Aus Gründen, die ihr durch diesen Blogbeitrag erfahren werdet, hatten wir Zeit, den Blogbeitrag am Stück zu schreiben. Deswegen gibt es diesmal nur einen vielleicht etwas langen Teil.
Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und wir sammeln noch einen Geocache ein, der direkt neben unserem Stellplatz versteckt war. Auf dem Weg zum ersten Ersatzteileshop kaufen wir noch ein Kfz-Laptop Ladegerät, damit wir euch auch weiter mit Blogbeiträgen versorgen können. Aus Gründen lädt nur Chris Laptop, Brettis ist das wohl zu wenig Power. Wir halten noch an einem überdimensionalen Hummer und düsen dann zum ersten Bootszubehörladen.

Der Laden schreibt auf seiner Webseite, dass er der größte Volvo Bootsmotoren Supplier in Kanada ist. Nach einigen weiteren Versuchen können wir sagen, dass sagen sie alle.
Der Service-Mitarbeiter ist motiviert, kann uns aber leider am Ende nicht helfen. Kurz bevor wir weiter fahren, tauchen seine Kollegen auf, mit denen wir eine Weile sprechen. Die geben uns die Adresse von ihrem Volvo-Spezialisten, die können uns sicher helfen. Wir fahren die 40 km zurück nach Moncton. Wir sind erst am falschen Standort, aber der richtige ist nicht weit weg. Hier wird sich wieder sehr bemüht, aber am Ende gibt es keine Teile für uns. Sie verweisen auf einen Händler in Britisch Columbia, dem schreiben wir auch erstmal eine Mail. Wir schreiben zwischendurch verschiedene Shops in den USA, Kanada und Europa an und während wir auf Rückmeldungen warten, geht es zum Kellys Beach im Kouchibouguac-Nationalpark.
Sandstrand wie zuhause
Kellys Beach bildet eine Lagune, wo man allerlei Vögel beobachten kann. Wir glauben einen Fischadler gesehen zu haben, von dem kleinen lassen sich die anderen Vögel nicht aus der Ruhe bringen. Kurz darauf taucht ein Weißkopfseeadler auf, woraufhin alle Vögel das Weite suchen. Wir können einige Male beobachten, wie der Adler versucht in der Lagune Fische zu fangen. Der Wind bläst ziemlich stark und der Adler fliegt irgendwann ohne Fisch weiter.
Nach dieser Vogelshow wandern wir eine Weile barfuß am endlosen Sandstrand entlang. Man bekommt fast Ostsee-Vibes.



Nach diesem kurzen, aber sehr schönen Abstecher in den Park, machen wir uns auf zum Übernachtungsplatz. Für Morgen ist ein Ruhetag geplant.
Durch den ganzen Regen ist das Auto verdächtig sauber, gut dass es hier auf dem Weg wieder tiefe Pfützen gibt.
Pausetag
Unser Pausetag startet sehr gut, wir schlafen sehr lange und wir bekommen die Gebühr, die wir in Halifax noch zahlen mussten, von unserer Agentur zurück überwiesen. Damit haben wir wirklich nicht mehr gerechnet, immerhin 70€. Heute sollen es 26°C werden, dazu gibt es aber auch Böen mit bis zu 70 km/h, wilde Kombination.
Nach dem Frühstück werden erstmal die Autoteile aus den USA bestellt, das scheint uns die schnellste Lösung zu sein. Wir bestellen auch noch ein paar andere Sachen, wenn man schon mal die Möglichkeit hat. Jetzt heißt es eine Werkstatt finden, die den Einbau für uns macht. Nach der Erfahrung in Moncton sind wir optimistisch, nur wann die dann auch Zeit haben wird spannend. Wir suchen schon mal ein paar potenzielle Werkstätten raus, warten aber mit der Kontaktaufnahme bis wir ein Lieferdatum für die Teile haben.
Nach dem entspannten Start in den Tag macht sich Chris an das Abschmieren des Autos und kontrolliert noch einige Stecker und Schläuche. Bretti repariert die Klappe unseres Eisfaches, die Scharniere sind zwar aus Metall, aber nur in Plastik verschraubt. Das sollte nun länger halten. Es wäre kein Ruhetag, wenn nicht auch gebacken werden würde, es gibt mal wieder Apple Crumble.
Während wir das Wasser zum Duschen aufwärmen, gehen wir “baden”. Auch hier ist das Wasser noch sehr kalt, aber man hält es solange aus, dass man schonmal etwas eingeweicht ist. Frisch geputzt machen wir noch einen langen Strandspaziergang und lassen den Tag ausklingen. Vor lauter Entspannung haben wir nicht mal Bilder vom Platz gemacht.

Anstrengender Fahrtag
Bevor es weiter geht, will Chris noch die Lenkungsanschläge einstellen, denn durch das Spureinstellen stoßen die Räder beim vollen Einschlag jetzt gegen den Rahmen. Einer der Einstellbolzen reißt direkt ab, wurde vermutlich in 48 Jahren noch nie bewegt. Wir organisieren im nächsten Baumarkt einen Ersatz. In Deutschland hätte man dafür zum Spezialisten gemusst, aber hier gibt es metrische und Zoll-Schrauben im Baumarkt. Irgendwann müssen wir den alten Bolzen noch ausbohren, aber die eine Seite konnten wir immerhin schon mal besser einstellen.
Während eines Tankstopps werden wir von einem Einheimischen zum Grillen eingeladen, er selber kann aber nichts essen, da er am nächsten Tag eine Darmspiegelung oder sowas hat. Das käme uns dann aber komisch vor, wir lehnen deswegen lieber mal ab, wir wollen ja eh noch einkaufen und dann weiter.
Wir dachten, dass wir uns schon an die schlechten Straßen in Kanada gewöhnt haben, aber heute ist es besonders schlimm. Diese Schlagabgründe machen das Autofahren sehr anstrengend. In Kombination mit viel Regen und aggressiven Autofahrern sind wir froh als wir abends an unserem Platz ankommen. Mit Einkaufen sind wir gar nicht so weit gekommen, aber es reicht uns beiden für heute.
Dafür bekommen wir schon die Versandbestätigung für die Autoteile und kontaktieren die ersten Werkstätten über deren Kontaktformular. Wir bezweifeln ehrlich gesagt, dass sie darauf reagieren, aber anrufen können wir dann immer noch und so haben sie schonmal alle Daten schriftlich.

Ein besserer Tag
Der Tag startet mit guter Laune, Sonne und wie immer einem ausgiebigen Frühstück. Unser erstes Ziel ist eine Quelle, um wieder Wasser aufzufüllen. Die Quelle ist nur 30 Minuten entfernt und wir sind jetzt in Quebec. Neue Provinz und neue Zeitzone, 6 Stunden vor Deutschland.
Die Quelle liegt an einer Sackgasse neben einem Fluss. Die Hauptstraße ist zwar nah aber kaum zu hören. Wären wir gestern mal noch hier her gefahren, richtig schön. So näher wir der Quelle kommen desto mehr gleicht die Straße dem Fluss. Die Ursache zeigt sich dann auch an der Quelle. Diese ist ein größerer Bach und flutet alles, immerhin genug Wasserdruck. Mit hochgekrempelten Hosenbeinen und Badelatschen macht sich Chris ans Auffüllen unseres Kanisters.


Nach dem Wasserstopp halten wir noch an einer überdachten Brücke. Das sind hier Sehenswürdigkeiten, die extra ausgeschildert sind. Ganz nett, zehn weitere müssen wir uns davon aber dann doch nicht anschauen

Während wir weiter fahren läuft ein mittelgroßes pelziges Tier über die Straße. Ein Mink vielleicht? Ein Biber war das nicht, die sind auch nachtaktiv. Davon gäbe es hier aber einige. Direkt neben den Straßen sieht man immer wieder Dämme und auch Biberburgen. Hoffentlich stehen wir irgendwann nochmal in der Nähe von einem, sodass wir in der Dämmerung Biber beobachten können.
Unser Weg führt uns bei bestem Wetter durch das hügelige Hinterland an Feldern und Farmen vorbei. Man bemerkt, dass die Schneeschmelze hier schon ihren Zenit erreicht hat. Alle Flüsse und Seen treten über die Ufer.
Unser Ziel ist die Historic Site Phare de Pointe-au-Père, diese ist natürlich auch noch geschlossen, aber sie liegt schön am St. Lorenz Strom und man kann sich ein U-Boot anschauen.

Nachdem wir etwas rumgelaufen sind, machen wir eine Kuchenpause. Eigentlich wollten wir noch 100km weiter fahren und morgen in den Le Bic National Park. Das ist aber kein Nationalpark von “Parcs Kanada” sondern von Quebec und ist deshalb nicht in unserem Eintrittspass enthalten. 20C$ Eintritt sehen wir gerade aus Prinzip nicht ein und entscheiden heute beim U-Boot zu bleiben. Hier kann man direkt am Meer stehen und vielleicht sogar Wale beobachten.

Aufgehalten von Rolande
Wir haben einen entspannten Morgen und beobachten Leute die vielleicht Wale(?) beobachten. So ganz schlau ist Bretti aus deren Erklärung nicht geworden, ins Quebec Französisch muss sie sich erstmal reinhören.
Wir rufen die ersten Werkstätten an, aber die sind eher abweisend oder haben keine Zeit in den nächsten Monaten. Das finden wir wenig glaubwürdig aber gut, was soll man machen. Kurz bevor wir losfahren wollen, hält ein kanadisches Militärfahrzeug neben uns. Der Fahrer ist ein älterer Herr names Rolande. Wir sprechen viel über die Autos und er erzählt ein bisschen von seiner Zeit in der Marine. Am Ende schenkt er uns eine Dose Sprühfarbe. 😅Kann man immer mal brauchen.
Das Gespräch zieht sich ziemlich lange und wir entscheiden, heute nur eine kurze Strecke zu fahren. 100km später stehen wir an einem alten Anleger und beobachten Vögel.

Ein kurzes Fahrvergnügen
Wir haben gestern nicht mehr viel gemacht und auch der Tag startet eher faul. Während des Frühstücks können wir noch einiges an Vögeln beobachten.

Als wir dann doch mal los fahren, folgen wir der Schotterstraße zurück zur Hauptstraße. Chris fährt, doch als er den ersten Gang einlegen will, um auf die Hauptstraße einzubiegen, gibt es ein “lautes Geräusch” und das Auto bewegt sich nicht mehr vorwärts. Wir rollen den Weg etwas zurück und kommen so 100m vor der Hauptstraße auf einem geraden Stück zum stehen. Die Handbremse geht noch, entsprechend ist es diesmal nicht die Kardanwelle. Wir schauen unters Auto, nichts zu sehen. Der Motor läuft soweit normal und auch alle Gänge lassen sich einlegen. Nur beim Anfahren bewegt sich das Auto nicht.
Das scheint unsere erste richtige Panne zu werden und wir schauen online nach Werkstätten und Abschleppdiensten. Die nächste Stadt ist zum Glück nicht weit entfernt und dort gibt es beides. Wir rufen den ersten Abschlepper an, aber die können uns scheinbar nicht abschleppen, sagen sie. Die zweite Firma sagt zu und wir warten auf den Abschlepper. In der Wartezeit überlegen wir, zu welcher Werkstatt man uns schleppen soll, die sind aber alle samstags geschlossen. In den Provinzen um Quebec herum hätten Werkstätten auch samstags auf, ist mal wieder sehr passend.
Wir kommen zu dem Schluss, dass es nicht wirklich sinnvoll ist, uns heute abschleppen zu lassen. Wir stehen hier soweit ganz gut und es ist ja viel sinnvoller, erst die Werkstätten anzurufen. Der Abschlepper kommt nun aber gerade, praktischerweise kann auch dieser uns nicht mitnehmen, wir sind zu hoch. Ein Kollege von ihm würde aber gleich kommen. Wir teilen ihm mit, dass wir bis Montag warten würden und er ruft den Kollegen zurück. Ob das Montag mit dem Abschleppen dann wirklich klappt, da sind wir mal gespannt.
Wir bleiben also die 1 1/2 Tage erstmal wo wir sind, am Rand einer Gravelroad 2h vor Quebec City. Für unsere Verhältnisse stehen wir einigermaßen gerade und die Hauptstraße ist auch nicht zu laut.
Während Bretti einen Brownie backt, recherchiert Chris schon mal Kupplungsersatzteile. Da der Motor normal läuft und das Getriebe soweit funktioniert, scheint uns die Kupplung die naheliegendste Ursache zu sein. Die Verschleißteile(hoffentlich ist nichts anderes kaputt) gibt es wieder in den USA, der selbe Shop, wo wir auch schon die anderen Teile bestellt haben. Inklusive Versand und Zoll sind sie sogar noch billiger als bei uns. Ein bisschen ärgerlich ist es schon, dass die Teile, die nun kaputt gehen, alle bei uns zuhause liegen, aber wer rechnet auch schon mit einer kaputten Kupplung. Für die Kurbelwellen-Thematik müsste die Kupplung eh ab, wir hoffen beides zusammen erledigen zu können. Allerdings erstmal abwarten, was die Werkstatt sagt.
Bis der Brownie fertig ist, zerlegt Chris die Beifahrertür, um an die Nummer des Türschlosses zu kommen. Mit dieser Nummer sollte man das Schloss für die Fahrertür einfach nachbestellen können. Natürlich wird erstmal zu viel auseinander gebaut, aber jetzt wissen wir immerhin wie das alles funktioniert. Es ist auch gar nicht so überraschend, dass wir das Schloss verloren haben. Dieses ist innen nur an einer Schraube befestigt, die hat sich vermutlich in den Jahren einfach lose gedreht. Diese Schraube zu prüfen, kommt auf unsere Wartungs-TODO-Liste.
Nach der kleinen Schraubersession haben wir noch einen entspannten Abend. Im Sonnenuntergang ziehen noch ungelogen tausende Schneegänse über uns hinweg. Die Vögel kommen gerade aus ihren Winterquartieren in den USA zurück in den Norden. Wir haben noch nie so viele Vögel auf einmal gesehen.

Unfreiwilliger Pausetag
Die Werkstätten machen erst Morgen auf, also haben wir heute einen Pausetag.🥳Wir wollten gestern eigentlich einkaufen, deswegen sind wir nicht optimal ausgerüstet, aber hungern müssen wir nicht. Auch wenn nicht Donnerstag ist, ist heute dann eben wieder ein Pfannkuchentag. Das dauert zwar, aber so richtig was vor haben wir ja eh nicht.
Bretti macht eine Mischung aus Schoko-, Apfel- und herzhaften Pfannkuchen. Mit Bacon, Spiegelei, (nicht ganz so) dunkler Schokocreme und Ahornsirup eskaliert das Frühstück minimal. Wir essen beide etwas zu viel, so dass unser Spaziergang etwas nach hinten geschoben wird. Wir nutzen das Foodkoma und suchen Werkstätten raus und priorisieren diese durch. Die Hauptkriterien sind: alten Autos nicht abgeneigt, Halle hoch genug für unser Auto und wie immer Lage, Lage, Lage. Im besten Fall in der Stadt und nicht direkt am Highway. Wir werden berichten.
Nachdem wir uns einigermaßen vom Frühstück erholt haben, machen wir uns auf den Weg an die Küste. Es gibt hier Robben (in der Ferne) zu sehen, Reiher, Schneegänse, Eichhörnchen und einige andere Vögel, die Bretti dank Merlin Bird ID App identifizieren kann. Es entfacht nahezu eine Sammelleidenschaft. Wir haben auf jeden Fall eine schöne Zeit. Am Ende kommen 8km zusammen. Da Chris seine Kamera mitgenommen hat, gibt es ganz viele süße Eichhörnchen Bilder.



Für diese Woche wars das jetzt auch. Es ist Sonntag und wird langsam Abend. In Deutschland ist es schon kurz vor Mitternacht entsprechend schlaft schön. Wir berichten nächste Woche wie es mit unserem Volvo weitergegangen ist.


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