Woche 4 | Teil 1: Neue Woche, neue Provinz

Foto: Treppe, die halb von Schnee bedeckt ist.

Fähre (taufen)

Das Online-Buchen der Fähre hat gestern Abend überraschenderweise noch funktioniert und der Motor springt auch an, zwar nicht perfekt aber ausreichend. Ohne Frühstück geht es direkt zum Hafen. Nach dem Check-In und einer Security Kontrolle des Fahrzeugs, stehen wir auch schon im Wartebereich. Wie alle Security Kontrollen, die ich mit Fahrzeugen bisher erlebt habe, wurde nur die Tür aufgemacht und kurz reingeschaut. Alles sehr sicher. Wir machen schnell Frühstück, denn ab 10:00 Uhr sollen wir abfahrbereit sein. Um 10:00 Uhr passiert natürlich noch lange nichts, aber man weiß ja nie. Während der Wartezeit sprechen uns ein paar Leute auf das Auto an und wir haben kurze nette Gespräche. Kurz bevor es aufs Boot geht tauchen drei Männer neben dem Fahrerfenster auf. Die drei kommen aus Finnland und Estland. Es sind die ersten anderen Touris, die wir treffen. Auch sie haben uns wegen des Volvos angesprochen, aber im Gegensatz zu den Einheimischen wissen die drei genau, was das für ein Fahrzeug ist, denn sie besitzen insgesamt ca. 15 dieser Fahrzeuge. Die drei fahren seit Jahren Offroad und haben schon alles mögliche mit den Volvos angestellt. In Kanada sind sie aber gerade mit einem Leihwohnmobil und haben sich deshalb sehr gefreut einen Volvo hier zu sehen. Es geht für sie die nächsten drei Wochen von Halifax nach Toronto. Das sind mal eben über 4000km. Sie sind also “etwas” schneller als wir unterwegs. 😀 Wir bekommen während der Fährfahrt noch viele Langzeitreisetipps für das Auto und hören viele Offroad-Geschichten. Wie fast alle Menschen, mit denen wir hier in Kontakt kommen, sind auch diese drei schon ein älteres Semester. Bevor man sich verabschiedet stehen wir noch vor dem Volvo und es werden solche Sätze gesagt wie: “Das ist der B30a Motor oder? Das höre ich am Geräusch” oder nach einem Fingertippen auf den Lack: “Das ist die Aluzinkkarosse richtig?” Mich wundert es, dass sie nicht auch noch die Motorölmarke am Geräusch erkannt haben. Die Überfahrt ist sonst entspannt und ereignislos. Der Volvo springt auch bei unserer Ankunft in Port aux Basques soweit gut an und wir starten unsere ersten Kilometer auf dem Trans Canada Highway.

halb leere Fähre durch etwas Eis fahren

Wir fahren erstmal entgegen der Hauptrichtung, um am nächsten Tag entspannt in der Hafenstadt Wasser aufzufüllen. Allerdings ist auch dieser Stellplatz mal wieder durch Schnee blockiert. Also geht es die 30km zurück und wir essen erstmal Pizza. Es wird langsam spät, die Fähre hat um 18:45 Uhr angelegt, aber hungrig (und bei einigen hier dann auch schnell grummelig) braucht man gar nicht erst weiter machen. Newfoundland liegt übrigens mit einer halben Stunde Unterschied in einer anderen Zeitzone als Nova Scotia. Wir fahren nach der Pizza zur Wasserstation, die auch Meterhoch unter Schnee begraben ist. Leider nicht so überraschend. Was dafür überraschender ist, sind die 6 Autos die sich hier im Industriegebiet treffen und nebeneinander mit laufendem Motor quatschen. Ich weiß nicht ob sie “Stille Post” spielen oder sich eben nur die Leute direkt nebeneinander unterhalten können. Etwas verwirrt und mit unter 10% Wasser fahren wir weiter. Langsam ist es richtig dunkel und wir kommen zum ersten mal in den Genuss der absolut nicht erkennbaren Straßenmarkierungen in Kanada. Es ist zum Glück kaum etwas los, aber im dunklen Fahren werden wir in Zukunft noch mehr vermeiden. Der nächste Platz ist nur zum Teil unter Schnee begraben, hier bleiben wir. Die Nacht wird zwar windig, aber mit Meerblick ist das alles nur halb so tragisch.

Frühstücksaussicht nach windiger Nacht

Erster Tag auf Neufundland

Ja unsere Scheibe ist sehr dreckig. Putzen lohnt nicht so wirklich, die wird eh jeden Tag wieder dreckig.

Bevor wir uns auf zum Leuchtturm machen, spricht uns ein älterer Herr an und erzählt uns ein bisschen über Neufundland. Auch, dass hier am Cape Ray zuletzt noch ganz viele kleine Fischerhütten standen, die der Sturm aber alle davon gespült hat. Wie immer eine nette kurze Begegnung. Die Kanadier, verabschieden sich bisher dann auch immer schnell wieder. Dann machen wir uns auf zum Leuchtturm. Dort lernen wir, dass am Cape Ray, wo wir uns gerade befinden, ein dickes Stromkabel liegt, welches Neufundland mit dem Festland verbindet und die Insel mit Strom versorgt. Unser Leuchtturm-Spaziergang fällt etwas kürzer aus, denn es ist verdammt kalt und windig. Nun geht es weiter auf dem Trans Canada Highway oder TCH wie wir cool-people sagen nach Corner Brook. Hier versuchen wir wieder mal, Wasser aufzufüllen, aber auch hier ist leider alles abgestellt. Wir klappern noch auf der Suche nach einem neuen Zündkerzenstecker ein paar Autoteileläden ab, aber es scheint aussichtslos. Online bestellen kann man das ohne Probleme, also ist es kein wirkliches Problem. Wir suchen zusätzlich noch Blei-Adaptiv für unseren alten Volvo. Früher, was echt noch nicht so lange her ist und echt schlecht für die Umwelt und alles ist, war Blei im Benzin und unser alter Motor benötigt das. Im Canadian Tire eskalieren die Mitarbeiter völlig, um uns zu helfen. Sie telefonieren nicht nur die anderen Fialen ab sondern auch ganz andere Firmen. Diese übertriebene Hingabe ist zwar nett, uns aber auch etwas unangenehm, aber man kann Menschen ja auch nicht aufhalten. Die Mühe bleibt erfolglos, aber auch das Zeug gibt es online. Mein(Chris) persönliches Spielkind Highlight des Tages ist, dass man mit der Canadian Tire App, wenn man im WLAN des Stores ist, eine kleine LED am Fach des gesuchten Artikels blinken lassen kann, um den dann schneller zu finden. Den Faltkanister, den ich gesucht habe, finde ich zwar auch so, aber ausprobieren muss ich das natürlich trotzdem. Zurück am Auto hält die Polizei neben uns, aber auch die sind nur am Auto interessiert und nach einem kurzen Gespräch fahren sie weiter und wünschen eine schöne Reise. Wir kaufen noch kurz Lebensmittel und wollen dann eigentlich weiter, werden aber in kurzer Zeit von vier Leuten angequatscht, von denen wir einen absolut nicht verstehen. Ein anderer Kanadier probiert zu vermitteln, aber der erste ist nicht zu bremsen. Es werden noch Fotos gemacht und dann können wir maximal überfordert endlich los zum Stellplatz.

Auch dieser Platz ist nicht erreichbar, also fahren wir erstmal weiter zu einer Quelle. Hier können wir mit unserem neuen Faltkanister endlich Wasser auffüllen.🎉 (Es wurde beim Einfüllen in den Tank nur minimal das Auto geflutet, auch wenn das andere Teilnehmer dieser Reise vielleicht anders bewerten würden.) Als letztes geht es noch 1 km weiter und wir haben endlich unseren Stellplatz für die Nacht. Direkt an der Straße, aber mit Blick auf das Meer und den Blow Me Down Provincial Park, wo wir am nächsten Tag wandern wollen.

Parkplatzaussicht

Meer, Schnee, Wandern

Wie gesagt geht es heute in den Blow me Down Provincial Park. Eine kurze Wanderung zum ersten Aussichtspunkt. Wir planen keine längeren Wanderungen mehr, weil durch den Schnee auch kurze Wanderungen sehr anstrengend sein können. So auch hier. Der Park ist natürlich auch Seasonal Closed, hätten wir gar nicht gedacht, gut dass es ein Schild gibt.

Ob die Straße wohl geschlossen ist?

Wandern kann man auch hier trotzdem (auch offiziell ist das erlaubt) und wir folgen älteren Spuren zum Trail. Der Weg besteht aus sehr vielen Treppen, die mal mehr mal weniger eingeschneit sind.

Immerhin nur kniehoher Schnee

Die Wanderung kann ich absolut empfehlen, man hat immer wieder eine wunderschöne Aussicht. Es schneit durchgängig ein wenig und ab und zu kommt die Sonne raus. Der Schnee ist eindeutig Regen vorzuziehen, bei durchgängigem Nieselregen wäre das hier ganz schön bescheiden. Der Trail geht noch über die ganze Halbinsel, was sich sicher auch sehr lohnt, aber heute nicht für uns, wir wollen noch weiter.

Weg und Schnee bieten ausreichend Abwechslung
Einer der vielen wunderschönen Aussichten

Richtig beseelt kommen wir wieder beim Volvo an. Jetzt geht es ein paar Kilometer weiter zur Bottle Cove. Hätten wir jetzt schon gewusst, dass die MSC Baltic 3 ein paar Buchten weiter gestrandet liegt, wären wir noch dahin gefahren. Wussten wir leider nicht, die Ecke ist aber auch so absolut einen Besuch wert.

An der Bucht angekommen machen wir wieder nur die kleine Wanderung und laufen nicht zum Leuchtturm. Hier braucht es auch keine vielen Worte mehr, wir können noch unseren ersten Neufundland Cache einsammeln, alles andere zeigen die Bilder.

Bottle Cove mit Sea Cave
Steilküste und wildes Wasser
Aussicht auf die Berge gibt es hier auch
Dann kam die Sonne raus. Entspannung im Windschatten mit Blick auf die Bucht und…
https://youtu.be/dWIcmg-sQEM
… neugierigen Eichhörnchen.