Nachtrag zu Woche 18 Teil 2
Die Bilder von den Kanutouren sind jetzt sortiert und hier eine Auswahl





Organisationstag in Calgary
Unser Übernachtungsplatz füllt sich mit Arbeitsautos, Tauchern und dann kommt auch noch ein Kran. Wir düsen lieber nach dem Frühstück direkt los, bevor wir hier im Weg stehen oder nicht mehr weg kommen.
Wir fahren die 70 km nach Calgary. Zuerst wird Wäsche gewaschen. Wir sind jetzt schon zwei Wochen rund um Calgary unterwegs, also genau eine Wäschelänge (die Zeit, die wir ohne Kleidung waschen auskommen). Wir sammeln unsere Pakete ein, das ganze läuft absolut problemlos. Dann geht es etwas mehr in die Innenstadt. Bretti geht zur Piercerin, einen ihrer Stecker gegen einen Ring tauschen und allgemeine Kontrolle. In der Zwischenzeit kauft Chris ein.


Als letzte Station steht heute noch eine Paketabholung an. Wir hatten Ersatzteile zum Kumpel von Bretti nach Hamilton geschickt. Das Weiterschicken zu uns hatte sich als schwierig gestaltet. Die Postfiliale, in der wir jetzt schon zwei mal Pakete abgeholt haben, existierte nach dem System der Canada Post nicht und so konnte die kanadische Post uns das Paket nicht schicken. Die Nachbarin vom Kumpel hat hier einen Bruder und da holen wir unser Paket nun ab. Er wohnt etwas außerhalb von Calgary und man kann sagen, wir fallen mit dem Volvo hier schon etwas auf. Sobald wir die Auffahrt hoch gefahren sind, werden wir direkt in Empfang genommen und quatschen locker zwei Stunden über unsere Reise und das Auto, aber auch über sein Leben und die verschiedenen Stationen darin. Jetzt ist er “nur noch” Großvater und damit sehr glücklich. Wir hätten noch viel länger seinen Erlebnissen zuhören können, das holen wir hoffentlich ein anderes Mal nach.
Wir hatten eigentlich gar nicht damit gerechnet, heute alles zu erledigen, aber nun geht es für uns schon wieder zurück in die Berge. Da es eh schon spät ist, werden wir auf einem der Highway Rastplätze im Banff National Park übernachten. Nicht sehr ruhig, dafür weiß man, was man bekommt und kann dort auch sehr spät auftauchen. Wenn wir nicht wissen, ob am Ziel noch ein Platz für uns frei ist oder der Platz überhaupt zugänglich ist, versuchen wir nicht erst so spät anzukommen, bevor man dann noch im Dunkeln einen weiteren Platz suchen muss. Am Ende sind wir noch 170 km gefahren, bevor wir uns alleine auf dem Rastplatz einrichten.

Gletscher und gefüllte Paprika
Diese Nacht haben wir eher mittelmäßig geschlafen, aber was soll man auch am Highway erwarten. Heute geht es aus dem Banff National Park in den Jasper National Park. Hier ist es leider genau so voll wie in Banff und so lassen wir einige unserer geplanten Stopps aus, dafür kommen spontan andere dazu. Generell sammeln sich die Touris an den Spots, die als erstes bei einer Google Suche von TripAdvisor und co. ausgespuckt werden. An allen anderen genau so schönen Plätzen ist man fast alleine.



Wir fahren bis zum Columbia Icefield. Hier wirbt alles mit dem riesigen Eisfeld, welches sich zwischen den Gipfeln erstreckt. Man kann darauf rumgefahren werden oder eine Gletscher-Wanderung machen. Wir hatten erst überlegt, eine Wanderung mit zu machen, aber diese ist uns zu teuer. Generell scheint uns, mit einem tonnenschweren Dieselbus auf einen durch den Klimawandel schmelzenden Gletscher zu fahren irgendwie das Falsche zu sein. Ist natürlich super inkonsequent, wenn man mit einem Spritschlucker her gefahren ist, aber naja. Dafür wandern wir das kurze Stück zum Gletschersee.





Vom Aussichtspunkt aus sieht man auch gut, dass die ganzen Attraktionen nicht auf das Eisfeld zwischen den Gipfeln führen, sondern nur 500 m auf den Athabasca Glacier. Das ist einer der Gletscher, die aus dem Eisfeld entspringen und auch der zugänglichste. Es wirkt etwas lächerlich, dass die Touris am Visitor Center, an dem wir auch geparkt haben, in einen normalen Bus steigen, 3km Zufahrt fahren, dort in einen 6×6 Bus umsteigen, um dann 500 m weiter als wir 15 Minuten auf dem Gletscher rumzulaufen. Wir sind den Weg einfach gelaufen, zwar kommen wir so nicht aufs Eis, aber eine gute Sicht haben wir auch von hier. Gletscher sind trotzdem sehr beeindruckend und es lohnt sich definitiv herzukommen. Wir trinken ein Bierchen mit Blick auf den Gletscher und die Touris. Den Rundweg mit den Infoschildern läuft hier ca. niemand. Nach einem Gespräch über Tourismus, Klimawandel und kognitive Dissonanz geht es zurück zum Parkplatz. Ungewöhnlich für einen National Park kann man hier für 14,50C$ auf dem Parkplatz übernachten. Der ist nicht ganz gerade, hat aber eine mega Aussicht auf die Berge und Gletscher.


Als wir uns eingerichtet haben, wird noch etwas Benzin aus den Kanistern getankt, so hoffen wir ein paar Euro zu sparen, wenn wir nicht extra teuer im Park tanken müssen. Der Motor ist mittlerweile abgekühlt und so startet Chris einen weiteren Versuch, den Motor abzudichten. Um genau zu sein, die Schrauben des Ventildeckels, um diese kommt immer etwas Motoröl raus und läuft dann runter. Mal sehen wie das so klappt. Nach vielen hundert Kilometern wird nun auch die letzte Pfuschreparatur ausgetauscht und der Rotor des Zündverteilers wird durch einen neuen ersetzt. Da der Pfusch so gut gehalten hat, behalten wir diesen Rotor für Notfälle, auch wenn wir direkt mehrere neue gekauft haben. Es wird noch Oreocreme als Nachtisch zubereitet und Bretti hat in der Zwischenzeit gefüllte Paprika gezaubert. So genießen wir den Abend auf 2000 m Höhe mit leckerem Essen. Wir gehen sogar nochmal aus dem Auto, um einen besseren Blick auf die Gletscher zu haben, aber die Mücken treiben uns bald wieder zurück ins Auto und dann geht es auch ins Bett.

Rafting im Jasper National Park
Wir starten mit einem verrauchten Blick auf die Gletscher in den Tag. Der Rauch ist noch nicht so dicht, aber mit seiner bräunlichen Färbung gut vom normalen Dunst zu unterscheiden. Wir machen uns auf zum Treffpunkt der Rafting Tour, noch ca. 50 km durch den National Park. Angekommen am Rastplatz am Highway steht da auch schon ein alter Schulbus mit drei Booten auf dem Anhänger. Wir werden direkt von einem der Guides angesprochen. Sie machen noch Mittagspause und dann geht das los.
15 Minuten vor der vereinbarten Zeit geht es mit dem Schulbus zum Startpunkt. Es gibt die zu erwartenden Ansagen und wir werden in drei Gruppen aufgeteilt. Es sind auch Belgier und Niederländer mit von der Partie, wir landen mit US-Amerikanern aus Chicago in einem Boot. Am Startpunkt bekommen wir Neoprenanzüge, Schuhe, Schwimmwesten und Helme, Bretti sogar einen, an dem wir unsere Gopro befestigen können. Dann geht es auf den Sunwapta River.






Rafting macht auf jeden Fall richtig Spaß, das wird nicht unsere letzte Tour gewesen sein. Zurück am Auto gibt es erstmal einen Snack und Oreocreme mit Waffelkeksen. So erfrischt und gestärkt geht es weiter durch den Park Richtung des Ortes Jasper. Wir halten am Goats and Glacier Viewpoint. Hier gibt es wegen des Rauchs keine Gletscher in der Ferne zu sehen, dafür ist an dem Steilhang eine Herde Schneeziegen unterwegs. Chris wollte seine Kamera eigentlich im Auto lassen, aber wieder mal zeigt es sich, man muss die einfach immer mitnehmen.



Wir fahren weiter Richtung Jasper und sehen immer mehr verbrannte Waldfläche. Unser Rafting-Guide hatte uns erzählt, dass vor zwei Jahren 1/3 des Parks und der Stadt abgebrannt sind. Absolute Mammutaufgabe, die Einwohneris und die 20.000 Touris aus dem Park zu bekommen und irgendwo unterzubringen. Die Stadt wird immer noch wieder aufgebaut, aber der Tourismus ging in der nächsten Saison weiter, zumindest alles wie Rafting, wofür man keine Infrastruktur braucht.
Beim Weiterfahren erleben wir zum ersten Mal das Klischee des Touriverhaltens im Nationalpark. Sobald sie ein Tier sehen, halten sie direkt an, es sammeln sich mehrere Fahrzeuge und die Leute laufen chaotisch über die Straße. Der Grund ist ein Wapiti oder hier auch einfach Elk genannt, der im abgebrannten Wald das frische Gras mampft. Die Tiere sehen mit ihrem großen Geweih schon beeindruckend aus, aber so einem gefährlichen Verkehrschaos wollen wir uns nicht anschließen und fahren vorbei.
Hinter der nächsten Kurve entdecken wir drei Wapitis im Wald und da müssen wir dann doch einfach anhalten. Alleine sind wir ja kein Verkehrsproblem, denken wir uns. Wir knipsen die ersten Fotos, da sammeln sich schon die nächsten Touris um uns. Nun sind wir der Auslöser für die nächste gefährliche Stausituation. Man ist ja immer selbst auch Teil des Touri-Problems. Es wird uns schnell zu wild, im Gegensatz zu den Hirschen, die sich mittlerweile in den Schatten gelegt haben. Wir fahren dann mal schnell weiter nach Jasper.


In Jasper sieht man die ganzen Bauarbeiten und provisorischen Wohncontainer. Unser Raftingguide hatte berichtet, dass hier Feuertornados entstanden sind und diese ganze Schiffscontainer durch die Gegend geworfen haben, brennend natürlich. Das müssen apokalyptische Bilder gewesen sein. Die Innenstadt wurde damals größtenteils verschont und so können wir hier für Bretti neue Wanderschuhe kaufen. Sie sind eher als Ergänzung für ihre gedacht, aber bevor wir wieder ohne Schuhe da stehen, wollen wir Ersatz dabei haben. Die letzte Reparatur hat die erste Wanderung zwar überstanden, aber so 100% sicher sind wir uns nicht, ob das auch lange hält. Wir sprechen die Verkäuferin auf Schuhreparaturen auch nach der Gewährleistungsfrist von einem Jahr an. Das sei hier aber nicht wirklich üblich. Schade, bei einem Preis von 150 € sind diese zwar um einiges billiger als unsere anderen Schuhe, lange was von ihnen haben, wäre aber natürlich trotzdem toll.

Raus aus dem National Park
Wir wollen die Schuhe morgen einwandern, aber nicht direkt mit einer Bergetappe hier im Park und so geht es heute raus aus dem National Park Richtung Hinton. Auf dem Weg raus aus dem Park und aus den hohen Bergen sehen wir noch eine Herde Big Horn Sheeps (vermutlich). Vor denen wird hier seit hunderten von Kilometern an der Straße gewarnt, entsprechend freuen wir uns, nun auch mal welche zu sehen. Sie lassen sich auch gar nicht von den Autos aus der Ruhe bringen und liegen teilweise direkt neben der Straße. Außerhalb der Paarungszeit sind die Tiere in Geschlechter getrennten Gruppen unterwegs. Die weiblichen Tiere haben viel kleinere Hörner und sehen aus wie Ziegen bzw. Gämse. Immerhin läuft kein Tier vor uns auf die Straße.
Morgen geht es nach Hinton um Vorräte aufzufüllen. Heute wollen wir auf einem Platz vor der Stadt am Fluss übernachten. Die Beschilderung ist mal wieder etwas uneindeutig. Eigentlich wollen wir auf die linke Spur, dort will uns aber schon ein LKW über die Sperrfläche überholen, entsprechend brechen wir den Spurwechsel ab, aber es überholt uns schon ein PKW rechts über den Standstreifen. Insgesamt eine unangenehme Situation, nur weil die Leute nicht 2 Sekunden mehr Geduld haben.
Es geht zum Glück alles gut und wir können uns auf den Weg zum Platz machen. Wie immer wissen wir nicht genau, wie der Platz aussieht, aber nach einer kleinen Offroad Passage, wo uns die hohe Bodenfreiheit des Volvos über alle Hindernisse hinweg trägt, kommen wir an einem geräumigen Platz ein paar Meter über dem Fluss an. Wir entdecken sogar einen noch cooleren Platz. Mal wieder gut, dass der Volvo einigermaßen klein ist und wir absolut keine Probleme mit Kratzern im Lack haben.


Gegenüber mündet ein kleinerer Fluss in den großen Fluss und dort ist eine Gruppe Menschen mit Jeeps und lauter Musik. Diese Gruppe dünnt sich aber zügig aus und so verschwindet auch die Musik. Ruhig wird es hier aber nicht, es brettern immer wieder ATVs und Quads durch den Wald gegenüber und alle Stunde rollt ein Güterzug vorbei. Diese sind unfassbar laut. Schaut bzw. lauscht dem Video.
Die Brandwarnstufe ist hier auf niedrig, also machen wir ein kleines Feuer in unserer Buschbox. Das Holz fahren wir schon eine Weile herum und nun brauchen wir den Platz für die Ersatzteile. Auch wenn die Brandwarnstufe niedrig ist, steht der Feuerlöscher bereit und wir sind 30 cm vom Fluss entfernt am Strand.


Während drüben noch einiges an Lärm herrscht, landet ein Weißkopfseeadler auf einem Baum gegenüber. Chris holt seine Kamera und schießt ein paar Fotos vom relativ nahen Adler. Dann wartet er darauf, dass dem Adler der Krach zu viel wird und weiter fliegt. Er hält die Kamera im Anschlag, aber der Adler bleibt und die Sonne sinkt immer tiefer. Irgendwann, als Chris die Kamera nach mehr als einer Stunde nicht mehr direkt auf den Adler im Baum gerichtet hat, fliegt dieser davon. So ein klassischer Moment beim Tierefotografieren.


Als alle Menschies vom anderen Ufer schon lange verschwunden sind, tauchen dort Polizeiautos auf. Diese rufen einen Namen, sprechen uns aber nicht an. Sie lassen auch eine Drohne steigen, diese beobachtet uns auch kurz. In Kanada bekommt nur Bretti ab und an Vermissten-Meldungen über das Notfallsystem auf ihr Handy. Diesmal wissen wir aber nicht, um wen es geht. Wir hoffen, sie haben die Person gefunden bzw. diese war gar nicht in Gefahr.
An einem schönen Spot mit viel Lärm und mit einem etwas mulmigen Gefühl wegen der vermissten Person geht es ins Bett.
Die nächsten Tage werden uns weiter nach Norden führen, entlang der Rocky Mountains auf dem berühmten Alaska Highway. Dazu lest ihr dann mehr in Teil 2.


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