Category: Canada

  • Woche 20 | Teil 1: Entspannte Tiere, entspannte Reisende | 16.014 km

    Woche 20 | Teil 1: Entspannte Tiere, entspannte Reisende | 16.014 km

    Ein Besuch in Fort Nelson

    Wir fahren nach dem Frühstück erstmal zum Visitor Center in Fort Nelson. Das hat zwar keine Ausstellung, dafür gibt es aber alles mögliche an Infomaterial, zum Beispiel das Zeug, was uns der ältere Herr gegeben hat und vieles mehr. Zusätzlich gibt es offenes WLAN und Kaffee gratis. Wir kaufen noch ein paar Postkarten, in der Hoffnung, dass wir die auf dieser Reise vielleicht abschicken, bevor wir wieder Zuhause sind. Direkt gegenüber ist das Fort Nelson Heritage Museum, dort schauen wir auch noch vorbei. 10C$ kostet der Eintritt, ob sich das so gelohnt hat, wir sind uns nicht so sicher. Es ist eine wilde Mischung aus Schrottplatz, Tieraustellung und Trödelladen. Alles ganz nett, aber es gibt jetzt keine Beschreibung zu den Ausstellungsstücken oder ein System. So steht ein ausgestopfter Schwarzbär, neben alten Außenbordmotoren. Über den Motoren hängt ein nach alter Tradition gebautes Kanu. Daneben wiederum steht eine Sammlung von alten Gewehren. Hier ist ein Schrank voller alter Flaschen, dort stehen 10 Faxgeräte. Es gibt auch mehrere Gebäude und außen herum steht ein wilder Fuhrpark an Zeug. “Hauptsache alt” ist hier das Motto. Sogar eine ganze Kirche wurde vom Museum abgeholt und wird hier ausgestellt.

    Fort nelson haritage Museum von außen
    Das Museum von außen
    Ausgestopfte Tiere im Museum. Unteranderem ein albino Elch
    Der Gang mit ausgestopften Tieren
    Alte Dinge im Museum, alles ganz schön chaotisch
    Ehm Gerümpel?
    Alte Autos in der Museums Garage
    Hier stehen richtige Schätze, sogar überdacht
    Blumenbett in Baggerschaufel. Schild mit Museums Motto: Preserving the Past for the future
    Schicke Blümchen gab es auch
    Das Kirchengebäude wurde in einem Stück hierher transportiert
    Schild an der Hundetränke: Wasser für die Hunde oder kleine Leute mit niedrigen Standards. Wir verurteilen nicht.

    Nach dem Museum geht es weiter entlang des Alaska Highways Richtung Northern Rocky Mountains. Es wird wieder richtig bergig und gibt einige sehr schöne Aussichten auf die Berge. Zu den schönen Aussichten läuft uns einiges an Wildlife über den Weg. Erst ein paar Caribous, dann folgt ein Stachelschwein bzw. ein Urson oder auch Nordamerikanischer Baumstachler. Die laufende Stachelkugel sehen wir leider nur im Vorbeifahren, aber später läuft uns noch einer in bester Foto-Entfernung über den Weg.

    Caribou Teenager am Straßenrand
    Junges Caribou im Fellwechsel
    Caribou am Straßenrand
    Caribou Mutti ist auch dabei
    Straße schlängelt sich durch waldige Berge
    Endlose Straßen durch den Norden BCs
    Am Straßenrand warnt ein Schild vor Bisons
    Ein Schild warnt vor Bison uns gibt das eher Hoffnung/Vorfreude
    Kurzer Stopp an einer der vielen schönen Bergseen

    Es hört heute gar nicht mehr auf mit den Tieren. Am Straßenrand steht einfach ein Bison und futtert sich durch den Grünstreifen. Es handelt sich hier um ein Wood Bison. Die Bisons im Grasslands National Park wollten sich ja nicht zeigen, aber der Kollege lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Wir halten trotzdem einen großen Sicherheitsabstand zu diesem respekteinflößenden Tier und bleiben im Auto.

    Bison steht am Straßenrand und schaut in die Kamera
    Bison unscharf, aber mit Gesicht
    Bison grast am Straßenrand
    Bison futtern den Grünstreifen ab

    Bretti meint: “Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Bär”. Kanada will heute angeben, deswegen ist direkt nach dem Bison ein Schwarzbär am Straßenrand unterwegs. Es folgen noch zwei weitere bis wir am Stellplatz ankommen. Seid dem Baumstachler sind wir nur 16 km gefahren. Ganz schön was los hier, liegt das daran, dass wir etwas später unterwegs sind? Mittlerweile ist es 18:35 Uhr. Dämmerung ist hier aber noch lange nicht. Naja, wir freuen uns sehr.

    Schwarzbär in der Blumenwiese
    Schwarzbär Nr. 2 am Straßenrand
    Schwarzbär näher dran in Blumenwiese
    Schwarzbär Nr. 3

    Unser Stellplatz ist heute am Liard River. Vorher geht es noch einen kleinen matschigen Weg durch den Wald und dann noch eine ordentlich steile Stelle runter ins Flussbett. Bretti fährt heute schon fast die ganze Zeit und so sammelt sie nun die ersten Erfahrungen im Fahren in der Untersetzung auf etwas offroadigerem Weg. Auto und Menschen sind heil angekommen, davon wird es in Zukunft mehr geben.

    Bären Abdrücke am Flussufer
    Bärentatzenabdrücke am Flussufer
    Blick zurück zur Straße mit der Brücke über den Fluss
    Blick zurück zur Straße

    Wir trinken noch ein Bierchen am Wasser und dann verstecken wir uns vor den Mücken im Volvo. Morgen geht es nur die 4 km zu den Liard Hotsprings auf der anderen Seite des Flusses.

    Heiße Quellen und Ruhe

    Wir frühstücken noch mit Flusssicht, schmieren uns ein paar Brote und dann geht es mit dem Auto zu den heißen Quellen. Die beiden Becken sind sehr natürlich gestaltet und für jeden ist ein Temperaturberreich dabei. Ganz oben sehr, sehr heiß und weiter unten schon fast kalt. Wir haben unser Auto am umzäunten Campingplatz zurück gelassen. Hier gibt es viele Bären, deswegen wurde ein Elektrozaun um den Campingplatz gezogen. Die Quellen erreicht man über einen 500 m langen Bohlenweg durch den Sumpf. Die Quellen liegen außerhalb des Zauns, darum ist hier Essen und alles, was Bären anlocken könnte, verboten. Wir entspannen bis wir unsere vier Wasserflaschen ausgetrunken haben in den Quellen und laufen für einen kleinen Snack zurück zum Auto.

    Steg führt durch das Sumpfgebiet
    Bolenweg durch den Sumpf
    Bretti am Tor im elektrozaun mit schockiertem Gesichtsausdruck
    Bretti am Elektrozaun. Schockierend

    Wir entspannen noch etwas im Auto und dann geht es zurück zu den Quellen. Diesmal erkunden wir auch den Kaltwasserzulauf. Unter den Ästen und Wurzeln wirkt das alles sehr mystisch. An der Kaltwasserquelle angekommen ist es dann aber doch etwas sehr kalt und es geht zügig zurück in die wärmeren Bereiche. Im Laufe des Tages hat sich der Badebreich schon gefüllt, aber es findet sich ausreichend Platz für jeden. Diesmal bleiben wir nicht ganz so lange und fahren bald zurück zum Stellplatz am Fluss

    Chris und Bretti Selfi im zugewucherten Fluss
    Selfie im Kaltwasserzufluss
    Bretti schaut ins herein fallende Licht aus dem Wasser
    Der Teil wirkt richtig urig
    Bretti schwimmt zurück zum warmen Teil umgeben von Wald
    Auf dem Rückweg in dem warmen Bereich weitet sich das Becken auch wieder

    Am Stellplatz mündet ein kleinerer Fluss in den Liard River. Auf dessen anderer Seite futtert sich ein Baumstachler (viel coolere Bezeichnung als Stachelschwein) durch die Uferbegrünung, als wir ankommen. Es schaut kurz rüber, lässt sich insgesamt aber nicht vom Volvo oder uns stören.

    Stachelschwein isst Pflanze
    Baumstachler haben orangene Zähne
    Absolut putzige Viecher

    Hier duschen wir uns ordentlich ab, das heiße Quellwasser hat schon einen eindeutigen Schwefelgeruch. Den Rest des Tages entspannen wir einfach nur. So stellt man sich einen Ruhetag vor.

    Aussicht aus dem Volvo um 23:30, sehr dunkel ist das nicht
    Um 23:30 Uhr ist es hier immer noch nicht so richtig dunkel

    Ruhetag light

    Man mag es kaum glauben, aber wir hängen direkt noch einen Ruhetag dran. Zumindest fahren wir heute nicht weiter. Entsprechend starten wir mit einem Sektfrühstück und dann gibt es einen weiteren Call mit einem Kumpel, der uns Anfang September besuchen kommt. Für uns ist es 11:00 Uhr vormittags, für ihn 20:00 Uhr. Zeitverschiebung ist schon was wildes. Es wird sicherlich spannend, zu dritt im Volvo unterwegs zu sein. Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr darauf. Die Zeit verfliegt ziemlich schnell und da er am nächsten Tag arbeiten muss, legen wir zeitnah auf. Nun haben wir Zeit für etwas Haushalt. Es regnet schon den ganzen Vormittag und dabei fällt uns auf, dass es minimal in unseren Vorratsschrank regnet. Ungünstig. Wir haben beim Restaurieren schon unzählige Löcher im Dach geflickt, scheinbar nicht gut genug. Naja, kann man erstmal nichts machen, Handtuch drunter und gut, es ist zum Glück nicht viel. Es wird weiter am Blog geschrieben und Beiträge vertont.

    Die regen Wolken hängen sehr tief über dem Fluss und verhüllen die Berge
    Regenwolken hängen sehr tief im Tal

    Als es aufhört zu regnen, klettert Chris aufs Dach. Er findet auch einen Riss, der die Ursache für das Wasser im Schrank sein könnte. Das versuchen wir bei Zeiten abzudichten. Da es momentan nicht viel regnet, haben wir da keine Eile. Es soll den restlichen Tag trocken bleiben, also geht es jetzt ans Holzmachen fürs Lagerfeuer. Die Kettensäge liefert wieder gute Arbeit und natürlich machen wir zu viel Holz. Während wir fleißig sind kommt eine Familie zum Angeln vorbei. Ihr Golden Retriever bellt unseren Staubsauger an (im Volvo wird der Boden sonst schnell zur Sandkiste), sonst aber alles entspannt. Auf der Suche nach weiterem Feuerholz merken wir, dass sie ihren Pickup die ganze Zeit haben laufen lassen. Absolut unverständlich sowas, alleine wegen der Spritpreise. Nach ein paar Stunden verschwindet die Familie dann auch wieder und wir machen uns ans Grillen.

    Bretti sitzt auf der campingbank vor dem Volvo an der feuerschale und neben ihr rauscht der Fluss
    Grillen aus der Distanz

    Die Würstchen werden zum Teil gegrillt und zum anderen Teil geräuchert, das Holz ist natürlich nicht richtig trocken. Der Rauch vertreibt immerhin die Mücken und wir haben einen entspannten Abend. Im Laufe des Abends kriechen die Wolken über die Berge gegenüber, das sieht ganz cool aus, so richtig einfangen konnten wir das aber nicht.

    Der Berg auf der anderen Flussseite ist völlig in Wolken verhangen
    Wolken verhüllen die Gipfel und im Vordergrund wird ein baum von der Sonne beschienen
    Die Wolken schleichen sich über die Berggipfel

    Nach den zwei Tagen ohne wirklich Auto zu fahren, ist die Batterie vom Volvo relativ leer. Da fällt uns in der App auf, dass die Solaranlage auch seit fünf Tagen keinen Strom mehr liefert. Sowas sieht man natürlich immer erst, wenn die Batterie leer ist… Für die Nacht wird es schon noch reichen und morgen fahren wir eh weiter.

    Während wir am Feuer sitzen, denken wir uns, dass wir einen Bären bei den Geräuschen der Flüsse eh nicht kommen hören würden und er uns vermutlich auch nicht. Hoffentlich schreckt die der Feuergeruch eh erstmal ab. Mit diesen entspannten Gedanken beenden wir den Teil hier und wie es weiter geht, lest ihr dann im zweiten Teil.

    Volvo am Flussufer im Sonnen untergang
    Wurden wir an diesem Platz doch von Bären gefressen? Lest mehr in Teil 2

    Frage an die Lesenden: Nutzt jemand einen Screenreader bzw. ist auf Alternativtexte der Bilder angewiesen?

  • Woche 19 | Teil 2: Auf nach Norden und in den Matsch | 15.704 km*

    Woche 19 | Teil 2: Auf nach Norden und in den Matsch | 15.704 km*

    *Info: Die Kilometerzahl im Titel zeigt die bisher auf unserer Reise gefahrenen Kilometer.

    Von Flüssen und Wandern

    Wir frühstücken direkt am Fluss und “baden” dann im flachen Uferbereich des Flusses. Uns ist bewusst, wie gefährlich Strömungen in Flüssen sind und gehen deswegen nie weiter als bis zu den Knien hinein. Hier hat der Fluss auch sichtlich eine starke Strömung. Allerdings ist es ziemlich warm und etwas Abkühlung muss da sein. Da wir schon mal nass sind wird direkt noch geduscht.

    Chris rangiert etwas hin und her, vielleicht ragt auch der ein oder andere Ast in die Fahrerkabine, aber dann geht es eigentlich ganz gut raus aus der Parklücke. Es geht den etwas offroadigen Waldweg zurück zum Highway, wo wir noch an einer natürlichen Quelle stoppen. Der Schlauch, aus dem das Wasser kommt, ist so lang, dass wir versuchen ihn direkt in den Tank zu halten. Da man den nicht abstellen kann, fluten wir dabei ein bisschen das Auto.

    Volvo an der Quelle

    Immerhin ist der Tank bei dem Wasserdruck schnell voll. Wir fahren die paar Kilometer nach Hinton, kaufen ein und tanken. Da die Preise hier recht hoch sind, füllen wir nicht alle Kanister auf, in der Hoffnung, dass die Preise wieder sinken. (Seit dem Zeitpunkt sind die Preise um gut 40 Cent gestiegen…)

    Wir fahren zum William A. Switzer Provincial Park, hier haben wir uns eine kleine Wanderung rausgesucht. Es geht vorbei an einem alten Friedhof durch eine buschige Wiesenlandschaft bis zu einem Flugzeugwrack. Es gibt hier unzählige Blumen und entsprechend viele Insekten. Irgendwie hören wir keine Vögel, vielleicht ist es denen auch zu warm. Uns ist auf jeden Fall sehr warm und es gibt kaum Schatten, geschweige denn Wind. Vielleicht steckt uns das Rafting mehr in den Knochen als erwartet, aber wir sind ganz schön platt, als wir nach ca. 3,5 km am Flugzeug ankommen. Für das Flugzeug oder den Friedhof würden wir die Wanderung nicht empfehlen, das lohnt jetzt nicht so, aber die ganzen Blumen sind schon sehr schön. Vielleicht eher was für den frühen Abend.

    Wanderweg durch die Blumenlandschaft
    Der überwucherte Friedhof
    Das abgestürzte Flugzeug von innen
    Bretti und das Flugzeugwrack
    Blumen Kollage
    Oben: Echter Pastinak (vermutlich), unten: Schafgarbe
    Schmetterlinge auf Blumen Kollage
    Police Car Moths bei der Paarung (oben) oder am snacken auf einem Hahnenfuß (unten)
    Links: Glaucous larkspur (Delphinium glaucum), rechts: evtl. Alpen-Süßklee (Hedysarum alpinum)
    Oben: Castilleja/Paintrbrush, mitte links: Weißer Storchschnabel, rechts: Feuer-Lilie/Wood-Lily, unten links: Klee, rechts: Berufskraut/Erigeron

    Zurück am Auto sind wir ordentlich platt. Dafür haben Brettis neue Schuhe ganze Arbeit geleistet, die nächsten Wanderungen können kommen. Da wir nur 16 km vom letzten Übernachtungsplatz entfernt sind, überlegen wir, kurz zurück zu fahren, entscheiden uns dann aber dafür, 16 km weiter zu einem anderen Platz an einem anderen Fluss zu fahren.

    Der Platz ist auch sehr schön und etwas durch den Matsch und über Bäume fahren konnten wir hier auch. Es ist noch recht früh, aber da wir ordentlich platt sind, ist das schon ok. Wir entspannen uns erstmal mit einem Bierchen am Fluss und kühlen uns mit den Füßen im Wasser ab. Danach passiert auch nicht mehr viel, Chris macht ein spätes Mittagsschläfchen und dann wird gekocht. Es werden noch die Bilder der letzten Tage gesichtet, z.B. 4.500 Bilder von der Zeitrafferaufnahme während des Raftings und dann geht es ins Bett.

    Den halben Wald haben wir am Reifen kleben
    Stellplatz direkt am Fluss
    Bretti sitzt barfuß auf einem Stein im FLuss mit einer Brotdose in der Hand
    Snackpause im Fluss

    Kanadische Freizeitaktivitäten bei Grande Prairie

    Heute steht ein längerer Fahrtag an. Wir erfrischen uns noch kurz im Fluss und dann geht es los Richtung Norden. Während Chris einen Platz zum Anhalten sucht, er hat sein Spaßgetränk hinten vergessen, sehen wir einen Kojoten am Straßenrand. Wir fahren ein Stück weiter und halten dann. Nachdem Chris sein Getränk geholt hat, sehen wir, dass der Kojote in unsere Richtung läuft. Wir sind etwas besorgt, dass der Kojote zu Autos (also uns) läuft und nach Essen sucht, aber er scheint kleinere Tiere im hohen Gras zu jagen und biegt kurz vor uns in den Wald ab.

    Coyote im hohen Gras

    Auch wenn das Foto recht nah wirkt, ist der Kojote immer noch 50 m oder so weit weg. Das ist mit einem 600 mm Teleobjektiv plus digitalem nachträglichen Zoom erstellt worden.

    Nach dieser kleinen Fotopause geht es weiter zu den Sulphur Gates. Hier hat der Smoky River eine wasserundurchlässige Schicht durchbrochen und so dieses beeindruckende Felstor geschaffen. Das kann man sich schon mal anschauen.

    Flusstal des Smokey Rivers mit Flesen
    Smocky River mit seiner milchigen Farbe
    Der Smokey River trifft den Sulphur River. Man sieht wie sich das milchige und das klare Wasser mischen
    Der Windanzeige-Bart ist auch wieder aktiv

    Wir fahren weitere 200 km bis kurz vor Grande Prairie zu einem Fluss. Hier wollen wir eigentlich direkt am breiten Flussufer stehen, aber die Zufahrt ist absolut schlammig. Es steht auch ein Pickup herum, der sieht so aus, als ob er aus der “Pfütze” gezogen worden ist und jetzt nicht mehr fährt. Wir trauen uns das nicht zu und fahren auf die andere Flussseite. Das war auch die richtige Entscheidung, wir sehen vom gegenüberliegenden Ufer nur ein paar Quads und Motorräder, die zum Ufer runter fahren. Die Einheimischen gehen alle zu Fuß.

    Volvo am Fluss mit Brücke im Hintergrund
    Trotzdem ganz netter Stellplatz

    Unser Stellplatz liegt direkt an der lokalen Offroadstrecke und so herrscht hier einiges an Betrieb. Wir hatten uns nicht durch die Schlammlöcher getraut, aber morgen vielleicht?

    schlammige Offraodstrecke im Wald
    Die Strecke überlassen wir erstmal den Einheimischen

    Hier kommen einige Motorräder, Quads, Jeeps und Pickups vorbei. Es angeln einige und es kommt auch das ein oder andere Sportboot vorbei. Allerdings hören wir irgendwann ein sehr lautes Motorengeräusch aus der Ferne näher kommen. Ein Rennboot kommt mit röhrendem Motor den Fluss entlang. Wendet und dröhnt wieder zurück. Das wird sich heute noch ein paar mal wiederholen.

    Spannende Freizeitaktivitäten haben die Kanadier, aber warum nicht.

    Generell ist es kurz laut, wenn ein Fahrzeug vorbei fährt, dann wird es aber bald wieder leise. Gegen 22:30 Uhr kommt eine ganze Truppe mit Quads, Jeeps und Pickups vorbei. Allerdings wird es diesmal nicht nach kurzer Zeit leiser, also gehen wir mal gucken.

    Ein paar Fahrzeuge haben sich festgefahren und es wird versucht, diese zu befreien. Beim Zuschauen kommen wir mit den Leuten ins Gespräch, es sind überwiegend jüngere Leute aus der Gegend. Wir sprechen wieder über alles mögliche bis alle Fahrzeuge befreit sind. Einige ziehen dann die Strecke weiter durch, andere drehen um. Am Ende springt der letzte der Truppe noch auf die Ladefläche eines Pickups und fährt so mit nach Hause. Sehr klischeehaft, aber auch schon cool. Wir gehen zurück in den Volvo und gucken unsere Serie weiter. Später hält noch ein Jeep mit einem leicht angeheiterten Pärchen neben uns und quatscht uns an. Sie haben beide eine ordentliche Fahne, sonst ist das Gespräch aber sehr nett, auch wenn wir viele Fragen zum Auto nicht beantworten können, wie z.B. die Getriebeübersetzung der Portalachsen ist. Naja. Sie punkten außerdem mit ihrem sehr süßen Beaglemix, der uns anschlabbert. Nach einer Weile ziehen auch sie weiter und wir können langsam mal ins Bett.

    Es ist uns schon öfter aufgefallen, dass das Verhältnis zu Alkohol im Straßenverkehr hier anders gehandhabt wird. Die Gesetzeslage ist dabei ähnlich wie in Deutschland, es halten sich bloß noch weniger Leute daran. Es wundert uns nicht, dass es eine der häufigsten Todesursachen ist, sich mit einem motorisierten Fahrzeug unter Alkoholeinfluss um einen Baum zu wickeln…

    Nun wollen wir auch

    Wir haben uns gestern schon vorgenommen, die Offroadstrecke auch zu versuchen. Die meisten meinten, das sollte schon passen. Wenn die Jeeps und Pickups da durch kommen, sollte unser 6×6 das auch packen, denken wir. Vorher wird aber versucht, auszuschlafen. Nicht so einfach, denn ab 6:00 Uhr rollen die LKWs der nahen Papierfabrik über die Brücke und Chris hatte einen Albtraum. Er musste einen Test über die Witcher Buchreihe schreiben und wusste nichts. Schlimm. Wieder einschlafen klappt entsprechend nicht. Um 7:30 Uhr kommt das Rennboot wieder vorbei. Bretti juckt der ganze Lärm wie immer null. Sie rollt sich kurz auf die andere Seite und schläft weiter.

    Als gegen 9:00 Uhr dann ganz viele Rennboote hinter einander vorbei brettern, scheint uns das doch etwas unwahrscheinlich für ein Hobby zu sein. Es stellt sich heraus, heute ist hier ein Speedboot-Event und um 9:00 Uhr ging das erste von mehreren Rennen los. Gut, dass wir hier nicht länger bleiben wollen, das ist sogar für den motorenbegeisterten Chris zu viel Krach.

    Wir packen alles zusammen und bereiten uns auf die Offroadstrecke vor. Bretti filmt das erste Hindernis noch von außen, dann steigt sie mit ein. Es ist für uns sehr aufregend, aber wie man uns ansieht haben wir auch ordentlich Spaß.

    Mit Schlamm bespritzer Volvo
    Ist etwas dreckig geworden
    Dreckiger Chris der sich freut
    Chris ist auch dreckig geworden und er freut sich
    Auch unten ist alles etwas schlammig geworden
    Der Auspuff hat eine neue Schutzbeschichtung bekommen

    Es gab auch ein paar Learnings: Fenster vor der Schlammpfütze zu machen und lieber nur durch Dinge fahren, wo kein Wasser steht. Das eine Loch war doch ganz schön tief. Eigentlich sollte man eh durch alles vorher durch laufen, aber naja.

    Am Ende der Strecke fahren wir kurz über das Kiesbett am Ufer des Flusses und dann nochmal zurück. Diesmal ohne das tiefe Schlammloch vom Hinweg. Kurz vor der Teerstraße treffen wir noch auf das, mittlerweile hoffentlich nüchternere Pärchen von Gestern. Kurzer Schnack und dann wünschen sie uns eine schöne Reise. In der Stadt füllen wir wieder unsere Vorräte auf und checken auch einen weiteren Baumarkt aus. Hier kaufen wir Dinge für eine neue Feuerlöscherhalterung, die originale ist leider schon eine Weile kaputt. Es ist schon Mittag und nun geht es endlich weiter Richtung Norden.

    Auf dem Highway kommt uns ein Pickup mit einem Getreidesilo auf dem Hänger entgegen. Man transportiert hier alles mit Pickups.

    Silo wird auf Autoanhänger transportiert
    Screenshot von unserer Dashcam

    Wir erreichen irgendwann Dawson Creek und Kilometer 0 des Alaska Highways.

    Chris vor dem Alaska Highway Schild, redet mit anderen Reisenden über den Volvo
    Chris redet mit anderen Reisenden
    Alaska Highway Mile 0 Schild
    Standardfoto für alle Reisenden

    Es zeigt sich noch ein Kojote am Straßenrand, aber sonst ist die Fahrt heute eintönig und langweilig. Es ist flach und geht meistens einfach gerade aus. Das ganze macht uns recht müde und die eine Stunde Zeitverschiebung nach vorne hilft da auch nicht. Wir sind froh als wir entspannt an der Recreation Site am Inga Lake ankommen. Unser Platz ist schön direkt am See gelegen, leider ist der See nicht so einladend. Man kann ja aber nicht alles haben. Hier sind wieder Leute, die meinen, ein Generator gehöre zu einem entspannten Wochenende in der Natur dazu. Diese befinden sich zum Glück aber am anderen Ende des recht großen Geländes.

    volvo auf recreation site campingplatz
    Stellplatz für uns wie immer völlig überdimensioniert
    Eichhörnchen steht vor Blumenwiese
    Es gab zu lange keine Eichhörnchenbilder

    Wir sprechen mit einigen Leuten. Unter anderem einem Pärchen, welches für mehrere Monate Bäume in der Forstwirtschaft in Alberta gepflanzt hat und nun mit dem verdienten Geld einen Roadtrip macht. Das ist hier scheinbar ein klassischer Sommer-Job. Ein anderer hält mit seinem Pickup, der ein großes Dieselfass geladen hat und wir sprechen über das Reisen und den Norden Kanadas. In ein paar Wochen will er selber los und wir tauschen Nummern aus, vielleicht trifft man sich ja wieder. Er gibt uns auch einiges an Infomaterial über den Alaska Highway. Wo Werkstätten, Restaurants, Campingplätze und co sind. Generell sind die wenigen Geschäfte, die es hier im Norden gibt, scheinbar gut organisiert und geben zusammen Infomaterial und Karten raus. Sehr praktisch. Bevor er geht, fragt er noch, ob der Volvo ein Diesel wäre, wir verneinen. Schade, denn er hätte uns alle Tanks und Kanister gratis aufgefüllt. Wäre bei den Benzin- und Dieselpreisen hier ein Träumchen gewesen.

    Als alle abgezogen sind, schraubt Chris am Volvo und Bretti backt einen Brownie. Bei dem ganzen Schlamm, der immer noch am Auto klebt, war sie irgendwie gar nicht so motiviert die Schrauberaufgabe zu übernehmen, komisch. (Und Chris war eh schon dreckig.) Es gibt hier viele Mücken und es ist recht kühl, für Morgen sind nur 11°C angesagt😱, entsprechend verziehen wir uns zeitig ins Auto und haben noch einen entspannten Abend.

    Ein regnerischer Tag entlang des Alaska Highways

    Der heutige Tag startet mit Regen und so verwandelt sich die Schotterpiste in eine Schlammstrecke. Die LKWs sorgen für eine gute Durchwühlung. Für den Volvo ist das alles kein Thema, wie die Pickup-Leute ihre riesen Wohnwagen vom Platz bekommen wollen, ist eine andere Frage. Naja..

    Matsch am Volvo
    Etwas dreckig geworden

    Wir tanken in Wonowon für 2,24C$ (1,39 €). Für Deutschland wäre das günstig, hier ist das schon ganz schön happig. Normal wäre hier so 1,70C$. Während wir tanken “tropfen” faustgroße Schlammbrocken vom Auto. Dann geht es weiter Kilometer abreißen. Während der Fahrt bemerken wir eine Hummel oder Biene, die an unserem USB-Ladekabeln hängt. Sie ist wohl irgendwann durchs offene Fenster gestürzt. Wir wollten eh gerade Pause machen, also halten wir an. Sie will unser USB-Kabel erst gar nicht los lassen. Hoffentlich ist sie nicht zu weit von zuhause weg und berappelt sich. Im Zweifelsfall ist sie ein einfacher Snack für einen Vogel. Da machste nichts.

    Wir fahren durch endlose Wälder, mal in der Sonne, mal durch dichten Nebel. Ein Elch läuft vor uns über die Straße, bleibt kurz stehen und verschwindet dann wieder in den endlosen Wäldern.

    Der Wald wechselt hier zwischen lebendig und verbrannt. Die verkohlten Flächen reichen oft bis zum Horizont. Es ist kaum vorstellbar, was für ein Inferno hier gewütet haben muss.

    Viel Straße, viel Wald und wenig los
    “Nebel, Nebel überall…”, kennt noch wer dieses Kinderlied?

    Vor Fort Nelson stellen wir uns an den Muskwa River, der momentan nicht sein ganzes Flussbett in Anspruch nimmt, so dass wir hier einen entspannten Übernachtungsplatz finden.

    Ein riesiges Flussbett für so “wenig” Fluss

    Wir machen einen kleinen Spaziergang. So hoch wie die Bäume hier sind, scheint es hier in der Regel trocken zu bleiben. Während wir zurück zum Auto gehen, grüßt ein vorbeifahrender Pickup-Camper mit “Guten Abend”. Zurück am Volvo sehen wir, dass er wieder viel Öl verliert und starten einen neuen Abdicht-Versuch, immer noch der Ventildeckel. Wir beenden diese Woche mit kochen, Blog schreiben und Videoschnitt. Wie unser Weg weiter in den Norden verläuft, lest ihr dann nächste Woche.

    Das Bild ist schon Mittwoch entstanden, wollen wir euch aber nicht vorenthalten.

  • Woche 19 | Teil 1: Verkohlte Wälder und schmelzende Gletscher

    Woche 19 | Teil 1: Verkohlte Wälder und schmelzende Gletscher

    Nachtrag zu Woche 18 Teil 2

    Die Bilder von den Kanutouren sind jetzt sortiert und hier eine Auswahl

    Hirschartiges Tier am See
    Hirschartiges Tier im Wasser
    Seeadler in der ferne
    Unscharfes Foto vom Adler, bevor er über uns hinweg geflogen ist
    Common Loon spielt sich auf
    Common Loon spielt sich auf
    Common Loon mit kleiner Insel
    Ein common Loon Pärchen
    Ein Common Loon Pärchen

    Organisationstag in Calgary

    Unser Übernachtungsplatz füllt sich mit Arbeitsautos, Tauchern und dann kommt auch noch ein Kran. Wir düsen lieber nach dem Frühstück direkt los, bevor wir hier im Weg stehen oder nicht mehr weg kommen.

    Wir fahren die 70 km nach Calgary. Zuerst wird Wäsche gewaschen. Wir sind jetzt schon zwei Wochen rund um Calgary unterwegs, also genau eine Wäschelänge (die Zeit, die wir ohne Kleidung waschen auskommen). Wir sammeln unsere Pakete ein, das ganze läuft absolut problemlos. Dann geht es etwas mehr in die Innenstadt. Bretti geht zur Piercerin, einen ihrer Stecker gegen einen Ring tauschen und allgemeine Kontrolle. In der Zwischenzeit kauft Chris ein.

    Calgyry Ortsschild
    Zurück in Calgary
    Eulen Kaffee Tasse
    Coole Tassen im Café. Leider kein guter Kaffee

    Als letzte Station steht heute noch eine Paketabholung an. Wir hatten Ersatzteile zum Kumpel von Bretti nach Hamilton geschickt. Das Weiterschicken zu uns hatte sich als schwierig gestaltet. Die Postfiliale, in der wir jetzt schon zwei mal Pakete abgeholt haben, existierte nach dem System der Canada Post nicht und so konnte die kanadische Post uns das Paket nicht schicken. Die Nachbarin vom Kumpel hat hier einen Bruder und da holen wir unser Paket nun ab. Er wohnt etwas außerhalb von Calgary und man kann sagen, wir fallen mit dem Volvo hier schon etwas auf. Sobald wir die Auffahrt hoch gefahren sind, werden wir direkt in Empfang genommen und quatschen locker zwei Stunden über unsere Reise und das Auto, aber auch über sein Leben und die verschiedenen Stationen darin. Jetzt ist er “nur noch” Großvater und damit sehr glücklich. Wir hätten noch viel länger seinen Erlebnissen zuhören können, das holen wir hoffentlich ein anderes Mal nach.

    Wir hatten eigentlich gar nicht damit gerechnet, heute alles zu erledigen, aber nun geht es für uns schon wieder zurück in die Berge. Da es eh schon spät ist, werden wir auf einem der Highway Rastplätze im Banff National Park übernachten. Nicht sehr ruhig, dafür weiß man, was man bekommt und kann dort auch sehr spät auftauchen. Wenn wir nicht wissen, ob am Ziel noch ein Platz für uns frei ist oder der Platz überhaupt zugänglich ist, versuchen wir nicht erst so spät anzukommen, bevor man dann noch im Dunkeln einen weiteren Platz suchen muss. Am Ende sind wir noch 170 km gefahren, bevor wir uns alleine auf dem Rastplatz einrichten.

    Autobahnrastplatz mit Aussicht

    Gletscher und gefüllte Paprika

    Diese Nacht haben wir eher mittelmäßig geschlafen, aber was soll man auch am Highway erwarten. Heute geht es aus dem Banff National Park in den Jasper National Park. Hier ist es leider genau so voll wie in Banff und so lassen wir einige unserer geplanten Stopps aus, dafür kommen spontan andere dazu. Generell sammeln sich die Touris an den Spots, die als erstes bei einer Google Suche von TripAdvisor und co. ausgespuckt werden. An allen anderen genau so schönen Plätzen ist man fast alleine.

    Panoramastraße durch den Park
    Stau auf dem Abbieger zum Viewpoint Parkplatz, das sparen wir uns lieber
    Bretti in einem der vielen schönen Seen
    Steiler Anstieg der Parkstraße
    Anfahrt zum Columbia Icefield

    Wir fahren bis zum Columbia Icefield. Hier wirbt alles mit dem riesigen Eisfeld, welches sich zwischen den Gipfeln erstreckt. Man kann darauf rumgefahren werden oder eine Gletscher-Wanderung machen. Wir hatten erst überlegt, eine Wanderung mit zu machen, aber diese ist uns zu teuer. Generell scheint uns, mit einem tonnenschweren Dieselbus auf einen durch den Klimawandel schmelzenden Gletscher zu fahren irgendwie das Falsche zu sein. Ist natürlich super inkonsequent, wenn man mit einem Spritschlucker her gefahren ist, aber naja. Dafür wandern wir das kurze Stück zum Gletschersee.

    Wanderchris auf der Brücke
    Adventure Brücke über den Fluss
    Bretti und der Gletscher mit den neuen Wanderstöcken
    Chris mit vollem Einsatz für die Blog Fotos
    Die Spuren, die die Gletscher in die Felsen geritzt haben

    Vom Aussichtspunkt aus sieht man auch gut, dass die ganzen Attraktionen nicht auf das Eisfeld zwischen den Gipfeln führen, sondern nur 500 m auf den Athabasca Glacier. Das ist einer der Gletscher, die aus dem Eisfeld entspringen und auch der zugänglichste. Es wirkt etwas lächerlich, dass die Touris am Visitor Center, an dem wir auch geparkt haben, in einen normalen Bus steigen, 3km Zufahrt fahren, dort in einen 6×6 Bus umsteigen, um dann 500 m weiter als wir 15 Minuten auf dem Gletscher rumzulaufen. Wir sind den Weg einfach gelaufen, zwar kommen wir so nicht aufs Eis, aber eine gute Sicht haben wir auch von hier. Gletscher sind trotzdem sehr beeindruckend und es lohnt sich definitiv herzukommen. Wir trinken ein Bierchen mit Blick auf den Gletscher und die Touris. Den Rundweg mit den Infoschildern läuft hier ca. niemand. Nach einem Gespräch über Tourismus, Klimawandel und kognitive Dissonanz geht es zurück zum Parkplatz. Ungewöhnlich für einen National Park kann man hier für 14,50C$ auf dem Parkplatz übernachten. Der ist nicht ganz gerade, hat aber eine mega Aussicht auf die Berge und Gletscher.

    Parkplatzblick
    Parken “vor” dem Gletscher
    Ob wir schief stehen, sagt uns der Golfball der Wahrheit

    Als wir uns eingerichtet haben, wird noch etwas Benzin aus den Kanistern getankt, so hoffen wir ein paar Euro zu sparen, wenn wir nicht extra teuer im Park tanken müssen. Der Motor ist mittlerweile abgekühlt und so startet Chris einen weiteren Versuch, den Motor abzudichten. Um genau zu sein, die Schrauben des Ventildeckels, um diese kommt immer etwas Motoröl raus und läuft dann runter. Mal sehen wie das so klappt. Nach vielen hundert Kilometern wird nun auch die letzte Pfuschreparatur ausgetauscht und der Rotor des Zündverteilers wird durch einen neuen ersetzt. Da der Pfusch so gut gehalten hat, behalten wir diesen Rotor für Notfälle, auch wenn wir direkt mehrere neue gekauft haben. Es wird noch Oreocreme als Nachtisch zubereitet und Bretti hat in der Zwischenzeit gefüllte Paprika gezaubert. So genießen wir den Abend auf 2000 m Höhe mit leckerem Essen. Wir gehen sogar nochmal aus dem Auto, um einen besseren Blick auf die Gletscher zu haben, aber die Mücken treiben uns bald wieder zurück ins Auto und dann geht es auch ins Bett.

    Oreocreme in progress

    Rafting im Jasper National Park

    Wir starten mit einem verrauchten Blick auf die Gletscher in den Tag. Der Rauch ist noch nicht so dicht, aber mit seiner bräunlichen Färbung gut vom normalen Dunst zu unterscheiden. Wir machen uns auf zum Treffpunkt der Rafting Tour, noch ca. 50 km durch den National Park. Angekommen am Rastplatz am Highway steht da auch schon ein alter Schulbus mit drei Booten auf dem Anhänger. Wir werden direkt von einem der Guides angesprochen. Sie machen noch Mittagspause und dann geht das los.

    15 Minuten vor der vereinbarten Zeit geht es mit dem Schulbus zum Startpunkt. Es gibt die zu erwartenden Ansagen und wir werden in drei Gruppen aufgeteilt. Es sind auch Belgier und Niederländer mit von der Partie, wir landen mit US-Amerikanern aus Chicago in einem Boot. Am Startpunkt bekommen wir Neoprenanzüge, Schuhe, Schwimmwesten und Helme, Bretti sogar einen, an dem wir unsere Gopro befestigen können. Dann geht es auf den Sunwapta River.

    Schulbus mit Raftingbooten
    Der Bus dient auch als Lagerraum während der Tour
    Wir dürfen vorne im Boot sitzen
    Könnte nass werden
    Erinnerung: Die Kamera ist auf Brettis Kopf
    Glücklicher Chris putzt die Kameralinse

    Rafting macht auf jeden Fall richtig Spaß, das wird nicht unsere letzte Tour gewesen sein. Zurück am Auto gibt es erstmal einen Snack und Oreocreme mit Waffelkeksen. So erfrischt und gestärkt geht es weiter durch den Park Richtung des Ortes Jasper. Wir halten am Goats and Glacier Viewpoint. Hier gibt es wegen des Rauchs keine Gletscher in der Ferne zu sehen, dafür ist an dem Steilhang eine Herde Schneeziegen unterwegs. Chris wollte seine Kamera eigentlich im Auto lassen, aber wieder mal zeigt es sich, man muss die einfach immer mitnehmen.

    Aussicht vom Viewpoint
    Ziege pöbelt über zu viele Touris?
    Die Ziegen sind bis an den Fluss runtergeklettert

    Wir fahren weiter Richtung Jasper und sehen immer mehr verbrannte Waldfläche. Unser Rafting-Guide hatte uns erzählt, dass vor zwei Jahren 1/3 des Parks und der Stadt abgebrannt sind. Absolute Mammutaufgabe, die Einwohneris und die 20.000 Touris aus dem Park zu bekommen und irgendwo unterzubringen. Die Stadt wird immer noch wieder aufgebaut, aber der Tourismus ging in der nächsten Saison weiter, zumindest alles wie Rafting, wofür man keine Infrastruktur braucht.

    Fahrt durch den verbrannten Wald
    Aussicht von einem Rastplatz

    Beim Weiterfahren erleben wir zum ersten Mal das Klischee des Touriverhaltens im Nationalpark. Sobald sie ein Tier sehen, halten sie direkt an, es sammeln sich mehrere Fahrzeuge und die Leute laufen chaotisch über die Straße. Der Grund ist ein Wapiti oder hier auch einfach Elk genannt, der im abgebrannten Wald das frische Gras mampft. Die Tiere sehen mit ihrem großen Geweih schon beeindruckend aus, aber so einem gefährlichen Verkehrschaos wollen wir uns nicht anschließen und fahren vorbei.

    Hinter der nächsten Kurve entdecken wir drei Wapitis im Wald und da müssen wir dann doch einfach anhalten. Alleine sind wir ja kein Verkehrsproblem, denken wir uns. Wir knipsen die ersten Fotos, da sammeln sich schon die nächsten Touris um uns. Nun sind wir der Auslöser für die nächste gefährliche Stausituation. Man ist ja immer selbst auch Teil des Touri-Problems. Es wird uns schnell zu wild, im Gegensatz zu den Hirschen, die sich mittlerweile in den Schatten gelegt haben. Wir fahren dann mal schnell weiter nach Jasper.

    Wapiti versteckt sich etwas hinter den Bäumen
    Wapiti entspannt im Schatten der Bäume

    In Jasper sieht man die ganzen Bauarbeiten und provisorischen Wohncontainer. Unser Raftingguide hatte berichtet, dass hier Feuertornados entstanden sind und diese ganze Schiffscontainer durch die Gegend geworfen haben, brennend natürlich. Das müssen apokalyptische Bilder gewesen sein. Die Innenstadt wurde damals größtenteils verschont und so können wir hier für Bretti neue Wanderschuhe kaufen. Sie sind eher als Ergänzung für ihre gedacht, aber bevor wir wieder ohne Schuhe da stehen, wollen wir Ersatz dabei haben. Die letzte Reparatur hat die erste Wanderung zwar überstanden, aber so 100% sicher sind wir uns nicht, ob das auch lange hält. Wir sprechen die Verkäuferin auf Schuhreparaturen auch nach der Gewährleistungsfrist von einem Jahr an. Das sei hier aber nicht wirklich üblich. Schade, bei einem Preis von 150 € sind diese zwar um einiges billiger als unsere anderen Schuhe, lange was von ihnen haben, wäre aber natürlich trotzdem toll.

    Die neuen noch sauberen Schuhe

    Raus aus dem National Park

    Wir wollen die Schuhe morgen einwandern, aber nicht direkt mit einer Bergetappe hier im Park und so geht es heute raus aus dem National Park Richtung Hinton. Auf dem Weg raus aus dem Park und aus den hohen Bergen sehen wir noch eine Herde Big Horn Sheeps (vermutlich). Vor denen wird hier seit hunderten von Kilometern an der Straße gewarnt, entsprechend freuen wir uns, nun auch mal welche zu sehen. Sie lassen sich auch gar nicht von den Autos aus der Ruhe bringen und liegen teilweise direkt neben der Straße. Außerhalb der Paarungszeit sind die Tiere in Geschlechter getrennten Gruppen unterwegs. Die weiblichen Tiere haben viel kleinere Hörner und sehen aus wie Ziegen bzw. Gämse. Immerhin läuft kein Tier vor uns auf die Straße.

    Morgen geht es nach Hinton um Vorräte aufzufüllen. Heute wollen wir auf einem Platz vor der Stadt am Fluss übernachten. Die Beschilderung ist mal wieder etwas uneindeutig. Eigentlich wollen wir auf die linke Spur, dort will uns aber schon ein LKW über die Sperrfläche überholen, entsprechend brechen wir den Spurwechsel ab, aber es überholt uns schon ein PKW rechts über den Standstreifen. Insgesamt eine unangenehme Situation, nur weil die Leute nicht 2 Sekunden mehr Geduld haben.

    Es geht zum Glück alles gut und wir können uns auf den Weg zum Platz machen. Wie immer wissen wir nicht genau, wie der Platz aussieht, aber nach einer kleinen Offroad Passage, wo uns die hohe Bodenfreiheit des Volvos über alle Hindernisse hinweg trägt, kommen wir an einem geräumigen Platz ein paar Meter über dem Fluss an. Wir entdecken sogar einen noch cooleren Platz. Mal wieder gut, dass der Volvo einigermaßen klein ist und wir absolut keine Probleme mit Kratzern im Lack haben.

    Platz am Fluss
    Oreocreme im Messbecher
    Oreocreme mit Waffelkeks

    Gegenüber mündet ein kleinerer Fluss in den großen Fluss und dort ist eine Gruppe Menschen mit Jeeps und lauter Musik. Diese Gruppe dünnt sich aber zügig aus und so verschwindet auch die Musik. Ruhig wird es hier aber nicht, es brettern immer wieder ATVs und Quads durch den Wald gegenüber und alle Stunde rollt ein Güterzug vorbei. Diese sind unfassbar laut. Schaut bzw. lauscht dem Video.

    Die Brandwarnstufe ist hier auf niedrig, also machen wir ein kleines Feuer in unserer Buschbox. Das Holz fahren wir schon eine Weile herum und nun brauchen wir den Platz für die Ersatzteile. Auch wenn die Brandwarnstufe niedrig ist, steht der Feuerlöscher bereit und wir sind 30 cm vom Fluss entfernt am Strand.

    Platzübersicht mit Lagerfeuer
    Feuer in der Buschbox
    Buschbox leistet wieder ganze Arbeit

    Während drüben noch einiges an Lärm herrscht, landet ein Weißkopfseeadler auf einem Baum gegenüber. Chris holt seine Kamera und schießt ein paar Fotos vom relativ nahen Adler. Dann wartet er darauf, dass dem Adler der Krach zu viel wird und weiter fliegt. Er hält die Kamera im Anschlag, aber der Adler bleibt und die Sonne sinkt immer tiefer. Irgendwann, als Chris die Kamera nach mehr als einer Stunde nicht mehr direkt auf den Adler im Baum gerichtet hat, fliegt dieser davon. So ein klassischer Moment beim Tierefotografieren.

    Adler auf der anderen Flussseite
    Am anspruchsvollsten ist es, Vögel im Flug zu fotografieren, aber immerhin

    Als alle Menschies vom anderen Ufer schon lange verschwunden sind, tauchen dort Polizeiautos auf. Diese rufen einen Namen, sprechen uns aber nicht an. Sie lassen auch eine Drohne steigen, diese beobachtet uns auch kurz. In Kanada bekommt nur Bretti ab und an Vermissten-Meldungen über das Notfallsystem auf ihr Handy. Diesmal wissen wir aber nicht, um wen es geht. Wir hoffen, sie haben die Person gefunden bzw. diese war gar nicht in Gefahr.

    An einem schönen Spot mit viel Lärm und mit einem etwas mulmigen Gefühl wegen der vermissten Person geht es ins Bett.

    Die nächsten Tage werden uns weiter nach Norden führen, entlang der Rocky Mountains auf dem berühmten Alaska Highway. Dazu lest ihr dann mehr in Teil 2.

  • Woche 18 | Teil 2: Der versunkene Wald

    Woche 18 | Teil 2: Der versunkene Wald

    Etwas Ruhe von der ganzen Entspannung

    Wir frühstücken noch ganz in Ruhe auf dem Campingplatz, aber nochmal bekommen wir uns nicht zu den heißen Quellen motiviert, der Weg ist ja schon anstrengend. Um 12:00 Uhr müssen wir den Platz auch geräumt haben, also nutzen wir die Zeit für entspanntes aufräumen und packen. Unser heutiges Ziel ist wieder eine Recreation Site und zwar am Stevens creek. Das sind nur 82 km, entlang des Arrow Lakes, Kanada macht unsere Wahrnehmung für Entfernungen einfach kaputt. Wir stoppen zwischendurch, um zu tanken und recht teuer einzukaufen. Momentan planen wir, noch einige Tage durch die Rocky Mountains zu touren, bevor wir dann hoffentlich ein letztes Mal nach Calgary fahren. Dass die Tankstellen und Einkaufsläden in kleinen Städten massiv teurer sind, kennen wir ja schon aus Saskatchewan.

    Wasserfall und CHris
    Wasserfall an einem Rastplatz

    Um zum Platz zu kommen, müssen wir wieder eine Fähre über den Arrow Lake nehmen. Diese ist hier sogar elektrisch, hat aber gerade erstmal Mittagspause und so warten wir 30 Minuten. Hier wäre es jetzt schlau, sich zu merken, wann die zweistündige Pause ist, falls man hier nochmal lang kommt. Aber naja, wir wollen ja nicht vorgreifen. Der Kapitän weist uns darauf hin, dass wir nur zwei Kanister mit Benzin auf einer Fähre in BC mitführen dürfen. Bei der anderen Fähre stand nichts von einer Maximalanzahl, nur dass die Behältnisse nicht größer als 25l sein dürfen. Naja, wer diskutiert schon mit dem Kapitän. Er lässt es uns aber durchgehen und meint, nächstes mal sollten wir sagen, da sei Diesel drin, das wäre ok.

    Fähre mit Aussicht
    Aussicht von der Fähre

    Drüben angekommen folgen wir der Dirtroad 20 km durch den Wald. Stellenweise ist es recht steil und dem Motor und uns wird ziemlich warm, entsprechend machen wir eine Pause, wir haben es ja auch nicht eilig.

    Angekommen am Platz kommen gleich zwei Kanadier bei uns an und bieten uns ihre Plätze direkt am See an. Sie wären nur tagsüber hier und wollten uns nicht den Platz weg nehmen. Wie immer viel zu nett. Der eine ist nur mit dem Motorrad da und entsprechend stellen wir uns zu ihm. Beste Lage direkt am See. Er gönnt sich einen Vodka mit Limo aus der Dose, während er uns über seine weitere heutige Route erzählt. Etwas fragwürdige Einstellung zu Alkohol am Steuer, sonst aber ein netter Typ. Wir quatschen recht lange und er gibt uns einige Tipps für Offroad-Strecken und Karten.

    Platz direkt am See

    Als er davon brettert, packen wir unser Kanu aus und schippern mit einem Bierchen über den See. Es ist ein Stausee und somit müssen wir auf überschwemmte Baumstämme in Ufernähe achten. Wir machen eine recht große Tour und stoppen an der zweiten auch sehr schönen Recreation Site an diesem See für eine Pipipause. Es sind einige Common Loons unterwegs, welche sich entweder angreifen oder einen Balztanz aufführen, wir sind uns nicht sicher. Diese Vögel haben einen sehr einzigartigen lauten Ruf, den wir bis spät in die Nacht über den See hallen hören. Kann man sich hier anhören.

    Chris und Bretti am Paddeln
    Paddelspaß

    Zurück an unserem Platz holen wir das Boot aus dem Wasser und sprechen unsere Nachbarn an, ob wir uns ihrem Lagerfeuer anschließen dürfen. Wir dürfen und so quatschen wir noch über alles mögliche. Bevor es ins Bett geht, versucht sich Chris noch an ein paar Sternenfotos, aber da er zu müde ist, um zu warten bis es richtig dunkel ist, werden die so mittel (seine Meinung).

    See in der Dämmerung
    Blick entlang des Sees
    Sterne über dem See
    Großer Wagen über dem See

    Gehen oder bleiben?

    Wir frühstücken mit einer richtig tollen Sicht auf den See und die Berge. Leider soll das Wetter nicht so schön bleiben. Unsere Wetter Apps sagen Gewitter und oder 33°C voraus. Beides nicht so super zum Wandern, was wir eigentlich für heute eingeplant hatten. Wir entscheiden uns, hier am See zu bleiben und je nach Wetterentwicklung nochmal Boot zu fahren. Bald hört man in der Ferne schon das Gewitter und es zieht immer wieder Regen über uns hinweg. Wir verziehen uns erstmal ins Auto und machen eine Laptopsession.

    Frühstück und See
    Beim Frühstück sieht das Wetter noch gut aus

    Gegen Mittag ist es trocken und wir wollen es riskieren, Boot zu fahren. Bevor wir los kommen, wird Chris noch von einem älteren Pärchen angesprochen, die mit ihrem Wohnwagen hier stehen. Sie wohnen in der Nähe und kommen immer wieder hier her, es sei ihr Lieblingsplatz. Sie geben ihm noch einige Tipps für die Gegend, so auch, dass am Ende des Sees ein Fluss mündet und sie dort schon einiges an Bären, Elchen und Adlern gesehen haben. Das klingt gut und auch nach unserem Ziel für unsere Bootstour. Chris nimmt auch seine Kamera mit, falls sich wirklich ein paar Tiere zeigen sollten. Wir sind ehrlich gesagt etwas überrascht als wir wirklich zwei Rehe/Hirsche und sogar einen Adler sehen.

    Wir haben auch fleißig Fotos gemacht, kommen aber gerade mit dem Durchgucken der Bilder nicht hinterher. Fotos folgen dann später, gilt auch für die Common Loons.

    Generell lohnt sich die Tour auch ohne Tiere. Die überfluteten Bäume bilden einen richtigen Unterwasserwald (“Der versunkene Wald” könnte auch eine Drei ??? Folge sein). Sieht schon spannend aus, ist für unser aufblasbares Kanu aber auch absolut gefährlich. Wir können es nicht vermeiden etwas zu rammen, aber unser Boot steckt das ohne sichtbare Folgen weg.

    Baumstämme über dem Wasser
    Stamm unter Wasser
    Stamm unter Wasser

    Auch wenn heute nicht Donnerstag ist, gibt es nach unserer Rückkehr erstmal Pfannkuchen. Zusätzlich macht Chris noch Blätterteig-Apfeltaschen, soll ja keiner hungern. Voll gefuttert geht es wieder an den Blog. Chris schreibt den nächsten Beitrag und Bretti liest die letzten Folgen für die Audiothek ein.

    Es wird richtig schnell Abend und so starten wir zu unserer zweiten Bootstour. Wir fahren wieder zum Fluss am Ende des Sees und diesmal auch etwas hinein. Es ist aber sehr flach und so drehen wir zeitig um. Wir haben eine Finne unter dem Boot, die ist praktisch um auf dem See nicht abzutreiben, sorgt aber für “ordentlich” Tiefgang. Wir bleiben auch noch zwei Mal an Baumstämmen hängen, die gerade nicht aus dem Wasser ragen. Auch das übersteht das Boot ohne Probleme. Das hält uns auch nur bedingt davon ab, durch die Baumstämme zu schippern. Es zeigen sich wieder die Common Loons und ein Adler landet ganz dicht am Ufer. Er fliegt los, bevor wir nah genug für gute Fotos kommen, dafür fliegt er direkt über uns hinweg. Sehr beeindruckende Tiere.

    Zurück am Auto sichtet Chris noch die ersten Bilder, aber es ist schon nach 22:00 Uhr und so geht es dann auch bald in den Volvo. Da heute noch gar nicht ausreichend gebadet wurde, gibt es vorher noch eine kurze Badesession. Dann geht’s ab ins Auto, noch ein bisschen Serie schauen und dann wird geschlafen.

    Zurück Richtung Calgary

    Jetzt mögen sich die Leseries wundern, was wollen die denn schon wieder in Calgary? Unser Paket mit den Ersatzteilen benötigt nur 4 Tage von Schweden und ist entsprechend voraussichtlich schon Montag zur Abholung bereit (nach Status ist es schon Samstag in Calgary, aber das letzte Stück dauert ja immer genau so lange, wie der Weg über den Atlantik). Wir haben ehrlich gesagt mit mindestens einer Woche gerechnet. Wir wollen uns darüber natürlich nicht beschweren und so planen wir eben um.

    Bevor es los in einen langen Fahrtag geht, darf entspanntes Frühstücken und Baden nicht fehlen. Das Boot wird wieder eingepackt und wir aktivieren unsere “Klimaanlage” zumindest erstmal einseitig zum Testen. Sie ist etwas widerspenstig, vermutlich wurde die in 48 Jahren noch nie genutzt.

    Nur 3 Schrauben und etwas Liebe gegen den Rost

    Es geht die 20 km Schotterstraße wieder zurück zur Fähre. Chris nutzt zum ersten Mal die vier Gänge unseres Untersetzungsgetriebes (eigentlich sind es die vier normalen Gänge plus die Untersetzung), sonst haben wir das nur genutzt, um ganz langsam im ersten Gang zu fahren. So hat der Volvo viel mehr Power, fährt aber auch nur maximal 30 km/h, diese dann aber auch entspannt jeden Berg hoch. So ist der Rückweg um einiges entspannter. Generell ist die Schotterstraße hier ziemlich gut in Schuss und weniger holprig als so manche Teerstraße, die wir hier gefahren sind. Zusätzlich gibt es eine schöne Aussicht, “es fehlen eigentlich nur noch ein paar Wildtiere hier, ein Bär oder Elch oder so” sagt Bretti. Das hält der Schwarzbär scheinbar für sein Stichwort und direkt nach der nächsten Kurve tapst er entspannt über die Straße. Chris verflucht sich mal wieder dafür, dass die Kamera hinten liegt. Wir haben sonst ja auch unsere Dashcam, aber die scheint ab und an nicht zu starten. Zumindest ist der Teil von der Recreation Site bis zur Fähre nicht aufgenommen. Mal wieder was zum Untersuchen (oder Ignorieren).

    Zurück an der Fähre stellen wir wieder fest, dass diese gerade Mittagspause macht. Hätte man sich natürlich auch mal merken können. Eigentlich wollten wir auch weiter Schotterstraßen entlang des Arrow Lakes fahren und uns so die zwei Fähren sparen, aber es gibt einen Waldbrand nahe der Straße. Dieser ist zwar klein, “nur” 200 m², aber gilt als “außer Kontrolle” und wir wollen da kein Risiko eingehen. Dafür, dass gefühlt halb Kanada brennt und Trump die Zölle für Kanada wegen des ganzen Rauchs erhöhen will (lol…), bekommen wir bisher nichts von den Bränden mit. Von der anderen Seeseite sehen wir nun eine kleine Rauchsäule und Löschhubschrauber. Als wir abends wieder in die App schauen, gilt der Brand auch als unter Kontrolle. Wir werden uns wohl noch etwas an die Brände gewöhnen müssen. Regen ist hier zumindest keiner in Sicht.

    Übersicht aktiver unkontrollierter Waldbrände (rote Punkte) in Kanada und des Brandrisikos (flächig blau = niedrig, rot = hoch), Stand 23.07.2026

    Während wir weiter dem Highway Richtung Calgary folgen, schwankt plötzlich die Öldruckanzeige und geht dann auf 0 bar. Bei der spontanen Änderung gehen wir von einem Elektronikproblem aus und nach einem kurzem Blick unters Auto hält Chris auch schon das Kabelende vom Sensor in der Hand. Die Anschlüsse am Sensor sind einfach abgebrochen. Das lässt sich zumindest schnell reparieren, aber solange der Motor heiß ist, lassen wir das. Der Auspuffkrümmer geht direkt daneben entlang und der ist sehr heiß, wenn der Motor läuft. Wir fahren also erstmal ohne Öldruckanzeige weiter, nicht optimal, aber wird schon passen. Den Anschluss reparieren wir morgen früh, wenn der Motor kalt ist.

    Während wir uns die Passstraßen hochkämpfen, nimmt Chris im Rückspiegel ein Fahrzeug mit einem ausreichend großen Sicherheitsabstand wahr. Gerade bergauf tendieren die Menschen hier dazu, sehr dicht aufzufahren. Zu unserem weiteren Erstaunen wird der Abstand im Zuge der längeren Fahrt bergauf sogar größer, da wird doch nicht jemand noch langsamer als wir unterwegs sein?

    Im Gegensatz zur ersten Fähre haben wir an der zweiten ein perfektes Timing. Sie wird gerade entladen als wir uns in die Schlange einreihen. Sonst hätte es bis zu einer Stunde Wartezeit bedeutet. Zu unserer Freude und sicher der Freude der Menschen, die die ganze Zeit hinter uns gefahren sind, passen wir alle auch noch entspannt mit aufs Boot.

    Auf der Fähre werden wir von einigen auf den Volvo angesprochen, unter anderem einer deutschen Auswandererin
    Aussicht von der Fähre

    Wir fahren quasi als letztes von der Fähre und sehen direkt nach dem Anleger einen weiteren Schwarzbären die abzweigende Straße entlang trotten. Geht es da nicht direkt zu einem Campingplatz? Naja, wir müssen dann auch weiter. Es geht wieder durch den Mount-Revelstoke-Nationalpark und den Glacier-Nationalpark. Leider haben wir keine Zeit, hier einen Zwischenstopp zu machen. Die Campingplätze sind sowieso ausgebucht. Vielleicht kommen wir ja nochmal wieder.

    Eine Sicht schöner als die andere

    Wir fahren heute recht lange, vielleicht weil wir auch erst sehr spät los gefahren sind. Zusätzlich fahren wir eine Zeitzone zurück und so ist es schon 21:00 Uhr als wir am Platz ankommen. Vorher hatten wir uns noch etwas Fastfood geholt, zum Kochen ist es dann doch etwas spät. Wir stehen am Kicking Horse River. Montag hatten wir hier noch mit Blick auf die Wapta Falls gefrühstückt und auf dem Weg zurück zum Highway diesen Platz gesehen. Damals standen hier auch schon viele Camper und heute ist es nicht anders. Doch wir finden noch ein Plätzchen in einem alten Nebenarm. So 100% ist es uns nicht geheuer, im alten Flussbett zu stehen, aber das wird schon passen für heute. Wir sind ja schon immer fasziniert, wo die Kanadier mit ihren normalen Autos alles hinfahren. Der Weg hier her war schon echt holprig und es gab eine kleine Wasserdurchfahrt, trotzdem stehen hier mit uns drei Standard PKW. Wir hätten hier auch noch etwas offroadiger weiter fahren können, aber nach einer kurzen Begehung ergibt sich kein schönerer Platz entlang des Weges. Weiter an den Hauptfluss ranfahren müssen wir hier auch nicht. Das ganze lädt aber sicherlich morgen früh zum Spielen mit dem Volvo ein. Wir genießen noch unser Fastfood direkt am Fluss und dann geht es ins Auto. Zähneputzen pullern und ab ins Bett.

    Kicking Horse River, der hat ganz schön Zug
    Überall sehen wir schöne Blumen in verschiedenen Farben.
    Unser Platz im Flussbett (schon am nächsten Tag)

    Kleine Offroad Einlage am Morgen

    Am nächsten Morgen fahren alle anderen schon, bevor wir überhaupt aufgestanden sind, so ca. 9:30 Uhr. Naja, wir lassen uns davon natürlich nicht stressen. Es wird gefrühstückt und wir tanken zwei unserer Ersatzkanister in den Tank. In den Bergen ist es unnötig teuer und wir hoffen, in den nächsten Tagen in Calgary wieder etwas günstiger zu tanken. Chris schließt den Öldrucksensor wieder an, ungünstig dass so ein Flussbett immer so nass sein muss. Nach einmal falsch herum anschließen geht die Anzeige auch wieder. Eigentlich hatte er sich auch aufgeschrieben, welches Kabel wo ran muss, nächstes mal dann direkt richtig. Bretti putzt derweil unser Solarpanel. Der Staub und das Fehlen von Regen haben eine ordentliche Staubschicht auf dem Panel hinterlassen. So richtig was bringen tut das vermutlich nicht, aber so haben wir uns immerhin bemüht. (Jetzt ist es schön streifig.)

    Foto von Bretti auf dem Dach am Solarpanel putzen
    Professionelle Abzieherin 💵

    Es gibt noch einen Schluck Motoröl fürs Auto, der Ventildeckel ölt leider immer noch und es werden beide Türen halb ausgebaut.

    Doppel-Klimaanlage, doppelt gut und doppelt so wenig Platz im Auto

    Dann wird der Motor für die platzeigene Offroad Einlage gestartet. Das Wasser ist teilweise knietief und ordentlich schräg ist es auch. Das ist für den Volvo alles kein Problem, nur die Insassen müssen sich noch an die Schräglage gewöhnen. Da es uns an Erfahrung fehlt, ist das hier eine nette Einlage. Das sieht alles recht unspektakulär aus, deswegen gibt es diesmal die Innenansicht inklusive unseres Gelabers.

    Volo ausblick nach vorne mit FLus
    Startansicht
    Zweite Passage, hier hat die Dashcam aber gestreikt

    Nach dieser netten Abwechslung geht es wieder zurück auf den Highway. Wir stoppen noch kurz zum Wasserauffüllen, sonst passiert nicht viel. Wir passieren wieder die zwei National Parks Yoho und Banff. Die Aussicht auf die Berge ist wieder toll. Es zeigt sich diesmal leider keine Schneeziege, dafür aber ein brauner Bär am Straßenrand. Wir schreiben extra nicht Braunbär, weil es auch braune Schwarzbären gibt.😁 Im Vorbeifahren haben wir das nicht so genau erkannt. Hinter Banff hatten wir uns eine günstigere Tankstelle rausgesucht, leider sind die online Preise nicht aktuell, hilft aber alles nichts. Dafür ist es jetzt nicht mehr weit zu unserem Übernachtungsplatz. Nach den ganzen Campingplätzen und Recreation Sites stehen wir heute einfach neben einem Staudamm. Hier ist einiges los, neben einigen Campern sind auch viele Leute mit ihren Booten hier. Wir stehen etwas in der Botanik, aber sonst passt das alles. Die Straße ist nicht wirklich leise und jede Stunde fährt ein Güterzug vorbei, diese hupen zusätzlich regelmäßig. Dagegen ist das Rauschen des Staudamms ganz angenehm. Solche Plätze gehören auch dazu und wir freuen uns schon wieder umso mehr auf die ruhigen Plätze am See. Nach der ganzen Fahrerei passiert nicht mehr viel, kochen, Blog schreiben und entspannen. Morgen geht es dann die letzten 70 km nach Calgary, um die Pakete einzusammeln. Drückt die Daumen, dass das alles hinhaut und wir zeitnah wieder zurück in die Natur können. Mehr dazu dann nächste Woche.

    Gut, dass es hier keine Zecken gibt, in Saskatchewan wäre das unser Untergang gewesen.
    Das Rauschen war schon ganz schön laut, aber immerhin gleichmäßig. Der Zug war noch lauter.

  • Woche 18 | Teil 1: Berge, Seen und Hitze

    Woche 18 | Teil 1: Berge, Seen und Hitze

    Mücke vs Crossaint

    Wir haben hier sehr gut geschlafen und frühstücken mit dieser wunderbaren Aussicht. Da wir uns mit Anti-Mückenzeug eingesprüht haben, stechen die Mücken in unsere Croissants. Etwas merkwürdig, aber gut, besser als uns.

    Frühstück mit Aussicht

    Unser nächstes Ziel ist eine heiße Quelle, die Halfway Hot Springs, dafür müssen wir aber erst mal wieder ein paar Kilometer abreißen. Heute werden wir noch nicht ganz bis zur Quelle fahren sondern eine Recreation Site 40 km vor dem Ziel ansteuern. Wir wollen nicht zu spät ankommen und riskieren, keinen Platz mehr zu bekommen. Wir folgen also dem Highway durch die beeindruckende Berglandschaft. Berg auf sind wir oft nur mit 30 km/h unterwegs. Das gefällt nicht jedem, uns wird zwei Mal der Mittelfinger gezeigt, als wir überholt werden. Das ist auf der ganzen Reise noch nicht vorgekommen, vielleicht sind die Leute in British Columbia weniger nett als im Rest von Kanada? Es ist natürlich auch einfach Montag. Naja, wir machen uns nichts draus und schleichen weiter. Sollen sie halt zweispurige Straßen bauen, ist ja immerhin die Hauptverbindungsroute Kanadas.

    Highway durch die Rocky Mountains

    Wir hatten im Nationalpark zuletzt was über Schneeziegen gelesen und nun krakselt eine direkt neben der Straße an einer Felswand rum. Eigentlich treiben die sich in höheren Regionen herum, wo noch Schnee liegt, den benötigen sie, um sich im Sommer abzukühlen.

    Wie den Schneeziegen gefällt unserem Volvo das Wetter so mittelmäßig. Solange alles funktioniert überhitzt der Motor zwar nicht, aber ab und an scheint das Kühlwasser nicht richtig zu zirkulieren. Das Kühlwasser vorne im Kühler ist dann relativ kalt, so 76°C, aber das Kühlwasser im Motor wird dann immer wärmer. Wir vermuten, es befindet sich noch etwas Luft im System, das haben wir bisher nicht raus bekommen. Naja, bevor der Motor zu heiß wird, machen wir eine Pause und lassen das Auto abkühlen. Dieses Phänomen taucht nur ab und an auf, deswegen können wir damit leben. Eine Pause tut ja auch uns gut und der restliche Verkehr hat seine Ruhe.

    Nach der Pause geht es weiter durch die schöne Landschaft ohne sich aufregende Autofahrer und leider auch ohne weitere Schneeziegen. Wir stoppen kurz, um zu tanken. Benzin ist leider wieder teurer, aber was soll man machen. Aus Gründen vergessen wir hier einzukaufen. Das wird leider die letzte Möglichkeit für die nächsten Tage gewesen sein. Naja, wie man merkt, verhungert sind wir nicht.

    Schotterstraße und abgebranter Wald
    Die Straße führt auch durch einen abgebrannten Wald, hier keine Seltenheit

    Wir erreichen unser Ziel über eine 10 km lange Schotterstraße entlang des Arrow Lakes. Das ist ein endlos langer Stausee, über den man an mehreren Stellen mit Fähren übersetzen kann. Das steht aber erst Morgen an, heute bleiben wir an der Eagle Bay Recreation Site. Das ist wieder einer der gratis Campingplätze in British Columbia. Hier ist ordentlich was los, aber auch viel mehr Platz. Hat schon was von einem Campingplatz. Beim Fahren im Volvo kommt man bei dem Wetter ordentlich ins Schwitzen, also gehen wir erstmal baden und genießen die Aussicht auf die umliegenden Berge.

    Strand mit Bergen im Hintergrund
    Badeaussicht
    Selfie mit Chris und Bretti
    Bretti dreht schon durch vor Freude über die Aussicht
    Chris, Volvo und Campingplatz
    Unsere Parzelle

    Chris macht danach erstmal Tiramisu, aber der vegane Joghurt, den wir als Mascarponeersatz nutzen, ist scheinbar schlecht. Er schmeckt, sogar für veganen Joghurt, sonderbar. Das fällt leider erst zu spät auf und so geht das ganze in die Tonne. Sehr schade. Der vegane Käse hier ist richtig gut, aber die Ersatzprodukte für Sahne und co taugen alle nicht wirklich was. Nächstes mal dann wohl wieder Kuchen. Nach dieser Enttäuschung lassen wir den Tag am See ausklingen. Wir beobachten mehrere Seeadler beim Fischen und später fliegen ganz viele Fledermäuse dicht über das Wasser. Wir sind für die Uhrzeit schon ganz schön müde, da fällt uns auf, dass wir wieder eine Zeitzone weiter sind. Nun sind wir 9 Stunden vor Deutschland. Entsprechend gehen wir mit gutem Gewissen zeitig ins Bett.

    Heiße Quellen und lauter nette Leute

    Nach dem Frühstück geht es erstmal baden. Es ist schon kälter als Gestern, aber mit der Aussicht kein Thema. Wir haben nur 40 km Strecke vor uns und nun geht es erstmal die Schotterstraße 10 km zurück zur Fähre über den See. Während wir auf die Fähre warten, kommen wir mit einigen Leuten ins Gespräch. Unter anderem mit einer Kanadierin, die gerade deutsch lernt und sich freut, üben zu können. Wie immer sind die Gespräche einigermaßen kurz und oberflächlich.

    Oldtimer warten auf die Fähre
    Wir sind hier nicht die einzigen mit einer alten Karre

    Die Fahrt ist kurz und kostenlos. Diese Fähre ist wieder Teil des Highwaysystems von Kanada. Wir stehen ganz an der Seite und erwarten, dass alle anderen vor uns runterfahren, aber nichts da, wir fahren als zweites von der Fähre und beruhigen somit auch hier wieder den Verkehr entlang des steilen Anstiegs. Als es sich anbietet, lassen wir den angesammelten Verkehr durch und fahren die 30 km weiter. Die letzten 10 km führen uns über eine sehr schlechte Schotterstraße, die uns ordentlich durchschüttelt.

    Angekommen am Campingplatz neben den Quellen beziehen wir unseren Platz für die nächsten zwei Nächte. 20 C$ pro Fahrzeug/Zelt kostet hier ein Stellplatz, finden wir fair. Der Platzwart, ein älterer Surfertyp, kümmert sich auch um die Quellen, die Wege dahin etc. Es gäbe auch genügend umsonst Plätze in der Gegend, aber das unterstützen wir gerne.

    Volvo auf dem Campingplatz
    Unser Stellplatz

    Die Plätze liegen hier sehr schön zwischen den Bäumen. Diese spenden schön Schatten, das macht es angenehm kühl, aber dem Starlink und dem Solar gefällt das nicht so. Kurz nach der Ankunft kommen wir mit einem Kanadier ins Gespräch. Er ist auf Solotour, für zwei Monate von Toronto bis an den Pazifik. Für ihn ist es die erste Reise alleine und wir sprechen über das Für und Wider des alleine Reisens. Für Kanadier ungewöhnlich dauert das erste Gespräch schon etwas länger und wir werden ihn auch abends noch an den Quellen wiedertreffen. Er empfiehlt uns später zu den Quellen zu gehen, gerade sei alles voll mit Tagesgästen. Das klingt nach einer guten Idee und entsprechend chillen wir erstmal.

    Hängematte, Kuschekaktus und Laptop
    Büro with a view

    Chris backt noch einen Kuchen, um das ausgefallene Tiramisu zu ersetzen. Der Platzwart hatte uns noch erzählt, dass es direkt am Campingplatz schon einige Becken gibt. Wir hoffen, dass dort weniger los ist und machen uns, als der Kuchen fertig ist, auf die Suche nach dem Weg. Der “Weg” ist eine sehr steile Schlitterpartie den Hang hinunter. Immerhin gibt es ein Kletterseil. Wir sind natürlich auch wieder mit dem besten Schuhwerk unterwegs, Korklatschen (Birkenstocks, aber nicht die Originalen).

    Der Abstieg ist etwas gewöhnungsbedürftig, dafür sind die Pools hier richtig super. Es gibt mehrere in verschiedenen Temperaturen und man kann sich gefahrlos im Fluss erfrischen. So haben wir uns das gewünscht.

    Bretti während der Kletterpartie
    Bretti in den heißen Quellen

    Wir bleiben eine Weile, aber das soll nur unser Erkundungsausflug sein, entsprechend brechen wir nach 1 1/2h wieder auf. Wir wollen einen besseren Rückweg finden bzw. den Weg zu den Hauptquellen, aber am Ende krakseln wir einen noch abenteuerlicheren Weg wieder hoch. Das ist nichts, was wir nachts wiederholen wollen und wir nehmen uns vor, heute Abend erstmal dem Hauptweg zu folgen.

    Nun wird erstmal wieder entspannt.

    Chris neue Friese

    Es gibt heute Nudeln mit Pesto. Es hat keiner so richtig Lust zu kochen und Chris liebt Nudeln mit Pesto. Gegen 20:00 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg. Wenn man dem Hauptweg folgt, kommt man über viele Stufen viel einfacher runter zum Fluss.

    Treppe im Wald runter zum Fluss
    Abstieg zu den Hauptquellen

    Die Hauptquellen bestehen aus drei großen Becken. Eins ist super heiß die anderen sind eher kühler. Hier treffen wir auch den Kanadier von vorhin wieder. Wir quatschen wieder eine Weile und versuchen noch, uns an einer Stelle weiter unten am Fluss ein eigenes Becken zu bauen. Es gibt hier einige Stellen, wo heißes Wasser aus der Erde kommt, bloß das richtige Mischen mit dem kalten Flusswasser ist gar nicht so einfach. So zieht es uns dann doch wieder zu den Hauptbecken zurück. Hier kommen wir mit einigen anderen Kanadiern ins Gespräch. Die Gespräche dauern hier viel länger, vermutlich hat hier keiner einen Grund weg zu laufen. Es geht um Politik, Bildungssystem und um alles mögliche. Am Ende sind wir die letzten an den Quellen. Wir beobachten eine Weile die Sterne und machen uns dann mit Taschenlampen auf den Rückweg. Morgen werden wir versuchen, von den kleineren Pools aus den Weg zur Treppe an den Hauptpools zu finden. Die kleineren Pools hatten uns um einiges besser gefallen. Kurz vor Mitternacht sind wir wieder am Auto und fallen zufrieden ins Bett.

    Gut durchgegarter Ruhetag

    Wir schlafen schön lange aus und nach etwas Haushalt geht es wieder den abenteuerlichen Weg runter zu den kleinen Pools. Hier verbringen wir wieder einige Zeit und machen uns dann auf die Suche nach dem besseren Rückweg. So richtig findet sich dieser aber nicht und so waten wir einfach durch den Fluss und kommen so recht entspannt an den Hauptquellen an. Mit dem am Seil runterklettern und dem durch den Fluss waten ist das eine richtige kleine Abenteuertour.

    Blick Flussaufwärts
    Blick von den Pools flussaufwärts

    Zurück am Platz wird weiter fleißig entspannt. Auch wenn es blauen Himmel gibt, regnet es immer wieder ein bisschen. In der Ferne grummelt ein Gewitter. Alles gut aus haltbar.

    Hängematte wird ausgiebig genutzt
    Bretti bekommt beim Entspannen Besuch
    Scheint ganz angenehm auf dem Kissen zu sein (übrigens ein White Spotted Sawyer, ein Bockkäfer)

    Abends geht es wieder am Seil hinunter, wir haben sogar an Handschuhe gedacht. Diesmal bleiben wir an den kleineren Pools bis die Sterne rauskommen und haben eine wunderbare Zeit. Die Abwechslung aus heißen Quellen und dem kalten Flusswasser ist perfekt. Sowas hätten wir gerne zuhause. Wir fragen uns, wie lange wir hier bleiben sollten. Durch den Fluss waten im Dunkeln ist ja nicht ganz ohne und der Rückweg ist nachdem man sich hat stundenlang durch garen lassen auch recht weit. Wir beschließen heute früher am Auto zu sein, am Ende ist es 23:30 Uhr. Naja, immerhin oder so.

    Wir finden, wir haben den Ruhetag heute echt mal gut genutzt. So gut erholt beenden wir den Eintrag auch hier. Ob die Erholung anhält, lest ihr dann in Teil 2.

  • Woche 17 | Teil 2: Von Dinos und Wasserfällen

    Woche 17 | Teil 2: Von Dinos und Wasserfällen

    Ein Tag in Museen

    Wir haben gut geschlafen und frühstücken mit netter Sicht auf die Badlands. Der Begriff klingt nach riesigen Landstrichen, aber eigentlich ist es nur dieses schmale Tal mitten in der Agrarwüste. Die sieht man aber von hier unten nicht.

    Unser erster Stopp heute ist die Atlas Coal Mine. Das Tal wurde über viele Jahre vom Kohleabbau geprägt und die Atlas Coal Mine zeugt noch heute von dieser Zeit. Sie ist öfter umgezogen, die Gebäude wurden zerlegt oder am Stück im Winter auf Schlitten an den neuen Standort gebracht. Ihr endgültiges Ende kam erst 1984, obwohl uns das Aussehen mit den Gebäuden aus Holz eher an den wilden Westen erinnert. Die Qualität und Größe der Kohlebrocken war hier wohl schon immer ein Problem und irgendwann einfach nicht mehr rentabel. Wir haben ehrlich gesagt nicht viel Ahnung von Kohle, aber darüber kann man hier viel lernen, z.B. dass die Größe der aus dem Flöz gebrochenen Stücke entscheidend ist. Kleine Brocken sind gut für automatische Brennvorgänge, mittlere will eigentlich keiner haben (wir haben nicht verstanden, warum man die nicht kleiner gebrochen hat, vermutlich die Kosten). Die großen waren im Haushalt zum Kochen und Heizen gefragt und die riesigen Stücke gingen in die Kraftwerke der Industrie.

    Komplette Mine

    Wir haben eine Führung in den “Stollen” gemacht, da wussten wir noch nicht, dass nur 10 m des ursprünglichen 4 km und 2,5 km breiten Stollensystem zugänglich sind. Etwas schade, aber es kam während der aktiven Zeit schon regelmäßig zu Unfällen, das möchte man vermutlich jetzt vermeiden. Der Eintritt inklusive Führung ist mit 30 C$ schon nicht günstig, wir haben drauf verzichtet die zwei weiteren kostenpflichtigen Aktivitäten zu machen. Es lohnt sich insgesamt schon, würden wir sagen, aber für den Preis hätten wir uns noch mehr Informationen an den Ausstellungsstücken gewünscht. Vieles ist ohne Schilder dann doch nur rostendes Metall.

    Gut geschützt geht es in die 10 m Stollen
    Aussicht auf dem Rückweg vom Stollen
    Auch den Kaninchen gefällt der Maschinenpark

    Nach einer Snackpause geht es für uns weiter zum Royal Tyrrel Museum. In der Gegend wurden unzählige Dinosaurierknochen gefunden und deswegen gibt es hier auch endlose Dinosaurier bezogene Attraktionen. Vom Erlebnispark bis zum Museum ist hier alles dabei. Auch heißen die Straßen von Drummheller Tyrex Road und ähnliches. Deswegen steht hier auch die angeblich größte Dinosaurierfigur der Welt. Es ist alles durchkapitalisiert und auch das Parken bei der Figur würde Geld kosten. Entsprechend fahren wir nur dran vorbei.

    Dinofigur im Vorbeifahren

    Das Royal Tyrrel Museum beherbergt unzählige Fossilien aus der Zeit der Dinosaurier, auch wird von hier aktiv weiter ausgebuddelt und präpariert. Der Parkplatz ist ziemlich voll, aber im Museum verläuft es sich ganz gut. Hier zahlen wir 25 C$ pro Person, das ist es auf jeden Fall wert. Das Museum ist beeindruckend und toll gestaltet. Viel ist interaktiv gestaltet und die Erklärvideos sind vom Youtube Channel Kurz gesagt | in a nutshell,von dem sind wir schon seit Jahren Fans und haben auch zwei Tassen dabei.

    Unsere Tassen

    Die schöne Gestaltung hilft aber nicht darüber hinweg, dass es viel zu viele Informationen gibt. Am Ende sind wir ganz schön durch und nach 3,5 Stunden ist unsere Aufnahmekapazität aufgebraucht. Das Museum ist nach der zeitlichen Abfolge gestaltet, von der Entstehung der Erde bis zum modernen Menschen und schließt mit einem kurzen Part über den Kilmawandel und das Artensterben. Der Hauptfokus liegt natürlich auf den Dinosauriern, von denen unzählige Originale ausgestellt sind.

    Am Anfang sind die Dinos “noch eingepackt”
    Danach gibt es nur noch Knochen. Der T-Rex ist ein Original bis auf den Kopf. Der echte Kopf steht davor, denn er ist zu schwer, um ihn aufzuhängen
    Aus einem Haufen Knochen werden hier ganze Szenen
    Nach den ganzen Dinos gibt es auch etwas modernere Geschichte.

    Erschöpft und zufrieden geht es für uns nun die 150 km zurück nach Calgary. Wir stehen einfach in einem Wohngebiet nahe der Werkstatt, die morgen dann hoffentlich unser Auspuffrohr repariert.

    Autoreparaturen und Shopping

    Für mitten im Wohngebiet haben wir ganz gut geschlafen. Generell nicht unsere Lieblingsoption, man fühlt sich schon als Störenfried. Nun geht es ohne Frühstück zur Werkstatt. Diese ist direkt ums Eck und um 8:30 Uhr übergeben wir ihnen das Auspuffrohr. Der Chef meint, das ist in 45 Minuten fertig. Das halten wir für unrealistisch, aber macht ja nichts, wir haben Zeit und nun gibt es erstmal Frühstück. Am Ende sind es 4h, die wir hier verbringen und es muss mehrfach nachgearbeitet werden. Für 190 C$ (118€) aber ganz ok. Der Mechaniker ist auch wie immer top und schenkt uns aus ihren Schrottteilen noch eine neue Auspuffklemme. Sobald sich die Werkstätten auf uns einlassen, machen wir echt nur gute Erfahrungen.

    Auch mit falschem Kamerafokus ein strahlender Anblick

    Als nächstes geht es zu Decathlon. Wir kaufen uns ein Tarp, welches wir als Sonnenschutz nutzen wollen, eigentlich wollten wir auch eins von Zuhause mitgenommen haben, aber naja, irgendwas vergisst man ja immer. Zusätzlich gibt es noch Wanderstöcke, der nächsten Bergtour steht also nichts mehr im Weg. Decathlon befindet sich in einem großen Einkaufszentrum und auf dem Parkplatz sehen wir Schilder mit “Overnight parking with permit”. Das wäre ziemlich praktisch, denken wir uns und versuchen herauszufinden, wie man diesen Permit bekommt. Im Internet findet sich leider nichts aktuelles, also gehen wir zum Infoschalter. Der einzige Mitarbeiter, der die Registrierungssoftware bedienen konnte, habe gekündigt, deswegen könne man leider keine neuen Reservierungen annehmen. Am Ende ist es in Kanada eben auch nicht so anders als zuhause. Auf dem Parkplatz quatschen wir noch mit einem jüngeren Kanadier und er überlässt uns seine übrig gebliebenen frittierten Hähnchenteile und Pommes. Es scheint hier üblich zu sein, viel zu viel zu bestellen und den Rest weg zu werfen. Das ist uns schon öfter in Restaurants aufgefallen, wo regelmäßig fast volle Teller zurück gehen. Was für eine Verschwendung. Heute konnten wir das zumindest verhindern.

    Da wir hier nun doch nicht stehen bleiben können, geht es zu einem pragmatischen Parkplatz am anderen Ende der Stadt. Das heutige Tagesziel ist, uns das ölende Radlager/Portalgetriebe einmal anzuschauen und im best case abzudichten. Wir lassen also das Getriebeöl ab und bauen den unteren Teil des Portalgetriebes aus.

    Nach dem Entfernen des unteren Portalgetriebes Mitte links

    Chris war vorsichtig optimistisch, dass wir die Dichtungen ohne Ausbau der Radlager tauschen können, das stimmt aber leider nicht ganz. Die Walzenlager können drinnen bleiben, aber die zugehörigen Lagerschalen müssen raus (siehe Bild unten). Raus bekommen wir die bestimmt, aber ob wir die auch wieder reinbekommen, ist ‘ne andere Frage. Die Lager und Schalen sehen soweit auch noch gut aus, entsprechend wollen wir die nicht pauschal tauschen.

    Neue Lagerschale in der Hand, Walzenlager auf dem Tisch. Das Walzenlager dreht sich in der Lagerschale
    Reparaturchaos

    Auch die Dichtringe sehen quasi neuwertig aus, warum das ölt wissen wir nicht. Wir werden bei Zeiten Werkzeug fürs wieder Eindrücken der Lagerschalen besorgen und dann die Dichtringe tauschen. Vorerst machen wir alles sauber, fetten die Lager neu und bauen alles zusammen.

    Zusammengebautes Radlager

    Nun geht es ans Einstellen des Lagers. Oben auf dem Bild fehlt noch die zentrale Mutter, diese ist größer als unser größtes Werkzeug, also größer als Schlüsselweite 34. Sie muss nun so fest gedreht werden, dass das Lager sich mit einem Reibwert von 8 kg dreht. Zum Einstellen haben wir uns einiges durchgelesen und auch die Kofferwaage gekauft, aber so richtig überzeugt sind wir vom Prozess nicht. Der Reibwert ist die Kraft bzw. das Gewicht, welches es braucht, um das Lager zu drehen. Generell muss diese Mutter so fest gedreht werden, dass alles ausreichend zusammen gedrückt ist, sonst halten die Dichtungen nicht dicht. Zieht man die Mutter zu fest, reiben die Lager zu stark, werden heiß und gehen kaputt. Wir folgen beim Zusammenbau und Einstellen einer Anleitung aus dem Volvo-Forum, wir müssen da aber nochmal was besseres finden. Mit der Kofferwaage zum Reibwert ermitteln ist das mehr Voodoo als alles andere.

    Ziehen und Waage ablesen, gar nicht so leicht

    Insgesamt haben wir das Lager etwas fester gedreht, in der Hoffnung, dass das schon reicht, um es dicht zu bekommen. Hier wird es sicher noch eine Fortsetzung geben. Wir füllen das Getriebeöl wieder auf, entlüften die Bremsen und dann geht es ab unter die Dusche. Wir haben uns beide ordentlich eingesaut.

    Zum Abschluss des Tages gibt es Reste. Die Hähnchenteile und gebratenen Reis, dazu schauen wir Serie.

    Auf in die Rocky Mountains

    Nach dem ganzen Werkstatt- und Paketstress soll es nun endlich mit Urlaub weitergehen. Das Ziel ist der Banff National Park. Vorher wechseln wir noch das Öl im Verteilergetriebe, darin finden sich keine weiteren Metallteile. Also sollte der Metallstaub normal sein (am Besten nicht mehr werden) und solange keine größeren Metallspäne auftauchen passt das soweit. Zumindest nach Aussage der Werkstatt in Rivière-du-Loup, Québec. Wir holen noch fix ein Amazonpaket für Bretti ab, darin sind Ohrringe, damit sie endlich die Stecker austauschen kann. Der Paketversand lief problemlos, in Kanada dauert das bloß etwas länger als zuhause, ca. eine Woche.

    In Calgary ist momentan das größte Rodeo Kanadas, das Stampede. Wir sind ein bisschen hin und her gerissen, ob das so etwas ist, das man mal erlebt haben sollte, aber eigentlich ist es nicht unser Ding. Wir fragen uns zu sehr, wie es den Bullen und Pferden dabei geht. Überall in der Stadt sieht man Anzeichen des Events. So sehen wir ein “Postkutschen Auto” siehe Video:

    Nun geht es noch zu Canadian Tire, Autoteile und Bärenspray kaufen. Bärenspray wollten wir eigentlich auch schon vorher kaufen, sinnig, wenn man schon Bären gesehen hat, aber irgendwie hat sich das nicht ergeben. Da es in den Rockies auch Grizzlys gibt, schien es uns nun doch dringlicher. Better save than sorry und so. Nun geht es noch Vorräte kaufen, denn in den Rockies gibt es weniger große Supermärkte. Dann geht es endlich raus aus der Stadt. Es sind ca. 100 km bis nach Banff und der Highway führt uns jetzt richtig in die Berge.

    Highway 1 Richtung Banff

    Das Visitor Center ist mitten im Ort Banff. Alles ist super eng und voller Touries, aber der Volvo ist ja klein und handlich. Vielleicht ist hier auch parken für Womos verboten. Da der Volvo als Sightseeing Highlight für die Unmengen an Touries herhält, ignorieren wir das mal, außerdem haben wir das Schild erst gesehen als wir schon eingeparkt hatten und wir haben ja eh eher Pickup-Länge und nicht 10 m wie die Wohnmobile hier im Schnitt. Im Gegensatz zu den anderen Visitor Centern gibt es hier keine Ausstellung oder ähnliches. Immerhin bekommen wir eine Wanderkarte für Tagestouren. Wie die Stadt ist der ganze Nationalpark völlig überfüllt. Immerhin gibt es eine Auslastungsanzeige auf deren Webseite. Diese verrät uns auch, dass der Johnston Canyon abends weniger besucht ist. Da geht es nun noch hin. Wir folgen dem Parkway, der ist aber im Gegensatz zum Highway eher unspektakulär, man sieht quasi nur Bäume.

    Absolut unauffällig geparkt in Banff
    Manchmal zeigen sich auch die Berge zwischen den Bäumen

    Angekommen am Parkplatz ist es zum Glück wirklich nicht sehr voll. Wir folgen dem Wanderweg entlang des Flusses, an den Highlights und den Engstellen bemerkt man dann schon die vielen Touries, aber es hält sich in Grenzen. Je weiter wir dem Weg folgen, desto weniger Leute sind unterwegs. Wenn man hier außerhalb der Hauptzeiten unterwegs ist, kann man die kleine Wanderung auf jeden Fall empfehlen.

    Der erste Wasserfall inklusive Touries
    Einer der mehr als sieben Wasserfälle
    Dumme Selfies müssen sein
    Der Fluss schlängelt sich durch den tief ausgeschnittenen Canyon
    Der Weg ist hier aufwendig in die Hänge gebaut.
    Der letzte Wasserfall für heute

    Zurück am Auto sehen wir, dass Motoröl von unserem Dachträger läuft. In einer der Dachboxen stecken unsere Ersatzteile und eben auch das Motoröl. So richtig finden wir nicht, was genau ausläuft, stellen aber alle Flaschen gerade hin. Eine der neu gekauften Ölfalschen ist nicht mehr versiegelt, vielleicht war die das Problem. Zusätzlich zum Öl vom Dach ölt der Motor auch fleißig. Hier haben wir den Ventildeckel in Verdacht, da müssen wir uns auch noch was einfallen lassen. Wir hatten uns einen Übernachtungsplatz direkt “hinter” dem Nationalpark gesucht, im Park ist übernachten verboten. Leider ist dieser Platz genau vor der Grenze also noch innerhalb des Parks, entsprechend übernachten wir hier nicht. Es hätte auch nichts gebracht, wenn er hinter der Parkgrenze wäre, da beginnt direkt der Kootenay Nationalpark. Hier reiht sich Park an Park, was das Übernachten schwierig macht. Wir entscheiden uns, auf einem Highway Rastplatz zu übernachten. Der Highway zählt praktischerweise nicht zum Nationalpark, auch wenn er direkt hindurch führt. Es ist nicht gerade leise, aber die Aussicht ist schon nicht schlecht. Zusätzlich sehen die Berge in der untergehenden Sonne richtig spektakulär aus.

    Fahrt zum Rastplatz
    Nette Aussicht vom Highway Rastplatz

    Nichts klappt, aber dafür gibt es Wasserfälle

    Wir haben ziemlich gut geschlafen. Nach dem obligatorischen Frühstück schrauben wir etwas am Auto. Bretti schraubt die Holzleisten rund ums Auto fest und Chris baut eine Ölfalle an den Motor, um zu schauen, ob das Öl wirklich von oben kommt.

    Die Dose wird nach der Fahrt eindeutig mit Öl gefüllt sein.

    Wir folgen dem Bowriver durch den Banff Nationalpark. Vom Highway hat man einen beeindruckenden Blick auf die Berge. Hier geht auch ordentlich Wind und so sehen wir eine Windhose auf dem Fluss. Sehr spektakulär, wann ist noch mal Tornado Saison?

    Wir wollen eigentlich eine Wanderung machen, aber der Parkplatz ist voll und viele Autos stehen verbotenerweise schon an der Straße. Wir wollen uns da nicht einreihen, entscheiden uns also, hier nicht zu wandern. Bretti hatte schon vorher den Lake Louise rausgesucht. Hier kommt man nur mit Shuttlebus hin. Da es noch Plätze gibt, wollen wir eben das machen. Wir fahren schon mal los und Bretti versucht die Plätze zu buchen. Es waren noch einige Plätze frei, aber 5 Minuten später sind die alle weg. Dann machen wir das eben auch nicht. Generell ist der Park in der Hauptsaison viel zu voll und am Wochenende ist es noch schlimmer. Wir entscheiden uns, weiter zu fahren und den Park nochmal zu besuchen, wenn wir in Calgary unsere Pakete eingesammelt haben. Dann unter der Woche.

    Da hier Park an Park grenzt, fahren wir weiter in den Yoho Nationalpark und zwar zum Takkakaw Fall, einem beeindruckenden Wasserfall. Die Straße dahin schlängelt sich durch ein enges Tal, wo wir als mobile Verkehrsberuhigung wieder unsere Arbeit machen. Auch hier ist es sehr voll, aber wir bekommen einen Parkplatz. Der kurze Wanderweg führt am Fluss entlang und dann zum Wasserfall. Überraschenderweise verlaufen sich die Touries hier ganz gut. Der Wasserfall ist sehr spektakulär. Von weitem noch mehr als von näher dran, da kann man sich die Touristenmassen vermutlich sparen. Die Gegend am Parkplatz und Fluss ist ganz schön und wir machen hier eine Snackpause mit den Füßen im kalten Gletscherfluss.

    Die beruhigte Bergstraße zum Wasserfall
    Falls aus etwas Entfernung
    Takkakaw Falls in Aktion
    Chris während der Pause am Limotrinken im Fluss

    Nach der Pause geht es die enge Straße zurück und auch hier wird fleißig der Verkehrsfluss beruhigt. Wir Stoppen kurz zum Wasserauffüllen und Ewok Chris “putzt” nebenbei das Auto.

    Ewok Chris
    Ewok Chris mit Stock gegen den Dreck

    Unser heutiges Ziel ist eine Recreation Site. Das sind simple Campingflächen, die von der Provinz British Columbia, in der wir mittlerweile angekommen sind, bereit gestellt werden. Nach dem Andrang im Park haben wir Sorge, hier keinen Platz zu bekommen, aber beide mögliche Flächen sind frei. In der “Nähe” gäbe es auch weitere Sites. Viele der Sites sind gratis und verfügen über Feuerstellen, Bänke und Plumpsklos. Mehr braucht es nicht für einen Platz in der Natur. Grundsätzlich hatten wir ein gutes Timing, im Laufe des Abends fahren noch fünf Autos vorbei, vermutlich suchen sie einen Übernachtungsplatz.

    Der Platz hat eine beeindruckende Aussicht auf die Berge und den Kicking Horse River (bester Name) mit den Wapta Falls in der Ferne. Auch wenn der Wasserfall sehr weit weg ist, durch seine Größe hört man das Dröhnen der Wassermassen sehr doll. Wir sind richtig happy mit unserem ersten Platz in BC (British Columbia). Wir versuchen noch den Motor etwas abzudichten und es wird noch gekocht. Dann lassen wir den durchwachsenen Tag mit dieser beeindruckenden Aussicht ausklingen.

    Bierchen mit Aussicht
    Gemüsetarte mit Aussicht

    Als wir ins Bett gehen, ist es schon dunkel (mittlerweile sind wir 9 Stunden vor Deutschland) und uns fällt auf, dass die Kappe vom Bärenspray im Dunkeln leuchtet, ziemlich schlau.

    Wir wollen die nächsten Tage die Südost-Ecke von BC erkunden. Wandern, Boot fahren und eine heiße Quelle stehen auf dem Plan. Hoffentlich wissen wir dann bald, wann unsere Ersatzteile in Calgary ankommen und wann es weiter in den Norden gehen kann. Wie das läuft, lest ihr dann nächste Woche.

  • Woche 17 | Teil 1: Ein letztes Mal zurück in die Prärie

    Woche 17 | Teil 1: Ein letztes Mal zurück in die Prärie

    Migräne mit Aussicht

    Heute Nacht war es kalt, 1°C ca. und wir hatten natürlich die Fenster auf. Solche Temperaturen sind wir gar nicht mehr gewohnt. Der Tag startet trotzdem schön und wir genießen es, nicht weiter zu fahren. Dafür wollen wir heute ein paar Dinge erledigen. Nach dem Frühstück fällt Chris auf, dass der Shop für die Autoteile aus Europa diese Woche Urlaub macht. Das steht nicht auf der Webseite, sondern nur in der Bestellbestätigung. Also noch eine Woche länger auf Teile warten, bzw. später wissen, ob die das auf die Kette bekommen. Das ist für unsere Planung natürlich nicht gerade förderlich.

    Die Werkstatt, die den Auspuff reparieren soll, meldet sich natürlich auch nicht. Als wir nachmittags nachfragen heißt es, morgen wissen sie das ganz bestimmt. Morgen fahren wir eh nach Calgary um Brettis Schuhe abzuholen, im Zweifelsfall fahren wir da noch mal direkt vorbei. Generell besprechen wir, was wir die nächsten Tage machen wollen, aber ohne zu wissen wann und ob die Werkstatt Zeit hat, ist es etwas schwierig.

    Chris schaut sich noch an, wieso unser Kompressor nicht geht. Es stellt sich heraus, dass der Anschalter kaputt ist. Damit können wir leben, wenn der Kompressor gebraucht wird, wird der Schalter einfach überbrückt.

    Kabelchaos und ein kaputter Schalter

    Ab dem Mittag fällt Chris mal wieder wegen Migräne aus und existiert zuerst im Auto und dann auf unserer Bank rum. Neben bei lauscht er Bretti wie sie Blog-Beiträge für unsere Audiothek einliest. Dort gibt es alle Blog-Einträge zum Anhören.

    Migräne mit Aussicht
    Zwischendurch gab es noch einen neuen Bartbewohner

    Als es ihm etwas besser geht, entzündet er schon mal das Lagerfeuer. Bisschen was zu tun haben ist auch nicht schlecht, meint er. Zum Glück geht es ihm abends wieder einigermaßen besser, sodass wir den Abend noch richtig genießen können.

    Was uns an dem Platz hier aufgefallen ist, es gibt kaum Tiere. Fast keine Vögel, keine Eichhörnchen geschweige denn was größeres. Kurz nach dem wir drüber sprachen, rennt eine Herde Rehe vorbei, diese haben wohl nur auf ihr Stichwort gewartet.

    Lagerfeuer mit Ergänzungen zum Abendsessen

    Noch mehr Werkstätten

    Wir verlassen heute den Platz am Ghost River. Mal schauen ob wir nochmal wieder kommen, wir werden ja etwas länger in der Nähe von Calgary sein… Von unserem gehackten Holz lassen wir den Großteil hier. Feuerholz darf man eh kaum durch die Gegend bewegen, weil es immer die Gefahr der Verbreitung von Schädlingen und Krankheiten gibt. Wir erinnern uns noch an das Faltblatt im Zoll Büro in Halifax.

    Da freuen sich die Nächsten

    Wir rufen die Werkstatt nochmal an, erst sagen sie, sie können das nicht machen. Allerdings nur weil sie unser Auto nicht auf die Hebebühne bekommen. Wir versichern ihnen wieder, dass sie das auch nicht müssen, das kaputte Rohr kann man einfach abschrauben. Nach einigem Hin und Her können wir Freitag Morgen vorbei kommen. Wir bleiben gespannt, ob das was wird.

    Parallel zur Forststraße, die uns hier her gebracht hat, gibt es auch noch eine Spur mit Matsch, tiefen Pfützen und ordentlich Verwindungen, die hatte uns auf dem hinweg schon angelacht. Entsprechend geht es für den Rückweg hier lang, macht direkt mehr Spaß. Man hat das Gefühl auf einem Segelschiff bei Sturm zu sein, so sehr geht es hin und her, aber dafür ruckelt es nicht so doll wie auf dem “Wellblechweg”. An der Einfahrt zum Forstweg treffen wir noch auf dieses kleine Gespann.

    Solche Gespanne sind hier absolut üblich

    Solche Gespanne hier in die Natur zu schleppen, scheint üblich zu sein. Weiter oben hatten wir noch einen größeren Wohnwagen gesehen.

    Zurück in Calgary sammeln wir fix Brettis Wanderschuhe ein, hoffentlich hält das diesmal. Danach geht es zur Oldtimer Werkstatt, die uns noch empfohlen worden ist. Die haben aber keine Lust auf unsere englischen Vergaser, die machen viel VW und Porsche. Wie immer haben wir aber ein nettes Gespräch. Dafür hat der Mitarbeiter allerdings eine Empfehlung für uns. Eine Werkstatt, die sich auf alte englische Autos spezialisiert hat. Da hätten wir eigentlich auch selber drauf kommen können. Es sind nur 200 m Luftlinie also fahren wir direkt rüber zu Auto Mann.

    Wir merken schnell, dass wir hier richtig sind. Nach dem wir erklärt haben, was wir wollen und welche Vergaser wir haben, schlägt der ältere Mitarbeiter direkt den Katalog mit der Zeichnung des Vergasers auf. Er erklärt uns einiges über Vergaser. Bretti versteht nur die Hälfte und Chris weiß das schon alles, aber naja. Eigentlich hätten sie keine Zeit, aber er hole mal einen Mitarbeiter, der kenne sich mit dem Typ aus. Der Kollege ist auch ein älterer Herr und besitzt selber zwei alte Volvos. Nicht ganz so alt, aber er kennt sich mit den Vergasern grundsätzlich aus. Morgen früh kann er sich das mal anschauen. Wir quatschen noch etwas und wir dürfen gerne direkt bei der Werkstatt übernachten, sei ja viel praktischer, wenn wir direkt hier wären.

    Gespannt, was uns morgen erwartet, machen wir uns noch auf den Weg, ein paar Besorgungen machen. Um das Radlager richtig einzustellen, benötigen wir eine Kofferwaage. Diese bekommen wir bei Lee Valley. Ein spannender Laden für Heimwerkerbedarf. Vom Bastelzubehör bis zur Tischkreissäge bekommst du hier alles. Vermutlich haben die im Lager auch noch einen Minibagger. Nebenan ist ein Europäisches Spezialitäten Geschäft. Hier finden wir leider wieder keine Sauce Hollandaise, dafür findet sich für Chris, die ungarische scharfe Paprika Paste Erös Pista. Zuhause gibt es die zu jedem Frühstück, hier ist es eine nette Abwechslung. Als letzten Stopp geht es, wie sollte es auch anders sein, Autoteile kaufen. Neben ein bisschen Werkzeug kaufen wir uns auch eine neue Camping-Couch. Unsere alte hat uns lange begleitet, sie wurde oft geflickt, aber wir kommen seit längerem nicht mehr mit dem Reparieren hinterher. Am letzten Stellplatz ist die Lehne auch komplett eingerissen. Die neue Camping-Couch passt kaum in den Schrank, mit der alten war es auch schon immer etwas hakelig, aber mit etwas Liebe geht’s.

    Bevor wir zurück zur Werktstatt fahren, setzen wir uns noch zu Tim Hortons, Updates herunter- und Bilder hochladen. Dann geht’s zum Parklplatz vor der Werkstatt, nicht gerade leise, aber für eine Nacht wird’s passen und so sind wir zumindest schon zeitig da.

    Update-Chaos bei Tim Hortons oder wie viele technische Geräte passen auf einen Tisch

    Bester Service ohne Gebühr

    Wir schlafen eher mittel, weniger wegen der lauten Straße, sondern eher wegen dem Stress. Um 9 Uhr können wir dann das Auto auf den Hof hinter die Werkstatt fahren, in die Halle passt er mal wieder nicht. Dann kommen erstmal alle Mechaniker zum Gucken und wir schnacken ein wenig.

    Eine wilde Mischung an Oldtimern

    Der Vergaser-Experte schaut sich die Vergaser an, stellt ein bisschen was ein und erklärt Chris ein paar Eigenheiten der Vergaser. Insgesamt sehen die ganz gut aus und das Auto läuft auch gut. Es sind also erstmal keine größeren Reparaturen notwendig. Durch den kaputten Auspuff ist das Auto natürlich viel zu laut, für den Motor selbst ist das aber kein Problem. Als wir uns lange verabschieden kommen wieder alle Mechaniker und scherzen ein bisschen, wenn wir doch nicht in die USA fahren, könnten wir den Volvo auch bei denen über den Winter abstellen. Wir fragen sie, was sie für den Service bekommen, aber sie wollen keinen Geld, nicht mal für die Kaffeekasse. Sie freuen sich einfach, dass sie uns dabei helfen können, unsere Reise fortzusetzen. Diese alten Herren sind viel zu lieb. Etwas wehmütig lassen wir unsere alte Camping-Bank zurück, die wir in ihrem Schrott entsorgen dürfen. Dann geht’s für uns weiter.

    Ein etwas dramatisches Abschiedsvideo 😀

    Da wir bei der Werkstatt noch nicht gefrühstückt haben, geht’s für uns erstmal ins Red Diner, wie immer nicht das gesündeste, aber sehr lecker.

    Die Hoodoos vom Willow Creek

    Wir fahren 150 km zum Willow Creek. Dort wollen wir uns die Hoodoos, Sandstein-Säulen, angucken. Der Parkplatz direkt gegenüber kostet eigentlich Geld, aber man kann den Weg auch ein paar Hundert Meter weiter reinfahren und dort parken. Dort wollen wir eh für die Nacht stehen bleiben.

    Die neue Bank wird auch gleich eingeweiht

    Wir laufen zu den Hoodoos, die sind kleiner als erwartet, aber kann man sich schon mal angucken, wenn man schon mal hier ist.

    Die spektakulären Hoodoos vom Willow Creek

    Wir überlegen, ob wir heute noch zu einem Minen-Museum fahren, entscheiden uns aber für einen entspannten Nachmittag hier. So können wir auch noch am Blog schreiben. Auf dem Weg sind einige Matschpfützen, denen wir beim hierherfahren ausnahmsweise ausgewichen sind. Wie sich zeigt, war das nicht die schlechteste Entscheidung.

    “Ja, ist matschig…”

    Heute ist abends Gewitter angesagt, es bleibt aber in der Ferne, dafür frischt der Wind auf und pustet sehr feinen Sand durch jede Ritze ins Auto. Der ganze Sand in der Luft und der Sonnenuntergang tauchen die Landschaft in ein einzigartiges Licht. Gut, dass wir gerade so entspannt sind, denn es gibt mal wieder Probleme mit der Post. Brettis Kumpel berichtet, das Post Office in Hamilton sage, es könne das Paket nicht nach Calgary schicken, denn das von uns angegebene Post Office existiere nicht. Wir überprüfen nochmal die Adresse und schauen auch auf deren offizieller Website nochmal nach, da ist es so, wie wir es geschrieben haben. Er wolle das morgen nochmal mit unserem Link zu Google Maps und der offiziellen Website versuchen. Im Zweifelsfall haben wir mittlerweile die Adresse eines Verwandten seiner Nachbarin, der nahe Calgary wohnt.

    Schöne Landschaft mit schönem Licht
  • Woche 16 | Teil 2: Von der Prärie in die Berge

    Woche 16 | Teil 2: Von der Prärie in die Berge

    Auf dem Weg nach Calgary

    Wir frühstücken hier wieder nett unter den Bäumen, aber so richtig gute Stimmung kommt nicht auf. Nicht mal baden waren wir hier. Die Brötchen schmecken auch nicht so dolle. Wir brauchen wohl mal wieder ein paar Tage Pause. Wir kennen diese Stimmung schon von unseren anderen langen Reisen und eigentlich wollen wir auch regelmäßige Pausentage machen. Naja, das hat diesen Monat nicht so geklappt. Das ist nach der langen Zwangspause nicht so überraschend, aber nun muss hier mal wieder etwas Reisealltag aufkommen.

    Frühstück auf dem Campingplatz

    Der Plan ist erstmal zügig nach Calgary, der nächsten großen Stadt zu fahren und dort unser Paket-Chaos endlich zu regeln. Entsprechend brechen wir zeitnah auf und folgen den endlosen Dirtroads durch die Kulturlandschaft. Wir sehen richtig viele Antilopen, so langsam würden wir uns aber auch mal wieder über Bäume freuen. Diese tauchen im Laufe des Tages und im Grenzgebiet zur Provinz Alberta dann auch auf. Es zeigen sich richtige Wälder und die Dirtroad schlängelt sich steil einen Berg hoch. Oben hat man eine weite Sicht über das sonst flache Land. Wir sind uns nicht 100-prozentig sicher, ob wir hier langfahren dürfen, aber zurück fahren wollen wir den ganzen Weg auch nicht. An einem Feld steht ein Schild: “No Trespassing” also “Betreten verboten” soweit so normal. Das Zusatzschild: “Are you bullet prove or just stupid?” ist dann schon weniger normal. Wir fühlen uns entsprechend sehr wohl hier und fahren zügig weiter.

    nicht bullet prove also geht es schnell weiter

    Alberta unterscheidet sich erstmal kaum von Saskatchewan, die Bäume vom Anfang weichen bald wieder endlosen Feldern. Im Gegensatz zum Rest von Kanada stehen hier recht viele Windkraftanlagen. Das flache Land der Great Plains wirkt eigentlich perfekt für die Anlagen, aber die Öllobby ist hier sicher auch sehr stark.

    Nach 9 Tagen durchs Hinterland geht es heute wieder auf den Highway 1, den Trans Canada Highway. Der Highway ist hier auch nicht sehr befahren, das macht den Weg nach Medicine Hat sehr entspannt. Angekommen werden die Vorräte aufgefüllt und wir checken Staples und UPS als mögliche Paket Zielorte aus. Zu Staples kann man keine Pakete direkt schicken, aber der Mitarbeiter im UPS-Store sagt, das sei bei allen Stores möglich und ganz einfach. Das macht uns Hoffnung für Calgary. Wir stoppen noch bei Tim Hortons und dann geht es weiter. Wir haben entschieden, direkt bis Calgary zu fahren, das sind fast 450 km, für uns ganz schön weit, aber sonst ist wieder Wochenende und dann bekommen wir sicher nichts geregelt.

    Wie überall in Kanada sehen wir immer wieder sehr lange Güterzüge. Die Schiene scheint für Logistik sehr wichtig zu sein. Bietet sich bei der Größe des Landes vermutlich auch an. Hier haben viele Industrieanlagen direkt einen Bahnanschluss. Das geht von den großen Minen bis zu den Getreidesilos in den kleinen Dörfern, bzw. zwischen Feldern. Aber auch hier wird zurück gebaut. Man sieht häufig stillgelegte Silos und Bahnanlagen. Im starken Kontrast zu den modernen Windkraftanlagen und Zügen sehen wir parallel zum Highway zwei Cowboys, die eine Herde Rinder treiben. Klassisch mit Cowboyhut, Lasso und Pferd. Wir hätten gedacht, dass diese schon lange durch Quads ersetzt worden sind.

    Die Fahrt vergeht viel schneller als gedacht und wir holen uns zum Abendessen noch Pizza bei Dominos. Leider ist diese nicht so gut wie zuhause. Wir übernachten heute am Rand von Calgary an einem Park. Der Park ist ab 23:00 Uhr geschlossen, ob man danach hier noch parken darf, wissen wir nicht, aber wir riskieren es und haben eine ruhige Nacht.

    An der Bilder Anzahl erkennt man, war nicht so unser Tag.

    Orga Tag

    Heute soll viel erledigt werden, also sind wir recht früh unterwegs. Brettis Wanderschuhe sollen zum Schuster, wir wollen zur Post und es werden einige Werkstätten abgeklappert, in der Hoffnung, dass eine unsere Vergaser richtig einstellt. Die Werkstätten sind leider ein ziemlicher Reinfall. Die erste ist bis August ausgebucht und arbeitet sonst an Lamborghini, Porsche und Ford Mustangs. Immerhin haben die Mechaniker was zu gucken. Der Volvo sei eh zu groß für ihre Halle. Sie empfehlen uns eine andere Werkstatt, diese wimmelt uns aber direkt ab. Die dritte Werkstatt will nichts mehr mit Vergasern zu tun haben. Diese würde aber theoretisch immerhin unseren Auspuff reparieren, der gibt uns momentan nämlich Sportwagen Vibes. Das ist nicht weiter schlimm, aber noch mehr auffallen müssen wir ja nun auch nicht. Der Chef würde sich Montag bei uns melden, generell sollte das kein Problem sein.

    Im roten Kreis ist das Loch zu sehen

    Dafür hat schon der zweite Schuster Zeit für uns und Dienstag sollen die Schuhe fertig sein. Auch bei der Canadian Post läuft es soweit gut. Bei der Mitarbeiterin funktioniert die Webseite auch nicht, aber sie erklärt uns, wie wir Pakete zum Post Office schicken können. Der erste UPS-Store sagt, man könne nichts direkt zu denen schicken, man müsse ein Postfach für einen Monat mieten. Zum Glück widerspricht der nächste UPS-Shop dem komplett und wir können dort auch Pakete aus Europa hinschicken. Sie nehmen dafür zwar eine Gebühr, aber immerhin.

    Das Thema Auspuff sollte sich dann ja hoffentlich nächste Woche klären. Da wir jetzt doch kein Problem mit den Vergasern haben, aber die eine Werkstatt daran rum gestellt hat, hätten wir das gerne zurück gestellt. Wir haben noch eine weitere Adresse, wo wir nächste Woche vorbei schauen werden, aber vorerst drehen wir selber an der Leerlaufdrehzahlschraube. Ein bisschen nach Gedächtnis, der Mechaniker hatte sie rausgedreht und wir drehen sie wieder rein. Wir stellen weder im Leerlauf noch beim Fahren einen Veränderung fest, naja. Heute erreichen wir nichts mehr in Calgary, also geht es für ein paar ruhige Tage Richtung Rocky Mountains.

    Alberta verfügt über viel “Public Land”, auf diesem darf man nach gewissen Regeln frei stehen. Da die Rocky Mountains aber teilweise sehr überlaufen sind, hat Alberta für die Regionen direkt an den Bergen eine Gebühr (41C$ im Jahr) erhoben. Nach viel Webseiten-Chaos ist diese Gebühr bezahlt und wir können los. Eigentlich muss man dafür eine App runterladen und den Permit dort hinterlegen. Bei Bretti geht das auch, aber Chris Handy sagt: “Die App ist in ihrem Land nicht verfügbar”, vermutlich ist es wieder in Polen unterwegs. Naja, wir haben den Permit als PDF dabei.

    Die Rocky Mountains sind in Sicht

    Wir kaufen noch für 5 Tage ein und starten die 150 km Tour Richtung Westen. Unser Ziel ist ein Platz mit Blick über das Ghost River Valley. Bevor es in die Wildnis geht, sehen wir noch ein Auto am Highway Rand stehen, aus dem Golfbälle verkauft werden. Joar, ob sich das so lohnt, wissen wir jetzt auch nicht.

    Weg vom Highway schlängelt sich die Straße durch Wälder und Wiesen. Wir sehen einige Rehe mit Jungtieren, diese bleiben aber alle brav am Straßenrand. Bald verlassen wir die Teerstraße für eine sehr nervige Wellblechpiste und erreichen die Grenze zum Public Land, wo nochmal die Regeln auf einem Schild erklärt werden. Direkt dahinter sehen wir auch die ersten Camper. Mitten im Wald stehen einige und den Weg entlang stehen auch immer wieder welche. Wir haben schon etwas Sorge, dass alles voll ist am Freitag Abend, aber es gibt so viele Möglichkeiten, da verläuft es sich ganz gut. Wir wussten nicht wirklich, was uns erwartet, die Straße ist schon schlecht, aber sollte mit den Pickups und SUVs hier kein Problem sein. Zu unserer leichten Verwunderung sehen wir auch einen VW Beatle der die Straße hoch gequält worden ist und einer dieser riesigen Wohnwagen steht auch neben dem obligatorischen Pickup.

    Stellplatz Aussicht

    Bei der Aussicht wundert es nicht, dass hier so viel los ist. Leider sind die Menschen hier nicht anders als zuhause und wir sammeln erstmal Müll, inklusive einer Packung mit Butterkeksen, Schokolade und Marshmallows, die kaum angefangen ist. Sauerei um die Lebensmittel und gut für die Tiere hier ist das natürlich auch nicht. Naja anyway.

    Wir stehen in der Nähe von zwei Familien mit kleinen Kindern, von denen mindestens eins nicht so zufrieden mit der Gesamtsituation zu sein scheint. Da “in der Nähe” noch immer über 100m bedeutet, stört das aber nicht. Gegen Abend wird es noch merklich voller, aber das ist alles gut aushaltbar. Wir machen einen OKG (Ortskontrollgang). Schon interessant, was für Leute hier her kommen. Auf dem Rückweg finden wir eine kleine Ankermusikbox, mal schauen, ob die jemand vermisst. Wir genießen den Ausblick, aber der Tag war lang, deshalb geht es bald ins Bett.

    Bevor Chris einschläft, meldet die Polarlicht-App “hohe Aktivität an ihrem Standort”. Mit bloßem Auge sieht man nicht wirklich was, aber Chris sammelt seine Kamera mit Stativ ein und geht raus. Es scheint sich zu lohnen, also quält sich Bretti auch aus dem warmen Bett. Ganz ehrlich, Polarlichter ohne Kamera sind ein Scam. Vielleicht sieht man bei noch stärkeren Polarlichtern auch mehr mit dem Auge, aber hier war es nur ein leichter Schimmer. Hingegen mit einer Kamera:

    Für die ersten Polarlicht-Fotos nicht schlecht
    Der Mond ging dann auf, der Himmel hatte dafür dann eine ganz coole Farbe

    Gut ,dass der Mond aufgeht und die Woken zu ziehen, so sind wir dann gegen 1 Uhr auch mal ins Bett, diesmal wirklich.

    Ich und mein Holz

    Kaffee mit Aussicht

    Das heutige Tagesziel ist Lagerfeuer machen und grillen. Zuerst frühstücken wir aber mit Sicht auf die Berge. Ohne Mücken ist Kanada schon sehr angenehm. Danach werden Autoteile bestellt. Neben dem Auspuffrohr hat auch der Krümmer, der Teil des Auspuffs direkt am Motor, einen Riss. Diesen gibt es nur in Europa, also bestellen wir den dort. Der Shop ist auf die Militär-Volvos spezialisiert und deswegen bestellen wir auch gleich neue Türschlösser. Das Schloss der Fahrertür haben wir ja auf Neufundland verloren. Ob wir nach 2,5 Monaten unsere Fahrertür wieder abschließen können? Bleibt gespannt, wie immer ist alles nicht so einfach.

    Während Chris mal wieder unterm Auto liegt und Wartung macht, kümmert sich Bretti um ein wenig Haushalt. Diese klassische Rollenverteilung kotzt uns ehrlich gesagt an. Wir versuchen die Aufgaben gleichmäßig zu verteilen, bloß manchmal hat man nicht die Ruhe und will fertig werden. Als erstes wird die Spur der Vorderachse zurück gestellt. Wir hatten weniger “Vorspur” eingestellt, weil wir dachten, dass die Reifen davon schräg abgefahren werden. Nach dem Reifentausch sieht man aber, dass nun die Innenseiten der Reifen mehr abgefahren werden als außen. Naja, Chris stellt das zurück, leider erkennt man nicht wirklich wie das vorher war, entsprechend ist es vermutlich jetzt wieder zu viel.

    Leider findet sich auch Metall an der magnetischen Ablassschraube des Verteilergetriebes, also das Getriebe welches gerade überholt worden ist. Die Stimmung ist entsprechend erstmal im Keller. Wir entscheiden uns, der Werkstatt eine Mail zu schicken, vor Dienstag fahren wir hier eh nicht weg. Vielleicht sind das ja noch Reste oder es gibt eine andere, nicht katastrophale Ursache.

    Kleine Metallstücke im Öl….

    Unser eines Radlager ölt auch noch weiterhin fleißig in die Bremse, das werden wir nun auch in den nächsten Tagen angehen.

    Nach diesen erfreulichen Tätigkeiten geht es endlich ans Feuerholzorganisieren. Wir fragen uns grundsätzlich, wer hier entscheidet, welcher Baum gefällt wird, sammeln aber natürlich nur schon am Boden liegendes Holz. Manche mögen es kennen, man kann nie genug Holz haben und entsprechend eskaliert das ganze etwas. Am Ende lassen wir sicher die Hälfte hier.

    Bretti hat ein kleines Stück Holz gefunden
    Hier lohnt sich auch mal die große Axt
    Arbeitssicherheit wird hier groß geschrieben
    Und deswegen muss das Auto so hoch sein

    Das Holz ist leider gar nicht so trocken und das Anfeuern zieht sich merklich. Als es dann brennt, raucht es dafür umso doller. Wir haben trotz allem einen sehr schönen Abend .

    Grillmeisterin Bretti Bretschneider bei der Arbeit
    Grillen mit Aussicht

    Bretti grillt, sie macht das ja auch einfach wunderbar. Wir haben die Grundregel, wer zuerst Hunger hat, der grillt. Bretti ist von der Regel nicht so überzeugt. Wir haben nach der ganzen Fahrerei der letzten Wochen einen sehr schönen ruhigen Abend.

    Nach einem heißen Abend folgt eine kalte Nacht

    Gestern sind wir beim Holzmachen in der Sonne noch ordentlich ins Schwitzen gekommen, dafür fallen die Temperaturen diese Nacht auf 4°C. Am heutigen Tage ist viel Regen angesagt, also machen wir einen Computer-Tag. Chris befasst sich mit dem Abdichten des Portalgetriebes. Nach dem Studieren des Forums und der Zeichnungen kommt er zu dem Schluss, dass es ohne teures Spezialwerkzeug möglich sein müsste. Solange das Radlager nicht kaputt ist und darauf deutet bisher zumindest nichts hin. Uns fehlt dafür nur noch eine Kofferwaage, mehr dazu lest ihr dann in den nächsten Tagen. Bretti schreibt derweil den nächsten Blog-Eintrag.

    Der alte Meister Serge aus der Werkstatt in Rivière-du-Loup meldet sich heute schon zurück. “Das muss nichts schlimmes sein, generell produzieren Getriebe Metallabrieb. Genau um sowas zu fangen, seien die magnetische Schrauben da.” Er hätte gerne noch ein Bild davon. Daran hatten wir leider zu spät gedacht und die Schraube schon sauber gemacht. Nach einer weiteren Fahrt werden wir dann nochmal gucken, ob wieder Metall dran ist und ein Foto machen (das Bild oben haben wir entsprechend nach besagter weiterer Fahrt gemacht). Wir sind erstmal erleichtert und hoffen das Beste.

    Es regnet immer wieder, aber der angekündigte starke Wolkenbruch bleibt aus. Chris versucht sich heute an einer zweiten Version des Brownie-Käsekuchens. Diesmal ist er auch zufrieden mit dem Ergebnis. Das wird nicht der letzte gewesen sein.

    Browniekäsekuchen insides
    Brownie gerade fest, so soll es sein

    Als nächstes wird der Kühlschrank geputzt bzw. enteist. Wenn wir irgendwas im Eisfach richtig kalt haben wollen, sorgt es dafür, dass im Kühlschrankteil alles an der Rückwand anfriert. Mittlerweile geht die Tür nicht mehr richtig zu, also wird das Eis an der Rückwand abgeschlagen und das Speiseeis aus dem Eisfach aufgegessen. Ohne Speiseeis können wir den Kühlschrank etwas runter drehen und es friert weniger fest.

    Wir rechnen außerdem unsere Finanzen durch. Im Juni liegen wir bei Ausgaben von 8.100€. Ein “bisschen” über dem Budget. Davon sind 4.400€ alleine für die Werkstatt(Ersatzteile kommen da noch drauf). Die 1.400€ für Benzin machen uns dann doch neugierig und wir rechnen mit unseren Notizen und der Rechnung der Werkstatt nach, wie viel Kilometer wir denn gefahren sind. 5.100 km sind wir im Juni gefahren. Kanada ist an der breitesten Stelle 5.500 km breit(Luftlinie). Joar, kein Wunder, dass wir ein bisschen drüber sind.

    Es ist heute maximal 11°C und wir entscheiden, einfach im Auto zu bleiben. Morgen ist das Wetter wieder super, da kann man noch genug Feuer machen.

    Es ist Sonntag entsprechend sind wir hier mittlerweile ganz alleine. Da fällt uns unsere Drone ein und wir schaffen es nun doch noch aus dem Auto für ein paar Aufnahmen.

    Drohen Foto Stellplatz auf die Rocky Mountains
    Längster Selfistick
    Der Ghost River schlängelt sich aus den Bergen

    Morgen bleiben wir auf jeden Fall noch hier. Es wird sich wieder mit Autoteilen und Werkstätten rumgeärgert, aber es gibt auch Kuchen und Lagerfeuer.

  • Woche 16 | Teil 1: Grasslands National Park mit Höhen und Tiefen

    Woche 16 | Teil 1: Grasslands National Park mit Höhen und Tiefen

    Paket-Chaos am Morgen

    Während Bretti Frühstück macht, stürzt Chris sich ins Paket-Versende-Chaos. Es ist Montag, also haben die Post Offices wieder offen. Nun wollen wir dort anrufen, um zu klären, ob wir die nötigen Ersatzteile dorthin schicken können. Problem, sie haben keine Telefonnummer. Dann fällt uns noch ein, dass das Paket eh nicht mit der Canadian Post, sondern mit Fedex oder DHL verschickt wird. Das ginge also eh nicht zum Post Office. Somit hätten wir auch gar nicht warten müssen, bis das Post Office wieder geöffnet ist. Naja. Unsere Recherche ergibt, um das Paket zu einem Pickup Point/Paketstation zu schicken, müssen wir eine bestehende Adresse angeben und es dann umleiten. Wir nehmen die Adresse von Brettis Kumpel in Hamilton. Mal schauen, ob das Umleiten dann funktioniert. Nun wird aber erstmal draußen mit Blick auf die Prärie und herumwuselnde Erdhörnchen gefrühstückt.

    Nach dem Frühstück bauen wir unser Zelt probeweise auf, denn wir wollen eventuell im Backcountry campen, das heißt mitten im Nationalpark ca. 1 km vom Weg entfernt. Dafür ist es besser, vorher sicherzugehen, dass noch alles vorhanden ist und passt. Bis 11 Uhr müssen wir von unserem Platz runter, parken können wir aber in der Nähe direkt am Eingang des Campgrounds, ideal, um unsere Wanderung zu starten.

    Valley of the 1000 Devils

    Wir wollen heute den ca. 10 km langen Valley of the 1000 Devils Trail wandern. Der Trailhead, der Startpunkt, ist ca. 1 km entfernt. Wir starten die Wanderung bei bestem Wetter, Sonne, Wind und ein paar Wolken. Wir sehen viele Erdhörnchen, die von Bau zu Bau flitzen und sich immer wieder hinhocken, um was zu futtern, wobei ihre Bäuchlein so lustig dick aussehen. Einfach niedlich. Außerdem sehen und hören Vögel, von denen sich einige fotogen präsentieren, so dass das ein oder andere Foto entsteht, vielleicht auch ein paar mehr. Kühe sehen wir auch in der Ferne, leider keine Bisons. Später erfahren wir, dass es die auch nur im Westblock gibt.

    Am Anfang der Wanderung, noch frisch unterwegs
    Die Salbeibüsche verströmen ihren Duft in der Prärie
    Foto: Kingbird, schwarzer Vogel mit weißer Unterseite, der auf einem Wegweiser des Valley of 1000 Devils trails sitzt und den Schnabel aufreißt.
    Eastern Kingbird kündigt uns auf dem Valley of 1000 Devils Trail an
    Ein American Robin Pärchen, links Männchen, rechts Weibchen
    Ein Ground Squirrel (Erdhörnchen) steht vor uns auf dem Weg

    Durch den ganzen Regen der letzten Tage ist es sehr schlammig und der lehmige Boden sehr rutschig. Wir rutschen teilweise mehr als dass wir laufen. Uns entgegenkommende Wandereris warnen uns, dass wir gleich die Schuhe ausziehen müssten, die Brücke sei geflutet. Geflutet trifft es tatsächlich nicht ganz. Sie ist eigentlich zu kurz, bzw. das Flussbett (eher Bachbett) hat sich etwas ausgebreitet. Wir ziehen unsere Schuhe aus und waten barfuß mit hochgekrempelter Hose durch das Wasser. Immerhin angenehm kühl. Auf der anderen Seite machen wir kurz Pause, um unsere Füße wieder zu trocknen und dann geht’s mit Schuhen wieder weiter. Auf dem Rückweg werden wir hier wieder durch müssen.

    Fluss- oder eher Bachdurchquerung

    Besonders begeistert sind wir auf dieser Wanderung von der Pflanzenvielfalt. Es blüht richtig viel, sogar die Kakteen.

    Blüten der Prärie (oben von links nach rechts Silberne Lupine, Wellenblättrige Kratzdistel, Prairie Smoke, mitte links Prickly Pear Cactus, rechts Stauden-Lein, unten Tufted Evening Primrose, laut Google)
    Ganz viele blühende Kakteen überall, da will man nicht stolpern
    Auch auf Kacke kann schönes entstehen (Clustered bonnet)

    An der “Spitze” des Rundweges sehen wir dann auch das, was vermutlich die 1000 Devils sind, viele Felshügel. Eine Infotafel hätten wir hier noch gut gefunden. Wir machen eine Snackpause, da es hier aber keinerlei Schatten gibt und der Wind nachgelassen hat, fällt sie eher kurz aus. Auf dem Rückweg bringt uns die pralle Sonne auch gut ins Schwitzen. Da kommt die Abkühlung bei der gefluteten Brücke ganz gelegen. Auf den letzten Metern vor dem Parkplatz fällt Bretti auf, dass sich die Sohlen ihrer Wanderschuhe schon wieder lösen. 12 km hat die Reparatur beim Schuster nur gehalten.

    Der Wanderer und die 1000 Devils

    Zurück am Auto gibt es erstmal die selbstgebackene schwedische Apfeltorte mit bestem Blick auf die Prärie-Landschaft und auf rumtobende Erdhörnchen. Es gibt hier echt viele. Und einen singenden American Robin.

    Der sich magisch drehende Kuchenteller. Es weht ein bisschen.
    Singender American Robin, Ton an!

    Kurz bevor wir dann losfahren wollen, hält ein Auto aus Österreich neben uns. Wir kommen recht lange ins Gespräch und unterschreiben auf ihrem Auto. Sie meinen, das sei die beste Stimmungsauflockerung an Landesgrenzen, wenn die Grenzposten auf dem Auto unterschreiben dürfen. Die beiden wollen die Panamericana fahren und haben nur je 3 Monate in Kanada und USA. So wie wir sind sie auch noch am überlegen, ob sie ihre USA-Aufenthaltsgenehmigung mit Alaska anbrechen wollen oder die 180 Tage erst ab Washington starten. Es sind die ersten Langzeitreisenden, mit denen wir ins Gespräch kommen. Wir tauschen Kontaktdaten aus, vielleicht trifft man sich ja nochmal wieder.

    Dann fahren wir schließlich los zu einer Kirche mit Friedhof mitten zwischen Feldern, dort übernachten wir. Immerhin sind hier die Nachbarn schön ruhig *höhö*. Auf dem Weg dorthin sehen wir Pronghorn Antilopen (Gabelbock), die wir unter anderem daran erkennen, dass sie unter einem Zaun hindurch schlüpfen. In unserem Grasslands Nationalpark Visitor Guide steht: “Fences: Pronghorns go under and deer jump over!” (“Zäune: Pronghorns gehen drunter durch und Rehe hüpfen drüber!”).

    In der Ferne sehen wir schon unseren Übernachtungsplatz und Regen.
    Übernachtungsplatz und dreckiges Auto

    Toilette mit Aussicht

    Wir kommen über verschiedenste Themen darauf, dass man uns mit dem Auto nicht gerade das Rasen vorwerfen könnte. Bretti entgegnet, dass man uns wortwörtlich schon Rasen (die Pflanze) vorwerfen könnte. Bretti ist sehr lustig. Neben der Kirche befindet sich ein Plumpsklo, das Chris inspiziert. Die Tür geht erst nicht gut auf, dann hat er die halbe Tür in der Hand. Er stellt sie kurzerhand daneben. Toilette mit Aussicht ist ja auch was schönes. Nachdem die Straße den ganzen Morgen bisher leer war, fährt in dem Moment natürlich ein Auto vorbei. Es ist immerhin nicht stehen geblieben, so richtig wissen wir ja nicht, ob wir hier stehen dürfen. Auf dem Friedhof tummeln sich wieder ein paar Erdhörnchen. Die mögen wohl auch die ruhige Nachbarschaft.

    Aussicht von der Toilette

    Wir fahren heute zum Westblock des Nationalparks. Auf dem Weg dahin sehen wir einige Pronghorn Antilopen, die freundlicherweise auf dem Feld stehen bleiben, so dass wir ein paar Fotos machen können.

    Pronghorn Antilopen mit Jungtier und flauschigen weißen Popos

    Über den Feldern sehen wir immer wieder Greifvögel durch die Luft gleiten oder gegen den Wind ankämpfen. Und auf den Feldern sehen wir massive Bullen. Wir fahren über eine Straße mit dem Schild “road in construction”. So weit so normal. Als wir rüber fahren fliegen die Teerbrocken ums Auto herum, ins Auto, auf die Scheibe… Hier soll der Teer wohl von den Autos festgefahren/ in die Straße eingearbeitet werden. Top System, es sind schon Spurrillen erkennbar.

    Klebrige Teerklumpen überall

    Beim Westblock des Nationalparks gehen wir erstmal zum Visitor Center, wo wir mal wieder ausführlich beraten werden. Teile des Parks sind wegen des Regens und entsprechend nasser Straßen gesperrt. Schade, denn wir wären die Straße gern gefahren. Die Bisons mit ihren noch rötlich gefärbten Jungtieren verstecken sich wohl in einer nördlichen Ecke des Parks, in deren “Nähe” eine 15 km lange Wanderung verläuft. Wir überlegen, diese Wanderung am Mittwoch mit Backcountry Camping kombiniert zu machen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Heute fahren wir den Ecotour Scenic Drive, eine Panoramastraße durch den Park. Vor dem Visitor Center treffen wir die beiden Österreichis von gestern wieder. Während an unserem Auto noch Teerklumpen hängen, ist ihr Auto recht schlammig. Sie sind durch den gesperrten Teil des Parks hierher gefahren, da am anderen Ende der Straße weder Sperre noch Hinweis auf eine Sperrung waren. Die Straße war wohl extrem schlammig, aber dafür haben sie ja einen Landcruiser. Wegen ihres engen Zeitplans geht es für sie schon heute nach Saskatoon, auch sie brauchen Auto-Teile, die hier schwer zu bekommen sind.

    1 Million Fotos von Präriehunden

    Wir fahren 20 km Richtung Park und folgen dann der 20 km langen Panoramastraße durch den Park mit Stops an den jeweiligen Infopunkten. Wir lernen was über die Prärie, ihre Geschichte, die Flora und Fauna. So ganz ist unser Wissensdurst aber noch nicht gestillt. Die Landschaft ist sehr schick und noch grasiger als der Ostteil. Die Bisons sehen wir leider nur ganz weit entfernt als schwarze Punkte durch den Zoom unserer Kameras.

    Na, seht ihr die Bisons?
    Mit viel Zoom, erkennt man sie

    Viel näher dran sind dafür die Präriehunde. Entlang des Weges befinden sich zwei riesige Präriehundkolonien, wo wir ganz viele Fotos machen. Die sind einfach zu niedlich. Zitat Chris: “Ohhh… diese Nasen und diese Knopfaugen!” Stellt ihn euch dabei mit Herzchen in den Augen vor und Bretti auch.

    Ein klopsiger Präriehund snackt direkt am Weg
    Ist es nicht niedlich?
    Zuneigung oder Kampf? Könnte beides sein
    “Runter vom Rasen” pöbelnde Präriehunde in/auf ihrem Bau
    Wir finden, es sieht aus wie ein Rentner-Präriehund

    Wir verbringen einige Stunden auf diesem Ecotour Scenic Drive. Auf dem Weg zurück stoppen uns regelmäßig Präriehunde und Ground Squirrels, die sorgen hier wohl dafür, dass die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auch ja eingehalten wird. Besser wäre wohl noch Schrittgeschwindigkeit. Außerdem sehen wir einen American Badger (Silberdachs), der von einer Eule, vermutlich einer Burrowing Owl (Kaninchenkauz/Präriekauz), attackiert wird und sich in einen Präriehundebau buddelt. Erfolgreich oder nicht, wissen wir nicht. Er zieht weiter und wird dabei immer wieder von der Eule attackiert.

    American badger vs Burrowing Owl
    American Badger guckt aus dem Präriehundbau raus

    Nach dem Hoch kommt das Tief in Val Marie

    Wir fahren zurück nach Val Marie zu unserem online gebuchten Campingplatz. Es gibt kein Check-in oder Personal, also stellen wir uns einfach an besagten Platz. Es folgt ein kleiner Spaziergang durch den Ort, um zu schauen, ob hier Geschäfte auf haben. Das Restaurant hat geöffnet, auch wenn es nicht so aussieht, da wollen wir später essen gehen. Aus dem Grocery Store gegenüber nehmen wir noch ein überraschend leckeres Bier mit, dann geht’s erstmal zurück zum Campingplatz. Kaum angekommen fängt es ordentlich an zu regnen. Wir verziehen uns ins Auto. Chris schreibt am Blog und Bretti versucht die Sohle ihrer Wanderschuhe mit “the right stuff” zu kleben, das wir von Samuel in der Werkstatt bekommen hatten. Ist zwar nicht für Schuhe gedacht, aber wenn es Autoteile kleben kann, warum nicht auch Schuhsohlen oder? Oder?

    Große Begeisterung beim Schuhekleben, immerhin an den Händen klebt es gut

    Gegen 19 Uhr geht’s zum Restaurant. Dort stehen jetzt auch viele Autos. Es ist ein kanadisch-chinesisches Restaurant, was sich auch im Ambiente, der Deko zeigt, ziemlich wild durcheinander. Hier können wir außerdem nur bar bezahlen, ungewöhnlich für Kanada. Dafür haben sie im Eingang einen ATM, einen Geldautomaten, stehen. Das passt ganz gut, denn wir brauchen eh mal wieder Bargeld für die Waschsalons. Chris wählt die kanadische “Geschmacksseite”, Burger und Poutine, Bretti wählt die chinesische mit gebratenen Nudeln. Die sind etwas anders als gewohnt, eher wie yumyum-Nudeln, ist aber auch in Ordnung. Gut gesättigt geht’s zurück.

    Das Restaurant war mal ein Hotel
    Wir sitzen neben einem Tisch mit Abrechnungen

    Das Kleben der Sohlen von Brettis Wanderschuhen hat nicht geklappt, deswegen gehen wir morgen leider nicht wandern, sondern verlassen den Park wieder, leider ohne wirklich Bisons gesehen zu haben. Wir sind sehr geknickt deswegen. Ein kleiner Lichtblick ist, dass es auf unserer Reise noch mehr Möglichkeiten geben wird, Bisons zu sehen. So richtig trösten kann uns das heute Abend allerdings nicht.

    Hinzu kommt, dass das Umleiten des Pakets mit den Autoteilen nicht so klappt wie erhofft. Das geht nur an bestimmten Punkten in der Nähe der Versandadresse, also die von Brettis Kumpel in Ontario. Dort geht das Paket nun hin, ohne Umleitung. Wir hoffen, dass Brettis Kumpel uns das dann irgendwie zuschicken kann, wie und wo wissen wir noch nicht genau. Canada Post bietet eigentlich Paketannahme in ihren Poststationen an, allerdings klappt die Registrierung online eher schlecht, die Website scheint kaputt zu sein. Fedex, UPS und DHL sind auch irgendwie alle komisch und nicht wie in Deutschland. Wir werden wohl mal zu einem ihrer Stores fahren und nachfragen. Das Paket mit den Autoteilen aus Europa muss erstmal warten. Wir würden uns einfach eine Packstation wünschen, an die wir das Paket direkt versenden können, ohne vorher da gewesen sein zu müssen, damit wir die Versendezeit besser einplanen können und nicht an einem Ort warten müssen. Das es so kompliziert ist, nervt und ist anstrengend.

    Wir diskutieren außerdem schon seit ein paar Tagen, ob wir wirklich nach Alaska fahren sollen oder nicht. Wie schon erwähnt geht es anderen Reisenden da auch so. Wir starten hier mal eine Pro/Kontra Liste:

    Pro Alaska

    • August ist Lachszeit, perfekt, um in Alaska Bären zu sehen
    • Wenn wir in den Norden fahren, sind wir eh nah an Alaska
    • und wir müssten nicht nochmal so weit hoch in den Norden fahren, haben danach mehr Flexibilität
    • Alaska ist echt schön

    Kontra Alaska

    • Wir hängen in unserem Zeitplan 1 Monat hinterher
    • Aufenthaltsgenehmigung von 180 Tagen beginnt schon in Alaska, d.h. weniger Zeit im anderen USA-Teil, bzw. im Februar notwendige Ausreise, Kanada zu kalt, also nach Mexiko?
    • Yukon soll auch sehr schön sein und man kann dort auch Bären sehen

    Unsere Tendenz ist momentan, noch nicht nach Alaska zu fahren, um uns nicht zu sehr zu hetzen, mehr Flexibilität zu haben und die 180 Tage Aufenthaltsgenehmigung erst in Washington zu starten. Gerade muss erstmal noch viel organisiert werden und wer weiß, wie viel Zeit das in Anspruch nehmen wird. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, vielleicht verlängern wir unsere Reise ja auch und fahren nach dem USA-Teil wieder hoch nach Kanada und dann nach Alaska.

    Wir sind beide sehr genervt, traurig und frustriert an diesem Abend. Wir gehen duschen, spülen die schlechten Gefühle etwas ab und lassen den Abend ohne weitere nervigen Themen ausklingen, auch wenn die Mücken das anders sehen, davon gibt’s hier wieder recht viele.

    Neuer Tag, bessere Stimmung

    Wir schlafen lange aus. Die Sonne kitzelt unsere Nasen und mit besserer Stimmung wachen wir an diesem Morgen auf. Wir frühstücken draußen in der Sonne trotz Mücken und mit dem Nachbarshund, dem scheint langweilig zu sein. Bevor es heute weitergeht checken wir noch die Zündkerzen und unsere Zündungsimprovisation. Sieht alles gut aus soweit. Wir dichten noch was am Motor ab, in der Hoffnung, dass er weniger Öl verliert. Dann düsen wir 90 km zur nächsten Tankstelle mit Premium Benzin, das ist in dieser Gegend weniger vertreten. Begleitet werden wir vom “la la lei” von Simon and Garfunkel (The Boxer), das uns schon den ganzen Morgen im Kopf herumschwirrt.

    Inspiriert durch die Info über die Nutzung von “Holsteiner Fleckvieh”/”Holstein Cow”, von der wir gestern im Visitor Center gelesen haben, machen wir während der Fahrt einen Exkurs in die Geschichte Schleswig-Holsteins. Was gehörte nochmal alles zu Schleswig und was zu Holstein? Wir fahren an einem Schild des T-Rex Centers vorbei, einem Dino-Museum. Wir entscheiden uns aber dagegen, dorthin zu fahren, denn es gibt hier sehr viele Dino-Ausstellungen und zwei andere stehen schon auf unserer Liste. Außerdem wollen wir heute gerne mal nichts tun. Auf den Feldern sehen wir wieder Ölpumpen, Pronghorn Antilopen und Mule Deer (Maultier-/Großohrhirsch).

    Wir kommen am Campingplatz an einem See an. Gezahlt wird hier auf Spendenbasis, um mind. 15C$ pro Nacht wird gebeten. Hier sind viele große Wohnwagen mit Generatoren, die die Nacht durch laufen und mind. ein Pickup pro Camp. Neben einem Reisebus-Camper sind wir die einzigen ohne Pickup. Alle grillen und trinken Bier. Leider lädt uns niemand ein. Es riecht so gut wir haben aber nichts zum Grillen oder trinken dabei. Wir haben trotzdem einen schönen Abend. Bei Sonne und Regen sitzen wir draußen, entspannen und schreiben zusammen am Blog.

    Der Regenschirm passt perfekt über die Bank
    Regebogen überm Nachbarcamp, das wir die Wagenburg nennen mit 8 Pickups

    Später zieht eine Gewitterfront durch und wir schauen fasziniert dem Wetterleuchten über dem See zu.

    Wetterleuchten überm See

    Gegen 23 Uhr zünden einige Camps ein Feuerwerk. Es ist nämlich Canada Day, der kanadische Nationalfeiertag, der an die Bildung Kanadas (als Bundesstaat des britischen Commonwealth) durch den British North America Act am 1. Juli 1867 erinnert. Schließlich wird es aber wieder ruhig draußen und auch wir gehen schlafen.

    Canada day bedeutet hier auch immer Feuerwerk
  • Woche 15 | Teil 2: Weit ist die Prärie

    Woche 15 | Teil 2: Weit ist die Prärie

    Triggerwarnung: Auf dem vierten Foto sind viele Krabbeltiere bzw. Zecken zu sehen.

    Frühstück in der Prärie

    Der Tag startet wie der letzte aufgehört hat, wir frühstücken mitten in der Wiese, diesmal aber im Schatten unseres Autos. Die Sonne hat schon morgens richtig Kraft. Wir sind jetzt ca. auf der Höhe von Stuttgart. Neben der Sonne ziehen hier auch wieder Regenwolken durch.

    Regenbogen am Horizont

    Nach dem Frühstück geht es den Lehrpfad entlang. Es gibt weniger zu lernen als erhofft, insgesamt gibt es ca. 5 Schilder mit wenig Text. Trotzdem nett als kleiner Spaziergang. Der Weg ist schnell maximal überwuchert und ist nur noch daran zu erkennen, dass außen rum das Gras noch höher ist.

    Bretti auf dem “Weg”
    Chris in der Prärie-Landschaft

    Wir sind Mücken und Zecken ja schon gewohnt, entsprechend stecken die Hosenbeine in den Socken. Auch wenn wir zurück am Auto viele Zecken von unseren Klamotten entfernen, werden wir die nächsten Tage immer wieder welche auf uns rumkrabbeln sehen. In den Falten der Hosen haben sich unzählige Zecken versteckt, die auf ihre Chance warten.

    Zecken in der Falte von Chris Hose

    Diese 8 Zecken sind erst der Anfang, auf Chris Hose befinden sich mindestens noch 40 andere. Bei Bretti sieht es ähnlich aus. Insgesamt kommen wir in den folgenden Tagen aber auf nur drei wirkliche Zeckenbisse, die wir bemerkt haben.

    Nach diesem spaßigen Spaziergang will Chris die Schläuche am Benzinfilter nachziehen. Dabei bricht der Filter direkt auseinander. Vermutlich war der eh nicht mehr richtig dicht, nun wird er getauscht.

    Auf in andere endlose Weiten

    Nach einem weiteren schwierigen Autostart, geht es weiter nach Saskatchewan. Das Auto läuft aber erstmal ganz gut, später wird es bergauf wieder Probleme machen.

    Am Straßenrand sehen wir nicht nur unzählige Pumpen, sondern auch einen Kojoten. Die Pumpen gab es schon in Manitoba und wir dachten, die seien für Grundwasser. Bald sehen wir eine Gasfackel neben einigen Pumpen. Das bedeutet, die Pumpen fördern kein Wasser sondern Öl. Eine kurze Recherche bestätigt, jep, hier wird aus vielen kleinen Brunnen Öl gefördert. Mitten zwischen den Feldern hat das eine komische Atmosphäre.

    Ölpumpe zwischen Feldern
    Gasfackel im Rapsfeld

    Generell fahren wir immer noch durch endlose Kulturlandschaft, aber die Flächen in Saskatchewan sind viel größer und die “Bauernhöfe” sind eher Industrieanlagen ohne Wohnhäuser. Zu den Industrieanlagen gehören sogar Agrarflugzeuge.

    Agrarflugzeug fliegt vorbei
    Die Straßen ziehen sich immer noch endlos geradeaus

    Die Straßen ziehen sich endlos geradeaus und zwischen den Feldern sind immer wieder Koppeln mit Bisons, Pferden und Rindern. Nach 100 km geradeaus kommen sogar zwei Kurven direkt hintereinander, ein echtes Highlight. Neben domestizierten Tieren sehen wir auch Rehe mit sehr langen Ohren. Zitat Chris: “Die Ohren sind länger als der Kopf, also ist es ein großer Hase”.

    Auf den kleineren Straßen rennen immer wieder Erdhörnchen über die Straße. Die sind schon sehr süß, aber ohne rechten Überlebensinstinkt ist das auch sehr stressig. Nachdem wir einige Kilometer über staubige Pisten gefahren sind, fällt uns ein, dass wir das Heckfenster nicht vollständig verschlossen haben. Immerhin ist der Staub vor dem Mückennetz geblieben. Unser heutiger Übernachtungsplatz sollte der Castle Butte werden, leider ist hier campen verboten, alles ist hier privates Land.

    Aussicht vom Castle Butte zum Parkplatz
    Castle Butte

    Da das Auto kurz vor Ankunft mehr Probleme gemacht hat, sind wir leider nicht wirklich entspannt genug, um hier mehr Zeit zu verbringen. Wir besprechen, wo wir in der Nähe für die Nacht stehen bleiben können, aber so richtig bietet sich nichts an. Wir entscheiden uns, an der Dirtroad stehen zu bleiben, aber nah an der Teerstraße. Soll uns keiner vorwerfen, dass wir hier heimlich campen. Bretti macht uns noch eine Kleinigkeit zu essen und Chris tauscht den anderen Benzinfilter. Die Probleme sind ja erst seit dem Filtertausch da. So richtig an Besserung glauben wir aber nicht.

    Für einen unfreiwilligen Stopp eine nette Aussicht

    Nachdem wir gegessen haben, hält ein Auto neben uns und ein älterer Herr steigt aus. Der ist sichtlich schlecht gelaunt und will uns nicht hier haben. Nachdem wir ihm die Situation erklärt haben, willigt er ein, dass wir hier bleiben können. Gut findet er das aber nicht, betont er immer wieder bis er davon fährt. Nach dieser freundlichen Einladung, hier zu bleiben, versuchen wir noch bis in den nächsten Ort zu kommen.

    Das Auto springt widerwillig an, läuft dann aber ganz gut. Wir fahren in der Dämmerung die 20 km in den nächsten Ort und stehen dort vor einer Curlinghalle. Wir werden Morgen erstmal das Ventilspiel einstellen, das ist eigentlich schon seit 1.500 km dran und ist eine Routinewartung. Wir glauben auch hier nicht wirklich an eine Besserung, aber da die Wartung eh ansteht, gehen wir das an. Nach Google kann das zu Startproblemen und Leistungsverlust führen, klingt schon nach unseren Problemen. Grundsätzlich hat jeder Zylinder des Motors ein Einlassventil (für das Benzin-Luft-Gemisch) und ein Auslassventil (für die Abgase). Wenn diese nicht mehr richtig schließen, drückt nicht mehr die ganze Energie der Explosion den Zylinder runter, sondern ein Teil geht verloren. Mehr dazu dann aber Morgen.

    Wartung und netter Mechaniker in Bengough

    Nach dem stressigen Abend haben wir gut geschlafen und sehr gut gefrühstückt. Soweit gestärkt machen wir uns ans Ventilspiel einstellen. Zuerst kommen die Zündkerzen raus, beim Einstellen muss man die Kurbelwelle drehen und das geht nur, wenn der Motor keinen Gegendruck(Kompression) hat. An den Zündkerzen sieht man auch, ob die Verbrennung sauber abläuft, also das Gemisch aus Benzin und Luft so ist, dass es sauber verbrennt. Diese sehen immerhin gut aus. Bisschen mehr Benzin im Gemisch wäre noch gut, aber dafür muss der Auspuff erstmal wieder dicht sein, dieser hat nämlich einen Riss… Warum der Auspuff dicht sein muss, damit die Benzinmenge richtig ist, ersparen wir euch für den Moment. Verbrennermotoren sind auf jeden Fall physikalische Wunderwerke, wenn man sich genauer mit ihnen beschäftigt. Für uns momentan zu viel Wunder und zu wenig Werk.

    Bretti dreht unterm Auto die Kurbelwelle und Chris stellt von oben das Ventilspiel ein.

    Das Ventilspiel muss zwischen 0,4 und 0,45 Millimeter eingestellt werden. So filigraner Kram ist ja nicht so unsere Stärke, aber muss ja. Bisher haben wir geglaubt, dass die Wartung nicht soo wichtig ist. Muss man natürlich machen, aber ob nun 1.000 km früher oder später macht keinen Unterschied. Trotzdem wären wir bereit, wenn das Auto nun besser läuft, das auch häufiger zu machen. Die Probefahrt zeigt: Es hat nichts verändert. Immerhin gibt es eine Werkstatt im Ort zu der wir jetzt erstmal fahren. Sie ist zum Glück nur zwei Straßenecken weiter.

    Mal wieder eine Werkstatt

    Der Mitarbeiter hat eigentlich keine Zeit, guckt sich den Motor aber trotzdem erstmal an. Er hat nicht direkt eine konkrete Idee. Wir probieren mit ihm ein paar Sachen aus und stellen am Ende ein bisschen was am Vergaser ein. Wir machen eine kleine Probefahrt und das Auto läuft aus uns noch nicht ganz nachvollziehbaren Gründen wieder besser. Es geht im Leerlauf z.B. nicht mehr aus. Er meint, man müsste sich mal den Vergaser genauer angucken, allerdings hat er zu viel Angst, dass er irgendwas nicht mehr zusammen bekommt oder kaputt macht, Ersatzteile nicht da hat etc. und dass wir dann hier festhängen. Zumal er eh erst ab Dienstag Zeit hätte (heute ist natürlich Freitag). Er empfiehlt noch, eine Benzinpumpe mit mehr Leistung zu verbauen. Da das Auto wieder einigermaßen läuft, fahren wir weiter Richtung Grasslands National Park. Während der Fahrt stellt sich heraus, dass das Problem auf jeden Fall noch nicht behoben ist, aber wir können mit 60 km/h bis zu unserem Ziel fahren. Dafür sehen wir einen Kojoten am Straßenrand.

    Wie gestern folgen wir endlos langen Straßen.

    Unser heutiges Ziel ist ein Schotterplatz in der Nähe des Nationalparks. Chris zerlegt noch die Benzinpumpe, während Bretti Kartoffelgratin macht. Die Pumpe sieht aber soweit sauber aus und scheint in Ordnung zu sein. Es zieht ein dickes Gewitter auf, deshalb klemmen wir zum ersten Mal unser Solarpanel und das Starlink ab. Ob es eigentlich was bringt, wenn das Auto vom Blitz getroffen wird, wissen wir nicht, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.

    Die Benzinpumpe sieht von innen aus wie neu.

    Kaum Gewitter und mehr Autoprobleme

    Das Gewitter kommt erst morgens bei uns an, ist aber nicht besonders stark, entsprechend schließen wir als es aufhört zu regnen unser Solarpanel und Starlink wieder an. Danach wollen wir eigentlich zum Eastblock des Grasslands Nationalparks aufbrechen, aber das Auto springt nicht mehr an. Wir improvisieren etwas, um die Benzinzufuhr sicherzustellen. Der gibt Lebenszeichen von sich, springt aber nicht an.

    Benzinpumpenunterstützung

    Wir testen den Zündfunken des ersten Zylinders. Es zeigt sich kein regelmäßiger Zündfunken. Das gibt uns einen Hinweis, wonach wir suchen müssen. Wir testen mit der Zündzeitpunktpistole die Zündsignale der einzelnen Zylinder, messen aber nix. Möglicherweise ein Messfehler? Wir konnten gestern ja noch fahren. Daraufhin schaut sich Chris den Zündverteiler an. “Der Rotor sieht komisch aus”, meint er. Wir vergleichen Bilder online mit unserem Rotor. Unserer sieht wie ein abgebrannter Rotor aus, das scheint vorzukommen. Wir fragen uns zwar, wie wir überhaupt noch fahren konnten, aber das scheint zumindest die Ursache für unsere Probleme zu sein. Es ist Elektronik, also startet Chris, der Elektriker, eine Pfusch-Reparatur.

    Das Durchgebrannte wird mit einer Litze ersetzt und zusammen gelötet.

    Die Reparatur und das alles zusammenzubauen dauert etwas länger, aber der Motor springt schließlich direkt an. Es besteht ein gewisses Risiko, dass die Reparatur durchbrennt, entsprechend sitzt Chris hinten im Koffer mit offener Motorhaube und dem Feuerlöscher griffbereit, während Bretti zu einer Probefahrt ansetzt. Die Probefahrt läuft gut, nichts steht in Flammen, enstprechend starten wir Richtung Nationalpark. Chris bleibt vorsichtshalber aber im Koffer. Hinweis: Bitte nicht nachmachen! Verschleißteile lieber vorher einstecken!

    Wir kommen wider Erwarten am Nationalpark an, die Fahrt lief unauffällig. Wir checken erstmal für eine Nacht ein (17€ die Nacht). Im Gespräch mit der Dame am Empfang, bietet sie an, dass wir die Auto-Ersatzteile auch zur nächsten Poststation schicken könnten und sie die dann mitbringen könnte. Wir beziehen aber erstmal unseren Platz und beseitigen das restliche Chaos im Auto. Nachdem wir die Reste von gestern gegessen haben, planen wir, welche Ersatzteile wir wohin bestellen. Hoffentlich können wir das Montag festzurren. Danach geht’s geschafft, aber happy ins Bett, wir sind froh, dass das Auto wieder läuft.

    Unseren ersten Campingplatz in Kanada teilen wir uns mit vielen Ground Squirrels.

    Grasslands Nationalpark Eastblock Day 1

    Wir verlängern am nächsten Tag direkt für eine weitere Nacht, auch wenn es heute den ganzen Tag regnen soll. Morgen wollen wir eine Wanderung im Park machen. Wir nutzen den Regentag und fahren die 10 km lange Panoramastraße entlang der Parkgrenze. Trotz Regen und Wind genießen wir die spektakuläre Aussicht. Es gibt leider keine Bisons zu sehen, dafür ein paar Kühe in der Ferne, die die Flächen freihalten.

    Bretti ist jetzt total informiert und nass.
    Man beachte auch die unfreiwilligen Plateauschuhe.
    Bart als Windanzeiger

    Die Panoramastraße ist einspurig, um Verkehr durchzulassen gibt es Ausweichstellen. An einer dieser Ausweichstellen hält ein Auto neben uns, welches uns mit “Ihr seid ja ganz schön weit weg von Zuhause” begrüßt. Es sind deutsche Auswanderer auf dem Weg zurück nach Manitoba. Wir quatschen kurz und schimpfen über das Wetter wie es sich für echte Deutsche gehört. Zitat: “Wenn es mir schon morgens auf die Brille pisst, dann hab ich direkt keinen Bock mehr.” Bretti kann das mit ihrer nass geregneten Brille nachvollziehen, von Ausflügen zu den Aussichtspunkten und Infotafeln hält es uns aber nicht ab.

    In der eigentlich trockenen Landschaft hat sich schon ein Teich gebildet.

    Nach diesem hochkulturellen Austausch und dem Beenden der Tour geht’s zurück zum Campingplatz. Dort sammeln wir Feuerholz ein, denn wir haben uns für heute optimistischerweise eine Feuer-Erlaubnis geholt. Ab 14 Uhr sollte es laut Wetterbericht trocken bleiben. Chris verstaut die Autoersatzteile, denn das Auto ist heute morgen sogar im Regen perfekt angesprungen. Bis der Regen aufhört, gammeln wir im Auto. Bretti macht schwedische Apfeltorte. Wie immer hat sie vergessen, das halbe Rezept zu machen, entsprechend haben wir jetzt zwei Torten.

    Die Sahne der eigentlichen Sahneschicht gibt es separat mangels Platz im Kühlschrank.

    Das mit dem trockenen Wetter klappt so mittelmäßig, aber immerhin wartet der nächste Regenschauer bis das Feuer ordentlich brennt. Wir flüchten uns derweil ins Auto. Der Regen hört immer mal wieder auf, mal nieselt es nur und mal stehen wir sogar trocken am Lagerfeuer. Die Feuer-Erlaubnis ist bezahlt, also nutzen wir das auch. Wir genießen dabei die fantastische Aussicht mit schönem Sonnenuntergang und später noch Kojotengeheul in der Ferne.

    Perspektive aus dem Auto, zum Glück geht das Feuer nicht aus.
    Mittel zufrieden mit dem Wetter, aber es wird besser und es geht ums Prinzip.
    Unsere Sturheit wird mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

    Gegen 22 Uhr geht uns das Feuerholz aus, das passt uns auch gut, denn wir können auch langsam mal ins Bett.