Wandertag im Nebel
Der Tag startet wolkenverhangen. Der Gipfel des Keno Hills hat sich in den Wolken versteckt, eigentlich alles, was mehr als 50 m weit weg ist. Das soll uns aber nicht aufhalten, vielleicht klart es ja noch auf und Bewegung ist immer gut. Wir packen noch Chris altes GPS Gerät ein, falls wir den Trail in dem Dunst verlieren. Als wir los laufen, kommen wir noch mit unseren Nachbarn ins Gespräch. Sie waren schon beim Gipfel, zumindest glauben sie das, es war zu neblig. Da kommt doch Freude auf. Er gibt uns noch einige Tipps für andere Wanderwege im Yukon.

Als wir uns loseisen, klart es sogar etwas auf, das steigert die Motivation. Wir folgen zuerst einer Art Straße den Berg hinauf. Es gibt immer mal wieder ein Schild für den Monument Trail (dem folgen wir). Irgendwann biegt der Weg von der Straße ab und ab hier sieht man nur noch alle 100 m ein Schild, einen Weg gibt es nicht. So krakseln wir über Geröll bis zum Gipfel(?). So ganz eindeutig ist es nicht. Es ist sehr neblig und ein richtiges Kreuz gibt es auch nicht, eher ein Pfosten oder sowas. Die GPS-Karte sagt aber auch, dass hier der Gipfel ist, immerhin, das soll uns reichen.



Da der Weg ein Rundweg ist, folgen wir den sporadischen Schildern weiter. Sobald der Gipfel außer Sicht ist, gibt es nur noch Steinhaufen ohne Schilder. Auch diese verschwinden bald. Wir überlegen kurz zum Gipfel zurück zu gehen, aber wir entscheiden uns, dem Trail auf dem GPS zu folgen. Zurück zum Gipfel wäre ungefähr genau so lange wie runter. Der Nebel reißt auch immer wieder mal auf, so können wir die Straße weiter unten schon sehen und uns zusätzlich orientieren. Der “Weg” führt weiter über Geröll, Moos und quer den Hang hinunter. “Wegführung mit viel Interpretationsspielraum”, nennen wir das. Mit unseren Wanderstöcken ist der Weg über das Geröll kein Problem und so kommen wir im Nieselregen unten an der Straße an. Wir suchen kurz den offiziellen Anfang des Weges an diesem Ende, aber es findet sich nichts. Generell wäre es am sinnvollsten gewesen am Gipfel umzudrehen, aber naja, der Pfad ist nicht nur auf dem GPS sondern auch auf der Wanderkarte am Parkplatz verzeichnet, scheint aber länger keine Pflege gesehen zu haben. Auch mit den ganzen Wolken und dem kreativen Abstieg war das eine schöne Wanderung, die Landschaft ist hier an sich sehr schön.





Trotzdem sind wir ganz froh, dass die Wanderung nicht so lang war und wir über die Straße zügig zurück am Parkplatz sind. Hier machen wir es uns im Volvo gemütlich und lauschen dem Regen auf dem Dach. Bretti kocht noch was schönes und wir hören mal wieder 5 Minuten Harry Podcast. Coldmirror empfiehlt in der Folge das satirische Musical: “A very potter musical“, welches wir beide nicht kennen. Wir schauen uns den ersten Akt an. Absolute Empfehlung, solange man flachen Humor mag. Die Aufnahme auf YouTube ist vom Sound her leider eher mittel, aber man kann sich das trotzdem gut anschauen. Vermutlich kennen das eh schon die meisten und wir sind nur late to the party.
Und hier noch mehr Bilder, die wir vorher vergessen hatten.




Goldsucher im Yukon
Heute verlassen wir den Keno Hill und wenn alles klappt auch den Silver Trail wieder. Morgens ist es mit 4,5°C ziemlich kühl draußen. Entsprechend frühstücken wir heute lieber mal drinnen. Es war die ganze Zeit wolkenverhangen, aber passend zum Frühstück reißt die Wolkendecke etwas auf und wir können nochmal die schöne Aussicht von hier genießen. Wäre richtig gutes Wanderwetter heute, naja.



Wir wackeln gemütlich 10 km den Weg hinab nach Keno City. Von hier nehmen wir die von der Pizzabäckerin als sehr schlecht beschriebene andere Straße zurück nach Mayo. Schlechte Straßen ziehen uns magisch an, obwohl man wohl mit gutem Gewissen sagen kann, dass im Yukon jede Straße “schlecht” ist. Der Weg ist jetzt auch nicht schlechter als der Durchschnitt, dafür fahren hier viel weniger LKW. Wir fahren viel durch Wald über matschige Straßen, ab und zu ist auch eine größere Pfütze dabei. Nichts anspruchsvolles, aber ganz nett im Vergleich zum Hinweg.


Ab Mayo geht es dann auf Teer zurück zum Highway, der nach Norden führt. Wir tanken jetzt wieder Premium Benzin. Der Regular-Test war erfolgreich, wir haben bloß nicht beliebig Oktanbooster dabei, deswegen wird, wo verfügbar, auch weiter Premium getankt. Ab der Tankstelle übernimmt wieder Bretti das Steuer und bringt uns Richtung Dawson City. Bis in die Stadt fahren wir heute aber nicht, 30 km vorher startet der Dempster Highway, der ans arktische Meer führt und in diesen biegen wir heute schon mal ein. Morgen geht es dann nach Dawson. Andere Reisende hatten uns einen Stellplatz am Anfang des Dempster Highways empfohlen und dort fahren wir jetzt hin. Sie haben nicht erwähnt, dass hier mehrere Menschen längerfristig stehen. Wir kommen schnell ins Gespräch und entscheiden uns, hier zu bleiben. Sie sind schon zwei Monate an dieser Stelle und suchen Gold. So ganz verstanden haben wir nicht, wie sie hier Gold finden wollen, aber gut. Grundsätzlich nette Leute, allerdings merkt man schnell, dass sie an alle möglichen Verschwörungstheorien glauben. Vielleicht will sich auch deshalb kein längeres Gespräch ergeben. Wäre vermutlich spannend, aber auch sehr wild und anstrengend geworden. So verziehen wir uns bald ins Auto und haben einen entspannten Abend.

Kurz vorm Einschlafen fängt der Waschbeckenabfluss an zu gluckern. Was auch immer da los ist, muss jetzt erstmal bis Morgen warten.
In der “Westernstadt” Dawson City
Mit dem Rauschen des Flusses haben wir entspannt geschlafen. Einer der Leute meinte, dass die Vögel einem hier Nüsse aus der Hand fressen, wenn man geduldig genug ist. Chris versucht sich auch mal, aber er ist wohl keine Disney Prinzessin und die Vögel bedienen sich nur an den Nüssen außerhalb seiner Hand.

Nun geht es nach Dawson City. Der Stadtkern erweckt schon den Eindruck einer Westernstadt, die Autos trüben den Eindruck aber etwas. Dawson existiert nur wegen des Goldes, welches mehrfach einen Goldrausch ausgelöst hat. Heute leben hier knapp 2000 Menschen. In Hoch-Zeiten waren hier bis zu 30.000 Menschen beheimatet. In der ganzen Gegend waren es bis zu 100.000. Heute hat der ganze Yukon 40.000 Einwohneris. In der Stadt dreht sich alles um die Geschichte des Goldes in der Gegend. Außen herum dreht sich auch weiterhin alles um den Goldabbau, denn hier wird seit über 100 Jahren Gold aus dem Boden geholt. Wie das gemacht wird erklären wir die Tage noch, wir wollen uns nämlich die Dredge No. 4 anschauen, diese wurde hier zum Goldfördern genutzt.



Mitten zwischen den Westernhäusern gibt es einen Campingplatz und dort fahren wir zum Waschen hin. Während die Maschine läuft, befreien wir die Lüftung des Abwassertanks vom Schlamm. Nun sollte das Blubbern im Abfluss verschwunden sein und die entstehenden Gase und die Luft wieder nach draußen entschwinden. Während wir auf die Wäsche warten bringen wir unsere Geräte im freien WLAN auf den neusten Stand. Außer die Laptops, die zieren sich zu sehr. Windows Updates sind auf der Reise irgendwie immer schwierig. Naja, nächstes mal. Wir drehen noch eine kleine Runde durch das Stadtzentrum. Wir holen Bargeld und schauen im Visitor Center vorbei. Im kleinen Baumarkt kaufen wir ein paar Schrauben. Eine Schraube an der Fensterverriegelung ist ein Opfer der Dirtroads und ihren Schlaglöchern geworden. Der Baumarkt hat ausnahmsweise eine richtig gute Auswahl. Er ist auch der einzige im Umkreis von 700 km.

Die Wäsche ist langsam trocken und wir machen uns mit dem Volvo zu einem der zwei Supermärkte der Stadt auf. Hier gibt es keine großen Supermärkte à la Walmart und co. Der Supermarkt ist in mehreren der Westernhäuser versteckt. Der Laden ist ein absolutes Chaos und auch ziemlich teuer. Hier im Norden nimmt man aber, was man bekommt. Wie das Einkaufen ist auch das Tanken teuer, 2,48 C$ pro Liter. Mal sehen ob das weiter im Norden noch getoppt wird. Der Preisunterschied von Regular zu Premium ist hier mit 30 Cent recht hoch. Wir rechnen aus, ob Regular mit Oktanbooster teurer ist. Das lohnt sich schon ab 15 Cent Preisunterschied. Vielleicht müssen wir davon in Zukunft mehr kaufen.
Der letzte Stopp ist der Napa Store, wo unser Ölfilter in ca 1,5 Wochen ankommen soll. Wir wollen fragen, ob sie ein genaueres Datum für uns haben. Das haben sie auch, der Filter sei schon da. Die Palette werde morgen früh ausgepackt und wir könnten den ab 11 Uhr abholen. So viel zu den zwei Wochen Lieferzeit. Da wir nun Morgen früh eh noch mal nach Dawson fahren, geht es für die Nacht zu einem Platz in der Nähe. Auch dieser wurde uns von den Bekannten empfohlen, die uns den letzten Platz empfohlen hatten. Wir sind entsprechend gespannt, welches Detail sie hier vergessen haben zu erwähnen. Der Weg führt uns lange den nächsten Berg hoch und dann eine Weile auf einem Bergkamm entlang, um dann nach 10 km vor einem Camping verboten Schild zu stehen. Ob sie das ignoriert oder nur “übersehen” haben wissen wir nicht. Wir versuchen, uns an alle Verbote zu halten. Die Menschen haben sich schließlich extra die Mühe gemacht, ein Schild aufzustellen und es gibt hier immer genug Alternativen. Entsprechend suchen wir etwas herum und nehmen dann einen kleinen Platz am Ende eines doch recht zugewachsenen Weges. Nicht ganz gerade, aber super Aussicht. Wir setzen uns aufs Dach und schauen über das Gebüsch auf die entfernten Berge. Wir trinken so ein Bierchen und schnibbeln auch gleich das Gemüse fürs Abendessen dort oben.




Mit diesem Ausblick geht es dann am nächsten Morgen in Teil 2 weiter.


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