Woche 21 | Teil 1: Das gibt Muskelkater | 16.755 km

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Unterwegs auf Spuren von Helden

Der Tag startet damit, dass Chris Frühstück macht und Bretti das MTV unplugged Album von die Ärzte abspielt. Das sorgt für viel Nostalgie und Mitgesinge, 24 Jahre ist das Album schon alt. Die Ansagen werden auch auswendig mitgesprochen, man könnte uns schon als Fans bezeichnen.

Während wir unser Zeug für die heutige Wanderung zusammen packen, kommt eine Person vorbei. Sie hat den Volvo gezeichnet und fragt, ob wir das Bild haben wollen. Das finden wir richtig cool und klar nehmen wir das Bild gerne.

Nun geht es los zur Wanderung. Der Startpunkt ist auf der anderen Straßenseite von unserem Stellplatz. Es soll der Mountain Hero Trail gewandert werden. Wir wissen nicht ganz genau, wie lang der Weg ist, aber im Zweifelsfall laufen wir nicht den ganzen Trail. Unser Ziel ist es, über die Baumgrenze zu kommen. Der Weg folgt grob einer alten Minenseilbahn, mit der früher Kohle den Berg herunter transportiert worden ist. Weit oberhalb der Baumgrenze gibt es auch noch die alten Minen zu sehen, dahin schaffen wir es aber vermutlich nicht. Am Weg soll es auch vorher schon was zu sehen geben und das bestätigt sich auch.

Ein Mast der alten Seilbahn
Leiter & Mast sind in einem nicht mehr ganz so guten Zustand, wir bleiben mal unten
Das ist ein Förderkorb der Seilbahn

Der Weg schlängelt sich erst durch einen Birkenwald bis an den Rand der Berge. Dort wechselt er sich mit Fichten ab, durch die wir dem Weg in Serpentinen den Berg hoch folgen. Im Visitor Center hatten wir eine Karte bekommen, diese zeigt aber nicht den realen Verlauf des Weges und ist damit leider nutzlos. Auch zu den roten Punkten am Weg verrät die Rückseite nicht wirklich was.

Unsere “Wanderkarte”

Wir finden trotzdem den richtigen Weg und kommen nach dem Wald in eine alpine Landschaft. Es geht noch 2 km weiter immer höher. Hier machen wir eine Snackpause und entscheiden, den letzten Anstieg nicht mehr hoch zu gehen. Wir können die Minen zwar schon am gegenüberliegenden Hang hoch oben sehen, das sind aber sicher noch 3 km und das ganze müssen wir ja auch noch zurück. Der Ausblick ist auch so wunderbar und hier oben gibt es auch wieder Erdhörnchen. Diese hatten wir schon richtig vermisst, nachdem sie uns so lange durch die Great Plaines begleitet hatten.

Bretti vergleicht die Karte mit dem Weg, den sie sieht

Auf dem Rückweg nehmen wir uns auch mehr Zeit zum Fotos machen. Außerdem gibt es noch einen kleinen Abstecher zu mehr alter Seilbahninfrastruktur.

Oben: Rosa Bergheide (links), vermutlich Berg-/Waldarnika (rechts); mitte: Sitka-Baldrian; unten: Kanadischer Hartriegel (links), Silberwurz (rechts)
Oben links & unten rechts: Schmalblättriges Weidenröschen/Feuerkraut; oben rechts & unten links: Blauer Eisenhut

Schade, dass die Seilbahn nicht mehr in Betrieb ist, bergab wäre die ganz praktisch gewesen. So kommen wir am Ende auf 15 km mit 23.000 Schritten. Insgesamt sind wir gut geschafft, war aber alles machbar. Hier ein vorher/nachher Bildvergleich.

Welches ist wohl welches?

Zurück am Auto entscheiden wir, hier noch eine Nacht zu bleiben, organisieren noch ein paar Dinge und dann geht es geschafft ins Bett.

Man steht hier auch ganz gut

Whitehorse, Capitol of Yukon

Heute geht es nach Whitehorse, die einzige etwas größere Stadt (21.000 Einwohner) im Yukon. Zum Wäschewaschen und Vorräte auffüllen. Vorher philosophieren wir über die Zukunft des Volvos nach unserer Reise. Ob wir weitere größere Reisen machen wollen, welche Veränderungen am Volvo dafür gut wären und ob man nicht doch lieber direkt ein anderes Fahrzeug nehmen sollte. Das ist zum Glück alles noch weit weg und so lassen wir unsere Gedanken einfach kreisen.

Da hier wenig los ist, nutzen wir die Chance und machen ein paar Drohnenaufnahmen.

Drohnenaufnahme vom See und den Bergen
Drohnenaufnahme vom Wasser und den Bergen
Drohnenaufnahme vom See und den Bergen
Drohnenaufnahme von Chris
Chris am Boden der Tatsachen (mit dem längsten Selfie-Stick der Welt)

Der Muskelkater hält sich zum Glück in Grenzen, zumindest solange wir heute keine Treppen oder einen weiteren Berg steigen müssen. Nun geht es erstmal zurück nach Carcross. Hier holen wir uns etwas Süßgebäck in einer Bäckerei. Leider gab es hier kein frisches Brot oder Brötchen, aber wer wird sich schon über Cookies und Kuchen beschweren. Nächster Stopp des Tages ist die Carcross Desert. Dies ist eine große Düne, auf die man rauf laufen kann.

Wir hatten Videos von Leuten gesehen, die mit ihren Autos bis auf die Düne gefahren sind. Das fänden wir auch interessant, aber vor Ort stehen alle Fahrzeuge brav auf dem Parkplatz. Wir sehen kein “befahren verboten Schild”, aber eine eindeutige Erlaubnis gibt es auch nicht, nur den Hinweis, “motorisierte Fahrzeuge sind erlaubt/geduldet, solange sie sich auf den Trails oder auf pflanzenfreiem Gelände bewegen”. Da kein anderer auf die Düne fährt, halten wir uns an die sandigen Wege in der Gegend, dort ist das Fahren immerhin eindeutig erlaubt. Wir wechseln uns mit dem Fahren ab und Chris lotst Bretti direkt in losen Sand. Hier kommt auch der Volvo mit seinem Standard 4×4 schnell nicht mehr weiter. Bretti testet mit dem Allrad und den Sperren herum und bringt uns wieder auf festeres Terrain. Wir überlegen den Luftdruck der Reifen abzusenken, das soll im losen Sand Wunder wirken. Chris setzt unseren Kompressor an, aber das Ablassen dauert schon ewig. Aufpumpen müssten wir die sechs Reifen ja auch wieder. Wir testen das wann anders mal. Wir nutzen die Gelgenheit aber, um den Druck der Reifen zu testen.

Ohne größere Probleme kommen wir an der befestigten Straße wieder an und düsen nach Whitehorse. Wir kaufen ein und schmeißen zwei Waschmaschinen an. Während wir warten, sehen wir, dass einer unserer Außenspiegel zurückgebogen ist. Scheinbar ist jemand gegen unseren Spiegel gefahren und natürlich abgehauen. Die Spiegel, die wir haben, sind nicht original, sondern ganz einfache Treckerspiegel. Ein Bekannter hat sie wie folgt beworben: “Da kannst du auch ruhig mal drüber fahren, das macht denen nichts.” Entsprechend hat der Spiegel nur ein paar neue Kratzer, sonst ist er heil.

Anderes Reisefahrzeug getroffen, der Volvo wirkt ganz klein daneben

Wir fahren aus Whitehorse raus, den Yukon River entlang zu einer Stelle, wo wir die nächsten Tage verbringen wollen, es steht Wartung an.

Kann man hier schon aushalten

Heute machen wir noch einen Ölwechsel beim Motor und prüfen alle Getriebe auf ausreichend Öl. Ölwechsel wollten wir eigentlich in Werkstätten machen lassen, aber die haben immer so viel Vorlaufzeit. Entsprechend machen wir den diesmal selbst. Öl ablassen klappt soweit okay. Wir haben neben der alten Ölkanne mit Trichter, einen Eimer und eine ölaufsaugende Matte dabei. So gerät auch nichts in die Umwelt. Das Altöl kann man hier dann unkompliziert beim nächsten Autoteileshop abgeben.

Der Ölfilter, den wir noch aus Deutschland mithaben, hat ein kaputtes Gewinde und kann nicht genutzt werden. Sehr ärgerlich, da wir keinen weiteren Ersatz dabei haben. Dass wir von unseren zwei mitgebrachten Filtern, genau den kaputten erwischen, wenn wir keinen Ersatz verfügbar haben, ist auch wieder so ein Zufall. Der alte wird wieder montiert und muss noch ein paar Kilometer durchhalten.

Die anderen Ölstände sehen soweit ok aus. Nur dem mittleren rechten Portalgetriebe fehlt schon wieder Öl. Wir hatten den Ölverlust schon mal untersucht, aber nicht heraus gefunden, wohin das Öl verschwindet. Das hatten wir dann noch etwas beobachtet, aber keinen Ölverlust festgestellt. Es scheint also sehr langsam Öl zu verlieren. Wir beobachten das wohl weiter, in anderen Abständen. Es wird noch aufgefüllt und dann ist auch mal Feierabend.

Wir haben hier Jever gefunden, schmeckt immer noch schön herb

Es wird sich der Dreck abgeduscht. irgendwie ist unser Auto in den letzten Wochen sehr dreckig geworden. Den Abend lassen wir mit einer neuen Serie ausklingen, Cowboy Bebob – Sci-Fi-Anime und irgendwie Kult.

Wartung Tag Nr. 1, wie viele es wohl werden mögen?

Wir frühstücken mit Blick auf den Yukon River und dann geht es mit dem Schrauben weiter.

Zuerst wird das Radlager geprüft, welches wir in Calgary nachgezogen haben. Es ölt scheinbar wirklich weniger, das nachziehen scheint die Dichtungen stärker anzupressen. Vielleicht fehlt da noch etwas mehr, um ganz dicht zu sein? Wir kümmern uns da bei Zeiten mal weiter drum.

Als nächstes werden die unzähligen Schmiernippel nach gefettet. Unser mitgebrachtes Fett ist leer, also wollen wir hier gekauftes in die Fettpresse füllen. Die Kartusche passt nicht genau und so endet Chris mit einem großen Fetthaufen auf der Hand und stopft diesen in die alte Kartusche. Das ganze hat länger gedauert als das Abschmieren selbst.

Schmiernippel Suchbild
Schade, dass Chris 2 cm zu klein ist, um den Flaschenzug entspannt zu bewegen

Es hat alles wie immer länger gedauert als gedacht, deswegen startet nun erst gegen 15 Uhr Projekt “Auspuff”. Dem Sportwagenklang soll es jetzt an den Kragen gehen.

Wir demontieren das Auspuffrohr vor dem Schalldämpfer (ob der wirklich was bringt?), das Hosenrohr, einen Motorhalter und dann ist der Krümmer ganz leicht demontiert.

Natürlich nicht. Man kommt an alles sehr schlecht ran. Wir müssen noch die ganze Vergaserbrücke lösen, um den zweigeteilten Krümmer abnehmen zu können. Es reißt dafür, zumindest hier, keine Mutter oder Schraube ab, es sind die kleinen Freuden. Bei der Demontage ist es immerhin hilfreich, dass der hintere Krümmer in mehrere Teile zerbricht.

Der Krümmer ist zerbrochen und hat noch weitere Risse
Die neuen Krümmer sind nicht aus Guss, entsprechend kann man die auch schweißen, wenn mal was reißen sollte

Die neuen Krümmer sind irgendwann dann doch an ihrem Platz und werden montiert. Der Rest des Auspuffs folgt dann Morgen. Das wird ordentlich Muskelkater geben. Zwischendurch hat Bretti noch unser Kanu gewaschen. Wir versuchen das regelmäßig zu machen, um keine invasiven Spezies in den Seen zu verbreiten.

Fahrzeugbaustelle. Links im Bild das Hosenrohr. Dieses bündelt die Abgase von den beiden Krümmern in einem Rohr
Sieht eindeutig nach Spaß aus

Heute gibt es wieder mal Nudeln mit Pesto. Es ist schon 22 Uhr und es hat keiner mehr Lust auf Kochen. Mit einem lokalen leckeren Feierabendbier schauen wir auf den vorbeiströmenden Fluss und lassen den Abend so ausklingen.

Feierabendaussicht

Morgen geht es dann weiter mit dem Rest vom Auspuff und ein paar anderen Kleinigkeiten. Ob wir das ganze wieder zusammen bekommen und welche Probleme noch auftreten, lest ihr dann in Teil 2.

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