Woche 3 | Teil 1: Abschied von Cape Breton

Foto vom Green Cove, schneebedeckt und Eisschollen auf dem Meer.

Ja, es gibt wieder zwei Teile. Wahrscheinlich behalten wir das einfach bei, solange wir so motiviert sind, Blogbeiträge zu schreiben.

2. Tag Cape Breton

Bevor es heute wieder in den Park geht haben wir noch getankt und Bargeld abgehoben. Generell zahlt man hier alles mit Karte, aber wir müssen waschen und dafür braucht man 1$ Münzen. Der freundliche Tankwart hat uns ein bisschen Kleingeld rausgegeben. Am Eingang des Parks stoppen wir wieder am Visitor Center. Man lernt beheizte Toiletten zu schätzen, wenn man sich sonst meistens mit Plumpsklos auf Wanderparkplätzen begnügt. Nebenbei kann man auch gut das freie WLan zum sichern der Bilder nutzen. Nach diesen Zwischenstopps geht es wieder die Panoramastraße im 1. Gang mit Warnblinklicht entlang. Der Ausblick ist auch beim 3. Mal immer noch spektakulär.

Bretti an einem der vielen Aussichtspunkte
Aussicht beim Fahren durch den Park

Auch der Wanderparkplatz ist immer noch eingeschneit, deswegen fahren wir weiter durch den Park und bestaunen die Schneemengen. Der Park bildet ein Hochplateau, wodurch es, wenn man einmal oben ist, überraschend flach ist. Wir stoppen für ein paar Fotos von der Aussicht, aber an Wandern ist hier nicht zu denken, viel zu viel Schnee. Deswegen fahren wir am Nordende wieder herunter zum Macintosh Wasserfall. Der Parkplatz ist soweit geräumt, was aber nicht über die Schneehöhe hinweg täuschen soll.

“Zusammen” wippen
Versteckt 😛

Die Wanderung geht ca. 1,5km am Fluss entlang wieder durch einen wunderschönen Winterwald. Der Schnee ist über knietief aber gefroren, sodass man nur selten einsackt. Die Sonne scheint fleißig und wir haben eine schöne Zeit auf der kurzen Wanderung. Der Wasserfall ist nicht sehr groß liegt aber schön zwischen den Bergen eingepfercht. Bei den Schneemengen drumherum wird uns mal wieder klar, dass die Schneeschmelze gerade erst anfängt und die Wassermassen sich hier noch vervielfachen werden, wenn der Schnee in den höheren Lagen schmilzt. Spannend, aber auch beängstigend. Mal schauen wie es hier auf unserem Rückweg von Neufundland aussieht.

Kleiner aber feiner Wasserfall
Wanderung im Winterwald

Weiter geht es am Nordrand des Parks und wieder schleichen wir im 1. Gang eine 3km lange Steigung hoch. Unser Warnblinklicht arbeitet auch wieder fleißig und ich bin zum ersten mal froh, ein Ersatzrelais eingesteckt zu haben. Soviel hat der Warnblinker sicher in seinen 48 Jahren noch nicht gearbeitet. Die Aussicht auf die verschneiten Berge unter blauem Himmel bleibt spektakulär, da kann man sich ja auch mal etwas Zeit lassen mit dem bergauf Fahren.

Wir verlassen den Park weiter Richtung Norden und schlängeln uns an der Küste entlang (meistens sogar im 2. Gang) zu unserem nördlichsten Stopp in Nova Scotia. Am Ende der Straße liegt Meat Cove und wir schauen uns zwei potenzielle Parkplätze an. Der eine spektakulär, der andere aber praktischer. Da wir morgen wieder einen Ruhetag eingeplant haben entscheiden wir uns für den praktischeren. Mittlerweile haben wir 28°C im Wohnkoffer und machen uns einen entspannten Abend, während die Eisschollen draußen vorbei treiben.

Aussicht vom spektakuläreren Platz

Ruhetag

Nachts werden wir vom Wind etwas durchgeschüttelt, haben aber insgesamt eine gute Nacht. Wie es sich gehört wird ausgiebig gefrühstückt und dann erstmal gegammelt. Da uns im Laufe des Tages der Kuchen ausgehen wird, muss ein neues Dessert her. Ich hatte dafür schon Oreokekse, vegane Sahne und Schokodrops gekauft, welche dann zu einem Dessert mit Kaffee verarbeitet werden sollten. Die originalen Oreokekse sind leider nicht vegan und lösen sich nicht so gut im Kaffee auf wie die nachgemachten, aber das Ergebnis ist wie immer sehr lecker. Um uns den Kuchen und die Oreocreme auch zu verdienen, macheen wir noch einen 5km Spaziergang die Küstenstraße entlang. Das ist bei ordentlich Wind und 0°C nicht wirklich gemütlich, aber wer Eisschollen im Meer schwimmen sehen kann, sollte wohl keine 20°C erwarten.

Aussicht genießen an der Küstenstraße

Als letzten geplanten Punkt des Tages wollen wir noch unsere Ausgaben durchrechnen. Wir haben ins blaue hinein ein Monatsbudget von 2000€ festgelegt und müssen nun auch mal schauen wie wir damit auskommen. Ohne Vergleichswerte kann man mit den Ausgaben noch nicht so viel anfangen, aber man muss ja mal anfangen. Da heute der 31. März ist bleiben wir im Budget für den März, mal sehen wie das im April aussieht, wo das Budget für 4 Wochen reichen soll. Grundsätzlich haben wir im März viele Basics kaufen müssen, das sparen wir uns nächsten Monat, aber insgesamt ist hier einfach alles ziemlich teuer. Die steigenden Spritpreise helfen da nun auch nicht, diese sollten auf dem Weg nach Westen aber wieder günstiger werden. Angespart haben wir genug, also bringt uns das nicht in Bedrängnis. Wenn man weiß, dass auf absehbare Zeit kein Geld reinkommt, lösen ungeplant hohe Ausgaben aber kein gutes Gefühl aus.

Zurück am Stellplatz

Waschtag

Nachts hat es wieder geschneit und mit dem Wind hat sich der Schnee auch an unerwarteten Stellen abgelagert (siehe Bild). Heute müssen wir waschen, entsprechend soll es zeitig zum Waschsalon gehen. Wie jeden Morgen schaue ich vor dem Losfahren, ob sich irgendwas am Volvo gelöst hat und eigentlich räume ich auch alles unter dem Volvo weg, was sich dort angesammelt hat. Gestern Abend hatte ich noch den Eimer aus unserer Trockentrenntoilette unters Auto gestellt. Wir werfen da auch unseren Biomüll rein und dadurch ist der häufig voll, wenn wir viel Gemüse verarbeiten. Heute habe ich den aber leider übersehen oder was auch immer, auf jeden Fall fahren wir beim Losfahren direkt drüber und haben jetzt nur noch zwei Eimer. Sehr unnötig. Aber es lohnt auch nicht, sich drüber aufzuregen. Bretti packt die Reste in einen Sack und los geht’s Richtung Waschmaschine.

Schnee auf dem Motor
Eingeschneite Straße
Blick aus dem hinteren Fenster mit prasselndem Schnee

Wir hatten bisher kein Waschmittel, also machen wir noch einen Stopp am nächsten Grocery Store. Neben Waschmittel werden auch die üblichen Dinge aufgefüllt. Als wir so durch den Laden wandern, hören wir an der Kasse zwei Leute über den “Monstertruck” vorm Laden sprechen. Keine Ahnung, wen sie gemeint haben könnten…

Die Waschmaschinen stehen im New Haven Comfort Center, ein von der Gemeinde gepflegtes Zentrum mit Duschen, Waschmaschinen, Sportgeräten und einem Spielplatz. Sehr schön wie hier sowas von der Gesellschaft selbst organisiert und erhalten wird. Um sich einzubringen hat Bretti auch gleich erstmal Schnee geschoben. Unsere “Wäsche waschen” Erfahrungen auf Reisen sind bisher eher schlecht. Überhaupt was zu finden ist oft schon ein Thema und dann bekommt man schlechte Ergebnisse für recht viel Geld. Klingt dramatisch, aber was zuhause ein No-brainer ist entpuppt sich in öffentlichen Waschsalons im Ausland oft zu einer Herausforderung. So ist unsere Erfahrung hier auch nicht so toll. Die Waschmaschine hat gefühlt mehr Flecken verursacht als entfernt und trocken ist die Wäsche auch nach zwei Durchgängen nicht geworden. Naja. Die Waschmaschine dreht die Wäsche auch nicht über Kopf wie bei uns, sondern nur im Kreis, was die Durchmischung von sich aus schon schwierig macht. Immerhin können wir noch 15 Minuten duschen. Unser Übernachtungsplatz im naheliegenden Wald ist, wenig überraschend, durch viel Schnee leider auch nicht zugänglich. Wir fahren also 20km durch den Nationalpark zum nächsten Platz. Nun stehen wir neben einem Golfplatz und schauen aufs Meer. Die Heizung läuft und trocknet etwas die Wäsche und dazu gibt es ein Bierchen. Das Waschen hat ewig gedauert und das Ergebnis ist unzufriedenstellend, aber auch so sieht der Reisealltag aus. Kurz aufregen und dann abhaken. Gibt ja nun schlechteres als im warmen Auto am Meer zu stehen und ein kaltes Bier zu trinken. Morgen ist Sonne angesagt, das wird sicher ein besserer Tag.

Im Eichhörnchenwald

Und heute wurde ein besserer bzw. ein ganz wundervoller Tag. Wie eine schlaue Frau schon sagte: “Donnerstag ist Pfannenkuchentag”. Entsprechend macht Bretti morgens erstmal Pfannkuchen. Eine Mischung aus herzhaft und süß. Oreokaffeecreme-Pfannkuchen ist mein neuer Favorit.

Pfannkuchenaktion

Frisch gestärkt machen wir uns zu Fuß auf zur Wanderung bis zum Ende der Landspitze, an der wir übernachtet haben. Wir sind nämlich auf Middle Head und neben dem Golfplatz und den Luxus-Häuschen gibt es hier auch einen Wanderweg der nett aussieht. Neben dem unberührten Schnee führt der Weg über die Halbinsel durch einen schönen Wald. Nicht nur dass wir links und rechts immer wieder das Meer sehen können, es gibt auch ganz viele Eichhörnchen. Erst nur Spuren, aber bald erspähen wir das Erste. Wir sehen immer mehr und einige sind auch ganz entspannt am Futtern, während sie 4m von uns entfernt am Boden sitzen. Wir haben sicher 10 gesehen. Den Pfotenspuren und den Futterhinterlassenschaften nach muss es hier noch viel mehr Eichhörnchen geben.

Gemütlich am Futtern

Am Anfang des Weges steht ein Warnschild wegen Coyoten und wie man sich verhalten soll. Wir haben keinen gesehen, aber direkt am Anfang des Weges gab es Pfotenspuren und Urin welches aus mehreren Metern noch sehr nach Wildtier roch. Möglicherweise war das eine Mitteilung des ansässigen Coyoten, wer hier das sagen hat. Weißkopf Seeadler gibt es hier auch, wie eigentlich überall an der Küste Kanadas, ob wir einen gesehen haben, sind wir uns nicht sicher. Einmal fliegt ein großer Vogel vorbei, der von Möwen attackiert wird, das geht aber viel zu schnell. Auch der zweite Anblick geht sehr schnell vorbei. Beim dritten mal fliegt ein großer Vogel über die Möwenkolonie, welche das gar nicht lustig findet und ihn attackiert und bis zum Festland zurück bedrängt. Hier haben wir genug Zeit zum Schauen und dieser Vogel ist am Kopf und Schwanz braun. Junger Adler? Wir wissen es nicht. Die Möwen hier sind teilweise auch schon sehr groß (1,60m Spannweite), aber die Flügel der Adler haben mehr erkennbare einzelne Federn. Hier ist auch eine normale Anzahl an Möwen unterwegs, nicht wie bisher an der Küste. Wir haben eine sehr schöne Zeit auf Middle Head und es gibt endlich auch ein paar Tiere zu sehen. Die ortsansässigen Robben lassen sich leider nicht blicken. Dafür gibt es aber am Ende noch einen kleinen Specht, der fleißig eine Birke zerhackt. Dass diese kleine Landspitze in den Nationalpark aufgenommen worden ist, können wir sehr gut nachvollziehen. Der Weg ist so ca. 6km lang und ganz gut begehbar, obwohl viel Schnee liegt. Der ist aber fast überall gefroren. Das “fast” bekommen wir auch beide gut mit, indem wir bis übers Knie im Schnee einsinken, erst Chris, auf dem Rückweg dann auch Bretti. Zurück am Auto machen wir uns wieder auf in den Nationalpark. Gestern waren wir die Küstenstraße bei schlechtem Wetter einfach lang gefahren, heute wollen wir noch ein paar Stopps machen und uns die Gegend genauer anschauen.

In der Mitte von Middelhead
Etwas eingesackt im Schnee

Im Gegensatz zur absolut spektakulären Westseite des Parks, ist es hier im Osten eher “langweilig”. Langweilig aber wirklich nur im Vergleich. Wir fahren erstmal zum Green Cove Trail und bestaunen hier die Massen an Eisschollen. Das kann man gar nicht richtig mit der Kamera aufnehmen. Wie die Wellen sich durchs Eisfeld bewegen sieht schon spektakulär aus. Absolut wahnsinnige Kräfte schieben die tonnenschweren Eisschollen durch die Gegend. Das Wetter ist auch noch absolut fantastisch und wir genießen die Ruhe des Parks in der Sonne sehr. Es ist noch recht viel Sonnenlicht heute über, allerdings sind wir langsam recht platt und voller Eindrücke, sodass wir einfach an den Platz von heute Morgen zurück fahren. Hier genießen wir die Sonne auf dem Auto und schauen einfach noch etwas aufs Meer bis es dunkel wird.

Eis bis zum Horizont