Category: New Brunswick

  • Woche 8 | Von New Brunswick nach Quebec

    Woche 8 | Von New Brunswick nach Quebec

    Aus Gründen, die ihr durch diesen Blogbeitrag erfahren werdet, hatten wir Zeit, den Blogbeitrag am Stück zu schreiben. Deswegen gibt es diesmal nur einen vielleicht etwas langen Teil.

    Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und wir sammeln noch einen Geocache ein, der direkt neben unserem Stellplatz versteckt war. Auf dem Weg zum ersten Ersatzteileshop kaufen wir noch ein Kfz-Laptop Ladegerät, damit wir euch auch weiter mit Blogbeiträgen versorgen können. Aus Gründen lädt nur Chris Laptop, Brettis ist das wohl zu wenig Power. Wir halten noch an einem überdimensionalen Hummer und düsen dann zum ersten Bootszubehörladen.

    Hummer sind den Leuten hier schon sehr wichtig

    Der Laden schreibt auf seiner Webseite, dass er der größte Volvo Bootsmotoren Supplier in Kanada ist. Nach einigen weiteren Versuchen können wir sagen, dass sagen sie alle.

    Der Service-Mitarbeiter ist motiviert, kann uns aber leider am Ende nicht helfen. Kurz bevor wir weiter fahren, tauchen seine Kollegen auf, mit denen wir eine Weile sprechen. Die geben uns die Adresse von ihrem Volvo-Spezialisten, die können uns sicher helfen. Wir fahren die 40 km zurück nach Moncton. Wir sind erst am falschen Standort, aber der richtige ist nicht weit weg. Hier wird sich wieder sehr bemüht, aber am Ende gibt es keine Teile für uns. Sie verweisen auf einen Händler in Britisch Columbia, dem schreiben wir auch erstmal eine Mail. Wir schreiben zwischendurch verschiedene Shops in den USA, Kanada und Europa an und während wir auf Rückmeldungen warten, geht es zum Kellys Beach im Kouchibouguac-Nationalpark.

    Sandstrand wie zuhause

    Kellys Beach bildet eine Lagune, wo man allerlei Vögel beobachten kann. Wir glauben einen Fischadler gesehen zu haben, von dem kleinen lassen sich die anderen Vögel nicht aus der Ruhe bringen. Kurz darauf taucht ein Weißkopfseeadler auf, woraufhin alle Vögel das Weite suchen. Wir können einige Male beobachten, wie der Adler versucht in der Lagune Fische zu fangen. Der Wind bläst ziemlich stark und der Adler fliegt irgendwann ohne Fisch weiter.

    Nach dieser Vogelshow wandern wir eine Weile barfuß am endlosen Sandstrand entlang. Man bekommt fast Ostsee-Vibes.

    Bretti am Vögel beobachten
    War windig
    Ganz viel Strand

    Nach diesem kurzen, aber sehr schönen Abstecher in den Park, machen wir uns auf zum Übernachtungsplatz. Für Morgen ist ein Ruhetag geplant.

    Durch den ganzen Regen ist das Auto verdächtig sauber, gut dass es hier auf dem Weg wieder tiefe Pfützen gibt.

    Pausetag

    Unser Pausetag startet sehr gut, wir schlafen sehr lange und wir bekommen die Gebühr, die wir in Halifax noch zahlen mussten, von unserer Agentur zurück überwiesen. Damit haben wir wirklich nicht mehr gerechnet, immerhin 70€. Heute sollen es 26°C werden, dazu gibt es aber auch Böen mit bis zu 70 km/h, wilde Kombination.

    Nach dem Frühstück werden erstmal die Autoteile aus den USA bestellt, das scheint uns die schnellste Lösung zu sein. Wir bestellen auch noch ein paar andere Sachen, wenn man schon mal die Möglichkeit hat. Jetzt heißt es eine Werkstatt finden, die den Einbau für uns macht. Nach der Erfahrung in Moncton sind wir optimistisch, nur wann die dann auch Zeit haben wird spannend. Wir suchen schon mal ein paar potenzielle Werkstätten raus, warten aber mit der Kontaktaufnahme bis wir ein Lieferdatum für die Teile haben.

    Nach dem entspannten Start in den Tag macht sich Chris an das Abschmieren des Autos und kontrolliert noch einige Stecker und Schläuche. Bretti repariert die Klappe unseres Eisfaches, die Scharniere sind zwar aus Metall, aber nur in Plastik verschraubt. Das sollte nun länger halten. Es wäre kein Ruhetag, wenn nicht auch gebacken werden würde, es gibt mal wieder Apple Crumble.

    Während wir das Wasser zum Duschen aufwärmen, gehen wir “baden”. Auch hier ist das Wasser noch sehr kalt, aber man hält es solange aus, dass man schonmal etwas eingeweicht ist. Frisch geputzt machen wir noch einen langen Strandspaziergang und lassen den Tag ausklingen. Vor lauter Entspannung haben wir nicht mal Bilder vom Platz gemacht.

    Bild vom Strand

    Anstrengender Fahrtag

    Bevor es weiter geht, will Chris noch die Lenkungsanschläge einstellen, denn durch das Spureinstellen stoßen die Räder beim vollen Einschlag jetzt gegen den Rahmen. Einer der Einstellbolzen reißt direkt ab, wurde vermutlich in 48 Jahren noch nie bewegt. Wir organisieren im nächsten Baumarkt einen Ersatz. In Deutschland hätte man dafür zum Spezialisten gemusst, aber hier gibt es metrische und Zoll-Schrauben im Baumarkt. Irgendwann müssen wir den alten Bolzen noch ausbohren, aber die eine Seite konnten wir immerhin schon mal besser einstellen.

    Während eines Tankstopps werden wir von einem Einheimischen zum Grillen eingeladen, er selber kann aber nichts essen, da er am nächsten Tag eine Darmspiegelung oder sowas hat. Das käme uns dann aber komisch vor, wir lehnen deswegen lieber mal ab, wir wollen ja eh noch einkaufen und dann weiter.

    Wir dachten, dass wir uns schon an die schlechten Straßen in Kanada gewöhnt haben, aber heute ist es besonders schlimm. Diese Schlagabgründe machen das Autofahren sehr anstrengend. In Kombination mit viel Regen und aggressiven Autofahrern sind wir froh als wir abends an unserem Platz ankommen. Mit Einkaufen sind wir gar nicht so weit gekommen, aber es reicht uns beiden für heute.

    Dafür bekommen wir schon die Versandbestätigung für die Autoteile und kontaktieren die ersten Werkstätten über deren Kontaktformular. Wir bezweifeln ehrlich gesagt, dass sie darauf reagieren, aber anrufen können wir dann immer noch und so haben sie schonmal alle Daten schriftlich.

    Immerhin diesmal ein Bild gemacht, leider weniger entspannt

    Ein besserer Tag

    Der Tag startet mit guter Laune, Sonne und wie immer einem ausgiebigen Frühstück. Unser erstes Ziel ist eine Quelle, um wieder Wasser aufzufüllen. Die Quelle ist nur 30 Minuten entfernt und wir sind jetzt in Quebec. Neue Provinz und neue Zeitzone, 6 Stunden vor Deutschland.

    Die Quelle liegt an einer Sackgasse neben einem Fluss. Die Hauptstraße ist zwar nah aber kaum zu hören. Wären wir gestern mal noch hier her gefahren, richtig schön. So näher wir der Quelle kommen desto mehr gleicht die Straße dem Fluss. Die Ursache zeigt sich dann auch an der Quelle. Diese ist ein größerer Bach und flutet alles, immerhin genug Wasserdruck. Mit hochgekrempelten Hosenbeinen und Badelatschen macht sich Chris ans Auffüllen unseres Kanisters.

    Die Quelle flutet die Straße
    Die Quelle läuft eigentlich durch das Plastikrohr in den Brunnen. naja

    Nach dem Wasserstopp halten wir noch an einer überdachten Brücke. Das sind hier Sehenswürdigkeiten, die extra ausgeschildert sind. Ganz nett, zehn weitere müssen wir uns davon aber dann doch nicht anschauen

    Überdachte Brücke, davon gibt es hier einige.

    Während wir weiter fahren läuft ein mittelgroßes pelziges Tier über die Straße. Ein Mink vielleicht? Ein Biber war das nicht, die sind auch nachtaktiv. Davon gäbe es hier aber einige. Direkt neben den Straßen sieht man immer wieder Dämme und auch Biberburgen. Hoffentlich stehen wir irgendwann nochmal in der Nähe von einem, sodass wir in der Dämmerung Biber beobachten können.

    Unser Weg führt uns bei bestem Wetter durch das hügelige Hinterland an Feldern und Farmen vorbei. Man bemerkt, dass die Schneeschmelze hier schon ihren Zenit erreicht hat. Alle Flüsse und Seen treten über die Ufer.

    Unser Ziel ist die Historic Site Phare de Pointe-au-Père, diese ist natürlich auch noch geschlossen, aber sie liegt schön am St. Lorenz Strom und man kann sich ein U-Boot anschauen.

    U-Boot, natürlich auch geschlossen

    Nachdem wir etwas rumgelaufen sind, machen wir eine Kuchenpause. Eigentlich wollten wir noch 100km weiter fahren und morgen in den Le Bic National Park. Das ist aber kein Nationalpark von “Parcs Kanada” sondern von Quebec und ist deshalb nicht in unserem Eintrittspass enthalten. 20C$ Eintritt sehen wir gerade aus Prinzip nicht ein und entscheiden heute beim U-Boot zu bleiben. Hier kann man direkt am Meer stehen und vielleicht sogar Wale beobachten.

    Auch wenn alles geschlossen ist kommt Bretti hoch hinaus

    Aufgehalten von Rolande

    Wir haben einen entspannten Morgen und beobachten Leute die vielleicht Wale(?) beobachten. So ganz schlau ist Bretti aus deren Erklärung nicht geworden, ins Quebec Französisch muss sie sich erstmal reinhören.

    Wir rufen die ersten Werkstätten an, aber die sind eher abweisend oder haben keine Zeit in den nächsten Monaten. Das finden wir wenig glaubwürdig aber gut, was soll man machen. Kurz bevor wir losfahren wollen, hält ein kanadisches Militärfahrzeug neben uns. Der Fahrer ist ein älterer Herr names Rolande. Wir sprechen viel über die Autos und er erzählt ein bisschen von seiner Zeit in der Marine. Am Ende schenkt er uns eine Dose Sprühfarbe. 😅Kann man immer mal brauchen.

    Das Gespräch zieht sich ziemlich lange und wir entscheiden, heute nur eine kurze Strecke zu fahren. 100km später stehen wir an einem alten Anleger und beobachten Vögel.

    Blick bei Ebbe

    Ein kurzes Fahrvergnügen

    Wir haben gestern nicht mehr viel gemacht und auch der Tag startet eher faul. Während des Frühstücks können wir noch einiges an Vögeln beobachten.

    Dem Reiher fehlt noch sein Frühstück

    Als wir dann doch mal los fahren, folgen wir der Schotterstraße zurück zur Hauptstraße. Chris fährt, doch als er den ersten Gang einlegen will, um auf die Hauptstraße einzubiegen, gibt es ein “lautes Geräusch” und das Auto bewegt sich nicht mehr vorwärts. Wir rollen den Weg etwas zurück und kommen so 100m vor der Hauptstraße auf einem geraden Stück zum stehen. Die Handbremse geht noch, entsprechend ist es diesmal nicht die Kardanwelle. Wir schauen unters Auto, nichts zu sehen. Der Motor läuft soweit normal und auch alle Gänge lassen sich einlegen. Nur beim Anfahren bewegt sich das Auto nicht.

    Das scheint unsere erste richtige Panne zu werden und wir schauen online nach Werkstätten und Abschleppdiensten. Die nächste Stadt ist zum Glück nicht weit entfernt und dort gibt es beides. Wir rufen den ersten Abschlepper an, aber die können uns scheinbar nicht abschleppen, sagen sie. Die zweite Firma sagt zu und wir warten auf den Abschlepper. In der Wartezeit überlegen wir, zu welcher Werkstatt man uns schleppen soll, die sind aber alle samstags geschlossen. In den Provinzen um Quebec herum hätten Werkstätten auch samstags auf, ist mal wieder sehr passend.

    Wir kommen zu dem Schluss, dass es nicht wirklich sinnvoll ist, uns heute abschleppen zu lassen. Wir stehen hier soweit ganz gut und es ist ja viel sinnvoller, erst die Werkstätten anzurufen. Der Abschlepper kommt nun aber gerade, praktischerweise kann auch dieser uns nicht mitnehmen, wir sind zu hoch. Ein Kollege von ihm würde aber gleich kommen. Wir teilen ihm mit, dass wir bis Montag warten würden und er ruft den Kollegen zurück. Ob das Montag mit dem Abschleppen dann wirklich klappt, da sind wir mal gespannt.

    Wir bleiben also die 1 1/2 Tage erstmal wo wir sind, am Rand einer Gravelroad 2h vor Quebec City. Für unsere Verhältnisse stehen wir einigermaßen gerade und die Hauptstraße ist auch nicht zu laut.

    Während Bretti einen Brownie backt, recherchiert Chris schon mal Kupplungsersatzteile. Da der Motor normal läuft und das Getriebe soweit funktioniert, scheint uns die Kupplung die naheliegendste Ursache zu sein. Die Verschleißteile(hoffentlich ist nichts anderes kaputt) gibt es wieder in den USA, der selbe Shop, wo wir auch schon die anderen Teile bestellt haben. Inklusive Versand und Zoll sind sie sogar noch billiger als bei uns. Ein bisschen ärgerlich ist es schon, dass die Teile, die nun kaputt gehen, alle bei uns zuhause liegen, aber wer rechnet auch schon mit einer kaputten Kupplung. Für die Kurbelwellen-Thematik müsste die Kupplung eh ab, wir hoffen beides zusammen erledigen zu können. Allerdings erstmal abwarten, was die Werkstatt sagt.

    Bis der Brownie fertig ist, zerlegt Chris die Beifahrertür, um an die Nummer des Türschlosses zu kommen. Mit dieser Nummer sollte man das Schloss für die Fahrertür einfach nachbestellen können. Natürlich wird erstmal zu viel auseinander gebaut, aber jetzt wissen wir immerhin wie das alles funktioniert. Es ist auch gar nicht so überraschend, dass wir das Schloss verloren haben. Dieses ist innen nur an einer Schraube befestigt, die hat sich vermutlich in den Jahren einfach lose gedreht. Diese Schraube zu prüfen, kommt auf unsere Wartungs-TODO-Liste.

    Nach der kleinen Schraubersession haben wir noch einen entspannten Abend. Im Sonnenuntergang ziehen noch ungelogen tausende Schneegänse über uns hinweg. Die Vögel kommen gerade aus ihren Winterquartieren in den USA zurück in den Norden. Wir haben noch nie so viele Vögel auf einmal gesehen.

    Unser Platz für die nächsten 1 1/2 Tage, sogar mit Meerblick

    Unfreiwilliger Pausetag

    Die Werkstätten machen erst Morgen auf, also haben wir heute einen Pausetag.🥳Wir wollten gestern eigentlich einkaufen, deswegen sind wir nicht optimal ausgerüstet, aber hungern müssen wir nicht. Auch wenn nicht Donnerstag ist, ist heute dann eben wieder ein Pfannkuchentag. Das dauert zwar, aber so richtig was vor haben wir ja eh nicht.

    Bretti macht eine Mischung aus Schoko-, Apfel- und herzhaften Pfannkuchen. Mit Bacon, Spiegelei, (nicht ganz so) dunkler Schokocreme und Ahornsirup eskaliert das Frühstück minimal. Wir essen beide etwas zu viel, so dass unser Spaziergang etwas nach hinten geschoben wird. Wir nutzen das Foodkoma und suchen Werkstätten raus und priorisieren diese durch. Die Hauptkriterien sind: alten Autos nicht abgeneigt, Halle hoch genug für unser Auto und wie immer Lage, Lage, Lage. Im besten Fall in der Stadt und nicht direkt am Highway. Wir werden berichten.

    Nachdem wir uns einigermaßen vom Frühstück erholt haben, machen wir uns auf den Weg an die Küste. Es gibt hier Robben (in der Ferne) zu sehen, Reiher, Schneegänse, Eichhörnchen und einige andere Vögel, die Bretti dank Merlin Bird ID App identifizieren kann. Es entfacht nahezu eine Sammelleidenschaft. Wir haben auf jeden Fall eine schöne Zeit. Am Ende kommen 8km zusammen. Da Chris seine Kamera mitgenommen hat, gibt es ganz viele süße Eichhörnchen Bilder.

    Temperatur technisch wurde es nach diesem Foto wieder kälter
    Eichhörnchen auf Futtersuche
    Eichhörnchen am Futtern

    Für diese Woche wars das jetzt auch. Es ist Sonntag und wird langsam Abend. In Deutschland ist es schon kurz vor Mitternacht entsprechend schlaft schön. Wir berichten nächste Woche wie es mit unserem Volvo weitergegangen ist.

  • Woche 7 | Teil 2 | Dem Wal wird ein Hut angenäht

    Woche 7 | Teil 2 | Dem Wal wird ein Hut angenäht

    Fahrtag

    Der Tag startet philosophisch. Wir haben bisher nur zweilagiges Klopapier gefunden und in öffentlichen WCs gibt es nur einlagiges. Unserer Meinung nach sollte es ja mindestens dreilagig sein. Die letzten beiden Rollen Klopapier aus Deutschland werden auch für schlechte Zeiten aufgehoben. Am Ende wird der Kapitalismus an sich in Frage gestellt, was bringen dir die Millionen wenn du dir am Ende den Popo mit zweilagigem Klopapier abwischt. #FirstWorldProblems

    Die zweite Frage des Morgens ist, wie haben unsere Vorfahren das eigentlich gemacht. Als die in der Steinzeit, nicht die Römer mit ihrem geteiltem Xylospongium. Die Menschen damals waren ja auch noch viel mehr in Bewegung und ein unsauberer Popo stört da vermutlich. Wir sind bei drei Theorien rausgekommen:

    1. Durch die überwiegend pflanzliche Ernährung war der Stuhl viel fester und es gab kaum was zu wischen.
    2. Es war ein Problem, aber der Mensch hat sich trotzdem durchgesetzt.
    3. Es wurden Naturmaterialen benutzt, also Blätter, Wasser etc. Das wird sich ohne Zeitmaschine wohl nie klären, aber man kann ja mal drüber philosophieren.

    Nach diesem entspannten Start fahren wir los und wechseln uns dabei ab. Die Fahrt verläuft unauffällig, wir sehen eine Horde Rehe am Straßenrand und sind auf gewohnt kaputten Straßen auf dem Weg nach New Brunswick unterwegs, unserer dritten Provinz in Kanada. Wir haben uns einen See mit mehreren Stellplatz-Möglichkeiten ausgesucht und zum ersten mal steht ein anderer Camper am Platz. Wir fahren zum nächsten Stellplatz auf der anderen Seite. Kurz bevor wir halten fliegt eine Hummel durchs offene Fenster, man merkt es wird Frühling. Leider verirrt diese sich in Brettis Hosenbein und sticht zu. Bretti ist immerhin gerade nicht am Fahren, aber absolut unnötig für alle beteiligten. Die Hummel schafft es immerhin wieder aus dem Hosenbein raus und wird von Bretti aus dem Auto geleitet. Wir hoffen sie übersteht diesen Schock. Bretti kühlt erstmal den Stich, der wird schon abheilen.

    Wir haben soweit einen entspannten Abend, leider geht unser Inverter noch kaputt. Ein Inverter ist ein Gerät, welcher die Energie der Autobatterie so umwandelt, dass sie wie eine Steckdose zuhause funktioniert. Viel läuft heutzutage über USB, aber für unser Küchenrührgerät brauchen wir die 230V aus der Steckdose. Auch die Laptops haben wir bisher darüber geladen. Der Inverter war schon etwas älter, aber hat eigentlich nichts auszustehen. In Nordamerika haben sie andere Steckdosen, mit einer anderen Spannung als in Europa, hoffentlich finden wir einen guten Ersatz.

    Sicht auf den See

    Der Platz am See sieht ruhig und entspannt aus, aber in der Nähe scheint es Schienen zu geben. Regelmäßig fährt ein Zug, der auch fleißig hupt. Bis 7:00 Uhr morgens ist es aber ruhig und wir schlafen entspannt.

    Ölwechsel

    Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass wir ein Fenster offen stehen gelassen haben. Abends hatten wir wieder muckelige 30°C im Auto, soll ja keiner frieren. Auch mit offenem Fenster ist es morgens angenehm mit ca. 15°C im Auto, kaum vorstellbar, dass wir vor kurzem noch im Schnee waren.

    Es ist für den ganzen Tag Regen angesagt, was aber nicht weiter stört. Wir wollen heute in Moncton schauen, ob jemand unsere alte Kardanwelle repariert und eine Werkstatt für einen Ölwechsel suchen. Zuerst geht es zum Kardanwellen-Spezialisten, Reparatur wird mindestens 500C$ kosten, dann ist die wie neu. Die neue hat aber nicht mal 500C$ gekostet und wir wissen mittlerweile, dass sie nicht als Ersatz für die anderen Beiden passt. Wir entscheiden uns gegen die Reparatur und setzen drauf im Zweifelsfall wieder schnell Ersatz zu bekommen.

    Gegenüber ist direkt eine Oldtimer Werkstatt, diese hat leider keine Zeit für uns. Auch die abtelefonierten Kollegen sind bis Juni ausgebucht. Wie immer hier in Kanada ist der Mitarbeiter übertrieben hilfsbereit und gibt uns noch zwei Adressen mit, wo wir es probieren können. Bei der ersten kommen direkt Leute raus, um sich das Auto anzuschauen. Da wissen wir noch nicht, dass das die Mechaniker der Werkstatt in ihrer Mittagspause sind. Der Chef meint erst, er habe keine Zeit, aber einer der Mechaniker meint, ein Kunde habe abgesagt und somit können wir direkt zur Halle fahren.

    Wir werfen unsere Öl-Vorräte und die der Werkstatt zusammen, um auf die nötige Menge von 5,5l zu kommen. Den Ölfilter haben wir dabei und zusätzlich soll noch die Ölwanne eine neue Dichtung bekommen. Wir haben schon seit einigen Kilometern zu niedrigen Öldruck, was auf ein Problem im Motor hindeutet. Dafür muss aber das Motoröl raus und entsprechend sind wir etwas besorgt, was sich nun zeigen wird.

    So eine Hebebühne brauche ich auch zuhause

    Entsprechend der Erwartung sind wir wenig überrascht, dass sich Metallspäne in der Ölwanne befinden. Das scheinen Teile der Kurbelwellen-Pleuellager zu sein, zumindest meint das der Mechaniker. Man sieht auch leichte Abriebspuren an zwei Lagern, die wir uns anschauen. Auch wenn es schon Abrieb gibt, sieht alles sonst noch ganz gut aus, muss man zeitnah angehen, aber der Motor geht nicht sofort kaputt, wenn man noch etwas fährt. Das sehen vermutlich andere Leute anders, aber wir verlassen uns erstmal auf die Mechaniker hier.

    Auch wenn die Späne nicht gerade super sind, haben wir eine gute Zeit in der Werkstatt und unterhalten uns mit verschiedenen Mechanikern über alles mögliche. Wenn die Mitarbeiter unter sich sprechen, wechseln sie fließend zwischen Englisch und Französisch. Das nennt sich Franglais, darüber hat Bretti im Studium auch mal eine Hausarbeit geschrieben(vor 12 Jahren) und freut sich sehr, das nun zu hören. Einer von den Mechanikern beschreibt es wie folgt: “Wir suchen uns aus beiden Sprachen das einfachste und mischen dann alles”. Sie meinen auch, dass sie die Reparatur machen würden, man bräuchte bloß erstmal die Teile. Der Chef meint dann noch, sie hätten erst ab dem 25. Mai wieder Zeit. Das ist doch etwas lang bzw. wir müssen eh erstmal schauen wie es weiter geht. Sie schreiben uns noch auf, welche Teile wir benötigen. Das ist für mich wichtig, damit ich die genauen englischen Begriffe habe, nach denen ich suchen muss. Als wir wieder losfahren, kommen wieder alle raus und schauen. Wir waren hier das Highlight seit sicher einem Jahr meinten sie, spannender als der Audi R8. Wir sind jetzt wieder 300€ ärmer, eine Arbeitsstunde kostet ca. 130€ und fahren durch den Berufsverkehr Richtung des heutigen Stellplatzes.

    Apfelkuchen wie Zuhause

    Unser nächstes Ziel ist eine deutsche Bäckerei. Hier nehmen wir eine Brezel, Käsekuchen und ein Stück Apfelkuchen mit. Es gab auch sehr viel Brot, aber Graubrot oder Schwarzbrot gibt es auch hier nicht. Das Thema mit dem Motor lässt uns nicht los, also beschließen wir im selben Ort zu bleiben und an die Bay of Fundy zu fahren. Hier gibt es erstmal den Kuchen und die Brezel, wir hatten bisher nur gefrühstückt. Der Käsekuchen ist ok, der Apfelkuchen dafür ein Traum und wie ein Stückchen Heimat. Wer hätte das bei Apfelkuchen gedacht. Wir beschließen morgen direkt wieder dort vorbei zu fahren.

    Da jetzt erstmal Wochenende ist, haben wir genug Zeit unsere Möglichkeiten durchzugehen. Vor Montag packt uns eh keiner ein Paket zusammen. Grundsätzlich müssen wir erstmal schauen wo wir die nötigen Teile herbekommen und wie lange das Liefern dauert. In Deutschland können wir die auf jeden Fall bestellen, Lieferung dauert dafür lange und ist teuer. Es gibt in den USA einige Volvoshops, das hatte ich vorher schon recherchiert, mal sehen ob die alle Teile haben. Es gibt in Kanada auch Bootsmotoren, die auf dem gleichen Motortyp aufgebaut sind, wir checken also auch Bootzubehörshops.

    Mir ist beim Schreiben etwas schleierhaft wie ich die Ruhe dazu hatte, aber ich nutze den Abend noch, um ein Loch in meinen Handschuhen zu nähen und einem unserer “Haustiere” einen Hut zu verpassen.

    Den Hut haben wir beim Müllsammeln gefunden. Sieht super aus.

    Außerdem wird noch der neue LED-Blinker hinten links eingebaut. Bretti versorgt euch derweil mit einem neuen Instagram-Post. Da der April nun durch ist, ist es Zeit für unsere monatliche Kostenabrechnung. Bretti trägt noch alle offenen Beträge ein, Ergebnis: 1400€ über unserem angedachten Budget. Das ist leider wenig überraschend dank der Fährfahrten nach Newfoundland, dem Jahrespass für die Nationalparks und der neuen Kardanwelle. Wir beantragen wohl eine Budget-Erhöhung. 😀 Danach machen wir noch einen kleinen Spaziergang, bei mir wie so oft Migräneprävention.

    Blick auf Hillsborough
    Die alten Silos sind eins der Highlights des Ortes

    Fundy Nationalpark

    Heute wird es sonnig und wir frühstücken bei offenem Fenster. Außerdem erwischen wir die erste Mücke. Gut, dass wir vor fast alle Fenster auch Mückennetze machen können.

    Frühstück bei offenem Fenster

    Nach dem Frühstück fahren wir nochmal zur deutschen Bäckerei, in der Hoffnung noch ein Stück von dem leckeren Apfelkuchen und zwei Brezeln als Proviant für unsere heutigen Wanderungen abzustauben. Leider ist der Apfelkuchen aus, Laugenbrezeln bekommen wir aber. Vor dem Laden werden wir von Kanadiern angesprochen. Sie hätten unser Auto nun schon häufiger bei Facebook gesehen. Das artet ja schon zu einer kleinen Berühmtheit aus… Wir witzeln, dass es bald mehr Fotos von unserem Auto auf Facebook gibt als unsere eigenen, die wir so machen. Ein bisschen gestalkt fühlen wir uns allerdings auch. 😀

    Dann geht es zu unserem ersten Wanderstopp, Hopewell Rocks. Dort sind wir kurz erschlagen, von dem riesigen Parkplatz und der Infrastruktur für Besucher*innen. Im Sommer scheint hier richtig viel los zu sein. Es gibt dann sogar ein kleines Shuttle zum Aussichtspunkt. Zum Glück ist der Park jetzt noch “geschlossen” und der Andrang hält sich in Grenzen. Ein ehemaliger Parkmitarbeiter, der uns auf dem kleineren Parkplatz vor dem Park anspricht, versichert uns, dass wir auf jeden Fall reingehen können. So ganz die Logik, wann die Saison hier beginnt und warum Teile der Parkplätze geschlossen sind und andere nicht, verstehen wir immer noch nicht, zumal das Wetter nun echt gut ist.

    Felsformationen Hopewell Rocks

    Wir sehen hier schicke Felsformationen und mit dem Fernglas erspäht Bretti sogar Delfine. Die Freude darüber teilt sie auch gleich mit anderen Touris, die hinter uns stehen und sich als Deutsche heraustellen, aus Hamburg und Hildesheim. Die ersten deutschen Touris, die wir treffen. Unsere Gefühle schwanken zwischen “Och nö, jetzt geht die Touri-Saison los” und “Na gut, wir sind ja selber Touris”. Außerdem heißt das auch, dass mehr geöffnet sein wird.

    Im Dickson Brook gibt es sehr seltene Farne, die unter Wasser wachsen.
    Suchspiel: Wer findet Chris?

    Als nächstes fahren wir zum Dickson Brook. Uns erwartet eine kurze, aber sehr schöne Wanderung mit einem wunderschönen Flusslauf und Wasserfall und guten Erklärungen, 10 von 10. Der Straße vom Dickson Brook folgend sollte es eigentlich zum nächsten Startpunkt fahren, jedoch ist die Straße in der Off-Season gesperrt. Anstatt also dort zu parken, wo wir unsere Runde drehen wollten, laufen wir von einer anderen Stelle den Coastal Trail dorthin und wieder zurück. Der Trail verspricht mehr Küste als er bietet. Die meiste Zeit laufen wir durch einen schönen ziemlich steilen Wald, der uns am Ende dann zu einer Wiese mit Ausblick aufs Meer führt. Hier genießen wir unsere Laugenbrezeln bevor wir uns auf den Rückweg machen begleitet vom Keckern der Eichhörnchen. So eine Wanderung ohne durch tiefen Schnee zu stapfen ist auch mal ganz schön.

    Wander-Bretti in the woods
    Brezelpause mit Blick auf die Bay of Fundy

    Gegen 18 Uhr kommen wir wieder beim Auto an und fahren zu unserem Platz für die Nacht neben einer Wiese an der Bucht (eine Salzwiese?). Da mich die schräg abgefahrenen Reifen nicht in Ruhe lassen, versuche ich noch die Spur besser einzustellen, während Bretti schon mal anfängt zu kochen. Mit etwas Liebe und Öl wird der Mechanismus beweglich und wir stellen die Räder etwas weiter nach außen (weniger Vorspur). Die Annahme ist, dass die Reifen seitlich abgefahren werden, weil sie quasi nach innen gestellt sind, was wir nun hoffentlich zurückgestellt haben. Wir beobachten das weiter. Das Online Volvo-Forum hatte auch noch kaputte Radlager als Ursache angemerkt, diese scheinen aber in Ordnung zu sein (# Wackeltest). Wir beenden den Abend noch mit einem kleinen Spaziergang zum Strand.

    Flussdurchfahrten sind in New Brunswick wohl verboten, deshalb parken wir davor. Die Spuren sind nicht von uns. Wirklich. Gereizt hätte es uns aber schon ein bisschen.
    Regenpause nutzen bei Ebbe und ein bisschen Sonnenuntergang.

    Schwedisches Elch-TV in Kanada

    Das Geräusch der Regentropfen auf dem Dach verbreitet am nächsten Morgen Gemütlichkeit. Wir sind mittags zu einem Videocall mit Lutz verabredet, der uns im September besuchen will und haben nach dem Frühstück noch Zeit zu entspannen. Ich bin in meinem Newsfeed auf einen schwedischen Elch-Livestream gestoßen und den schauen wir uns eine Weile an. Elche sehen wir nicht, dafür ein paar Caribous, deren Fell im Gegensatz zu denen, die wir auf Neufundland gesehen haben schon recht braun ist.

    Nach dem Call machen wir uns auf den Weg zu einer natürlichen Quelle, um Wasser aufzufüllen. Der Wasserdruck ist sehr gering und es dauert recht lange. Das Wasser ist auch nicht 100% frei von pflanzlichen Partikeln, aber dafür haben wir ja unsere Filter. Besser als gechlortes Wasser schmeckt es allemal. Ein Vogel gibt uns mit seinem Pfeifen Tribute von Panem Vibes. Was für ein Vogel das wohl war?

    Der Platz sieht irgendwie auch schön urig aus, insbesondere mit dem leichten Regen dazu.

    Dann geht es weiter durch den Regen und Wind. Ziel ist ein Platz an der Labrador Bay in 100 km Entfernung nicht weit von Shediac entfernt, denn morgen wollen wir dort unser Glück bei ein paar Teilehändlern versuchen.

    An einem Hafen an der Labrador Bay. Das Foto ist schon vom nächsten Morgen. Am Abend davor war es super windig und hat richtig viel geregnet.