeit, also stressen wir uns nicht mit dem einpacken. Allerdings fängt es genau in dem Moment an zu regnen, als Chris die letzten Sachen in unsere Dachbox packt. Dem Regen hat wohl niemand was von dem Plan der Wetter-Apps erzählt. Naja, nochmal Glück gehabt. Wir schauen uns noch das Visitor Center an und nutzen das WLAN. Die Parks haben auch Merchandise unter anderem diesen Button:

    Fühlen wir sehr

    Das fühlen wir sehr. Ab wann sind Mückenstiche eine Blutspende und hat man dann drei Monate Ruhe bis zur nächsten?

    Wir überlegen, was wir nun machen, warten bis der Regen aufhört und noch etwas wandern oder weiter fahren? Laut unseren Wetter-Apps soll es ja eigentlich gerade gar nicht regnen, dafür später, die sind also nicht sehr hilfreich. Wir entscheiden uns, weiter zu fahren. Kurz bevor wir den Park verlassen, hört es auf zu regnen, so ist es ja immer.

    Tiere haben wir keine gesehen, aber so groß ist ein Elch.

    Ein Fluss bildet die Parkgrenze und nachdem wir diesen passiert haben, sehen wir einen Schwarzbären am Straßenrand. Dieser wartet sogar so lange bis Bretti ihr Handy in der Hand hat, um ein Video zu machen. Generell haben wir bisher jegliches größere Wildlife außerhalb der Nationalparks gesehen.😁

    Die Qualität ist leider etwas mies, Teleobjektiv war nicht zur Hand

    Wir sind richtig begeistert über den Bären, hatten schon die Sorge, dass wir gar keinen zu Gesicht bekommen. Dieser Tag ist aber noch nicht zu Ende, während der Weiterfahrt steht ein Elch am Straßenrand. Elche sind, wie alle Hirschtiere, Wiederkäuer und so steht der/die Elch entspannt neben der Straße und kaut vor sich hin.

    Karibischer Abend am Lake Superior

    Wir folgen dem endlosen Lake Superior und haben heute wieder einen Stellplatz direkt über dem Strand. Es regnet mittlerweile wieder und es sind endlos viele Mücken unterwegs, trotzdem springen wir kurz ins Wasser. Gefühlt ist der See noch kälter geworden als Vorgestern.

    Aussicht aus dem Bett. Könnte schlechter sein.

    Vom karibisch anmutenden Sandstrand inspiriert machen wir erstmal Mojitos und hören karibische Musik. Für die Mojitos nutzen wir Ahornsirup anstatt Zucker, können wir eher nicht so empfehlen. Das Wetter ist sehr wechselhaft, so sehen wir noch einen Regenbogen und auf dem See bildet sich eine dicke Nebelbank, die alles verschlingt.

    Nebelbank zieht über den See

    Wir trauen uns bei den ganzen Mücken heute nicht mehr raus und machen uns eine schöne Zeit im Auto. Neben Mojitos backt Chris, inspiriert von unserem letzten Kauf, Brownie-Käsekuchen.

    Brownie-Käsekuchen in Rohform
    Jemand noch einen Mojito?

    Bretti versucht irgendwo Fußball zu schauen, aber die wollen frecherweise alle Geld dafür. So bleibt es beim Live-Ticker und Bretti übernimmt die Kommentatorenrolle. Als Abschluss des Tages schauen wir noch, was die Wildtierkamera bei den Bibern aufgenommen hat und das ist dabei rumgekommen.

    Wir sind sehr happy über die Biberaufnahmen. So haben wir uns das vorgestellt. Nach einigem Mücken-Klatschen geht es dann auch ins Bett.

    Doppeltankstopp

    Wir gehen morgens direkt wieder baden, das Wasser ist gefühlt noch kälter als gestern. Uns tun direkt die Füße und Beine weh vor Kälte und alles ist voller Mücken, also geht es zügig zurück ins Auto. Das Wetter ist heute sehr schön, aber wegen der ganzen Mücken frühstücken wir lieber im Auto mit Blick auf den See.

    Dies wird unser letztes Frühstück an den Great Lakes sein, denn heute verlassen wir den Lake Superior nach Westen. Es folgen zum Glück noch endlos viele Seen, diese sind bloß kleiner. Obwohl hier klein relativ ist. Der “Lake of the woods” ist zum Beispiel nur 4.400km² groß, der Lake Superior im Vergleich umfasst hingegen 83.100km², etwa ein Viertel der Fläche Deutschlands. Der Lake of the Woods ist somit ein vielfaches kleiner, aber trotzdem noch doppelt so groß wie das Saarland, in Kanada aber nur oberes Mittelfeld.

    Wir machen heute einen Doppeltankstopp. 80l in den Tank und 80l in die extra Kanister. Auf den nächsten Kilometern gibt es wenig Tankstellen. Außerdem wollen wir den Highway für einen Umweg durch die Natur verlassen. Dort finden wir vermutlich gar keine Tankstellen. Der Weg gehört zum Trans Canada Trail, dessen Idee es ist, nur auf unbefestigten Straßen quer durch Kanada zu fahren. Wir wissen nicht wie anspruchsvoll das wird, entsprechend bereiten wir uns auf alles mögliche vor. Mit den 180l Benzin kommen sogar wir ein paar Kilometer ohne Tankstelle aus. Die “Wildnis” startet aber erst Morgen. Vorher passieren wir noch die Wasserscheide zum Nordmeer. Alle Flüssen fließen von hier an ins Polarmeer. Immer wieder spannend sowas. Unser Stellplatz ist genau auf der Grenze zur nächsten Zeitzone (7 Stunden vor Deutschland), unsere Uhren sind mit dieser “Grenzerfahrung” aber nicht zufrieden und springen fleißig hin und her. Teilweise reicht es, sich im Bett von links nach rechts zu drehen. Der Stellplatz ist diese Nacht einfach an einem Waldweg. Nichts spannendes aber ruhig.

    Unser Stellplatz im Wald

    Abseits befestigter Straßen

    Bevor es abseits der befestigten Straßen durch die Natur geht, muss das Auto erstmal anspringen. Das ist momentan etwas zickig, deswegen versucht sich Chris schon mal während Bretti die restlichen Sachen zusammenräumt. Chris scheint den Dreh langsam raus zu haben, das Auto springt ziemlich direkt an und braucht nur etwas Standgas, damit es im Leerlauf nicht aus geht. So ist er aber an den Fahrersitz gebunden, während es stark anfängt zu regnen und alle Türen und Fenster noch offen sind. Mit dem Regenschirm kann er das Beifahrerfenster noch schließen. Durch den lauten Motor hört Bretti seine Rufe auch nicht, aber nach einer Weile bemerkt sie, dass es ins Auto regnet und schließt alle Türen und Fenster. Nochmal einigermaßen gut gegangen.

    Wir wissen leider nicht, woher die Startprobleme jetzt kommen. Zu wenig Luft oder zu wenig Benzin vermutlich, aber was sich nun wieder verändert hat… Naja, wir beobachten und lassen uns was einfallen. Wenn der Motor läuft ist auch alles gut und er fährt sich normal. Auch im Laufe des Tages macht er, meistens, keine Probleme.

    Nun soll es aber in die Natur gehen, dafür werden noch 100km Highway abgerissen und wir biegen dann in einen Waldweg ein. Der Trail ist eine nette Abwechslung zum Highway. Für den Weg hätte man aber kein Allrad oder ähnliches gebraucht. Wir fahren über trockene Schotterwege, nur mit weniger Bodenfreiheit hätte man bei ein paar Steinen sicher aufpassen müssen. Wir haben aber eine gute Zeit und sehen mehrfach Elch- und Bärenhinterlassenschaften, aber nicht die Verursacher. Eine Schlange schrecken wir auf, diese verzieht sich über die Straße. Zwischendurch kommen wir an eine alte Holzbrücke. Wir sind erst skeptisch, aber unter der alten oberen Schicht sehen die Balken noch sehr gut aus.

    Am Ende absolut unspektakulär.

    Nach ca. 30 km endet unser Weg an einem Fluss, die Brücke existiert nicht mehr und durchfahren ist keine Option. Sehr schade, aber auch das gehört dazu.

    Weg ohne Brücke

    Nun heißt es, die 30km zurück zum Highway, es gibt keine andere Überquerung. Auf dem Rückweg begegnet uns ein Ruffed Grouse (Kragenhuhn, Bonasa umbellus), welches gar nicht einsieht, uns Platz zu machen. Es plustert sich auf und “bedroht” uns. Erst dann sehen wir die winzigen Küken, die es verteidigt. Soooooo süß. Sie sehen aus wie Hühnerküken, aber maximal halb so groß.

    Zurück am Highway kippen wir erstmal zwei unserer Ersatzkanister in den Tank. Über 200 km ist der letzte Tankstopp schon wieder her, also erstmal tanken. Wir haben etwas hin und her überlegt, ob wir eine andere Route versuchen, uns aber dann dagegen entschieden. War eine nette Abwechslung, aber so spannend dann auch nicht. Wir düsen entsprechend weiter nach Westen. Wir finden noch eine Quelle am Rand des Highways und biegen dann in eine nicht mehr genutzte Straße ein. Wir haben uns extra für weniger Natur endschieden, weil wir Morgen die Reifen umsetzen wollen und für den Wagenheber ein fester Untergrund einfach besser ist. Außerdem hoffen wir, auf dem Teer weniger Zecken einzusammeln. Während wir die alte Straße lang fahren, um etwas Abstand zum Highway zu haben, entpuppt sich ein Stein auf der Straße, dem wir ausweichen, als Schildkröte. Wir bekommen einen ordentlichen Schreck. In diesem Fall gut, dass Schildkröten bei Gefahr an der Stelle bleiben, wo sie sind und nicht panisch weg laufen. Als wir nach dem Parken zurück gehen, ist sie aber weg und wir finden auch keine Unfallspuren. Dafür liegt am Straßenrand ein Pizza-Karton, vielleicht sind wir hier einem der Ninja Turtles auf Urlaub begegnet?

    Als Abschluss des Tages bekommt der Blinker Arc eine Fortsetzung, nun wird auch die rechte Seite mit LED ersetzt. Die LED links funktioniert immer noch tadellos.

    Boxenstopp, fast wie bei der Formel 1

    Nach dem Frühstück starten wir direkt in unseren Boxenstopp. Diesel wird getankt und es wird auch etwas geputzt. Wir suchen immer noch Leckagen am Motor, entsprechend werden Schläuche nachgezogen und Teile geputzt, um zu sehen, wo es wieder ölig wird. Ganz dicht wird der vermutlich nie, aber wir geben unser Bestes.

    Das größte Projekt heute ist, die Reifen von vorne nach hinten zu tauschen, damit sich der Verschleiß gleichmäßig verteilt. Unsere vorderen Reifen werden viel mehr abgefahren, wohingegen die hinteren wie neu aussehen. Eigentlich wollten wir, um Arbeit zu sparen, nur vier Reifen tauschen, normalerweise würde man alle sechs versetzen. Am Ende sind dann doch alle einmal ab, um die Bremsen und Radlager zu prüfen. Leider zeigt sich hier, dass zwei Radlager Öl verlieren. Das haben wir schon vermutet und die Teile aus Deutschland mitliefern lassen. Erstmal wird alles nur geputzt und geschaut, dass genug Öl im Portalgetriebe ist. Die Ölstände sind super, entsprechend ist es nicht viel Öl, was verloren geht. Die Radlager sind soweit auch heil. Das Öl landet aber in der Bremstrommel und das sorgt für eine verminderte bis gar keine Bremsleistung. Entsprechend werden wir bei Zeiten einen Stopp dafür einlegen. Auch wenn wir extra auf einer Straße stehen, muss Bretti später eine Zecke aus dem Bein ziehen. Die sind hier auch echt überall.

    Bretti am Reifen einbauen

    Der Boxenstopp dauert bis 14:00 Uhr, dauert also doch etwas länger als bei der Formel 1. Dafür gibt es bei uns Kuchen. Dann geht es wieder weiter Richtung Westen. Wir haben mehrere Stellplatz Optionen rausgesucht, vermutlich bleiben wir direkt beim ersten in 100 km, dieser verspricht eine richtige Offroadpassage.

    Kleiner Einschub: Wir haben schon häufiger diskutiert wie “Offroad” eigentlich wirklich zu nennen ist. Da ist ja immer irgend eine Art Weg, also so richtig Off ist man da nicht. Mit “4×4 Trail” findet man auch solche Wege, aber wir haben ja einen 6×6. Also alle 6 Räder sind angetrieben. Ein normaler PKW ist entsprechend 2×4, zwei Räder sind angetrieben. Anyway.

    Der Stellplatz verspricht eine spannende Passage abseits befestigter Straßen entlang eines Gebiets, welches durch seine Struktur eine definierte Richtung vorgibt. Das ist viel handlicher als einfach “Offroad” zu sagen. Außerdem ist er an einem schönen See.

    Auf dem Weg dorthin überholt uns ein LKW, soweit normal. Allerdings fährt dieser so, dass der Gegenverkehr auf den Standstreifen ausweichen muss. Wie man im unteren Video sieht, überholt er schon eine ganze Weile auf der Gegenfahrbahn, ohne Rücksicht auf den entgegenkommenden Verkehr. Wahnsinnige hat man auch hier.

    Die Zufahrt zum Platz ist etwas zugewachsen, entsprechend fahren wir erstmal vorbei, bzw. müssen auf dem Satellitenbild erstmal schauen, wo die sein soll. Der Weg folgt erst einer alten Straße, biegt dann in einen Waldweg ab, der auf felsigem Untergrund endet, wo wir uns ein Plätzchen suchen. Chris fährt und Bretti weist ihn ein, entsprechend ist sie jetzt alleine unterwegs. Ihr versteht, einweisen von einweisen in eine Klinik. Witze werden immer besser, wenn man sie erklärt. Ich (Chris) schweife ab.

    Es ist das erste Mal, dass wir auf Felsen unterwegs sind. Auch wenn der Fahrer definitiv mehr Übung benötigt, bringt das Gelände den alten Schweden nicht aus der Ruhe. Mit eingeschalteter Untersetzung ruckelt er über die Felsen und durch den Matsch. Die 40 cm Bodenfreiheit, also der Abstand vom Boden zum niedrigsten Punkt des Fahrzeuges, tun ihr übriges. Nach etwas rangieren und rückwärts einparken stehen wir mit wunderbarem Blick auf den See.

    Wir machen uns eine entspannte Zeit am See. Wir checken die Feuerwarnstufe, alles im grünen Bereich und bereiten Holz für ein kleines Feuerchen vor. Wunderbarerweise sind hier kaum Mücken. Keine Ahnung wieso, aber wir genießen das sehr. So stellen wir unsere Bank an das Seeufer und genießen den spiegelglatten See mit unserem Feuerchen.

    Feuer in unser Buschbox
    Chris, Bank und See

    Eine oder mehrere Schildkröten tauchen immer wieder mit dem Kopf aus dem Wasser auf und beobachten uns. Sehr knuffig. Wir futtern noch die Reste von gestern. Bretti hatte gekocht, nun leidet sie selbst sehr unter der Schärfe. Zur Ablenkung schnuppert Bretti am gut riechenden Nadelholz.

    Ich und mein Holz

    Ohne Mücken können wir es hier sehr gut aushalten und haben einen sehr schönen letzten Abend in Ontario. Denn Morgen geht es in die nächste Provinz Manitoba. Das seht ihr dann nächste Woche.

  • Woche 14 | Teil: 1 Viel wildlife entlang der Great Lakes

    Woche 14 | Teil: 1 Viel wildlife entlang der Great Lakes

    Canadiano anstatt Americano

    Wir starten in die neue Woche mit einem Gang zum Dorfbäcker/Souvenirladen/Spezialitätengeschäft. Wir wollen eigentlich Getränke vor Ort trinken und das Gebäck für später einpacken. Nach der recht chaotischen Bestellung kommt alles zum Mitnehmen, so viel zu unserem Pappbechercounter… Naja. Wir nehmen noch Cheesecakebrownie für später mit und frühstücken beim Losfahren. Chris bestellt sonst immer Americano, doppelter Espresso mit heißem Wasser, hier heißt der Canadiano, man will sich abgrenzen. Der Kaffee ist so lala, immerhin gab es nur einen kleinen anstatt dem bestellten großen. Das Gebäck ist dafür sehr gut. Das beste ist ein Pistazien-Schoko-Crossaint.

    Stellplatz und Bretti beim Vögel beobachten

    Unser Weg führt uns jetzt wieder durch naturbelassene Landschaft und nicht mehr durch Kulturlandschaft. Die war auch interessant, aber die Natur gefällt uns natürlich viel besser. Nach den Great Lakes geht es durch die “große Leere” vor den Rocky Mountains. Da wird es für 2000 km nur Kulturlandschaft geben, von daher sind wir froh über mehr Natur.

    Während der Fahrt liest Bretti aus dem Buch über die Flucht der Mutter unserer letzten Gastgeberin gen Ende des zweiten Weltkrieges vor. Das ist definitiv keine leichte Lektüre, aber gerade der große Kontrast zu unserem jetzigen Leben macht es umso wichtiger, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen und warum wir jetzt so leben können.

    Wir machen einen Tankstopp mit 1,02 € für einen Liter Superplus. Dazu Pizzapause und Fahreriewechsel. Nach unserer Zeit rund um Toronto wollen wir heute wieder Wasser auffüllen. Es gibt leider nicht wirklich Auswahl. Bei der einzigen Quelle steht ein Schild “Nur für Anwohner”. Es ist schon jemand da und wir fragen ihn, ob wir trotzdem etwas Wasser auffüllen dürfen. Er meint das ist kein Problem. Er erzählt uns noch von einem halb Albino Elchkalb, welches ein Bekannter von ihm gesehen hat. Allerdings wird das Wildlife auch hier durch den Menschen vertrieben. Die Minen machen so viel Krach, dass sich die Tiere weiter in den Norden verziehen.

    Wir folgen weiter dem Lake Heron und biegen am Ende unserer Tour in eine Schotterstraße ein, der wir 8 km zu einem kleinen See folgen. Es ist super ruhig und es gibt viele Insekten. Als wir uns wegen der Mücken in den Volvo verziehen, ist es leider schon zu spät und wir haben sehr viele Mücken im Auto, trotz Mückengitter vor den Fenstern.

    Es gibt viele Libellen. Das hier ist eventuell eine Lilypad clubtail (Arigomphus furcifer).
    Und das hier ist vermutlich ein Chalk-fronted Corporal (Ladona julia).
    Diese gelben sind Kanadische Tigerschwalbenschwänze (Papilio canadensis).

    Alles juckt…

    Das erste mal auf dieser Reise sind wir komplett zerstochen (das wird in den nächsten Tagen auch nicht mehr besser) und alles juckt. Nach den heißen Tagen am Lake Ontario, ist es hier fast schon kalt. Tagsüber 20°C und nachts nur 5°C, ganz angenehm. Für uns geht es aus dem Bett direkt in den See. Da es auch morgens viele Mücken gibt und auch Fliegen, die einen beißen, geht es bald wieder raus aus dem Wasser. Wir ziehen uns an und sprühen uns mit Insektenschutz ein, dann gibt es draußen Frühstück.

    Hier ist weit und breit niemand, deswegen lassen wir zum ersten mal unsere neue Drohne steigen.

    Der Stellplatz am See von oben
    Etwas teurer Selfiestick

    Um 13:30 Uhr machen wir uns dann auch mal auf den Weg. Vorher hat Chris noch unser eines Rücklicht repariert. Die Rücklichter wurden in der Geschichte des Autos schon mal “repariert”, aber leider sehr schlecht. Es ist also mit weiteren defekten Kabelverbindungen zu rechnen. Unser Weg führt uns durch kleinere Abschnitte mit Kulturlandschaft und überall gibt es Hinweisschilder auf Kutschenverkehr. Es sind auch auffällig viele Pferde auf den Koppeln und irgendwann sehen wir auch die ersten Pferde, die zur Feldarbeit eingesetzt werden. Die Leute sehen nicht aus wie Amish, die es hier auch irgendwo gibt, aber tragen andere traditionell anmutende Kleidung, sehr spannend. Der Asphalt trägt uns dann aber zügig weiter.

    Zwischen Vergangenheit und Moderne

    Wir stoppen an der Sault Ste. Marie Canal National Historic Site einer alten Schleuse, die den Lake Huron mit dem Lake Superior verbindet. Als wir dort ankommen, sehen wir direkt wie ein Schiff geschleust wird, schon sehr spannend. Auch die Entenfamilie, die in die Schleuse geschwommen ist, kommt unbeschadet unten im Lake Huron an.

    Entenküken in der Schleuse

    Neben der Schleuse befindet sich noch eine Insel, die den Nativ Americans (First Nation) “geschenkt” worden ist, da sie früher ein so wichtiger Fischereiplatz für das Volk dargestellt hat. Durch die Industrie der Europäer gibt es hier allerdings kaum noch Fische zu fangen. Der Umgang mit den Natives lässt uns immer sehr schwermütig zurück.

    In rot die Insel. Komisch, dass es kaum noch Fische gibt….
    Schön ist es hier natürlich trotzdem
    Auch wenn es für die Natives kein Lebensraum mehr ist, schaffen sich andere hier ihren Lebensraum. Hier ein Biberdamm

    Wir machen noch einen Einkaufstopp und wollen eigentlich eine Eiswürfelform kaufen, es soll wieder Mojitos geben, es gibt aber leider keine und deswegen nehmen wir Wassereis mit Geschmack mit. (So eine Tüte mit Eiswürfeln/crashed Eis würde nie in unser Eisfach passen.) Wir stocken noch weitere Vorräte auf und folgen dem See noch 100 km zu unserem Übernachtungsspot. Angekommen müssen wir noch die Füße in den See halten. Der Lake Superior ist viel kälter, deshalb verschieben wir das Badengehen auf Morgen früh.

    Hunde zum Frühstück?

    Wir schlafen gut und lange. Wir stehen an einem Bootsanleger in der Nähe von Häusern. Während wir draußen Frühstück aufbauen, werden wir von zwei Hunden belagert. Der Größere hat seine Nase genau auf Tischhöhe und hätte gerne auch was bekommen. Ein Einheimischer, der vorbeikommt, meint, dass die beiden überall ankommen, wo es was zu holen geben könnte. Beide sind aber sonst ganz entspannt und verziehen sich, als sie merken, dass es nichts gibt. Ein großer Greifvogel fliegt über uns hinweg, der sucht vermutlich auch noch Frühstück.

    Nach dem Frühstück rasiert Chris noch Brettis Undercut und dann geht es ins Wasser. Es ist immer noch sehr kalt. Ein Mädchen kommt auf einem Schwimmding vorbei und hat einen kleinen Hund dabei. Dieser schleppt bei Bretti immer wieder Steine an, die sie werfen soll, damit er sie holen kann. Das geht soweit, dass der Kleine gar nicht mit seiner Besitzerin weiterziehen will und immer wieder zu Bretti läuft. Am Ende schafft das Mädchen es aber, ihn mit genug kleinen Steinen zu überzeugen, mit zu kommen und wir können aufbrechen.

    Unsere Couch scheint uns zu belauschen (Belagerung beim Frühstück)
    Der Rest des Hundes zu den Ohren

    Wir fahren durch dünnbesiedeltes Gebiet, was uns auch zu einem Schild führt: “Letzte Tankstelle für 150 km”. Eigentlich wäre tanken erst so in 50 km dran. Wir haben uns angewöhnt ab 200 km auf dem Tacho, nach einer Tankstelle zu schauen. Die Preise unterscheiden sich teilweise sehr stark, da lohnt es sich mal weiter zu fahren. Bei unserer Reichweite von 350-400 km muss man da, aber schnell aufpassen. Der Volvo benötigt SuperPlus, das heißt hier Premium. Das Benzin hat eine höhere Oktanzahl als das normale super Benzin. Warum sich das schwedische Militär dafür entschieden hat, ist uns schleierhaft. Mehr Oktan hat natürlich Vorteile, Details erspare ich euch hier mal, aber in einem Notfall bekommst du das Zeug nicht an jeder Ecke. Genau so ergeht es uns auch hier an dieser letzten Tankstelle. Wir fahren aber seit Halifax, also seit ca. 9000 km, 20l Premium Benzin durch die Gegend und so sind wir unsere eigene Tankstelle. Hoffentlich geht uns jetzt nicht wegen einer Panne der Sprit aus. Dafür hatten wir die 20l nämlich eigentlich dabei.

    Mehr Kuchenpause, mehr Elch

    Wir haben zum Glück keine Panne und tanken die 20l Ersatz beim nächsten Mal wieder auf. Wir legen danach eine Kuchenpause an einem schönen Aussichtspunkt direkt an der Straße ein.

    Kuchenpausenplatz mit Blick auf Lake Superior

    Kurz nach dieser Pause sehen wir einen Elch am Straßenrand und später läuft auch noch einer vor uns über die Straße. Der Elchcounter ist somit bei drei und es ist ganz klar, dass wir mehr Kuchenpausen machen müssen.

    Wir fahren heute 350 km am Lake Superior entlang. Mit den 100 km gestern sind es jetzt 450 km und wir sind gerade mal bei der Hälfte des Sees, absolut riesig. Am Stellplatz angekommen, soll es eigentlich Mojitos geben, aber unser gekauftes Wassereis ist seit gestern noch null gefroren. Wir stellen den Kühlschrank eine Stufe höher, damit es morgen zumindest was wird. Zitat Chris: “Unser Safteis wird doch auch fest, wieso denn das Wassereis nicht?” Und da fällt uns auf, dass wir in den Safteisformen ja auch einfach Wasser einfrieren können… naja niemand hat gesagt, dass wir besonders schlau sind. Wir füllen die Safteisformen mit Wasser und hoffen für morgen das Beste.

    Morgen soll es in den Pukaskwa-Nationalpark gehen, dort wollen wir unser Aufblaskanu endlich mal nutzen. Das sind noch ca. 25 Minuten fahrt und heute stehen wir direkt an einem See mit Biberdamm. Nach dem Abendessen stellen wir unsere Wildtierkamera noch am Damm auf. Wir glauben zwar nicht wirklich daran, was aufzunehmen, aber genau so haben wir uns das mit der Kamera vorgestellt und versuchen muss man das dann ja auch. Bevor wir uns vor den Mücken wieder in den Volvo flüchten, sehen wir etwas im See schwimmen. Ist das ein Biber? Wir holen das Fernglas und die Kamera und “verstecken” uns auf dem Auto.

    Zwei Dullis auf dem Autodach umringt von Mücken

    Es ist ein Biber, der fleißig Material zum Damm transportiert. Lange halten wir es mit langen Klamotten, Mückennetzen für die Köpfe und Mückenspray aber nicht aus. Ausreichend zerstochen lassen wir den Biber seine Arbeit machen und verziehen uns ins Auto. Hier werden wir zum ersten mal, die nun jeden Abend stattfindende Choreografie des Mücken-Klatschens aufführen. Es klappt ganz gut, wir haben am nächsten Morgen nur wenige neue Stiche.

    Biber vom Autodach fotografiert

    Ob unsere Kamera in der Nacht etwas aufgenommen hat erfahrt ihr dann in Teil 2.

  • Woche 13 | Teil 2: Sprühnebel und ein Hauch USA

    Woche 13 | Teil 2: Sprühnebel und ein Hauch USA

    Ein neuer warmer Tag

    Morgens um 6:00 Uhr sind es schon wieder 23°C. Wir stehen mitten in einem Wohngebiet und der Highway ist nicht weit, trotz der Wärme haben wir ganz gut geschlafen. Brettis Kumpel muss heute arbeiten, entsprechend machen wir uns gegen 9:00 Uhr auf die Suche nach Frühstück in der Stadt. Gestern wurde mehrfach der Tiramisu-Eiskaffee des Café Phin empfohlen, also geht es erstmal dahin. Chris, mit seiner Laktose-Unverträglichkeit, traut sich da nicht ran, aber Bretti schlägt zu. Sie trinkt sonst keinen Kaffee, hoffentlich bekommt sie nun keinen Koffeinschock. Zu den Getränken gibt es noch eine Zimtstange und ein Schokobrötchen, alles sehr lecker.

    Wir haben keinen konkreten Plan für heute, haben dafür aber gestern viele Tipps für die Gegend bekommen. Wir holen uns noch etwas Proviant bei einer kleinen Bäckerei und spazieren Richtung See. Der See selbst taugt leider nicht zum Baden, jahrelang wurden die Industrieabfälle einfach in den See geleitet, entsprechend ist alles mit Schwermetallen und co verseucht. Die Tiere und Pflanzen lassen sich davon aber nicht unterkriegen. Unser erstes Ziel ist der Sassafras Point Lookout. Von dieser Landspitze im See kann man sehr schön die Tiere beobachten. Da wir so planlos in den Tag gestartet sind, haben wir leider kein Fernglas dabei, aber auch so gibt es viel zu entdecken. Ein Reh futtert ganz gemütlich im hohen Gras an einem Baum, Schildkröten sonnen sich auf einem Baumstamm im Wasser und auf dem See sind gaaanz viele Schwäne mit Babies unterwegs.

    Ein Reh im hohen Gras
    Schildkröte, die sich sonnt
    Spannende Kröten gibt es hier auch (American Toad)

    Am Aussichtspunkt lassen wir uns auch unseren Proviant schmecken. Alles wieder mal sehr lecker. Während wir dort sitzen, sehen wir wie Holzspäne vom Geländer auf den Boden fallen. Eine große Biene (es könnte eine Eastern Carpenter Bee sein) arbeitet sich zielstrebig in das Holz. Das ganze geht richtig schnell, erst ist sie noch zu sehen, dann ist das Loch so tief, dass sie ganz drinnen verschwindet und nur noch die Späne rausrieseln. Sehr faszinierend. Die Bienen sind bei den ganzen Holzhausbesitzern nicht so beliebt, lesen wir später. Komisch eigentlich.

    Es wäre kein Spaziergang in Kanada wenn nicht alles voller Eichhörnchen und Streifenhörnchen wäre. Zwischendurch sehen wir fünf Stück auf einmal. Unser Weg führt uns weiter durch einen schönen Wald, der immer wieder von wilden grünen Lichtungen durchbrochen wird. Am Ende spuckt uns der Weg wieder in die Parkanlage aus. Diese verfügt über alle möglichen öffentlichen Sportanlagen, Kinderspielplatz und viele Rasenflächen, die immer wieder durch natürliche Regenrückhaltebecken durchbrochen werden. Diese fungieren zusätzlich als kleine natürliche Oasen in der sonst kargen Rasenlandschaft. Ob das so viel bringt, wissen wir nicht, aber besser als nichts ist es sicher.

     Elektriker mit ‘m Stecker in ‘ner Hose

    Wieder zurück am Auto macht sich Chris daran, die neuen Elektronik-Bauteile zu verbauen. Die improvisierte Sicherung soll ersetzt und auch der Inverter noch eingebaut werden.

    Die Sicherung zwischen Lichtmaschine und Batterie wird jetzt durch einen Sicherungsautomaten ersetzt. Also eine Sicherung, die wie die zuhause einfach wieder eingeschaltet werden kann, wenn sie fliegt. Der bestellte ist leider in 250a anstatt 150a angekommen, aber immerhin besser als zu klein. Der alte Sicherungshalter fliegt raus und direkt an die Stelle kommt der Automat. Hoffentlich müssen wir da nicht mehr ran, aber so sollten wir zumindest in den USA oder sonst wo nicht wieder andere Sicherungen verbauen müssen.

    Für den Inverter muss erstmal alles unter der Couch raus. Die bestellten Kabel sind ein wenig zu kurz und insgesamt ist der Einbau etwas improvisiert, aber am Ende passt alles, inklusive des Sicherungshalters, den wir letztens noch gekauft hatten. Der neue Inverter hat 1200W, viel mehr als der davor. Nun sollten wir kein Problem mehr haben. Vorher mussten wir immer aufhören die Laptops zu laden, wenn wir Sahne schlagen wollten(First World Problems). Die 1200W würden auch für vieles andere reichen. Chris will zuhause eigentlich schon immer eine Heißluftfritteuse haben, aber das ist dann vielleicht doch etwas zu viel der Dekadenz.😉

    Chris beim Anschließen des Inverters und Bretti am Blogschreiben

    Die Sonne versteckt sich heute viel hinter den Wolken, trotzdem ist es warm und Chris schwitzt beim Rumwerkeln sehr. So sehr, dass er die Werkzeuge kaum richtig halten kann und mit den schwitzigen Beinen auf dem Boden rumrutscht.

    Zur “Abkühlung” laufen wir zum Schuster, um Brettis Wanderschuhe abzuholen. Praktischerweise haben sich die Wolken mittlerweile verzogen und die Sonne scheint wieder in voller Pracht auf den Beton der Straßen. Der Weg ist zum Glück nicht so weit und zurück am Auto gibt es zur Stärkung Kuchen. Wir entspannen noch etwas im Volvo und dann geht es auch schon wieder los. Wir haben uns bei einem Italiener mit Brettis Kumpel und seiner Freundin verabredet. Hier ist auch wieder alles sehr lecker und vollgefuttert machen wir uns ein letztes mal auf den Weg zur Wohnung. Wir können den ganzen Verpackungsmüll der Elektronik hier lassen und der Kater wird auch noch mal ausgiebig gestreichelt. Wir verabschieden uns auf bald, wo auch immer das dann sein mag.

    Niagara Falls und ein Blick auf die USA

    Heute soll es zu einem der Highlights Nordamerikas gehen, die Niagara Falls. Wie der Name verrät handelt es sich um mehrere Wasserfälle und der, den jeder immer direkt im Kopf hat, ist der Horseshoe Fall. Es sind noch ca. 100 km bis dahin und vorher gibt es erstmal Frühstück im Volvo.

    Auf dem Weg fahren wir an Hamilton entlang und sehen sehr viel Industrie direkt am See. Die, die “früher” ihre Abwässer in den See geleitet hat. Wir folgen weiter dem Lake Ontario immer Richtung Osten und USA. Der Niagara River mit seinen Wasserfällen bildet die Grenze zwischen den USA und Kanada. So nah waren wir den Staaten auf dieser Reise noch nie. Der Horseshoe Fall ist vorerst auch der südlichste Punkt der Reise. Im Oktober wollen wir dann von Britisch Columbia nach Washington einreisen.

    Es lohnt sich auf jeden Fall herzukommen. Es ist alles natürlich super touristisch, aber vor Ort verläuft sich das ganz gut entlang der Flusses. Wenn man bereit ist, etwas zu laufen, so ca. 300m extra, dann zahlt man auch nur 5-10C$ für das Parken und nicht 35C$ wie auf den offiziellen Plätzen. Wir hatten eigentlich überlegt die Bootsfahrt bis an den Fuß der Fälle zu machen, aber da hatten wir uns mit dem Preis vertan. Es kostet 50 anstatt 20C$ pro Person. Dafür kann man sich auch fünf Tageseintritte für einen National oder Provincial Park kaufen. Die Fälle sind auch vom Ufer aus sehr beeindruckend und die Bilder sprechen für sich selbst.

    Amerikanische Seite mit den America Falls
    Horseshoe Fall aus etwas Entfernung
    Wasserfall von näher dran, mit der teuren Bootsfahrt
    Am Abgrund

    Zurück am Auto gibt es, wer hätte es anders gedacht, erstmal Kuchen. Wir wollen heute zu (noch un-)Bekannten, die arbeiten aber noch bis 17:00 Uhr. Wir entschließen uns, am Niagara Fluss entlang zu fahren und uns eine National Historic Site anzuschauen. Mit dem Nationalparkpass ist der Eintritt gratis. Wir folgen dem Fluss und auf der anderen Seite der Straße reiht sich Weingut an Weingut. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Pflanzen hier nicht an Hänge gepflanzt, sondern ganz normal auf Feldern. Die stärkere Sonneneinstrahlung macht wohl ihr übliches. Am Fluss verläuft ein Fahrradweg durch einen schmalen Streifen Bäume, wo immer wieder Plätze zu einem Päuschen einladen, einige sind auch für Autofahrer zugänglich. Übernachten ist hier natürlich verboten, aber sie sehen schon einladend aus für eine Pause.

    Angekommen am Fort George stellen wir fest, dass das Parken hier 10C$ kosten soll. Das ist genau so viel wie der Eintritt. Toll, wenn der Eintritt “umsonst” ist (den Pass haben wir ja auch bezahlt), aber alles andere extra kostet. Wir sind heute bockig und sehen nicht ein das Geld fürs Parken auszugeben. Also fahren wir zurück zu einem der Rastplätze am Fluss und legen uns auf die Wiese unter die großen Bäume. Hier entspannen wir bis wir uns auf zu unseren Bekannten machen.

    Herzlich Willkommen bei Fremden

    Die “Bekannten” kennen wir noch gar nicht persönlich. Es sind Verwandte eines Freundes von Bretti. Er hatte sie gefragt, ob wir vorbei kommen dürfen und sie haben zugestimmt. Entsprechend wissen wir nicht wirklich, was uns erwartet als wir auf die Auffahrt fahren. Mit unserem unauffälligen Auto werden wir sofort entdeckt. Es gibt noch eine Führung über das sehr schön angelegte Grundstück und schneller als wir schauen können sitzen wir mit einem kalten Bier im Garten mit Blick auf den Lake Ontario. Wir sitzen vor dem Bootshaus und sprechen über alles mögliche. Als sich der Nachmittag in den Abend wandelt, wird BBQ vorbereitet und es kommen noch zwei Freunde unserer Gastgeber vorbei. Es sprechen hier alle Deutsch, aber es wird ein lustiger Mix aus Englisch, Deutsch und wunderbarem Denglisch gesprochen. Nach einem Tischgebet gibt es ein sehr leckeres Essen. Bretti mag sogar ALLE Gemüsesorten, die es gibt. Als Absacker gibt es einen Eiswein von 2003. Der sei eigentlich weiß, hat über die Jahre aber eine bräunliche Farbe angenommen. Schmecken tut er trotzdem.

    Als die Sonne im Lake Ontario untergeht verabschieden sich die Freunde und auch unsere Gastgeber wünschen uns eine gute Nacht. Wir schnappen uns noch ein Bier und schauen uns den Sonnenuntergang am Strand an. Man sieht von hier die Skyline von Toronto und langsam zeigen sich auch die ersten Sterne und Planeten am Himmel. Wir lassen den Abend Revue passieren und gehen zufrieden ins Bett.

    Sonnenuntergang über Toronto

    Ruhetag mit Garten

    Wir haben nicht wirklich einen Plan wie lange wir hier bleiben wollen, das sei auch kein Problem. “Wir kennen uns ja jetzt aus” und sollen uns wie zuhause fühlen. Unsere Gastgeber sind heute den ganzen Tag unterwegs und wir treffen sie nur mittags für einen kurzen Schnack. Heute bleiben wir auf jeden Fall hier und genießen den Garten und den See.

    Unser Auto steht im Vorgarten unter großen Bäumen und es ist dort sehr ruhig. Wir hätten eigentlich unten am See stehen sollen, aber unser Auto ist zu hoch für alle möglichen Durchfahrten. Wir versichern, dass wir dort wunschlos glücklich sind und schlafen recht lange aus.

    Der Tag startet, wie alle unsere Pausentage mit ein paar Kleinigkeiten am Auto. Unser Abwassertank lässt sich nicht mehr leeren. Der Hahn🐓 ist der niedrigste Punkt am Fahrzeug und wir hatten etwas Sorge, dass er unsere Pfützendurchfahrt nicht überstanden hat. Nach kurzer Fehlersuche zeigt sich, ein kaputtes Kabel ist das Problem, was schnell behoben ist. Mit the right stuff von Samuel dichten wir noch das Mitteldifferenzial ab, das verliert minimal Öl, das sollte jetzt behoben sein. Auch die Benzinpumpe verliert Öl. Die hatte Chris vor der Reise noch getauscht, weil sie Benzin verloren hat. Die neue verliert kein Benzin mehr, aber dichtet nicht 100% zum Motor ab. Auch das versuchen wir mit der Dichtmasse in den Griff zu bekommen, mal beobachten.

    Parken im Vorgarten

    Bevor wir uns der Haupttätigkeit des heutigen Tages zuwenden, baden und Bierchen, helfen wir noch einem Bekannten der Gastgeber beim Zusammenbauen seines Katamarans. Dieser ist aus Carbon, aber für den Mast hat er dann doch gern ein Paar Hände mehr. Nach getaner Arbeit kann es dann endlich an den Strand gehen. Der Lake Ontario ist hier wärmer als noch in Kingston und man kann entspannt baden. Bevor wir die Biervorräte unserer Gastgeber verbrauchen, leihen wir uns ein Auto und fahren in die nächste Stadt zum Einkaufen. Unser “Leihwagen” ist ein E-Pickup. Fährt sich ziemlich gut und so wie Chris grinst macht ihm das Spaß. Er integriert sich hier schon ganz gut.

    E-Pickup am Laden
    Grinsender Chris am Supermarkt

    Auf dem Weg zum Supermarkt stehen wir eine Weile an einer Klappbrücke über den Welland Kanal, dieser überbrückt mit 8 Schleusen 51m Höhenunterschied zwischen dem Lake Erie und Lake Ontario. Im Gegensatz zum Nord-Ostsee-Kanal zuhause, ist hier aber nur eine Brücke hoch genug, dass die Schiffe einfach unterdurch fahren können. Im E-Pickup mit Klimaanlage ist das Warten kein Problem.

    Wieder zurück wird im Garten entspannt und der Blog geschrieben. Man kann es hier schon sehr gut aushalten. Als wir zur nächsten Abkühlung in den See springen wollen, schwimmt vor dem Strand ein Schwanenpaar mit Babies. Die Schwäne greifen alles an, was sich nähert. Nicht mal die ach so aggressiven Kanada Gänse haben da Bock drauf und verziehen sich. Entsprechend ziehen wir uns auf unsere Gartenstühle vor dem Bootshaus zurück, die Schwäne werden schon weiterziehen.

    Bretti am Blogschreiben im Garten

    Prince der Gärtner stellt sich uns vor. Er meinte, wenn jemand mit einer Machete im Garten rumläuft, sollte er sich zumindest vorstellen. Sehr rücksichtsvoll. Die Machete nutzt er als Mehrzweckwerkzeug für quasi alle Gartenarbeiten.

    Nach einer Weile sind die Schwäne weiter weg und wir trauen uns ins Wasser. Nach einiger Zeit nähern sie sich uns wieder, verhalten sich aber absolut unauffällig. So ganz Geheuer ist uns die Sache nicht, aber es kommt zu keinem Zwischenfall.

    Am See lässt sich die Wärme sehr gut aushalten und wir genießen den Aufenthalt hier schon sehr. Morgen soll es merklich abkühlen und bis zu 50l Regen geben. Das ist aber erst Morgen und so genießen wir einen warmen Abend am See mit wunderschönem Sonnenuntergang.

    Sonnenuntergang am Lake Ontario
    Durchs 600mm Teleobjektiv sehen die ganz lieb aus
    Sonnenuntergang ist vorbei und liefert sehr schöne Farben

    Es heißt wieder Abschied nehmen

    Heute heißt es von diesem schönen Ort mit seinen wunderbaren Menschen Abschied nehmen. Grundsätzlich könnten wir hier auch viel länger bleiben, aber die Weite Kanadas ruft und es ist sehr schlechtes Wetter die nächsten Tage angesagt. Es regnet schon ab dem Morgen und so verbringen wir nur noch wenig Zeit in dem schönen Garten am See. Wir trinken noch einen Kaffee im Bootshaus, während draußen die Welt untergeht. Wir bekommen noch eine Ausgabe des Buches über die Fluchtgeschichte eines Teils der Familie unserer Gastgeber geschenkt. Wie die fleißigen Leser schon bemerkt haben interessieren wir uns sehr für die Zeit um 1945 in Deutschland und da passt dieses Buch sehr gut rein. #NieWiederIstJetzt

    Nach dem Abschied sprinten wir durch den Regen zum Auto und kommen ziemlich nass an. Manchmal macht der alte Schwede Probleme beim Anspringen, wenn es nass ist. Da es seit Stunden wie aus Eimern schüttet, muckt er heute auch besonders doll rum. Müssen wir weiter untersuchen. Am Ende springt er aber an und wir machen uns wieder auf Richtung Toronto und wollen dann weiter nach Norden zum Lake Huron.

    Auf der sechsspurigen Autobahn ist auch am Sonntag viel los und bei jeder Auffahrt staut es sich. Es zeigt sich hier gut, dass mehr Straße nicht automatisch zu besserem Verkehr führt. Toronto wollen wir wegen unserer Erfahrung vom Hinweg weiträumig umfahren. Ein Einheimischer meinte zu uns: “In Toronto braucht man immer mindestens eine Stunde bis nach Toronto”. Stau ist also vorprogrammiert. Wir verlassen den Highway entsprechend irgendwann und fahren über die Landstraße Richtung Norden. Das ist natürlich nicht schneller, aber man hat mehr zu gucken. Die schachbrettartig angelegten Straßen ziehen sich schnurgerade durch die Landschaft und immer, wenn sie sich treffen, gibt es eine Kreuzung mit einem Stoppschild an jeder Straße. Diese “4-Way-Stopps” sind uns immer noch ein Rätsel. Viel ineffizienter kann man Verkehr doch nicht regeln. Naja irgendwann reicht es uns mit den Stopps und wir nehmen wieder Kurs auf den Highway. Bevor es die letzten 100km bis zum Stellplatz geht, holen wir uns noch Pizza. Wir bekommen zwar nicht die Pizzen, die wir bestellt haben, aber schmecken tun sie trotzdem gut. Um nochmal zu warten, sind wir mittlerweile zu hungrig.

    Wir folgen dem Highway immer weiter Richtung Norden und die Landschaft wandelt sich wieder von Kulturlandschaft in die Natur, die wir von Kanada kennen. Die ganze Landschaft ist von Seen und Flüssen durchzogen, so wie man sich das vorstellt. Unser heutiger Übernachtungsplatz liegt auch in so einem Fluss, auf einer kleinen Insel. Wir sind hier an einer der vielen Schleusen, die mit den Seen und Flüssen ein riesiges Netz an Wasserstraßen bilden. Links rauscht der Fluss und rechts ist die historische Schleuse. So hört man den nahen Highway gar nicht. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang und stellen fest, dass the Icebreaker, ein Eisladenschiff, noch offen hat. Es ist mittlerweile kurz vor 21:00 Uhr. Eine Laktase-Tablette später sind wir mit jeweils zwei Kugeln Eis unterwegs und schauen uns die Schleuse an. Wie sich an Spaziergang und Eis erkennen lässt, hat der Regen aufgehört und es ist noch richtig schön geworden. Wir beenden den Spaziergang und machen es uns im Volvo gemütlich. Die nächsten Tage werden alle lange Fahrtage. Wo es uns dann hin verschlägt, lest ihr nächste Woche.

  • Woche 13 | Teil 1: Toronto erleben und schmelzen

    Woche 13 | Teil 1: Toronto erleben und schmelzen

    Kleine Triggerwarnung: In diesem Kapitel sind auf ein paar Fotos Schlangen und tote Tiere zu sehen.

    Badetag

    Heute bleiben wir am See. Wir starten den Tag mit Sektfrühstück, um nochmal richtig auf die Weiterfahrt anzustoßen. Wir frühstücken das erste Mal so richtig draußen mit Blick auf den See. Dabei werden wir immer mal von Spaziergänger*innen gegrüßt, die ihre Hunde Gassi führen.

    Während wir frühstücken laufen Eichhörnchen über die Stromleitung.

    Nach dem Frühstück gibt’s dann die erste Badesession des Tages. Das Wasser ist zwar immer noch ziemlich kalt, aber auch sehr erfrischend. Über den Tag verteilt werden wir immer wieder mal ins Wasser springen. Da Ruhetage bei uns ja nie ganz ruhig ablaufen, wird nun erstmal die Toilette auseinandergebaut und grundgereinigt. In der Sonne trocknet sie immerhin auch schnell wieder.

    Es sieht ganz schön chaotisch und platzeinnehmend aus, wir haben danach aber natürlich wieder alles eingeräumt.

    Nach einer weiteren kleinen Abkühlung im See backt Chris einen Apfelkuchen oder eher Apfelbrot, denn der Teig wird ganz schön fest. Bretti entspannt derweil am Ufer und beobachtet mit den Füßen im Wasser Enten und Streifenhörnchen. Den ganzen Tag über fliegen die verschiedensten Flugzeuge über uns hinweg, von Sportmaschinen, Privatjets, Hubschraubern und 4er Propellermaschinen ist alles dabei. Das ist schon ganz spannend. Die Beschreibung “wenig genutzter Flughafen” ist aber definitiv nicht so treffend.

    Am späteren Nachmittag sehen wir wieder die Kanadagansfamilie. Diesmal sind sie aber nicht allein. Wir sehen zwei weitere Kanadaganspaare mit 20 Jungtieren. Es sieht wie Co-Parenting aus, denn die Verteilung der Jungtiere zu den erwachsenen Tieren ändert sich immer mal. Generell sind hier viele Vögel, Hörnchen und Insekten zu sehen und auch ein paar Schlangen.

    Kandagans-Kindergarten

    Am Abend kommen wir lustigerweise mit dem Mann ins Gespräch, der den Platz in die iOverlander App, über die wir Übernachtungsplätze suchen, eingetragen hat. Er hat selbst mal in Deutschland gelebt, in Baden Baden. Nachdem er von unseren Reiseplänen hört, erzählt er uns von seiner Motorradtour nach Alaska, zeigt uns ein paar Fotos und gibt uns noch zwei Tipps für Stellplätze mit mega Aussicht.

    Wir schließen den Abend mit einer weiteren Badesession ab. Leider haben wir uns über den Tag ganz schön viel Sonnenbrand geholt. Wir haben das wohl noch nicht so raus mit der ganzen Sonne und dem guten Wetter. Das kühle Seewasser tut also nochmal richtig gut. Zum Glück haben wir auch noch Aftersun im Kühlschrank.

    Abenddämmerung am Lake Ontario

    Dem Auto ist warm, uns ist warm, alles ist warm

    Heute verlassen wir den Platz am See wieder. Das Seewasser sieht an diesem Morgen leider ganz schön schmockig aus, so dass wir auf ein Bad verzichten. Dafür sehen wir noch eine ca. 1 Meter lange nordamerikanische Wasserschlange (auch Siegelring-Schwimmnatter) am Ufer, zumindest vermuten wir, dass es eine ist.

    Northern Water Snake

    Beim Frühstück spricht uns ein Spaziergänger auf deutsch an. Er empfiehlt uns noch den nahen Nationalpark, 20 km östlich von uns. Dafür haben wir aber leider keine Zeit. Es liegt ein langer Fahrtag vor uns bis in die Nähe von Hamilton bei 25°C draußen und 33°C im Auto. Wir fahren erstmal die Landstraße am See entlang bis zu einer kostenlosen Fähre, die uns auf die Halbinsel Prince Edward bringen wird. Während wir auf die Fähre warten spricht uns ein Radfahrer an. Er und seine Freundin haben zuletzt in Europa studiert und viel Zeit in Berlin verbracht.

    Blick auf die Fähre von der Halbinsel aus.

    Auf der Halbinsel angekommen geht es zum Lake on the Mountain Provincialpark. Hier spricht uns ein alter Österreicher an. Er lebe seit 63 Jahren in Kanada. Eigentlich wollten er und seine Frau nur zwei Jahre rüber. Sie sei leider kürzlich verstorben. Seine Tochter lebe in Costa Rica, da wolle er aber nicht hin. Er bleibe in Kanada und mache weiter das beste aus seiner Pensionszeit, die schon vor 35 Jahren begann. Man merkt, dass er kein Kanadier ist, denn das Gespräch geht viel länger als sonst. Vielleicht freut er sich auch einfach, mit uns seine Muttersprache zu sprechen. Nach dem Gespräch halten wir noch unsere Füße in den See und essen etwas Kuchen. Dann geht’s weiter.

    Bretti am Lake on the Mountain

    Wir reißen ordentlich Kilometer ab und sind bei 20,5 l Sprit auf 100 km bei ca. 1,88 CAD pro Liter. Pünktlich zur Rush-hour kommen wir bei Toronto im Stau an. Immerhin eine “gute” Möglichkeit für Bretti, das Schalten zu üben, insbesondere der 2. Gang ist nämlich immer etwas sperrig. 😀 Die Straßen sind hier 6 bis teilweise 10-spurig mit vielen Auf- und Abfahrten. Hier herrscht auch kein Rechtsfahrgebot, das heißt, es werden vor uns fleißig Spuren gewechselt, eng eingeschert, ohne blinken ausgeschert, also Verkehrschaos pur wie man es gern hat. Abgesehen von Google Maps unhilfreichen Vorschlägen, eine Parallelstraße zu nehmen, die vermeintlich eine Minute schneller wäre, kommen wir aber ganz gut durch. Auch wenn wir ganz schön wegschmelzen, denn auf dem Highway steht die Luft und es ist sehr warm. Insgesamt brauchen wir mehrere Stunden bis wir Toronto schließlich passiert haben, dabei mit Blick auf die Skyline, die aus sehr vielen Wolkenkratzern besteht.

    Highway mit Blick auf Torontos Skyline, hier noch ohne Stau

    Ganz schön geschafft, machen wir eine kurze Pause und kaufen ein, bevor wir unseren letzten Fahrtabschnitt von 20 Minuten antreten. Während wir wieder so fahren verquatschen wir uns jedoch so sehr, dass wir 5 Minuten vor dem Ziel die Ausfahrt verpassen. Die nächste Ausfahrt kommt erst deutlich später, so dass wir uns damit einen Umweg von weiteren 20 Minuten beschert haben. Bei der nächsten Ausfahrt verquatschen wir uns fast wieder, doch diesmal schaffen wir es rechtzeitig. Wir fahren eine Landstraße entlang und sehen riesige Häuser und Villen, immer schön mit kurzen “Golfrasen” davor. Kurz vor unserem Übernachtungsplatz warnt ein Schild vor Wasser auf der Straße. Die rechte Straßenseite wird von einer riesigen Pfütze geflutet, die einen schon so anlächelt. Bretti schließt schnell die Fenster und dann geht’s volle Fahrt dadurch. Zitat Chris: “Wenn beim Durchfahren einer Pfütze sogar das Dachfenster nass wird, dann war es eine tiefe Pfütze.” Nach der Pfütze beschlägt die Frontscheibe, so warm-feucht ist es dadurch geworden. 😀 Zum Glück sind wir nun eh angekommen.

    Aufnahmen unserer Dashcam vorne und innen im Fahrerhaus.

    Diese Nacht verbringen wir auf einem Waldparkplatz an einem Feuchtgebiet. Man kann sich schon denken, dass sich hier die Mücken nur so tummeln. Deshalb geht’s auch schnell in die Wohnkabine, alle Fenster auf und alle Mückennetze zu machen. Wir stehen zum ersten Mal im Wald, deswegen will unser Starlink nur unzuverlässig funktionieren, so dass wir das Blogschreiben auf Morgen verschieben.

    Mücken, Frösche und Geier

    In der Nacht wird es nicht kälter als 20°C, wir schlafen aber ganz okay. Die nahe Straße ist zum Glück wenig befahren. Beim Zähneputzen entdeckt Bretti einen Frosch, der sich netterweise brav fotografieren lässt und sogar solange wartet, dass sie ihn Chris auch noch zeigen kann. Vermutlich ein Northern Leopard Frog.

    Northern Leopard Frog
    Ob der Falter auch Zähneputzen möchte?

    Nach dem Zähneputzen quatschen wir lange mit einem älteren Herren über die Gegend. Er sei schon als Kind hierher gekommen und nun wohne er nicht weit weg. Seitdem habe sich aber so einiges verändert. Wir tauschen noch ein paar Wandergeschichten aus, dann gibt er uns noch Tipps für einen netten Spaziergang, welche wir direkt befolgen. Wir laufen jedoch nicht lange, denn es ist sehr schwül und es gibt, Überraschung, sehr viele Mücken, auf dem Hauptweg immerhin nicht ganz so viele wie auf den schmaleren Seitenwegen.

    Am Wegesrand sehen wir weitere Frösche und wir hören viele Vögel.

    Dann gucken wir uns noch die Pfütze an, durch die wir gestern gefahren sind. Sie ist knöcheltief.

    Ein Stück weiter die Straße entlang erspähen wir noch zwei große Vögel. Praktischerweise haben wir das Fernglas dabei, so erkennen wir, dass es zwei Geier sind, die ein plattgefahrenes Eichhörnchen snacken.

    Omnomnom…

    Wieder am Auto überprüft Chris unterm Sofa, ob sich irgendwo Feuchtigkeit sammelt. Dabei fällt ihm der Feuchtigkeitssensor am Boiler in die Hand, der prompt auslöst, so nassgeschwitzt sind seine Hände. Dann geht es auf nach Hamilton.

    Kultureller Austausch und BBQ

    Nach Hamilton sind es nur noch 30 km ca. Bevor es zu Brettis Kumpel geht, stoppen wir noch bei einem Schuster. Von Brettis Wanderschuhen löst sich nämlich seit der 3. Woche in Kanada schon die Sohle. Seit der letzten Wanderung hängt sie nur noch zur Hälfte fest am Schuh, so dass nun wirklich mal was getan werden muss. Dem Schuster hatte Bretti vorher schon geschrieben, dass wir Reisende auf einem Roadtrip sind, deshalb sagt er vor Ort zu, die Schuhe bis zum nächsten Tag schon fertig zu machen. Lustigerweise ist Bretti mit zwei linken Schuhen hingelaufen, denn sie und Chris haben die gleichen Wanderschuhe. Immerhin ist das dem Schuster aufgefallen. Zum Glück hatten wir nicht weit weg geparkt, so dass Bretti schnell den rechten Schuh holen konnte. Danach ging es noch zu einem Piercingstudio, denn Bretti wollte einmal einen professionellen Blick auf ihre Ohrringe haben, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist. Chris gönnt sich in der Zwischenzeit einen Kaffee bei Tim Hortens.

    Brettis Kumpel kommt erst um halb 6 von der Arbeit nach Hause. Wir suchen uns aber schon mal einen guten Parkplatz in der Nähe seiner Wohnung, schreiben am Blog und gehen eine Runde durch das Wohngebiet spazieren. Uns fällt auf, dass die Vorgärten hier viel mehr Blumenbeete haben und nicht nur diese “Golfrasen”-Flächen. Wir sind froh, um jeden schattenspendenen Baum auf dem Weg, denn es ist ganz schön warm. Toronto liegt auf der selben Höhe wie Madrid, da ist es eigentlich ja auch kein Wunder, das vergisst man nur ständig.

    Dann kommt Brettis Kumpel von der Arbeit und holt uns ab. Bei ihm können wir erstmal duschen, Wäsche waschen und unsere ganzen Pakete inspizieren, die wir hierher geschickt hatten. Bei einem kühlen Getränk machen wir es uns auf der Terrasse gemütlich. Bald wird auch der Grill angeheizt. Die Runde wird noch von seiner französischen Freundin und einem kanadischen Freund ergänzt. Wir verstehen uns gut und quatschen über alles mögliche, viel auch über kulturelle Unterschiede. Lustigerweise können der Kanadier und die Französin auch deutsch. Der Kanadier hat sogar eine Zeit lang mal in Kiel gelebt. Die Welt ist ein Dorf. Die meiste Zeit reden wir aber auf englisch. Während wir da so sitzen und schnacken sehen wir mehrere Waschbären und einen Groundhog (auch Waldmurmeltier) durch den Garten watscheln. Das “dicke Eichhörnchen” im Park in Québec City war dann wohl auch ein Groundhog.

    Der Groundhog lässt sich von uns nicht stören. Der Kater ist übrigens an der Leine, da Katzen in Hamilton nicht frei rumlaufen dürfen.

    Wir sitzen noch lange auf der Terrasse, allerdings müssen die anderen arbeiten, also geht’s dann gegen 23:30 Uhr auch mal ins Bett. Das Thermometer unterm Auto zeigt immer noch 26°C an. Das wird eine warme Nacht.

  • Woche 12 | Teil 2: On the road again und die Probleme hören nicht auf

    Woche 12 | Teil 2: On the road again und die Probleme hören nicht auf

    Direkt vor der Halle haben wir eher mittelmäßig geschlafen, hier fahren auch alle LKWs vorbei, die hier nachts rumrangieren. Zusätzlich geht es um 7:30 Uhr am Auto weiter. Wir freuen uns auf die erste Nacht in der Natur…

    Wir beziehen wieder den Aufenthaltsraum, vermutlich zum letzten Mal. Auch wenn wir sehr froh sind, hier bald weg zu kommen, fühlt sich das schon komisch an nach der ganzen Zeit. Aber noch sind wir ja hier und holen uns ein ungesundes Frühstück beim Maxi um die Ecke.

    Um 9:30 Uhr kommt Samuel Freude strahlend vorbei, Motor läuft 4,5 bar Öldruck. Er hat eine kleine Probefahrt auf dem Hof gemacht. Nice, dass er eine Probefahrt macht, bevor die Bremsleitung repariert ist. Wie war das mit dem Arbeitsschutz? 😀 Die kommen als nächstes und sobald diese gemacht sind, macht Chris mit ihm eine Probefahrt auf der Straße. Bremsleitungen machen ist mit dem richtigen Werkzeug echt kein Hexenwerk.

    Die Probefahrt ist soweit erfolgreich und die beiden kommen wieder heil an der Werkstatt an.

    Jetzt ist erstmal Mittagspause und wir nutzen die Zeit zum einkaufen. Wir sind noch gar nicht darauf vorbereitet wieder ohne fußläufigen Supermarkt auszukommen.

    Während die Werkstatt die Rechnung und co fertig macht können wir euch zeigen, was jetzt genau kaputt war.

    kaputte Kurbelwellenlager

    Das sind zwei Kurbelwellenlager. In diesen dreht sich die Kurbelwelle und diese müssen immer gut geölt sein, damit keine Reibung entsteht. Damit das gut klappt wird mit Druck Öl durch die Löcher in die Rinne gedrückt und so wird die goldene Fläche immer schön geölt. Die Kurbelwelle hat mehrere dieser Lager und alle müssen genug Öl abbekommen. Löst sich an einem jetzt etwas vom Material, drückt sich an diesem Lager mehr Öl raus und die anderen Lager bekommen nicht mehr genug Öl ab. Generell wird im Motor Öl mit Druck an ganz viele Stellen gedrückt, damit alles schön geschmiert ist. Kommt jetzt irgendwo zu viel Öl raus, bekommen die anderen Stellen nicht mehr genug ab. Um zu überwachen, ob alles genug Öl bekommt, misst man den Druck, mit dem das Öl durch den Motor gedrückt wird und zeigt das im Cockpit an. (Oder nur mit einer Warnleuchte, wenn dieser Druck zu niedrig ist). Sinkt der Öldruck kann das, wie bei uns, auf kaputte Kurbelwellenlager hindeuten und bis zur Zerstörung des ganzen Motors führen. Soweit Samuel das sagen kann, ohne den ganzen Motor zu zerlegen, sieht der Rest des Motors gut aus.

    Das Problem mit den Lagern der Kurbelwelle hatten wir schon bei unserem letzten Ölwechsel festgestellt. Damit bleibt man auch nicht liegen, man sollte es aber zeitnah untersuchen. Liegen geblieben sind wir wegen folgendem.

    Am Ende des Schaltgetriebes und am Anfang des Verteilergetriebes sitzen zwei Zahnräder, die ineinander greifen.

    Zahnrad am Schaltgetriebe
    Zahnrad im Verteilergetriebe

    Das Zahnrad des Schaltgetriebes steckt in dem des Verteilergetriebes. Wie man auf der Außenseite des ersten und auf der Innenseite des zweiten gut sieht, sind diese stark abgenutzt. So doll, dass dort keine Kraftübertragung mehr statt gefunden hat. Wenn keine Kraft vom Getriebe aufs Verteilergetriebe übertragen wird, bewegt sich das Auto nicht mehr vorwärts.

    Die Ursache dafür waren zwei kaputte Kugellager im Verteilergetriebe.

    Kugellager aus dem Verteilergetriebe

    Wie auf dem Bild zu sehen, sind alle Kugeln im Lager an einer Seite zusammen. Die sollen aber eigentlich gleichmäßig verteilt sein. Sitzen die Kugeln nicht mehr an ihren richtigen Stellen, fängt der Ring in der Mitte an zu wackeln. Das führt dazu, dass die Welle, auf der auch das zweite Zahnrad sitzt, ganz leicht Spiel bekommt. Mit diesem kleinen Spiel greifen die Zahnräder nicht mehr sauber und verschleißen so mit der Zeit.

    Die Zahnräder und Kugellager sind nun neu und haben kein Spiel mehr. Zusätzlich wurden noch alle möglichen Dichtungen an den Getrieben und am Motor erneuert. Insgesamt führt das zu einem Haufen Altmetall und einer hohen Werkstattrechnung.

    Knapp 1000€ Altmetall

    Insgesamt haben wir 4.100€ an die Werkstatt gezahlt. 2.500€ für das Getriebe und 1.600€ für die Kurbelwellenlager. Wir hätten ehrlich gesagt mit mehr gerechnet, der Chef meinte sie sind uns etwas entgegen gekommen wegen der langen Wartezeit. Dazu kommen noch 410€ für die Kardanwellenlagerteile. Das teuerste dabei ist eine neue Ölpumpe, diese war tatsächlich doch gar nicht kaputt, also haben wir jetzt eine Ersatzpumpe dabei. 895€ haben wir für Getriebeteile ausgegeben, davon sind alleine 600€ das große Zahnrad. Im nächsten Leben werde ich wohl Zahnräder für Oldtimer herstellen. 5.595€ macht das insgesamt. Das ist natürlich viel Geld, aber solche Reparaturkosten haben wir eingeplant, nur den Monat Zeit gibt uns leider keiner zurück.

    Unser Werkstattaufenthalt neigt sich nun nach 25 Tagen dem Ende zu. Wir zahlen unsere Rechnung, bekommen noch zwei Aufkleber für unsere Aufkleberwand. Danach hatten wir extra gefragt, ist (hoffentlich) der Ort auf unserer Reise, wo wir (unfreiwillig) am meisten Zeit verbracht haben. Samuel fängt uns noch am Auto ab, er hat noch Getriebedichtmasse für uns. Die hatte er uns noch empfohlen und schenkt uns die angefangene Kartusche. Das sei “the right stuff“, um sowas abzudichten.

    Man wusste nicht so richtig wie man sich verabschieden soll. Wir haben schon recht viel Zeit zusammen verbracht, aber kennen tut man sich ja auch nicht. Das sieht man auch den Mitarbeiteries der Werkstatt an. Wir sollen uns mal melden und Fotos schicken, sagen sie. Das nehmen wir uns auf jeden Fall vor. Mit einer sonderbaren Gefühlslage sind wir wieder on the road.

    Das wichtigste ist uns heute von diesem Werkstatthof weg zukommen und nachts keine Kühlaggregate zu hören. Entsprechend reißen wir noch 130 km nach Montmagny ab. Hier gibt es einen kleinen Wasserfall, den wir uns anschauen wollen. Auf dem Parkplatz stellen wir fest, dass unsere Standheizung läuft. Die ist scheinbar einfach angegangen. Wir schalten sie erstmal aus und wollen es beobachten.

    Mini Wasserfall

    Am Wasserfall dürfen wir nicht stehen, aber die Stadt hat einen kostenfreien Womoplatz. Nicht schön aber pragmatisch. Dort angekommen läuft die Standheizung schon wieder. Kurz entschlossen ziehen wir die Sicherung. Nach dem ganzen Werkstattaufenthalt ist das erstmal ein Problem für Morgen.

    Um zu feiern, dass wir wieder unterwegs sind, hatten wir uns eine Flasche Rosé-Sekt gekauft. Der war nicht nur sehr teuer sondern schmeckt auch noch besonders schlecht. Naja, es geht ja um das Symbol. Wir freuen uns, wieder unterwegs zu sein und haben einen sehr entspannten Abend.

    Der erste Tag wieder on the road

    Am nächsten Morgen werden wir von unserem Dachlüfter geweckt, der immer ganz kurz angeht. Scheinbar spinnt jetzt unsere ganze Elektronik im Aufbau. Auch hier ziehen wir erstmal die Sicherung.

    Zwar unsanft geweckt, dafür wird noch dekadenter als sonst gefrühstückt, denn wir gehen Frühstücken. Es gibt hier ein Bretonisches Café die Pâtisserie l’Epi d’Or Café Breton. Zuerst gibt es klassische Gallettes und dann nehmen wir noch eine Auswahl vom Kuchenbuffett mit. Am liebsten hätten wir alles mitgenommen. Klassisch französisch packen wir noch ein Baguette und ein Croissant ein.

    Wir fahren diesmal an Québec City vorbei. Auf dem Highway gibt es vor uns eine Unfallstelle auf der linken Spur. Rettungsgasse gibt es nicht und so muss sich jedes Notfallfahrzeug einzeln durch den dichten Verkehr schlängeln. Ein Feuerwehrfahrzeug hält 300 m vor der Unfallstelle und zündet am Straßenrand Bengalos, als Warnung? Warndreieck oder ähnliches kennen die hier wie es aussieht auch nicht. Es ist etwas stressig, aber auch spannend. Der Unfall war zum Glück nicht so schlimm und so sind wir auch bald an der Stelle vorbei. Wenn jemand den Verkehr geregelt hätte, wäre das sicher viel schneller gegangen.

    Wir schrubben nun weiter Kilometer runter bis Montreal.

    Der Wal und wir on the road again

    Irgendwann hat der Volvo Zündaussetzer. Die Sicherung zwischen Lichtmaschine und Batterie ist kaputt und so wurde die Batterie seit einer Weile nur noch über die Solaranlage geladen. Das erklärt auch unsere Elektronikprobleme, die Aufbaubatterie ist vermutlich komplett leer. Unser Batteriewächter zeigt das nicht an. Der scheint, wenn er keinen Strom bekommt, einfach wieder bei 100% Akku anzufangen… Wir halten auf einem Rastplatz und Chris liegt erstmal unterm Auto im Regen und schaut sich die Lichtmaschine an. Er hatte die Sicherung schon mal gegrillt, als er mit einem Werkzeug den Pluspol kurzgeschlossen hatte, war das in der Werkstatt vielleicht wieder passiert? Immerhin scheint kein dauerhafter Kurschluss vorzuliegen und wir tauschen erstmal die Sicherung. Die Innenraumbatterie wird beim Losfahren mit 40a geladen, so soll das sein.

    Nach kurzer Zeit geht die Batterie Warnleuchte wieder an. Die hatte vorher schon ganz leicht geleuchtet, hatten das erstmal auf ein Masseproblem geschoben, wars scheinbar nicht. Wir halten wieder an und jop die Sicherung ist wieder durch. Das sind 80a Sicherungen, also doppelt so hoch wie der gemessene Ladestrom, sehr sonderbar, dass die kaputt gehen. Es hilft alles nichts, also ab zum nächsten Canadian Tire, wir haben nur noch eine Ersatzsicherung. Lieber vorm Laden liegen bleiben als mitten auf dem Highway.

    Angekommen, essen wir erstmal den leckeren Kuchen aus dem Café von heute morgen. Nervennahrung, so viel Zeit muss sein. Dann messen wir erstmal alles durch, so direkt gibt es keinen Kurzschluss. Um die Lichtmaschine zu testen, muss die letzte Sicherung eingelegt werden. Im Stand sieht alles gut aus. Batterie wird geladen und die Ladespannung ist mit 28V auch richtig(wir haben eine 24V Batterie). Wir setzen zur Probefahrt auf dem Parkplatz an und die Sicherung ist direkt durch. Alles sehr sonderbar, aber nun brauchen wir erstmal neue Sicherungen und gehen in den Laden.

    Das Personal ist leider maximal unhilfreich. Sie schauen auch nur auf ihre Webseite und diese ist leider sehr schlecht, da hatten wir schon selber geschaut. Nach etwas stöbern finden wir große Sicherungen. Unsere gibt es hier natürlich nicht, aber immerhin andere große, inklusive Sicherungshalter. Leider wissen wir nicht wie viel Strom unsere Lichtmaschine liefert, die Originale ist auf jeden Fall nicht mehr verbaut und es steht kein Typenschild drauf. Wir kaufen eine 175a Sicherung, viermal soviel Strom wie gemessen. Wenn die durchbrennt, scheint irgendwie ein Kurzschluss zu entstehen. Zusätzlich haben wir noch eine 100a Sicherung inklusive Halter gekauft, um unseren zu ersetzen, aber erstmal testen wir mit der Großen.

    Improvisierter Sicherungshalter. Rechte Klemme hält Kabel und Sicherung zusammen.

    Mit dem improvisierten Sicherungshalter fahren wir eine Runde im Kreis auf dem Parkplatz. Bretti fährt und Chris sitzt hinten und beobachtet seine Konstruktion. Alles funktioniert wie gehofft. Die Lichtmaschine scheint heil zu sein. Chris hatte vorher, noch den Regler der Lichtmaschine getauscht, der Alte scheint aber nicht das Problem gewesen zu sein. Der Regler kümmert sich darum, dass die Batterie die richtige Spannung zum Laden bekommt. Naja jetzt wissen wir immerhin, dass unser mitgenommenes Ersatzteil passt und der alte wandert in die Ersatzteilkiste. Die Theorie ist bisher: dadurch, dass die Innenraumbatterie leer ist, zieht sie kurzzeitig so viel Strom, dass die Sicherung das nicht packt. Die extra große scheint das ja abzukönnen.

    Lichtmaschinenregler wechseln auf dem Canadian Tire Parkplatz

    Nach unserer Parkplatz-Probefahrt starten wir wieder Richtung Montreal. Bretti fährt und Chris bleibt hinten sitzen. Wir haben da einen dritten Sitz mit Anschnaller und durch unsere Headsets können wir ganz entspannt quatschen. Erst bleiben wir auf der Landstraße und nachdem alles unauffällig bleibt, geht es wieder auf den Highway. Die Konstruktion hält besser als gedacht. Während der Fahrt bestellt Chris schon mal einen Sicherungsautomaten, der das Provisorium ablösen soll. Unser Inverter wartet ja noch auf uns in Hamilton und für den benötigen wir auch noch Teile. Das ganze wird durch diesen Einheiten-Wahnsinn hier erschwert. In Europa hätte man die benötigten Kabel in mm für den Durchmesser, m für die Länge und wieder mm für die Größe der Anschlüsse angeben. Das wäre aber viel zu einfach. Der Durchmesser wird in AWG (american wire gauge) angegeben, 0 ist hier übrigens das größte. Die Länge ist in Fuß und die Anschlüsse in Zoll. Ganz einfach eben.

    Wir kommen ohne weitere Zwischenfälle an unserem Übernachtungsplatz bei Montreal an. Die Stadt lassen wir links liegen und stehen an einem Park im Außenbereich. Es ist recht schwierig, hier schöne Plätze zu finden, aber hier kann man es aushalten. Wir machen noch einen Spaziergang durch den Park und die nähere Umgebung und dann geht es zurück in den Volvo, um den Abend ausklingen zu lassen.

    Skyline Montreal am anderen Ufer des St Lorenz Stroms
    Spaziergang im Außenbereich von Montreal

    Wir verlassen Québec

    Heute verlassen wir nach dieser langen Zeit die Provinz Québec. Da wir nicht wissen, ob in Ontario, der nächsten Provinz, Bier auch so “günstig” ist, geht es nochmal einkaufen. Vorher wird noch die Elektroimprovisation upgegradet(hält mittlerweile schon seit für ca. 900 km) und auf geht es.

    Wir stoppen bei einem SAQ (Société des alcools du Québec), ein Alkoholgeschäft, was aber irgendwie kaum Bier verkauft. Es gibt nur Import-Bier. Darunter befindet sicher Super Bock, das ist ein portugiesisches Standard Bier. Auf unserer Portugal Tour, hatten wir das gerne getrunken und nehmen deswegen zwei mit. Nachdem wir weitergezogen sind, fällt uns auf, dass der Einkauf schon recht teuer war. Vermutlich haben wir anstatt zwei Bier, den Preis für zwei Sixer bezahlt. War dann doch gar nicht so günstig wie gedacht. Naja, zurück fahren tun wir dafür auch nicht und weiter geht’s zum Lake Ontario.

    Wir sind schneller als erwartet in Ontario und machen eine Pause bei Tim Hortens. Wir hatten vor unserer Panne extra Thermobecher gekauft, um nicht immer Pappbecher nutzen zu müssen. Wir haben vermutlich jetzt schon unser Einwegpappbecher-Kontingent für unser Leben aufgebraucht. Diese unnötige Müllproduktion soll jetzt ein Ende haben. Bei Brettis Kakao funktioniert das sehr gut, Chris koffeinfreier Kaffee landet erst im Pappbecher. Vielleicht hat es auch an der Kommunikation gehapert, nach der ganzen Zeit im französisch sprechenden Québec ist das Englisch etwas eingerostet. Naja immerhin 50% Müllvermeidung. Der mittlere Kaffee kostet hier nur 1,13€ und schmeckt gut, da kann man nicht meckern.

    Tanken ist in Ontario auch wieder etwas günstiger 1,14€ für einen Liter Superplus. Fast wieder an unserem Planungswert von 1,10€. Anmerkung aus der Redaktion: Ist natürlich schon wieder teurer geworden…

    Wir sind jetzt ziemlich nahe an der Grenze zur USA unterwegs und es hängen vermehrt kanadische Flaggen und “Proudly Canadian” Schilder überall. Ob es da einen Zusammenhang gibt?

    Kanada mag Flaggen

    Es gibt hier in einem Ort, ein gratis Freibad mit Duschen, dort würden wir uns gerne erfrischen. Leider ist hier noch Offseason und der Pool öffnet erst Ende Juni.

    Chris bekommt seine Erfrischung dann aber beim Wasserauffüllen, durch einen bewegungsgesteuerten Wasserhahn. Dieser hat sich zur Aufgabe gemacht, jede Person nass zu spritzen, die sich ihm nähert.

    Es ist heute sehr warm und sonnig, deswegen testen wir mit der Kühlung von uns und dem Auto rum. Grundsätzlich sollten wir keine Probleme mit einem überhitzenden Motor bekommen, denn wir können ja immer den Koffer hinten heizen. Aber das sollte ja nicht der Standard werden, denn abends soll es da drin ja auch wieder kalt werden. Also testen wir die Kombinationen aus Heizung und Wasser erwärmen durch und beobachten die Kühlmitteltemperatur. In Deutschland auf unseren wenigen Sommertouren war das nie ein Problem, in Kanada kommen wir mit abgeschalteter Heizung schnell über 90°C Kühlmitteltemperatur. Das ist für den Motor kein Thema, aber die hohen Berge der Rocky Mountains warten ja auch noch auf uns und dafür wollen wir vorbereitet sein. Auf dem Highway mit unseren 70 km/h Reisegeschwindigkeit finden wir einen Kompromiss zwischen Motor und unserer Wärme. Das größte Thema für uns ist auch eher die Sonne, die direkt durch die Fenster scheint und weniger die warme Luft der Heizung. Die nächsten Tage sind bis zu 30°C und Sonne satt angesagt, deswegen planen wir Morgen auch einen Pausetag am See ein.

    Wir fahren heute nach Kingston(nicht das in Jamaika), das liegt hier in guter Gesellschaft zwischen Alexandria, Verona und Athen. Es gibt hier wie gesagt nicht viele schöne Plätze, auch dieser liegt direkt am Flughafen, der soll aber nicht sehr belebt sein. Nur vor Golfbällen vom benachbarten Golfplatz soll man sich in acht nehmen.

    Angekommen am Lake Ontario gehen wir direkt baden und genießen diesen wunderschönen Platz. Zwischendurch weichen wir einer Gänsefamilie aus, wenn man dem Internet glaubt, das aggressivste Tier Kanadas.

    Das aggressivste Tier Kanadas

    Auf der Straße und am Flughafen ist bis abends noch gut Betrieb, aber das beruhigt sich in der Nacht wieder. Wir können uns ehrlich gesagt keinen besseren Platz für unseren ersten Pausetag nach unserem langen Werkstattaufenthalt wünschen. Auch wenn es schon wieder etwas mehr Action als nötig gab, sind wir froh, wieder unterwegs zu sein. Wie es weiter geht, lest ihr dann nächste Woche.

    Karte der Woche(jetzt lohnt sich das ja auch wieder)