Category: Canada

  • Woche 9 | Teil 2: Der etwas andere Campingplatz

    Woche 9 | Teil 2: Der etwas andere Campingplatz

    Waschtag

    Unser Stopp in Rivière du Loup war ja etwas ungeplant und wird sich wohl noch etwas ziehen. Entsprechend müssen wir mal wieder waschen und duschen wäre auch nicht schlecht. Da wir unseren Wassertank hier nicht nachfüllen können, wollen wir das kostbare Trinkwasser nicht zum Duschen nutzen. Die Werkstatt hatte uns schon ein Auto angeboten, um zum nächsten Truckstopp zu fahren, dort kann man waschen und duschen. Das nehmen wir gerne an. Wir sind auch sehr gespannt wie sich ein modernes Auto auf den kaputten Straßen fährt. “Leider” sind die Straßen bis zum Truckstopp viel zu heil, um einen wirklichen Vergleich zu machen.

    Angekommen am Truckstopp regelt Bretti die Kommunikation und wir können für 5C$ waschen und trocknen. Die Waschmaschine steht im Hinterzimmer der Tankstelle, etwas sonderbar, aber erfüllt seinen Zweck. Eigentlich wollen wir auch noch duschen, aber das kostet für uns “Nicht-Trucker” 15C$ pro Nase. Das ist uns zu viel und wir entscheiden uns dazu, Wasser zu organisieren und unsere Haare im Auto zu waschen.

    Warten, dass der Trockner fertig ist

    Ohne Duschen haben wir hier jetzt sehr viel Wartezeit. Wir tanken noch Diesel nach. Nur mit Kochen verbrauchen wir nicht viel, aber wenn man schonmal die Möglichkeit hat. Einer der Tankstellenmitarbeiter hört beim Einräumen der unendlichen Mengen an Bierpalletten echt gute Metalmusik, was uns etwas die Zeit vertreibt.

    Wir halten auf dem Rückweg noch bei dem Maxi, wenn man die Einkäufe schonmal nicht tragen muss und kaufen noch alkoholhaltiges Bier und 8l Trinkwasser. In Kanada ist auch langes Wochenende, am Montag ist Victoria Day, wo man traditionell den Anfang des Sommers mit Grillen und Lagerfeuer feiert. Wir wissen zwar noch nicht, ob sich für uns was ergibt, aber so sind wir zumindest vorbereitet.

    Zurück bei der Werkstatt werden erstmal die Haare gewaschen. Chris ist noch nicht so lange im lange Haare-Game und er wäscht sich zum ersten mal “manuell”, wie er sagt, die Haare über’m Waschbecken.

    Spaß beim Haarewaschen

    Mit frisch gewaschenem Haar geht es an die nächste Aufgabe. Der bestellte Inverter ist mittlerweile in Kanada angekommen, muss aber gegen Unterschrift von Chris ausgelöst werden. Das gilt theoretisch für alle Luftfrachtpakete. Warum die Autoteile einfach auf die Veranda von Brettis Kumpel gestellt werden konnten, ist uns schleierhaft. Wir recherchieren erstmal wie man eine Vollmacht in Kanada ausstellt und schicken diese weiter an Brettis Kumpel. Mal sehen ob das klappt.

    Da wir eh schon am Computer sitzen, schauen wir auch schon mal nach Versandangeboten von Deutschland nach Kanada. Es ist nicht wirklich gut vergleichbar, aber für 250€ kann man 20kg, quasi unabhängig der Größe in 4-5 Tagen nach Kanada schicken. Wir sind ganz froh, dass die Kupplung in Ordnung ist, die alleine hätte schon 8kg gewogen. Mal abwarten, was die Teile zusammen wiegen.

    Unser Aufenthalt bei der Werkstatt wird noch einige Zeit dauern, also müssen wir uns auch Gedanken um die Abwasserentsorgung machen. Wir nutzen eh nur biologisch abbaubare Seife, das sorgt für ein etwas weniger schlechtes Gewissen, dassWasser auf dem Grünstreifen neben dem Werkstatthof zu entsorgen. Trotzdem machen wir das lieber im Dunkeln, das spart uns im Zweifel Erklärungen.

    Das ist doch alles (Frisch-)Käse

    Beim Frühstücken ergibt sich mal wieder ein neues Recherchethema: Frischkäse. (Ich weiß auch nicht, warum unser Frühstück immer so lange dauert.) Wir schauen beim Einkaufen ja in der Regel nach veganen oder Bio-Produkten. Dabei geht es uns zum einen um die Tierhaltung und zum anderen um die Nachhaltigkeit/Naturverträglichkeit. Beim Frühstücken haben wir nun festgestellt, dass der Bio-Frischkäse von der dänischen Firma Arla und tatsächlich auch aus Dänemark importiert ist. Manchmal haben die Firmen ja auch Produktionsstätten im jeweiligen Land, aber das ist hier wohl nicht der Fall. Wir fragen uns, wie lange sich Frischkäse eigentlich hält und ob er per Schiff oder Flugzeug nach Kanada geliefert wird. Unsere Recherche ergibt, dass Frischkäse sich tatsächlich ziemlich lange hält und vermutlich zusätzlich noch tiefgefroren transportiert wird. Der Import macht es wohl dennoch weniger nachhaltig, da kann man dann lieber die Priorität auf lokale Produktion setzen oder was meint ihr?

    Sightseeing in Rivière du Loup

    Nach dem Frühstück geht es für ein bisschen Abwechslung auf in die Innenstadt von Rivière du Loup. Erstmal geht es bei strahlendem Sonnenschein 3 km an der Straße entlang. Nach einem Kilometer gibt es sogar einen Bürgersteig. Wir stocken an einem Schild, dass die Brücke wegen Arbeiten geschlossen sei. Ein Umweg wäre ganz schön lang und würde an einer Schnellstraße entlang führen. Zum Glück ist die Brücke aber für Fußgänger frei. Wir laufen am Fluss entlang zu einem schicken Wasserfall.

    Dann geht es weiter in die Innenstadt. Wir wollen schon mal auskundschaften, wo wir uns später was zu essen holen können und holen uns noch ein paar Bierchen der lokalen Mikro-Brauereien in einem Biergeschäft, das ein bisschen was von einem “Späti” hat. Nun geht’s wieder zurück zum Wasserfall und weiter in den dazugehörigen Park. Dort sehen und hören wir viele Vögel, die dank der Merlin Bird ID App erkannt werden (Danke nochmal für den Tipp, Saskia & Valerie). Ein paar Geocaches finden wir auch.

    Chris am Boden der Tatsachen… wo er einen Geocache gefunden hat.

    Außerdem diskutieren wir viel über die Gesellschaft und die NS-Zeit. Chris liest gerade das Buch “Inside the third Reich”/”Erinnerungen” von Albert Speer, das viel Gesprächsstoff liefert. Irgendwann treiben uns eine volle Blase und ein leerer Magen aber wieder in die Innenstadt. Bei den zweistöckigen Holzhäusern mit Veranda in der Einkaufsstraße bekommen wir leichte Western-Vibes. Wir setzen uns ins Restaurant “Taxi”, in dem ein alter gelber Käfer (also das Auto) von der Decke hängt und Fotos von Marilyn Monroe, James Dean und Elvis die Wände zieren. Gut gesättigt geht es dann wieder zurück zum Volvo. Hier entspannen wir gerade bei ein paar YouTube-Videos als sich auf Chris Handy die Polarlicht-App meldet. Es gäbe an unserem Standort eine Wahrscheinlichkeit von 25% für Polarlichter. Wir versuchen unser Glück und gehen raus, allerdings ist es hier viel zu hell. Wir erwähnten ja schon die Flutlichter. Ein anderes Mal haben wir bestimmt mehr Glück.

    Chris:”Da seh ich doch eindeutig Grün am Himmel.” Bretti:” Naja…”

    Lassen wir das Pendel sprechen

    Am Samstag ist es auch wieder richtig sonnig. Wir wollen heute ein paar kleine Reparaturen am Auto machen. Dafür gehen wir erstmal in den Baumarkt, denn wir brauchen Silikon. Der Baumarkt ist praktischerweise direkt um die Ecke, quasi gegenüber vom Supermarkt. Hier wundern wir uns wieder mal über die hohe Anzahl an Personal. Gefühlt gibt es im Laden mehr Mitarbeiter*innen als Kund*innen. Wir werden entsprechend auch 4x gefragt, ob wir Hilfe brauchen. Wie in Kanada wohl die Personalkosten aussehen? Nach dem Baumarkt geht es noch einkaufen, damit wir für das lange Wochenende ausreichend Vorräte haben. Montag ist hier Feiertag, der Victoria Day, um Queen Victoria zu ehren.

    “Shortly after the Canadas were united into the Province of Canada, the Parliament sought to create a new public holiday that would form common ground between English and French Canadians, helping them transcend their religious and cultural differences. The birthday of Queen Victoria was selected to be transformed into a public holiday, as it was a date that appealed to both English and French Canadians. At the time, loyalty to the Crown was seen as a key trait that distinguished Canada from the United States and the monarchy was viewed as a “guarantor of minority rights” in the colony.” – Wikipedia

    In Quebec heißt der Tag auch National Patriots Day.

    “Quebec replaced Victoria Day with National Patriots’ Day, which commemorates the patriotes of the Lower Canada Rebellion of 1837.” – Wikipedia

    Wieder beim Auto angekommen, starten wir mit den kleineren Reparaturen am Auto, z.B. dem Abdichten der Türkante bei der Duschwanne. Chris pendelt noch den Sturz des Reifens aus, allerdings ist es recht windig. Vielleicht probieren wir es nächste Woche nochmal mit Heilsteinen. Ansonsten entspannen wir bei guter Musik auf unserer Bank zwischen den LKWs, trinken ein paar Bier und bekommen Festival-Laune.

    Fast wie auf einem Campingplatz oder so…

    Eigentlich sollte die Werkstatt auch schon längt geschlossen haben, samstags hat sie offiziell nur bis 12 Uhr mittags auf, bis 21 Uhr ist hier aber noch Betrieb. Vielleicht ist es aber auch das Aufräum-Team, das noch so lange arbeitet, denn es werden viele Müllcontainer rausgebracht.

    Hallo, wir sind die neuen Nachbarn

    Am Sonntag machen wir nach dem Frühstück einen kleinen Spaziergang durch die Nachbarschaft. Kurz überlegen wir, uns als die neuen Nachbarn vorzustellen. Eine Woche werden wir ja mindestens noch hier sein. Wir treffen niemanden also geht es wieder zurück. Heute werden die kleineren Reparaturen am Auto fortgesetzt und Küche und “Bad” ein bisschen geputzt. Dabei müssen wir uns jedoch bemühen, den Wasserverbrauch so gering wie möglich zu halten, denn wir haben nicht mehr so viel und kommen durch den Feiertag erst Dienstag wieder an neues Wasser ran.

    Zum Lohn gibt es Chris neueste Nachtischkreation, Butterkekse-Kaffee-Schoko-Dessert.

    Die Kreation gibt sich etwas widerspenstig, könnte an der teilweise 1 cm dicken Schokoschicht liegen. Zitat Chris: “Ich hätte auch den Pinsel zum Verstreichen der Schokolade nehmen können, aber ich hatte keine Lust, den sauber zu machen.”

    Ansonsten wird heute noch gekocht, Blog geschrieben, entspannt und recherchiert, ob und wohin wir nächste Woche einen Ausflug machen könnten. Vielleicht leihen wir uns dann mal ein Auto für ein paar Tage. Eine Woche hier nur rumsitzen und auf Autoteile warten ist ja auch irgendwie langweilig und schade um die Zeit. Dazu erfahrt ihr nächste Woche dann mehr.

    Die etwas unspektakuläre Reiseroute diese Woche

  • Woche 9 | Teil 1: Werkstattromantik

    Woche 9 | Teil 1: Werkstattromantik

    Info: Neuerdings gibt es unsere Blogbeiträge auch zum Hören in unserer Audiothek. Da die Audioaufnahmen etwas mehr Aufwand benötigen, werden sie wahrscheinlich immer etwas später als die Blogbeiträge veröffentlicht werden. Ihr braucht also etwas Geduld.

    Nach unseren ca. zwei Tagen am Rand der Gravelroad soll es nun weiter gehen. Es ist Montag und die Werkstätten haben wieder auf. Wir telefonieren einige ab, aber die meisten haben erst in ein bis zwei Wochen Zeit. Viele empfehlen uns weitere Werkstätten und so versuchen wir es dann auch bei der LKW Werkstatt Centre Routier. Jetzt sofort haben sie keine Zeit, aber nach 13:00 Uhr können wir vorbeikommen. Mit Abschleppen würden wir das eh nicht früher schaffen. Wir haben eh keine Wahl, also sagen wir zu und rufen danach direkt den Abschleppdienst an. In 40 Minuten soll er da sein. Wir vermuten, dass die vordere Achse angehoben wird und der Volvo so abgeschleppt wird. Das hatte Chris schon öfter bei LKWs gesehen. Wenn der Motor aus ist, ist automatisch der Allrad drin und entsprechend drehen sich alle Achsen wenn eine sich dreht. Um das zu verhindern, wollen wir eine Kardanwelle abschrauben, 40 Minuten sind dafür genug Zeit. Sobald Chris unterm Auto liegt kommt aber direkt schon ein riesiger LKW Abschlepper. Wir klären kurz die Kardanwellen-Thematik mit dem Fahrer und er schraubt die Kardanwelle für uns ab. Wie wir vermutet haben wird die vordere Achse angehoben, das passt gerade so. Der Volvo ist eigentlich etwas zu klein. Generell wirkt der kleine Volvo schon etwas grotesk hinter dem riesigen Abschlepper.

    Der LKW ist als doppelt so lang wie der Volvo
    So braucht man eigentlich auch keine Hebebühne mehr

    Nach kurzer Zeit kann es los gehen. Der LKW hat nur zwei Sitze also sitzt Chris auf dem Bett hinten in der Kabine. Die Truckerperspektive ist schon ganz cool, auch wenn es wohl bessere Umstände dafür geben könnte.

    Truckerperspektive

    Angekommen an der Werkstatt fällt Chris auf, dass beim Abschleppen die Bremsleitungen an der Vorderachse beschädigt worden sind. Kein Problem, meint der Fahrer, das geht auf seine Rechnung, er klärt das auch direkt mit der Werkstatt, dass sollen sie gleich mit machen. Ist uns gerade nicht so wichtig, aber gut dass wir uns damit nicht auch noch rumärgern müssen, hoffentlich. Bis 13:00 Uhr ist hier Mittagspause und kurz danach tauchen wir am Servicetresen auf. Wir können kaum so schnell schauen, da wird schon der Volvo mit einem Gabelstapler in die Halle geschoben.

    Das Schieben wirkt “etwas” improvisiert

    Wir dürfen nicht mit in der Halle bleiben, deswegen sitzen wir im Warteraum. Hier gibt es bequeme Sessel und WLAN. Noch wissen wir nicht wie viel Zeit wir hier noch verbringen werden.

    Nach einer Weile kommt der Meister (?) rein, er zeigt uns ein Video vom offenen Verteilergetriebe. In einem Kugellager haben sich die Kugeln gelöst, kein gutes Zeichen. Das Getriebe muss für genauere Untersuchungen raus. Wir stimmen zu und warten weiter. An dem Zeitpunkt wäre es schlau, hätten wir noch mehr Sachen aus dem Volvo geholt(Bücher oder so), daran haben wir natürlich nicht gedacht. Chris recherchiert schon mal Teile. Es gibt zum Glück die originalen Zeichnungen mit Teilenummern und so ist schnell klar, dass wir das Kugellager in Deutschland auf jeden Fall bekommen.

    Gegen 19:00 Uhr ist das Getriebe ausgebaut und unser Zuhause wird hinten auf den Hof in eine “ruhige” Ecke geschoben. Die Werkstatt hat von 7:30 Uhr bis 00:30 Uhr geöffnet, ruhig ist also ein dehnbarer Begriff. Dass wir im Volvo wohnen und entsprechend auch hier bleiben, ist kein Problem. In den Öffnungszeiten können wir auch gerne Toiletten und WLAN nutzen. Am nächsten Morgen soll das Getriebe zerlegt werden und wir verabreden uns für 16:00 Uhr. Der Mechaniker hat morgen Spätschicht ab 13:00 Uhr.

    Die Werkstatt liegt im Außenbereich von Rivière du Loup. Anmerkung aus der Redaktion: Der Stadtname “Fluss des Wolfes” klingt schon sehr cool. Entsprechend ist auch ein Supermarkt fußläufig erreichbar. Wir machen noch einen kleinen OKG(Ortskontrollgang) und kaufen noch etwas ein. Es ist mal wieder eine neue Supermarktkette Maxi. Die Auswahl ist für unsere Wünsche sehr gut. Viel Bio, vegane Produkte und es gibt sogar Bier im Geschäft.

    Unser vorläufiges Zuhause

    Der Tag der Wahrheit

    Wir haben soweit ganz gut geschlafen. Nur ist der ganze Hof und der angrenzende Spielplatz die ganze Nacht mit Flutlicht beleuchtet, was wir nicht ganz ausgesperrt bekommen. Schon sehr rücksichtsvoll den Spielplatz auch um 3:00 Uhr nachts voll zu beleuchten, falls jemand Schaukeln will….

    Wir gehen vormittags schon mal in die Halle, um den Mechanikern die Zeichnungen und Anleitungen zu geben. Wenn sie Zeit sparen, sparen wir Geld. Sie nehmen die Zeichnungen gerne. Wie in Chris Ausbildung schon einer der Ingenieure immer sagte: “Die Zeichnung ist die Sprache des Ingenieurs” werden diese die Kommunikation in den nächsten Stunden und Tagen sehr erleichtern. Vorher muss der Volvo aber noch umziehen. Dazu rückt wieder der Gabelstapler zum Schieben an. Dieser fährt sich allerdings direkt fest, der Rand des Platzes ist zu weich. Das ist hier aber kein Problem, neben vielen LKWs hat die Werkstatt auch einen großen Radlader auf dem Hof und dieser wird direkt geholt.

    Chris wird als Hilfsarbeiter eingesetzt und Bretti übernimmt die Kommunikation. So wird erst der Volvo und dann der Gabelstapler abgeschleppt.

    Um 16:00 Uhr geht es wieder in die Werkstatt und wir treffen auf Samuel, der unser Getriebe zerlegt hat. Sieht nicht gut aus. Zwei Kugellager sind kaputt und dadurch haben sich auch zwei Zahnräder zu Metallspänen verarbeitet. Das ist auch der Grund, warum wir nicht mehr fahren konnten. Samuel markiert uns die benötigen Teile auf der Zeichnung. Zu den kaputten Teilen kommen auch noch Dichtungen. Einige Teile sind nicht auf der Zeichnung des Verteilergetriebes abgebildet. So versuchen Chris und Samuel mit einem Mix aus Englisch und Französisch auf der schwedischen Webseite das richtige Teil zu finden. Zwischen durch übersetzt Bretti noch einige Wörter ins Deutsche, Englische oder Französische. Es ist sehr wichtig die genaue Produktnummer der Teile auf den Zeichnungen zu finden. Ohne diese Nummer ist es hoffnungslos, ein Teil online zu finden. Am Ende gelingt es aber, alle Nummern aufzutreiben und wir verabreden uns für den nächsten Tag, um in der Zwischenzeit nach Teilen zu schauen.

    Einkaufen in Polen oder so

    Seit wir letztes Jahr in Polen waren, werden Chris im Internet die Preise oft in Złoty angezeigt. Seit wir in Kanada sind passiert das zu unserer Belustigung regelmäßig. Etwas merkwürdig aber naja, Standort und Sprache wechseln immerhin nicht auf polnisch, also passt das schon.

    Es gibt in Deutschland eine große engagierte Volvo C303 Community, über die wir die meisten Teile organisieren können. Außer die beiden Zahnräder, die müssen wir in Norwegen bestellen. Neben extra Versandkosten sind die Teile dort besonders teuer. Eines der Kugellager bekommen wir in Deutschland für 30€, in Norwegen kostet das gleiche Teil 100€. Die beiden Zahnräder kostenzusammen 700€… Leider weiß auch niemand auf die Schnelle, wo man die sonst herbekommt. Es hilft also alles nichts. Immerhin bekommen wir alle Teile zusammen. Die Teilkosten dürften am Ende im Verhältnis zur Arbeitszeit eh vernachlässigbar sein.

    Da wir scheinbar zumindest theoretisch das Getriebe wieder flott bekommen, wollen wir die Werkstatt morgen auch auf unsere Kurbelwellenthematik ansetzen. Der Versand der Teile wird eh einige Tage bis Wochen dauern und in der Zwischenzeit könnte man das ja machen. Mehr dazu aber morgen.

    Getriebe mit einem der abgenutzten Zahnräder. (Das ist das günstige für nur 150€)

    Probleme mit Zeitverschiebung und lokale Feiertage

    Die letzte Nacht war etwas lauter, aber es ist alles noch gut aushaltbar gewesen. Wir haben uns für 13:00 Uhr mit der Werkstatt verabredet. Vorher sind wir mal wieder in dem Warteraum und nutzen die Zeit, um unsere Geräte mit Updates zu versorgen. Windows sträubt sich natürlich wie immer am meisten.

    Um 13:00 Uhr besprechen wir mit dem Mechaniker Samuel und dem Logistiker Hugo die Teile-Situation. Hugo konnte leider keine Teile in Kanada auftreiben, dafür sind Samuel noch andere Teile aufgefallen, die wir tauschen sollten. Nichts wildes und auch diese können wir in Deutschland auftreiben. Wir klären noch, ob wir ihre Postadresse nutzen dürfen und dann steht der Teilebestellung nichts mehr im Weg. Hier ist uns noch nicht bewusst, dass in Deutschland das lange Himmelfahrtswochenende ansteht, also vor Montag eh keiner was verschicken wird.

    Nun geht es darum, noch die Kurbelwellenlager-Thematik zu besprechen und so stehen wir wieder am Servicetresen der Werkstatt. Hier ist immer sehr viel los und man steht absolut im Weg. Bretti erklärt die Situation und dass wir gerne vor’m Bestellen der Teile wüssten, ob dort noch was fehlt. Sie bemühen sich, das unterzubekommen, was eigentlich bedeutet, unser Auto steht schon fast in der Halle. Der Gabelstapler wird organisiert und diesmal sitzt Samuel am Steuer des Volvos und lenkt ihn zu seinem Arbeitsplatz. Während er den Motor zerlegt, sitzen wir wieder im Warteraum und versuchen weiter Windows zu überzeugen, die ach so wichtigen Sicherheitsupdates zu installieren.

    Abhängen im Warteraum

    Materialkunde in Quebec

    Nach ca. einer Stunde besprechen wir die Situation. Es sind immer noch Metallspäne im Öl, aber laut Samuel kann das eigentlich nicht von den Kurbelwellenlagern kommen. Er hält einen Magnet an ein ausgebautes Lager, das ist magnetisch, die Späne aber nicht. Wir sind verunsichert, die andere Werkstatt in Moncton war sich da schon ziemlich sicher. So ganz genau kann er aber auch nicht sagen, wo die Späne herkommen. Dafür gibt es auch erstmal gute Nachrichten, die Kupplung sieht quasi aus wie neu und die Kurbelwelle muss nicht ausgebaut werden. 100-prozentig sicher kann man sich da erst sein, wenn alle alten Lager raus sind, aber das sieht ganz gut aus. Er schaut sich auch noch die Ölpumpe an, meint er. Diese haben wir schon neu aus den USA bestellt, von daher kommt die eh raus. Während Samuel seinem Job nachgeht, verziehen wir uns wieder in den Warteraum. Der Warteraum verfügt über extrem bequeme Sessel, was uns sehr freut, da wir hier noch einige Stunden verbringen werden.

    Chris macht sich derweil an die Recherche: “Nicht magnetische Späne im Motoröl, was kann das sein” und 99% der Antworten sind die Kurbelwellen bzw. die Pleuellager, also genau das, was wir vermutet haben. Diese Lager sind aus weicherem Material als die Kurbelwelle und die Pleuel, damit sie eher nachgeben als die wichtigen Teile. Verschleißteile eben. Nachdem viel zur Materialzusammensetzung von Autoteilen recherchiert wurde, kommt auch des Rätsels Lösung. Diese Lager sind Bimetalle, bestehen also aus zwei verschiedenen Metallen, außen Stahl und die Lauffläche aus Aluminium oder Messing. Entsprechend sind die Lager magnetisch durch den Stahl, aber der Abrieb nicht, da nur der Aluminium- bzw. Messinganteil abgerieben wird. Wir sind etwas beruhigt und hoffen das Beste.

    Als der Volvo wieder an seinen Platz hinter der Halle geschoben wird, sprechen wir noch kurz mit Samuel und kommen zu dem Schluss, dass wir nun alles haben, um Teile zu bestellen.

    Wir sind hier 6 Stunden vor Deutschland, also ist es mittlerweile dort schon Mitternacht. Chris schickt aber trotzdem schon mal die Bestellungen los und sein Teiledealer antwortet auch noch, dass er sich Sonntag darum kümmert, da er schon im langen Wochenende ist. Den Feiertag hatten wir natürlich völlig vergessen und die 4 Tage extra sind schon ein Downer, aber hilft ja nichts. In Norwegen hatte Chris auch vorher schon angekündigt, dass die Bestellung etwas eiliger ist. Auch wenn die Zusage für eine schnelle Bearbeitung kam, ist bis Freitagabend keine Versandbestätigung bei uns eingegangen. Das liegt wohl überwiegend daran, dass sie Freitag noch eine Nachfrage gestellt haben, die wir erst beim Frühstücken beantwortet haben, was wohl am Freitag schon nach ihrer Feierabendzeit war. Die 6 Stunden Unterschied machen sich an einem Arbeitstag schon sehr stark bemerkbar. Dann eben alles ab Montag. Hoffentlich klappt es, alle Teile nächste Woche nach Kanada los zu schicken.

    Zum Abschluss des Tages gehen wir wieder mal einkaufen. Wir sehen eine 12er Palette Bier für nur 10C$, da müssen wir zuschlagen, sehen aber erst nach der Kasse, dass es alkoholfrei ist. Deswegen wohl auch so günstig, schmecken tut es auf jeden Fall trotzdem.

  • Woche 8 | Von New Brunswick nach Quebec

    Woche 8 | Von New Brunswick nach Quebec

    Aus Gründen, die ihr durch diesen Blogbeitrag erfahren werdet, hatten wir Zeit, den Blogbeitrag am Stück zu schreiben. Deswegen gibt es diesmal nur einen vielleicht etwas langen Teil.

    Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und wir sammeln noch einen Geocache ein, der direkt neben unserem Stellplatz versteckt war. Auf dem Weg zum ersten Ersatzteileshop kaufen wir noch ein Kfz-Laptop Ladegerät, damit wir euch auch weiter mit Blogbeiträgen versorgen können. Aus Gründen lädt nur Chris Laptop, Brettis ist das wohl zu wenig Power. Wir halten noch an einem überdimensionalen Hummer und düsen dann zum ersten Bootszubehörladen.

    Hummer sind den Leuten hier schon sehr wichtig

    Der Laden schreibt auf seiner Webseite, dass er der größte Volvo Bootsmotoren Supplier in Kanada ist. Nach einigen weiteren Versuchen können wir sagen, dass sagen sie alle.

    Der Service-Mitarbeiter ist motiviert, kann uns aber leider am Ende nicht helfen. Kurz bevor wir weiter fahren, tauchen seine Kollegen auf, mit denen wir eine Weile sprechen. Die geben uns die Adresse von ihrem Volvo-Spezialisten, die können uns sicher helfen. Wir fahren die 40 km zurück nach Moncton. Wir sind erst am falschen Standort, aber der richtige ist nicht weit weg. Hier wird sich wieder sehr bemüht, aber am Ende gibt es keine Teile für uns. Sie verweisen auf einen Händler in Britisch Columbia, dem schreiben wir auch erstmal eine Mail. Wir schreiben zwischendurch verschiedene Shops in den USA, Kanada und Europa an und während wir auf Rückmeldungen warten, geht es zum Kellys Beach im Kouchibouguac-Nationalpark.

    Sandstrand wie zuhause

    Kellys Beach bildet eine Lagune, wo man allerlei Vögel beobachten kann. Wir glauben einen Fischadler gesehen zu haben, von dem kleinen lassen sich die anderen Vögel nicht aus der Ruhe bringen. Kurz darauf taucht ein Weißkopfseeadler auf, woraufhin alle Vögel das Weite suchen. Wir können einige Male beobachten, wie der Adler versucht in der Lagune Fische zu fangen. Der Wind bläst ziemlich stark und der Adler fliegt irgendwann ohne Fisch weiter.

    Nach dieser Vogelshow wandern wir eine Weile barfuß am endlosen Sandstrand entlang. Man bekommt fast Ostsee-Vibes.

    Bretti am Vögel beobachten
    War windig
    Ganz viel Strand

    Nach diesem kurzen, aber sehr schönen Abstecher in den Park, machen wir uns auf zum Übernachtungsplatz. Für Morgen ist ein Ruhetag geplant.

    Durch den ganzen Regen ist das Auto verdächtig sauber, gut dass es hier auf dem Weg wieder tiefe Pfützen gibt.

    Pausetag

    Unser Pausetag startet sehr gut, wir schlafen sehr lange und wir bekommen die Gebühr, die wir in Halifax noch zahlen mussten, von unserer Agentur zurück überwiesen. Damit haben wir wirklich nicht mehr gerechnet, immerhin 70€. Heute sollen es 26°C werden, dazu gibt es aber auch Böen mit bis zu 70 km/h, wilde Kombination.

    Nach dem Frühstück werden erstmal die Autoteile aus den USA bestellt, das scheint uns die schnellste Lösung zu sein. Wir bestellen auch noch ein paar andere Sachen, wenn man schon mal die Möglichkeit hat. Jetzt heißt es eine Werkstatt finden, die den Einbau für uns macht. Nach der Erfahrung in Moncton sind wir optimistisch, nur wann die dann auch Zeit haben wird spannend. Wir suchen schon mal ein paar potenzielle Werkstätten raus, warten aber mit der Kontaktaufnahme bis wir ein Lieferdatum für die Teile haben.

    Nach dem entspannten Start in den Tag macht sich Chris an das Abschmieren des Autos und kontrolliert noch einige Stecker und Schläuche. Bretti repariert die Klappe unseres Eisfaches, die Scharniere sind zwar aus Metall, aber nur in Plastik verschraubt. Das sollte nun länger halten. Es wäre kein Ruhetag, wenn nicht auch gebacken werden würde, es gibt mal wieder Apple Crumble.

    Während wir das Wasser zum Duschen aufwärmen, gehen wir “baden”. Auch hier ist das Wasser noch sehr kalt, aber man hält es solange aus, dass man schonmal etwas eingeweicht ist. Frisch geputzt machen wir noch einen langen Strandspaziergang und lassen den Tag ausklingen. Vor lauter Entspannung haben wir nicht mal Bilder vom Platz gemacht.

    Bild vom Strand

    Anstrengender Fahrtag

    Bevor es weiter geht, will Chris noch die Lenkungsanschläge einstellen, denn durch das Spureinstellen stoßen die Räder beim vollen Einschlag jetzt gegen den Rahmen. Einer der Einstellbolzen reißt direkt ab, wurde vermutlich in 48 Jahren noch nie bewegt. Wir organisieren im nächsten Baumarkt einen Ersatz. In Deutschland hätte man dafür zum Spezialisten gemusst, aber hier gibt es metrische und Zoll-Schrauben im Baumarkt. Irgendwann müssen wir den alten Bolzen noch ausbohren, aber die eine Seite konnten wir immerhin schon mal besser einstellen.

    Während eines Tankstopps werden wir von einem Einheimischen zum Grillen eingeladen, er selber kann aber nichts essen, da er am nächsten Tag eine Darmspiegelung oder sowas hat. Das käme uns dann aber komisch vor, wir lehnen deswegen lieber mal ab, wir wollen ja eh noch einkaufen und dann weiter.

    Wir dachten, dass wir uns schon an die schlechten Straßen in Kanada gewöhnt haben, aber heute ist es besonders schlimm. Diese Schlagabgründe machen das Autofahren sehr anstrengend. In Kombination mit viel Regen und aggressiven Autofahrern sind wir froh als wir abends an unserem Platz ankommen. Mit Einkaufen sind wir gar nicht so weit gekommen, aber es reicht uns beiden für heute.

    Dafür bekommen wir schon die Versandbestätigung für die Autoteile und kontaktieren die ersten Werkstätten über deren Kontaktformular. Wir bezweifeln ehrlich gesagt, dass sie darauf reagieren, aber anrufen können wir dann immer noch und so haben sie schonmal alle Daten schriftlich.

    Immerhin diesmal ein Bild gemacht, leider weniger entspannt

    Ein besserer Tag

    Der Tag startet mit guter Laune, Sonne und wie immer einem ausgiebigen Frühstück. Unser erstes Ziel ist eine Quelle, um wieder Wasser aufzufüllen. Die Quelle ist nur 30 Minuten entfernt und wir sind jetzt in Quebec. Neue Provinz und neue Zeitzone, 6 Stunden vor Deutschland.

    Die Quelle liegt an einer Sackgasse neben einem Fluss. Die Hauptstraße ist zwar nah aber kaum zu hören. Wären wir gestern mal noch hier her gefahren, richtig schön. So näher wir der Quelle kommen desto mehr gleicht die Straße dem Fluss. Die Ursache zeigt sich dann auch an der Quelle. Diese ist ein größerer Bach und flutet alles, immerhin genug Wasserdruck. Mit hochgekrempelten Hosenbeinen und Badelatschen macht sich Chris ans Auffüllen unseres Kanisters.

    Die Quelle flutet die Straße
    Die Quelle läuft eigentlich durch das Plastikrohr in den Brunnen. naja

    Nach dem Wasserstopp halten wir noch an einer überdachten Brücke. Das sind hier Sehenswürdigkeiten, die extra ausgeschildert sind. Ganz nett, zehn weitere müssen wir uns davon aber dann doch nicht anschauen

    Überdachte Brücke, davon gibt es hier einige.

    Während wir weiter fahren läuft ein mittelgroßes pelziges Tier über die Straße. Ein Mink vielleicht? Ein Biber war das nicht, die sind auch nachtaktiv. Davon gäbe es hier aber einige. Direkt neben den Straßen sieht man immer wieder Dämme und auch Biberburgen. Hoffentlich stehen wir irgendwann nochmal in der Nähe von einem, sodass wir in der Dämmerung Biber beobachten können.

    Unser Weg führt uns bei bestem Wetter durch das hügelige Hinterland an Feldern und Farmen vorbei. Man bemerkt, dass die Schneeschmelze hier schon ihren Zenit erreicht hat. Alle Flüsse und Seen treten über die Ufer.

    Unser Ziel ist die Historic Site Phare de Pointe-au-Père, diese ist natürlich auch noch geschlossen, aber sie liegt schön am St. Lorenz Strom und man kann sich ein U-Boot anschauen.

    U-Boot, natürlich auch geschlossen

    Nachdem wir etwas rumgelaufen sind, machen wir eine Kuchenpause. Eigentlich wollten wir noch 100km weiter fahren und morgen in den Le Bic National Park. Das ist aber kein Nationalpark von “Parcs Kanada” sondern von Quebec und ist deshalb nicht in unserem Eintrittspass enthalten. 20C$ Eintritt sehen wir gerade aus Prinzip nicht ein und entscheiden heute beim U-Boot zu bleiben. Hier kann man direkt am Meer stehen und vielleicht sogar Wale beobachten.

    Auch wenn alles geschlossen ist kommt Bretti hoch hinaus

    Aufgehalten von Rolande

    Wir haben einen entspannten Morgen und beobachten Leute die vielleicht Wale(?) beobachten. So ganz schlau ist Bretti aus deren Erklärung nicht geworden, ins Quebec Französisch muss sie sich erstmal reinhören.

    Wir rufen die ersten Werkstätten an, aber die sind eher abweisend oder haben keine Zeit in den nächsten Monaten. Das finden wir wenig glaubwürdig aber gut, was soll man machen. Kurz bevor wir losfahren wollen, hält ein kanadisches Militärfahrzeug neben uns. Der Fahrer ist ein älterer Herr names Rolande. Wir sprechen viel über die Autos und er erzählt ein bisschen von seiner Zeit in der Marine. Am Ende schenkt er uns eine Dose Sprühfarbe. 😅Kann man immer mal brauchen.

    Das Gespräch zieht sich ziemlich lange und wir entscheiden, heute nur eine kurze Strecke zu fahren. 100km später stehen wir an einem alten Anleger und beobachten Vögel.

    Blick bei Ebbe

    Ein kurzes Fahrvergnügen

    Wir haben gestern nicht mehr viel gemacht und auch der Tag startet eher faul. Während des Frühstücks können wir noch einiges an Vögeln beobachten.

    Dem Reiher fehlt noch sein Frühstück

    Als wir dann doch mal los fahren, folgen wir der Schotterstraße zurück zur Hauptstraße. Chris fährt, doch als er den ersten Gang einlegen will, um auf die Hauptstraße einzubiegen, gibt es ein “lautes Geräusch” und das Auto bewegt sich nicht mehr vorwärts. Wir rollen den Weg etwas zurück und kommen so 100m vor der Hauptstraße auf einem geraden Stück zum stehen. Die Handbremse geht noch, entsprechend ist es diesmal nicht die Kardanwelle. Wir schauen unters Auto, nichts zu sehen. Der Motor läuft soweit normal und auch alle Gänge lassen sich einlegen. Nur beim Anfahren bewegt sich das Auto nicht.

    Das scheint unsere erste richtige Panne zu werden und wir schauen online nach Werkstätten und Abschleppdiensten. Die nächste Stadt ist zum Glück nicht weit entfernt und dort gibt es beides. Wir rufen den ersten Abschlepper an, aber die können uns scheinbar nicht abschleppen, sagen sie. Die zweite Firma sagt zu und wir warten auf den Abschlepper. In der Wartezeit überlegen wir, zu welcher Werkstatt man uns schleppen soll, die sind aber alle samstags geschlossen. In den Provinzen um Quebec herum hätten Werkstätten auch samstags auf, ist mal wieder sehr passend.

    Wir kommen zu dem Schluss, dass es nicht wirklich sinnvoll ist, uns heute abschleppen zu lassen. Wir stehen hier soweit ganz gut und es ist ja viel sinnvoller, erst die Werkstätten anzurufen. Der Abschlepper kommt nun aber gerade, praktischerweise kann auch dieser uns nicht mitnehmen, wir sind zu hoch. Ein Kollege von ihm würde aber gleich kommen. Wir teilen ihm mit, dass wir bis Montag warten würden und er ruft den Kollegen zurück. Ob das Montag mit dem Abschleppen dann wirklich klappt, da sind wir mal gespannt.

    Wir bleiben also die 1 1/2 Tage erstmal wo wir sind, am Rand einer Gravelroad 2h vor Quebec City. Für unsere Verhältnisse stehen wir einigermaßen gerade und die Hauptstraße ist auch nicht zu laut.

    Während Bretti einen Brownie backt, recherchiert Chris schon mal Kupplungsersatzteile. Da der Motor normal läuft und das Getriebe soweit funktioniert, scheint uns die Kupplung die naheliegendste Ursache zu sein. Die Verschleißteile(hoffentlich ist nichts anderes kaputt) gibt es wieder in den USA, der selbe Shop, wo wir auch schon die anderen Teile bestellt haben. Inklusive Versand und Zoll sind sie sogar noch billiger als bei uns. Ein bisschen ärgerlich ist es schon, dass die Teile, die nun kaputt gehen, alle bei uns zuhause liegen, aber wer rechnet auch schon mit einer kaputten Kupplung. Für die Kurbelwellen-Thematik müsste die Kupplung eh ab, wir hoffen beides zusammen erledigen zu können. Allerdings erstmal abwarten, was die Werkstatt sagt.

    Bis der Brownie fertig ist, zerlegt Chris die Beifahrertür, um an die Nummer des Türschlosses zu kommen. Mit dieser Nummer sollte man das Schloss für die Fahrertür einfach nachbestellen können. Natürlich wird erstmal zu viel auseinander gebaut, aber jetzt wissen wir immerhin wie das alles funktioniert. Es ist auch gar nicht so überraschend, dass wir das Schloss verloren haben. Dieses ist innen nur an einer Schraube befestigt, die hat sich vermutlich in den Jahren einfach lose gedreht. Diese Schraube zu prüfen, kommt auf unsere Wartungs-TODO-Liste.

    Nach der kleinen Schraubersession haben wir noch einen entspannten Abend. Im Sonnenuntergang ziehen noch ungelogen tausende Schneegänse über uns hinweg. Die Vögel kommen gerade aus ihren Winterquartieren in den USA zurück in den Norden. Wir haben noch nie so viele Vögel auf einmal gesehen.

    Unser Platz für die nächsten 1 1/2 Tage, sogar mit Meerblick

    Unfreiwilliger Pausetag

    Die Werkstätten machen erst Morgen auf, also haben wir heute einen Pausetag.🥳Wir wollten gestern eigentlich einkaufen, deswegen sind wir nicht optimal ausgerüstet, aber hungern müssen wir nicht. Auch wenn nicht Donnerstag ist, ist heute dann eben wieder ein Pfannkuchentag. Das dauert zwar, aber so richtig was vor haben wir ja eh nicht.

    Bretti macht eine Mischung aus Schoko-, Apfel- und herzhaften Pfannkuchen. Mit Bacon, Spiegelei, (nicht ganz so) dunkler Schokocreme und Ahornsirup eskaliert das Frühstück minimal. Wir essen beide etwas zu viel, so dass unser Spaziergang etwas nach hinten geschoben wird. Wir nutzen das Foodkoma und suchen Werkstätten raus und priorisieren diese durch. Die Hauptkriterien sind: alten Autos nicht abgeneigt, Halle hoch genug für unser Auto und wie immer Lage, Lage, Lage. Im besten Fall in der Stadt und nicht direkt am Highway. Wir werden berichten.

    Nachdem wir uns einigermaßen vom Frühstück erholt haben, machen wir uns auf den Weg an die Küste. Es gibt hier Robben (in der Ferne) zu sehen, Reiher, Schneegänse, Eichhörnchen und einige andere Vögel, die Bretti dank Merlin Bird ID App identifizieren kann. Es entfacht nahezu eine Sammelleidenschaft. Wir haben auf jeden Fall eine schöne Zeit. Am Ende kommen 8km zusammen. Da Chris seine Kamera mitgenommen hat, gibt es ganz viele süße Eichhörnchen Bilder.

    Temperatur technisch wurde es nach diesem Foto wieder kälter
    Eichhörnchen auf Futtersuche
    Eichhörnchen am Futtern

    Für diese Woche wars das jetzt auch. Es ist Sonntag und wird langsam Abend. In Deutschland ist es schon kurz vor Mitternacht entsprechend schlaft schön. Wir berichten nächste Woche wie es mit unserem Volvo weitergegangen ist.

  • Woche 7 | Teil 2 | Dem Wal wird ein Hut angenäht

    Woche 7 | Teil 2 | Dem Wal wird ein Hut angenäht

    Fahrtag

    Der Tag startet philosophisch. Wir haben bisher nur zweilagiges Klopapier gefunden und in öffentlichen WCs gibt es nur einlagiges. Unserer Meinung nach sollte es ja mindestens dreilagig sein. Die letzten beiden Rollen Klopapier aus Deutschland werden auch für schlechte Zeiten aufgehoben. Am Ende wird der Kapitalismus an sich in Frage gestellt, was bringen dir die Millionen wenn du dir am Ende den Popo mit zweilagigem Klopapier abwischt. #FirstWorldProblems

    Die zweite Frage des Morgens ist, wie haben unsere Vorfahren das eigentlich gemacht. Als die in der Steinzeit, nicht die Römer mit ihrem geteiltem Xylospongium. Die Menschen damals waren ja auch noch viel mehr in Bewegung und ein unsauberer Popo stört da vermutlich. Wir sind bei drei Theorien rausgekommen:

    1. Durch die überwiegend pflanzliche Ernährung war der Stuhl viel fester und es gab kaum was zu wischen.
    2. Es war ein Problem, aber der Mensch hat sich trotzdem durchgesetzt.
    3. Es wurden Naturmaterialen benutzt, also Blätter, Wasser etc. Das wird sich ohne Zeitmaschine wohl nie klären, aber man kann ja mal drüber philosophieren.

    Nach diesem entspannten Start fahren wir los und wechseln uns dabei ab. Die Fahrt verläuft unauffällig, wir sehen eine Horde Rehe am Straßenrand und sind auf gewohnt kaputten Straßen auf dem Weg nach New Brunswick unterwegs, unserer dritten Provinz in Kanada. Wir haben uns einen See mit mehreren Stellplatz-Möglichkeiten ausgesucht und zum ersten mal steht ein anderer Camper am Platz. Wir fahren zum nächsten Stellplatz auf der anderen Seite. Kurz bevor wir halten fliegt eine Hummel durchs offene Fenster, man merkt es wird Frühling. Leider verirrt diese sich in Brettis Hosenbein und sticht zu. Bretti ist immerhin gerade nicht am Fahren, aber absolut unnötig für alle beteiligten. Die Hummel schafft es immerhin wieder aus dem Hosenbein raus und wird von Bretti aus dem Auto geleitet. Wir hoffen sie übersteht diesen Schock. Bretti kühlt erstmal den Stich, der wird schon abheilen.

    Wir haben soweit einen entspannten Abend, leider geht unser Inverter noch kaputt. Ein Inverter ist ein Gerät, welcher die Energie der Autobatterie so umwandelt, dass sie wie eine Steckdose zuhause funktioniert. Viel läuft heutzutage über USB, aber für unser Küchenrührgerät brauchen wir die 230V aus der Steckdose. Auch die Laptops haben wir bisher darüber geladen. Der Inverter war schon etwas älter, aber hat eigentlich nichts auszustehen. In Nordamerika haben sie andere Steckdosen, mit einer anderen Spannung als in Europa, hoffentlich finden wir einen guten Ersatz.

    Sicht auf den See

    Der Platz am See sieht ruhig und entspannt aus, aber in der Nähe scheint es Schienen zu geben. Regelmäßig fährt ein Zug, der auch fleißig hupt. Bis 7:00 Uhr morgens ist es aber ruhig und wir schlafen entspannt.

    Ölwechsel

    Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass wir ein Fenster offen stehen gelassen haben. Abends hatten wir wieder muckelige 30°C im Auto, soll ja keiner frieren. Auch mit offenem Fenster ist es morgens angenehm mit ca. 15°C im Auto, kaum vorstellbar, dass wir vor kurzem noch im Schnee waren.

    Es ist für den ganzen Tag Regen angesagt, was aber nicht weiter stört. Wir wollen heute in Moncton schauen, ob jemand unsere alte Kardanwelle repariert und eine Werkstatt für einen Ölwechsel suchen. Zuerst geht es zum Kardanwellen-Spezialisten, Reparatur wird mindestens 500C$ kosten, dann ist die wie neu. Die neue hat aber nicht mal 500C$ gekostet und wir wissen mittlerweile, dass sie nicht als Ersatz für die anderen Beiden passt. Wir entscheiden uns gegen die Reparatur und setzen drauf im Zweifelsfall wieder schnell Ersatz zu bekommen.

    Gegenüber ist direkt eine Oldtimer Werkstatt, diese hat leider keine Zeit für uns. Auch die abtelefonierten Kollegen sind bis Juni ausgebucht. Wie immer hier in Kanada ist der Mitarbeiter übertrieben hilfsbereit und gibt uns noch zwei Adressen mit, wo wir es probieren können. Bei der ersten kommen direkt Leute raus, um sich das Auto anzuschauen. Da wissen wir noch nicht, dass das die Mechaniker der Werkstatt in ihrer Mittagspause sind. Der Chef meint erst, er habe keine Zeit, aber einer der Mechaniker meint, ein Kunde habe abgesagt und somit können wir direkt zur Halle fahren.

    Wir werfen unsere Öl-Vorräte und die der Werkstatt zusammen, um auf die nötige Menge von 5,5l zu kommen. Den Ölfilter haben wir dabei und zusätzlich soll noch die Ölwanne eine neue Dichtung bekommen. Wir haben schon seit einigen Kilometern zu niedrigen Öldruck, was auf ein Problem im Motor hindeutet. Dafür muss aber das Motoröl raus und entsprechend sind wir etwas besorgt, was sich nun zeigen wird.

    So eine Hebebühne brauche ich auch zuhause

    Entsprechend der Erwartung sind wir wenig überrascht, dass sich Metallspäne in der Ölwanne befinden. Das scheinen Teile der Kurbelwellen-Pleuellager zu sein, zumindest meint das der Mechaniker. Man sieht auch leichte Abriebspuren an zwei Lagern, die wir uns anschauen. Auch wenn es schon Abrieb gibt, sieht alles sonst noch ganz gut aus, muss man zeitnah angehen, aber der Motor geht nicht sofort kaputt, wenn man noch etwas fährt. Das sehen vermutlich andere Leute anders, aber wir verlassen uns erstmal auf die Mechaniker hier.

    Auch wenn die Späne nicht gerade super sind, haben wir eine gute Zeit in der Werkstatt und unterhalten uns mit verschiedenen Mechanikern über alles mögliche. Wenn die Mitarbeiter unter sich sprechen, wechseln sie fließend zwischen Englisch und Französisch. Das nennt sich Franglais, darüber hat Bretti im Studium auch mal eine Hausarbeit geschrieben(vor 12 Jahren) und freut sich sehr, das nun zu hören. Einer von den Mechanikern beschreibt es wie folgt: “Wir suchen uns aus beiden Sprachen das einfachste und mischen dann alles”. Sie meinen auch, dass sie die Reparatur machen würden, man bräuchte bloß erstmal die Teile. Der Chef meint dann noch, sie hätten erst ab dem 25. Mai wieder Zeit. Das ist doch etwas lang bzw. wir müssen eh erstmal schauen wie es weiter geht. Sie schreiben uns noch auf, welche Teile wir benötigen. Das ist für mich wichtig, damit ich die genauen englischen Begriffe habe, nach denen ich suchen muss. Als wir wieder losfahren, kommen wieder alle raus und schauen. Wir waren hier das Highlight seit sicher einem Jahr meinten sie, spannender als der Audi R8. Wir sind jetzt wieder 300€ ärmer, eine Arbeitsstunde kostet ca. 130€ und fahren durch den Berufsverkehr Richtung des heutigen Stellplatzes.

    Apfelkuchen wie Zuhause

    Unser nächstes Ziel ist eine deutsche Bäckerei. Hier nehmen wir eine Brezel, Käsekuchen und ein Stück Apfelkuchen mit. Es gab auch sehr viel Brot, aber Graubrot oder Schwarzbrot gibt es auch hier nicht. Das Thema mit dem Motor lässt uns nicht los, also beschließen wir im selben Ort zu bleiben und an die Bay of Fundy zu fahren. Hier gibt es erstmal den Kuchen und die Brezel, wir hatten bisher nur gefrühstückt. Der Käsekuchen ist ok, der Apfelkuchen dafür ein Traum und wie ein Stückchen Heimat. Wer hätte das bei Apfelkuchen gedacht. Wir beschließen morgen direkt wieder dort vorbei zu fahren.

    Da jetzt erstmal Wochenende ist, haben wir genug Zeit unsere Möglichkeiten durchzugehen. Vor Montag packt uns eh keiner ein Paket zusammen. Grundsätzlich müssen wir erstmal schauen wo wir die nötigen Teile herbekommen und wie lange das Liefern dauert. In Deutschland können wir die auf jeden Fall bestellen, Lieferung dauert dafür lange und ist teuer. Es gibt in den USA einige Volvoshops, das hatte ich vorher schon recherchiert, mal sehen ob die alle Teile haben. Es gibt in Kanada auch Bootsmotoren, die auf dem gleichen Motortyp aufgebaut sind, wir checken also auch Bootzubehörshops.

    Mir ist beim Schreiben etwas schleierhaft wie ich die Ruhe dazu hatte, aber ich nutze den Abend noch, um ein Loch in meinen Handschuhen zu nähen und einem unserer “Haustiere” einen Hut zu verpassen.

    Den Hut haben wir beim Müllsammeln gefunden. Sieht super aus.

    Außerdem wird noch der neue LED-Blinker hinten links eingebaut. Bretti versorgt euch derweil mit einem neuen Instagram-Post. Da der April nun durch ist, ist es Zeit für unsere monatliche Kostenabrechnung. Bretti trägt noch alle offenen Beträge ein, Ergebnis: 1400€ über unserem angedachten Budget. Das ist leider wenig überraschend dank der Fährfahrten nach Newfoundland, dem Jahrespass für die Nationalparks und der neuen Kardanwelle. Wir beantragen wohl eine Budget-Erhöhung. 😀 Danach machen wir noch einen kleinen Spaziergang, bei mir wie so oft Migräneprävention.

    Blick auf Hillsborough
    Die alten Silos sind eins der Highlights des Ortes

    Fundy Nationalpark

    Heute wird es sonnig und wir frühstücken bei offenem Fenster. Außerdem erwischen wir die erste Mücke. Gut, dass wir vor fast alle Fenster auch Mückennetze machen können.

    Frühstück bei offenem Fenster

    Nach dem Frühstück fahren wir nochmal zur deutschen Bäckerei, in der Hoffnung noch ein Stück von dem leckeren Apfelkuchen und zwei Brezeln als Proviant für unsere heutigen Wanderungen abzustauben. Leider ist der Apfelkuchen aus, Laugenbrezeln bekommen wir aber. Vor dem Laden werden wir von Kanadiern angesprochen. Sie hätten unser Auto nun schon häufiger bei Facebook gesehen. Das artet ja schon zu einer kleinen Berühmtheit aus… Wir witzeln, dass es bald mehr Fotos von unserem Auto auf Facebook gibt als unsere eigenen, die wir so machen. Ein bisschen gestalkt fühlen wir uns allerdings auch. 😀

    Dann geht es zu unserem ersten Wanderstopp, Hopewell Rocks. Dort sind wir kurz erschlagen, von dem riesigen Parkplatz und der Infrastruktur für Besucher*innen. Im Sommer scheint hier richtig viel los zu sein. Es gibt dann sogar ein kleines Shuttle zum Aussichtspunkt. Zum Glück ist der Park jetzt noch “geschlossen” und der Andrang hält sich in Grenzen. Ein ehemaliger Parkmitarbeiter, der uns auf dem kleineren Parkplatz vor dem Park anspricht, versichert uns, dass wir auf jeden Fall reingehen können. So ganz die Logik, wann die Saison hier beginnt und warum Teile der Parkplätze geschlossen sind und andere nicht, verstehen wir immer noch nicht, zumal das Wetter nun echt gut ist.

    Felsformationen Hopewell Rocks

    Wir sehen hier schicke Felsformationen und mit dem Fernglas erspäht Bretti sogar Delfine. Die Freude darüber teilt sie auch gleich mit anderen Touris, die hinter uns stehen und sich als Deutsche heraustellen, aus Hamburg und Hildesheim. Die ersten deutschen Touris, die wir treffen. Unsere Gefühle schwanken zwischen “Och nö, jetzt geht die Touri-Saison los” und “Na gut, wir sind ja selber Touris”. Außerdem heißt das auch, dass mehr geöffnet sein wird.

    Im Dickson Brook gibt es sehr seltene Farne, die unter Wasser wachsen.
    Suchspiel: Wer findet Chris?

    Als nächstes fahren wir zum Dickson Brook. Uns erwartet eine kurze, aber sehr schöne Wanderung mit einem wunderschönen Flusslauf und Wasserfall und guten Erklärungen, 10 von 10. Der Straße vom Dickson Brook folgend sollte es eigentlich zum nächsten Startpunkt fahren, jedoch ist die Straße in der Off-Season gesperrt. Anstatt also dort zu parken, wo wir unsere Runde drehen wollten, laufen wir von einer anderen Stelle den Coastal Trail dorthin und wieder zurück. Der Trail verspricht mehr Küste als er bietet. Die meiste Zeit laufen wir durch einen schönen ziemlich steilen Wald, der uns am Ende dann zu einer Wiese mit Ausblick aufs Meer führt. Hier genießen wir unsere Laugenbrezeln bevor wir uns auf den Rückweg machen begleitet vom Keckern der Eichhörnchen. So eine Wanderung ohne durch tiefen Schnee zu stapfen ist auch mal ganz schön.

    Wander-Bretti in the woods
    Brezelpause mit Blick auf die Bay of Fundy

    Gegen 18 Uhr kommen wir wieder beim Auto an und fahren zu unserem Platz für die Nacht neben einer Wiese an der Bucht (eine Salzwiese?). Da mich die schräg abgefahrenen Reifen nicht in Ruhe lassen, versuche ich noch die Spur besser einzustellen, während Bretti schon mal anfängt zu kochen. Mit etwas Liebe und Öl wird der Mechanismus beweglich und wir stellen die Räder etwas weiter nach außen (weniger Vorspur). Die Annahme ist, dass die Reifen seitlich abgefahren werden, weil sie quasi nach innen gestellt sind, was wir nun hoffentlich zurückgestellt haben. Wir beobachten das weiter. Das Online Volvo-Forum hatte auch noch kaputte Radlager als Ursache angemerkt, diese scheinen aber in Ordnung zu sein (# Wackeltest). Wir beenden den Abend noch mit einem kleinen Spaziergang zum Strand.

    Flussdurchfahrten sind in New Brunswick wohl verboten, deshalb parken wir davor. Die Spuren sind nicht von uns. Wirklich. Gereizt hätte es uns aber schon ein bisschen.
    Regenpause nutzen bei Ebbe und ein bisschen Sonnenuntergang.

    Schwedisches Elch-TV in Kanada

    Das Geräusch der Regentropfen auf dem Dach verbreitet am nächsten Morgen Gemütlichkeit. Wir sind mittags zu einem Videocall mit Lutz verabredet, der uns im September besuchen will und haben nach dem Frühstück noch Zeit zu entspannen. Ich bin in meinem Newsfeed auf einen schwedischen Elch-Livestream gestoßen und den schauen wir uns eine Weile an. Elche sehen wir nicht, dafür ein paar Caribous, deren Fell im Gegensatz zu denen, die wir auf Neufundland gesehen haben schon recht braun ist.

    Nach dem Call machen wir uns auf den Weg zu einer natürlichen Quelle, um Wasser aufzufüllen. Der Wasserdruck ist sehr gering und es dauert recht lange. Das Wasser ist auch nicht 100% frei von pflanzlichen Partikeln, aber dafür haben wir ja unsere Filter. Besser als gechlortes Wasser schmeckt es allemal. Ein Vogel gibt uns mit seinem Pfeifen Tribute von Panem Vibes. Was für ein Vogel das wohl war?

    Der Platz sieht irgendwie auch schön urig aus, insbesondere mit dem leichten Regen dazu.

    Dann geht es weiter durch den Regen und Wind. Ziel ist ein Platz an der Labrador Bay in 100 km Entfernung nicht weit von Shediac entfernt, denn morgen wollen wir dort unser Glück bei ein paar Teilehändlern versuchen.

    An einem Hafen an der Labrador Bay. Das Foto ist schon vom nächsten Morgen. Am Abend davor war es super windig und hat richtig viel geregnet.
  • Woche 7 | Teil 1: Von Newfoundland in den Frühling

    Woche 7 | Teil 1: Von Newfoundland in den Frühling

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    Wasche wasche

    Wir starten sonnig in den Tag bei ganzen 4 °C, im Auto sind es zum Glück 17°C. Heute wollen wir waschen und Meter machen, also geht es direkt zum Waschsalon, der nur ein paar 100 m entfernt ist. Wir können direkt davor parken und alles läuft super. Bretti haut 3 Waschmaschinen durch und trocken bekommen wir auch alles, 45 Minuten Trockner werden uns davon auch noch von einer anderen Kundin geschenkt, die noch Restzeit übrig hatte. Das Personal ist hilfsbereit und für 15C$ kann man echt nicht meckern. In der Zwischenzeit tüdel ich am Auto rum, lüfte Staukisten und räume Dinge um. Man wundert sich ja, wie viel Platz entsteht wenn man richtig aufräumt. Wir werden beide natürlich auch aufs Auto angesprochen. Manche Klamotten kommen nicht in den Trockner und wir hängen sie im Auto auf. 7°C und Sonne fühlen sich schon richtig warm an, im Windschatten und mit langen Klamotten.

    Eine der Toploader-Waschmaschinen mit horizontaler Trommel

    Nach diesem erfolgreichen Start geht es auf Richtung Fährhafen Port aux Basques, wo wir auch vor 3 Wochen angekommen sind. Die Fahrt verläuft unspektakulär und wir wechseln uns beim Fahren ab. Wir hören momentan fleißig den Podcast Weird animals, klare Empfehlung. Im Ort angekommen holen wir noch Pizza ab, die ich online vorbestellt habe. Irgendwie habe ich mich mit der Größe vertan, zu der 12 Zoll Pizza (ca. 30 cm) kommen 21 Zoll Garlic Fingers, also ein großes Backblech ca. Kann ja mal passieren.😅 Wir wollen davon auch morgen auf der Fähre was essen, von daher passt das schon.

    30 cm sehen schon recht klein aus im Vergleich

    Durch das ganze Fahren haben wir viel warmes Wasser, welches wir direkt zum Duschen nutzen. Diesmal klappt alles wunderbar und wir müssen das Wasser nicht durch die Tür ablaufen lassen.

    Wieder eine Fährfahrt

    Dafür, dass wir mitten im Ort stehen haben wir ganz gut geschlafen. Wir frühstücken etwas Pizza und machen uns auf zum Hafen. Beim Check-in gibt es diesmal keinen “Security check”, dafür müssen wir unsere Möhren abgeben. Irgendwas ist hier im Boden, was nicht verbreitet werden soll, deshalb dürfen Möhren oder Kartoffeln die Insel nicht verlassen. Wir vermuten ja, die Securityfrau wollte sich einfach den Einkauf sparen.

    Wir treffen diesmal keine spannenden Leute an der Fähre und entsprechend vergehen das Warten vorher und die Fahrt selbst ereignislos. Es wird gelesen, Podcast gehört und aufs endlose Wasser geschaut. Es ist zwar mehr los als auf dem Hinweg, aber der Großteil des Schiffes ist trotzdem noch leer und die See ist diesmal deutlich ruhiger.

    Auf dem Fahrzeugdeck
    Vielleicht war uns etwas langweilig zwischendurch

    Da wir die Probleme mit dem nicht anspringenden Auto scheinbar gelöst haben, ist auch die Ankunft entspannt und wir fahren zum bekannten Platz in Florence. Hier liegt gar kein Schnee mehr und wir nutzen die untergehende Sonne für einen Besuch am Strand, das hatten wir beim letzten Mal nicht geschaft.

    Strand, aber immer noch kalt

    Mehr Strand

    Das Wetter soll heute wunderbar werden und deswegen wollen wir wenig im Auto sitzen und suchen uns einen schönen Stellplatz an einem nahen See. Der Bras d’Or Lake ist riesig und nimmt den ganzen inneren Teil von Nord Nova Scotia ein. Eigentlich ist der See direkt mit dem Atlantik verbunden also nur eine Bucht? Naja wir werden da mal nicht kleinlich sein. Bevor wir losfahren sehen wir noch einen Baby Fuchs im Garten nebenan und kurz darauf schaut auch das Muttertier vorbei. Hier auf der Ecke hatten wir auch beim letzten Mal schon einen Fuchs gesehen. Damals noch im Schnee und viel größer.

    Unser erster Stellplatzversuch am Bras d’Or Lake ist direkt super. Einfahrt eng und steil, aber das ist für den Volvo kein Problem. Ein bisschen weiter stehen hier einige dieser riesigen nordamerikanischen Wohnwagen. Wie sie die die Einfahrt heil runterbekommen haben ist uns ein Rätsel. Ich stecke kurz die Füße ins Wasser, ist immer noch kalt. Danach packen wir unsere Campingbank aus und genießen ein Bier in der Sonne. Wir sind schon um 12:00 Uhr angekommen, also bleibt viel Zeit für Entspannung und Dinge tun.

    Ich checke ein paar Sachen am Auto. Unsere vorderen Räder fahren sich ungleichmäßig ab, das ist natürlich ungünstig. Mit etwas Recherche und einem super hilfreichen Forum sind schnell mehrere mögliche Ursachen identifiziert, die wir die Tage angehen werden. Bretti sammelt derweil Müll, davon gibt es hier mehr als genug. Es kommen auch immer mal sinnvolle Dinge dabei hervor, die wir bestimmt mal gebrauchen können. So gesellt sich ein solider Nagel zu einem Hering, einem Hardplastik-Rohr, einem länglichen anderen Stück Plastik (was auch schon genutzt worden ist) und einem Haken. Das kann man sicherlich mal brauchen.

    Während Bretti Feuerholz sammelt und klein macht, kommt ein Hase vorbei gehoppelt. Der bleibt erst 5 m vor uns stehen, verschwindet dann aber auch ganz schnell. Bevor wir uns gemütlich ans Feuer setzen, mache ich noch eine neue Dessert-Kreation. Waldfruchtcreme auf Schoko-Kaffee-Waffeln. Nicht verkehrt aber nächstes mal wird’s doch wieder Oreokaffeecreme. Das Feuer brennt entspannt runter und wir machen es uns im Volvo noch gemütlich. Wir freuen uns auf die Tage, wo man abends lange am Feuer sitzt und die Sterne beobachtet.

    Platz mit Seeblick
    Auch die Windmühle hat Bretti beim Müllsammeln gefunden
    Mit unserer Buschbox haben wir schon in einigen Ländern Feuer gemacht. Im Gegensatz zu einem großen Feuer braucht man viel weniger Holz
    Feuer mit Fuß
    Karte Woche 7 Teil 1

  • Woche 6 | Teil 2: Von Pannen und Wanderungen

    Woche 6 | Teil 2: Von Pannen und Wanderungen

    Unsere erste Panne

    Wir haben leider keine Robbe mehr gesehen, dafür war es eine ziemlich ruhige Nacht. Nur unser Siphon vom Waschbecken ist wieder eingefroren, entsprechend war es ziemlich kalt heute Nacht. Das sieht man auch auf der windzugewandten Seite des Volvos, alles ist überfroren.

    Die Tür muss etwas überzeugt werden aufzugehen.

    Die Fenster sind so dick überfroren, dass wir sie nicht freigekratzt bekommen. Zum Glück haben wir nicht mit der Frontscheibe zum Wind geparkt, wir fahren erstmal so los. Bei unserer Toiletten- und WLAN-Pause am Visitor Center des Parks lässt sich das Eis auch mit etwas Überredung entfernen. Mit klarer Sicht durch die Seitenscheibe geht es weiter Richtung Tablelands.

    Teilweise war das Eis ziemlich dick.

    An den Straßen des Parks gibt es immer wieder Schilder zu den “Unfallgutachter-Elchen”.

    Unfallgutachter-Elch “Warnschild”

    Passend dazu sehen wir erst einen Wohnwagen, der gerade einen Reifen wechselt und kurz danach einen Elch am Straßenrand. So wie es aussieht, hat der Elch sein Gutachten schon erstellt und verzieht sich schnell ins Unterholz. Wir scherzen noch etwas darüber, freuen uns, wenn auch kurz, einen Elch gesehen zu haben und fahren entspannt im zweiten Gang die Bergstraßen hoch. Die Entspannung verfliegt urplötzlich, da das Auto komische Geräusche macht. Ich halte an und merke direkt, dass die Handbremse nicht funktioniert. War die vielleicht heiß gelaufen? Im Gegensatz zu anderen Autos, sitzt die Handbremse nicht an den Reifen, sondern bremst direkt die Kardanwelle zu den hinteren beiden Achsen. Wir sind an einer ziemlich steilen Stelle, entsprechend muss ich auf der Bremse stehen bleiben und Bretti schaut unters Auto. Die Kardanwelle, an der auch die Handbremse sitzt, ist an einem der Gelenke gebrochen. Die Situation ist maximal stressig, aber wir bekommen das zu zweit schon hin.

    Bretti klettert erstmal aufs Dach und holt die Bremsklötze vom Dach. Die sind in Deutschland für Fahrzeuge über 3,5t vorgeschrieben und wir sind gerade sehr dankbar, dass wir die nicht zu Hause gelassen haben. Jetzt wo das Auto gegen Wegrollen gesichert ist, kann ich die Bremse loslassen und fange an, unterm Auto die Reste der Kardanwelle abzuschrauben. Bretti holt in der Zeit Warnwesten und stellt das Warndreieck auf. An der Reihenfolge der Handlungen arbeiten wir nochmal. Es ist so kalt, dass ich die Muttern mit dem Werkzeug zwar lose bekomme, aber sie nicht abschrauben kann, meine Finger sind zu kalt. Bretti kriecht zu mir unters Auto und übernimmt den Rest. Ein normales Auto müsste jetzt abgeschleppt werden, die Kardanwelle überträgt die Kraft vom Motor auf die Reifen und ohne kann man nicht fahren. Wir schalten die vordere Achse dazu und fahren nun im “Allradmodus” langsam zur nächsten Parkbucht. Bei all der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die wir bisher erlebt haben, sind wir sehr überrascht, dass niemand anhält und seine Hilfe anbietet. Beim Wohnwagen stand zum Beispiel schon ein weiteres Auto, sonst hätten wir angehalten und Hilfe angeboten.

    Was nun?

    Nachdem die potentielle Gefahrensituation vorbei ist, kommen wir etwas runter und schauen nach Werkstätten. Es gibt zum Glück einige in der nächsten Stadt, also machen wir uns mit 30 km/h auf den Weg. Es sind ca. 30 km nach Deerlake und während der Fahrt gehen wir mögliche Szenarien durch, wie es jetzt weitergehen könnte. Das bringt natürlich nichts, wir müssen erstmal schauen was die Werkstatt sagt, aber es hilft, positive Zukunftsszenarien zu erstellen, wenn die Zukunft sehr ungewiss ist. In Deerlake angekommen, scheinen wir direkt Glück mit der ersten Werkstatt zu haben. Ein Mitarbeiter nimmt die Welle mit und kommt kurz danach mit möglichen Szenarien wieder. Er kann das kaputte Gelenk ersetzen (ca. 50C$), da die Welle auch was abbekommen hat, sollte man diese aber überarbeiten lassen. Die Welle passt aber auch zu universal Kardanwellen, die sie verbauen. Das wäre natürlich teurer, aber wir hätten eine ganz neue Kardanwelle. Dass irgendwas am Volvo ein Standardteil ist, freut uns sehr, ungewöhnlich an dem alten Schweden. Wir entscheiden uns für beides. Neue Welle einbauen und alte soweit herrichten, dass sie im Notfall nutzbar ist. Wir finden beizeiten schon jemanden, der die für uns überarbeitet. Am nächsten Tag um 13 Uhr könnten wir wiederkommen und die Welle einbauen lassen. Kostenpunkt ca. 700C$. So richtig eine Wahl haben wir ja nicht und dann ist das Thema zumindest erledigt. Der Azubi (oder das kanadische Pendant) legt sich noch unters Auto, um die Reste der alten Welle abzuschrauben. Er findet den Volvo richtig cool und wir quatschen noch etwas.

    Auch mal schön, nicht selber unterm Auto zu liegen

    Es gibt hier nicht wirklich Auswahl an Stellplätzen, also fahren wir einfach etwas durch die Gegend und finden einen Platz im Wohngebiet am Fluss. Etwas viel Verkehr, könnte aber schlimmer sein. Nach diesem ereignisreichen Tag und mit der Hoffnung, morgen das Thema Kardanwelle abschließen zu können, lassen wir den Abend entspannt ausklingen.

    Volvo wieder einsatzbereit?

    Wir haben wie erwartet eher mittelmäßig geschlafen. Um die Zeit bis zum Werkstatttermin zu überbrücken, geht es mal wieder zu Tim Hortens. Der Kaffee ist soweit ok und es gibt freies WLAN. Ich (Chris) schreibe diese Zeilen hier und schaue noch nach Ersatzteilen. An der Pazifikküste Kanadas ist die Versorgung mit passenden Ersatzteilen irgendwie einfacher. Bretti regt sich derweil über Adobe und Windows auf. Genervt lässt sie den Laptop stehen und macht Instagram Posts (zum Insta Profil).

    Um kurz vor 13:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Werkstatt. Vorort ist alles schon bereit und der Azubi schmeißt sich wieder unter den Volvo. Nach kurzer Zeit ist die neue Welle verbaut und die alte verstaut. Ich sag mal, gut dass die Berufsgenossenschaft nicht gesehen hat wie hier gearbeitet wird. Die Welle und der Einbau sind sonst aber top und wir quatschen wieder mal etwas. 450€ sind wir jetzt ärmer, aber es kann wieder Richtung Gros Morne National Park gehen, dort warten noch zwei Wanderungen auf uns.

    Die neue Welle ist noch so sauber
    Neues Gelenk, aber an der Hülse ist etwas Metall rausgebrochen

    Der Tag ist schon etwas voran geschritten, deswegen wollen wir uns nur noch einen Stellplatz suchen. Dies ist hier aber gar nicht so einfach, am Ende stehen wir wieder mal in einer Parkbucht am Straßenrand kurz vor dem Park mit super Aussicht. Bretti macht erstmal was zu essen und ich liege wieder mal mit Kühlpack auf dem Sofa rum, Migräne meldet sich mal wieder.

    Aussicht geht schon

    Etwas schlafen, Nudelsuppe und ein kleiner Spaziergang später geht es mir schon besser. Unser Blinker hinten links ist schon wieder kaputt, um zu prüfen, ob all unsere Ersatzbirnen Mist sind oder irgendwas mit der Seite nicht stimmt, wollen wir die Birne von der anderen Seite einsetzen. Die Birnen haben wir mit dem Volvo gekauft, sind vermutlich also schon älter. Leider gibt es die hier nicht, auch die sind ein Ersatzteil, welches wir erst an der Pazifikküste leichter bekommen. Noch haben wir aber eine, also starten wir mit dem Tausch. Während Bretti die Ersatzbirne im rechten Rücklicht tauscht, mache ich den linken Scheinwerfer kaputt. Die alten Kontakte der Fassungen halten nicht mehr in ihrem Plastik, komisch nach 48 Jahren. Das ist aber nichts, was man nicht mit Sekundenkleber regeln kann. Es werden alle Kontakte direkt erstmal von Korrosion befreit und dann alles in Kleber getränkt. Nach dem der Kleber trocken ist bauen wir alles wieder zusammen und es leuchtet vorerst wieder alles wie gewollt.

    Klebeaktion am Rücklicht

    Da die kleine Reparatur etwas eskaliert ist, entspannen wir nun einfach und genießen den Abend.

    Potentiell gibt es hier Robben zu sehen.(Es waren keine zu sehen)

    Der Boden ist Elchkacke

    An unserem heutigen Wandertag ist das Wetter leider nicht wirklich auf unserer Seite. Es ist windig und die Wolken hängen sehr tief. In der Nacht wurden wir auch schon durchgeschüttelt. Da in den nächsten Tagen auch keine Sonne zu erwarten ist, machen wir uns dennoch auf den Weg zum ersten Trail.

    Wir sind hier im südlichen Teil des Gros Morne National Parks, der durch ikonische Tafelberge, die Tablelands, geprägt ist. Leider sieht man von denen nur die Hänge, die Wolken hängen zu niedrig.

    Die Plateaus der Berge verschwinden in den Wolken

    Das zentrale Tal ist von einem Gletscher in die Berge geschnitten worden und die Weite sieht auch im Nebel spektakulär aus. Wir folgen der einzigen Straße des Parks immer weiter rein zum Green Gardens Trail. Am Parkplatz angekommen sehen wir überwiegend Nebel und Schnee.

    So richtig green ist hier nur unser Auto

    Der Weg schlängelt sich zuerst die Hänge des Tals hoch, um dann auf der anderen Seite bis ans Meer zu gehen. Insgesamt sind es 9km mit moderater Steigung. Ich hatte den Weg ausgesucht, da er potentiell durch seine Lage weniger eingeschneit sein sollte. Diese Idee geht auch erstmal auf und wir stapfen die ersten 1,5km bis zum höchsten Punkt des Weges durch mehr Schlamm als Schnee. Auf der Meer zugewandten Seite ändert sich die Situation sehr stark. Die Tablelands bestehen aus sehr metallhaltigem Gestein, was für die meisten Pflanzen zu giftig ist und so sehen die Landschaften hier eher hochalpin aus. Es gibt maximal an den Flüssen ein paar kleine Bäume und alles ist sehr karg . Auf der Meerseite gibt es zunächst kleine Büsche und später einen richtigen Küstenwald, der den Schnee viel besser festhält als die karge Landschaft davor. Entsprechend stapfen wir wieder fleißig durch den Schnee. Dieser ist zum Glück nicht so tief, anstrengend ist es aber trotzdem. Wir sehen alle möglichen Tierspuren, vermutlich auch von einem Schwarzbären, die gibt es hier zumindest. Sehen tun wir außer ein paar kleinen Vögeln keine Tiere.

    Meistens liegen so 50 cm Schnee, wovon das meiste zum Glück gefroren ist.

    Wir folgen dem Weg weiter Richtung Küste und je weiter runter es geht, desto weniger Schnee liegt und der Wald wird dichter. Wo der Weg nun frei von Schnee ist, sieht man, was darunter liegt. Es ist alles voll mit Elch-“Hinterlassenschaften”. Am La Manche Trail, hatten wir schon eine Stelle gesehen, aber hier ist der ganze Weg über mehrere Kilometer überseht davon. Entsprechend des Kinderspiels “Der Boden ist (Lava) Elchkacke” versuchen wir den ganzen Tretminen Auszuweichen.

    Alles in rot sind Haufen von Elchen

    Während wir unseren Hindernisparcours absolvieren hören wir langsam auch das Wellenrauschen und erblicken bald die Green Gardens.

    Man kann sich hier Zeltplätze mieten und die spektakuläre Aussicht genießen, aber aufgepasst, auch an den Zeltplätzen findet man Elchkacke.

    Zeltplatz ohne Elch dafür mit Bretti und schöner Aussicht
    Aussicht entlang der Küste
    Aussicht in die andere Richtung

    Früher haben die Menschen hier ihre Schafe grasen lassen, heute sind diese Wiesen mehr den Wanderern und den Wildtieren vorbehalten. Diese Wiesen geben dem Trail auch seinen Namen, auch wenn sie nach dem langen Winter noch nicht sehr grün sind.

    Wir machen uns auf den Rückweg und kommen ohne Elch-Begegnung geschafft aber zufrieden am Parkplatz an. Wir hatten zwischenzeitlich die Hoffnung gehabt, dass es auch oben etwas aufgeklart ist, aber daraus wurde nichts. Was sehr schade ist, denn es sollte noch eine zweite Wanderung geben und zwar den Tablelands Trail.

    Die Tablelands

    Wir fahren wieder zurück durch den Park und parken in der Zufahrtstraße zum Wanderparkplatz, denn diese ist nicht geräumt. Wer sich den Tablelands Trail bei Google anschaut, sieht viele Stege, die durch die Landschaft führen, diese waren alle unter Schnee begraben. Entsprechend stapfen wir auch hier wieder fleißig durch den Schnee, der nur von matschigen Passagen abgelöst wird. Unser Stimmung ist gut, auch wenn wir langsam etwas fertig sind und der Wind durch das zentrale Tal des Parks pustet. Generell ist der Weg viel stärker touristisch erschlossen. Es gibt Infotafeln, die erwähnten Stege und ab und zu sogar eine Brücke, die man im Schnee erstmal erkennen muss.

    Bretti auf dem Brückengeländer, furchtlos im Anblick des Abgrunds

    Wie so oft bei Wanderungen lohnt es sich sicher mehr bei gutem Wetter, aber es ist so auch was ganz besonderes. Die karge Landschaft mit den steil aufragenden Bergen in Kombination mit dem Schnee gibt uns einen unvergesslichen Eindruck.

    Tablelands Eindrücke
    Aussichtsplattform Suchbild
    An der Aussichtsplattform haben wir noch einen mini Schneemensch gebaut

    Wir genießen noch etwas den Anblick, aber es zieht uns bald wieder zurück. Wir sind langsam ganz schön platt und gemütlicher ist das Wetter auch nicht geworden. Also stapfen wir die 2 km mit ordentlich Gegenwind zurück zum Auto. Wir beide bemerken langsam unsere Oberschenkelmuskeln, das gibt sicher Muskelkater. Nicht mal gedehnt haben wir uns vorher. 😱

    Zum Abschluss des Tages wollen wir noch Essen gehen. Es hat allerdings fast alles zu, unabhängig davon was Google sagt. Wir landen im Back Room Cafe, das ist eigentlich nur die Wohnung hinter dem Dorfladen. Hier wird unser Bedürfnis nach frittiertem Fastfood gestillt und für mich gibt es Poutine. Typisch kanadisch scheinbar. Pommes mit Bratensoße und Käse drauf, das kann man machen.

    Wir fahren an unserem windigen letzten Stellplatz vorbei und suchen uns eine andere Parkbucht, die etwas mehr Windschutz verspricht. Mal abwarten wie die Nacht wird, kaputt genug für tiefen Schlaf sind wir auf jeden Fall. Knapp 23.000 Schritte haben wir heute gemacht, das hilft sicher beim schlafen.

    Der Gros Morne National Park war unser letzter geplanter Punkt auf Neufundland und deswegen geht es nun wieder Richtung Fähre. Wir werden noch einen Einkauf und Waschstopp in Corner Brook machen, aber dann wollen wir nach drei Wochen die Insel wieder verlassen. Mit der Hoffnung auf endlich wärmere Temperaturen im Süden, lassen wir den Tag gemütlich auf dem Sofa ausklingen.

    Corner Brook again

    Der Morgen zeigt sich so wie der gestrige Tag aufgehört hat, grau und wolkig, kurz schneit es sogar. Nach dem Losfahren klart der Himmel aber schnell auf und es scheint sogar die Sonne. Der Wetterbericht hat uns also mal wieder geärgert, den einen Tag hätten wir auch mit den Wanderungen warten können. Allerdings kann das Wetter in den viel höher gelegenen Bergen auch ganz anderes aussehen. So ist das nun mal, die beste Planung kann nie mit der Realität mithalten. Wir lassen uns nicht ärgern sondern genießen die Sonne beim Autofahren. Wir halten wieder am Highway zum Wasserauffüllen und diesmal habe ich auch dran gedacht ein Foto zu machen. Die meisten Quellen sind einfach nur Rohre die aus dem Boden kommen, aber hier gibt es einen extra langen Schlauch zum Einfüllen und eine Solarlampe. Die Quelle hat richtig viel Wasserdruck und so füllen wir die 80l in Rekordzeit nach.

    Die Quelle am Rande des Highways
    So parkt man hier. Ist vierspurig und Tempo 100, aber sehr wenig Verkehr.

    Bretti hat heute das meiste Fahren übernommen, ich übernehme nur für die Stadt. Mit den sehr steilen Straßen, ist das ständige Anfahren schon eine Herausforderung. Gerade der zweite Gang versteckt sich auch gerne zwischen Rückwärtsgang und dem vierten, das braucht Übung. Wir haben ja noch ein paar Kilometer dafür über.

    In der Stadt probieren wir mal wieder eine neue Supermarktkette, das war aber nichts. Wir bleiben wohl ab jetzt bei den bekannten. Der Waschsalon öffnet erst Montag, also fahren wir zeitig zum Stellplatz am Captain Cook historic Site. Wir kommen nicht ganz an, die Zufahrt ist zugeschoben, aber so stehen wir an einem Sportplatz mit Sicht über die Stadt. Da das sonnige Wetter sich gehalten hat, auch wenn es nur 2°C hat, laufen wir noch zum eigentlich Platz hoch. Endlich wieder durch Schnee stapfen, die Oberschenkel schmerzen, aber nicht zu doll. Die Aussicht von hier oben ist schon sehr nett, dafür steht man auch schief. Mit der Sonne gehen wir wieder runter zum Volvo und genießen den Abend.

    P.S. Auch bei Captain Cook liegt natürlich Elchkacke.

  • Woche 6 | Teil 1: Karibus 1, 2, 3 ganz viele

    Woche 6 | Teil 1: Karibus 1, 2, 3 ganz viele

    Bade- und Fahrtag

    Bretti ist vom gestrigen Badeerlebnis so begeistert, dass sie heute morgen direkt noch mal “rein springt”, also minimaler kurzer Wasserkontakt. Ich stecke nur meine Füße ins Meer und trinke dabei Kaffee, lange halte ich das am Stück aber nicht aus, es ist schon sehr kalt. Deswegen geht’s immer wieder aus dem Wasser, ist das schon eine Kneippkur?

    Der Stellplatz verabschiedet uns bei bestem Sonnenschein

    Heute fahren wir wieder weiter. 250km zum Alexander Murray Trail, den wir morgen bewandern wollen. Die Fahrt geht recht ereignislos an der schönen Küstenlandschaft entlang. Zwischendurch gibt es eine Kuchenpause, der Blinker hinten links geht mal wieder nicht und Bretti fährt das erste Mal in Kanada. Ich mache mich als Beifahrer und automatischer Scheibenwischerbetätiger auch nicht schlecht, sagt sie. Wir haben zwei Geschwindigkeiten beim Scheibenwischer, die sind aber meistens viel zu schnell. Deswegen habe ich jeweils Taster für Fahrer und Beifahrer eingebaut, mit denen der Wischer einmal wischt. So hat der Beifahrer auch was zu tun und man hat quasi eine automatische Regenerkennung mit einstellbarer Geschwindigkeit. Nicht schlecht für ein 48 Jahre altes Auto. Diese Automatik tendiert aber durch das Beobachten der schönen Landschaft und Tiere am Wegesrand dazu, gelegentlich Auszufallen.

    Wir stoppen mal wieder am Highway an einer Quelle und füllen unser Wasser auf. Dabei komme ich mit einem Einheimischen ins Gespräch. Er gibt sich extra Mühe akzentfreier zu sprechen, denn am Anfang verstehe ich nichts. 8 Fuß Schnee gab es diesen Winter, ca. 2,4 Meter. Auch den Einheimischen reicht es langsam mit dem Schnee und er versichert, das wars jetzt für dieses Jahr. Spoiler: Stimmt nicht, während ich das hier schreibe sind wieder ca. 5 cm gefallen. Das ist jetzt aber sicher der letzte Schnee, ab nächster Woche soll es wärmer werden. Auch das sagen unsere Wetter-Apps schon seit wir in Kanada sind.

    Mit vollem Tank geht es weiter zum Übernachtungsplatz. Dieser liegt wunderbar an einer Bucht, ist aber noch komplett eingeschneit. Entsprechend fahren wir weiter. Es findet sich leider kein Platz in der Nähe, Nähe heißt so ca. 30 km Fahrstrecke, sodass wir uns entscheiden, die Wanderung ausfallen zu lassen. In den nächsten Tagen stehen noch genug Wanderungen an. Nach der enttäuschenden Stellplatzsuche, entscheiden wir uns, auf Nummer sicher zu gehen und fahren einen Platz an, den wir schon kennen. Das heißt aber noch mal 100 km weiter fahren. Dafür ist hier der Schnee schon viel mehr getaut, so dass wir sogar den schöneren Platz nutzen können. Schlammig aber auf einer Insel mitten im See. Wir sind jetzt wieder auf der Ecke, wo wir auf dem Weg nach Osten das Karibu gesehen hatten.

    Wer hat mein Schloss gesehen?🏰

    Nach den 360 km Strecke wollen wir nicht mehr viel machen. Als ich nach dem Aussteigen die Fahrertür abschließen will, sehe ich dass das Schloss weg ist. Das muss seit dem letzten Stopp vor 100 km einfach rausgefallen sein. Dass man die Tür jetzt nicht mehr abschließen kann, ist unpraktisch, aber immerhin kann man die von außen jetzt auch nicht mehr auf machen, top. Dafür wird uns schon noch was einfallen. Unser Schlossverschleiß nimmt langsam echt wilde Züge an.

    Im roten Kreis ist theoretisch ein Türschloss

    Bretti hat schon Hunger und würde gerne einfach nur Nudeln kochen. Das kann ich mit Schokolade aber abwenden und bekomme Zeit, doch den ganzen Nudelauflauf zu machen. Während ich diesen zeitlichen Aufschub nutze, kommt noch ein älterer Herr mit seinem Pudel vorbei. Der Hund stört sich nicht am Matsch und möchte von Bretti gestreichelt werden. Süße Tiere und Schokolade sind der sicherste Weg eine hungrige Bretti bei Laune zu halten. Der Auflauf wird rechtzeitig fertig und das Unheil konnte wieder einen Tag abgewendet werden.

    Beim Abwaschen fängt die Pumpe an, komische Geräusche zu machen. Der Schlauch an der Pumpe ist abgegangen und sie hat fleißig Wasser ins Auto gepumpt. Das hat heute noch gefehlt. An der tiefsten Stelle im Schrank, wo die Kühlwasserschläuche vom Motor in den Koffer kommen. Da meine Abdichtversuche scheinbar nicht 100% erfolgreich waren, läuft das meiste Wasser einfach raus. Der restliche Inhalt des Schranks wird vorne in die Fahrerkabine geräumt und nach etwas wischen, stellen wir hier unseren Ventilator auf. Durch die Kühlwasserschläuche ist der Schrank nach der nächsten Fahrt auch schon wieder trocken.

    Auch dieser Platz verabschiedet uns mit Sonne

    Gros Morne Nationalpark

    Ich sammle noch die Reste des Schlosses aus der Tür und wir starten zum Gros Morne Nationalpark, das ist der bekannteste Nationalpark auf Neufundland. Wir haben gelesen, dass der Park auch im Winter teilweise geöffnet ist. Das bedeutet auch, dass man Eintritt zahlen muss, deswegen ist unser erstes Ziel das Visitor Center in Rocky Harbour. In den vielen Buchten des Parks soll es Robben geben und wir haben das Glück, eine schon bei der Fahrt zum Visitor Center auf dem Eis liegen zu sehen. Die Robbe verschwindet dann auch direkt in ihrem Atemloch. Wir haben viel gutes über die Visitor Center der Parks gehört und hier werden wir nicht enttäuscht. Es gibt viele Informationen über die Tierwelt des Parks und die geologische Entstehungsgeschichte. Wir werden mit Infomaterial und Karten überschüttet während das Gespräch mit der Mitarbeiterin immer weiter ins Französische abdriftet. Das Besucher-WLAN macht entspannt 300 Mbit Downloadgeschwindigkeit, was wir direkt nutzen, um die nächsten Spiele bei Steam runter zu laden und Fotos zu sichern.

    Wie gesagt kostet dieser Park auch Eintritt und wir entscheiden uns für den Discovery Pass. Damit hat man, neben anderen Rabatten, freien Eintritt zu allen National Parks und Historic Sites. Das sind schon einige, siehe diese Karte. Viele von denen stehen eh auf unserer TODO-Liste. Der Pass kostet 167C$ das sind ca. 104€, gilt für 12 Monate und gilt für bis zu 7 Personen. Finden wir fair und falls uns einer von euch besuchen will, seid ihr schon inklusive. Leider ist beim Drucken der Gültigkeitsaufkleber ein Fehler unterlaufen, sodass es nur welche bis 03.27 gibt. Bis 04.27 sollten wir eigentlich bekommen. Wir sollen dann einfach durchrufen, die Leute vom Visitor Center regeln das dann. Ja… wir sind mal gespannt. Potentiell sind wir dann eh nicht in Kanada, aber man weiß ja nie.

    Da das Wetter mittlerweile grau und kalt ist, wollen wir heute nicht mehr wandern, sondern fahren die Panoramastraße des Parks gen Norden. Die Sicht auf die Berge und das Meer ist wunderbar. Wir fahren bis zum the Arches Provincial Park um dort zu Übernachten.

    Aussicht und Kuchenpause

    Es sind wieder 100km, aber im Nationalpark darf man nicht übernachten, dafür lässt die Aussicht die Zeit schnell verfliegen. Es wird überall vor Karibus gewarnt, aber es zeigen sich erstmal keine. Bretti kann dann irgendwann zwei Tiere im Vorbeifahren erspähen, diese sind aber ziemlich weit weg. Als wir den Park nach Norden verlassen sind wir deswegen etwas enttäuscht. Kurz vor dem Übernachtungsplatz erspäht Bretti erst eins, dann noch eins und dann ganz viele Karibus, die recht nahe an der Straße auf einer Wiese rumliegen. Es bietet sich eine passende Parkbucht an, also stoppen wir direkt.

    Wie viele Karibus sind auf diesem Bild?

    Das Bild ist nicht optimal, die Karibus lagen mit dem Rücken zum Wind auf der Wiese rum, aber wer will es ihnen verübeln. Das hier dürfte ein Weibchen sein, die Männchen haben ihr Geweih nach der Brunft im Herbst schon abgeworfen.

    Bei der Kulisse würde ich auch in die andere Richtung schauen

    Wir beobachteten die Herde noch eine ganze Zeit und fahren dann weiter.

    Die Bögen des Arches Provincial Parks sehen schon cool aus, leider ist es hier extrem vermüllt. Wir sammeln ein paar Hände voll ein, aber es ist hoffnungslos. Bevor wir uns wieder in den Volvo verziehen, tausche ich noch die kaputte Blinkerbirne. Diese zerspringt beim Versuch des Ausbauens direkt, vermutliche hatte sie von vorne rein eine Macke. Die nächste Ersatzbirne ist auch schon kaputt, aber die letzten zwei sind heil. Langsam wird es Zeit, neue aufzutreiben. Die Sicht auf das Meer ist hier wunderbar und wir schauen der Sonne beim Untergehen zu. Es gibt Reste vom Nudelauflauf und wir testen die neuen Spiele. Es ist ein gelungener Abend.

    Eine Handvoll Müll
    Chris unter den Bögen
    Kleiner OKG (Ortskontrollgang)
    Sonnenuntergang

    Besuch auf dem Campingplatz

    Wie geplant soll heute gewandert werden, passend dafür ist es windig und es schneit bei maximal -1°C. Wir genießen noch die Aussicht aus dem Warmen beim Frühstück und dann geht es los zum Wanderweg. Wir hatten uns auf der Fahrt nach Norden noch ein paar Stellen markiert, wo man potentiell Robben beobachten kann. Diese mögen aber keinen Regen und scheinbar auch keinen Schnee. Da bleiben sie lieber im Wasser und liegen nicht auf den Felsen vor der Küste. Also gibt es für uns leider keine Robben zu sehen.

    An der Stelle, wo wir gestern die Karibus beobachtet haben, hängen immer noch einige ab. Scheint ein guter Platz zu sein. Der Wanderweg startet von einem der Nationalpark Campingplätze und bevor wir dort einbiegen trottet noch ein Karibu gemütlich über die Straße zu seiner Herde, die dort wartet. Die Mitarbeiterin des Visitor Centers hatte uns gesagt, dass der Campingplatz auch im Winter “auf hat”. Das bedeutet, dass man gegen Geld übernachten darf, es ein Plumpsklo gibt und das Küchenhaus offen sein sollte. Wir vermuten, dass hier diesen Winter noch niemand war, zumindest nicht mit einem Auto. Mit Allrad überwinden wir den Schneeberg vor dem Eingang und fahren zum Anfang des Trails. Hier suchen wir uns eine gemütliche Parzelle aus, es sind alle frei.

    Parzelle 22 mit Feuerschale und Picknicktisch

    Wir wollen hier den Coastal Trail wandern, dieser hat die besten Chancen, nicht eingeschneit zu sein. Der Weg führt zuerst durch den Küstenwald und dann hinter dem Strand entlang. Im Wald gibt es zwar einige hohe Schneewehen, aber diese sind komplett eingefroren. Anstatt im Schnee einzusinken, müssen wir hier eher aufpassen, nicht auszurutschen. Der Hinweg ist richtig schön und uns ist angenehm warm. Ein paar Gänse sind nicht sehr begeistert von unserer Anwesenheit, machen aber nach etwas Geschnatter auch Platz. Nach ca. 3km erreichen wir das Ende und machen uns auf den Rückweg. Mittlerweile haben Schnee und Wind ordentlich zugenommen. Der Wind bläst uns fleißig ins Gesicht und unsere Spuren sind unter neuem Schnee verschwunden. Zum Glück kommt einem der Rückweg immer kürzer vor und wir erreichen zufrieden das Auto.

    Winterwonder Wald
    Gut eingepackt durch den Schnee
    Es könnte auch Dänemark sein
    Chris im Schnee

    Wieder am Auto entscheiden wir uns gegen eine zweite Wanderung und fahren nach Norris Point. Hier stehen wir direkt am Wasser und hoffen, noch eine Robbe zu sehen. Morgen geht es in den südlichen Teil des Parks zum Tablelands Trail. Kalt und grau soll es weiterhin sein, aber dafür weniger schneien. So zumindest der Plan, wie das geklappt hat lest ihr in Teil 2.

    Unsere Strecke

  • Woche 5 | Teil 2: Doppel Donauwelle

    Woche 5 | Teil 2: Doppel Donauwelle

    Backen eskaliert

    Der Freitagmorgen startet mit dem Geräusch von Regentropfen auf dem Dach. Im Bett in die Decke eingemummelt ist das schon sehr gemütlich. Wir können aber nicht den ganzen Tag liegen bleiben, denn heute verabschieden wir uns wieder vom Cape Bonavista. 200 km Strecke liegen vor uns. Wir fahren zu einem uns schon bekannten Platz in der Nähe von Butts. Zwischenstopp ist eine Tankstelle, die mit einem Alkoholgeschäft kombiniert ist, beste Kombi sowas.

    Am bekannten Übernachtungsplatz angekommen ist dieser schon besetzt. Eine Familie hat dort zwei Zelte aufgeschlagen. Zum Glück gibt es hier mehrere Parkmöglichkeiten und mit Allrad kommen wir auch entspannt über den zusammengeschobenen Schnee. Freundlicherweise hat sich der Regen nun auch in Sonnenschein verwandelt. Erstes Projekt vor Ort ist duschen. Damit wir diesmal wirklich warmes Wasser haben, wollen wir das gleich als erstes machen, solange das Wasser im Boiler noch von der Fahrt aufgeheizt ist. Es klappt und wir können beide warm duschen. Das Wasser läuft diesmal auch ab, wenn auch nur langsam. Wir sind dem Problem aber schon auf der Spur.

    Nachdem wir nun wieder fresh und funky sind, starte ich (Bretti) das nächste Projekt, kochen und backen. Und was für ein Projekt das werden würde. Kochen ist schnell erledigt, denn zum Rest der Soße vom Vortag werden einfach nur Nudeln gekocht. Das Backen wird jedoch zu einem tagfüllenden Akt. Ich habe mir nämlich vorgenommen, Donauwelle zu machen, jedoch bin ich irgendwie von meinem Plan, nur das halbe Rezept zu machen, abgekommen. Dementsprechend habe ich viel zu viel Teig, den ich auf zwei Kuchen aufteilen muss. Wir backen in unserem Omnia, für den wir zwei Silikonformen haben, die nun auch beide in Anspruch genommen werden. Allerdings kann nur eine zur Zeit in den Omnia rein, weshalb die Kuchenteige nacheinander backen müssen.

    Der Kuchen will hoch hinaus. Beim Backen ist da übrigens noch ein Deckel drauf.

    Währenddessen bereite ich die Pudding-Buttercreme vor. So 100% funktioniert das leider auch nicht, da der Instantpudding, den ich im Laden als Puddingpulver gefunden habe, sich nicht so gut mit der Margarine vermischt. Es flockt leicht. Außerdem bemerke ich jetzt erst, dass die Margarine etwas salzig ist. Aber naja, mit dem süßen Teig zusammen wird das schon schmecken. Anstatt Kirschen nehme ich übrigens Kirschmarmelade. Die Kuchenböden sind fertig und das Schichten beginnt. Beide Formen sind am Ende gut gefüllt und werden noch mit geschmolzener Schokolade überzogen. Nun gilt es nur noch einen kühlen sicheren Platz zu finden, wo die Kuchen sicher stehen können. In einem Camper, wo jeder Platz genutzt wird, gar nicht so einfach. Nun ist es auch schon später Abend. Ich falle zu Chris auf’s Sofa und wir gucken noch ein bisschen was, bevor es dann ins Bett geht. Was für ein Tag. Viele Schritte haben wir heute nicht gemacht, nur 650, Rekordtief, fast schon wie Zuhause, wenn wir einen langen Arbeitstag im Home-Office verbringen.

    Doppel-Donauwelle, wer kommt zum Kuchenessen?

    Auf nach Twillingate

    Der Samstag beginnt sonnig aber kalt mit Minusgraden, sogar unser Abfluss ist mal wieder eingefroren. Heute geht es nach Twillingate, vorher müssen wir noch einkaufen, diesmal im Dominion. Dort finden wir soweit alles, was wir brauchen. An der Kasse sehen wir ein Heft von National Geographic zu Nationalparks. Wie passend, denken wir, da können wir schon mal stöbern für die nächsten Reiseziele und auch in Deutschland wieder mal reingucken, um in Erinnerungen zu schwelgen. Was wir nicht gesehen haben, es geht gar nicht um Nationalparks in Kanada, sondern in den USA. Naja, gut, dass wir da ja auch noch hinwollen. 😀 Ein weiteres “Highlight” im Supermarkt ist für mich eine Tüte mit “Eggs to go”. Da sind gekochte, schon gepellte Eier drin. Warum man die nicht auch unterwegs einfach pellen kann, ist mir ein Rätsel, aber gut. Hier werden die Eier ja auch gewaschen, was super unpraktisch ist, weil die dann gekühlt werden müssen.

    Die weitere Fahrt nach Twillingate ist richtig schön. Wir fahren bei bestem Wetter an der Küste entlang und glauben, eventuell sogar zwei Otter im Wasser gesehen zu haben. Kurz bevor wir ankommen, machen wir noch eine Pause und essen ein Stück Kuchen. An dem Parkplatz gibt es auch einen Mülleimer. Eine Möglichkeit für uns mal wieder Müll loszuwerden? Leider nicht. Der Mülleimer ist zugeschraubt, mit einer Vierkantschraube. Warum auch immer. Vierkantschrauben scheinen die hier viel zu nutzen, das ist uns schon im Baumarkt aufgefallen. Torxschrauben gibt es zwar auch, die kosten dafür dann gleich richtig viel. Ein Mysterium für sich.

    Spiller’s Cove – kein Photoshop

    Weil wir bei dem schönen Wetter und der schönen Küste nicht nur im Auto sitzen wollen, haben wir uns heute auch noch einen Trail rausgesucht an der Spiller’s Cove. Der Weg dahin ist ein bisschen abenteuerlich, da er zum Teil mit durchgefrorenem und dann wieder angeschmolzenem Schnee bedeckt ist. Dazu gibt es noch tiefe Spurrillen und Schlaglöcher. Hier lenkt das Auto selbst. So sammeln wir ein bisschen “Offroad-Erfahrung”.

    Die Wanderung führt direkt an der Küste entlang und liefert richtig schöne Aussichten aufs Meer und die einzelnen Buchten. Es geht viel auf und ab und immer wieder durch Schneefelder, die entweder durchgefroren und spiegelglatt sind oder in die man knietief einsinkt. Es wird also mal wieder eine richtig schöne und recht anstrengende Wanderung. An einzelnen mit Eis überfrorenen Abstiegen hangeln wir uns von Baum zu Baum. Die größeren Erhebungen bestehen aus Granitfelsen. Der Wechsel aus Schnee und Granit wirkt irgendwie surreal als hätte jemand Photoshop benutzt.

    Der Weg am Spillar’s Cove war nicht immer erkennbar, mal guckte die Spitze eines Wegweisers oder Geländers aus dem Schnee.
    Übergang aus Schotter und Schnee mit Aussicht auf die felsige Küstenlinie.

    Stellplatzsuche auf Twillingate

    Gegen 17 Uhr kommen wir dann wieder beim Auto an und es wird Zeit, einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Der erste, den wir anfahren, hat eine wunderschöne Aussicht und der Platz ist sogar schneefrei. Allerdings liegt auf dem relativ steilen Weg dahin mindestens 1 m Schnee und wir haben Sorge, ohne den genauen Verlauf der Straße zu sehen, seitlich in den verschneiten Graben zu rutschen. Bevor wir Option Nr. 2 anfahren, statten wir dem Long Point Lighthouse noch einen Besuch ab. Wieder ein wunderschöner Ausblick mit einer untergehenden Sonne. Hier gibt es ein Café, das aber natürlich entgegen der Behauptung von Google zu hat. Offseason halt. Die Insel ist zum Glück nicht groß, so dass der nächste mögliche Stellplatz nicht weit enfernt ist. Im Zweifel haben wir auch noch den Wanderparkplatz an der Spiller’s Cove als Backup. Option Nr. 2 ist aber zum Glück erreichbar. Die Zufahrt ist nur etwas eingeschneit und mit Allrad ohne Probleme befahrbar. Als wir uns die Gegend noch einmal genauer angucken, entdecken wir, dass der Weg noch weiter geht und zum Strand führt. Den Quad-Spuren folgend fahren wir über den steinigen Strand an einen sogar ziemlich geraden Platz. Die Räder drehen nur an einer kleinen sandigen Stelle leicht durch. Wieder ein paar Offroad-Eindrücke, die die heutigen Erfahrungen ergänzen, von Schnee, Sand und Steigungen war alles dabei. Bei allem fühlten wir uns recht sicher, wobei wir ja schon gelernt haben, dass Schnee gepaart mit Steigung echt der Endgegner sein kann. Heute haben wir auch wieder ein “normaleres” Schrittepensum von 12.000 Schritten erreicht. Bei dem ganzen Kuchen auch nötig.

    Long Point Lighthouse an der Nordspitze von Twillingate.
    Unser kleiner Offroad-Stellplatz am Strand.

    Bestes Badewetter

    Der Tag begrüßt uns mit Sonnenschein und gepaart mit dem Blick auf’s ruhige Meer ist es einfach zu verlockend, um nicht kurz hineinzuspringen. Sobald wir aus dem Auto hüpfen, zweifeln wir an unserer Entscheidung, doch nun ziehen wir das auch durch. Ein richtiges Baden ist es vielleicht nicht, die Füße sind drin und der restliche Körper wird nass gespritzt. Eine kurze arschkalte Erfrischung bei 4°C Luft- und Wassertemperatur. Die Füße spüren wir danach nicht mehr, aber das wars wert. Das erste Mal im Meer in Kanada *wuhu*.

    Heute bleibt das Auto stehen. Wir haben Schimmel-Spray besorgt und bearbeiten nochmal die hinteren Ecken im Auto. Dafür wird rumgeräumt und ordentlich gelüftet. Chris guckt sich außerdem auch nochmal den Zündverteiler an. Dann wird noch geputzt, unsere Ausgaben durchgerechnet und am Blog geschrieben. Kleiner Downer bei den Ausgaben, wir zahlen 100€ mehr für Sprit im Monat als wir eingeplant hatten. Die Spritpreise steigen auch hier deutlich, obwohl Kanada den Sprit eigentlich selbst herstellt. Aber was fahren wir auch mit so einem Spritschlucker rum. 😀

    Nach getaner Arbeit wollen wir uns in die Sonne setzen und aufs Meer gucken, nur dass die Sonne sich nun hinter Wolken versteckt und es mit dem Wind doch ganz schön frisch wird. In Wolldecken eingemummelt verbringen wir dort trotzdem einen Moment. Während wir da so sitzen kommt eine Neufundländerin vorbei und schnackt uns an. Sie flucht etwas darüber wie kalt es hier ist und dass sie doch wieder nach Nova Scotia ziehen wolle, wo sie eine Zeit lang gelebt habe. Sie erzählt uns auch von den Eisbergen, die letztes Jahr im April wohl schon zu tausenden vor Neufundland schwammen. Dieses Jahr ließen sie aber auf sich warten, so wie das Ende des Winters. Nachdem sie sich von uns verabschiedet hat, wärmen wir uns drinnen bei einem Stück Kuchen wieder auf. Etwas später wollen wir noch einen Spaziergang machen.

    Dick eingemummelt dem Wellenrauschen lauschen.
    Kuchen direkt aus der Form, das spart Geschirr, mit Krümelschutz.

    In Yellowknife trägt man kurze Hosen

    Am späten Nachmittag bricht der Himmel wieder auf und die Sonne kommt nochmal raus. Als wir uns für unseren Spaziergang bereit machen kommt ein weiterer Spaziergänger vorbei. Auch er schnackt uns an. Er habe beim Anblick unseres Autos schon die Befürchtung gehabt, Putin oder Trump würden nun hier einmarschieren. Außerdem hat er sich gewundert, wo wir stehen, denn die meisten würden ein paar Meter weiter vorne auf dem steinigeren Part des Strands parken. Als er unser Auto dann aber sah, verstand er, dass uns der sandigere Teil sowie die Mini-Mini-Flussdurchfahrt nicht aufhalten konnten. Er erzählt, dass er eine Zeit lang in Yellowknife weiter im Norden Kanadas gelebt habe, wo die Leute selbst bei -50°C im Winter noch Fahrradfahren und bei Schnee kurze Hosen tragen. Vor einer Woche habe an der Stelle, an der wir gerade stehen auch noch dick Schnee gelegen. Er erzählt uns auch von den Eisbergen letztes Jahr. Wie es scheint hätten wir hier letztes Jahr zu dieser Zeit eingies mehr zu sehen bekommen, aber gut, sowas weiß man im Voraus ja nie. Schön ist es hier auch ohne Eisberge. Er macht noch Witze darüber, dass die Inseln, die man von hier aus sieht North Trump und South Trump heißen und empfiehlt uns direkt hier die Küste entlang von Bucht zu Bucht laufen. Und genau das haben wir auch vor.

    Während des schönen Spaziergangs sammeln wir Müll, was hier leider hoffnungslos ist. Neben dem leider üblichen Fischereimüll liegen hier auch super viele 70 mm Patronenhülsen. Was die hier machen, keine Ahnung. Elche gibt es auf Twillingate wohl nicht wirklich, hauptsächlich Füchse und Hasen. Wir sammeln so viel auf wie wir tragen können und was am ehesten gefährliche Schlaufen bildet und versuchen, uns den Spaziergang dadurch nicht vermiesen zu lassen, denn es ist sonst echt schön hier. Wieder am Auto angekommen lassen wir den Abend noch mit Abendessen, Blogschreiben, Wellenrauschen und Möwengeschrei ausklingen.

    Hier sind die Wegweiser deutlich zu sehen.
    So reiht sich hier Bucht an Bucht. Auf dem Foto sieht man den Müll immerhin gar nicht mehr.
    Karte der Woche

  • Woche 5 | Teil 1: Entspannt wie eine Robbe

    Woche 5 | Teil 1: Entspannt wie eine Robbe

    Vom Wanderparkplatz aus starten wir heute nach dem Frühstück zur ehemaligen Siedlung La Manche. Diese liegt in einer kleinen Bucht und ist Namensgeberin des Provincal Parks. Über die Bucht führt eine Hängebrücke, die das Highlight des Parks ist. Der Weg bis zur ehemaligen Siedlung und zur Brücke ist so ca. 2-3km lang und man kann dann noch weiter der Küste folgen. Der Weg geht erstmal durch dichten Wald, der noch voller Schnee und Eis ist. Rund um St Johns ist der Schnee schon viel mehr geschmolzen als im Rest von Neufundland, aber das Schmelzwasser friert nachts ein, sodass es teilweise eine ganz schöne Schlidderpartie ist. Zusätzlich liegen viele Bäume quer über dem Weg, was die Wanderung zu einer vielfältigen Gymnastikübung macht, hier ein Ausfallschritt, dort unter dem Baum durch, hier wieder rüber. Auf der Wanderung können wir noch einige Geocaches einsammeln und sehen (vermutlich) Elchspuren. Wir würden gerne Elche sehen, aber im dichten Wald müsste das jetzt nicht sein. Ein Teil des Weges hat der Elch auch als seine Toilette auserkoren, es gibt sehr viele Hinterlassenschaften oder es sind viele Elche hier unterwegs. Am Ende sehen wir aber keinen. Dafür erspähen wir auf dem Weg zurück über die Brücke eine Robbe, die sich sonnt. Ich (Chris) hatte zum ersten mal meine Kamera dabei und es hat sich direkt gelohnt. Wir fotografieren sonst alles mit den Smartphones, aber Tiere sind dafür oft zu weit weg.

    Der Blick auf die Bucht von La Manche von der Hängebrücke aus
    Von den Gebäuden gibt es nur noch Fundamente, dafür jetzt die Hängebrücke
    Der Robbe scheint die Bucht auch zu gefallen
    Sie blieb ganz entspannt.

    Wir wollen die Robbe nicht zu lange stören, deswegen geht es auch bald weiter zurück zum Parkplatz. Heute soll es nämlich noch weiter gehen und zwar nach Dildo.

    Dildo (*höhö*)

    Warum wir nach Dildo gefahren sind braucht man glaube ich nicht wirklich erklären. Es ist einfach lustig. Die Einheimischen nehmen den Namen auch mit Humor, zumindest spricht der Schriftzug am Hang sehr dafür. In Dildo selbst haben wir nicht wirklich was gemacht, das meiste hat natürlich auch zu und das meiste ist in dem kleinen Ort eh schon nicht so viel. Uns sprach noch ein Polizist an, er versicherte uns direkt, dass wir nichts falsch gemacht hätten oder sowas, er wollte nur wissen, was für komische Kennzeichen wir am Fahrzeug haben und wo wir herkommen. Wie immer ein nettes und kurzes Gespräch. 200 Meter hinter dem Ort kann man direkt am Meer stehen und dort hverbringen wir auch eine entspannte Nacht. Der Platz wird von den lokalen Quadfahrern auch als kleiner Offroadpark benutzt, zumindest weisen diverse Spuren durch die Matschlöcher darauf hin. Am nächsten Morgen können wir es uns mit unserem Offroad Fahrzeug natürlich nicht nehmen lassen, auch ein paar “Hindernisse” abzufahren, was aber etwas unspektakulärer abläuft. Nach dem Offroad Abenteuer geht es noch ins Dildo Coffee House, welches neben gutem Kaffee eine fantastische Aussicht auf die Bucht hat. Hier packen wir auch noch zwei Stück Kuchen für später ein.

    “Gewaltige Flussdurchfahrt” am Strand in Dildo 😀
    Humor haben sie hier
    Aussicht vom Dildo Coffee House

    Auf der Suche nach den richtigen Teilen

    Es fehlen uns noch ein paar Autodinge und deswegen haben wir heute wieder eine paar Läden abgeklappert. Überwiegend suchen wir immer noch Blei-Adaptiv , weil unser Vorrat zu neige geht. Wir schneien kurz vor Ladenschluss noch in einen Napa Autoparts rein (keine Ahnung wieso das hier Auto und nicht car heißt, aber das ist überall so). Hier scheint man zumindest Ahnung zu haben, denn der Mitarbeiter erklärt uns, dass wir nirgends in Kanada Blei-Adaptiv bekommen werden, denn das sei inzwischen verboten. Dafür gibt es allerdings Ersatzprodukte mit dem selben Effekt, aber nicht so Fatal für die Umwelt. Da wir eh keine wirkliche Wahl haben, nehmen wir eine große Flasche mit. Das Problem ist, dass wir erst merken werden, ob das Zeug wirkt bzw. nicht wirkt, wenn der Motor kaputt ist, also drückt die uns Daumen. Wir sprechen noch über den Volvo, nach Aussage des Mitarbeiters genau das richtige Fahrzeug, bei den kaputten Straßen in Kanada. Wir kaufen noch Motoröl, denn auch das möchte der Volvo in regelmäßigen Abständen bekommen und fahren weiter. Die Stellplatzsuche ist heute leider nicht so erfolgreich. Beim ersten Platz ist die Straße mehrere Kilometer vorher schon nicht mehr geräumt. Wir hatten uns eigentlich schon vom Schnee verabschiedet, in Dildo lag kaum noch was, aber 100km weiter nördlich sieht das ganz anders aus. Der spontan recherchierte Platz ist auch etwas eingeschneit, aber es ist nur ein kurzes Stück und es geht bergab. Mit Allrad fräsen wir uns einen Weg durch den Schnee und haben einen entspannten Abend.

    Dafür haben wir ihn ja

    Nach dem wie immer entspannten Frühstück, schaue ich mir die Schneepassage an, durch die wir gestern auf den Platz gefahren sind. Der Schnee ist doch ganz schön tief und nass durch das Antauen, aber es bleibt uns ja eh nichts übrig, also versuchen wir es. Mit Allrad und Untersetzung klappt es beim ersten Versuch schon mal nicht. Erstmal zurück und etwas schaufeln. Das Schaufeln hat vermutlich nichts gebracht aber mit allen Differenzialsperren und sechs fleißig durchdrehenden Reifen ruckeln wir uns hoch auf die Straße. Nasser Schnee ist schon der Endgegner, aber für sowas haben wir den Volvo ja. Wir hätten auch noch mehr Optionen gehabt, Reifendruck ablassen oder Sandbleche, aber das sparen wir uns für das nächste Mal auf. Im Notfall hätte man hier auch zwei Spuren reinschaufeln können, sonst wären wir auch gar nicht erst runter gefahren. Um diese Erfahrung reicher und mit ordentlich Herzklopfen geht es weiter nach Cape Bonavista.

    Chris am Weg ebnen

    Ganz viele Möwen

    Am Cape Bonavista wollen wir einen Ruhetag einlegen, aber vorher wollen wir uns einen Teil der spektakulären Küstenlandschaft anschauen. Am Spillars Cove, versuchen wir dem Wanderweg zu folgen, aber dieser verliert sich ständig im nichts. Am Ende folgen wir einfach der Küste, genießen die Sicht und beobachten die Möwen. Hier gibt es im Frühling auch viele Papageitaucher, für die sind wir aber leider noch zu früh bzw. der Frühling dieses Jahr zu spät. Dafür können wir wieder mal beobachten wie ein Weißkopf Seeadler von Möwen attackiert wird. Irgendwann schaffe ich es auch noch einen zu fotografieren, aber heute geht alles viel zu schnell. Dafür habe ich jetzt viele schöne Möwen- und Felsenbilder.

    Explorer Bretti
    Die Klippen fallen hier senkrecht ins Meer
    Eins der vielen Möwenbilder
    Noch mehr Felsen

    Nachdem wir auf dem Rückweg auch unseren Wanderweg wieder gefunden haben, fahren wir das kurze Stück zum Leuchtturm am Kap. Der Weg führt durch den Dungeon Provincial Park und bietet eine tolle Sicht auf die Küste. Am Parkplatz angekommen, steht ein neues Projekt an: In zwei Ecken ist es feucht und schimmelt sogar etwas. Also alles raus, mit Essigreiniger abwischen und lüften. Feuchtigkeit ist im Womo im Winter echt ein Problem. Wir werden die Tage noch Schimmelentferner besorgen und beim fahren die Ecken leer räumen, damit es besser lüftet. Hoffentlich sind das die einzigen Stellen. Nachdem wieder etwas Ordnung herrscht entspannen wir etwas. Morgen ist Ruhetag angesagt und so wollen wir auch diesen Tag ausklingen lassen.

    Dinge-tun-Tag statt Ruhetag

    Am Donnerstag werden wir früh morgens vom Nebelhorn geweckt. Klar, wir stehen neben einem Leuchtturm, hätte man erwarten können. Wir starten den Tag wie immer mit einem gemütlichen Frühstück bei strahlendem Sonnenschein. Das macht gute Laune. Allerdings lässt uns der Schimmel keine Ruhe, deshalb starten wir danach damit, die Ecken freizuräumen, sie zu bearbeiten und durchzulüften. Dafür müssen wir an die Hecktür ran. Der Heckträger ist mit einem Schloss gesichert, dass wir gerade so aufbekommen. Damit das in Zukunft keine Probleme macht, wird er erstmal mit einem Spanngurt gesichert. Dafür müssen wir an ein anderes mit Schloss gesichertes Fach ran, dieses will sich aber partout nicht öffnen lassen. Öl, ruckeln, Hammer, nichts nützt etwas, also machen wir am Ende kurzen Prozess und schneiden das Schloss mit der Flex auf. Das geht erstaunlich schnell, zu leicht eigentlich für so ein theoretisch “hochwertiges” Schloss. Chris legt sich nun noch unters Auto. Eines der Löcher im Auspuff möchte abgedichtet werden. Dabei hat er auch noch ein paar Öl-Leckagen gefunden, die werden wir weiter beobachten. Im Auto selbst haben wir einen weiteren Versuch gestartet, den Boiler dicht zu bekommen, leider nicht erfolgreich. Dafür hängt der Feuerlöscher nun wieder.

    Zwischendurch werden wir von Kanadiern angesprochen, die uns erzählen, wir seien zu früh hier, ab Mai könne man dann Puffins und Eisberge, manchmal auch Wale sehen. Das wissen wir tatsächlich schon. Wenn wir einen Counter starten würden, wie viele Leute uns das schon gesagt haben, wären wir bestimmt schon bei zehn. Das macht es nicht besser! Unsere Reisepläne lassen es leider nicht zu, dass wir noch bis Mai/Juni hier auf Neufundland bleiben, wir wollen schließlich im August in Alaska sein und das sind noch einige tausende km. Puffins gibt es leider nur am Atlantik. Wir müssen dann wohl nochmal nach Island, da kann man sie auch gut beobachten. Kann man nichts machen…

    Nachdem wir dann alles auf- und umgeräumt haben machen wir noch eine kleine Runde um den Leuchtturm herum und beobachten die Möwen in der langsam untergehenden Sonne. Ein richtiger Ruhetag war das nicht, dafür haben wir ein paar Sachen erledigen können. Morgen geht es dann auch schon weiter.

    Diesmal gibt es für jeden Teil eine Karte

  • Woche 4 | Teil 2: Im Osten wird’s irisch

    Woche 4 | Teil 2: Im Osten wird’s irisch

    Pfand abgeben auf kanadisch

    Die Nacht war doch etwas unruhiger als die letzte, mehr Verkehr aber naja. Nach einem Frühstück mit Blick auf das Meer mit Sonnenschein ist die Nacht auch schon vergessen. Heute wollen wir neben einkaufen und Strecke machen auch Pfand abgeben. Es haben sich einige Getränkedosen gesammelt und auf denen steht “Refund where applicable”. Als Teammitglieder von Pfandgeben müssen wir das zumindest mal ausprobieren. Im Gegensatz zum deutschen Pfandsystem ist hier auf quasi allem Pfand. Nicht nur Dosen sondern zum Beispiel auch diese Caprisonnentüten. Pfandautomaten im Supermarkt gibt es nicht, dafür muss man zum Wertstoffhof bzw. hier Recyclingcenter. Als wir vor Ort sind, sehen wir schnell , dass Pfand hier wichtiger ist als alle anderen Rohstoffe. Der ganze Komplex ist darum aufgebaut und Papier und so spielen nur eine Nebenrolle. Wir stehen schnell vor einem Terminal, was uns überfordert hat. Auf Nachfrage bei einem Mitarbeiter, könnten wir uns bei seiner Kollegin womöglich einen Account erstellen lassen. Wohlgemerkt nur für das eine Center nicht für alle in ganz Kanada. Wir hatten ca. 20 Dosen dabei, eine hat ca. 10 Kanadische Cent Pfand, das sind insgesamt also ca. 1,20€. Den Aufwand haben wir nicht eingesehen, da die Schlange auch endlos war. Die Kanadier kommen hier mit Autos voller riesiger Säcke. Anders lohnt sich das auch nicht. Recycling ist natürlich immer eine gute Sache, allerdings passt das System hier gerade nicht zu unserer Lebensrealität. Die Zentren gibt es nur in größeren Städten und haben kurze Öffnungszeiten. Bevor wir extra Sprit verfahren, kommen die Dosen in Zukunft wieder in die Recyclingtonnen, das wird hoffentlich auch recycled, wir bekommen dann bloß das Geld nicht wieder. Wir überlassen nun erstmal unseren Schatz der Allgemeinheit und verlassen Corner Brook fürs erste Richtung Osten.

    Wir kaufen mal wieder bei Walmart ein, dürfte aber das letzte mal gewesen sein. Wir verstehen dieses Ladenkonzept einfach nicht. In diesem Walmart super store ist die Gemüseabteilung kleiner als bei jedem Aldi zuhause. Der Laden an sich ist einfach die falsche Adresse für Lebensmittel. Auf dem Parkplatz kommen wir wie immer mit Einheimischen ins Gespräch, diesmal ist es aber nicht so viel wie beim letzten Stopp in Corner Brook und sehr angenehm. Danach geht es aber wirklich weiter und wir brechen auf nach Deer Lake. Deer Lake ist bekannt für seinen Sandstrand. Das gibt es hier nicht sehr oft, aber als Ostsee verwöhnte Menschen ist das für uns eher unspektakulär. Deer Lake ist einer unserer Orte, wo wir schon seit langem die Wetterentwicklung beobachten. Unsere App hatte für letzte Woche noch regelmäßig -20°C angezeigt, mittlerweile pendeln die Temperaturen aber moderat um 0°C. Der Name Deer Lake hat seinen Namen von den ersten europäischen Siedlern bekommen, diese konnten (wie wir) die ganzen Tiere und ihre Namen aber nicht wirklich auseinander halten. Deers, also Hirsche gibt es hier gar nicht so viele. Was die Siedler damals vermutlich so viel am See gesehen haben sind Caribous, die nordamerikanischen Rentiere. Diese ziehen hier in größeren Gruppen umher. Bisher haben wir leider keine gesehen.

    Während der heutigen Fahrt knacken wir die 2000km auf dieser Tour und sehen eine Trinkwasserquelle direkt am Highway. Es ist hier üblich einfach am Straßenrand des Highways zu parken, wenn man was zu erledigen hat. So steht auch hier ein Pickup an der Seite und jemand füllt seine Kanister auf. Man sieht hier auch viele Leute die ihre Pickups am Highway parken und ihre Schneemobile und Quads abladen, um Holz zu machen oder einfach durch die Gegend zu brettern. Man darf die Highways nicht mit unseren Autobahnen vergleichen. Hier sind die Straßen und Ränder viel breiter und die Geschwindigkeit ist auf 100 km/h begrenzt. Da kann man auch den ein oder anderen Pickup an der Seite abstellen.

    Wir schleichen auf unserem Weg zum nächsten Stellplatz mal wieder langsam die Berge hoch und unser Warnblinklicht arbeitet fleißig. Zitat Chris: “Warum fahren die denn immer so dicht auf, ich habe doch sogar Warnblinker an”. Turns out beide Blinker hinten sind kaputt, also sieht niemand unser fleißig eingeschaltetes Warnblinklicht. Ersatzbirnen haben wir mit, auch wenn ein Blinker jetzt weiß leuchtet. Hier haben Blinker alle möglichen Farben, rot, gelb und weiß, es sollte also kein Problem sein. Unser erster Stellplatzversuch ist leider wieder mit Schnee zugeschoben. Wir überlegen kurz, ob der Volvo das packt, entscheiden uns aber, erstmal ein bisschen zu testen wie er sich im tiefen, antauenden Schnee schlägt und fahren weiter. Der nächste Platz ist geräumt und wir packen zum ersten Mal unsere Campingbank aus. Es ist noch nicht so spät also entspannen wir erstmal ein paar Stunden in der Sonne.

    Die geht doch noch. Das Loch dient der Belüftung
    Sonne, Matsch und ein Getränk was ganz bestimmt keinen Alkohol enthält, denn Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist hier verboten.

    Durch das Entspannen in der Sonne, verschob sich das Duschen heute etwas nach hinten, weswegen das Wasser leider nicht mehr ganz so warm war. Für mich (Chris) nicht ganz so schlimm, da ich als erstes geduscht habe. (Brr… sagt Bretti dazu.) Sauberer als vorher hatten wir noch einen entspannten Abend.

    Fahrtag

    Heute ist wieder ein Fahrtag geplant. Wir fahren den ganzen Weg später wieder zurück und haben uns deswegen entschlossen, erstmal ans Ostende der Insel zu fahren. Dort ist es tendenziell wärmer und dann ist auf dem Rückweg vielleicht schon etwas mehr Schnee geschmolzen. Insgesamt sind das so ca. 650km bis nach St John’s und dem östlichsten Punkt Kanadas. Von hier geht es dann quasi nur noch nach Westen bis an den Pazifik. Wir hoffen, so grob die Hälfte zu schaffen und planen eine längere Pause ein. Wir sind hier nur mit 70km/h unterwegs. Der Volvo würde auch 100km/h schaffen(auf gerader Strecke), aber das wäre uns viel zu laut und verbraucht viel zu viel Benzin. Wir vermuten nämlich, dem Geheimnis unseres erhöhten Spritverbrauchs auf der Spur zu sein. Auf der Probetour durch Polen haben wir zwischen 20 und 25l verbraucht. Autobahn eher 20l, mehr Gelände entsprechend eher 25. Das ist natürlich so schon nicht wenig, aber seit wir in Kanada sind tendiert der Verbrauch eher zu 27l, ohne Gelände, bei ungefähr 80km/h auf den Highways. Des Rätsels Lösung ist, wir sind vorher gar nicht 80km/h gefahren. Auf dem Rückweg der Probetour zeigte der Tacho unter 60km/h nichts mehr an und ich habe ihn zum Überholen eingeschickt. Uns war vorher schon aufgefallen, dass Google Maps so ca. 15km/h weniger angezeigt hat als der Tacho. Jetzt zeigt der Tacho ziemlich genau das an, was auch Google anzeigt und entsprechend fahren wir jetzt schneller, also haben wir auch mehr Verbrauch. Wir sind jetzt 600km nur 70km/h gefahren und sind jetzt bei 22l. Damit kann man leben. Der konkrete Wert ist gar nicht so wichtig, nur dass wir ungefähr wissen, wie weit wir mit dem Tank kommen und dass das nicht willkürlich schwankt. In Nordkanada wird es stellenweise über 400km keine Tankstelle geben, da muss man schon wissen wie weit man kommt.

    Die Fahrt lief sonst ereignislos. Wir können uns an der Landschaft immer noch nicht satt sehen und hören zwischendurch Musik und Podcast. Es gab zwei Highlights an diesem Tag:

    Wir haben ziemlich direkt nach dem Losfahren ein Caribou gesehen. 🥰Es war ein einzelnes Tier, was scheinbar eher ungewöhnlich ist und das Fell ist im Winter noch ganz hell bis weiß. Das Tier lief eine kurze Weile vor uns auf der Straße rum und verzog sich dann wieder in die endlosen Schneelandschaften. Sehr cool, gerne mehr davon.

    Das zweite war ein anderer Camper mit französischen Kennzeichen, der uns überholt hat. Ein anderer Touri und dann gleich aus Europa, Wahnsinn, dachten wir. Den Wagen trafen wir zufällig während unserer Pause wieder und kamen mit dem Herren ins Gespräch. Er kommt gar nicht aus Frankreich sondern von St Pierre und Miquelon. Das sind zwei winzige Inseln hier vor der Küste. Diese gehören zu Frankreich, daher auch die Kennzeichen. Zugegeben vielleicht war auch nur das Caribou das Highlight. Am Ende des langen Fahrtages hatten wir noch einen richtig schönen Stellplatz, der nur etwas zugeschoben war. Diesen Platz haben wir uns auch direkt für den Rückweg gespeichert.

    “Offizieller “Platz direkt am See, wir wären gerne länger geblieben, kommen aber sicher wieder

    St John’s

    Das Wetter ist heute super und das würden wir gerne nutzen um eine Runde in St Johns rumzulaufen und auch mal wieder einen Pub zu besuchen. Die ganze Ecke verweist hier gerne auf ihre irischen Wurzeln und in der Hauptstadt von Neufundland und Labrador gibt es entsprechend viele Pubs. Vorher müssen aber noch weitere 300km abgerissen werden, also geht es zeitig los. Das einzige Highlight der Fahrt ist, dass wir es mit unter 2l Rest im Tank zur Tankstelle schaffen. Wie erwähnt haben wir unseren Spritverbrauch jetzt wieder besser im Griff, das war aber wohl etwas sehr knapp. Wir haben natürlich immer noch Reserve im Kanister dabei. Die Spritanzeige hat eher einen wankelmütigen Charakter, bergab und bergauf macht schonmal 1/8 des Tanks aus. Unsere Regel ist eigentlich nach 200km tanken, 350-400km schaffen wir mit einem Tank, aber heute wollten wir es mal spannend machen.

    In St John’s stehen wir mitten in der Stadt an einem Park, es ist also schon klar, dass die Nacht eher wenig ruhig wird. Dafür ist es nicht weit in die Innenstadt. So richtig wissen wir nicht warum die Stadt so ein Highlight sein soll, aber wir sind auch keine Leute, die sich viele Städte anschauen. Nach etwas umher schlendern zieht es uns ins Kneipenviertel. Wir hatten mal die Idee eine Kneipentour zu machen, aber davon sind wir schon längst wieder abgekommen. Nicht destotrotz ist der Plan, mindestens in zwei Pubs zu gehen, wenn es ganz wild wird vielleicht sogar drei. Der erste ist der Shamrock City Pub. Es lockt uns der Elchburger, den am Ende aber keiner von uns bestellt. Wir teilen uns eine Fingerfoodplatte mit allem möglichen Kram. Unter anderem gibt es eingelegte Gurken im Teigmantel frittiert. Das Bier ist leider etwas enttäuschend. Ob das lokale aus der Kleinstbrauerei oder das kanadische Standard Bier, alle schmecken quasi nur nach Wasser. Dafür ist die Stimmung gut, es wird zu Live-Musik getanzt, mitgesungen und geklatscht. Es sind viele ältere Menschen da, was für uns eher ungewöhnlich ist. Aber gerade die Älteren sorgen für richtig viel Stimmung.

    Es soll noch weitergehen also brechen wir nach jeweils zwei langweiligen Bieren wieder auf. Als nächstes geht es in Christian’s Pub, das musste einfach sein. Der Kontrast ist extrem. Der Laden ist quasi leer und es läuft leise Musik. Diesmal gibt es Guinness, keine spannende Option, aber dafür ein Bier, das nach was schmeckt. Da uns hier aber keine externe Stimmung bei Laune hält, werden wir recht schnell müde, das Licht ist auch eher dämmerig. Wir wollen uns entsprechend um 20:30 Uhr auf den Weg zurück machen, da füllt sich der Laden plötzlich mit mindestens 30 Leuten. Diese hatten sich vorher fürs “screeching” angemeldet. Das ist, ich zitiere: “To get screeched in, one must listen to the barkeep’s pomp, drink a shot of screech, and then kiss a cod on the mouth”. Das ist hier das Ding um Touris 18$ aus der Tasche zu ziehen, um ein “echter Neufundländer” zu werden. Das klingt absolut verlockend, entsprechend mal schauen ob wir uns an einem anderen Tag dazu auch noch hinreißen lassen. (Anmerkung Bretti: Vermutlich nicht.) Zurück im Volvo lassen wir den Abend zu irischer Musik ausklingen.

    Christian vor Christian’s Pub

    Östlichster Punkt der Reise

    Der eigentliche Grund, warum wir bis nach St John’s gefahren sind, ist nicht die Stadt, was wohl auch eine Enttäuschung gewesen wäre, sondern das direkt daneben der östlichste Punkt Kanadas liegt. Wir fanden es ganz passend, vom östlichsten Punkt bis an den Pazifik zu fahren. Heute ist Nebel und Dauerregen angesagt, entsprechend entschließen wir uns spontan Wäsche zu waschen. Und zu unserer Überraschung war das keine Enttäuschung wie sonst. Man mag es kaum glauben, aber man bekommt für sein Geld saubere und getrocknete Wäsche. Das ganze dauert gerade mal eine Stunde und freies WLAN gibt es auch noch. Natürlich war die Frau vor Ort auch noch super nett und wir konnten direkt davor parken, so blieb die getrocknete Wäsche auch bis zum Auto trocken. Falls es mal jemand benötigt, dass ist die Avalon Laundry, 10 von 10. Es können allerdings nicht alle Wäschestücke in den Trockner, deswegen hängt jetzt wieder Wäsche im Auto und es riecht sehr gut.

    Wir halten noch an einer Quelle direkt am Highway. Das fühlt sich erst merkwürdig an, aber es gesellen sich noch drei weitere Fahrzeuge zu uns. Einer der Herren erzählt uns, er trinke nur dieses Wasser seit über 8 Jahren. Es ist irgendwie traurig, wie sehr sich jemand hier über sauberes und vor allem gut schmeckendes Trinkwasser freut, wenn die Gesellschaft alle Möglichkeiten dafür hätte. In einer Gesellschaft, die sich für Kreuzungen mit Stoppschildern an allen Straßen entscheidet, wo der, der zu erst ankommt, zuerst fahren darf, irgendwie auch nicht so überraschend.

    Nun fährt die mobile Verkehrsberuhigungseinheit weiter im ersten Gang zum östlichsten Punkt Kanadas. Hier wird auch fleißig das wieder funktionierende Warnblinklicht genutzt, was dazu führt, das nun die Kontrollleuchte des Warnblinklichts das zeitliche segnet. Da dies leider andere Birnen sind, als für die Blinkerkontrollleuchte habe ich dafür keinen Ersatz mitgenommen. Vorerst muss die Beleuchtung des Scheibenwischerschalters als Ersatz herhalten. Angekommen am Parkplatz machen wir uns im Nieselregen auf für einen kleinen Spaziergang. Es gibt wieder ein paar Geocaches einzusammeln und die Landschaft ist wieder mal traumhaft schön. Am Cape Spear gab es eine Festungsanlage im zweiten Weltkrieg. Uns war gar nicht bewusst, dass auch die Nordamerikaner sich gegen die Deutschen verteidigen mussten und dafür Bunker und ähnliches errichtet haben. Ist absolut logisch, man wundert sich bloß immer wieder wie wenig man doch weiß, obwohl das Thema in der Schule mehrfach behandelt worden ist. Die Verteidigungsanalgen wurden zum Glück nie benötigt. Weswegen diese nach dem Krieg schnell aufgegeben worden sind. Wie auch heute war es hier damals überwiegend nass, kalt, windig und absolut langweilig für die Besatzung. Wir müssen zum Glück nicht in zugigen Holzbarracken ausharren, die beim Erstbezug noch gar nicht existiert haben, sondern machen es uns im warmen Volvo gemütlich und essen Bagels mit Spiegelei. Wie meistens wenn wir irgendwo parken, sehen wir Menschen, die unauffällig Bilder vom Auto machen. Der Grad an Unauffälligkeit steigt, zu unserer Unterhaltung, stark an sobald sie uns bemerken.

    Am alten Leuchttum von Cape Spear
    Blick auf den neuen Leuchtturm
    Die Hafeneinfahrt von St John’s, die von hier verteidigt wurde
    Bewegte Eindrücke von Cape Spear

    Morgen soll das Wetter wieder sonnig werden, also haben wir uns eine Wanderung rausgesucht, den La Manche Village Path. Dafür fahren wir noch zum Wanderparkplatz. Google will uns diese “Straße” hier lang führen, die ist aber leider gesperrt. Schade, das wäre eigentlich das richtige für den Volvo. Wir nehmen stattdessen die “langweiligere” Straße um den Park herum und kommen über einen Weg voller Schlaglöcher am ruhigen Wanderparkplatz an.

    Googles Routenführung ist wieder super