Category: Newfoundland & Labrador

  • Woche 7 | Teil 1: Von Newfoundland in den Frühling

    Woche 7 | Teil 1: Von Newfoundland in den Frühling

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    Wasche wasche

    Wir starten sonnig in den Tag bei ganzen 4 °C, im Auto sind es zum Glück 17°C. Heute wollen wir waschen und Meter machen, also geht es direkt zum Waschsalon, der nur ein paar 100 m entfernt ist. Wir können direkt davor parken und alles läuft super. Bretti haut 3 Waschmaschinen durch und trocken bekommen wir auch alles, 45 Minuten Trockner werden uns davon auch noch von einer anderen Kundin geschenkt, die noch Restzeit übrig hatte. Das Personal ist hilfsbereit und für 15C$ kann man echt nicht meckern. In der Zwischenzeit tüdel ich am Auto rum, lüfte Staukisten und räume Dinge um. Man wundert sich ja, wie viel Platz entsteht wenn man richtig aufräumt. Wir werden beide natürlich auch aufs Auto angesprochen. Manche Klamotten kommen nicht in den Trockner und wir hängen sie im Auto auf. 7°C und Sonne fühlen sich schon richtig warm an, im Windschatten und mit langen Klamotten.

    Eine der Toploader-Waschmaschinen mit horizontaler Trommel

    Nach diesem erfolgreichen Start geht es auf Richtung Fährhafen Port aux Basques, wo wir auch vor 3 Wochen angekommen sind. Die Fahrt verläuft unspektakulär und wir wechseln uns beim Fahren ab. Wir hören momentan fleißig den Podcast Weird animals, klare Empfehlung. Im Ort angekommen holen wir noch Pizza ab, die ich online vorbestellt habe. Irgendwie habe ich mich mit der Größe vertan, zu der 12 Zoll Pizza (ca. 30 cm) kommen 21 Zoll Garlic Fingers, also ein großes Backblech ca. Kann ja mal passieren.😅 Wir wollen davon auch morgen auf der Fähre was essen, von daher passt das schon.

    30 cm sehen schon recht klein aus im Vergleich

    Durch das ganze Fahren haben wir viel warmes Wasser, welches wir direkt zum Duschen nutzen. Diesmal klappt alles wunderbar und wir müssen das Wasser nicht durch die Tür ablaufen lassen.

    Wieder eine Fährfahrt

    Dafür, dass wir mitten im Ort stehen haben wir ganz gut geschlafen. Wir frühstücken etwas Pizza und machen uns auf zum Hafen. Beim Check-in gibt es diesmal keinen “Security check”, dafür müssen wir unsere Möhren abgeben. Irgendwas ist hier im Boden, was nicht verbreitet werden soll, deshalb dürfen Möhren oder Kartoffeln die Insel nicht verlassen. Wir vermuten ja, die Securityfrau wollte sich einfach den Einkauf sparen.

    Wir treffen diesmal keine spannenden Leute an der Fähre und entsprechend vergehen das Warten vorher und die Fahrt selbst ereignislos. Es wird gelesen, Podcast gehört und aufs endlose Wasser geschaut. Es ist zwar mehr los als auf dem Hinweg, aber der Großteil des Schiffes ist trotzdem noch leer und die See ist diesmal deutlich ruhiger.

    Auf dem Fahrzeugdeck
    Vielleicht war uns etwas langweilig zwischendurch

    Da wir die Probleme mit dem nicht anspringenden Auto scheinbar gelöst haben, ist auch die Ankunft entspannt und wir fahren zum bekannten Platz in Florence. Hier liegt gar kein Schnee mehr und wir nutzen die untergehende Sonne für einen Besuch am Strand, das hatten wir beim letzten Mal nicht geschaft.

    Strand, aber immer noch kalt

    Mehr Strand

    Das Wetter soll heute wunderbar werden und deswegen wollen wir wenig im Auto sitzen und suchen uns einen schönen Stellplatz an einem nahen See. Der Bras d’Or Lake ist riesig und nimmt den ganzen inneren Teil von Nord Nova Scotia ein. Eigentlich ist der See direkt mit dem Atlantik verbunden also nur eine Bucht? Naja wir werden da mal nicht kleinlich sein. Bevor wir losfahren sehen wir noch einen Baby Fuchs im Garten nebenan und kurz darauf schaut auch das Muttertier vorbei. Hier auf der Ecke hatten wir auch beim letzten Mal schon einen Fuchs gesehen. Damals noch im Schnee und viel größer.

    Unser erster Stellplatzversuch am Bras d’Or Lake ist direkt super. Einfahrt eng und steil, aber das ist für den Volvo kein Problem. Ein bisschen weiter stehen hier einige dieser riesigen nordamerikanischen Wohnwagen. Wie sie die die Einfahrt heil runterbekommen haben ist uns ein Rätsel. Ich stecke kurz die Füße ins Wasser, ist immer noch kalt. Danach packen wir unsere Campingbank aus und genießen ein Bier in der Sonne. Wir sind schon um 12:00 Uhr angekommen, also bleibt viel Zeit für Entspannung und Dinge tun.

    Ich checke ein paar Sachen am Auto. Unsere vorderen Räder fahren sich ungleichmäßig ab, das ist natürlich ungünstig. Mit etwas Recherche und einem super hilfreichen Forum sind schnell mehrere mögliche Ursachen identifiziert, die wir die Tage angehen werden. Bretti sammelt derweil Müll, davon gibt es hier mehr als genug. Es kommen auch immer mal sinnvolle Dinge dabei hervor, die wir bestimmt mal gebrauchen können. So gesellt sich ein solider Nagel zu einem Hering, einem Hardplastik-Rohr, einem länglichen anderen Stück Plastik (was auch schon genutzt worden ist) und einem Haken. Das kann man sicherlich mal brauchen.

    Während Bretti Feuerholz sammelt und klein macht, kommt ein Hase vorbei gehoppelt. Der bleibt erst 5 m vor uns stehen, verschwindet dann aber auch ganz schnell. Bevor wir uns gemütlich ans Feuer setzen, mache ich noch eine neue Dessert-Kreation. Waldfruchtcreme auf Schoko-Kaffee-Waffeln. Nicht verkehrt aber nächstes mal wird’s doch wieder Oreokaffeecreme. Das Feuer brennt entspannt runter und wir machen es uns im Volvo noch gemütlich. Wir freuen uns auf die Tage, wo man abends lange am Feuer sitzt und die Sterne beobachtet.

    Platz mit Seeblick
    Auch die Windmühle hat Bretti beim Müllsammeln gefunden
    Mit unserer Buschbox haben wir schon in einigen Ländern Feuer gemacht. Im Gegensatz zu einem großen Feuer braucht man viel weniger Holz
    Feuer mit Fuß
    Karte Woche 7 Teil 1

  • Woche 6 | Teil 2: Von Pannen und Wanderungen

    Woche 6 | Teil 2: Von Pannen und Wanderungen

    Unsere erste Panne

    Wir haben leider keine Robbe mehr gesehen, dafür war es eine ziemlich ruhige Nacht. Nur unser Siphon vom Waschbecken ist wieder eingefroren, entsprechend war es ziemlich kalt heute Nacht. Das sieht man auch auf der windzugewandten Seite des Volvos, alles ist überfroren.

    Die Tür muss etwas überzeugt werden aufzugehen.

    Die Fenster sind so dick überfroren, dass wir sie nicht freigekratzt bekommen. Zum Glück haben wir nicht mit der Frontscheibe zum Wind geparkt, wir fahren erstmal so los. Bei unserer Toiletten- und WLAN-Pause am Visitor Center des Parks lässt sich das Eis auch mit etwas Überredung entfernen. Mit klarer Sicht durch die Seitenscheibe geht es weiter Richtung Tablelands.

    Teilweise war das Eis ziemlich dick.

    An den Straßen des Parks gibt es immer wieder Schilder zu den “Unfallgutachter-Elchen”.

    Unfallgutachter-Elch “Warnschild”

    Passend dazu sehen wir erst einen Wohnwagen, der gerade einen Reifen wechselt und kurz danach einen Elch am Straßenrand. So wie es aussieht, hat der Elch sein Gutachten schon erstellt und verzieht sich schnell ins Unterholz. Wir scherzen noch etwas darüber, freuen uns, wenn auch kurz, einen Elch gesehen zu haben und fahren entspannt im zweiten Gang die Bergstraßen hoch. Die Entspannung verfliegt urplötzlich, da das Auto komische Geräusche macht. Ich halte an und merke direkt, dass die Handbremse nicht funktioniert. War die vielleicht heiß gelaufen? Im Gegensatz zu anderen Autos, sitzt die Handbremse nicht an den Reifen, sondern bremst direkt die Kardanwelle zu den hinteren beiden Achsen. Wir sind an einer ziemlich steilen Stelle, entsprechend muss ich auf der Bremse stehen bleiben und Bretti schaut unters Auto. Die Kardanwelle, an der auch die Handbremse sitzt, ist an einem der Gelenke gebrochen. Die Situation ist maximal stressig, aber wir bekommen das zu zweit schon hin.

    Bretti klettert erstmal aufs Dach und holt die Bremsklötze vom Dach. Die sind in Deutschland für Fahrzeuge über 3,5t vorgeschrieben und wir sind gerade sehr dankbar, dass wir die nicht zu Hause gelassen haben. Jetzt wo das Auto gegen Wegrollen gesichert ist, kann ich die Bremse loslassen und fange an, unterm Auto die Reste der Kardanwelle abzuschrauben. Bretti holt in der Zeit Warnwesten und stellt das Warndreieck auf. An der Reihenfolge der Handlungen arbeiten wir nochmal. Es ist so kalt, dass ich die Muttern mit dem Werkzeug zwar lose bekomme, aber sie nicht abschrauben kann, meine Finger sind zu kalt. Bretti kriecht zu mir unters Auto und übernimmt den Rest. Ein normales Auto müsste jetzt abgeschleppt werden, die Kardanwelle überträgt die Kraft vom Motor auf die Reifen und ohne kann man nicht fahren. Wir schalten die vordere Achse dazu und fahren nun im “Allradmodus” langsam zur nächsten Parkbucht. Bei all der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die wir bisher erlebt haben, sind wir sehr überrascht, dass niemand anhält und seine Hilfe anbietet. Beim Wohnwagen stand zum Beispiel schon ein weiteres Auto, sonst hätten wir angehalten und Hilfe angeboten.

    Was nun?

    Nachdem die potentielle Gefahrensituation vorbei ist, kommen wir etwas runter und schauen nach Werkstätten. Es gibt zum Glück einige in der nächsten Stadt, also machen wir uns mit 30 km/h auf den Weg. Es sind ca. 30 km nach Deerlake und während der Fahrt gehen wir mögliche Szenarien durch, wie es jetzt weitergehen könnte. Das bringt natürlich nichts, wir müssen erstmal schauen was die Werkstatt sagt, aber es hilft, positive Zukunftsszenarien zu erstellen, wenn die Zukunft sehr ungewiss ist. In Deerlake angekommen, scheinen wir direkt Glück mit der ersten Werkstatt zu haben. Ein Mitarbeiter nimmt die Welle mit und kommt kurz danach mit möglichen Szenarien wieder. Er kann das kaputte Gelenk ersetzen (ca. 50C$), da die Welle auch was abbekommen hat, sollte man diese aber überarbeiten lassen. Die Welle passt aber auch zu universal Kardanwellen, die sie verbauen. Das wäre natürlich teurer, aber wir hätten eine ganz neue Kardanwelle. Dass irgendwas am Volvo ein Standardteil ist, freut uns sehr, ungewöhnlich an dem alten Schweden. Wir entscheiden uns für beides. Neue Welle einbauen und alte soweit herrichten, dass sie im Notfall nutzbar ist. Wir finden beizeiten schon jemanden, der die für uns überarbeitet. Am nächsten Tag um 13 Uhr könnten wir wiederkommen und die Welle einbauen lassen. Kostenpunkt ca. 700C$. So richtig eine Wahl haben wir ja nicht und dann ist das Thema zumindest erledigt. Der Azubi (oder das kanadische Pendant) legt sich noch unters Auto, um die Reste der alten Welle abzuschrauben. Er findet den Volvo richtig cool und wir quatschen noch etwas.

    Auch mal schön, nicht selber unterm Auto zu liegen

    Es gibt hier nicht wirklich Auswahl an Stellplätzen, also fahren wir einfach etwas durch die Gegend und finden einen Platz im Wohngebiet am Fluss. Etwas viel Verkehr, könnte aber schlimmer sein. Nach diesem ereignisreichen Tag und mit der Hoffnung, morgen das Thema Kardanwelle abschließen zu können, lassen wir den Abend entspannt ausklingen.

    Volvo wieder einsatzbereit?

    Wir haben wie erwartet eher mittelmäßig geschlafen. Um die Zeit bis zum Werkstatttermin zu überbrücken, geht es mal wieder zu Tim Hortens. Der Kaffee ist soweit ok und es gibt freies WLAN. Ich (Chris) schreibe diese Zeilen hier und schaue noch nach Ersatzteilen. An der Pazifikküste Kanadas ist die Versorgung mit passenden Ersatzteilen irgendwie einfacher. Bretti regt sich derweil über Adobe und Windows auf. Genervt lässt sie den Laptop stehen und macht Instagram Posts (zum Insta Profil).

    Um kurz vor 13:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Werkstatt. Vorort ist alles schon bereit und der Azubi schmeißt sich wieder unter den Volvo. Nach kurzer Zeit ist die neue Welle verbaut und die alte verstaut. Ich sag mal, gut dass die Berufsgenossenschaft nicht gesehen hat wie hier gearbeitet wird. Die Welle und der Einbau sind sonst aber top und wir quatschen wieder mal etwas. 450€ sind wir jetzt ärmer, aber es kann wieder Richtung Gros Morne National Park gehen, dort warten noch zwei Wanderungen auf uns.

    Die neue Welle ist noch so sauber
    Neues Gelenk, aber an der Hülse ist etwas Metall rausgebrochen

    Der Tag ist schon etwas voran geschritten, deswegen wollen wir uns nur noch einen Stellplatz suchen. Dies ist hier aber gar nicht so einfach, am Ende stehen wir wieder mal in einer Parkbucht am Straßenrand kurz vor dem Park mit super Aussicht. Bretti macht erstmal was zu essen und ich liege wieder mal mit Kühlpack auf dem Sofa rum, Migräne meldet sich mal wieder.

    Aussicht geht schon

    Etwas schlafen, Nudelsuppe und ein kleiner Spaziergang später geht es mir schon besser. Unser Blinker hinten links ist schon wieder kaputt, um zu prüfen, ob all unsere Ersatzbirnen Mist sind oder irgendwas mit der Seite nicht stimmt, wollen wir die Birne von der anderen Seite einsetzen. Die Birnen haben wir mit dem Volvo gekauft, sind vermutlich also schon älter. Leider gibt es die hier nicht, auch die sind ein Ersatzteil, welches wir erst an der Pazifikküste leichter bekommen. Noch haben wir aber eine, also starten wir mit dem Tausch. Während Bretti die Ersatzbirne im rechten Rücklicht tauscht, mache ich den linken Scheinwerfer kaputt. Die alten Kontakte der Fassungen halten nicht mehr in ihrem Plastik, komisch nach 48 Jahren. Das ist aber nichts, was man nicht mit Sekundenkleber regeln kann. Es werden alle Kontakte direkt erstmal von Korrosion befreit und dann alles in Kleber getränkt. Nach dem der Kleber trocken ist bauen wir alles wieder zusammen und es leuchtet vorerst wieder alles wie gewollt.

    Klebeaktion am Rücklicht

    Da die kleine Reparatur etwas eskaliert ist, entspannen wir nun einfach und genießen den Abend.

    Potentiell gibt es hier Robben zu sehen.(Es waren keine zu sehen)

    Der Boden ist Elchkacke

    An unserem heutigen Wandertag ist das Wetter leider nicht wirklich auf unserer Seite. Es ist windig und die Wolken hängen sehr tief. In der Nacht wurden wir auch schon durchgeschüttelt. Da in den nächsten Tagen auch keine Sonne zu erwarten ist, machen wir uns dennoch auf den Weg zum ersten Trail.

    Wir sind hier im südlichen Teil des Gros Morne National Parks, der durch ikonische Tafelberge, die Tablelands, geprägt ist. Leider sieht man von denen nur die Hänge, die Wolken hängen zu niedrig.

    Die Plateaus der Berge verschwinden in den Wolken

    Das zentrale Tal ist von einem Gletscher in die Berge geschnitten worden und die Weite sieht auch im Nebel spektakulär aus. Wir folgen der einzigen Straße des Parks immer weiter rein zum Green Gardens Trail. Am Parkplatz angekommen sehen wir überwiegend Nebel und Schnee.

    So richtig green ist hier nur unser Auto

    Der Weg schlängelt sich zuerst die Hänge des Tals hoch, um dann auf der anderen Seite bis ans Meer zu gehen. Insgesamt sind es 9km mit moderater Steigung. Ich hatte den Weg ausgesucht, da er potentiell durch seine Lage weniger eingeschneit sein sollte. Diese Idee geht auch erstmal auf und wir stapfen die ersten 1,5km bis zum höchsten Punkt des Weges durch mehr Schlamm als Schnee. Auf der Meer zugewandten Seite ändert sich die Situation sehr stark. Die Tablelands bestehen aus sehr metallhaltigem Gestein, was für die meisten Pflanzen zu giftig ist und so sehen die Landschaften hier eher hochalpin aus. Es gibt maximal an den Flüssen ein paar kleine Bäume und alles ist sehr karg . Auf der Meerseite gibt es zunächst kleine Büsche und später einen richtigen Küstenwald, der den Schnee viel besser festhält als die karge Landschaft davor. Entsprechend stapfen wir wieder fleißig durch den Schnee. Dieser ist zum Glück nicht so tief, anstrengend ist es aber trotzdem. Wir sehen alle möglichen Tierspuren, vermutlich auch von einem Schwarzbären, die gibt es hier zumindest. Sehen tun wir außer ein paar kleinen Vögeln keine Tiere.

    Meistens liegen so 50 cm Schnee, wovon das meiste zum Glück gefroren ist.

    Wir folgen dem Weg weiter Richtung Küste und je weiter runter es geht, desto weniger Schnee liegt und der Wald wird dichter. Wo der Weg nun frei von Schnee ist, sieht man, was darunter liegt. Es ist alles voll mit Elch-“Hinterlassenschaften”. Am La Manche Trail, hatten wir schon eine Stelle gesehen, aber hier ist der ganze Weg über mehrere Kilometer überseht davon. Entsprechend des Kinderspiels “Der Boden ist (Lava) Elchkacke” versuchen wir den ganzen Tretminen Auszuweichen.

    Alles in rot sind Haufen von Elchen

    Während wir unseren Hindernisparcours absolvieren hören wir langsam auch das Wellenrauschen und erblicken bald die Green Gardens.

    Man kann sich hier Zeltplätze mieten und die spektakuläre Aussicht genießen, aber aufgepasst, auch an den Zeltplätzen findet man Elchkacke.

    Zeltplatz ohne Elch dafür mit Bretti und schöner Aussicht
    Aussicht entlang der Küste
    Aussicht in die andere Richtung

    Früher haben die Menschen hier ihre Schafe grasen lassen, heute sind diese Wiesen mehr den Wanderern und den Wildtieren vorbehalten. Diese Wiesen geben dem Trail auch seinen Namen, auch wenn sie nach dem langen Winter noch nicht sehr grün sind.

    Wir machen uns auf den Rückweg und kommen ohne Elch-Begegnung geschafft aber zufrieden am Parkplatz an. Wir hatten zwischenzeitlich die Hoffnung gehabt, dass es auch oben etwas aufgeklart ist, aber daraus wurde nichts. Was sehr schade ist, denn es sollte noch eine zweite Wanderung geben und zwar den Tablelands Trail.

    Die Tablelands

    Wir fahren wieder zurück durch den Park und parken in der Zufahrtstraße zum Wanderparkplatz, denn diese ist nicht geräumt. Wer sich den Tablelands Trail bei Google anschaut, sieht viele Stege, die durch die Landschaft führen, diese waren alle unter Schnee begraben. Entsprechend stapfen wir auch hier wieder fleißig durch den Schnee, der nur von matschigen Passagen abgelöst wird. Unser Stimmung ist gut, auch wenn wir langsam etwas fertig sind und der Wind durch das zentrale Tal des Parks pustet. Generell ist der Weg viel stärker touristisch erschlossen. Es gibt Infotafeln, die erwähnten Stege und ab und zu sogar eine Brücke, die man im Schnee erstmal erkennen muss.

    Bretti auf dem Brückengeländer, furchtlos im Anblick des Abgrunds

    Wie so oft bei Wanderungen lohnt es sich sicher mehr bei gutem Wetter, aber es ist so auch was ganz besonderes. Die karge Landschaft mit den steil aufragenden Bergen in Kombination mit dem Schnee gibt uns einen unvergesslichen Eindruck.

    Tablelands Eindrücke
    Aussichtsplattform Suchbild
    An der Aussichtsplattform haben wir noch einen mini Schneemensch gebaut

    Wir genießen noch etwas den Anblick, aber es zieht uns bald wieder zurück. Wir sind langsam ganz schön platt und gemütlicher ist das Wetter auch nicht geworden. Also stapfen wir die 2 km mit ordentlich Gegenwind zurück zum Auto. Wir beide bemerken langsam unsere Oberschenkelmuskeln, das gibt sicher Muskelkater. Nicht mal gedehnt haben wir uns vorher. 😱

    Zum Abschluss des Tages wollen wir noch Essen gehen. Es hat allerdings fast alles zu, unabhängig davon was Google sagt. Wir landen im Back Room Cafe, das ist eigentlich nur die Wohnung hinter dem Dorfladen. Hier wird unser Bedürfnis nach frittiertem Fastfood gestillt und für mich gibt es Poutine. Typisch kanadisch scheinbar. Pommes mit Bratensoße und Käse drauf, das kann man machen.

    Wir fahren an unserem windigen letzten Stellplatz vorbei und suchen uns eine andere Parkbucht, die etwas mehr Windschutz verspricht. Mal abwarten wie die Nacht wird, kaputt genug für tiefen Schlaf sind wir auf jeden Fall. Knapp 23.000 Schritte haben wir heute gemacht, das hilft sicher beim schlafen.

    Der Gros Morne National Park war unser letzter geplanter Punkt auf Neufundland und deswegen geht es nun wieder Richtung Fähre. Wir werden noch einen Einkauf und Waschstopp in Corner Brook machen, aber dann wollen wir nach drei Wochen die Insel wieder verlassen. Mit der Hoffnung auf endlich wärmere Temperaturen im Süden, lassen wir den Tag gemütlich auf dem Sofa ausklingen.

    Corner Brook again

    Der Morgen zeigt sich so wie der gestrige Tag aufgehört hat, grau und wolkig, kurz schneit es sogar. Nach dem Losfahren klart der Himmel aber schnell auf und es scheint sogar die Sonne. Der Wetterbericht hat uns also mal wieder geärgert, den einen Tag hätten wir auch mit den Wanderungen warten können. Allerdings kann das Wetter in den viel höher gelegenen Bergen auch ganz anderes aussehen. So ist das nun mal, die beste Planung kann nie mit der Realität mithalten. Wir lassen uns nicht ärgern sondern genießen die Sonne beim Autofahren. Wir halten wieder am Highway zum Wasserauffüllen und diesmal habe ich auch dran gedacht ein Foto zu machen. Die meisten Quellen sind einfach nur Rohre die aus dem Boden kommen, aber hier gibt es einen extra langen Schlauch zum Einfüllen und eine Solarlampe. Die Quelle hat richtig viel Wasserdruck und so füllen wir die 80l in Rekordzeit nach.

    Die Quelle am Rande des Highways
    So parkt man hier. Ist vierspurig und Tempo 100, aber sehr wenig Verkehr.

    Bretti hat heute das meiste Fahren übernommen, ich übernehme nur für die Stadt. Mit den sehr steilen Straßen, ist das ständige Anfahren schon eine Herausforderung. Gerade der zweite Gang versteckt sich auch gerne zwischen Rückwärtsgang und dem vierten, das braucht Übung. Wir haben ja noch ein paar Kilometer dafür über.

    In der Stadt probieren wir mal wieder eine neue Supermarktkette, das war aber nichts. Wir bleiben wohl ab jetzt bei den bekannten. Der Waschsalon öffnet erst Montag, also fahren wir zeitig zum Stellplatz am Captain Cook historic Site. Wir kommen nicht ganz an, die Zufahrt ist zugeschoben, aber so stehen wir an einem Sportplatz mit Sicht über die Stadt. Da das sonnige Wetter sich gehalten hat, auch wenn es nur 2°C hat, laufen wir noch zum eigentlich Platz hoch. Endlich wieder durch Schnee stapfen, die Oberschenkel schmerzen, aber nicht zu doll. Die Aussicht von hier oben ist schon sehr nett, dafür steht man auch schief. Mit der Sonne gehen wir wieder runter zum Volvo und genießen den Abend.

    P.S. Auch bei Captain Cook liegt natürlich Elchkacke.

  • Woche 6 | Teil 1: Karibus 1, 2, 3 ganz viele

    Woche 6 | Teil 1: Karibus 1, 2, 3 ganz viele

    Bade- und Fahrtag

    Bretti ist vom gestrigen Badeerlebnis so begeistert, dass sie heute morgen direkt noch mal “rein springt”, also minimaler kurzer Wasserkontakt. Ich stecke nur meine Füße ins Meer und trinke dabei Kaffee, lange halte ich das am Stück aber nicht aus, es ist schon sehr kalt. Deswegen geht’s immer wieder aus dem Wasser, ist das schon eine Kneippkur?

    Der Stellplatz verabschiedet uns bei bestem Sonnenschein

    Heute fahren wir wieder weiter. 250km zum Alexander Murray Trail, den wir morgen bewandern wollen. Die Fahrt geht recht ereignislos an der schönen Küstenlandschaft entlang. Zwischendurch gibt es eine Kuchenpause, der Blinker hinten links geht mal wieder nicht und Bretti fährt das erste Mal in Kanada. Ich mache mich als Beifahrer und automatischer Scheibenwischerbetätiger auch nicht schlecht, sagt sie. Wir haben zwei Geschwindigkeiten beim Scheibenwischer, die sind aber meistens viel zu schnell. Deswegen habe ich jeweils Taster für Fahrer und Beifahrer eingebaut, mit denen der Wischer einmal wischt. So hat der Beifahrer auch was zu tun und man hat quasi eine automatische Regenerkennung mit einstellbarer Geschwindigkeit. Nicht schlecht für ein 48 Jahre altes Auto. Diese Automatik tendiert aber durch das Beobachten der schönen Landschaft und Tiere am Wegesrand dazu, gelegentlich Auszufallen.

    Wir stoppen mal wieder am Highway an einer Quelle und füllen unser Wasser auf. Dabei komme ich mit einem Einheimischen ins Gespräch. Er gibt sich extra Mühe akzentfreier zu sprechen, denn am Anfang verstehe ich nichts. 8 Fuß Schnee gab es diesen Winter, ca. 2,4 Meter. Auch den Einheimischen reicht es langsam mit dem Schnee und er versichert, das wars jetzt für dieses Jahr. Spoiler: Stimmt nicht, während ich das hier schreibe sind wieder ca. 5 cm gefallen. Das ist jetzt aber sicher der letzte Schnee, ab nächster Woche soll es wärmer werden. Auch das sagen unsere Wetter-Apps schon seit wir in Kanada sind.

    Mit vollem Tank geht es weiter zum Übernachtungsplatz. Dieser liegt wunderbar an einer Bucht, ist aber noch komplett eingeschneit. Entsprechend fahren wir weiter. Es findet sich leider kein Platz in der Nähe, Nähe heißt so ca. 30 km Fahrstrecke, sodass wir uns entscheiden, die Wanderung ausfallen zu lassen. In den nächsten Tagen stehen noch genug Wanderungen an. Nach der enttäuschenden Stellplatzsuche, entscheiden wir uns, auf Nummer sicher zu gehen und fahren einen Platz an, den wir schon kennen. Das heißt aber noch mal 100 km weiter fahren. Dafür ist hier der Schnee schon viel mehr getaut, so dass wir sogar den schöneren Platz nutzen können. Schlammig aber auf einer Insel mitten im See. Wir sind jetzt wieder auf der Ecke, wo wir auf dem Weg nach Osten das Karibu gesehen hatten.

    Wer hat mein Schloss gesehen?🏰

    Nach den 360 km Strecke wollen wir nicht mehr viel machen. Als ich nach dem Aussteigen die Fahrertür abschließen will, sehe ich dass das Schloss weg ist. Das muss seit dem letzten Stopp vor 100 km einfach rausgefallen sein. Dass man die Tür jetzt nicht mehr abschließen kann, ist unpraktisch, aber immerhin kann man die von außen jetzt auch nicht mehr auf machen, top. Dafür wird uns schon noch was einfallen. Unser Schlossverschleiß nimmt langsam echt wilde Züge an.

    Im roten Kreis ist theoretisch ein Türschloss

    Bretti hat schon Hunger und würde gerne einfach nur Nudeln kochen. Das kann ich mit Schokolade aber abwenden und bekomme Zeit, doch den ganzen Nudelauflauf zu machen. Während ich diesen zeitlichen Aufschub nutze, kommt noch ein älterer Herr mit seinem Pudel vorbei. Der Hund stört sich nicht am Matsch und möchte von Bretti gestreichelt werden. Süße Tiere und Schokolade sind der sicherste Weg eine hungrige Bretti bei Laune zu halten. Der Auflauf wird rechtzeitig fertig und das Unheil konnte wieder einen Tag abgewendet werden.

    Beim Abwaschen fängt die Pumpe an, komische Geräusche zu machen. Der Schlauch an der Pumpe ist abgegangen und sie hat fleißig Wasser ins Auto gepumpt. Das hat heute noch gefehlt. An der tiefsten Stelle im Schrank, wo die Kühlwasserschläuche vom Motor in den Koffer kommen. Da meine Abdichtversuche scheinbar nicht 100% erfolgreich waren, läuft das meiste Wasser einfach raus. Der restliche Inhalt des Schranks wird vorne in die Fahrerkabine geräumt und nach etwas wischen, stellen wir hier unseren Ventilator auf. Durch die Kühlwasserschläuche ist der Schrank nach der nächsten Fahrt auch schon wieder trocken.

    Auch dieser Platz verabschiedet uns mit Sonne

    Gros Morne Nationalpark

    Ich sammle noch die Reste des Schlosses aus der Tür und wir starten zum Gros Morne Nationalpark, das ist der bekannteste Nationalpark auf Neufundland. Wir haben gelesen, dass der Park auch im Winter teilweise geöffnet ist. Das bedeutet auch, dass man Eintritt zahlen muss, deswegen ist unser erstes Ziel das Visitor Center in Rocky Harbour. In den vielen Buchten des Parks soll es Robben geben und wir haben das Glück, eine schon bei der Fahrt zum Visitor Center auf dem Eis liegen zu sehen. Die Robbe verschwindet dann auch direkt in ihrem Atemloch. Wir haben viel gutes über die Visitor Center der Parks gehört und hier werden wir nicht enttäuscht. Es gibt viele Informationen über die Tierwelt des Parks und die geologische Entstehungsgeschichte. Wir werden mit Infomaterial und Karten überschüttet während das Gespräch mit der Mitarbeiterin immer weiter ins Französische abdriftet. Das Besucher-WLAN macht entspannt 300 Mbit Downloadgeschwindigkeit, was wir direkt nutzen, um die nächsten Spiele bei Steam runter zu laden und Fotos zu sichern.

    Wie gesagt kostet dieser Park auch Eintritt und wir entscheiden uns für den Discovery Pass. Damit hat man, neben anderen Rabatten, freien Eintritt zu allen National Parks und Historic Sites. Das sind schon einige, siehe diese Karte. Viele von denen stehen eh auf unserer TODO-Liste. Der Pass kostet 167C$ das sind ca. 104€, gilt für 12 Monate und gilt für bis zu 7 Personen. Finden wir fair und falls uns einer von euch besuchen will, seid ihr schon inklusive. Leider ist beim Drucken der Gültigkeitsaufkleber ein Fehler unterlaufen, sodass es nur welche bis 03.27 gibt. Bis 04.27 sollten wir eigentlich bekommen. Wir sollen dann einfach durchrufen, die Leute vom Visitor Center regeln das dann. Ja… wir sind mal gespannt. Potentiell sind wir dann eh nicht in Kanada, aber man weiß ja nie.

    Da das Wetter mittlerweile grau und kalt ist, wollen wir heute nicht mehr wandern, sondern fahren die Panoramastraße des Parks gen Norden. Die Sicht auf die Berge und das Meer ist wunderbar. Wir fahren bis zum the Arches Provincial Park um dort zu Übernachten.

    Aussicht und Kuchenpause

    Es sind wieder 100km, aber im Nationalpark darf man nicht übernachten, dafür lässt die Aussicht die Zeit schnell verfliegen. Es wird überall vor Karibus gewarnt, aber es zeigen sich erstmal keine. Bretti kann dann irgendwann zwei Tiere im Vorbeifahren erspähen, diese sind aber ziemlich weit weg. Als wir den Park nach Norden verlassen sind wir deswegen etwas enttäuscht. Kurz vor dem Übernachtungsplatz erspäht Bretti erst eins, dann noch eins und dann ganz viele Karibus, die recht nahe an der Straße auf einer Wiese rumliegen. Es bietet sich eine passende Parkbucht an, also stoppen wir direkt.

    Wie viele Karibus sind auf diesem Bild?

    Das Bild ist nicht optimal, die Karibus lagen mit dem Rücken zum Wind auf der Wiese rum, aber wer will es ihnen verübeln. Das hier dürfte ein Weibchen sein, die Männchen haben ihr Geweih nach der Brunft im Herbst schon abgeworfen.

    Bei der Kulisse würde ich auch in die andere Richtung schauen

    Wir beobachteten die Herde noch eine ganze Zeit und fahren dann weiter.

    Die Bögen des Arches Provincial Parks sehen schon cool aus, leider ist es hier extrem vermüllt. Wir sammeln ein paar Hände voll ein, aber es ist hoffnungslos. Bevor wir uns wieder in den Volvo verziehen, tausche ich noch die kaputte Blinkerbirne. Diese zerspringt beim Versuch des Ausbauens direkt, vermutliche hatte sie von vorne rein eine Macke. Die nächste Ersatzbirne ist auch schon kaputt, aber die letzten zwei sind heil. Langsam wird es Zeit, neue aufzutreiben. Die Sicht auf das Meer ist hier wunderbar und wir schauen der Sonne beim Untergehen zu. Es gibt Reste vom Nudelauflauf und wir testen die neuen Spiele. Es ist ein gelungener Abend.

    Eine Handvoll Müll
    Chris unter den Bögen
    Kleiner OKG (Ortskontrollgang)
    Sonnenuntergang

    Besuch auf dem Campingplatz

    Wie geplant soll heute gewandert werden, passend dafür ist es windig und es schneit bei maximal -1°C. Wir genießen noch die Aussicht aus dem Warmen beim Frühstück und dann geht es los zum Wanderweg. Wir hatten uns auf der Fahrt nach Norden noch ein paar Stellen markiert, wo man potentiell Robben beobachten kann. Diese mögen aber keinen Regen und scheinbar auch keinen Schnee. Da bleiben sie lieber im Wasser und liegen nicht auf den Felsen vor der Küste. Also gibt es für uns leider keine Robben zu sehen.

    An der Stelle, wo wir gestern die Karibus beobachtet haben, hängen immer noch einige ab. Scheint ein guter Platz zu sein. Der Wanderweg startet von einem der Nationalpark Campingplätze und bevor wir dort einbiegen trottet noch ein Karibu gemütlich über die Straße zu seiner Herde, die dort wartet. Die Mitarbeiterin des Visitor Centers hatte uns gesagt, dass der Campingplatz auch im Winter “auf hat”. Das bedeutet, dass man gegen Geld übernachten darf, es ein Plumpsklo gibt und das Küchenhaus offen sein sollte. Wir vermuten, dass hier diesen Winter noch niemand war, zumindest nicht mit einem Auto. Mit Allrad überwinden wir den Schneeberg vor dem Eingang und fahren zum Anfang des Trails. Hier suchen wir uns eine gemütliche Parzelle aus, es sind alle frei.

    Parzelle 22 mit Feuerschale und Picknicktisch

    Wir wollen hier den Coastal Trail wandern, dieser hat die besten Chancen, nicht eingeschneit zu sein. Der Weg führt zuerst durch den Küstenwald und dann hinter dem Strand entlang. Im Wald gibt es zwar einige hohe Schneewehen, aber diese sind komplett eingefroren. Anstatt im Schnee einzusinken, müssen wir hier eher aufpassen, nicht auszurutschen. Der Hinweg ist richtig schön und uns ist angenehm warm. Ein paar Gänse sind nicht sehr begeistert von unserer Anwesenheit, machen aber nach etwas Geschnatter auch Platz. Nach ca. 3km erreichen wir das Ende und machen uns auf den Rückweg. Mittlerweile haben Schnee und Wind ordentlich zugenommen. Der Wind bläst uns fleißig ins Gesicht und unsere Spuren sind unter neuem Schnee verschwunden. Zum Glück kommt einem der Rückweg immer kürzer vor und wir erreichen zufrieden das Auto.

    Winterwonder Wald
    Gut eingepackt durch den Schnee
    Es könnte auch Dänemark sein
    Chris im Schnee

    Wieder am Auto entscheiden wir uns gegen eine zweite Wanderung und fahren nach Norris Point. Hier stehen wir direkt am Wasser und hoffen, noch eine Robbe zu sehen. Morgen geht es in den südlichen Teil des Parks zum Tablelands Trail. Kalt und grau soll es weiterhin sein, aber dafür weniger schneien. So zumindest der Plan, wie das geklappt hat lest ihr in Teil 2.

    Unsere Strecke

  • Woche 5 | Teil 2: Doppel Donauwelle

    Woche 5 | Teil 2: Doppel Donauwelle

    Backen eskaliert

    Der Freitagmorgen startet mit dem Geräusch von Regentropfen auf dem Dach. Im Bett in die Decke eingemummelt ist das schon sehr gemütlich. Wir können aber nicht den ganzen Tag liegen bleiben, denn heute verabschieden wir uns wieder vom Cape Bonavista. 200 km Strecke liegen vor uns. Wir fahren zu einem uns schon bekannten Platz in der Nähe von Butts. Zwischenstopp ist eine Tankstelle, die mit einem Alkoholgeschäft kombiniert ist, beste Kombi sowas.

    Am bekannten Übernachtungsplatz angekommen ist dieser schon besetzt. Eine Familie hat dort zwei Zelte aufgeschlagen. Zum Glück gibt es hier mehrere Parkmöglichkeiten und mit Allrad kommen wir auch entspannt über den zusammengeschobenen Schnee. Freundlicherweise hat sich der Regen nun auch in Sonnenschein verwandelt. Erstes Projekt vor Ort ist duschen. Damit wir diesmal wirklich warmes Wasser haben, wollen wir das gleich als erstes machen, solange das Wasser im Boiler noch von der Fahrt aufgeheizt ist. Es klappt und wir können beide warm duschen. Das Wasser läuft diesmal auch ab, wenn auch nur langsam. Wir sind dem Problem aber schon auf der Spur.

    Nachdem wir nun wieder fresh und funky sind, starte ich (Bretti) das nächste Projekt, kochen und backen. Und was für ein Projekt das werden würde. Kochen ist schnell erledigt, denn zum Rest der Soße vom Vortag werden einfach nur Nudeln gekocht. Das Backen wird jedoch zu einem tagfüllenden Akt. Ich habe mir nämlich vorgenommen, Donauwelle zu machen, jedoch bin ich irgendwie von meinem Plan, nur das halbe Rezept zu machen, abgekommen. Dementsprechend habe ich viel zu viel Teig, den ich auf zwei Kuchen aufteilen muss. Wir backen in unserem Omnia, für den wir zwei Silikonformen haben, die nun auch beide in Anspruch genommen werden. Allerdings kann nur eine zur Zeit in den Omnia rein, weshalb die Kuchenteige nacheinander backen müssen.

    Der Kuchen will hoch hinaus. Beim Backen ist da übrigens noch ein Deckel drauf.

    Währenddessen bereite ich die Pudding-Buttercreme vor. So 100% funktioniert das leider auch nicht, da der Instantpudding, den ich im Laden als Puddingpulver gefunden habe, sich nicht so gut mit der Margarine vermischt. Es flockt leicht. Außerdem bemerke ich jetzt erst, dass die Margarine etwas salzig ist. Aber naja, mit dem süßen Teig zusammen wird das schon schmecken. Anstatt Kirschen nehme ich übrigens Kirschmarmelade. Die Kuchenböden sind fertig und das Schichten beginnt. Beide Formen sind am Ende gut gefüllt und werden noch mit geschmolzener Schokolade überzogen. Nun gilt es nur noch einen kühlen sicheren Platz zu finden, wo die Kuchen sicher stehen können. In einem Camper, wo jeder Platz genutzt wird, gar nicht so einfach. Nun ist es auch schon später Abend. Ich falle zu Chris auf’s Sofa und wir gucken noch ein bisschen was, bevor es dann ins Bett geht. Was für ein Tag. Viele Schritte haben wir heute nicht gemacht, nur 650, Rekordtief, fast schon wie Zuhause, wenn wir einen langen Arbeitstag im Home-Office verbringen.

    Doppel-Donauwelle, wer kommt zum Kuchenessen?

    Auf nach Twillingate

    Der Samstag beginnt sonnig aber kalt mit Minusgraden, sogar unser Abfluss ist mal wieder eingefroren. Heute geht es nach Twillingate, vorher müssen wir noch einkaufen, diesmal im Dominion. Dort finden wir soweit alles, was wir brauchen. An der Kasse sehen wir ein Heft von National Geographic zu Nationalparks. Wie passend, denken wir, da können wir schon mal stöbern für die nächsten Reiseziele und auch in Deutschland wieder mal reingucken, um in Erinnerungen zu schwelgen. Was wir nicht gesehen haben, es geht gar nicht um Nationalparks in Kanada, sondern in den USA. Naja, gut, dass wir da ja auch noch hinwollen. 😀 Ein weiteres “Highlight” im Supermarkt ist für mich eine Tüte mit “Eggs to go”. Da sind gekochte, schon gepellte Eier drin. Warum man die nicht auch unterwegs einfach pellen kann, ist mir ein Rätsel, aber gut. Hier werden die Eier ja auch gewaschen, was super unpraktisch ist, weil die dann gekühlt werden müssen.

    Die weitere Fahrt nach Twillingate ist richtig schön. Wir fahren bei bestem Wetter an der Küste entlang und glauben, eventuell sogar zwei Otter im Wasser gesehen zu haben. Kurz bevor wir ankommen, machen wir noch eine Pause und essen ein Stück Kuchen. An dem Parkplatz gibt es auch einen Mülleimer. Eine Möglichkeit für uns mal wieder Müll loszuwerden? Leider nicht. Der Mülleimer ist zugeschraubt, mit einer Vierkantschraube. Warum auch immer. Vierkantschrauben scheinen die hier viel zu nutzen, das ist uns schon im Baumarkt aufgefallen. Torxschrauben gibt es zwar auch, die kosten dafür dann gleich richtig viel. Ein Mysterium für sich.

    Spiller’s Cove – kein Photoshop

    Weil wir bei dem schönen Wetter und der schönen Küste nicht nur im Auto sitzen wollen, haben wir uns heute auch noch einen Trail rausgesucht an der Spiller’s Cove. Der Weg dahin ist ein bisschen abenteuerlich, da er zum Teil mit durchgefrorenem und dann wieder angeschmolzenem Schnee bedeckt ist. Dazu gibt es noch tiefe Spurrillen und Schlaglöcher. Hier lenkt das Auto selbst. So sammeln wir ein bisschen “Offroad-Erfahrung”.

    Die Wanderung führt direkt an der Küste entlang und liefert richtig schöne Aussichten aufs Meer und die einzelnen Buchten. Es geht viel auf und ab und immer wieder durch Schneefelder, die entweder durchgefroren und spiegelglatt sind oder in die man knietief einsinkt. Es wird also mal wieder eine richtig schöne und recht anstrengende Wanderung. An einzelnen mit Eis überfrorenen Abstiegen hangeln wir uns von Baum zu Baum. Die größeren Erhebungen bestehen aus Granitfelsen. Der Wechsel aus Schnee und Granit wirkt irgendwie surreal als hätte jemand Photoshop benutzt.

    Der Weg am Spillar’s Cove war nicht immer erkennbar, mal guckte die Spitze eines Wegweisers oder Geländers aus dem Schnee.
    Übergang aus Schotter und Schnee mit Aussicht auf die felsige Küstenlinie.

    Stellplatzsuche auf Twillingate

    Gegen 17 Uhr kommen wir dann wieder beim Auto an und es wird Zeit, einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Der erste, den wir anfahren, hat eine wunderschöne Aussicht und der Platz ist sogar schneefrei. Allerdings liegt auf dem relativ steilen Weg dahin mindestens 1 m Schnee und wir haben Sorge, ohne den genauen Verlauf der Straße zu sehen, seitlich in den verschneiten Graben zu rutschen. Bevor wir Option Nr. 2 anfahren, statten wir dem Long Point Lighthouse noch einen Besuch ab. Wieder ein wunderschöner Ausblick mit einer untergehenden Sonne. Hier gibt es ein Café, das aber natürlich entgegen der Behauptung von Google zu hat. Offseason halt. Die Insel ist zum Glück nicht groß, so dass der nächste mögliche Stellplatz nicht weit enfernt ist. Im Zweifel haben wir auch noch den Wanderparkplatz an der Spiller’s Cove als Backup. Option Nr. 2 ist aber zum Glück erreichbar. Die Zufahrt ist nur etwas eingeschneit und mit Allrad ohne Probleme befahrbar. Als wir uns die Gegend noch einmal genauer angucken, entdecken wir, dass der Weg noch weiter geht und zum Strand führt. Den Quad-Spuren folgend fahren wir über den steinigen Strand an einen sogar ziemlich geraden Platz. Die Räder drehen nur an einer kleinen sandigen Stelle leicht durch. Wieder ein paar Offroad-Eindrücke, die die heutigen Erfahrungen ergänzen, von Schnee, Sand und Steigungen war alles dabei. Bei allem fühlten wir uns recht sicher, wobei wir ja schon gelernt haben, dass Schnee gepaart mit Steigung echt der Endgegner sein kann. Heute haben wir auch wieder ein “normaleres” Schrittepensum von 12.000 Schritten erreicht. Bei dem ganzen Kuchen auch nötig.

    Long Point Lighthouse an der Nordspitze von Twillingate.
    Unser kleiner Offroad-Stellplatz am Strand.

    Bestes Badewetter

    Der Tag begrüßt uns mit Sonnenschein und gepaart mit dem Blick auf’s ruhige Meer ist es einfach zu verlockend, um nicht kurz hineinzuspringen. Sobald wir aus dem Auto hüpfen, zweifeln wir an unserer Entscheidung, doch nun ziehen wir das auch durch. Ein richtiges Baden ist es vielleicht nicht, die Füße sind drin und der restliche Körper wird nass gespritzt. Eine kurze arschkalte Erfrischung bei 4°C Luft- und Wassertemperatur. Die Füße spüren wir danach nicht mehr, aber das wars wert. Das erste Mal im Meer in Kanada *wuhu*.

    Heute bleibt das Auto stehen. Wir haben Schimmel-Spray besorgt und bearbeiten nochmal die hinteren Ecken im Auto. Dafür wird rumgeräumt und ordentlich gelüftet. Chris guckt sich außerdem auch nochmal den Zündverteiler an. Dann wird noch geputzt, unsere Ausgaben durchgerechnet und am Blog geschrieben. Kleiner Downer bei den Ausgaben, wir zahlen 100€ mehr für Sprit im Monat als wir eingeplant hatten. Die Spritpreise steigen auch hier deutlich, obwohl Kanada den Sprit eigentlich selbst herstellt. Aber was fahren wir auch mit so einem Spritschlucker rum. 😀

    Nach getaner Arbeit wollen wir uns in die Sonne setzen und aufs Meer gucken, nur dass die Sonne sich nun hinter Wolken versteckt und es mit dem Wind doch ganz schön frisch wird. In Wolldecken eingemummelt verbringen wir dort trotzdem einen Moment. Während wir da so sitzen kommt eine Neufundländerin vorbei und schnackt uns an. Sie flucht etwas darüber wie kalt es hier ist und dass sie doch wieder nach Nova Scotia ziehen wolle, wo sie eine Zeit lang gelebt habe. Sie erzählt uns auch von den Eisbergen, die letztes Jahr im April wohl schon zu tausenden vor Neufundland schwammen. Dieses Jahr ließen sie aber auf sich warten, so wie das Ende des Winters. Nachdem sie sich von uns verabschiedet hat, wärmen wir uns drinnen bei einem Stück Kuchen wieder auf. Etwas später wollen wir noch einen Spaziergang machen.

    Dick eingemummelt dem Wellenrauschen lauschen.
    Kuchen direkt aus der Form, das spart Geschirr, mit Krümelschutz.

    In Yellowknife trägt man kurze Hosen

    Am späten Nachmittag bricht der Himmel wieder auf und die Sonne kommt nochmal raus. Als wir uns für unseren Spaziergang bereit machen kommt ein weiterer Spaziergänger vorbei. Auch er schnackt uns an. Er habe beim Anblick unseres Autos schon die Befürchtung gehabt, Putin oder Trump würden nun hier einmarschieren. Außerdem hat er sich gewundert, wo wir stehen, denn die meisten würden ein paar Meter weiter vorne auf dem steinigeren Part des Strands parken. Als er unser Auto dann aber sah, verstand er, dass uns der sandigere Teil sowie die Mini-Mini-Flussdurchfahrt nicht aufhalten konnten. Er erzählt, dass er eine Zeit lang in Yellowknife weiter im Norden Kanadas gelebt habe, wo die Leute selbst bei -50°C im Winter noch Fahrradfahren und bei Schnee kurze Hosen tragen. Vor einer Woche habe an der Stelle, an der wir gerade stehen auch noch dick Schnee gelegen. Er erzählt uns auch von den Eisbergen letztes Jahr. Wie es scheint hätten wir hier letztes Jahr zu dieser Zeit eingies mehr zu sehen bekommen, aber gut, sowas weiß man im Voraus ja nie. Schön ist es hier auch ohne Eisberge. Er macht noch Witze darüber, dass die Inseln, die man von hier aus sieht North Trump und South Trump heißen und empfiehlt uns direkt hier die Küste entlang von Bucht zu Bucht laufen. Und genau das haben wir auch vor.

    Während des schönen Spaziergangs sammeln wir Müll, was hier leider hoffnungslos ist. Neben dem leider üblichen Fischereimüll liegen hier auch super viele 70 mm Patronenhülsen. Was die hier machen, keine Ahnung. Elche gibt es auf Twillingate wohl nicht wirklich, hauptsächlich Füchse und Hasen. Wir sammeln so viel auf wie wir tragen können und was am ehesten gefährliche Schlaufen bildet und versuchen, uns den Spaziergang dadurch nicht vermiesen zu lassen, denn es ist sonst echt schön hier. Wieder am Auto angekommen lassen wir den Abend noch mit Abendessen, Blogschreiben, Wellenrauschen und Möwengeschrei ausklingen.

    Hier sind die Wegweiser deutlich zu sehen.
    So reiht sich hier Bucht an Bucht. Auf dem Foto sieht man den Müll immerhin gar nicht mehr.
    Karte der Woche

  • Woche 5 | Teil 1: Entspannt wie eine Robbe

    Woche 5 | Teil 1: Entspannt wie eine Robbe

    Vom Wanderparkplatz aus starten wir heute nach dem Frühstück zur ehemaligen Siedlung La Manche. Diese liegt in einer kleinen Bucht und ist Namensgeberin des Provincal Parks. Über die Bucht führt eine Hängebrücke, die das Highlight des Parks ist. Der Weg bis zur ehemaligen Siedlung und zur Brücke ist so ca. 2-3km lang und man kann dann noch weiter der Küste folgen. Der Weg geht erstmal durch dichten Wald, der noch voller Schnee und Eis ist. Rund um St Johns ist der Schnee schon viel mehr geschmolzen als im Rest von Neufundland, aber das Schmelzwasser friert nachts ein, sodass es teilweise eine ganz schöne Schlidderpartie ist. Zusätzlich liegen viele Bäume quer über dem Weg, was die Wanderung zu einer vielfältigen Gymnastikübung macht, hier ein Ausfallschritt, dort unter dem Baum durch, hier wieder rüber. Auf der Wanderung können wir noch einige Geocaches einsammeln und sehen (vermutlich) Elchspuren. Wir würden gerne Elche sehen, aber im dichten Wald müsste das jetzt nicht sein. Ein Teil des Weges hat der Elch auch als seine Toilette auserkoren, es gibt sehr viele Hinterlassenschaften oder es sind viele Elche hier unterwegs. Am Ende sehen wir aber keinen. Dafür erspähen wir auf dem Weg zurück über die Brücke eine Robbe, die sich sonnt. Ich (Chris) hatte zum ersten mal meine Kamera dabei und es hat sich direkt gelohnt. Wir fotografieren sonst alles mit den Smartphones, aber Tiere sind dafür oft zu weit weg.

    Der Blick auf die Bucht von La Manche von der Hängebrücke aus
    Von den Gebäuden gibt es nur noch Fundamente, dafür jetzt die Hängebrücke
    Der Robbe scheint die Bucht auch zu gefallen
    Sie blieb ganz entspannt.

    Wir wollen die Robbe nicht zu lange stören, deswegen geht es auch bald weiter zurück zum Parkplatz. Heute soll es nämlich noch weiter gehen und zwar nach Dildo.

    Dildo (*höhö*)

    Warum wir nach Dildo gefahren sind braucht man glaube ich nicht wirklich erklären. Es ist einfach lustig. Die Einheimischen nehmen den Namen auch mit Humor, zumindest spricht der Schriftzug am Hang sehr dafür. In Dildo selbst haben wir nicht wirklich was gemacht, das meiste hat natürlich auch zu und das meiste ist in dem kleinen Ort eh schon nicht so viel. Uns sprach noch ein Polizist an, er versicherte uns direkt, dass wir nichts falsch gemacht hätten oder sowas, er wollte nur wissen, was für komische Kennzeichen wir am Fahrzeug haben und wo wir herkommen. Wie immer ein nettes und kurzes Gespräch. 200 Meter hinter dem Ort kann man direkt am Meer stehen und dort hverbringen wir auch eine entspannte Nacht. Der Platz wird von den lokalen Quadfahrern auch als kleiner Offroadpark benutzt, zumindest weisen diverse Spuren durch die Matschlöcher darauf hin. Am nächsten Morgen können wir es uns mit unserem Offroad Fahrzeug natürlich nicht nehmen lassen, auch ein paar “Hindernisse” abzufahren, was aber etwas unspektakulärer abläuft. Nach dem Offroad Abenteuer geht es noch ins Dildo Coffee House, welches neben gutem Kaffee eine fantastische Aussicht auf die Bucht hat. Hier packen wir auch noch zwei Stück Kuchen für später ein.

    “Gewaltige Flussdurchfahrt” am Strand in Dildo 😀
    Humor haben sie hier
    Aussicht vom Dildo Coffee House

    Auf der Suche nach den richtigen Teilen

    Es fehlen uns noch ein paar Autodinge und deswegen haben wir heute wieder eine paar Läden abgeklappert. Überwiegend suchen wir immer noch Blei-Adaptiv , weil unser Vorrat zu neige geht. Wir schneien kurz vor Ladenschluss noch in einen Napa Autoparts rein (keine Ahnung wieso das hier Auto und nicht car heißt, aber das ist überall so). Hier scheint man zumindest Ahnung zu haben, denn der Mitarbeiter erklärt uns, dass wir nirgends in Kanada Blei-Adaptiv bekommen werden, denn das sei inzwischen verboten. Dafür gibt es allerdings Ersatzprodukte mit dem selben Effekt, aber nicht so Fatal für die Umwelt. Da wir eh keine wirkliche Wahl haben, nehmen wir eine große Flasche mit. Das Problem ist, dass wir erst merken werden, ob das Zeug wirkt bzw. nicht wirkt, wenn der Motor kaputt ist, also drückt die uns Daumen. Wir sprechen noch über den Volvo, nach Aussage des Mitarbeiters genau das richtige Fahrzeug, bei den kaputten Straßen in Kanada. Wir kaufen noch Motoröl, denn auch das möchte der Volvo in regelmäßigen Abständen bekommen und fahren weiter. Die Stellplatzsuche ist heute leider nicht so erfolgreich. Beim ersten Platz ist die Straße mehrere Kilometer vorher schon nicht mehr geräumt. Wir hatten uns eigentlich schon vom Schnee verabschiedet, in Dildo lag kaum noch was, aber 100km weiter nördlich sieht das ganz anders aus. Der spontan recherchierte Platz ist auch etwas eingeschneit, aber es ist nur ein kurzes Stück und es geht bergab. Mit Allrad fräsen wir uns einen Weg durch den Schnee und haben einen entspannten Abend.

    Dafür haben wir ihn ja

    Nach dem wie immer entspannten Frühstück, schaue ich mir die Schneepassage an, durch die wir gestern auf den Platz gefahren sind. Der Schnee ist doch ganz schön tief und nass durch das Antauen, aber es bleibt uns ja eh nichts übrig, also versuchen wir es. Mit Allrad und Untersetzung klappt es beim ersten Versuch schon mal nicht. Erstmal zurück und etwas schaufeln. Das Schaufeln hat vermutlich nichts gebracht aber mit allen Differenzialsperren und sechs fleißig durchdrehenden Reifen ruckeln wir uns hoch auf die Straße. Nasser Schnee ist schon der Endgegner, aber für sowas haben wir den Volvo ja. Wir hätten auch noch mehr Optionen gehabt, Reifendruck ablassen oder Sandbleche, aber das sparen wir uns für das nächste Mal auf. Im Notfall hätte man hier auch zwei Spuren reinschaufeln können, sonst wären wir auch gar nicht erst runter gefahren. Um diese Erfahrung reicher und mit ordentlich Herzklopfen geht es weiter nach Cape Bonavista.

    Chris am Weg ebnen

    Ganz viele Möwen

    Am Cape Bonavista wollen wir einen Ruhetag einlegen, aber vorher wollen wir uns einen Teil der spektakulären Küstenlandschaft anschauen. Am Spillars Cove, versuchen wir dem Wanderweg zu folgen, aber dieser verliert sich ständig im nichts. Am Ende folgen wir einfach der Küste, genießen die Sicht und beobachten die Möwen. Hier gibt es im Frühling auch viele Papageitaucher, für die sind wir aber leider noch zu früh bzw. der Frühling dieses Jahr zu spät. Dafür können wir wieder mal beobachten wie ein Weißkopf Seeadler von Möwen attackiert wird. Irgendwann schaffe ich es auch noch einen zu fotografieren, aber heute geht alles viel zu schnell. Dafür habe ich jetzt viele schöne Möwen- und Felsenbilder.

    Explorer Bretti
    Die Klippen fallen hier senkrecht ins Meer
    Eins der vielen Möwenbilder
    Noch mehr Felsen

    Nachdem wir auf dem Rückweg auch unseren Wanderweg wieder gefunden haben, fahren wir das kurze Stück zum Leuchtturm am Kap. Der Weg führt durch den Dungeon Provincial Park und bietet eine tolle Sicht auf die Küste. Am Parkplatz angekommen, steht ein neues Projekt an: In zwei Ecken ist es feucht und schimmelt sogar etwas. Also alles raus, mit Essigreiniger abwischen und lüften. Feuchtigkeit ist im Womo im Winter echt ein Problem. Wir werden die Tage noch Schimmelentferner besorgen und beim fahren die Ecken leer räumen, damit es besser lüftet. Hoffentlich sind das die einzigen Stellen. Nachdem wieder etwas Ordnung herrscht entspannen wir etwas. Morgen ist Ruhetag angesagt und so wollen wir auch diesen Tag ausklingen lassen.

    Dinge-tun-Tag statt Ruhetag

    Am Donnerstag werden wir früh morgens vom Nebelhorn geweckt. Klar, wir stehen neben einem Leuchtturm, hätte man erwarten können. Wir starten den Tag wie immer mit einem gemütlichen Frühstück bei strahlendem Sonnenschein. Das macht gute Laune. Allerdings lässt uns der Schimmel keine Ruhe, deshalb starten wir danach damit, die Ecken freizuräumen, sie zu bearbeiten und durchzulüften. Dafür müssen wir an die Hecktür ran. Der Heckträger ist mit einem Schloss gesichert, dass wir gerade so aufbekommen. Damit das in Zukunft keine Probleme macht, wird er erstmal mit einem Spanngurt gesichert. Dafür müssen wir an ein anderes mit Schloss gesichertes Fach ran, dieses will sich aber partout nicht öffnen lassen. Öl, ruckeln, Hammer, nichts nützt etwas, also machen wir am Ende kurzen Prozess und schneiden das Schloss mit der Flex auf. Das geht erstaunlich schnell, zu leicht eigentlich für so ein theoretisch “hochwertiges” Schloss. Chris legt sich nun noch unters Auto. Eines der Löcher im Auspuff möchte abgedichtet werden. Dabei hat er auch noch ein paar Öl-Leckagen gefunden, die werden wir weiter beobachten. Im Auto selbst haben wir einen weiteren Versuch gestartet, den Boiler dicht zu bekommen, leider nicht erfolgreich. Dafür hängt der Feuerlöscher nun wieder.

    Zwischendurch werden wir von Kanadiern angesprochen, die uns erzählen, wir seien zu früh hier, ab Mai könne man dann Puffins und Eisberge, manchmal auch Wale sehen. Das wissen wir tatsächlich schon. Wenn wir einen Counter starten würden, wie viele Leute uns das schon gesagt haben, wären wir bestimmt schon bei zehn. Das macht es nicht besser! Unsere Reisepläne lassen es leider nicht zu, dass wir noch bis Mai/Juni hier auf Neufundland bleiben, wir wollen schließlich im August in Alaska sein und das sind noch einige tausende km. Puffins gibt es leider nur am Atlantik. Wir müssen dann wohl nochmal nach Island, da kann man sie auch gut beobachten. Kann man nichts machen…

    Nachdem wir dann alles auf- und umgeräumt haben machen wir noch eine kleine Runde um den Leuchtturm herum und beobachten die Möwen in der langsam untergehenden Sonne. Ein richtiger Ruhetag war das nicht, dafür haben wir ein paar Sachen erledigen können. Morgen geht es dann auch schon weiter.

    Diesmal gibt es für jeden Teil eine Karte

  • Woche 4 | Teil 2: Im Osten wird’s irisch

    Woche 4 | Teil 2: Im Osten wird’s irisch

    Pfand abgeben auf kanadisch

    Die Nacht war doch etwas unruhiger als die letzte, mehr Verkehr aber naja. Nach einem Frühstück mit Blick auf das Meer mit Sonnenschein ist die Nacht auch schon vergessen. Heute wollen wir neben einkaufen und Strecke machen auch Pfand abgeben. Es haben sich einige Getränkedosen gesammelt und auf denen steht “Refund where applicable”. Als Teammitglieder von Pfandgeben müssen wir das zumindest mal ausprobieren. Im Gegensatz zum deutschen Pfandsystem ist hier auf quasi allem Pfand. Nicht nur Dosen sondern zum Beispiel auch diese Caprisonnentüten. Pfandautomaten im Supermarkt gibt es nicht, dafür muss man zum Wertstoffhof bzw. hier Recyclingcenter. Als wir vor Ort sind, sehen wir schnell , dass Pfand hier wichtiger ist als alle anderen Rohstoffe. Der ganze Komplex ist darum aufgebaut und Papier und so spielen nur eine Nebenrolle. Wir stehen schnell vor einem Terminal, was uns überfordert hat. Auf Nachfrage bei einem Mitarbeiter, könnten wir uns bei seiner Kollegin womöglich einen Account erstellen lassen. Wohlgemerkt nur für das eine Center nicht für alle in ganz Kanada. Wir hatten ca. 20 Dosen dabei, eine hat ca. 10 Kanadische Cent Pfand, das sind insgesamt also ca. 1,20€. Den Aufwand haben wir nicht eingesehen, da die Schlange auch endlos war. Die Kanadier kommen hier mit Autos voller riesiger Säcke. Anders lohnt sich das auch nicht. Recycling ist natürlich immer eine gute Sache, allerdings passt das System hier gerade nicht zu unserer Lebensrealität. Die Zentren gibt es nur in größeren Städten und haben kurze Öffnungszeiten. Bevor wir extra Sprit verfahren, kommen die Dosen in Zukunft wieder in die Recyclingtonnen, das wird hoffentlich auch recycled, wir bekommen dann bloß das Geld nicht wieder. Wir überlassen nun erstmal unseren Schatz der Allgemeinheit und verlassen Corner Brook fürs erste Richtung Osten.

    Wir kaufen mal wieder bei Walmart ein, dürfte aber das letzte mal gewesen sein. Wir verstehen dieses Ladenkonzept einfach nicht. In diesem Walmart super store ist die Gemüseabteilung kleiner als bei jedem Aldi zuhause. Der Laden an sich ist einfach die falsche Adresse für Lebensmittel. Auf dem Parkplatz kommen wir wie immer mit Einheimischen ins Gespräch, diesmal ist es aber nicht so viel wie beim letzten Stopp in Corner Brook und sehr angenehm. Danach geht es aber wirklich weiter und wir brechen auf nach Deer Lake. Deer Lake ist bekannt für seinen Sandstrand. Das gibt es hier nicht sehr oft, aber als Ostsee verwöhnte Menschen ist das für uns eher unspektakulär. Deer Lake ist einer unserer Orte, wo wir schon seit langem die Wetterentwicklung beobachten. Unsere App hatte für letzte Woche noch regelmäßig -20°C angezeigt, mittlerweile pendeln die Temperaturen aber moderat um 0°C. Der Name Deer Lake hat seinen Namen von den ersten europäischen Siedlern bekommen, diese konnten (wie wir) die ganzen Tiere und ihre Namen aber nicht wirklich auseinander halten. Deers, also Hirsche gibt es hier gar nicht so viele. Was die Siedler damals vermutlich so viel am See gesehen haben sind Caribous, die nordamerikanischen Rentiere. Diese ziehen hier in größeren Gruppen umher. Bisher haben wir leider keine gesehen.

    Während der heutigen Fahrt knacken wir die 2000km auf dieser Tour und sehen eine Trinkwasserquelle direkt am Highway. Es ist hier üblich einfach am Straßenrand des Highways zu parken, wenn man was zu erledigen hat. So steht auch hier ein Pickup an der Seite und jemand füllt seine Kanister auf. Man sieht hier auch viele Leute die ihre Pickups am Highway parken und ihre Schneemobile und Quads abladen, um Holz zu machen oder einfach durch die Gegend zu brettern. Man darf die Highways nicht mit unseren Autobahnen vergleichen. Hier sind die Straßen und Ränder viel breiter und die Geschwindigkeit ist auf 100 km/h begrenzt. Da kann man auch den ein oder anderen Pickup an der Seite abstellen.

    Wir schleichen auf unserem Weg zum nächsten Stellplatz mal wieder langsam die Berge hoch und unser Warnblinklicht arbeitet fleißig. Zitat Chris: “Warum fahren die denn immer so dicht auf, ich habe doch sogar Warnblinker an”. Turns out beide Blinker hinten sind kaputt, also sieht niemand unser fleißig eingeschaltetes Warnblinklicht. Ersatzbirnen haben wir mit, auch wenn ein Blinker jetzt weiß leuchtet. Hier haben Blinker alle möglichen Farben, rot, gelb und weiß, es sollte also kein Problem sein. Unser erster Stellplatzversuch ist leider wieder mit Schnee zugeschoben. Wir überlegen kurz, ob der Volvo das packt, entscheiden uns aber, erstmal ein bisschen zu testen wie er sich im tiefen, antauenden Schnee schlägt und fahren weiter. Der nächste Platz ist geräumt und wir packen zum ersten Mal unsere Campingbank aus. Es ist noch nicht so spät also entspannen wir erstmal ein paar Stunden in der Sonne.

    Die geht doch noch. Das Loch dient der Belüftung
    Sonne, Matsch und ein Getränk was ganz bestimmt keinen Alkohol enthält, denn Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist hier verboten.

    Durch das Entspannen in der Sonne, verschob sich das Duschen heute etwas nach hinten, weswegen das Wasser leider nicht mehr ganz so warm war. Für mich (Chris) nicht ganz so schlimm, da ich als erstes geduscht habe. (Brr… sagt Bretti dazu.) Sauberer als vorher hatten wir noch einen entspannten Abend.

    Fahrtag

    Heute ist wieder ein Fahrtag geplant. Wir fahren den ganzen Weg später wieder zurück und haben uns deswegen entschlossen, erstmal ans Ostende der Insel zu fahren. Dort ist es tendenziell wärmer und dann ist auf dem Rückweg vielleicht schon etwas mehr Schnee geschmolzen. Insgesamt sind das so ca. 650km bis nach St John’s und dem östlichsten Punkt Kanadas. Von hier geht es dann quasi nur noch nach Westen bis an den Pazifik. Wir hoffen, so grob die Hälfte zu schaffen und planen eine längere Pause ein. Wir sind hier nur mit 70km/h unterwegs. Der Volvo würde auch 100km/h schaffen(auf gerader Strecke), aber das wäre uns viel zu laut und verbraucht viel zu viel Benzin. Wir vermuten nämlich, dem Geheimnis unseres erhöhten Spritverbrauchs auf der Spur zu sein. Auf der Probetour durch Polen haben wir zwischen 20 und 25l verbraucht. Autobahn eher 20l, mehr Gelände entsprechend eher 25. Das ist natürlich so schon nicht wenig, aber seit wir in Kanada sind tendiert der Verbrauch eher zu 27l, ohne Gelände, bei ungefähr 80km/h auf den Highways. Des Rätsels Lösung ist, wir sind vorher gar nicht 80km/h gefahren. Auf dem Rückweg der Probetour zeigte der Tacho unter 60km/h nichts mehr an und ich habe ihn zum Überholen eingeschickt. Uns war vorher schon aufgefallen, dass Google Maps so ca. 15km/h weniger angezeigt hat als der Tacho. Jetzt zeigt der Tacho ziemlich genau das an, was auch Google anzeigt und entsprechend fahren wir jetzt schneller, also haben wir auch mehr Verbrauch. Wir sind jetzt 600km nur 70km/h gefahren und sind jetzt bei 22l. Damit kann man leben. Der konkrete Wert ist gar nicht so wichtig, nur dass wir ungefähr wissen, wie weit wir mit dem Tank kommen und dass das nicht willkürlich schwankt. In Nordkanada wird es stellenweise über 400km keine Tankstelle geben, da muss man schon wissen wie weit man kommt.

    Die Fahrt lief sonst ereignislos. Wir können uns an der Landschaft immer noch nicht satt sehen und hören zwischendurch Musik und Podcast. Es gab zwei Highlights an diesem Tag:

    Wir haben ziemlich direkt nach dem Losfahren ein Caribou gesehen. 🥰Es war ein einzelnes Tier, was scheinbar eher ungewöhnlich ist und das Fell ist im Winter noch ganz hell bis weiß. Das Tier lief eine kurze Weile vor uns auf der Straße rum und verzog sich dann wieder in die endlosen Schneelandschaften. Sehr cool, gerne mehr davon.

    Das zweite war ein anderer Camper mit französischen Kennzeichen, der uns überholt hat. Ein anderer Touri und dann gleich aus Europa, Wahnsinn, dachten wir. Den Wagen trafen wir zufällig während unserer Pause wieder und kamen mit dem Herren ins Gespräch. Er kommt gar nicht aus Frankreich sondern von St Pierre und Miquelon. Das sind zwei winzige Inseln hier vor der Küste. Diese gehören zu Frankreich, daher auch die Kennzeichen. Zugegeben vielleicht war auch nur das Caribou das Highlight. Am Ende des langen Fahrtages hatten wir noch einen richtig schönen Stellplatz, der nur etwas zugeschoben war. Diesen Platz haben wir uns auch direkt für den Rückweg gespeichert.

    “Offizieller “Platz direkt am See, wir wären gerne länger geblieben, kommen aber sicher wieder

    St John’s

    Das Wetter ist heute super und das würden wir gerne nutzen um eine Runde in St Johns rumzulaufen und auch mal wieder einen Pub zu besuchen. Die ganze Ecke verweist hier gerne auf ihre irischen Wurzeln und in der Hauptstadt von Neufundland und Labrador gibt es entsprechend viele Pubs. Vorher müssen aber noch weitere 300km abgerissen werden, also geht es zeitig los. Das einzige Highlight der Fahrt ist, dass wir es mit unter 2l Rest im Tank zur Tankstelle schaffen. Wie erwähnt haben wir unseren Spritverbrauch jetzt wieder besser im Griff, das war aber wohl etwas sehr knapp. Wir haben natürlich immer noch Reserve im Kanister dabei. Die Spritanzeige hat eher einen wankelmütigen Charakter, bergab und bergauf macht schonmal 1/8 des Tanks aus. Unsere Regel ist eigentlich nach 200km tanken, 350-400km schaffen wir mit einem Tank, aber heute wollten wir es mal spannend machen.

    In St John’s stehen wir mitten in der Stadt an einem Park, es ist also schon klar, dass die Nacht eher wenig ruhig wird. Dafür ist es nicht weit in die Innenstadt. So richtig wissen wir nicht warum die Stadt so ein Highlight sein soll, aber wir sind auch keine Leute, die sich viele Städte anschauen. Nach etwas umher schlendern zieht es uns ins Kneipenviertel. Wir hatten mal die Idee eine Kneipentour zu machen, aber davon sind wir schon längst wieder abgekommen. Nicht destotrotz ist der Plan, mindestens in zwei Pubs zu gehen, wenn es ganz wild wird vielleicht sogar drei. Der erste ist der Shamrock City Pub. Es lockt uns der Elchburger, den am Ende aber keiner von uns bestellt. Wir teilen uns eine Fingerfoodplatte mit allem möglichen Kram. Unter anderem gibt es eingelegte Gurken im Teigmantel frittiert. Das Bier ist leider etwas enttäuschend. Ob das lokale aus der Kleinstbrauerei oder das kanadische Standard Bier, alle schmecken quasi nur nach Wasser. Dafür ist die Stimmung gut, es wird zu Live-Musik getanzt, mitgesungen und geklatscht. Es sind viele ältere Menschen da, was für uns eher ungewöhnlich ist. Aber gerade die Älteren sorgen für richtig viel Stimmung.

    Es soll noch weitergehen also brechen wir nach jeweils zwei langweiligen Bieren wieder auf. Als nächstes geht es in Christian’s Pub, das musste einfach sein. Der Kontrast ist extrem. Der Laden ist quasi leer und es läuft leise Musik. Diesmal gibt es Guinness, keine spannende Option, aber dafür ein Bier, das nach was schmeckt. Da uns hier aber keine externe Stimmung bei Laune hält, werden wir recht schnell müde, das Licht ist auch eher dämmerig. Wir wollen uns entsprechend um 20:30 Uhr auf den Weg zurück machen, da füllt sich der Laden plötzlich mit mindestens 30 Leuten. Diese hatten sich vorher fürs “screeching” angemeldet. Das ist, ich zitiere: “To get screeched in, one must listen to the barkeep’s pomp, drink a shot of screech, and then kiss a cod on the mouth”. Das ist hier das Ding um Touris 18$ aus der Tasche zu ziehen, um ein “echter Neufundländer” zu werden. Das klingt absolut verlockend, entsprechend mal schauen ob wir uns an einem anderen Tag dazu auch noch hinreißen lassen. (Anmerkung Bretti: Vermutlich nicht.) Zurück im Volvo lassen wir den Abend zu irischer Musik ausklingen.

    Christian vor Christian’s Pub

    Östlichster Punkt der Reise

    Der eigentliche Grund, warum wir bis nach St John’s gefahren sind, ist nicht die Stadt, was wohl auch eine Enttäuschung gewesen wäre, sondern das direkt daneben der östlichste Punkt Kanadas liegt. Wir fanden es ganz passend, vom östlichsten Punkt bis an den Pazifik zu fahren. Heute ist Nebel und Dauerregen angesagt, entsprechend entschließen wir uns spontan Wäsche zu waschen. Und zu unserer Überraschung war das keine Enttäuschung wie sonst. Man mag es kaum glauben, aber man bekommt für sein Geld saubere und getrocknete Wäsche. Das ganze dauert gerade mal eine Stunde und freies WLAN gibt es auch noch. Natürlich war die Frau vor Ort auch noch super nett und wir konnten direkt davor parken, so blieb die getrocknete Wäsche auch bis zum Auto trocken. Falls es mal jemand benötigt, dass ist die Avalon Laundry, 10 von 10. Es können allerdings nicht alle Wäschestücke in den Trockner, deswegen hängt jetzt wieder Wäsche im Auto und es riecht sehr gut.

    Wir halten noch an einer Quelle direkt am Highway. Das fühlt sich erst merkwürdig an, aber es gesellen sich noch drei weitere Fahrzeuge zu uns. Einer der Herren erzählt uns, er trinke nur dieses Wasser seit über 8 Jahren. Es ist irgendwie traurig, wie sehr sich jemand hier über sauberes und vor allem gut schmeckendes Trinkwasser freut, wenn die Gesellschaft alle Möglichkeiten dafür hätte. In einer Gesellschaft, die sich für Kreuzungen mit Stoppschildern an allen Straßen entscheidet, wo der, der zu erst ankommt, zuerst fahren darf, irgendwie auch nicht so überraschend.

    Nun fährt die mobile Verkehrsberuhigungseinheit weiter im ersten Gang zum östlichsten Punkt Kanadas. Hier wird auch fleißig das wieder funktionierende Warnblinklicht genutzt, was dazu führt, das nun die Kontrollleuchte des Warnblinklichts das zeitliche segnet. Da dies leider andere Birnen sind, als für die Blinkerkontrollleuchte habe ich dafür keinen Ersatz mitgenommen. Vorerst muss die Beleuchtung des Scheibenwischerschalters als Ersatz herhalten. Angekommen am Parkplatz machen wir uns im Nieselregen auf für einen kleinen Spaziergang. Es gibt wieder ein paar Geocaches einzusammeln und die Landschaft ist wieder mal traumhaft schön. Am Cape Spear gab es eine Festungsanlage im zweiten Weltkrieg. Uns war gar nicht bewusst, dass auch die Nordamerikaner sich gegen die Deutschen verteidigen mussten und dafür Bunker und ähnliches errichtet haben. Ist absolut logisch, man wundert sich bloß immer wieder wie wenig man doch weiß, obwohl das Thema in der Schule mehrfach behandelt worden ist. Die Verteidigungsanalgen wurden zum Glück nie benötigt. Weswegen diese nach dem Krieg schnell aufgegeben worden sind. Wie auch heute war es hier damals überwiegend nass, kalt, windig und absolut langweilig für die Besatzung. Wir müssen zum Glück nicht in zugigen Holzbarracken ausharren, die beim Erstbezug noch gar nicht existiert haben, sondern machen es uns im warmen Volvo gemütlich und essen Bagels mit Spiegelei. Wie meistens wenn wir irgendwo parken, sehen wir Menschen, die unauffällig Bilder vom Auto machen. Der Grad an Unauffälligkeit steigt, zu unserer Unterhaltung, stark an sobald sie uns bemerken.

    Am alten Leuchttum von Cape Spear
    Blick auf den neuen Leuchtturm
    Die Hafeneinfahrt von St John’s, die von hier verteidigt wurde
    Bewegte Eindrücke von Cape Spear

    Morgen soll das Wetter wieder sonnig werden, also haben wir uns eine Wanderung rausgesucht, den La Manche Village Path. Dafür fahren wir noch zum Wanderparkplatz. Google will uns diese “Straße” hier lang führen, die ist aber leider gesperrt. Schade, das wäre eigentlich das richtige für den Volvo. Wir nehmen stattdessen die “langweiligere” Straße um den Park herum und kommen über einen Weg voller Schlaglöcher am ruhigen Wanderparkplatz an.

    Googles Routenführung ist wieder super

  • Woche 4 | Teil 1: Neue Woche, neue Provinz

    Woche 4 | Teil 1: Neue Woche, neue Provinz

    Fähre (taufen)

    Das Online-Buchen der Fähre hat gestern Abend überraschenderweise noch funktioniert und der Motor springt auch an, zwar nicht perfekt aber ausreichend. Ohne Frühstück geht es direkt zum Hafen. Nach dem Check-In und einer Security Kontrolle des Fahrzeugs, stehen wir auch schon im Wartebereich. Wie alle Security Kontrollen, die ich mit Fahrzeugen bisher erlebt habe, wurde nur die Tür aufgemacht und kurz reingeschaut. Alles sehr sicher. Wir machen schnell Frühstück, denn ab 10:00 Uhr sollen wir abfahrbereit sein. Um 10:00 Uhr passiert natürlich noch lange nichts, aber man weiß ja nie. Während der Wartezeit sprechen uns ein paar Leute auf das Auto an und wir haben kurze nette Gespräche. Kurz bevor es aufs Boot geht tauchen drei Männer neben dem Fahrerfenster auf. Die drei kommen aus Finnland und Estland. Es sind die ersten anderen Touris, die wir treffen. Auch sie haben uns wegen des Volvos angesprochen, aber im Gegensatz zu den Einheimischen wissen die drei genau, was das für ein Fahrzeug ist, denn sie besitzen insgesamt ca. 15 dieser Fahrzeuge. Die drei fahren seit Jahren Offroad und haben schon alles mögliche mit den Volvos angestellt. In Kanada sind sie aber gerade mit einem Leihwohnmobil und haben sich deshalb sehr gefreut einen Volvo hier zu sehen. Es geht für sie die nächsten drei Wochen von Halifax nach Toronto. Das sind mal eben über 4000km. Sie sind also “etwas” schneller als wir unterwegs. 😀 Wir bekommen während der Fährfahrt noch viele Langzeitreisetipps für das Auto und hören viele Offroad-Geschichten. Wie fast alle Menschen, mit denen wir hier in Kontakt kommen, sind auch diese drei schon ein älteres Semester. Bevor man sich verabschiedet stehen wir noch vor dem Volvo und es werden solche Sätze gesagt wie: “Das ist der B30a Motor oder? Das höre ich am Geräusch” oder nach einem Fingertippen auf den Lack: “Das ist die Aluzinkkarosse richtig?” Mich wundert es, dass sie nicht auch noch die Motorölmarke am Geräusch erkannt haben. Die Überfahrt ist sonst entspannt und ereignislos. Der Volvo springt auch bei unserer Ankunft in Port aux Basques soweit gut an und wir starten unsere ersten Kilometer auf dem Trans Canada Highway.

    halb leere Fähre durch etwas Eis fahren

    Wir fahren erstmal entgegen der Hauptrichtung, um am nächsten Tag entspannt in der Hafenstadt Wasser aufzufüllen. Allerdings ist auch dieser Stellplatz mal wieder durch Schnee blockiert. Also geht es die 30km zurück und wir essen erstmal Pizza. Es wird langsam spät, die Fähre hat um 18:45 Uhr angelegt, aber hungrig (und bei einigen hier dann auch schnell grummelig) braucht man gar nicht erst weiter machen. Newfoundland liegt übrigens mit einer halben Stunde Unterschied in einer anderen Zeitzone als Nova Scotia. Wir fahren nach der Pizza zur Wasserstation, die auch Meterhoch unter Schnee begraben ist. Leider nicht so überraschend. Was dafür überraschender ist, sind die 6 Autos die sich hier im Industriegebiet treffen und nebeneinander mit laufendem Motor quatschen. Ich weiß nicht ob sie “Stille Post” spielen oder sich eben nur die Leute direkt nebeneinander unterhalten können. Etwas verwirrt und mit unter 10% Wasser fahren wir weiter. Langsam ist es richtig dunkel und wir kommen zum ersten mal in den Genuss der absolut nicht erkennbaren Straßenmarkierungen in Kanada. Es ist zum Glück kaum etwas los, aber im dunklen Fahren werden wir in Zukunft noch mehr vermeiden. Der nächste Platz ist nur zum Teil unter Schnee begraben, hier bleiben wir. Die Nacht wird zwar windig, aber mit Meerblick ist das alles nur halb so tragisch.

    Frühstücksaussicht nach windiger Nacht

    Erster Tag auf Neufundland

    Ja unsere Scheibe ist sehr dreckig. Putzen lohnt nicht so wirklich, die wird eh jeden Tag wieder dreckig.

    Bevor wir uns auf zum Leuchtturm machen, spricht uns ein älterer Herr an und erzählt uns ein bisschen über Neufundland. Auch, dass hier am Cape Ray zuletzt noch ganz viele kleine Fischerhütten standen, die der Sturm aber alle davon gespült hat. Wie immer eine nette kurze Begegnung. Die Kanadier, verabschieden sich bisher dann auch immer schnell wieder. Dann machen wir uns auf zum Leuchtturm. Dort lernen wir, dass am Cape Ray, wo wir uns gerade befinden, ein dickes Stromkabel liegt, welches Neufundland mit dem Festland verbindet und die Insel mit Strom versorgt. Unser Leuchtturm-Spaziergang fällt etwas kürzer aus, denn es ist verdammt kalt und windig. Nun geht es weiter auf dem Trans Canada Highway oder TCH wie wir cool-people sagen nach Corner Brook. Hier versuchen wir wieder mal, Wasser aufzufüllen, aber auch hier ist leider alles abgestellt. Wir klappern noch auf der Suche nach einem neuen Zündkerzenstecker ein paar Autoteileläden ab, aber es scheint aussichtslos. Online bestellen kann man das ohne Probleme, also ist es kein wirkliches Problem. Wir suchen zusätzlich noch Blei-Adaptiv für unseren alten Volvo. Früher, was echt noch nicht so lange her ist und echt schlecht für die Umwelt und alles ist, war Blei im Benzin und unser alter Motor benötigt das. Im Canadian Tire eskalieren die Mitarbeiter völlig, um uns zu helfen. Sie telefonieren nicht nur die anderen Fialen ab sondern auch ganz andere Firmen. Diese übertriebene Hingabe ist zwar nett, uns aber auch etwas unangenehm, aber man kann Menschen ja auch nicht aufhalten. Die Mühe bleibt erfolglos, aber auch das Zeug gibt es online. Mein(Chris) persönliches Spielkind Highlight des Tages ist, dass man mit der Canadian Tire App, wenn man im WLAN des Stores ist, eine kleine LED am Fach des gesuchten Artikels blinken lassen kann, um den dann schneller zu finden. Den Faltkanister, den ich gesucht habe, finde ich zwar auch so, aber ausprobieren muss ich das natürlich trotzdem. Zurück am Auto hält die Polizei neben uns, aber auch die sind nur am Auto interessiert und nach einem kurzen Gespräch fahren sie weiter und wünschen eine schöne Reise. Wir kaufen noch kurz Lebensmittel und wollen dann eigentlich weiter, werden aber in kurzer Zeit von vier Leuten angequatscht, von denen wir einen absolut nicht verstehen. Ein anderer Kanadier probiert zu vermitteln, aber der erste ist nicht zu bremsen. Es werden noch Fotos gemacht und dann können wir maximal überfordert endlich los zum Stellplatz.

    Auch dieser Platz ist nicht erreichbar, also fahren wir erstmal weiter zu einer Quelle. Hier können wir mit unserem neuen Faltkanister endlich Wasser auffüllen.🎉 (Es wurde beim Einfüllen in den Tank nur minimal das Auto geflutet, auch wenn das andere Teilnehmer dieser Reise vielleicht anders bewerten würden.) Als letztes geht es noch 1 km weiter und wir haben endlich unseren Stellplatz für die Nacht. Direkt an der Straße, aber mit Blick auf das Meer und den Blow Me Down Provincial Park, wo wir am nächsten Tag wandern wollen.

    Parkplatzaussicht

    Meer, Schnee, Wandern

    Wie gesagt geht es heute in den Blow me Down Provincial Park. Eine kurze Wanderung zum ersten Aussichtspunkt. Wir planen keine längeren Wanderungen mehr, weil durch den Schnee auch kurze Wanderungen sehr anstrengend sein können. So auch hier. Der Park ist natürlich auch Seasonal Closed, hätten wir gar nicht gedacht, gut dass es ein Schild gibt.

    Ob die Straße wohl geschlossen ist?

    Wandern kann man auch hier trotzdem (auch offiziell ist das erlaubt) und wir folgen älteren Spuren zum Trail. Der Weg besteht aus sehr vielen Treppen, die mal mehr mal weniger eingeschneit sind.

    Immerhin nur kniehoher Schnee

    Die Wanderung kann ich absolut empfehlen, man hat immer wieder eine wunderschöne Aussicht. Es schneit durchgängig ein wenig und ab und zu kommt die Sonne raus. Der Schnee ist eindeutig Regen vorzuziehen, bei durchgängigem Nieselregen wäre das hier ganz schön bescheiden. Der Trail geht noch über die ganze Halbinsel, was sich sicher auch sehr lohnt, aber heute nicht für uns, wir wollen noch weiter.

    Weg und Schnee bieten ausreichend Abwechslung
    Einer der vielen wunderschönen Aussichten

    Richtig beseelt kommen wir wieder beim Volvo an. Jetzt geht es ein paar Kilometer weiter zur Bottle Cove. Hätten wir jetzt schon gewusst, dass die MSC Baltic 3 ein paar Buchten weiter gestrandet liegt, wären wir noch dahin gefahren. Wussten wir leider nicht, die Ecke ist aber auch so absolut einen Besuch wert.

    An der Bucht angekommen machen wir wieder nur die kleine Wanderung und laufen nicht zum Leuchtturm. Hier braucht es auch keine vielen Worte mehr, wir können noch unseren ersten Neufundland Cache einsammeln, alles andere zeigen die Bilder.

    Bottle Cove mit Sea Cave
    Steilküste und wildes Wasser
    Aussicht auf die Berge gibt es hier auch
    Dann kam die Sonne raus. Entspannung im Windschatten mit Blick auf die Bucht und…
    … neugierigen Eichhörnchen.