Woche 3 | Teil 2: Römms

Verschneiter See

Ich seh nur Schnee

Heute verlassen wir den Cape Breton Highlands Nationalpark wieder. Über eine Panoramastraße geht es den Rest des Cabot Trails bergab. Mit Serpentinen hat man es hier nicht so, stattdessen gibt es Steigungen von 8 – 12 % und scharfe Kurven.

Unten angekommen laden uns Schilder in einen Chocolate Shop ein. Hier wird die Schokolade direkt im Laden hergestellt. Bei all der leckeren Auswahl entscheiden wir uns für eine Tafel Dark Chocolate Espresso und Dark Chocolate Seaweed.

Weiter geht’s Richtung Red Island Trail. Dort angekommen müssen wir bei dem Schnee erstmal den richtigen Parkplatz suchen und parken schließlich vor einer kleinen Kirche. Wie so ziemlich alle Häuser sind auch die Kirchen hier aus Holz und zum Teil recht klein. Dafür gibt es ziemlich viele davon.

Der Red Island Trail ist ca. 3 km lang, fühlt sich aber eher an wie 6 oder 10 km, denn wir stapfen durch tiefen gefrorenen Schnee und sacken immer wieder ein. Auch hier sehen wir immer wieder kleine Haufen mit Resten von Tannenzapfen – Essensreste der Eichhörchnen. Ab und zu hören wir sie auch, ein bis zwei zeigen sich zwischendurch sogar. Der anstrengende Weg belohnt uns mit einem schönen Blick aufs Meer mit schneeverhangenen Bergen im Hintergrund. Leider liegen hier auch viel Fischereiausrüstung wie zum Beispiel ganze Hummerfangkästen und Netzteile, die überall an der Küste angespühlt werden. Manchmal werden die Dinge zumindest vom Meer weg gezogen,sodass sie nicht wieder weggeschwemmt werden. Allerdings bilden die stabilen Netze und Seile auch für Landtiere eine tödliche Gefahr. Man müsst den Müll also komplett aus der Natur entfernen, was aber bei den Mengen und dem Gewicht der Körbe für Spaziergänger unmöglich ist. Dafür müsste die Industrie selber verantwortlich sein, über die negativen Aspkete der Fischerei redet man hier vermutlich nicht so gerne.

Wir haben aber lieber schöne Bilder gemacht
Es wurde auch abenteuerlich geklettert
Karateübungen wurden auch noch gemacht

Nach kurzer Pause geht es weiter auf dem Rundweg, wobei “Weg” teilweise ein großer Begriff ist. Umgefallene Bäume lassen uns neue Wege suchen und zwischen den Tannen hindurch hoffen wir einfach Mal, dass wir immer noch auf dem richtigen Weg sind. Uns über und durch die Schneewehen kämpfend lernen wir auch, dass man besser Abstand zu den Bäumen, bzw. Baumstämmen hält, damit man nicht auf einmal absackt. Der Weg führt uns vorbei am MacDonalds Big Pond. Zu sehen ist eine große weiße baumfreie Fläche. Wo das Ufer beginnt? Keine Ahnung. Alles in allem ist es aber mal wieder ein schöner Trail.

Chris sucht den Weg
Hier igendwo ist das Ufer

Ganz schön geschafft stiefeln wir zum Auto zurück und überlegen, ob wir wirklich noch zum nächsten geplanten Zwischenstopp, einem Wasserfall im North River Provincial Park, fahren oder ob es uns für heute schon reicht.

“Der eine Kilometer, den packen wir schon…”

Wir beschließen, zu schauen, ob der Weg zum Trailhead überhaupt frei ist und uns den Weg mal anzugucken. Die Straße zum Trailhead ist anfangs frei und wird dann immer schneebedeckter. Am Straßenrand sehen wir Pickups mit Anhängern, die zu einem Snowmobile Club gehören. Das spricht schon mal für viel Schnee. Wir kommen tatsächlich in die Nähe des Trailheads und bleiben an der Straße stehen. Ich (Bretti) gepackt von neuer Energie stimme dafür, bis zum Wasserfall zu laufen. “Der eine Kilometer, den packen wir schon noch”, sagte sie in ihrem jugendlichen Leichtsinn…

Gesagt getan und schon stiefeln wir los. Wieder durch tiefen gefrorenen Schnee, in den wir bei jedem Schritt etwas einsacken. Nach ein paar Minuten kommen wir an einer “Wiese” mit Bank und kleinem “Infohäusschen” an. Hier lesen wir, dass der Weg zu den Big Falls gesperrt, der zu den Little Falls aber zugänglich ist. Zwar schon etwas geschaffter, aber immer noch motiviert, machen wir uns also auf zu den Little Falls. Der verschneite Wald mit seinen Bachläufen und der Stille ist richtig schön. Wie so oft bei unwegsamem Gelände, achtet man die meiste Zeit jedoch mehr auf seine Füße als auf die Umgebung und so zieht sich der Weg ganz schön. Außerdem bekommen wir beide langsam Hunger und wer mich kennt weiß, dass das auf Dauer auf die Stimmung drückt. Aber das Flussrauschen wird immer lauter, also geht’s weiter. Schließlich laufen wir an Felsen und Stromschnellen vorbei, die für das Rauschen gesorgt haben. So nach Wasserfall sieht das noch nicht aus, denken wir uns und folgen noch ein Stück weiter den vorangegangen Fußspuren. Schließlich hören diese Spuren auf und scheinbar auch der Weg. Zu sehen ist “nur” der Fluss, kein Wasserfall. Geschafft, hungrig und inzwischen unmotiviert beschließen wir umzudrehen. Vermutlich waren die Stromschnellen schon die Little Falls.

Ältere Fußspuren im Schnee
Picknickzeit

Auf dem Rückweg fängt es ordentlich an zu schneien, so dass unsere eigenen Fußspuren vom Hinweg schon fast verdeckt sind. Wir bekommen eine vage Vorstellung davon wie schnell man sich ohne Anhaltspunkte im Schneegestöber verlaufen könnte. Zum Glück ist der Weg für uns trotz Schneefall eindeutig erkennbar und wir kommen in nun gefühlt kürzerer Zeit wieder beim Auto an. Dort gibt es erstmal Reste vom gestrigen Abendessen und die nächsten Schritte werden geplant.

Auf nach Florence 🇮🇹

Immer noch hungrig machen wir uns erstmal auf die Suche nach etwas zu essen. Das erste Café hat leider zu, Off-Season. Ein häufiges Thema für uns. Nachteilhaft, wenn man nach offenen Cafés sucht, vorteilhaft, wenn man viel Ruhe und nicht so viele Touris möchte. Wir finden ein offenes Restaurant, die kitchen1409. Hier ist ganz schön viel los, aber für uns gibt es noch einen Tisch. Gut gesättigt geht die Fahrt weiter durch den Schnee. Die Scheibenwischer geben ihr bestes, doch es sammelt sich immer mehr Schnee dort auf der Scheibe, wo die Wischer nicht ankommen. Bis wir in Florence ankommen wird das Auto überfroren sein.

Florence haben wir gewählt, weil wir am nächsten Vormittag um 11:45 Uhr die Fähre nach New Foundland nehmen wollen. Der Versuch, dafür online ein Ticket zu kaufen, scheitert jedoch. Die Website streikt. Wir lesen, dass wir auch am Terminal ein Ticket kaufen können, sofern wir 3 Stunden vor Abfahrt dort auftauchen. Wir stellen uns also das erste Mal seit Ankunft in Halifax einen Wecker. Voll gefuttert und geschafft chillen wir den Rest des Abends im Auto während es draußen schneit.

Wenn man es mal eilig hat…

Am nächsten Tag sind wir noch vor dem Wecker wach. Nun heißt es anziehen und ab zur Fähre. Frühstücken wollen wir, wenn wir das mit dem Ticket geklärt haben. So dachten wir… Leider springt das Auto nicht an. Da müssen wir einmal zeitig los und nun das. Nach etlichen Versuchen fällt auf, das Zündkabel des 6. Zylinders ist abgefallen. Vielleicht war es vorher schon lose und ist nun bei den zahlreichen Startversuchen endgültig abgefallen, wir wissen es nicht. Chris startet eine Pfusch-Reparatur, aber es ist klar, die Fährfahrt ist damit erstmal gestrichen. Stattdessen fahren wir lieber zu Canadian Tires, einem Baumarkt und gucken nach Ersatzteilen. Dort finden wir ein Ersatzkabel, das prinzipiell passen würde, zumindest die eine Seite, die Zündverteiler-Seite passt leider nicht, “aber das kann man ja anpassen”, sagt Chris. Pustekuchen, im Kabel ist kein Kupfer drin. Was es stattdessen für ein Material ist, wissen wir Stand heute nicht. Es wirkt wie Kunststoff, muss ja aber leiten können. Die neuen Kabel sind also unbrauchbar. Mit dem alten Kabel und der besseren Pfusch-Reparatur 2.0 springt das Auto gut an und läuft soweit wieder rund. Nun machen wir erstmal eine kleine Probefahrt und suchen uns dann ein Plätzchen zum Frühstücken.

Neuer Plan

Da Fährefahren für heute gestrichen ist, planen wir um. Am Sonntag fährt die Fähre nur nachmittags und nachts, weshalb wir beschließen am Montagvormittag unser Glück erneut zu versuchen. Heute nutzen wir noch die Zeit in der Stadt North Sydney, um mal in einen Outdoor-Laden zu gehen und eine Gaskartusche für unseren Campingkocher zu kaufen und probieren eine neue Supermarktkette (Sobeys) aus. Ergebnis, sie ist besser als Walmart, aber nicht so gut wie der Atlantic Super Store.

Für die Nacht wählen wir einen Stellplatz, der 20 Minuten von North Sydney entfernt neben einem Leuchtturm liegt. Dort gibt es dank tiefer Matschlöcher noch eine unfreiwillige Offroad-Einlage. Mit dem “alten Schweden”, unserem Volvo, zum Glück alles kein Problem. Hier lassen wir den Tag mit Blick aufs Meer ausklingen.

Eine der unerwartet tiefen Matschpfützen

Ein bisschen Ostern in Kanada

Den Ostersonntag gehen wir entspannt an. Da wir eigentlich schon auf New Foundland sein wollten, haben wir keine großen Pläne. Nach dem Frühstück testen wir, ob das Auto immer noch zuverlässig anspringt. Zum Glück tut es das ausreichend problemlos, so dass wir uns nun auf die Suche nach offenem WLAN begeben können. Unserer Recherche zufolge müssten die klassichen Café-Ketten offenes WLAN haben. Wir steuern zunächst “Robin’s” und danach “Tim Hortons” an. Auf dem Weg dorthin sehen wir noch einen Fuchs durch einen Garten stapfen. Wieder ein Punkt für unsere “Counter-Liste”. Außerdem sehen wir eine Treckerschneefräse. An Schneeräumfahrzeugen haben wir hier schon einiges gesehen. Per Hand geschobene Fräsen, Schieber an Schneemobilen, an Pickups, die großen Schneeräumfahrzeuge sowie eine Schneeraupe. Wir vermuten, dass gerade bei den oft langen Auffahrten zu den Wohnhäusern viele ihre Einfahrten selbst mit solchen Gefährten räumen oder Nachbarschaftsdienste in Anspruch nehmen. Teilweise sieht man aber auch die Autos am Straßenrand stehen und Fußsstapfen bis zum verschneiten Haus.

Vielleicht brauchen wir sowas auch noch für den Volvo?

Bei Tim Hortons angekommen holen wir uns was zu trinken, nutzen den Komfort einer beheizten Spültoilette und sichern Fotos im offenen WLAN. Der Versuch, unseren Router im Auto mit dem offenen WLAN zu verbinden scheitert leider und auch der Empfang ist dort deutlich schlechter, so dass wir uns entscheiden, uns doch mit unseren Laptops ins Café zu setzen, um die restlichen Updates herunter zu laden. Dazu gibt’s noch ein bisschen Osterfettgebäck.

Osterfettgebäck. Sogar ertragbar süß

Nachdem die meisten Updates installiert sind, fahren wir zu dem ersten Stellplatz in Florence. Für die “Counter-Liste” zeigt sich hier noch ein Fasan. Während ich diesen Blogbeitrag schreibe, macht Chris Apple Crumble und das Abendessen. Danach wollen wir ein bisschen daddeln, denn neben unseren Laptops haben wir auch Steam-Controller dabei. Gerade an so einem verregneten Sonntagabend ohne großartige Aussicht bietet sich das gut an, um zu entspannen.

Versteckt unter Butter und Zucker gibt es etwas Apfel (und Schokolade)

Morgen startet dann der nächste Versuch, die Fähre nach New Foundland zu nehmen. Drückt uns die Daumen, dass das Auto rechtzeitig anspringt und wir in die nächste Provinz Kanadas aufbrechen können.

Karte der Woche 3 (Teil 1 und Teil 2)