Ein bisschen drüber
Wir starten den Tag mit unserer Monatsabrechnung für Juli. Wir sind wieder deutlich über unserem 2000 € Budget. Auch wenn wir uns eh nicht an die 2000 € halten, sind 3000 € drüber doch etwas viel. 1200 € sind davon allein Autoteile, 700 € z.B. der neue Krümmer. 1700 € für Benzin. Das sind nochmal 300 € mehr als im Juni. Wir erinnern uns, da sind wir mehr als 5000 km gefahren. Das Benzin ist hier im Norden allerdings auch deutlich teurer geworden (ok eigentlich ist hier alles teurer). Es zeigt sich, auch diesen Monat sind wir wieder 5000 km gefahren. Hoffen wir mal, dass der August mit etwas weniger Fahrerei daher kommt. (Wahrscheinlich nicht.)
Wartungstag Nr. 2
Damit überhaupt weiter gefahren werden kann, geht es mit dem Auspuff weiter. Natürlich passt das alte Hosenrohr nicht an den neuen Krümmer. Deswegen lösen wir zuerst die Vergaserbrücke und den Krümmer wieder. Das reicht leider noch nicht, also biegt Chris kurzerhand das Hosenrohr mit dem Spaten zurecht. Es fehlte zum Glück nur 1 cm. Alleine diese Kleinigkeit hat mehr als eine Stunde gedauert. Der Rest des Auspuffs geht dann zum Glück ziemlich gut. Eine der Auspuffklemmen zerlegt sich beim festziehen noch, aber die war eh nicht so wichtig.

Während Chris unterm Auto zugange war, hat Bretti eine neue Feuerlöscherhalterung gebaut. Die Originale hat leider nicht so lange gehalten und seitdem wohnt der Feuerlöscher hinten in der Ecke, bei dem ganzen anderen Kram, der keinen festen Platz hat. Direkt greif- und einsetzbar sieht anders aus. Nun hängt er wieder direkt bei Herd, Heizung und Motorhaube. Mal schauen, ob der Eigenbau länger hält als das Original.


Wir lassen den Volvo testweise etwas laufen und ziehen noch ein paar Schrauben nach. Das Auto klingt jetzt ganz anders, vielleicht sogar etwas leiser? Naja, nun werden wir uns die nächsten Tage wieder bei jedem Geräusch fragen, ob das normal ist, super. Richtig testen wir das erst Morgen, wenn wir weiter fahren. Heute ist noch genug Wartungstag über, also geht es noch weiter. Der Beifahrerscheibenwischer-Schalter war defekt, zum Glück nur ein Kabel abgewackelt. Dies wird etwas besser gelegt und bleibt hoffentlich nun dran. Wir schauen noch unterm Auto, ob sich durch die ganzen Schotterpisten irgendwas gelöst hat. Eine Schraube am Tank hat sich etwas gelöst, sonst sieht aber alles gut aus. Wie immer zieht sich das ganze, aber gegen Nachmittag geht es in den Feierabend. Wir kühlen uns im seichten Uferbereich des Flusses ab. Das tut sehr gut nach der ganzen Arbeit. Schön ist der Platz hier ja, schattig aber nicht gerade.
Feierabend wie das duftet
Nach Kuchenbacken und Kochen machen wir uns ans Blog schreiben mit Blick auf den Fluss. Während wir schreiben, landet ein Seeadler etwas entfernt, fliegt dann leider in die andere Richtung davon. Da es langsam Abend ist zeigt sich auch ein Biber, der den Fluss hinauf schwimmt.


Es waren ganz schön anstrengende Tage und wir gehen zeitig ins Bett. Als wir schon am einschlafen sind, römmst es ein Mal ordentlich und der ganze Volvo wackelt. Wir sind direkt wieder wach und spähen aus den Fenstern. Ist da gerade ein Tier gegen das Auto gelaufen? Sehen tun wir nichts. Chris klettert durchs Dachfenster aufs Dach, kann aber auch nichts entdecken. Praktisch, dass es noch so hell ist. Dann sieht er, dass das Ersatzrad wieder ans Auto geschwenkt ist. Wir hatten es mit dem Spaten abgestützt, damit wir die Hecktür leichter auf machen können. Durch unsere Bewegungen im Auto ist der Spaten vermutlich umgefallen und der Träger mit dem schweren Ersatzrad gegen das Auto geprallt. Wohl besser als Tiere, die gegen das Auto laufen. Beruhigt schlafen wir wieder ein.
Zurück nach Whitehorse
Am nächsten Tag fliegt, während wir frühstücken, ein Adler oder sowas über uns, welcher regelmäßig seinen Schrei hören lässt. Etwas wild aber gut. Wir packen alles wieder ein, nach einigen Tagen stehen wundert man sich ja wie viel Unordnung man so produziert. Wir baden noch kurz und dann geht es zurück nach Whitehorse.

In Whitehorse geht es erstmal ins Visitor Center. Dieses ist für den gesamten Yukon zuständig, entsprechend unpräzise sind die Empfehlungen. Was für uns aber entscheidend ist, ist, dass die Lachse erst Ende August in den Yukon kommen und so entscheiden wir uns, erstmal weiter nach Norden zu fahren, anstatt an die großen Flüsse im Südwesten. In Whitehorse sammeln wir auch noch den zweiten Yukon Städte-Sticker ein. Mal sehen, wie viele wir davon zusammen bekommen.
Wir kaufen wieder mal ein, so gut gefüllte Supermärkte gibt es vermutlich weiter im Norden nicht. Natürlich darf ein Stopp bei einem Autoteilegeschäft nicht fehlen. Der letzte Ölfilter lässt sich ja nicht anschrauben, entsprechend brauchen wir Ersatz. Den gibt es hier natürlich nicht, auch wenn die Webseite was anderes sagt, also muss der bestellt werden. Lieferzeit mindestens eine Woche + x. Solange wollen wir nicht hier bleiben, mit Hilfe der Mitarbeiter können wir den Filter immerhin ins weiter nördliche Dawson schicken lassen. In Dawson werden wir mindestens zwei Mal vorbei kommen, hoffentlich ist der Filter dann irgendwann da. Lieferzeit ist irgendwas zwischen 1-2 Wochen. Wir hätten den schon gerne, bevor wir auf dem Dempster Highway ans Arktische Meer fahren, aber solange drauf warten ist auch keine Option. Das ist eindeutig ein Problem für die Zukunft, also fahren wir erstmal los.
Wir hatten noch kein konkretes Ziel für heute. Wir machen einen Stopp an einem alten Road House. Hier konnten früher Menschen übernachten und ihre Pferde ausruhen. Diese gab es alle paar Kilometer. Mit den aufkommenden motorisierten Fahrzeugen haben sie immer mehr an Bedeutung verloren.

Am Ende fahren wir noch 160 km. Einkaufen und co hatte sich wie immer etwas gezogen. Wir stehen einfach in der Nähe des Highways an einem kleinen Fluss. Hier absolut nichts ungewöhliches oder besonderes, zuhause wäre das ein Traumplatz.

Alles Mayo
Heute steht ein Fahrtag an. Ziel noch ungewiss, aber das findet sich schon. Wir halten an der ersten Tankstelle und tanken 20 l Regular Benzin. Das hat eigentlich zu wenig Oktan, aber das gibt es hier überall. Auf dem 760 km langen Dempster Highway ans Nordmeer gibt es nur Regular und deswegen wollen wir testen, wie der Motor mit Regular und Oktanbooster klar kommt. Ein Oktanbooster ist ein Benzinzusatz, welcher dafür sorgt, dass das Benzin sich erst bei stärkerer Verdichtung und Temperatur selbst entzündet. Das ist genau das, was die Oktanzahl angibt und was der Unterschied zwischen Regular und Premium Benzin ist. Der Markt für Benzinzusätze ist voll mit unnötigen bzw. nichts bringendem Zeug, gerade bei den Oktanboostern. Wir haben das Zeug extra bestellt und viel gutes gelesen, aber wir testen das lieber mal vorher.
Bei der Tankstelle sprechen uns zwei Deutsche mit einem Landcruiser an. Sie sind schon über ein Jahr in Nordamerika unterwegs und haben dabei quasi die Route gemacht, die wir auch vorhaben. Wir tauschen Erfahrungen aus und sie berichten von absolut unproblematischen Grenzübertritten aus und in die USA. Gerade sind sie auf dem Rückweg aus Alaska zurück in die USA, um dort den Winter zu verbringen. Vielleicht sieht man sich ja noch mal auf der Tour.
Nach diesem netten und etwas längerem Gespräch geht es weiter. Am Straßenrand sieht man immer mal wieder verunfallte rostende PKWs, diese lässt man hier scheinbar einfach liegen anstatt sie zu bergen.
Wir kommen heute viel durch Straßenbaustellen. Wie in Kanada üblich fahren wir mitten durch die aktive Baustelle. Natürlich hält sich hier niemand an die erlaubten 50 km/h, was wir bei den rutschigen Schlammpisten sehr mutig finden (oder dumm).
Wir kommen nach 100 km an der nächsten Tankstelle an und da sich der Motor absolut normal verhält, tanken wir nochmal 20 l Regular inklusive Oktanbooster. Wir werden das noch etwas wiederholen, es ist ja immer ein Rest Premium im Tank, diesen Einfluss wollen wir möglichst minimieren. Wir füllen auf dem gratis Campingplatz direkt am Fluss noch Trinkwasser auf und weiter geht es zum mittlerweile festgelegten Tagesziel. Wir werden die nächsten Tage dem Silver Trail durch den Ort Mayo und bis nach Keno City folgen. Wie der Name verrät handelt es sich um eine Minenstraße. Diese wurde schon häufiger aufgegeben und wieder aktiviert, je nachdem, ob sich das Betreiben der Minen gerade lohnt. Die Aussicht entlang der Straße soll ganz nett sein und am Ende der Straße in Keno City wartet die angeblich beste Pizza im Yukon auf uns. Wir sind gespannt was uns erwartet. Heute geht es noch zum Devils Elbow am Stewart River. Warum der so heißt keine Ahnung, gesehen haben wir den nicht. Da die Mückenskala wieder eine 6 anzeigt, verbringen wir nicht viel Zeit draußen und verziehen uns ins Auto für den Abend.

Wir informieren uns noch etwas über die Gegend und erfahren die Geschichte von Major Heinz Thomy. Ein Deutscher, der aber seine Jugend in Kanada verbracht hat. Er ist hier als Mayo Pilot, also der Mayonnaise Pilot bekannt. Er ist dafür berühmt geworden, dass er in einem schlimmen Winter, die eingeschneiten Menschen des Ortes Mayo, mit Lebensmitteln versorgt hat. Anhaltendes schlechtes Wetter hatte dafür gesorgt, dass kein anderer Pilot starten wollte. Nur Heinz Thomy, ein Veteran aus dem zweiten Weltkrieg, traute sich den Flug anzutreten. In der Armee musste er sich trotz seiner Erfolge, immer wieder in der kanadischen Armee beweisen und belegen, nicht für die Deutschen zu arbeiten. Er brachte den Eingeschneiten Lebensmittel für mehrere Woche, darunter auch Mayonnaise. Da er die Mayo nach Mayo gebracht hatte, wurde er als Mayo Pilot berühmt. Als er in Rente nur noch zum Spaß flog, ließ er sich in Mayo in der Nähe des Flughafens nieder.
Vielleicht ist das alles aber auch nur Quatsch😉und wir haben zu viel über Mayonnaise und den Ort Mayo geredet. (Na, erkennt ihr die Anspielungen bei Heinz Thomy?)

Der Silver Trail
Wir hatten eine entspannte Nacht und nun geht es weiter nach Mayo. Hier gibt es leider kein Café, dafür Haribo-Frösche im recht gut sortieren Supermarkt. Ist ja auch nicht verkehrt. Wir tanken nochmal nach und folgen ab hier einer Schotterstraße weiter nach Keno City. Es gibt hier aktive Minen im Gebiet und so herrscht hier einiges an LKW Verkehr. Keno City ist ein sehr kleines Dorf mit ca. 20 Einwohneris. Es gibt ein Minenmuseum, einen Campingplatz und die Snack Bar, mit der sagenumwobenen Pizza. Wir machen einen kurzen Spaziergang durchs Dorf und landen am Ende bei der Snackbar. Es sieht nicht wirklich offen aus, aber die Betreiberin öffnet uns direkt als wir vor der Tür stehen. Es ist ein etwas skurril eingerichteter Laden, aber die Betreiberin ist nett und wir quatschen recht viel. Sie verschwindet nebenbei immer mal wieder in der Küche, um Dinge umzurühren oder so. Hier kann man nur bar zahlen, sehr ungewöhnlich für Kanada und so kratzen wir unser letztes Bargeld zusammen. Wir nehmen beide natürlich Pizza, so viel anderes gibt es hier auch nicht. Während die Pizza im Ofen ist, quatschen wir weiter mit der Betreiberin. Sie bekommt zwischendurch immer wieder SMS mit Bestellungen. Sie hat also ordentlich zu tun, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Die Pizza ist soweit solide, aber alleine, dass es hier am Ende der Welt Pizza gibt, ist schon großartig.




Wir fahren noch 10 km den Berg hinauf zum Keno Hill Signpost. Nun stehen wir auf ca.1600 m Höhe. Der Pfosten wurde hier 1956 anlässlich eines internationalen Geophysik Kongresses aufgestellt und zeigt die Heimatstädte der Teilnehmenden mit der jeweiligen Entfernung. Später sehen wir auch noch zwei Männer, die Steine untersuchen. Scheint hier immer noch relevant zu sein, Steine sind ja bekanntlich geduldig.
Es ist noch nicht so spät, da aber Regen angesagt ist, verschieben wir das Wandern auf Morgen. Dafür gehen wir, solange es noch trocken ist, etwas spazieren und fliegen Drohne.


Als es anfängt zu schütten, geht es in den Volvo und Chris backt eine britischen Cornflakes Cake, super süß, wird wohl keine Wiederholung geben. Immer, wenn es mal kurz nicht regnet, springen wir aus dem Auto und machen noch ein paar Fotos (viele Fotos), es sieht hier einfach zu schick aus. Es wird dann langsam Abend und wir machen nichts besonderes mehr. Morgen wird dann bei hoffentlich besserem Wetter gewandert. Der Wetterbericht sieht so lala aus, aber zuverlässig ist der hier ja eh nicht. Ob wir nass geworden sind lest ihr dann nächste Woche.






Leave a Reply