Fahrtag und viel Meer
Heute wird mal wieder eingekauft und wir versuchen eine neue Supermarktkette, den Atlantic Superstore. Supermarktketten gibt es hier echt viele verschiedene. Ehrlich gesagt haben wir nicht viel erwartet, nach unseren letzten Erfahrungen, aber wir wurden Positiv überrascht. Nicht nur gab es Beyond Meat (Vegane Fleischersatzprodukte) sondern auch viele Bioprodukte und vegane Schlagsahne. Ich(Chris) scheine über die letzten Jahre eine Laktoseintoleranz entwickelt zu haben, zumindest helfen Laktase Tabletten, aber auch diese verhindern nur das Schlimmste. Entsprechend freue ich mich sehr über vegane Schlagsahne, damit es neben Kuchen auch Torten und andere Desserts geben kann #Oreokaffeecreme. Die ganze Milchindustrie ist natürlich von selbst schon boykottwürdig. Leider haben wir viele Produkte erst nach der Kasse gesehen, wir kommen also wieder und haben Hoffnung.
Nun mussten wir noch Wasser auffüllen. Der Tank ist zwar nicht leer, aber die Dichte an möglichen Quellen wird im Norden immer kleiner. Diesen Standort hatten wir aus den üblichen Apps und er sah absolut fragwürdig aus. Hinterm DriveThrough eines Tim Hortons (typisch kanadische Schnellrestaurantkette) mit einer defekten Entsorgungsstation für Wohnmobile. Der Wasserhahn funktionierte überraschenderweise und das Wasser schmeckte nicht nach Chlor. Eine echte Offenbarung nach ca. 80l Wasser mit Chlor-Geschmack. Wir Filtern das Wasser trotzdem, weil die Filter eben da sind und man weiß ja nie. Bretti holte sich noch eine heiße Schokolade und so ließ sich die Wartezeit dann ganz gut überbrückend. Nebenbei konnten wir wieder das Verhalten der Einheimischen beobachten. Dass man lieber lange am DriveThrough steht und wartet anstatt auszusteigen und für ca. 3 Minuten ins Geschäft zu gehen erschließt sich uns wirklich nicht.


Nach dem erfolgreichen Tankstop ging es immer weiter die Küste entlang auf die Nordinsel Nova Scotias. Hier fanden wir auch einen schönen Stellplatz mit Meerblick und liefen noch runter ans Wasser. Der Wind war eisigkalt aber die Sonne war da also wurde Vitamin D getankt.

Kurz vor unserem Parkplatz hatten wir noch einen NSLC gesehen, das sind die staatlichen Alkoholgeschäfte hier in Nova Scotia. Wir machten einen Abstecher dort hin, um rauszufinden, ob unser letzter Einkauf so teuer gewesen ist, weil wir nur fancy Zeug gekauft hatten. Dem ist aber nicht so, Alkohol ist im allgemeinen recht teuer 3 kanadische Dollar für eine 0,3l Dose Bier. Mit ein paar Bier ausgerüstet machten wir uns auf den Weg zurück und schauten der Sonne beim Untergehen über dem Meer zu.
Unsere gekauften Errungenschaften wollten verarbeitet werden, deswegen wurde noch gekocht. Nach dem Gemüse schneiden, sahen wir eine Raupe in unserem Biomüll, also unserer Trockentrenntoilette, die fleißig die Paprikainnereien mampfte. Die kann eigentlich nur von/aus der Paprika selbst gekommen sein. Etwas merkwürdig, aber niedlich. Wir ließen unseren neuen Mitbewohner dort, wo er war, denn draußen würde er direkt erfrieren bei mittlerweile -6°C und weiter fallenden Temperaturen. Während wir darauf warteten, dass die Paprika angebraten war, nahm ich eine Bewegung am Fenster war. Eine junge Frau hüpfte vor dem Fenster auf und ab, um einen Blick rein zu erhaschen. Sie hatte scheinbar nicht bemerkt, dass wir da sind. Als wir ihr zuwinkten und sie das bemerkte, machte sie ein erschrockenes Gesicht und rannte ganz schnell weg. Für sie war die Situation sichtlich peinlich, für uns sehr unterhaltsam. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen ließen wir den Tag ausklingen.
Wasserfall und Eisschollen
Da ich mal wieder nicht wirklich lange schlafen konnte, nervte ich Bretti schon ab 8:00 Uhr morgens, indem ich Frühstück machte. Ein paar beschwichtigende Apfelstücke konnten das schlimmste verhindern und wir hatten dann noch ein entspanntes Frühstück mit Meerblick. Mich stört dreckiges Geschirr immer ziemlich, deswegen habe ich nach dem Frühstück noch abgewaschen, bevor es los gehen sollte. Problem: Das Wasser in der Spüle lief nicht ab. Der Siphon vor dem Abwassertank war scheinbar eingefroren. Wir setzten drauf, dass der über den Tag schon auftauen würde und fuhren erstmal trotzdem los. Da wir aber Heute und Morgen keine Plusgrade erwarteten würde das vermutlich nicht passieren (Kann berichten, es ist nicht passiert).
Um den kalten Tag(max. -5°c) trotzdem zu nutzen, hatte ich einen Wasserfall, die Egypt Falls, rausgesucht. Dieser ist nach einer kurzen Wanderung zu erreichen und sah recht beeindruckend aus. Generell habe ich bei dem Plan nicht bedacht, dass Wasserfälle dazu tendieren, im Gegensatz zum Meer, “oben” zu sein. Das heißt. dass wir erstmal weit in die Berge fahren mussten und hier sehr viel Schnee lag. Der Weg bis zum Wanderparkplatz war überraschenderweise geräumt und so fuhren wir gemütlich im 1st Gang die vereiste Straße hoch. Die Wanderung war ca. 1km lang und ging etwa 100 Höhenmeter wieder runter. Teilweise ist man bis zum Knie im Schnee versunken, deswegen waren wir überrascht andere Menschen zu treffen, die den weg in Freizeitkleidung absolviert haben. Der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall. Der Weg durch den verschneiten Wald ist schon alleine den Aufwand wert. Der Wasserfall dazu ist auf jeden Fall einer meiner Wasserfall Highlights bis jetzt. Wir verbrachten eine Weile am Fuß des Wasserfalls und genossen die Naturgewalten. Da es aber immer noch sehr kalt war ging es bald zurück. Untrainiert wie wir immer noch sind, kamen wir schnaufend am Parkplatz wieder an. Das sind ganz sicher mehr als 100 Höhenmeter. Zwei andere Wanderies hatten sich in der Zwischenzeit zielstrebig mit ihrem Pickup neben der geräumten Straße festgefahren, das konnten wir aber mit gemeinsamem Anschieben schnell erledigen.



Weiter ging es Richtung Cape Breton Nationalpark, wo wir morgen eine weitere Wanderung machen wollen, wenn der Schnee das zulässt. “Aber erst Morgen” hat eine weise Frau mal gesagt und deswegen haben wir uns mal wieder einen Übernachtungsplatz mit Meerblick gesucht. Das Meer ist hier zu einer Eisschollenlandschaft erstarrt, was wir leider nicht zufriedenstellend auf den Bildern einfangen können. Deswegen nutzen wir das langsam schwindende Sonnenlicht und genießen einfach den Anblick.


Auch wenn es echt ein Gegurke über schlechte Straßen hierher ist, kamen hier gerade zwei ältere Menschen an und haben ein Selfie mit dem Leuchtturm gemacht. Irgendwie knuffig und warum auch nicht. Uns gefällt das Bild mit dem Volvo besser. Für diese Nacht sind hier -13°C angesagt, unser Thermometer hat -11°C gemessen. Etwas sehr frisch für Frühling. Unsere Heizung läuft an, wenn es im Fahrzeug unter 7°C kalt wird, weniger wegen uns sondern wegen der Wasserleitungen. Wir sind für sowas ausgerüstet, entsprechend sind die Minusgrade kein wirkliches Problem, bloß raus aus dem Auto will man dann nicht. Die Abgase der Heizung haben auch noch unseren Siphon kurzzeitig aufgetaut, entsprechend ist das Wasser aus der Spüle auch endlich abgelaufen. Update: Ich kann berichten er ist wieder eingefroren. Nicht mal die Sonne des Tages hat gereicht den frei zu halten und wir haben das natürlich direkt wieder vergessen. Es steht also wieder Wasser in der Spüle, immerhin diesmal weniger.
Cape Breton Highlands
Heute ging es in den Nationalpark Nova Scotias, den Cape-Breton Highlands Nationalpark. Auch hier ist alles soweit geschlossen, aber wandern kann man trotzdem. Ich hatte auch einen Wanderweg des Parks rausgesucht, den Skyline Trail, habe mir aber schon gedacht, dass es nach unserer gestrigen Erfahrung an den Egypt Falls schwierig werden könnte. Um den Nationalpark herum führt auch noch die Panoramastraße Nova Scotias, der CabotTrail. Allein für die Autofahrt lohnt sich der Weg hierher schon. Als wir von der Hauptroute auf die Straße zum Wanderparkplatz abbiegen wollten, standen wir jedoch vor einer 1,5m hohen Wand aus Schnee. Das ist auch für den Volvo zu viel, zumindest alleine und ohne Schneeketten. Die Hauptroute des Cabot Trails ist sonst wirklich top geräumt, aber irgendwann ist wohl auch mal gut. Es gibt im Park unzählige Wanderwege und entsprechend suchten wir uns einen weiter unten raus und fuhren zum Parkplatz, den wir auf dem Hinweg schon gesehen hatten.


Wir hatten uns den Salmon Pools Trail ausgesucht, in der Annahme, dass er durch die niedrigere Lage am Fluss begehbar sein sollte. Es wurde eine 9,5km lange Wanderung, die anfangs auch recht schneefrei war, wodurch ich mich zu der Aussage hinreißen ließ: “Zum Glück ist der Weg nur zum Teil eingeschneit, die ganze Zeit durch den Schnee stapfen ist ja voll anstrengend”. Tja 90% des Weges hatten mindestens knöcheltief Schnee. Die Wanderung war aber sehr schön und folgte die meiste Zeit dem Fluss. Es gab sehr viele Tierspuren im Schnee, die wir leider nicht zuordnen konnten. Immerhin ein Streifenhörnchen (Chip und Chap) ließ sich blicken. Bei den ca. 7cm breiten Tatzenabdrücken, waren wir insgesamt ganz froh dem Verursacher nicht direkt zu begegnen, selbst wenn es vielleicht doch nur ein Waschbär war.



Am Parkplatz sprach uns noch ein älterer Herr auf den Volvo an, der mit Zahnstocher im Mundwinkel und seinem Akzent super in jeden Wild West Film gepasst hätte. Nun ging es wieder ans Meer. Hier lagen ganz viele Eisschollen am Strand, die wir uns noch aus der Nähe anschauen mussten. Mit dem Blick auf die im Sonnenuntergang vorbei treibenden Eisschollen ließen wir den Tag ausklingen und damit auch diesen Blogeintrag.




Der Routenverlauf dieser Woche bei Googlemaps
