Woche 9 | Teil 2: Der etwas andere Campingplatz

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Waschtag

Unser Stopp in Rivière du Loup war ja etwas ungeplant und wird sich wohl noch etwas ziehen. Entsprechend müssen wir mal wieder waschen und duschen wäre auch nicht schlecht. Da wir unseren Wassertank hier nicht nachfüllen können, wollen wir das kostbare Trinkwasser nicht zum Duschen nutzen. Die Werkstatt hatte uns schon ein Auto angeboten, um zum nächsten Truckstopp zu fahren, dort kann man waschen und duschen. Das nehmen wir gerne an. Wir sind auch sehr gespannt wie sich ein modernes Auto auf den kaputten Straßen fährt. “Leider” sind die Straßen bis zum Truckstopp viel zu heil, um einen wirklichen Vergleich zu machen.

Angekommen am Truckstopp regelt Bretti die Kommunikation und wir können für 5C$ waschen und trocknen. Die Waschmaschine steht im Hinterzimmer der Tankstelle, etwas sonderbar, aber erfüllt seinen Zweck. Eigentlich wollen wir auch noch duschen, aber das kostet für uns “Nicht-Trucker” 15C$ pro Nase. Das ist uns zu viel und wir entscheiden uns dazu, Wasser zu organisieren und unsere Haare im Auto zu waschen.

Warten, dass der Trockner fertig ist

Ohne Duschen haben wir hier jetzt sehr viel Wartezeit. Wir tanken noch Diesel nach. Nur mit Kochen verbrauchen wir nicht viel, aber wenn man schonmal die Möglichkeit hat. Einer der Tankstellenmitarbeiter hört beim Einräumen der unendlichen Mengen an Bierpalletten echt gute Metalmusik, was uns etwas die Zeit vertreibt.

Wir halten auf dem Rückweg noch bei dem Maxi, wenn man die Einkäufe schonmal nicht tragen muss und kaufen noch alkoholhaltiges Bier und 8l Trinkwasser. In Kanada ist auch langes Wochenende, am Montag ist Victoria Day, wo man traditionell den Anfang des Sommers mit Grillen und Lagerfeuer feiert. Wir wissen zwar noch nicht, ob sich für uns was ergibt, aber so sind wir zumindest vorbereitet.

Zurück bei der Werkstatt werden erstmal die Haare gewaschen. Chris ist noch nicht so lange im lange Haare-Game und er wäscht sich zum ersten mal “manuell”, wie er sagt, die Haare über’m Waschbecken.

Spaß beim Haarewaschen

Mit frisch gewaschenem Haar geht es an die nächste Aufgabe. Der bestellte Inverter ist mittlerweile in Kanada angekommen, muss aber gegen Unterschrift von Chris ausgelöst werden. Das gilt theoretisch für alle Luftfrachtpakete. Warum die Autoteile einfach auf die Veranda von Brettis Kumpel gestellt werden konnten, ist uns schleierhaft. Wir recherchieren erstmal wie man eine Vollmacht in Kanada ausstellt und schicken diese weiter an Brettis Kumpel. Mal sehen ob das klappt.

Da wir eh schon am Computer sitzen, schauen wir auch schon mal nach Versandangeboten von Deutschland nach Kanada. Es ist nicht wirklich gut vergleichbar, aber für 250€ kann man 20kg, quasi unabhängig der Größe in 4-5 Tagen nach Kanada schicken. Wir sind ganz froh, dass die Kupplung in Ordnung ist, die alleine hätte schon 8kg gewogen. Mal abwarten, was die Teile zusammen wiegen.

Unser Aufenthalt bei der Werkstatt wird noch einige Zeit dauern, also müssen wir uns auch Gedanken um die Abwasserentsorgung machen. Wir nutzen eh nur biologisch abbaubare Seife, das sorgt für ein etwas weniger schlechtes Gewissen, dassWasser auf dem Grünstreifen neben dem Werkstatthof zu entsorgen. Trotzdem machen wir das lieber im Dunkeln, das spart uns im Zweifel Erklärungen.

Das ist doch alles (Frisch-)Käse

Beim Frühstücken ergibt sich mal wieder ein neues Recherchethema: Frischkäse. (Ich weiß auch nicht, warum unser Frühstück immer so lange dauert.) Wir schauen beim Einkaufen ja in der Regel nach veganen oder Bio-Produkten. Dabei geht es uns zum einen um die Tierhaltung und zum anderen um die Nachhaltigkeit/Naturverträglichkeit. Beim Frühstücken haben wir nun festgestellt, dass der Bio-Frischkäse von der dänischen Firma Arla und tatsächlich auch aus Dänemark importiert ist. Manchmal haben die Firmen ja auch Produktionsstätten im jeweiligen Land, aber das ist hier wohl nicht der Fall. Wir fragen uns, wie lange sich Frischkäse eigentlich hält und ob er per Schiff oder Flugzeug nach Kanada geliefert wird. Unsere Recherche ergibt, dass Frischkäse sich tatsächlich ziemlich lange hält und vermutlich zusätzlich noch tiefgefroren transportiert wird. Der Import macht es wohl dennoch weniger nachhaltig, da kann man dann lieber die Priorität auf lokale Produktion setzen oder was meint ihr?

Sightseeing in Rivière du Loup

Nach dem Frühstück geht es für ein bisschen Abwechslung auf in die Innenstadt von Rivière du Loup. Erstmal geht es bei strahlendem Sonnenschein 3 km an der Straße entlang. Nach einem Kilometer gibt es sogar einen Bürgersteig. Wir stocken an einem Schild, dass die Brücke wegen Arbeiten geschlossen sei. Ein Umweg wäre ganz schön lang und würde an einer Schnellstraße entlang führen. Zum Glück ist die Brücke aber für Fußgänger frei. Wir laufen am Fluss entlang zu einem schicken Wasserfall.

Dann geht es weiter in die Innenstadt. Wir wollen schon mal auskundschaften, wo wir uns später was zu essen holen können und holen uns noch ein paar Bierchen der lokalen Mikro-Brauereien in einem Biergeschäft, das ein bisschen was von einem “Späti” hat. Nun geht’s wieder zurück zum Wasserfall und weiter in den dazugehörigen Park. Dort sehen und hören wir viele Vögel, die dank der Merlin Bird ID App erkannt werden (Danke nochmal für den Tipp, Saskia & Valerie). Ein paar Geocaches finden wir auch.

Chris am Boden der Tatsachen… wo er einen Geocache gefunden hat.

Außerdem diskutieren wir viel über die Gesellschaft und die NS-Zeit. Chris liest gerade das Buch “Inside the third Reich”/”Erinnerungen” von Albert Speer, das viel Gesprächsstoff liefert. Irgendwann treiben uns eine volle Blase und ein leerer Magen aber wieder in die Innenstadt. Bei den zweistöckigen Holzhäusern mit Veranda in der Einkaufsstraße bekommen wir leichte Western-Vibes. Wir setzen uns ins Restaurant “Taxi”, in dem ein alter gelber Käfer (also das Auto) von der Decke hängt und Fotos von Marilyn Monroe, James Dean und Elvis die Wände zieren. Gut gesättigt geht es dann wieder zurück zum Volvo. Hier entspannen wir gerade bei ein paar YouTube-Videos als sich auf Chris Handy die Polarlicht-App meldet. Es gäbe an unserem Standort eine Wahrscheinlichkeit von 25% für Polarlichter. Wir versuchen unser Glück und gehen raus, allerdings ist es hier viel zu hell. Wir erwähnten ja schon die Flutlichter. Ein anderes Mal haben wir bestimmt mehr Glück.

Chris:”Da seh ich doch eindeutig Grün am Himmel.” Bretti:” Naja…”

Lassen wir das Pendel sprechen

Am Samstag ist es auch wieder richtig sonnig. Wir wollen heute ein paar kleine Reparaturen am Auto machen. Dafür gehen wir erstmal in den Baumarkt, denn wir brauchen Silikon. Der Baumarkt ist praktischerweise direkt um die Ecke, quasi gegenüber vom Supermarkt. Hier wundern wir uns wieder mal über die hohe Anzahl an Personal. Gefühlt gibt es im Laden mehr Mitarbeiter*innen als Kund*innen. Wir werden entsprechend auch 4x gefragt, ob wir Hilfe brauchen. Wie in Kanada wohl die Personalkosten aussehen? Nach dem Baumarkt geht es noch einkaufen, damit wir für das lange Wochenende ausreichend Vorräte haben. Montag ist hier Feiertag, der Victoria Day, um Queen Victoria zu ehren.

“Shortly after the Canadas were united into the Province of Canada, the Parliament sought to create a new public holiday that would form common ground between English and French Canadians, helping them transcend their religious and cultural differences. The birthday of Queen Victoria was selected to be transformed into a public holiday, as it was a date that appealed to both English and French Canadians. At the time, loyalty to the Crown was seen as a key trait that distinguished Canada from the United States and the monarchy was viewed as a “guarantor of minority rights” in the colony.” – Wikipedia

In Quebec heißt der Tag auch National Patriots Day.

“Quebec replaced Victoria Day with National Patriots’ Day, which commemorates the patriotes of the Lower Canada Rebellion of 1837.” – Wikipedia

Wieder beim Auto angekommen, starten wir mit den kleineren Reparaturen am Auto, z.B. dem Abdichten der Türkante bei der Duschwanne. Chris pendelt noch den Sturz des Reifens aus, allerdings ist es recht windig. Vielleicht probieren wir es nächste Woche nochmal mit Heilsteinen. Ansonsten entspannen wir bei guter Musik auf unserer Bank zwischen den LKWs, trinken ein paar Bier und bekommen Festival-Laune.

Fast wie auf einem Campingplatz oder so…

Eigentlich sollte die Werkstatt auch schon längt geschlossen haben, samstags hat sie offiziell nur bis 12 Uhr mittags auf, bis 21 Uhr ist hier aber noch Betrieb. Vielleicht ist es aber auch das Aufräum-Team, das noch so lange arbeitet, denn es werden viele Müllcontainer rausgebracht.

Hallo, wir sind die neuen Nachbarn

Am Sonntag machen wir nach dem Frühstück einen kleinen Spaziergang durch die Nachbarschaft. Kurz überlegen wir, uns als die neuen Nachbarn vorzustellen. Eine Woche werden wir ja mindestens noch hier sein. Wir treffen niemanden also geht es wieder zurück. Heute werden die kleineren Reparaturen am Auto fortgesetzt und Küche und “Bad” ein bisschen geputzt. Dabei müssen wir uns jedoch bemühen, den Wasserverbrauch so gering wie möglich zu halten, denn wir haben nicht mehr so viel und kommen durch den Feiertag erst Dienstag wieder an neues Wasser ran.

Zum Lohn gibt es Chris neueste Nachtischkreation, Butterkekse-Kaffee-Schoko-Dessert.

Die Kreation gibt sich etwas widerspenstig, könnte an der teilweise 1 cm dicken Schokoschicht liegen. Zitat Chris: “Ich hätte auch den Pinsel zum Verstreichen der Schokolade nehmen können, aber ich hatte keine Lust, den sauber zu machen.”

Ansonsten wird heute noch gekocht, Blog geschrieben, entspannt und recherchiert, ob und wohin wir nächste Woche einen Ausflug machen könnten. Vielleicht leihen wir uns dann mal ein Auto für ein paar Tage. Eine Woche hier nur rumsitzen und auf Autoteile warten ist ja auch irgendwie langweilig und schade um die Zeit. Dazu erfahrt ihr nächste Woche dann mehr.

Die etwas unspektakuläre Reiseroute diese Woche

Comments

2 responses to “Woche 9 | Teil 2: Der etwas andere Campingplatz”

  1. Andy Avatar
    Andy

    Das sieht doch den Umständen entsprechend echt entspannt aus bei euch.

    Britta hat das Paket mit den Ersatzteilen heute gegen 10 Uhr UTC zur Post gebracht.

    Bin gespannt, was der kanadische Zoll dazu sagt.

    1. Brettolix und Chrisolix Avatar
      Brettolix und Chrisolix

      Ja da sind wir auch gespannt. Vermutlich gibt es mindestens noch eine Gebühr von 100€.
      Hauptsache es kommt an und der Kram passt dann auch

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