Auf geht’s, ab geht’s, vier Tage Kurztrip
Die gute Nachricht an unserem Morgen, alle Pakete sind in Schillsdorf angekommen. Wir organisieren den Versand und unsere lieben Menschen zuhause packen das Paket. DHL verspricht eigentlich 1-3 Tage Expressversand aber schon beim Eingeben der Adressdaten steht beim Lieferdatum Ende nächster Woche. Hilft ja alles nichts, wir hoffen mal, dass das schneller geht. Auch wieder ein Schnäppchen mit nur 150€ für den Versand (Das ist ein Viertel Zahnrad 😉).
Chris fällt ein, dass er ja ADAC Mitglied ist und schaut erstmal, was für Möglichkeiten uns das bringen könnte. Theoretisch zahlen sie anteilig die Abschleppkosten, Mietwagen und sogar Ersatzteilversand. Die Mitarbeiterin an der Hotline meint auch, dass uns das zusteht, aber ihr System zeigt ihr das gerade nicht an. Wir sollen die Rechnungen einfach mal alle einreichen. Sie musste schon sehr mit der Software kämpfen, um unseren Fall mit den kanadischen Daten einzugeben.
Wir packen unsere Sachen zusammen und laufen den einen Kilometer zur Autovermietung. Der Wagen soll nun doch noch etwas mehr kosten als wir dachten, vermutlich standen online wieder mal nicht die Steuern. Wir bekommen einen Mazda 3 Coupé in rot, extra schnell (s. https://wh40k.lexicanum.com/wiki/Ork_Vehicle_Upgrades# Stichwort “Red Paint Job”). Das Auto ist von 2025, hat allen modernen Schnickschnack und ist somit das Gegenteil von unserem Volvo. Wir fahren zurück zum Volvo und packen alle unsere Sachen ein, der Kofferraum ist überraschend geräumig. Es ist ein sehr komisches Gefühl, den Volvo nach 9 Wochen zurück zu lassen. Hoffentlich geht es bald wieder mit dem Volvo weiter.

Nun starten wir erstmal mit dem Leihwagen Richtung Québec City. Der Highway ist hier vierspurig und sehr breit mit einer Maximalgeschwindigkeit von 90 km/h. Das fühlt sich super langsam an, wir verstehen gar nicht, was die Leute immer haben, wenn wir mit 70km/h rumschleichen, so viel schneller sind die 90 doch auch nicht. Zu schnell fahren hier trotzdem alle, so dass wir auch mit dem modernen Auto die langsamsten sind. Dadurch kommen wir auch in den Genuss, von vielen Pickups überholt zu werden. Im Mazda sitzen wir jetzt so tief (also normal), dass unsere Köpfe auf der Höhe von deren Radkästen sind, gar nicht mal so angenehm. Wir verstehen, dass sich die Leute hier dann auch SUV und Pickups kaufen, um höher zu sitzen. In diese Teufelsspirale einzusteigen, ergibt für uns aber keinen Sinn. Sagt sich natürlich leicht, wenn man sonst mit dem Volvo rumfährt.
Die Straße führt durch eine flache Kulturlandschaft, immer entlang des St Lorenz Stroms. Wir haben den Wagen recht spät abgeholt, damit wir ihn nicht so früh am Tag wieder abgeben müssen. Dadurch sind wir zur perfekten Feierabendverkehrszeit in Québec City und stehen erstmal im Stau. Québec ist unsere erste wirklich große Stadt in Kanada, diese wollen wir uns aber erst auf dem Rückweg anschauen. In Québec gibt es die erste Brücke über den St Lorenz Strom und entsprechend viel Verkehr. Wir überqueren hier auch den Strom und folgen dem anderen Ufer wieder Richtung Mündung. Auf dem Weg halten wir bei McDonalds, eigentlich wollen wir hier nur parken, sind aber mittlerweile zu hungrig, um dem Geruch nach frischen Pommes zu widerstehen. Also gibt es erstmal Poutine (ja das gibt es hier wirklich überall) und Nuggets. Frisch gestärkt geht es zu Fuß zum Montmorency Wasserfall. Québec hat wohl einen der spektakulärsten städtischen Wasserfälle. Die Hälfte der Anlage ist wegen Wartungsarbeiten geschlossen, praktisch für uns, so müssen wir keine 18C$ Eintritt bezahlen. Leider können wir so auch nicht die ganzen Treppen bis zum Fuß des Wasserfalls und zurück laufen. In bester Nordamerika-Manier werden wir mit dem Auto auf dem Rückweg zum unteren Parkplatz fahren. Ohne Eintritt lohnt sich der Besuch auf jeden Fall und wir genießen den spektakulären Blick bei Sonnenuntergang auf der Hängebrücke direkt über dem Wasserfall.

Wir fahren noch 20 Minuten weiter zu einem Naturlehrpfad, um dort zu übernachten. Der Weg ist kurz aber nett gemacht, leider ist alles nur auf französisch. Brettis Spezial-Vokabular in Bezug auf Feuchtgebiete und ihre Bewohner ist dann doch etwas begrenzt. (Kommentar von Chris: Aber es gibt schöne Bilder.) Nach dieser kleinen netten Runde richten wir uns für die Nacht im Auto ein. Wir haben vor, auf den zurückgeklappten vorderen Sitzen zu schlafen, mal sehen wie das wird. Zum Einschlafen hören wir noch etwas Podcast auf Chris Handy, welches inzwischen sogar die Werbung bei Spotify auf polnisch abspielt. Es scheint keine andere Möglichkeit zu geben, wir lernen wohl jetzt polnisch.

Das Motto heißt Baguette
Die erste Nacht war so naja. Chris schläft eh nie so viel, sein Kopf gibt keine Ruhe und Bretti hatte Probleme eine Position zu finden, in der ihr nicht die Beine einschlafen. Die nächste Nacht wird bestimmt besser. Grundsätzlich haben wir auch ein Zelt dabei, mal schauen ob wir dafür ein Platz finden. Ausnahmsweise gibt es kein dekadentes Frühstück sondern nur Apfel und Schokobrötchen. Wir brauchen etwas, um das Chaos zu beseitigen und fahren dann in den nächsten Ort zu einer Bäckerei. Diese ist ein Crossover aus einer Bäckerei wie bei uns und einem Diner. Die Sitze und der Tresen sind so angeordnet wie bei einem Diner, aber es gibt belegte Baguettes und Kaffee. Es ist erst das zweite Mal in Kanada, dass wir Getränke nicht in Pappbechern bekommen, sondern in Keramikbechern. Der Kaffee ist sehr gut und es gibt richtig gutes Baguette. Das wollten wir eigentlich mitnehmen, aber nach dem die Getränke leer sind ist auch das halbe Baguette verschwunden. Wir kaufen noch ein zweites. Leider ist das die einzige Fiale und es ist keine Kette wie sonst alles hier. Wir werden auf dem Rückweg unseres Kurztrips nochmal hier vorbei schauen.
Frisch gestärkt geht es nach Tadoussac. Wir folgen weiter dem St Lorenz Strom und stoppen immer mal wieder um die Aussicht an der Küste zu genießen. Kurz vor Tadoussac geht es mit einer kostenlosen Fähre über den Saguenay Fjord. Ob den Preis hier auch der Kaiser bestimmt hat? (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Nord-Ostsee-Kanal#Touristik)

In Tadoussac machen wir nur eine Rundfahrt mit unserem Wagen. Es ist eine ziemliche Touristenfalle mit Parkgebühren bis zu 20C$. Vielleicht tappen wir auf dem Rückweg noch in diese Falle, die Cafés am Hafen sahen schon echt nett aus.

Direkt hinter dem Ort geht es für uns in ein privates Naturschutzgebiet. Die Anwohner haben hier selber ihr Land in ein Schutzgebiet umgewandelt. Hier machen wir eine kurze aber sehr abwechslungsreiche Wanderung zum Point Rouge. Es gibt Passagen im sehr nassen Wald, Schotterstraße, Felsenkletterei, steilen Küstenwald und etwas Strand. Hier machen wir eine Pause und essen unser Baguette mit Frischkäse im Windschatten eines Felsens. Der St Lorenz Strom ist für Whalewatching bekannt, leider zeigt sich uns keiner.



Jetzt geht es weiter zum eigentlichen Ziel des Tages, den Dünen von Tadoussac. Wir wissen nicht genau, ob das hier als Düne zählt, beeindruckend sieht es aber aus. Der neu angelegte Weg zum Strand erlaubt eine richtig tolle Sicht auf die Düne und die Bucht. Bei bestem Wetter genießen wir die Aussicht.

Es ist noch nicht sehr spät, also lassen wir uns hier viel Zeit. Während wir dort sitzen kommt die Flut. Diese steigt hier so schnell, dass man sehen kann wie sie eine Sandbank nach der anderen verschlingt. An einem Aussichtspunkt gibt es eine Kolibri-Tränke und wir sehen sogar kurz einen, vermutlich einen Rubinkehlkolibri.

Morgen soll es in den Saguenay Fjord National Park gehen, der ist nicht mehr weit weg und wir suchen uns einen Übernachtungsplatz in der Nähe. Der Weg führt uns direkt über eine schlechte Schotterstraße, perfekt für unseren tief liegenden Leihwagen. Die Plätze hier sind alle nicht so dolle und liegen nah an der Straße, aber wird schon passen für die eine Nacht.

Ganz schön viele Federn an diesen Belugas
Wir sind ja nun ohne unser Starlink unterwegs und auf LTE angewiesen, was in Kanada ziemlich nutzlos ist. Meistens reicht es nicht mal für Google Maps. Wir finden trotzdem zum Fjord-du-Saguenay National Park. Hier müssen wir jeweils 10C$ Eintritt bezahlen, weil das ein Nationalpark der Provinz Québec ist und nicht zu Parcs Canada gehört. Diesmal ist das Häuschen am Eingang des Parks sogar besetzt. Wir parken am Visitor Center und können dort erstmal ganz viel über die ansässigen Belugas lernen. Leider erfahren wir auch, dass ihre Hauptzeit hier vor Ort im Juli und August ist, aber vielleicht haben wir ja Glück, denken wir uns und wandern zum Beluga Aussichtspunkt. Auf dem Weg sehen wir ein paar Streifenhörnchen, viele verschiedene Vögel und wir lernen was über die Geschichte des ehemaligen Dorfes hier.




Der Aussichtspunkt ist sehr schön gestaltet. Wir machen hier eine kleine Pause. Leider zeigen sich keine Belugas, dafür weitere Vögel auf dem Wasser.


Dann entscheiden wir uns, noch zum nächsten Aussichtspunkt in 2 km Entfernung mit Blick auf die Insel St Louis zu laufen. Der Weg war bisher sehr entspannt, von daher werden die paar Kilometer mehr auch kein Problem sein, denken wir uns. Tja… Von dem Aussichtspunkt soll man einen schönen Blick auf den Fjord haben, dementsprechend geht es aber auch steil den Berg hinauf, gar nicht mehr so entspannt. Zu Beginn des Weges sehen wir zwei Schlangen. Es wird wohl Zeit, sich mal über etwaige Giftschlangen in Kanada zu informieren. Die Schlangen posieren ruhig für ein paar Fotos und schlängeln dann ihrer Wege. (Anmerkung: Später finden wir heraus, dass es sich wahrscheinlich um Strumpfbandnattern gehandelt hat. In Kanada gibt es keine für den Menschen gefährliche Giftschlangen.)

Wie es sich für eine richtige Wanderung gehört, folgt hier ein Elchkackehaufen auf den anderen. Wir suchen uns unseren Weg durch die Elchkacke und kommen doch recht erschöpft am Aussichtspunkt an. Immerhin haben wir den diesmal gefunden, nicht so wie beim Cape Split. Die Aussicht ist schön, unterscheidet sich aber nicht sehr vom vorherigen Aussichtspunkt. Es zählt ja aber auch die sportliche Betätigung beim Wandern.

Auf dem Rückweg zählen wir die Elchkackehaufen, Ergebnis 63. Von den 5 km Strecke liegt nur auf maximal 1 km Kacke, eher in kleinen Gruppen als einzeln. Das kann aber auch an einer scheinbaren Vorliebe der Elche für gerade Wegabschnitte liegen. Ob das alles von einem Elch oder mehreren kommt, können wir nicht sagen. Es bleiben noch viele Fragen offen. Wir werden wohl versuchen, Forschungsgelder für eine intensive Studie zu beantragen.
Zurück am Auto sind wir ziemlich platt. Jetzt geht es wieder ein Stück zurück Richtung Québec City, welches wir uns morgen anschauen wollen. Wir machen noch einen Tank- und Einkaufsstopp und dann geht’s zum Übernachtungsplatz. Es sind noch 200 km bis Québec, aber so wirklich motiviert heute noch viel Strecke zu machen, sind wir nicht. Von daher tut es ein Platz an einem See und wir genießen unser Abendessen gemütlich an der Badestelle.

Auf nach Québec City
Auf dem Weg nach Québec City halten wir nochmal an der Baguette-Bäckerei, trinken Kaffee und kaufen Baguette und Brot. Dann düsen wir weiter, wir hatten uns vorher einen Parkplatz in der Innenstadt rausgesucht, auf dem wir übernachten wollen. Im Außenbereich der Stadt fahren wir an dem Wasserfall vorbei. Auch von unten sieht der sehr spektakulär aus.
Wir nähern uns der Innenstadt über die 6-spurige Autobahn, die erstaunlich leer ist. Der erste Parkplatz ist leider voll, aber wir haben zum Glück noch einen Alternativplatz, der sogar noch angenehmer ist. Wir stehen neben einem Museum in einer Sackgasse direkt am Park der Zitadelle. Angekommen machen wir im Park erstmal eine Baguette-Pause. Währenddessen entdeckt Bretti ein flauschiges Tier, das sich Löwenzahn reinmümmelt. Es sieht irgendwie aus wie ein Murmeltier, das hat doch aber eigentlich nichts in der Stadt zu suchen oder? Vielleicht ist es einfach ein sehr sehr dickes Eichhörnchen. Wir sehen auch noch ein dünnes graues Eichhörnchen.
Nachdem wir und das dicke Eichhörnchen satt sind geht es auf der Stadtmauer zur ersten Historic Site, dessen Eintritt in unserem Discovery Pass inklusive ist. Leider ist sie jedoch bis Ende Juni geschlossen. Deswegen wandern wir durch die Innenstadt zur zweiten Historic Site in Québec. Der Weg ist ganz angenehm, da gerade viele Straßen für den Autoverkehr gesperrt sind. Bei der zweiten Historic Site handelt es sich um die Kellergewölbe des ehemaligen Gouverneurs-Palasts, dem Château Saint-Louis, die sich heute unter der Aussichts-Terrasse der Stadt, der Dufferin-Terasse, befinden. Dort werden der Aufbau des Schlosses, dessen Geschichte und der damalige Alltag erläutert. Es ist etwas kurz, aber informativ und für uns ja im Discovery Pass inklusive.

Nach dem Bildungsprogramm zieht es uns den Berg hinunter in ein bekanntes Touri-Viertel, das Quartier Petit Champlain.



Wir essen Kuchen, trinken Kaffee, erkunden in ein paar Bars das lokale Bier und dann geht’s wieder hoch in die Altstadt. Wir durchforsten ein paar Souvenirläden nach Ahornsirup-Lollis in Kuhform. Brettis Reiseführer hatte die als klassisches Mitbringsel angepriesen. Wir glauben er lügt, denn wir finden keine. Es gibt nur welche in Ahornblatt-Form. Wir ziehen ein bisschen hin und her und schauen uns die alten Gebäude an. Die Gebäudefassaden erinnern uns ein bisschen an England.

Wir kundschaften auch schon mal aus, wo wir später Essen gehen können. Dabei erspähen wir auch ein Restaurant mit Crêpes mit Spargel und Sauce Hollandaise, ob das unsere Wahl wird? Wir entscheiden uns für lokale Köstlichkeiten aus Québec, Shepherd’s Pie und Rösti mit Karottenmus.

Frisch gestärkt zieht es uns wieder auf die Aussichtsterrasse. Wir machen ein paar Touri-Fotos und genießen die laue Abendluft. Zum Abschluss des Abends spazieren wir noch um die Zitadelle herum zurück zum Auto.




Morgen früh werden wir noch ein bisschen Zeit in Québec verbringen und dann geht’s schon wieder zurück nach Rivière du Loup zu unserem Volvo. Die Ersatzteile sind immerhin schon in den USA angekommen und werden hoffentlich ganz schnell weitergeschickt. Mehr dazu dann nächste Woche.


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