Category: Canada

  • Woche 5 | Teil 2: Doppel Donauwelle

    Woche 5 | Teil 2: Doppel Donauwelle

    Backen eskaliert

    Der Freitagmorgen startet mit dem Geräusch von Regentropfen auf dem Dach. Im Bett in die Decke eingemummelt ist das schon sehr gemütlich. Wir können aber nicht den ganzen Tag liegen bleiben, denn heute verabschieden wir uns wieder vom Cape Bonavista. 200 km Strecke liegen vor uns. Wir fahren zu einem uns schon bekannten Platz in der Nähe von Butts. Zwischenstopp ist eine Tankstelle, die mit einem Alkoholgeschäft kombiniert ist, beste Kombi sowas.

    Am bekannten Übernachtungsplatz angekommen ist dieser schon besetzt. Eine Familie hat dort zwei Zelte aufgeschlagen. Zum Glück gibt es hier mehrere Parkmöglichkeiten und mit Allrad kommen wir auch entspannt über den zusammengeschobenen Schnee. Freundlicherweise hat sich der Regen nun auch in Sonnenschein verwandelt. Erstes Projekt vor Ort ist duschen. Damit wir diesmal wirklich warmes Wasser haben, wollen wir das gleich als erstes machen, solange das Wasser im Boiler noch von der Fahrt aufgeheizt ist. Es klappt und wir können beide warm duschen. Das Wasser läuft diesmal auch ab, wenn auch nur langsam. Wir sind dem Problem aber schon auf der Spur.

    Nachdem wir nun wieder fresh und funky sind, starte ich (Bretti) das nächste Projekt, kochen und backen. Und was für ein Projekt das werden würde. Kochen ist schnell erledigt, denn zum Rest der Soße vom Vortag werden einfach nur Nudeln gekocht. Das Backen wird jedoch zu einem tagfüllenden Akt. Ich habe mir nämlich vorgenommen, Donauwelle zu machen, jedoch bin ich irgendwie von meinem Plan, nur das halbe Rezept zu machen, abgekommen. Dementsprechend habe ich viel zu viel Teig, den ich auf zwei Kuchen aufteilen muss. Wir backen in unserem Omnia, für den wir zwei Silikonformen haben, die nun auch beide in Anspruch genommen werden. Allerdings kann nur eine zur Zeit in den Omnia rein, weshalb die Kuchenteige nacheinander backen müssen.

    Der Kuchen will hoch hinaus. Beim Backen ist da übrigens noch ein Deckel drauf.

    Währenddessen bereite ich die Pudding-Buttercreme vor. So 100% funktioniert das leider auch nicht, da der Instantpudding, den ich im Laden als Puddingpulver gefunden habe, sich nicht so gut mit der Margarine vermischt. Es flockt leicht. Außerdem bemerke ich jetzt erst, dass die Margarine etwas salzig ist. Aber naja, mit dem süßen Teig zusammen wird das schon schmecken. Anstatt Kirschen nehme ich übrigens Kirschmarmelade. Die Kuchenböden sind fertig und das Schichten beginnt. Beide Formen sind am Ende gut gefüllt und werden noch mit geschmolzener Schokolade überzogen. Nun gilt es nur noch einen kühlen sicheren Platz zu finden, wo die Kuchen sicher stehen können. In einem Camper, wo jeder Platz genutzt wird, gar nicht so einfach. Nun ist es auch schon später Abend. Ich falle zu Chris auf’s Sofa und wir gucken noch ein bisschen was, bevor es dann ins Bett geht. Was für ein Tag. Viele Schritte haben wir heute nicht gemacht, nur 650, Rekordtief, fast schon wie Zuhause, wenn wir einen langen Arbeitstag im Home-Office verbringen.

    Doppel-Donauwelle, wer kommt zum Kuchenessen?

    Auf nach Twillingate

    Der Samstag beginnt sonnig aber kalt mit Minusgraden, sogar unser Abfluss ist mal wieder eingefroren. Heute geht es nach Twillingate, vorher müssen wir noch einkaufen, diesmal im Dominion. Dort finden wir soweit alles, was wir brauchen. An der Kasse sehen wir ein Heft von National Geographic zu Nationalparks. Wie passend, denken wir, da können wir schon mal stöbern für die nächsten Reiseziele und auch in Deutschland wieder mal reingucken, um in Erinnerungen zu schwelgen. Was wir nicht gesehen haben, es geht gar nicht um Nationalparks in Kanada, sondern in den USA. Naja, gut, dass wir da ja auch noch hinwollen. 😀 Ein weiteres “Highlight” im Supermarkt ist für mich eine Tüte mit “Eggs to go”. Da sind gekochte, schon gepellte Eier drin. Warum man die nicht auch unterwegs einfach pellen kann, ist mir ein Rätsel, aber gut. Hier werden die Eier ja auch gewaschen, was super unpraktisch ist, weil die dann gekühlt werden müssen.

    Die weitere Fahrt nach Twillingate ist richtig schön. Wir fahren bei bestem Wetter an der Küste entlang und glauben, eventuell sogar zwei Otter im Wasser gesehen zu haben. Kurz bevor wir ankommen, machen wir noch eine Pause und essen ein Stück Kuchen. An dem Parkplatz gibt es auch einen Mülleimer. Eine Möglichkeit für uns mal wieder Müll loszuwerden? Leider nicht. Der Mülleimer ist zugeschraubt, mit einer Vierkantschraube. Warum auch immer. Vierkantschrauben scheinen die hier viel zu nutzen, das ist uns schon im Baumarkt aufgefallen. Torxschrauben gibt es zwar auch, die kosten dafür dann gleich richtig viel. Ein Mysterium für sich.

    Spiller’s Cove – kein Photoshop

    Weil wir bei dem schönen Wetter und der schönen Küste nicht nur im Auto sitzen wollen, haben wir uns heute auch noch einen Trail rausgesucht an der Spiller’s Cove. Der Weg dahin ist ein bisschen abenteuerlich, da er zum Teil mit durchgefrorenem und dann wieder angeschmolzenem Schnee bedeckt ist. Dazu gibt es noch tiefe Spurrillen und Schlaglöcher. Hier lenkt das Auto selbst. So sammeln wir ein bisschen “Offroad-Erfahrung”.

    Die Wanderung führt direkt an der Küste entlang und liefert richtig schöne Aussichten aufs Meer und die einzelnen Buchten. Es geht viel auf und ab und immer wieder durch Schneefelder, die entweder durchgefroren und spiegelglatt sind oder in die man knietief einsinkt. Es wird also mal wieder eine richtig schöne und recht anstrengende Wanderung. An einzelnen mit Eis überfrorenen Abstiegen hangeln wir uns von Baum zu Baum. Die größeren Erhebungen bestehen aus Granitfelsen. Der Wechsel aus Schnee und Granit wirkt irgendwie surreal als hätte jemand Photoshop benutzt.

    Der Weg am Spillar’s Cove war nicht immer erkennbar, mal guckte die Spitze eines Wegweisers oder Geländers aus dem Schnee.
    Übergang aus Schotter und Schnee mit Aussicht auf die felsige Küstenlinie.

    Stellplatzsuche auf Twillingate

    Gegen 17 Uhr kommen wir dann wieder beim Auto an und es wird Zeit, einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Der erste, den wir anfahren, hat eine wunderschöne Aussicht und der Platz ist sogar schneefrei. Allerdings liegt auf dem relativ steilen Weg dahin mindestens 1 m Schnee und wir haben Sorge, ohne den genauen Verlauf der Straße zu sehen, seitlich in den verschneiten Graben zu rutschen. Bevor wir Option Nr. 2 anfahren, statten wir dem Long Point Lighthouse noch einen Besuch ab. Wieder ein wunderschöner Ausblick mit einer untergehenden Sonne. Hier gibt es ein Café, das aber natürlich entgegen der Behauptung von Google zu hat. Offseason halt. Die Insel ist zum Glück nicht groß, so dass der nächste mögliche Stellplatz nicht weit enfernt ist. Im Zweifel haben wir auch noch den Wanderparkplatz an der Spiller’s Cove als Backup. Option Nr. 2 ist aber zum Glück erreichbar. Die Zufahrt ist nur etwas eingeschneit und mit Allrad ohne Probleme befahrbar. Als wir uns die Gegend noch einmal genauer angucken, entdecken wir, dass der Weg noch weiter geht und zum Strand führt. Den Quad-Spuren folgend fahren wir über den steinigen Strand an einen sogar ziemlich geraden Platz. Die Räder drehen nur an einer kleinen sandigen Stelle leicht durch. Wieder ein paar Offroad-Eindrücke, die die heutigen Erfahrungen ergänzen, von Schnee, Sand und Steigungen war alles dabei. Bei allem fühlten wir uns recht sicher, wobei wir ja schon gelernt haben, dass Schnee gepaart mit Steigung echt der Endgegner sein kann. Heute haben wir auch wieder ein “normaleres” Schrittepensum von 12.000 Schritten erreicht. Bei dem ganzen Kuchen auch nötig.

    Long Point Lighthouse an der Nordspitze von Twillingate.
    Unser kleiner Offroad-Stellplatz am Strand.

    Bestes Badewetter

    Der Tag begrüßt uns mit Sonnenschein und gepaart mit dem Blick auf’s ruhige Meer ist es einfach zu verlockend, um nicht kurz hineinzuspringen. Sobald wir aus dem Auto hüpfen, zweifeln wir an unserer Entscheidung, doch nun ziehen wir das auch durch. Ein richtiges Baden ist es vielleicht nicht, die Füße sind drin und der restliche Körper wird nass gespritzt. Eine kurze arschkalte Erfrischung bei 4°C Luft- und Wassertemperatur. Die Füße spüren wir danach nicht mehr, aber das wars wert. Das erste Mal im Meer in Kanada *wuhu*.

    Heute bleibt das Auto stehen. Wir haben Schimmel-Spray besorgt und bearbeiten nochmal die hinteren Ecken im Auto. Dafür wird rumgeräumt und ordentlich gelüftet. Chris guckt sich außerdem auch nochmal den Zündverteiler an. Dann wird noch geputzt, unsere Ausgaben durchgerechnet und am Blog geschrieben. Kleiner Downer bei den Ausgaben, wir zahlen 100€ mehr für Sprit im Monat als wir eingeplant hatten. Die Spritpreise steigen auch hier deutlich, obwohl Kanada den Sprit eigentlich selbst herstellt. Aber was fahren wir auch mit so einem Spritschlucker rum. 😀

    Nach getaner Arbeit wollen wir uns in die Sonne setzen und aufs Meer gucken, nur dass die Sonne sich nun hinter Wolken versteckt und es mit dem Wind doch ganz schön frisch wird. In Wolldecken eingemummelt verbringen wir dort trotzdem einen Moment. Während wir da so sitzen kommt eine Neufundländerin vorbei und schnackt uns an. Sie flucht etwas darüber wie kalt es hier ist und dass sie doch wieder nach Nova Scotia ziehen wolle, wo sie eine Zeit lang gelebt habe. Sie erzählt uns auch von den Eisbergen, die letztes Jahr im April wohl schon zu tausenden vor Neufundland schwammen. Dieses Jahr ließen sie aber auf sich warten, so wie das Ende des Winters. Nachdem sie sich von uns verabschiedet hat, wärmen wir uns drinnen bei einem Stück Kuchen wieder auf. Etwas später wollen wir noch einen Spaziergang machen.

    Dick eingemummelt dem Wellenrauschen lauschen.
    Kuchen direkt aus der Form, das spart Geschirr, mit Krümelschutz.

    In Yellowknife trägt man kurze Hosen

    Am späten Nachmittag bricht der Himmel wieder auf und die Sonne kommt nochmal raus. Als wir uns für unseren Spaziergang bereit machen kommt ein weiterer Spaziergänger vorbei. Auch er schnackt uns an. Er habe beim Anblick unseres Autos schon die Befürchtung gehabt, Putin oder Trump würden nun hier einmarschieren. Außerdem hat er sich gewundert, wo wir stehen, denn die meisten würden ein paar Meter weiter vorne auf dem steinigeren Part des Strands parken. Als er unser Auto dann aber sah, verstand er, dass uns der sandigere Teil sowie die Mini-Mini-Flussdurchfahrt nicht aufhalten konnten. Er erzählt, dass er eine Zeit lang in Yellowknife weiter im Norden Kanadas gelebt habe, wo die Leute selbst bei -50°C im Winter noch Fahrradfahren und bei Schnee kurze Hosen tragen. Vor einer Woche habe an der Stelle, an der wir gerade stehen auch noch dick Schnee gelegen. Er erzählt uns auch von den Eisbergen letztes Jahr. Wie es scheint hätten wir hier letztes Jahr zu dieser Zeit eingies mehr zu sehen bekommen, aber gut, sowas weiß man im Voraus ja nie. Schön ist es hier auch ohne Eisberge. Er macht noch Witze darüber, dass die Inseln, die man von hier aus sieht North Trump und South Trump heißen und empfiehlt uns direkt hier die Küste entlang von Bucht zu Bucht laufen. Und genau das haben wir auch vor.

    Während des schönen Spaziergangs sammeln wir Müll, was hier leider hoffnungslos ist. Neben dem leider üblichen Fischereimüll liegen hier auch super viele 70 mm Patronenhülsen. Was die hier machen, keine Ahnung. Elche gibt es auf Twillingate wohl nicht wirklich, hauptsächlich Füchse und Hasen. Wir sammeln so viel auf wie wir tragen können und was am ehesten gefährliche Schlaufen bildet und versuchen, uns den Spaziergang dadurch nicht vermiesen zu lassen, denn es ist sonst echt schön hier. Wieder am Auto angekommen lassen wir den Abend noch mit Abendessen, Blogschreiben, Wellenrauschen und Möwengeschrei ausklingen.

    Hier sind die Wegweiser deutlich zu sehen.
    So reiht sich hier Bucht an Bucht. Auf dem Foto sieht man den Müll immerhin gar nicht mehr.
    Karte der Woche

  • Woche 5 | Teil 1: Entspannt wie eine Robbe

    Woche 5 | Teil 1: Entspannt wie eine Robbe

    Vom Wanderparkplatz aus starten wir heute nach dem Frühstück zur ehemaligen Siedlung La Manche. Diese liegt in einer kleinen Bucht und ist Namensgeberin des Provincal Parks. Über die Bucht führt eine Hängebrücke, die das Highlight des Parks ist. Der Weg bis zur ehemaligen Siedlung und zur Brücke ist so ca. 2-3km lang und man kann dann noch weiter der Küste folgen. Der Weg geht erstmal durch dichten Wald, der noch voller Schnee und Eis ist. Rund um St Johns ist der Schnee schon viel mehr geschmolzen als im Rest von Neufundland, aber das Schmelzwasser friert nachts ein, sodass es teilweise eine ganz schöne Schlidderpartie ist. Zusätzlich liegen viele Bäume quer über dem Weg, was die Wanderung zu einer vielfältigen Gymnastikübung macht, hier ein Ausfallschritt, dort unter dem Baum durch, hier wieder rüber. Auf der Wanderung können wir noch einige Geocaches einsammeln und sehen (vermutlich) Elchspuren. Wir würden gerne Elche sehen, aber im dichten Wald müsste das jetzt nicht sein. Ein Teil des Weges hat der Elch auch als seine Toilette auserkoren, es gibt sehr viele Hinterlassenschaften oder es sind viele Elche hier unterwegs. Am Ende sehen wir aber keinen. Dafür erspähen wir auf dem Weg zurück über die Brücke eine Robbe, die sich sonnt. Ich (Chris) hatte zum ersten mal meine Kamera dabei und es hat sich direkt gelohnt. Wir fotografieren sonst alles mit den Smartphones, aber Tiere sind dafür oft zu weit weg.

    Der Blick auf die Bucht von La Manche von der Hängebrücke aus
    Von den Gebäuden gibt es nur noch Fundamente, dafür jetzt die Hängebrücke
    Der Robbe scheint die Bucht auch zu gefallen
    Sie blieb ganz entspannt.

    Wir wollen die Robbe nicht zu lange stören, deswegen geht es auch bald weiter zurück zum Parkplatz. Heute soll es nämlich noch weiter gehen und zwar nach Dildo.

    Dildo (*höhö*)

    Warum wir nach Dildo gefahren sind braucht man glaube ich nicht wirklich erklären. Es ist einfach lustig. Die Einheimischen nehmen den Namen auch mit Humor, zumindest spricht der Schriftzug am Hang sehr dafür. In Dildo selbst haben wir nicht wirklich was gemacht, das meiste hat natürlich auch zu und das meiste ist in dem kleinen Ort eh schon nicht so viel. Uns sprach noch ein Polizist an, er versicherte uns direkt, dass wir nichts falsch gemacht hätten oder sowas, er wollte nur wissen, was für komische Kennzeichen wir am Fahrzeug haben und wo wir herkommen. Wie immer ein nettes und kurzes Gespräch. 200 Meter hinter dem Ort kann man direkt am Meer stehen und dort hverbringen wir auch eine entspannte Nacht. Der Platz wird von den lokalen Quadfahrern auch als kleiner Offroadpark benutzt, zumindest weisen diverse Spuren durch die Matschlöcher darauf hin. Am nächsten Morgen können wir es uns mit unserem Offroad Fahrzeug natürlich nicht nehmen lassen, auch ein paar “Hindernisse” abzufahren, was aber etwas unspektakulärer abläuft. Nach dem Offroad Abenteuer geht es noch ins Dildo Coffee House, welches neben gutem Kaffee eine fantastische Aussicht auf die Bucht hat. Hier packen wir auch noch zwei Stück Kuchen für später ein.

    “Gewaltige Flussdurchfahrt” am Strand in Dildo 😀
    Humor haben sie hier
    Aussicht vom Dildo Coffee House

    Auf der Suche nach den richtigen Teilen

    Es fehlen uns noch ein paar Autodinge und deswegen haben wir heute wieder eine paar Läden abgeklappert. Überwiegend suchen wir immer noch Blei-Adaptiv , weil unser Vorrat zu neige geht. Wir schneien kurz vor Ladenschluss noch in einen Napa Autoparts rein (keine Ahnung wieso das hier Auto und nicht car heißt, aber das ist überall so). Hier scheint man zumindest Ahnung zu haben, denn der Mitarbeiter erklärt uns, dass wir nirgends in Kanada Blei-Adaptiv bekommen werden, denn das sei inzwischen verboten. Dafür gibt es allerdings Ersatzprodukte mit dem selben Effekt, aber nicht so Fatal für die Umwelt. Da wir eh keine wirkliche Wahl haben, nehmen wir eine große Flasche mit. Das Problem ist, dass wir erst merken werden, ob das Zeug wirkt bzw. nicht wirkt, wenn der Motor kaputt ist, also drückt die uns Daumen. Wir sprechen noch über den Volvo, nach Aussage des Mitarbeiters genau das richtige Fahrzeug, bei den kaputten Straßen in Kanada. Wir kaufen noch Motoröl, denn auch das möchte der Volvo in regelmäßigen Abständen bekommen und fahren weiter. Die Stellplatzsuche ist heute leider nicht so erfolgreich. Beim ersten Platz ist die Straße mehrere Kilometer vorher schon nicht mehr geräumt. Wir hatten uns eigentlich schon vom Schnee verabschiedet, in Dildo lag kaum noch was, aber 100km weiter nördlich sieht das ganz anders aus. Der spontan recherchierte Platz ist auch etwas eingeschneit, aber es ist nur ein kurzes Stück und es geht bergab. Mit Allrad fräsen wir uns einen Weg durch den Schnee und haben einen entspannten Abend.

    Dafür haben wir ihn ja

    Nach dem wie immer entspannten Frühstück, schaue ich mir die Schneepassage an, durch die wir gestern auf den Platz gefahren sind. Der Schnee ist doch ganz schön tief und nass durch das Antauen, aber es bleibt uns ja eh nichts übrig, also versuchen wir es. Mit Allrad und Untersetzung klappt es beim ersten Versuch schon mal nicht. Erstmal zurück und etwas schaufeln. Das Schaufeln hat vermutlich nichts gebracht aber mit allen Differenzialsperren und sechs fleißig durchdrehenden Reifen ruckeln wir uns hoch auf die Straße. Nasser Schnee ist schon der Endgegner, aber für sowas haben wir den Volvo ja. Wir hätten auch noch mehr Optionen gehabt, Reifendruck ablassen oder Sandbleche, aber das sparen wir uns für das nächste Mal auf. Im Notfall hätte man hier auch zwei Spuren reinschaufeln können, sonst wären wir auch gar nicht erst runter gefahren. Um diese Erfahrung reicher und mit ordentlich Herzklopfen geht es weiter nach Cape Bonavista.

    Chris am Weg ebnen

    Ganz viele Möwen

    Am Cape Bonavista wollen wir einen Ruhetag einlegen, aber vorher wollen wir uns einen Teil der spektakulären Küstenlandschaft anschauen. Am Spillars Cove, versuchen wir dem Wanderweg zu folgen, aber dieser verliert sich ständig im nichts. Am Ende folgen wir einfach der Küste, genießen die Sicht und beobachten die Möwen. Hier gibt es im Frühling auch viele Papageitaucher, für die sind wir aber leider noch zu früh bzw. der Frühling dieses Jahr zu spät. Dafür können wir wieder mal beobachten wie ein Weißkopf Seeadler von Möwen attackiert wird. Irgendwann schaffe ich es auch noch einen zu fotografieren, aber heute geht alles viel zu schnell. Dafür habe ich jetzt viele schöne Möwen- und Felsenbilder.

    Explorer Bretti
    Die Klippen fallen hier senkrecht ins Meer
    Eins der vielen Möwenbilder
    Noch mehr Felsen

    Nachdem wir auf dem Rückweg auch unseren Wanderweg wieder gefunden haben, fahren wir das kurze Stück zum Leuchtturm am Kap. Der Weg führt durch den Dungeon Provincial Park und bietet eine tolle Sicht auf die Küste. Am Parkplatz angekommen, steht ein neues Projekt an: In zwei Ecken ist es feucht und schimmelt sogar etwas. Also alles raus, mit Essigreiniger abwischen und lüften. Feuchtigkeit ist im Womo im Winter echt ein Problem. Wir werden die Tage noch Schimmelentferner besorgen und beim fahren die Ecken leer räumen, damit es besser lüftet. Hoffentlich sind das die einzigen Stellen. Nachdem wieder etwas Ordnung herrscht entspannen wir etwas. Morgen ist Ruhetag angesagt und so wollen wir auch diesen Tag ausklingen lassen.

    Dinge-tun-Tag statt Ruhetag

    Am Donnerstag werden wir früh morgens vom Nebelhorn geweckt. Klar, wir stehen neben einem Leuchtturm, hätte man erwarten können. Wir starten den Tag wie immer mit einem gemütlichen Frühstück bei strahlendem Sonnenschein. Das macht gute Laune. Allerdings lässt uns der Schimmel keine Ruhe, deshalb starten wir danach damit, die Ecken freizuräumen, sie zu bearbeiten und durchzulüften. Dafür müssen wir an die Hecktür ran. Der Heckträger ist mit einem Schloss gesichert, dass wir gerade so aufbekommen. Damit das in Zukunft keine Probleme macht, wird er erstmal mit einem Spanngurt gesichert. Dafür müssen wir an ein anderes mit Schloss gesichertes Fach ran, dieses will sich aber partout nicht öffnen lassen. Öl, ruckeln, Hammer, nichts nützt etwas, also machen wir am Ende kurzen Prozess und schneiden das Schloss mit der Flex auf. Das geht erstaunlich schnell, zu leicht eigentlich für so ein theoretisch “hochwertiges” Schloss. Chris legt sich nun noch unters Auto. Eines der Löcher im Auspuff möchte abgedichtet werden. Dabei hat er auch noch ein paar Öl-Leckagen gefunden, die werden wir weiter beobachten. Im Auto selbst haben wir einen weiteren Versuch gestartet, den Boiler dicht zu bekommen, leider nicht erfolgreich. Dafür hängt der Feuerlöscher nun wieder.

    Zwischendurch werden wir von Kanadiern angesprochen, die uns erzählen, wir seien zu früh hier, ab Mai könne man dann Puffins und Eisberge, manchmal auch Wale sehen. Das wissen wir tatsächlich schon. Wenn wir einen Counter starten würden, wie viele Leute uns das schon gesagt haben, wären wir bestimmt schon bei zehn. Das macht es nicht besser! Unsere Reisepläne lassen es leider nicht zu, dass wir noch bis Mai/Juni hier auf Neufundland bleiben, wir wollen schließlich im August in Alaska sein und das sind noch einige tausende km. Puffins gibt es leider nur am Atlantik. Wir müssen dann wohl nochmal nach Island, da kann man sie auch gut beobachten. Kann man nichts machen…

    Nachdem wir dann alles auf- und umgeräumt haben machen wir noch eine kleine Runde um den Leuchtturm herum und beobachten die Möwen in der langsam untergehenden Sonne. Ein richtiger Ruhetag war das nicht, dafür haben wir ein paar Sachen erledigen können. Morgen geht es dann auch schon weiter.

    Diesmal gibt es für jeden Teil eine Karte

  • Woche 4 | Teil 2: Im Osten wird’s irisch

    Woche 4 | Teil 2: Im Osten wird’s irisch

    Pfand abgeben auf kanadisch

    Die Nacht war doch etwas unruhiger als die letzte, mehr Verkehr aber naja. Nach einem Frühstück mit Blick auf das Meer mit Sonnenschein ist die Nacht auch schon vergessen. Heute wollen wir neben einkaufen und Strecke machen auch Pfand abgeben. Es haben sich einige Getränkedosen gesammelt und auf denen steht “Refund where applicable”. Als Teammitglieder von Pfandgeben müssen wir das zumindest mal ausprobieren. Im Gegensatz zum deutschen Pfandsystem ist hier auf quasi allem Pfand. Nicht nur Dosen sondern zum Beispiel auch diese Caprisonnentüten. Pfandautomaten im Supermarkt gibt es nicht, dafür muss man zum Wertstoffhof bzw. hier Recyclingcenter. Als wir vor Ort sind, sehen wir schnell , dass Pfand hier wichtiger ist als alle anderen Rohstoffe. Der ganze Komplex ist darum aufgebaut und Papier und so spielen nur eine Nebenrolle. Wir stehen schnell vor einem Terminal, was uns überfordert hat. Auf Nachfrage bei einem Mitarbeiter, könnten wir uns bei seiner Kollegin womöglich einen Account erstellen lassen. Wohlgemerkt nur für das eine Center nicht für alle in ganz Kanada. Wir hatten ca. 20 Dosen dabei, eine hat ca. 10 Kanadische Cent Pfand, das sind insgesamt also ca. 1,20€. Den Aufwand haben wir nicht eingesehen, da die Schlange auch endlos war. Die Kanadier kommen hier mit Autos voller riesiger Säcke. Anders lohnt sich das auch nicht. Recycling ist natürlich immer eine gute Sache, allerdings passt das System hier gerade nicht zu unserer Lebensrealität. Die Zentren gibt es nur in größeren Städten und haben kurze Öffnungszeiten. Bevor wir extra Sprit verfahren, kommen die Dosen in Zukunft wieder in die Recyclingtonnen, das wird hoffentlich auch recycled, wir bekommen dann bloß das Geld nicht wieder. Wir überlassen nun erstmal unseren Schatz der Allgemeinheit und verlassen Corner Brook fürs erste Richtung Osten.

    Wir kaufen mal wieder bei Walmart ein, dürfte aber das letzte mal gewesen sein. Wir verstehen dieses Ladenkonzept einfach nicht. In diesem Walmart super store ist die Gemüseabteilung kleiner als bei jedem Aldi zuhause. Der Laden an sich ist einfach die falsche Adresse für Lebensmittel. Auf dem Parkplatz kommen wir wie immer mit Einheimischen ins Gespräch, diesmal ist es aber nicht so viel wie beim letzten Stopp in Corner Brook und sehr angenehm. Danach geht es aber wirklich weiter und wir brechen auf nach Deer Lake. Deer Lake ist bekannt für seinen Sandstrand. Das gibt es hier nicht sehr oft, aber als Ostsee verwöhnte Menschen ist das für uns eher unspektakulär. Deer Lake ist einer unserer Orte, wo wir schon seit langem die Wetterentwicklung beobachten. Unsere App hatte für letzte Woche noch regelmäßig -20°C angezeigt, mittlerweile pendeln die Temperaturen aber moderat um 0°C. Der Name Deer Lake hat seinen Namen von den ersten europäischen Siedlern bekommen, diese konnten (wie wir) die ganzen Tiere und ihre Namen aber nicht wirklich auseinander halten. Deers, also Hirsche gibt es hier gar nicht so viele. Was die Siedler damals vermutlich so viel am See gesehen haben sind Caribous, die nordamerikanischen Rentiere. Diese ziehen hier in größeren Gruppen umher. Bisher haben wir leider keine gesehen.

    Während der heutigen Fahrt knacken wir die 2000km auf dieser Tour und sehen eine Trinkwasserquelle direkt am Highway. Es ist hier üblich einfach am Straßenrand des Highways zu parken, wenn man was zu erledigen hat. So steht auch hier ein Pickup an der Seite und jemand füllt seine Kanister auf. Man sieht hier auch viele Leute die ihre Pickups am Highway parken und ihre Schneemobile und Quads abladen, um Holz zu machen oder einfach durch die Gegend zu brettern. Man darf die Highways nicht mit unseren Autobahnen vergleichen. Hier sind die Straßen und Ränder viel breiter und die Geschwindigkeit ist auf 100 km/h begrenzt. Da kann man auch den ein oder anderen Pickup an der Seite abstellen.

    Wir schleichen auf unserem Weg zum nächsten Stellplatz mal wieder langsam die Berge hoch und unser Warnblinklicht arbeitet fleißig. Zitat Chris: “Warum fahren die denn immer so dicht auf, ich habe doch sogar Warnblinker an”. Turns out beide Blinker hinten sind kaputt, also sieht niemand unser fleißig eingeschaltetes Warnblinklicht. Ersatzbirnen haben wir mit, auch wenn ein Blinker jetzt weiß leuchtet. Hier haben Blinker alle möglichen Farben, rot, gelb und weiß, es sollte also kein Problem sein. Unser erster Stellplatzversuch ist leider wieder mit Schnee zugeschoben. Wir überlegen kurz, ob der Volvo das packt, entscheiden uns aber, erstmal ein bisschen zu testen wie er sich im tiefen, antauenden Schnee schlägt und fahren weiter. Der nächste Platz ist geräumt und wir packen zum ersten Mal unsere Campingbank aus. Es ist noch nicht so spät also entspannen wir erstmal ein paar Stunden in der Sonne.

    Die geht doch noch. Das Loch dient der Belüftung
    Sonne, Matsch und ein Getränk was ganz bestimmt keinen Alkohol enthält, denn Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist hier verboten.

    Durch das Entspannen in der Sonne, verschob sich das Duschen heute etwas nach hinten, weswegen das Wasser leider nicht mehr ganz so warm war. Für mich (Chris) nicht ganz so schlimm, da ich als erstes geduscht habe. (Brr… sagt Bretti dazu.) Sauberer als vorher hatten wir noch einen entspannten Abend.

    Fahrtag

    Heute ist wieder ein Fahrtag geplant. Wir fahren den ganzen Weg später wieder zurück und haben uns deswegen entschlossen, erstmal ans Ostende der Insel zu fahren. Dort ist es tendenziell wärmer und dann ist auf dem Rückweg vielleicht schon etwas mehr Schnee geschmolzen. Insgesamt sind das so ca. 650km bis nach St John’s und dem östlichsten Punkt Kanadas. Von hier geht es dann quasi nur noch nach Westen bis an den Pazifik. Wir hoffen, so grob die Hälfte zu schaffen und planen eine längere Pause ein. Wir sind hier nur mit 70km/h unterwegs. Der Volvo würde auch 100km/h schaffen(auf gerader Strecke), aber das wäre uns viel zu laut und verbraucht viel zu viel Benzin. Wir vermuten nämlich, dem Geheimnis unseres erhöhten Spritverbrauchs auf der Spur zu sein. Auf der Probetour durch Polen haben wir zwischen 20 und 25l verbraucht. Autobahn eher 20l, mehr Gelände entsprechend eher 25. Das ist natürlich so schon nicht wenig, aber seit wir in Kanada sind tendiert der Verbrauch eher zu 27l, ohne Gelände, bei ungefähr 80km/h auf den Highways. Des Rätsels Lösung ist, wir sind vorher gar nicht 80km/h gefahren. Auf dem Rückweg der Probetour zeigte der Tacho unter 60km/h nichts mehr an und ich habe ihn zum Überholen eingeschickt. Uns war vorher schon aufgefallen, dass Google Maps so ca. 15km/h weniger angezeigt hat als der Tacho. Jetzt zeigt der Tacho ziemlich genau das an, was auch Google anzeigt und entsprechend fahren wir jetzt schneller, also haben wir auch mehr Verbrauch. Wir sind jetzt 600km nur 70km/h gefahren und sind jetzt bei 22l. Damit kann man leben. Der konkrete Wert ist gar nicht so wichtig, nur dass wir ungefähr wissen, wie weit wir mit dem Tank kommen und dass das nicht willkürlich schwankt. In Nordkanada wird es stellenweise über 400km keine Tankstelle geben, da muss man schon wissen wie weit man kommt.

    Die Fahrt lief sonst ereignislos. Wir können uns an der Landschaft immer noch nicht satt sehen und hören zwischendurch Musik und Podcast. Es gab zwei Highlights an diesem Tag:

    Wir haben ziemlich direkt nach dem Losfahren ein Caribou gesehen. 🥰Es war ein einzelnes Tier, was scheinbar eher ungewöhnlich ist und das Fell ist im Winter noch ganz hell bis weiß. Das Tier lief eine kurze Weile vor uns auf der Straße rum und verzog sich dann wieder in die endlosen Schneelandschaften. Sehr cool, gerne mehr davon.

    Das zweite war ein anderer Camper mit französischen Kennzeichen, der uns überholt hat. Ein anderer Touri und dann gleich aus Europa, Wahnsinn, dachten wir. Den Wagen trafen wir zufällig während unserer Pause wieder und kamen mit dem Herren ins Gespräch. Er kommt gar nicht aus Frankreich sondern von St Pierre und Miquelon. Das sind zwei winzige Inseln hier vor der Küste. Diese gehören zu Frankreich, daher auch die Kennzeichen. Zugegeben vielleicht war auch nur das Caribou das Highlight. Am Ende des langen Fahrtages hatten wir noch einen richtig schönen Stellplatz, der nur etwas zugeschoben war. Diesen Platz haben wir uns auch direkt für den Rückweg gespeichert.

    “Offizieller “Platz direkt am See, wir wären gerne länger geblieben, kommen aber sicher wieder

    St John’s

    Das Wetter ist heute super und das würden wir gerne nutzen um eine Runde in St Johns rumzulaufen und auch mal wieder einen Pub zu besuchen. Die ganze Ecke verweist hier gerne auf ihre irischen Wurzeln und in der Hauptstadt von Neufundland und Labrador gibt es entsprechend viele Pubs. Vorher müssen aber noch weitere 300km abgerissen werden, also geht es zeitig los. Das einzige Highlight der Fahrt ist, dass wir es mit unter 2l Rest im Tank zur Tankstelle schaffen. Wie erwähnt haben wir unseren Spritverbrauch jetzt wieder besser im Griff, das war aber wohl etwas sehr knapp. Wir haben natürlich immer noch Reserve im Kanister dabei. Die Spritanzeige hat eher einen wankelmütigen Charakter, bergab und bergauf macht schonmal 1/8 des Tanks aus. Unsere Regel ist eigentlich nach 200km tanken, 350-400km schaffen wir mit einem Tank, aber heute wollten wir es mal spannend machen.

    In St John’s stehen wir mitten in der Stadt an einem Park, es ist also schon klar, dass die Nacht eher wenig ruhig wird. Dafür ist es nicht weit in die Innenstadt. So richtig wissen wir nicht warum die Stadt so ein Highlight sein soll, aber wir sind auch keine Leute, die sich viele Städte anschauen. Nach etwas umher schlendern zieht es uns ins Kneipenviertel. Wir hatten mal die Idee eine Kneipentour zu machen, aber davon sind wir schon längst wieder abgekommen. Nicht destotrotz ist der Plan, mindestens in zwei Pubs zu gehen, wenn es ganz wild wird vielleicht sogar drei. Der erste ist der Shamrock City Pub. Es lockt uns der Elchburger, den am Ende aber keiner von uns bestellt. Wir teilen uns eine Fingerfoodplatte mit allem möglichen Kram. Unter anderem gibt es eingelegte Gurken im Teigmantel frittiert. Das Bier ist leider etwas enttäuschend. Ob das lokale aus der Kleinstbrauerei oder das kanadische Standard Bier, alle schmecken quasi nur nach Wasser. Dafür ist die Stimmung gut, es wird zu Live-Musik getanzt, mitgesungen und geklatscht. Es sind viele ältere Menschen da, was für uns eher ungewöhnlich ist. Aber gerade die Älteren sorgen für richtig viel Stimmung.

    Es soll noch weitergehen also brechen wir nach jeweils zwei langweiligen Bieren wieder auf. Als nächstes geht es in Christian’s Pub, das musste einfach sein. Der Kontrast ist extrem. Der Laden ist quasi leer und es läuft leise Musik. Diesmal gibt es Guinness, keine spannende Option, aber dafür ein Bier, das nach was schmeckt. Da uns hier aber keine externe Stimmung bei Laune hält, werden wir recht schnell müde, das Licht ist auch eher dämmerig. Wir wollen uns entsprechend um 20:30 Uhr auf den Weg zurück machen, da füllt sich der Laden plötzlich mit mindestens 30 Leuten. Diese hatten sich vorher fürs “screeching” angemeldet. Das ist, ich zitiere: “To get screeched in, one must listen to the barkeep’s pomp, drink a shot of screech, and then kiss a cod on the mouth”. Das ist hier das Ding um Touris 18$ aus der Tasche zu ziehen, um ein “echter Neufundländer” zu werden. Das klingt absolut verlockend, entsprechend mal schauen ob wir uns an einem anderen Tag dazu auch noch hinreißen lassen. (Anmerkung Bretti: Vermutlich nicht.) Zurück im Volvo lassen wir den Abend zu irischer Musik ausklingen.

    Christian vor Christian’s Pub

    Östlichster Punkt der Reise

    Der eigentliche Grund, warum wir bis nach St John’s gefahren sind, ist nicht die Stadt, was wohl auch eine Enttäuschung gewesen wäre, sondern das direkt daneben der östlichste Punkt Kanadas liegt. Wir fanden es ganz passend, vom östlichsten Punkt bis an den Pazifik zu fahren. Heute ist Nebel und Dauerregen angesagt, entsprechend entschließen wir uns spontan Wäsche zu waschen. Und zu unserer Überraschung war das keine Enttäuschung wie sonst. Man mag es kaum glauben, aber man bekommt für sein Geld saubere und getrocknete Wäsche. Das ganze dauert gerade mal eine Stunde und freies WLAN gibt es auch noch. Natürlich war die Frau vor Ort auch noch super nett und wir konnten direkt davor parken, so blieb die getrocknete Wäsche auch bis zum Auto trocken. Falls es mal jemand benötigt, dass ist die Avalon Laundry, 10 von 10. Es können allerdings nicht alle Wäschestücke in den Trockner, deswegen hängt jetzt wieder Wäsche im Auto und es riecht sehr gut.

    Wir halten noch an einer Quelle direkt am Highway. Das fühlt sich erst merkwürdig an, aber es gesellen sich noch drei weitere Fahrzeuge zu uns. Einer der Herren erzählt uns, er trinke nur dieses Wasser seit über 8 Jahren. Es ist irgendwie traurig, wie sehr sich jemand hier über sauberes und vor allem gut schmeckendes Trinkwasser freut, wenn die Gesellschaft alle Möglichkeiten dafür hätte. In einer Gesellschaft, die sich für Kreuzungen mit Stoppschildern an allen Straßen entscheidet, wo der, der zu erst ankommt, zuerst fahren darf, irgendwie auch nicht so überraschend.

    Nun fährt die mobile Verkehrsberuhigungseinheit weiter im ersten Gang zum östlichsten Punkt Kanadas. Hier wird auch fleißig das wieder funktionierende Warnblinklicht genutzt, was dazu führt, das nun die Kontrollleuchte des Warnblinklichts das zeitliche segnet. Da dies leider andere Birnen sind, als für die Blinkerkontrollleuchte habe ich dafür keinen Ersatz mitgenommen. Vorerst muss die Beleuchtung des Scheibenwischerschalters als Ersatz herhalten. Angekommen am Parkplatz machen wir uns im Nieselregen auf für einen kleinen Spaziergang. Es gibt wieder ein paar Geocaches einzusammeln und die Landschaft ist wieder mal traumhaft schön. Am Cape Spear gab es eine Festungsanlage im zweiten Weltkrieg. Uns war gar nicht bewusst, dass auch die Nordamerikaner sich gegen die Deutschen verteidigen mussten und dafür Bunker und ähnliches errichtet haben. Ist absolut logisch, man wundert sich bloß immer wieder wie wenig man doch weiß, obwohl das Thema in der Schule mehrfach behandelt worden ist. Die Verteidigungsanalgen wurden zum Glück nie benötigt. Weswegen diese nach dem Krieg schnell aufgegeben worden sind. Wie auch heute war es hier damals überwiegend nass, kalt, windig und absolut langweilig für die Besatzung. Wir müssen zum Glück nicht in zugigen Holzbarracken ausharren, die beim Erstbezug noch gar nicht existiert haben, sondern machen es uns im warmen Volvo gemütlich und essen Bagels mit Spiegelei. Wie meistens wenn wir irgendwo parken, sehen wir Menschen, die unauffällig Bilder vom Auto machen. Der Grad an Unauffälligkeit steigt, zu unserer Unterhaltung, stark an sobald sie uns bemerken.

    Am alten Leuchttum von Cape Spear
    Blick auf den neuen Leuchtturm
    Die Hafeneinfahrt von St John’s, die von hier verteidigt wurde
    Bewegte Eindrücke von Cape Spear

    Morgen soll das Wetter wieder sonnig werden, also haben wir uns eine Wanderung rausgesucht, den La Manche Village Path. Dafür fahren wir noch zum Wanderparkplatz. Google will uns diese “Straße” hier lang führen, die ist aber leider gesperrt. Schade, das wäre eigentlich das richtige für den Volvo. Wir nehmen stattdessen die “langweiligere” Straße um den Park herum und kommen über einen Weg voller Schlaglöcher am ruhigen Wanderparkplatz an.

    Googles Routenführung ist wieder super

  • Woche 4 | Teil 1: Neue Woche, neue Provinz

    Woche 4 | Teil 1: Neue Woche, neue Provinz

    Fähre (taufen)

    Das Online-Buchen der Fähre hat gestern Abend überraschenderweise noch funktioniert und der Motor springt auch an, zwar nicht perfekt aber ausreichend. Ohne Frühstück geht es direkt zum Hafen. Nach dem Check-In und einer Security Kontrolle des Fahrzeugs, stehen wir auch schon im Wartebereich. Wie alle Security Kontrollen, die ich mit Fahrzeugen bisher erlebt habe, wurde nur die Tür aufgemacht und kurz reingeschaut. Alles sehr sicher. Wir machen schnell Frühstück, denn ab 10:00 Uhr sollen wir abfahrbereit sein. Um 10:00 Uhr passiert natürlich noch lange nichts, aber man weiß ja nie. Während der Wartezeit sprechen uns ein paar Leute auf das Auto an und wir haben kurze nette Gespräche. Kurz bevor es aufs Boot geht tauchen drei Männer neben dem Fahrerfenster auf. Die drei kommen aus Finnland und Estland. Es sind die ersten anderen Touris, die wir treffen. Auch sie haben uns wegen des Volvos angesprochen, aber im Gegensatz zu den Einheimischen wissen die drei genau, was das für ein Fahrzeug ist, denn sie besitzen insgesamt ca. 15 dieser Fahrzeuge. Die drei fahren seit Jahren Offroad und haben schon alles mögliche mit den Volvos angestellt. In Kanada sind sie aber gerade mit einem Leihwohnmobil und haben sich deshalb sehr gefreut einen Volvo hier zu sehen. Es geht für sie die nächsten drei Wochen von Halifax nach Toronto. Das sind mal eben über 4000km. Sie sind also “etwas” schneller als wir unterwegs. 😀 Wir bekommen während der Fährfahrt noch viele Langzeitreisetipps für das Auto und hören viele Offroad-Geschichten. Wie fast alle Menschen, mit denen wir hier in Kontakt kommen, sind auch diese drei schon ein älteres Semester. Bevor man sich verabschiedet stehen wir noch vor dem Volvo und es werden solche Sätze gesagt wie: “Das ist der B30a Motor oder? Das höre ich am Geräusch” oder nach einem Fingertippen auf den Lack: “Das ist die Aluzinkkarosse richtig?” Mich wundert es, dass sie nicht auch noch die Motorölmarke am Geräusch erkannt haben. Die Überfahrt ist sonst entspannt und ereignislos. Der Volvo springt auch bei unserer Ankunft in Port aux Basques soweit gut an und wir starten unsere ersten Kilometer auf dem Trans Canada Highway.

    halb leere Fähre durch etwas Eis fahren

    Wir fahren erstmal entgegen der Hauptrichtung, um am nächsten Tag entspannt in der Hafenstadt Wasser aufzufüllen. Allerdings ist auch dieser Stellplatz mal wieder durch Schnee blockiert. Also geht es die 30km zurück und wir essen erstmal Pizza. Es wird langsam spät, die Fähre hat um 18:45 Uhr angelegt, aber hungrig (und bei einigen hier dann auch schnell grummelig) braucht man gar nicht erst weiter machen. Newfoundland liegt übrigens mit einer halben Stunde Unterschied in einer anderen Zeitzone als Nova Scotia. Wir fahren nach der Pizza zur Wasserstation, die auch Meterhoch unter Schnee begraben ist. Leider nicht so überraschend. Was dafür überraschender ist, sind die 6 Autos die sich hier im Industriegebiet treffen und nebeneinander mit laufendem Motor quatschen. Ich weiß nicht ob sie “Stille Post” spielen oder sich eben nur die Leute direkt nebeneinander unterhalten können. Etwas verwirrt und mit unter 10% Wasser fahren wir weiter. Langsam ist es richtig dunkel und wir kommen zum ersten mal in den Genuss der absolut nicht erkennbaren Straßenmarkierungen in Kanada. Es ist zum Glück kaum etwas los, aber im dunklen Fahren werden wir in Zukunft noch mehr vermeiden. Der nächste Platz ist nur zum Teil unter Schnee begraben, hier bleiben wir. Die Nacht wird zwar windig, aber mit Meerblick ist das alles nur halb so tragisch.

    Frühstücksaussicht nach windiger Nacht

    Erster Tag auf Neufundland

    Ja unsere Scheibe ist sehr dreckig. Putzen lohnt nicht so wirklich, die wird eh jeden Tag wieder dreckig.

    Bevor wir uns auf zum Leuchtturm machen, spricht uns ein älterer Herr an und erzählt uns ein bisschen über Neufundland. Auch, dass hier am Cape Ray zuletzt noch ganz viele kleine Fischerhütten standen, die der Sturm aber alle davon gespült hat. Wie immer eine nette kurze Begegnung. Die Kanadier, verabschieden sich bisher dann auch immer schnell wieder. Dann machen wir uns auf zum Leuchtturm. Dort lernen wir, dass am Cape Ray, wo wir uns gerade befinden, ein dickes Stromkabel liegt, welches Neufundland mit dem Festland verbindet und die Insel mit Strom versorgt. Unser Leuchtturm-Spaziergang fällt etwas kürzer aus, denn es ist verdammt kalt und windig. Nun geht es weiter auf dem Trans Canada Highway oder TCH wie wir cool-people sagen nach Corner Brook. Hier versuchen wir wieder mal, Wasser aufzufüllen, aber auch hier ist leider alles abgestellt. Wir klappern noch auf der Suche nach einem neuen Zündkerzenstecker ein paar Autoteileläden ab, aber es scheint aussichtslos. Online bestellen kann man das ohne Probleme, also ist es kein wirkliches Problem. Wir suchen zusätzlich noch Blei-Adaptiv für unseren alten Volvo. Früher, was echt noch nicht so lange her ist und echt schlecht für die Umwelt und alles ist, war Blei im Benzin und unser alter Motor benötigt das. Im Canadian Tire eskalieren die Mitarbeiter völlig, um uns zu helfen. Sie telefonieren nicht nur die anderen Fialen ab sondern auch ganz andere Firmen. Diese übertriebene Hingabe ist zwar nett, uns aber auch etwas unangenehm, aber man kann Menschen ja auch nicht aufhalten. Die Mühe bleibt erfolglos, aber auch das Zeug gibt es online. Mein(Chris) persönliches Spielkind Highlight des Tages ist, dass man mit der Canadian Tire App, wenn man im WLAN des Stores ist, eine kleine LED am Fach des gesuchten Artikels blinken lassen kann, um den dann schneller zu finden. Den Faltkanister, den ich gesucht habe, finde ich zwar auch so, aber ausprobieren muss ich das natürlich trotzdem. Zurück am Auto hält die Polizei neben uns, aber auch die sind nur am Auto interessiert und nach einem kurzen Gespräch fahren sie weiter und wünschen eine schöne Reise. Wir kaufen noch kurz Lebensmittel und wollen dann eigentlich weiter, werden aber in kurzer Zeit von vier Leuten angequatscht, von denen wir einen absolut nicht verstehen. Ein anderer Kanadier probiert zu vermitteln, aber der erste ist nicht zu bremsen. Es werden noch Fotos gemacht und dann können wir maximal überfordert endlich los zum Stellplatz.

    Auch dieser Platz ist nicht erreichbar, also fahren wir erstmal weiter zu einer Quelle. Hier können wir mit unserem neuen Faltkanister endlich Wasser auffüllen.🎉 (Es wurde beim Einfüllen in den Tank nur minimal das Auto geflutet, auch wenn das andere Teilnehmer dieser Reise vielleicht anders bewerten würden.) Als letztes geht es noch 1 km weiter und wir haben endlich unseren Stellplatz für die Nacht. Direkt an der Straße, aber mit Blick auf das Meer und den Blow Me Down Provincial Park, wo wir am nächsten Tag wandern wollen.

    Parkplatzaussicht

    Meer, Schnee, Wandern

    Wie gesagt geht es heute in den Blow me Down Provincial Park. Eine kurze Wanderung zum ersten Aussichtspunkt. Wir planen keine längeren Wanderungen mehr, weil durch den Schnee auch kurze Wanderungen sehr anstrengend sein können. So auch hier. Der Park ist natürlich auch Seasonal Closed, hätten wir gar nicht gedacht, gut dass es ein Schild gibt.

    Ob die Straße wohl geschlossen ist?

    Wandern kann man auch hier trotzdem (auch offiziell ist das erlaubt) und wir folgen älteren Spuren zum Trail. Der Weg besteht aus sehr vielen Treppen, die mal mehr mal weniger eingeschneit sind.

    Immerhin nur kniehoher Schnee

    Die Wanderung kann ich absolut empfehlen, man hat immer wieder eine wunderschöne Aussicht. Es schneit durchgängig ein wenig und ab und zu kommt die Sonne raus. Der Schnee ist eindeutig Regen vorzuziehen, bei durchgängigem Nieselregen wäre das hier ganz schön bescheiden. Der Trail geht noch über die ganze Halbinsel, was sich sicher auch sehr lohnt, aber heute nicht für uns, wir wollen noch weiter.

    Weg und Schnee bieten ausreichend Abwechslung
    Einer der vielen wunderschönen Aussichten

    Richtig beseelt kommen wir wieder beim Volvo an. Jetzt geht es ein paar Kilometer weiter zur Bottle Cove. Hätten wir jetzt schon gewusst, dass die MSC Baltic 3 ein paar Buchten weiter gestrandet liegt, wären wir noch dahin gefahren. Wussten wir leider nicht, die Ecke ist aber auch so absolut einen Besuch wert.

    An der Bucht angekommen machen wir wieder nur die kleine Wanderung und laufen nicht zum Leuchtturm. Hier braucht es auch keine vielen Worte mehr, wir können noch unseren ersten Neufundland Cache einsammeln, alles andere zeigen die Bilder.

    Bottle Cove mit Sea Cave
    Steilküste und wildes Wasser
    Aussicht auf die Berge gibt es hier auch
    Dann kam die Sonne raus. Entspannung im Windschatten mit Blick auf die Bucht und…
    … neugierigen Eichhörnchen.
  • Woche 3 | Teil 2: Römms

    Woche 3 | Teil 2: Römms

    Ich seh nur Schnee

    Heute verlassen wir den Cape Breton Highlands Nationalpark wieder. Über eine Panoramastraße geht es den Rest des Cabot Trails bergab. Mit Serpentinen hat man es hier nicht so, stattdessen gibt es Steigungen von 8 – 12 % und scharfe Kurven.

    Unten angekommen laden uns Schilder in einen Chocolate Shop ein. Hier wird die Schokolade direkt im Laden hergestellt. Bei all der leckeren Auswahl entscheiden wir uns für eine Tafel Dark Chocolate Espresso und Dark Chocolate Seaweed.

    Weiter geht’s Richtung Red Island Trail. Dort angekommen müssen wir bei dem Schnee erstmal den richtigen Parkplatz suchen und parken schließlich vor einer kleinen Kirche. Wie so ziemlich alle Häuser sind auch die Kirchen hier aus Holz und zum Teil recht klein. Dafür gibt es ziemlich viele davon.

    Der Red Island Trail ist ca. 3 km lang, fühlt sich aber eher an wie 6 oder 10 km, denn wir stapfen durch tiefen gefrorenen Schnee und sacken immer wieder ein. Auch hier sehen wir immer wieder kleine Haufen mit Resten von Tannenzapfen – Essensreste der Eichhörchnen. Ab und zu hören wir sie auch, ein bis zwei zeigen sich zwischendurch sogar. Der anstrengende Weg belohnt uns mit einem schönen Blick aufs Meer mit schneeverhangenen Bergen im Hintergrund. Leider liegen hier auch viel Fischereiausrüstung wie zum Beispiel ganze Hummerfangkästen und Netzteile, die überall an der Küste angespühlt werden. Manchmal werden die Dinge zumindest vom Meer weg gezogen,sodass sie nicht wieder weggeschwemmt werden. Allerdings bilden die stabilen Netze und Seile auch für Landtiere eine tödliche Gefahr. Man müsst den Müll also komplett aus der Natur entfernen, was aber bei den Mengen und dem Gewicht der Körbe für Spaziergänger unmöglich ist. Dafür müsste die Industrie selber verantwortlich sein, über die negativen Aspkete der Fischerei redet man hier vermutlich nicht so gerne.

    Wir haben aber lieber schöne Bilder gemacht
    Es wurde auch abenteuerlich geklettert
    Karateübungen wurden auch noch gemacht

    Nach kurzer Pause geht es weiter auf dem Rundweg, wobei “Weg” teilweise ein großer Begriff ist. Umgefallene Bäume lassen uns neue Wege suchen und zwischen den Tannen hindurch hoffen wir einfach Mal, dass wir immer noch auf dem richtigen Weg sind. Uns über und durch die Schneewehen kämpfend lernen wir auch, dass man besser Abstand zu den Bäumen, bzw. Baumstämmen hält, damit man nicht auf einmal absackt. Der Weg führt uns vorbei am MacDonalds Big Pond. Zu sehen ist eine große weiße baumfreie Fläche. Wo das Ufer beginnt? Keine Ahnung. Alles in allem ist es aber mal wieder ein schöner Trail.

    Chris sucht den Weg
    Hier igendwo ist das Ufer

    Ganz schön geschafft stiefeln wir zum Auto zurück und überlegen, ob wir wirklich noch zum nächsten geplanten Zwischenstopp, einem Wasserfall im North River Provincial Park, fahren oder ob es uns für heute schon reicht.

    “Der eine Kilometer, den packen wir schon…”

    Wir beschließen, zu schauen, ob der Weg zum Trailhead überhaupt frei ist und uns den Weg mal anzugucken. Die Straße zum Trailhead ist anfangs frei und wird dann immer schneebedeckter. Am Straßenrand sehen wir Pickups mit Anhängern, die zu einem Snowmobile Club gehören. Das spricht schon mal für viel Schnee. Wir kommen tatsächlich in die Nähe des Trailheads und bleiben an der Straße stehen. Ich (Bretti) gepackt von neuer Energie stimme dafür, bis zum Wasserfall zu laufen. “Der eine Kilometer, den packen wir schon noch”, sagte sie in ihrem jugendlichen Leichtsinn…

    Gesagt getan und schon stiefeln wir los. Wieder durch tiefen gefrorenen Schnee, in den wir bei jedem Schritt etwas einsacken. Nach ein paar Minuten kommen wir an einer “Wiese” mit Bank und kleinem “Infohäusschen” an. Hier lesen wir, dass der Weg zu den Big Falls gesperrt, der zu den Little Falls aber zugänglich ist. Zwar schon etwas geschaffter, aber immer noch motiviert, machen wir uns also auf zu den Little Falls. Der verschneite Wald mit seinen Bachläufen und der Stille ist richtig schön. Wie so oft bei unwegsamem Gelände, achtet man die meiste Zeit jedoch mehr auf seine Füße als auf die Umgebung und so zieht sich der Weg ganz schön. Außerdem bekommen wir beide langsam Hunger und wer mich kennt weiß, dass das auf Dauer auf die Stimmung drückt. Aber das Flussrauschen wird immer lauter, also geht’s weiter. Schließlich laufen wir an Felsen und Stromschnellen vorbei, die für das Rauschen gesorgt haben. So nach Wasserfall sieht das noch nicht aus, denken wir uns und folgen noch ein Stück weiter den vorangegangen Fußspuren. Schließlich hören diese Spuren auf und scheinbar auch der Weg. Zu sehen ist “nur” der Fluss, kein Wasserfall. Geschafft, hungrig und inzwischen unmotiviert beschließen wir umzudrehen. Vermutlich waren die Stromschnellen schon die Little Falls.

    Ältere Fußspuren im Schnee
    Picknickzeit

    Auf dem Rückweg fängt es ordentlich an zu schneien, so dass unsere eigenen Fußspuren vom Hinweg schon fast verdeckt sind. Wir bekommen eine vage Vorstellung davon wie schnell man sich ohne Anhaltspunkte im Schneegestöber verlaufen könnte. Zum Glück ist der Weg für uns trotz Schneefall eindeutig erkennbar und wir kommen in nun gefühlt kürzerer Zeit wieder beim Auto an. Dort gibt es erstmal Reste vom gestrigen Abendessen und die nächsten Schritte werden geplant.

    Auf nach Florence 🇮🇹

    Immer noch hungrig machen wir uns erstmal auf die Suche nach etwas zu essen. Das erste Café hat leider zu, Off-Season. Ein häufiges Thema für uns. Nachteilhaft, wenn man nach offenen Cafés sucht, vorteilhaft, wenn man viel Ruhe und nicht so viele Touris möchte. Wir finden ein offenes Restaurant, die kitchen1409. Hier ist ganz schön viel los, aber für uns gibt es noch einen Tisch. Gut gesättigt geht die Fahrt weiter durch den Schnee. Die Scheibenwischer geben ihr bestes, doch es sammelt sich immer mehr Schnee dort auf der Scheibe, wo die Wischer nicht ankommen. Bis wir in Florence ankommen wird das Auto überfroren sein.

    Florence haben wir gewählt, weil wir am nächsten Vormittag um 11:45 Uhr die Fähre nach New Foundland nehmen wollen. Der Versuch, dafür online ein Ticket zu kaufen, scheitert jedoch. Die Website streikt. Wir lesen, dass wir auch am Terminal ein Ticket kaufen können, sofern wir 3 Stunden vor Abfahrt dort auftauchen. Wir stellen uns also das erste Mal seit Ankunft in Halifax einen Wecker. Voll gefuttert und geschafft chillen wir den Rest des Abends im Auto während es draußen schneit.

    Wenn man es mal eilig hat…

    Am nächsten Tag sind wir noch vor dem Wecker wach. Nun heißt es anziehen und ab zur Fähre. Frühstücken wollen wir, wenn wir das mit dem Ticket geklärt haben. So dachten wir… Leider springt das Auto nicht an. Da müssen wir einmal zeitig los und nun das. Nach etlichen Versuchen fällt auf, das Zündkabel des 6. Zylinders ist abgefallen. Vielleicht war es vorher schon lose und ist nun bei den zahlreichen Startversuchen endgültig abgefallen, wir wissen es nicht. Chris startet eine Pfusch-Reparatur, aber es ist klar, die Fährfahrt ist damit erstmal gestrichen. Stattdessen fahren wir lieber zu Canadian Tires, einem Baumarkt und gucken nach Ersatzteilen. Dort finden wir ein Ersatzkabel, das prinzipiell passen würde, zumindest die eine Seite, die Zündverteiler-Seite passt leider nicht, “aber das kann man ja anpassen”, sagt Chris. Pustekuchen, im Kabel ist kein Kupfer drin. Was es stattdessen für ein Material ist, wissen wir Stand heute nicht. Es wirkt wie Kunststoff, muss ja aber leiten können. Die neuen Kabel sind also unbrauchbar. Mit dem alten Kabel und der besseren Pfusch-Reparatur 2.0 springt das Auto gut an und läuft soweit wieder rund. Nun machen wir erstmal eine kleine Probefahrt und suchen uns dann ein Plätzchen zum Frühstücken.

    Neuer Plan

    Da Fährefahren für heute gestrichen ist, planen wir um. Am Sonntag fährt die Fähre nur nachmittags und nachts, weshalb wir beschließen am Montagvormittag unser Glück erneut zu versuchen. Heute nutzen wir noch die Zeit in der Stadt North Sydney, um mal in einen Outdoor-Laden zu gehen und eine Gaskartusche für unseren Campingkocher zu kaufen und probieren eine neue Supermarktkette (Sobeys) aus. Ergebnis, sie ist besser als Walmart, aber nicht so gut wie der Atlantic Super Store.

    Für die Nacht wählen wir einen Stellplatz, der 20 Minuten von North Sydney entfernt neben einem Leuchtturm liegt. Dort gibt es dank tiefer Matschlöcher noch eine unfreiwillige Offroad-Einlage. Mit dem “alten Schweden”, unserem Volvo, zum Glück alles kein Problem. Hier lassen wir den Tag mit Blick aufs Meer ausklingen.

    Eine der unerwartet tiefen Matschpfützen

    Ein bisschen Ostern in Kanada

    Den Ostersonntag gehen wir entspannt an. Da wir eigentlich schon auf New Foundland sein wollten, haben wir keine großen Pläne. Nach dem Frühstück testen wir, ob das Auto immer noch zuverlässig anspringt. Zum Glück tut es das ausreichend problemlos, so dass wir uns nun auf die Suche nach offenem WLAN begeben können. Unserer Recherche zufolge müssten die klassichen Café-Ketten offenes WLAN haben. Wir steuern zunächst “Robin’s” und danach “Tim Hortons” an. Auf dem Weg dorthin sehen wir noch einen Fuchs durch einen Garten stapfen. Wieder ein Punkt für unsere “Counter-Liste”. Außerdem sehen wir eine Treckerschneefräse. An Schneeräumfahrzeugen haben wir hier schon einiges gesehen. Per Hand geschobene Fräsen, Schieber an Schneemobilen, an Pickups, die großen Schneeräumfahrzeuge sowie eine Schneeraupe. Wir vermuten, dass gerade bei den oft langen Auffahrten zu den Wohnhäusern viele ihre Einfahrten selbst mit solchen Gefährten räumen oder Nachbarschaftsdienste in Anspruch nehmen. Teilweise sieht man aber auch die Autos am Straßenrand stehen und Fußsstapfen bis zum verschneiten Haus.

    Vielleicht brauchen wir sowas auch noch für den Volvo?

    Bei Tim Hortons angekommen holen wir uns was zu trinken, nutzen den Komfort einer beheizten Spültoilette und sichern Fotos im offenen WLAN. Der Versuch, unseren Router im Auto mit dem offenen WLAN zu verbinden scheitert leider und auch der Empfang ist dort deutlich schlechter, so dass wir uns entscheiden, uns doch mit unseren Laptops ins Café zu setzen, um die restlichen Updates herunter zu laden. Dazu gibt’s noch ein bisschen Osterfettgebäck.

    Osterfettgebäck. Sogar ertragbar süß

    Nachdem die meisten Updates installiert sind, fahren wir zu dem ersten Stellplatz in Florence. Für die “Counter-Liste” zeigt sich hier noch ein Fasan. Während ich diesen Blogbeitrag schreibe, macht Chris Apple Crumble und das Abendessen. Danach wollen wir ein bisschen daddeln, denn neben unseren Laptops haben wir auch Steam-Controller dabei. Gerade an so einem verregneten Sonntagabend ohne großartige Aussicht bietet sich das gut an, um zu entspannen.

    Versteckt unter Butter und Zucker gibt es etwas Apfel (und Schokolade)

    Morgen startet dann der nächste Versuch, die Fähre nach New Foundland zu nehmen. Drückt uns die Daumen, dass das Auto rechtzeitig anspringt und wir in die nächste Provinz Kanadas aufbrechen können.

    Karte der Woche 3 (Teil 1 und Teil 2)
  • Woche 3 | Teil 1: Abschied von Cape Breton

    Woche 3 | Teil 1: Abschied von Cape Breton

    Ja, es gibt wieder zwei Teile. Wahrscheinlich behalten wir das einfach bei, solange wir so motiviert sind, Blogbeiträge zu schreiben.

    2. Tag Cape Breton

    Bevor es heute wieder in den Park geht haben wir noch getankt und Bargeld abgehoben. Generell zahlt man hier alles mit Karte, aber wir müssen waschen und dafür braucht man 1$ Münzen. Der freundliche Tankwart hat uns ein bisschen Kleingeld rausgegeben. Am Eingang des Parks stoppen wir wieder am Visitor Center. Man lernt beheizte Toiletten zu schätzen, wenn man sich sonst meistens mit Plumpsklos auf Wanderparkplätzen begnügt. Nebenbei kann man auch gut das freie WLan zum sichern der Bilder nutzen. Nach diesen Zwischenstopps geht es wieder die Panoramastraße im 1. Gang mit Warnblinklicht entlang. Der Ausblick ist auch beim 3. Mal immer noch spektakulär.

    Bretti an einem der vielen Aussichtspunkte
    Aussicht beim Fahren durch den Park

    Auch der Wanderparkplatz ist immer noch eingeschneit, deswegen fahren wir weiter durch den Park und bestaunen die Schneemengen. Der Park bildet ein Hochplateau, wodurch es, wenn man einmal oben ist, überraschend flach ist. Wir stoppen für ein paar Fotos von der Aussicht, aber an Wandern ist hier nicht zu denken, viel zu viel Schnee. Deswegen fahren wir am Nordende wieder herunter zum Macintosh Wasserfall. Der Parkplatz ist soweit geräumt, was aber nicht über die Schneehöhe hinweg täuschen soll.

    “Zusammen” wippen
    Versteckt 😛

    Die Wanderung geht ca. 1,5km am Fluss entlang wieder durch einen wunderschönen Winterwald. Der Schnee ist über knietief aber gefroren, sodass man nur selten einsackt. Die Sonne scheint fleißig und wir haben eine schöne Zeit auf der kurzen Wanderung. Der Wasserfall ist nicht sehr groß liegt aber schön zwischen den Bergen eingepfercht. Bei den Schneemengen drumherum wird uns mal wieder klar, dass die Schneeschmelze gerade erst anfängt und die Wassermassen sich hier noch vervielfachen werden, wenn der Schnee in den höheren Lagen schmilzt. Spannend, aber auch beängstigend. Mal schauen wie es hier auf unserem Rückweg von Neufundland aussieht.

    Kleiner aber feiner Wasserfall
    Wanderung im Winterwald

    Weiter geht es am Nordrand des Parks und wieder schleichen wir im 1. Gang eine 3km lange Steigung hoch. Unser Warnblinklicht arbeitet auch wieder fleißig und ich bin zum ersten mal froh, ein Ersatzrelais eingesteckt zu haben. Soviel hat der Warnblinker sicher in seinen 48 Jahren noch nicht gearbeitet. Die Aussicht auf die verschneiten Berge unter blauem Himmel bleibt spektakulär, da kann man sich ja auch mal etwas Zeit lassen mit dem bergauf Fahren.

    Wir verlassen den Park weiter Richtung Norden und schlängeln uns an der Küste entlang (meistens sogar im 2. Gang) zu unserem nördlichsten Stopp in Nova Scotia. Am Ende der Straße liegt Meat Cove und wir schauen uns zwei potenzielle Parkplätze an. Der eine spektakulär, der andere aber praktischer. Da wir morgen wieder einen Ruhetag eingeplant haben entscheiden wir uns für den praktischeren. Mittlerweile haben wir 28°C im Wohnkoffer und machen uns einen entspannten Abend, während die Eisschollen draußen vorbei treiben.

    Aussicht vom spektakuläreren Platz

    Ruhetag

    Nachts werden wir vom Wind etwas durchgeschüttelt, haben aber insgesamt eine gute Nacht. Wie es sich gehört wird ausgiebig gefrühstückt und dann erstmal gegammelt. Da uns im Laufe des Tages der Kuchen ausgehen wird, muss ein neues Dessert her. Ich hatte dafür schon Oreokekse, vegane Sahne und Schokodrops gekauft, welche dann zu einem Dessert mit Kaffee verarbeitet werden sollten. Die originalen Oreokekse sind leider nicht vegan und lösen sich nicht so gut im Kaffee auf wie die nachgemachten, aber das Ergebnis ist wie immer sehr lecker. Um uns den Kuchen und die Oreocreme auch zu verdienen, macheen wir noch einen 5km Spaziergang die Küstenstraße entlang. Das ist bei ordentlich Wind und 0°C nicht wirklich gemütlich, aber wer Eisschollen im Meer schwimmen sehen kann, sollte wohl keine 20°C erwarten.

    Aussicht genießen an der Küstenstraße

    Als letzten geplanten Punkt des Tages wollen wir noch unsere Ausgaben durchrechnen. Wir haben ins blaue hinein ein Monatsbudget von 2000€ festgelegt und müssen nun auch mal schauen wie wir damit auskommen. Ohne Vergleichswerte kann man mit den Ausgaben noch nicht so viel anfangen, aber man muss ja mal anfangen. Da heute der 31. März ist bleiben wir im Budget für den März, mal sehen wie das im April aussieht, wo das Budget für 4 Wochen reichen soll. Grundsätzlich haben wir im März viele Basics kaufen müssen, das sparen wir uns nächsten Monat, aber insgesamt ist hier einfach alles ziemlich teuer. Die steigenden Spritpreise helfen da nun auch nicht, diese sollten auf dem Weg nach Westen aber wieder günstiger werden. Angespart haben wir genug, also bringt uns das nicht in Bedrängnis. Wenn man weiß, dass auf absehbare Zeit kein Geld reinkommt, lösen ungeplant hohe Ausgaben aber kein gutes Gefühl aus.

    Zurück am Stellplatz

    Waschtag

    Nachts hat es wieder geschneit und mit dem Wind hat sich der Schnee auch an unerwarteten Stellen abgelagert (siehe Bild). Heute müssen wir waschen, entsprechend soll es zeitig zum Waschsalon gehen. Wie jeden Morgen schaue ich vor dem Losfahren, ob sich irgendwas am Volvo gelöst hat und eigentlich räume ich auch alles unter dem Volvo weg, was sich dort angesammelt hat. Gestern Abend hatte ich noch den Eimer aus unserer Trockentrenntoilette unters Auto gestellt. Wir werfen da auch unseren Biomüll rein und dadurch ist der häufig voll, wenn wir viel Gemüse verarbeiten. Heute habe ich den aber leider übersehen oder was auch immer, auf jeden Fall fahren wir beim Losfahren direkt drüber und haben jetzt nur noch zwei Eimer. Sehr unnötig. Aber es lohnt auch nicht, sich drüber aufzuregen. Bretti packt die Reste in einen Sack und los geht’s Richtung Waschmaschine.

    Schnee auf dem Motor
    Eingeschneite Straße
    Blick aus dem hinteren Fenster mit prasselndem Schnee

    Wir hatten bisher kein Waschmittel, also machen wir noch einen Stopp am nächsten Grocery Store. Neben Waschmittel werden auch die üblichen Dinge aufgefüllt. Als wir so durch den Laden wandern, hören wir an der Kasse zwei Leute über den “Monstertruck” vorm Laden sprechen. Keine Ahnung, wen sie gemeint haben könnten…

    Die Waschmaschinen stehen im New Haven Comfort Center, ein von der Gemeinde gepflegtes Zentrum mit Duschen, Waschmaschinen, Sportgeräten und einem Spielplatz. Sehr schön wie hier sowas von der Gesellschaft selbst organisiert und erhalten wird. Um sich einzubringen hat Bretti auch gleich erstmal Schnee geschoben. Unsere “Wäsche waschen” Erfahrungen auf Reisen sind bisher eher schlecht. Überhaupt was zu finden ist oft schon ein Thema und dann bekommt man schlechte Ergebnisse für recht viel Geld. Klingt dramatisch, aber was zuhause ein No-brainer ist entpuppt sich in öffentlichen Waschsalons im Ausland oft zu einer Herausforderung. So ist unsere Erfahrung hier auch nicht so toll. Die Waschmaschine hat gefühlt mehr Flecken verursacht als entfernt und trocken ist die Wäsche auch nach zwei Durchgängen nicht geworden. Naja. Die Waschmaschine dreht die Wäsche auch nicht über Kopf wie bei uns, sondern nur im Kreis, was die Durchmischung von sich aus schon schwierig macht. Immerhin können wir noch 15 Minuten duschen. Unser Übernachtungsplatz im naheliegenden Wald ist, wenig überraschend, durch viel Schnee leider auch nicht zugänglich. Wir fahren also 20km durch den Nationalpark zum nächsten Platz. Nun stehen wir neben einem Golfplatz und schauen aufs Meer. Die Heizung läuft und trocknet etwas die Wäsche und dazu gibt es ein Bierchen. Das Waschen hat ewig gedauert und das Ergebnis ist unzufriedenstellend, aber auch so sieht der Reisealltag aus. Kurz aufregen und dann abhaken. Gibt ja nun schlechteres als im warmen Auto am Meer zu stehen und ein kaltes Bier zu trinken. Morgen ist Sonne angesagt, das wird sicher ein besserer Tag.

    Im Eichhörnchenwald

    Und heute wurde ein besserer bzw. ein ganz wundervoller Tag. Wie eine schlaue Frau schon sagte: “Donnerstag ist Pfannenkuchentag”. Entsprechend macht Bretti morgens erstmal Pfannkuchen. Eine Mischung aus herzhaft und süß. Oreokaffeecreme-Pfannkuchen ist mein neuer Favorit.

    Pfannkuchenaktion

    Frisch gestärkt machen wir uns zu Fuß auf zur Wanderung bis zum Ende der Landspitze, an der wir übernachtet haben. Wir sind nämlich auf Middle Head und neben dem Golfplatz und den Luxus-Häuschen gibt es hier auch einen Wanderweg der nett aussieht. Neben dem unberührten Schnee führt der Weg über die Halbinsel durch einen schönen Wald. Nicht nur dass wir links und rechts immer wieder das Meer sehen können, es gibt auch ganz viele Eichhörnchen. Erst nur Spuren, aber bald erspähen wir das Erste. Wir sehen immer mehr und einige sind auch ganz entspannt am Futtern, während sie 4m von uns entfernt am Boden sitzen. Wir haben sicher 10 gesehen. Den Pfotenspuren und den Futterhinterlassenschaften nach muss es hier noch viel mehr Eichhörnchen geben.

    Gemütlich am Futtern

    Am Anfang des Weges steht ein Warnschild wegen Coyoten und wie man sich verhalten soll. Wir haben keinen gesehen, aber direkt am Anfang des Weges gab es Pfotenspuren und Urin welches aus mehreren Metern noch sehr nach Wildtier roch. Möglicherweise war das eine Mitteilung des ansässigen Coyoten, wer hier das sagen hat. Weißkopf Seeadler gibt es hier auch, wie eigentlich überall an der Küste Kanadas, ob wir einen gesehen haben, sind wir uns nicht sicher. Einmal fliegt ein großer Vogel vorbei, der von Möwen attackiert wird, das geht aber viel zu schnell. Auch der zweite Anblick geht sehr schnell vorbei. Beim dritten mal fliegt ein großer Vogel über die Möwenkolonie, welche das gar nicht lustig findet und ihn attackiert und bis zum Festland zurück bedrängt. Hier haben wir genug Zeit zum Schauen und dieser Vogel ist am Kopf und Schwanz braun. Junger Adler? Wir wissen es nicht. Die Möwen hier sind teilweise auch schon sehr groß (1,60m Spannweite), aber die Flügel der Adler haben mehr erkennbare einzelne Federn. Hier ist auch eine normale Anzahl an Möwen unterwegs, nicht wie bisher an der Küste. Wir haben eine sehr schöne Zeit auf Middle Head und es gibt endlich auch ein paar Tiere zu sehen. Die ortsansässigen Robben lassen sich leider nicht blicken. Dafür gibt es aber am Ende noch einen kleinen Specht, der fleißig eine Birke zerhackt. Dass diese kleine Landspitze in den Nationalpark aufgenommen worden ist, können wir sehr gut nachvollziehen. Der Weg ist so ca. 6km lang und ganz gut begehbar, obwohl viel Schnee liegt. Der ist aber fast überall gefroren. Das “fast” bekommen wir auch beide gut mit, indem wir bis übers Knie im Schnee einsinken, erst Chris, auf dem Rückweg dann auch Bretti. Zurück am Auto machen wir uns wieder auf in den Nationalpark. Gestern waren wir die Küstenstraße bei schlechtem Wetter einfach lang gefahren, heute wollen wir noch ein paar Stopps machen und uns die Gegend genauer anschauen.

    In der Mitte von Middelhead
    Etwas eingesackt im Schnee

    Im Gegensatz zur absolut spektakulären Westseite des Parks, ist es hier im Osten eher “langweilig”. Langweilig aber wirklich nur im Vergleich. Wir fahren erstmal zum Green Cove Trail und bestaunen hier die Massen an Eisschollen. Das kann man gar nicht richtig mit der Kamera aufnehmen. Wie die Wellen sich durchs Eisfeld bewegen sieht schon spektakulär aus. Absolut wahnsinnige Kräfte schieben die tonnenschweren Eisschollen durch die Gegend. Das Wetter ist auch noch absolut fantastisch und wir genießen die Ruhe des Parks in der Sonne sehr. Es ist noch recht viel Sonnenlicht heute über, allerdings sind wir langsam recht platt und voller Eindrücke, sodass wir einfach an den Platz von heute Morgen zurück fahren. Hier genießen wir die Sonne auf dem Auto und schauen einfach noch etwas aufs Meer bis es dunkel wird.

    Eis bis zum Horizont

  • Woche 2 | Teil 2: Schnee und Eis

    Woche 2 | Teil 2: Schnee und Eis

    Fahrtag und viel Meer

    Heute wird mal wieder eingekauft und wir versuchen eine neue Supermarktkette, den Atlantic Superstore. Supermarktketten gibt es hier echt viele verschiedene. Ehrlich gesagt haben wir nicht viel erwartet, nach unseren letzten Erfahrungen, aber wir wurden Positiv überrascht. Nicht nur gab es Beyond Meat (Vegane Fleischersatzprodukte) sondern auch viele Bioprodukte und vegane Schlagsahne. Ich(Chris) scheine über die letzten Jahre eine Laktoseintoleranz entwickelt zu haben, zumindest helfen Laktase Tabletten, aber auch diese verhindern nur das Schlimmste. Entsprechend freue ich mich sehr über vegane Schlagsahne, damit es neben Kuchen auch Torten und andere Desserts geben kann #Oreokaffeecreme. Die ganze Milchindustrie ist natürlich von selbst schon boykottwürdig. Leider haben wir viele Produkte erst nach der Kasse gesehen, wir kommen also wieder und haben Hoffnung.

    Nun mussten wir noch Wasser auffüllen. Der Tank ist zwar nicht leer, aber die Dichte an möglichen Quellen wird im Norden immer kleiner. Diesen Standort hatten wir aus den üblichen Apps und er sah absolut fragwürdig aus. Hinterm DriveThrough eines Tim Hortons (typisch kanadische Schnellrestaurantkette) mit einer defekten Entsorgungsstation für Wohnmobile. Der Wasserhahn funktionierte überraschenderweise und das Wasser schmeckte nicht nach Chlor. Eine echte Offenbarung nach ca. 80l Wasser mit Chlor-Geschmack. Wir Filtern das Wasser trotzdem, weil die Filter eben da sind und man weiß ja nie. Bretti holte sich noch eine heiße Schokolade und so ließ sich die Wartezeit dann ganz gut überbrückend. Nebenbei konnten wir wieder das Verhalten der Einheimischen beobachten. Dass man lieber lange am DriveThrough steht und wartet anstatt auszusteigen und für ca. 3 Minuten ins Geschäft zu gehen erschließt sich uns wirklich nicht.

    Wichtigste Aufgabe. Schlauch festhalten, dass er nicht das Auto flutet. Mit heißer Schokolade in der Hand
    Vertrauenswürdige Trinkwasserstelle mit eingebautem Springbrunnen

    Nach dem erfolgreichen Tankstop ging es immer weiter die Küste entlang auf die Nordinsel Nova Scotias. Hier fanden wir auch einen schönen Stellplatz mit Meerblick und liefen noch runter ans Wasser. Der Wind war eisigkalt aber die Sonne war da also wurde Vitamin D getankt.

    Dänemark Vibes bloß mit mehr Eisschollen

    Kurz vor unserem Parkplatz hatten wir noch einen NSLC gesehen, das sind die staatlichen Alkoholgeschäfte hier in Nova Scotia. Wir machten einen Abstecher dort hin, um rauszufinden, ob unser letzter Einkauf so teuer gewesen ist, weil wir nur fancy Zeug gekauft hatten. Dem ist aber nicht so, Alkohol ist im allgemeinen recht teuer 3 kanadische Dollar für eine 0,3l Dose Bier. Mit ein paar Bier ausgerüstet machten wir uns auf den Weg zurück und schauten der Sonne beim Untergehen über dem Meer zu.

    Unsere gekauften Errungenschaften wollten verarbeitet werden, deswegen wurde noch gekocht. Nach dem Gemüse schneiden, sahen wir eine Raupe in unserem Biomüll, also unserer Trockentrenntoilette, die fleißig die Paprikainnereien mampfte. Die kann eigentlich nur von/aus der Paprika selbst gekommen sein. Etwas merkwürdig, aber niedlich. Wir ließen unseren neuen Mitbewohner dort, wo er war, denn draußen würde er direkt erfrieren bei mittlerweile -6°C und weiter fallenden Temperaturen. Während wir darauf warteten, dass die Paprika angebraten war, nahm ich eine Bewegung am Fenster war. Eine junge Frau hüpfte vor dem Fenster auf und ab, um einen Blick rein zu erhaschen. Sie hatte scheinbar nicht bemerkt, dass wir da sind. Als wir ihr zuwinkten und sie das bemerkte, machte sie ein erschrockenes Gesicht und rannte ganz schnell weg. Für sie war die Situation sichtlich peinlich, für uns sehr unterhaltsam. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen ließen wir den Tag ausklingen.

    Wasserfall und Eisschollen

    Da ich mal wieder nicht wirklich lange schlafen konnte, nervte ich Bretti schon ab 8:00 Uhr morgens, indem ich Frühstück machte. Ein paar beschwichtigende Apfelstücke konnten das schlimmste verhindern und wir hatten dann noch ein entspanntes Frühstück mit Meerblick. Mich stört dreckiges Geschirr immer ziemlich, deswegen habe ich nach dem Frühstück noch abgewaschen, bevor es los gehen sollte. Problem: Das Wasser in der Spüle lief nicht ab. Der Siphon vor dem Abwassertank war scheinbar eingefroren. Wir setzten drauf, dass der über den Tag schon auftauen würde und fuhren erstmal trotzdem los. Da wir aber Heute und Morgen keine Plusgrade erwarteten würde das vermutlich nicht passieren (Kann berichten, es ist nicht passiert).

    Um den kalten Tag(max. -5°c) trotzdem zu nutzen, hatte ich einen Wasserfall, die Egypt Falls, rausgesucht. Dieser ist nach einer kurzen Wanderung zu erreichen und sah recht beeindruckend aus. Generell habe ich bei dem Plan nicht bedacht, dass Wasserfälle dazu tendieren, im Gegensatz zum Meer, “oben” zu sein. Das heißt. dass wir erstmal weit in die Berge fahren mussten und hier sehr viel Schnee lag. Der Weg bis zum Wanderparkplatz war überraschenderweise geräumt und so fuhren wir gemütlich im 1st Gang die vereiste Straße hoch. Die Wanderung war ca. 1km lang und ging etwa 100 Höhenmeter wieder runter. Teilweise ist man bis zum Knie im Schnee versunken, deswegen waren wir überrascht andere Menschen zu treffen, die den weg in Freizeitkleidung absolviert haben. Der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall. Der Weg durch den verschneiten Wald ist schon alleine den Aufwand wert. Der Wasserfall dazu ist auf jeden Fall einer meiner Wasserfall Highlights bis jetzt. Wir verbrachten eine Weile am Fuß des Wasserfalls und genossen die Naturgewalten. Da es aber immer noch sehr kalt war ging es bald zurück. Untrainiert wie wir immer noch sind, kamen wir schnaufend am Parkplatz wieder an. Das sind ganz sicher mehr als 100 Höhenmeter. Zwei andere Wanderies hatten sich in der Zwischenzeit zielstrebig mit ihrem Pickup neben der geräumten Straße festgefahren, das konnten wir aber mit gemeinsamem Anschieben schnell erledigen.

    Trucker Chris im Schnee
    Bretti vor dem Wasserfall
    Der Weg durch den Winterwald

    Weiter ging es Richtung Cape Breton Nationalpark, wo wir morgen eine weitere Wanderung machen wollen, wenn der Schnee das zulässt. “Aber erst Morgen” hat eine weise Frau mal gesagt und deswegen haben wir uns mal wieder einen Übernachtungsplatz mit Meerblick gesucht. Das Meer ist hier zu einer Eisschollenlandschaft erstarrt, was wir leider nicht zufriedenstellend auf den Bildern einfangen können. Deswegen nutzen wir das langsam schwindende Sonnenlicht und genießen einfach den Anblick.

    Parken mit Meer/Eisschollen Blick
    Leuchtturm am Stellplatz

    Auch wenn es echt ein Gegurke über schlechte Straßen hierher ist, kamen hier gerade zwei ältere Menschen an und haben ein Selfie mit dem Leuchtturm gemacht. Irgendwie knuffig und warum auch nicht. Uns gefällt das Bild mit dem Volvo besser. Für diese Nacht sind hier -13°C angesagt, unser Thermometer hat -11°C gemessen. Etwas sehr frisch für Frühling. Unsere Heizung läuft an, wenn es im Fahrzeug unter 7°C kalt wird, weniger wegen uns sondern wegen der Wasserleitungen. Wir sind für sowas ausgerüstet, entsprechend sind die Minusgrade kein wirkliches Problem, bloß raus aus dem Auto will man dann nicht. Die Abgase der Heizung haben auch noch unseren Siphon kurzzeitig aufgetaut, entsprechend ist das Wasser aus der Spüle auch endlich abgelaufen. Update: Ich kann berichten er ist wieder eingefroren. Nicht mal die Sonne des Tages hat gereicht den frei zu halten und wir haben das natürlich direkt wieder vergessen. Es steht also wieder Wasser in der Spüle, immerhin diesmal weniger.

    Cape Breton Highlands

    Heute ging es in den Nationalpark Nova Scotias, den Cape-Breton Highlands Nationalpark. Auch hier ist alles soweit geschlossen, aber wandern kann man trotzdem. Ich hatte auch einen Wanderweg des Parks rausgesucht, den Skyline Trail, habe mir aber schon gedacht, dass es nach unserer gestrigen Erfahrung an den Egypt Falls schwierig werden könnte. Um den Nationalpark herum führt auch noch die Panoramastraße Nova Scotias, der CabotTrail. Allein für die Autofahrt lohnt sich der Weg hierher schon. Als wir von der Hauptroute auf die Straße zum Wanderparkplatz abbiegen wollten, standen wir jedoch vor einer 1,5m hohen Wand aus Schnee. Das ist auch für den Volvo zu viel, zumindest alleine und ohne Schneeketten. Die Hauptroute des Cabot Trails ist sonst wirklich top geräumt, aber irgendwann ist wohl auch mal gut. Es gibt im Park unzählige Wanderwege und entsprechend suchten wir uns einen weiter unten raus und fuhren zum Parkplatz, den wir auf dem Hinweg schon gesehen hatten.

    Die Zufahrtsstraße zum Wanderparkplatz des Skyline Trails
    Mit der Aussicht kann man auch ein paar Umwege fahren.

    Wir hatten uns den Salmon Pools Trail ausgesucht, in der Annahme, dass er durch die niedrigere Lage am Fluss begehbar sein sollte. Es wurde eine 9,5km lange Wanderung, die anfangs auch recht schneefrei war, wodurch ich mich zu der Aussage hinreißen ließ: “Zum Glück ist der Weg nur zum Teil eingeschneit, die ganze Zeit durch den Schnee stapfen ist ja voll anstrengend”. Tja 90% des Weges hatten mindestens knöcheltief Schnee. Die Wanderung war aber sehr schön und folgte die meiste Zeit dem Fluss. Es gab sehr viele Tierspuren im Schnee, die wir leider nicht zuordnen konnten. Immerhin ein Streifenhörnchen (Chip und Chap) ließ sich blicken. Bei den ca. 7cm breiten Tatzenabdrücken, waren wir insgesamt ganz froh dem Verursacher nicht direkt zu begegnen, selbst wenn es vielleicht doch nur ein Waschbär war.

    Wander Chris im Schnee
    Zwischendurch gab es auch lecker Eis
    Brückeninspektor Chris nach getaner Arbeit (es standen nur noch die Brückenpfeiler)

    Am Parkplatz sprach uns noch ein älterer Herr auf den Volvo an, der mit Zahnstocher im Mundwinkel und seinem Akzent super in jeden Wild West Film gepasst hätte. Nun ging es wieder ans Meer. Hier lagen ganz viele Eisschollen am Strand, die wir uns noch aus der Nähe anschauen mussten. Mit dem Blick auf die im Sonnenuntergang vorbei treibenden Eisschollen ließen wir den Tag ausklingen und damit auch diesen Blogeintrag.

    Chris im ewigen Eis
    Polarforscherin Bretti
    Sonnenuntergang mit Eisschollen

    Der Routenverlauf dieser Woche bei Googlemaps

  • Woche 2 | Teil 1: Ebbe und Flut

    Woche 2 | Teil 1: Ebbe und Flut

    Am nächsten Morgen ging die Tür ohne Probleme auf, denn die Sonne schien schon fleißig auf die rechte Seite des Volvos. Diese Nacht war sehr erholsam, denn wir haben zum ersten Mal passend zur Zeitzone geschlafen. Wie immer gab es erstmal Frühstück, heute leider ohne Sekt, denn wir wollen zu unserem ersten Nationalpark in Kanadas, dem Kejimkujik-Nationalpark. Vorher nutzen wir das wunderbare Wetter noch, um einen Geocache einzusammeln und das Auto von Schnee zu befreien. Da hatte sich doch einiges angesammelt und so wird das nichts mit Solarenergie. Nach einem Tag ohne Fahren, mit Heizen und allem drum und dran ist unser Akku nur noch bei 40%. Völlig ausreichend, aber bevor der Schnee noch komplett festfriert, runter damit.

    Eiskratzen auf dem Solarpannel

    Nach dem es wieder gratis Energie von unserem Lieblings-Fusionsreaktor gab, ging es los zum Park. Wir wussten, dass der Park “seasonal closed” ist, aber man trotzdem rumlaufen kann. Was das genau bedeutet und ob man trotzdem Eintritt zahlen muss, wussten wir nicht. Vor Ort waren alle Gebäude bis auf ein Plumpsklo geschlossen, aber der Parkplatz war offen und keiner wollte Geld von uns haben. Es wäre auch niemand da gewesen zum Kassieren. Wir machten eine kurze aber seeeehr schöne Wanderung entlang des Flusses und durch den verschneiten Wald. Es schien die ganze Zeit die Sonne, sodass ich mein Gesicht eingekremt habe. Alleine durch den Sonnencremegeruch fühlte es sich gleich 1 bis 2 °C wärmer an.

    Winter wonder Wald
    Mini Schneemensch gebaut
    Wampe und Wasserfall

    Nach unser Wanderung haben wir die gut sortierten Mülleimer des Parks genutzt, um etwas Müll loszuwerden. Generell versuchen wir auf Reisen, Müll dort loszuwerden, wo er am einfachsten abgeholt werden kann. Also in Städten, an Straßenrastplätzen etc. und nicht dort, wo es viel Aufwand macht oder es tendenziell zu wenig Mülleimer gibt. In Kanada haben wir allerdings bisher nur an solchen Parks und Sportplätzen öffentliche Mülleimer gefunden. Das widerspricht zwar unserem Grundprinzip, aber irgendwo muss der Kram ja hin. Verpackungssparsam einkaufen ist hier hoffnungslos. Wir schauen weiter. Die Mülleimer im Park sind zumindest riesig, sodass genug Platz für andere Menschies bleibt.

    Die deutsche Bäckerei in Annapolis Royal

    Weiterging es zu einer deutschen Bäckerei, die zwar saftige Preise aber noch besseres Brot und Deutsches Gebäck verkaufen soll. Die Bäckerei war leider auch zu. Man merkt schon stark die Off-Season. Man sah uns unseren Wunsch nach Kaffee und Gebäck vermutlich schon an den Gesichtern an, denn wir wurden direkt von einem älteren Pärchen angesprochen. Die beiden meinten, das Örtchen sei im Winter quasi tot, aber um die Ecke gäbe es noch ein Café welches offen habe. Sie wären sonst im Winter immer in Asien unterwegs, denn im Winter in Kanada bleiben könnten sie immer noch, wenn sie zum Reisen zu alt sind. Wie alle Begegnungen bisher war es ein kurzes, aber sehr nettes Gespräch. Irgendwie sprechen uns immer nur ältere Leute an.

    Nach Heißgetränk, Brownie und fleißigem Nutzen des kostenlosen WLans machten wir noch einen Spaziergang um die alte Festungsanlage und erfuhren viel über die abwechslungsreiche Geschichte des Ortes vor und nach den europäischen Siedlern. Wir schauten noch in einem kleinen Bio/Unverpackt-Laden vorbei. Ein paar vegane Sachen konnten wir finden, da es aber unter anderem keine dunkle Schokocreme für Bretti gab, zogen wir etwas unzufrieden weiter.

    Der Hummerhafen

    Zum Übernachten fuhren wir die Bay of Fundy entlang zu einem kleinen Hummerhafen. Bevor wir uns ins gemütliche warme Auto verzogen, machten wir noch einen Spaziergang am Strand. Wie immer wenn wir unterwegs sind, haben wir auch hier Müll gesammelt. Dieses Unterfangen mussten wir aber nach kurzer Zeit aufgeben, die Mengen an Müll der Fischereiindustrie war nicht mehr zu beseitigen. Es ist etwas kontraproduktiv, wenn man seinen Müll schon nicht los wird, auch noch Müll zu sammeln, aber liegen lassen ist auch keine Option. Die großen gesellschaftlichen Veränderungen für Müllvermeidung müssen natürlich trotzdem passieren. Allerdings wäre die Welt für uns alle ein kleines bisschen schöner, wenn jeder Spaziergänger oder Spaziergängerin etwas von dem Müll mitnehmen würde.

    Müll von 20 Minuten Spaziergang. 90% Fischereizubehör
    Schön steht man hier trotzdem

    Wir haben uns den Luxus gegönnt und eine Dusche in den Volvo gebaut. Diese sollte heute zum ersten mal auf der Reise genutzt werden. Es wäre sicherlich vorteilhaft gewesen, vorher zu testen, ob wir nicht zu schräg stehen, damit das Wasser vernünftig ablaufen kann. Habe ich aber nicht. In weiser Voraussicht habe ich aber immerhin den Boden um die Dusche abgedichtet, sodass wir das Wasser einfach aus der Tür haben ablaufen lassen. Nicht optimal aber die Heizungsrohre werden etwaige Undichtigkeiten schon wieder trocknen.

    Nach dem Duschen, Kochen und hitzigen Gesprächen über den ganzen Müll, den wir Menschen in die Landschaft werfen, erreichte das Thermometer zwischenzeitlich 35°C im Auto. Somit ließen wir den Abend in T-Shirt und Boxershorts ausklingen, während der Wind ums Auto heulte.

    Cape Split

    Heute ist ein “restock”-Tag. Der gestern gesammelte Müll will weg gebracht werden und eingekauft wird auch wieder. Ja, wir kaufen momentan gefühlt jeden Tag ein. Wir hoffen immer noch auf eine bessere Auswahl bei der nächsten Supermarktkette. Die gab es hier leider wieder nicht. Außerdem müssen wir mal wieder tanken. Der Volvo war schon immer ein durstiger Zeitgenosse, aber in Kanada gönnt er sich gerne noch 2-4l mehr auf 100km. Das mag an der bergigen Landschaft liegen, am Reisegewicht von über 4 Tonnen oder daran, dass es jeden Morgen Bacon und Eggs gab. Wir werden es nie erfahren. Das Benzin ist zwar relativ günstig, aber der Tank bleibt im Verhältnis zum Verbrauch klein. An Tankstellen sind wir immer das Highlight und man ist schnell in einem kurzen Gespräch über Autodinge verwickelt oder man beschwert sich zusammen eben über die Spritpreise. Alles wie zuhause. So lief es auch in Canning mit dem Unterschied, dass der Herr einen absolut brutalen Akzent gesprochen hat, dass wir kaum was verstanden haben. Vorher hatten wir alle Menschies gut verstanden, von daher waren wir hier etwas überfahren. Das scheint hier üblich zu sein, ergab unsere Stichprobe von Gesprächspartner Nr. 2 beim Einkaufen kurz darauf.

    Um den Tag nicht nur im Auto zu verbringen, sind wir zum Wanderparkplatz von Cape Split gefahren. Allein die Aussicht vom Parkplatz aus ist schon den Weg wert. Uns war klar, dass wir mit dem Start um 14:00 Uhr und mangels Kondition nicht die ganze 13km lange Runde bis an die Spitze schaffen würden. Auf der Karte waren mehrere Aussichtspunkte eingezeichnet und zumindest zum ersten wollten wir noch hinlaufen. Auf dem Weg haben wir wieder recht fleißig Geocaches eingesammelt, was aber dazu führte, dass wir erst nach 1,5 h im Bereich des ersten Aussichtspunkts ankamen. Die Geocaches ließen sich gut finden, der Aussichtspunkt war hingegen nicht aufzutreiben. Der einzige passende “Weg” führte uns ziemlich weit wieder nach unten und die Position passte auch nicht zur Karte. Aussichtspunkt unten ist ja auch mal völliger Quatsch, den ganzen Weg müssen wir ja auch wieder hoch. Nach einigem hin und her brachen wir die Suche nach dem Aussichtspunkt ab. Der nächste Aussichtspunkt in 2km wirkte auch nicht vielversprechender und untrainiert sind wir natürlich auch noch, also machten wir uns auf den Rückweg. Am Ende waren es ca. 6km auf und ab, 3 1/2 gefundene Geocaches und ein verschollener Aussichtspunkt. Wir hätten gerne die ganze Wanderung gemacht, aber am nächsten Tag ist viel Regen angesagt und somit bleibt Cape Split unbewandert. Wieder am Parkplatz suchte ich noch das Loch in unserer Benzinleitung. Es scheint keins zu geben, somit muss der erhöhte Verbrauch wohl am Baconkonsum liegen. Gut, dass der Bacon alle ist, das schont in mehrfacher Hinsicht die Reisekasse.

    Service Hinweis: Parkt nicht so, dass ihr beim Öffnen des Werkzeugfachs in einem Dornenbusch hängt. Für euch getestet, keine Empfehlung.

    Sonnenuntergang Cape Splitt
    Wunderschöner Sonnenuntergang am Cape Split
    Parkplatzausicht
    Aussicht direkt nach dem Parken
    Wander Chris
    Nicht mehr ganz so motivierter Wanderchris

    Burntcoat. Spazieren auf dem Meeresgrund

    Heute soll es seeehr viel regnen und deswegen fahren wir viel Auto. Allerdings gibt es hier an jeder Ecke was zu sehen und wir haben einen Zwischenstop am Burntcoat Head Park eingeplant. Hier kann man bei Niedrigwasser auf dem felsigen Meeresgrund rumlaufen und in die Höhlen gehen, die das Wasser in den roten Sandstein gegraben hat. Vorher heißt es aber erstmal 120km Auto fahren. Gefühlt ist immer alles zwischen 100 und 150km weit weg. Während wir als mobile Verkehrsberuhigung auf dem Highway unterwegs sind, hat es auch ordentlich angefangen zu regnen. Wenn der Wind dann noch richtig steht, tropft es im Fahrerhaus auch fleißig auf das Armaturenbrett. Bisher haben wir nicht rausgefunden, wo genau das Wasser reinkommt, aber es ist so wenig, dass das bei so einem alten Auto auch nicht weiter tragisch ist. Es sind ja genug Löcher im Boden, wo es wieder abläuft. Passenderweise tropft es genau auf unseren Autoabmessungsaufkleber, bei dem ich während ich ihn festklebte noch sagte: “Wie soll der hier denn nass werden? Der braucht keine Schutzschicht” Naja… nicht so gut gealtert.

    Angekommen am Park stellten wir wieder mal fest, dass der Parkplatz gesperrt ist. Auch dieser Park ist seasonal closed, warum dann aber teilweise der Parkplatz und nicht der Zugang zum Park gesperrt wird, ist uns schleierhaft. Wir waren zu Niedrigwasser da, entsprechend hatten wir ausreichend Zeit uns umzuschauen. Das Herkommen hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Dimensionen und der rote Sandstein sehen beeindruckend aus. Weniger beeindruckend ist, dass unsere beiden Regenjacken dem Dauerregen bedingt standhalten wollten, also zog es uns dann doch zeitig zum Auto zurück.

    Meeresboden am Burncoat Park
    Zugang zum Meeresboden
    Eiszapfen im Regen (ca. 1,5m)

    Den restlichen Tag sind wir noch durch regnerische Wälder gefahren und haben uns einen Übernachtungsplatz gesucht. So wie diesen Platz stellen wir uns noch ganz viele Plätze unserer Reise vor. Kurz von der Straße abfahren und direkt einen schönen Stellplatz am Fluss finden. Ab und zu hört man ein Auto, aber der Fluss übertönt alles mit seinem Rauschen und wiegt einen in den Schlaf.

    Endlose Straßen durch dunkle Wälder
    Bretti posiert im perfekten Wanderoutfit
    Quasi getarnter Volvo am Stellplatz

    Da es doch wieder viel zu erzählen gab, haben wir diese Woche auch wieder auf zwei Teile aufgeteilt. Mehr also in Teil 2.

  • Woche 1 | Teil 2: Ortswechsel

    Woche 1 | Teil 2: Ortswechsel

    Der Eintrag für die erste Woche wurde etwas lang, deswegen haben wir den aufgeteilt. Beim nächsten mal gibt es weniger Text

    Erster Reisetag

    Anlässlich der morgendlichen Planung haben wir den “Oh da ist ja gar keine Straße” Counter eingeführt, der jedes mal um eins erhöht wird, wenn wir feststellen, dass unsere geplante Route nicht aufgeht, weil es in Kanada echt wenig Straßen gibt. Aktueller Counter Stand ist 2. Anstatt 10km weiter die Küste entlang zu fahren, um auf die Straße nach Peggys Cove zu kommen, mussten wir die 25km wieder zurück nach Halifax fahren. Wir lernen bestimmt noch daraus. Es fällt generell auf, dass wenig Tiere zu sehen und zu hören sind. Im Provincal Park, aber auch im Hafen von Halifax gab es kaum Möwen. Kann sein, dass die Tiere hier einfach sehr viel Platz haben und sich nur besser verteilen, wir beobachten das.

    Angekommen in Peggys Cove gab es bei bestem norddeutschen Sommerwetter(Wind, Nieselregen und 3°C, für die paar nicht norddeutschen Mitlesenden) ein paar obligatorische Leuchtturm Fotos. Das zugehörige Café versorgte uns auch noch mit einem Stück Kuchen(wir haben dazugelernt) und warmen Getränken. Hier war es überraschend günstig, Kaffee und heiße Schokolade haben maximal 3€ jeweils gekostet. Für so eine Touristenfalle echt überraschend. Bretti hatte mich überzeugt hier doch vorbei zu fahren, was sich auch gelohnt hat. Zumindest wenn wenig los ist und man eine Begeisterung für Nieselregen am Meer hat.

    Weiter ging es zum nächsten klassischen Tourispot Lunenburg. Lunenburg ist bekannt für seine Waterfront mit den bunten Holzhäusern direkt am Hafen. So sieht das hier aber überall aus und auf dem Weg nach Lunenburg hatten wir schon etliche bunte Häuschen gesehen, entsprechend fanden wir Lunenburg eher unspektakulär. Allerdings mussten wir eh Wasser auffüllen und etwas einkaufen. Unser Walmart Ausflug hatte uns zwar mit dem Nötigsten versorgt, aber irgendwie ist da kein ganzes Gericht bei rausgekommen. Neben dem Supermarkt gab es hier auch einen Laden für alkoholische Getränke, da mussten wir natürlich auch rein schauen und wurden direkt mit einem Probierschluck eines lokalen “italianstyle” Lagers empfangen. Generell ist Alkohol hier teurer als in Deutschland, also wie fast überall. Da es unser Jahrestag war, haben wir uns aber nicht lumpen lassen und ein paar Getränke eingepackt. Auf dem Parkplatz haben uns Monique und ihr Partner angesprochen. Sie hat eine Weile in Deutschland gelebt und uns ein paar Tipps für die Gegend gegeben. Falls wir nichts zum Übernachten fänden, könnten wir auch gerne bei den beiden Zuhause vorbei schauen. Das war eine sehr nette Begegnung, wobei Monique im Gespräch fließend zwischen englisch, deutsch und französisch wechselte und wir absolut den Überblick verloren haben, in welcher Sprache wir nun antworteten. Wir sind dann erstmal dem ersten Tipp von Monique gefolgt und sind zur Lightship brewery gefahren, dort stehen im Sommer auch immer Camper und wenn man dort einkehrt, ist das kein Problem. Saison bedingt haben leider auch die zu. Hingestellt haben wir uns dort aber trotzdem erstmal. Man hat eine schöne Sicht über den Hafen und von da aus sind wir in die Stadt gelaufen. Es war wie schon gesagt eher langweilig, dafür gab es noch Pizza mit Blick über den Hafen. Wir entschieden uns für die mittlere Größe 16″. Nächstes mal rechnen wir das um oder teilen uns eine Pizza. 16″ sind 40cm entsprechend gab es am nächsten Tag wieder Reste.

    Zurück am Auto parkten wir nochmal um. Noch standen wir vor der Brauerei, aber dadurch auch mitten auf einem Firmengelände und wir waren mittelmäßig überzeugt, ob wir da wirklich stehen dürfen. An der Straße gab es außerdem offizielle Stellplätze, die man bis Ende März nutzen darf. Dafür muss man telefonisch eine Erlaubnis einholen, die Telefonnummer gehört zur Stadt, wo Samstagabend allerdings keiner zu erreichen war. Sonderbar…

    Wir hatten uns in Halifax noch eine Starlink-Antenne gekauft, welche ich am Abend dann noch “problemlos” mit der mitgebrachten Halterung auf dem Auto befestigt habe. Während ich auf dem Dach rumwerkelte, hielt ein Sportwagen von BMW mit deutschem Kennzeichen neben uns. Dort stieg Charlie aus, mit dem ich schnell ins Gespräch kam und der ein paar Fotos von den beiden Fahrzeugen nebeneinander machte. Charlie ist ein älterer Herr der eine Begeisterung für deutsche Autos hat. Überwiegend Mercedes, aber auch BMW. Wie immer bei solchen Gesprächen nicke ich freundlich, auch wenn ich von den ganzen Fahrzeugbezeichnungen und Kennnummern absolut keine Ahnung habe. Charlie fragte, ob wir auch Facebook hätten, er mache da viel Content mit seinen Autos. Ich verneinte, musste aber später dann doch mal gucken, ob ich ihn dort finde und bin dort auch auf die “nova scotia vehicle spotters” (siehe oben) gestoßen, wo er natürlich auch Mitglied ist. Er erzählte noch etwas über verschiedene seiner Fahrzeuge. 8 Zylinder müssten es schon sein, meinte er, aber er hat einen kleinen 6 Zylinder, wenn er es mal etwas ruhiger angehen will. Wir verabschiedeten uns irgendwann und seiner Aussage entsprechend brauste er mit durchdrehenden Reifen davon. Ich frage mich echt, was er in dieser Gegend mit Sportwagen vorhat. Die Straßen sind geteert, aber meistens in einem so schlechten Zustand, da würde ich mich mit einem Sportwagen kaum trauen schneller zu fahren.

    Sonntag 22.03

    Nach dem Frühstück mit Blick auf Lunenburg haben wir unser Wassersystem in Betrieb genommen. Am Vortag hatten wir gegen eine Gebühr von 5$ unseren Tank vollgemacht. Eigentlich hatten wir das Wasser vor dem Einfüllen probiert, das machen wir immer vorher, aber nun schmeckt es auch durch unseren Filter nach Chlor. Das Leitungswasser ist hier immer gechlort, aber wir dachten, wenn wir schon zahlen bekommen wir auch Trinkwasser. Andere Reisende, die den selben Filter nutzen, aber auch eine Kooperation mit der Firma haben, meinten, dass der Chlorgeschmack mit Filter auch rausgeht. Naja, wir beobachten. Das Wassersystem war sonst aber dicht (Spoiler: Ist es nicht). Nach dem augenscheinlichen Erfolg spazierten wir noch etwas am Wasser entlang und konnten unseren ersten Geocache in Kanada erfolgreich bergen.

    Nach diesen Erfolgen ging es nach Hirtel’s Beach. Der Parkplatz stand halb unter Wasser, was uns eigentlich einen wunderbaren Hinweis für die richtige Schuhwahl hätte geben können. Natürlich tat es das nicht und wir spazierten Müll sammelnd am steinigen Strand entlang. Es waren ca. 1,5km bis der eigentliche Wanderweg los ging und dieser begrüßte uns dann auch mehr als Bachlauf denn als Weg. Davon ließen wir uns nicht aufhalten und gingen, nach kurzer Zeit mit nassen Füßen, durch den sehr schönen Küstenwald. Nach einem weiteren erfolgreichen Geocache entschieden wir uns aber zurück zu gehen. Noch zusätzliche 5km mit nassen Füßen zu laufen löste in uns keine Begeisterung aus. Außerdem mussten wir den Weg am Strand auch noch zurück und irgendwie steckten uns die Tage mit über 15.000 Schritten doch etwas in den untrainierten Körpern. Wieder am Auto gab es ein Stück Gebäck und wir entschieden uns, Monique nicht zu besuchen. Die Idee klang grundsätzlich verlockend, aber wir waren einfach zu geschafft. Die Anreise, der Stress bei der Fahrzeugabholung und die ganzen Eindrücke zerrten schon an uns. Wir haben schon einige längere Reisen gemacht und entsprechend versuchen wir, aus unseren Fehlern zu lernen. Die Reisemüdigkeit ist der Tod für jegliche Freude an der Reise. Entsprechend planten wir für den nächsten Tag einen Pausentag ein und fuhren noch 100km zu einem Recreation Park am Springfield Lake. Hier gibt es kein Atomkraftwerk, dafür eine sehr matschige, mit tiefen Pfützen ausgestattete, Zufahrtstraße. Solche Straßen gefallen uns natürlich sehr und der Volvo sieht langsam wieder vernünftig aus. Wir hatten noch einen entspannten Abend, die Fußbodenheizung hatte die Pizza vom Vortag während der Fahrt schön aufgewärmt und wir waren sogar bis 22:00 wach. Rekord!

    Pausentag

    Entsprechend der Grundidee lassen wir es heute ruhig angehen. Wir starten mit einem nachträglichen Jahrestag Sektfrühstück. Die Fenster auf dem Dach und zur Seeseite sind eingefroren. Wir haben sowas schon erwartet und entsprechend die Tür nicht abgeschlossen, diese lässt sich auch normal öffnen. Bretti startet nach dem Frühstück mit dem Backen eines Bananenbrotes und ich rege mich über verschiedenste Technik auf. Nachdem ich mich der Technik geschlagen gegeben habe, ziehe ich noch eine Schelle am Boiler nach, das Wassersystem ist natürlich nicht dicht. Als das Bananenbrot fertig ist machen wir einen kleinen Spaziergang durch den Schnee und ich mache mich ans Blogschreiben. Da hat sich in den paar Tagen schon einiges angesammelt, wir müssen mal schauen wie wir das weiter machen machen. Vermutlich passiert auch einfach weniger. Mit dem leckeren Bananenbrot lassen wir den Tag ausklingen und hoffen, dass die Tür morgen auch wieder auf geht.

    Peggy’s Cove Lighthouse im Regen
    Unsere neuen Backhandschuhe?
    Lunenburg Hafen vom Stellplatz aus
    Satte und zufriedene Bretti
    Wanderung am Hirtle’s Beach
    Erster Geocache fund
    “Wanderweg” am Hirtle’s Beach, passendes Schuhwerk wäre praktisch gewesen
    Stellplatz für den Ruhetag
    Jahrestag Nachhol Sektfrühstück
    Aussicht beim Blog schreiben
  • Woche 1 | Teil 1: Ankommen

    Woche 1 | Teil 1: Ankommen

    Am Anfang der Woche waren wir noch in Deutschland, haben den LT abgemeldet und eingemottet, jetzt sitzen wir in Kanada im warmen Auto an einem zugefrorenen See. Aber erstmal zum Anfang.

    Flug

    Dienstagabend haben wir uns von unserer Hausgemeinschaft verabschiedet und Mittwochmorgen um 4:30 Uhr ging es nach Hamburg zum Flughafen. Wir konnten beide nicht wirklich schlafen und somit starteten wir schon übermüdet in unsere (planmäßig 20h) Reise nach Halifax. Am Hamburger Flughafen lief alles entspannt und somit waren wir viel zu früh am Gate. Biri wollte uns noch verabschieden, aber da ich (Chris) nie mitbekomme, wenn mich jemand anruft, wurde es nur eine Verabschiedung auf Distanz vor der Sicherheitskontrolle.

    Unser erster Stopp war London, wo schon 30 Minuten Verspätung für unseren Anschluss angesagt waren. In Ottawa, dem zweiten Stopp, hatten wir 1h40 Zeit, von daher nahmen wir an, dass das schon passen würde. Spoiler: Es passte nicht. Jetzt ging es erstmal darum die 5h Aufenthalt rumzubekommen, mit überteuertem Frühstück und ich habe zwischen Baulärm und Kindergeschrei noch etwas geschlafen. Nach absolutem Boarding Chaos teilte uns der Pilot mit, dass unser Abflug sich noch verzögern sollte.

    Am Ende kamen wir mit über 2h Verspätung in Ottawa an, die wir schon komplett in London eingesammelt hatten. Zwischenzeitlich hatten wir viel der Verspätung wieder aufgeholt, aber in Ottawa mussten wir offiziell in Kanada einreisen und unseren Koffer einsammeln und wieder aufgeben. Entsprechend hätten wir den Anschluss vermutlich nur ohne Verspätung erreicht. Wir waren damit zum Glück nicht alleine, entsprechend hatte Air Canada schon alles organisiert und der nächste Flieger hat auf die ca. 50 Leute aus London gewartet. Das ganze wäre mit Kommunikation an die betroffenen Leute vermutlich sehr viel entspannter von statten gegangen.

    Somit sind wir um 21:40 Ortszeit(1:40 Deutscher Zeit) in Halifax gelandet. Die Einreise verlief soweit problemlos, allerdings mussten wir dem Beamten erstmal ausführlich unseren Plan für die Reise erklären. Das Kofferabholen ging ziemlich fix und unsere erste Fahrt mit Uber brachte uns dann direkt zum Airbnb, wo wir nur noch ins Bett gefallen sind.

    Fahrzeugabholung, Donnerstag

    Der Wecker klingelte um 8:00 Uhr, zumindest für mich war das ok, da ich eh schon einige Stunden wach war. Zuhause in Deutschland ware es ja schon 12:00 Uhr. Wir liefen dann zum nächsten Tim Hortons für ein schnelles Frühstück. Ziemlich kleine Portionen, sonst kann man gegen Rührei mit Speck und frittierte Kartoffelpuffer nichts sagen. Danach ging es los mehrfach quer durch die Stadt. Wir wollten uns nicht mit den Öffis rumschlagen und sind wieder Uber gefahren. Das kostete uns zwar 40€ war dafür aber sehr entspannt. Generell fahren die Menschies hier genau so schlecht wie bei uns. Die Straßen sind viel breiter, aber auch in einem viel schlechteren Zustand. Es gibt soweit ich weiß kein Rechtsfahrgebot, nur eine Empfehlung, wenn es nicht extra ausgeschildert ist. Entsprechend wird aber auch beliebig überholt. Auch das Fahren mit Fernlicht, welches aber sehr niedrig eingestellt ist, scheint hier sehr verbreitet zu sein. Sonst gibt es am Service von Uber nichts zu meckern. Wir mussten nie mehr als 5 Minuten warten und die Fahrten verliefen unauffällig.

    Der Plan für die Abholung sah wie folgt aus: zur Agentur, zum Zoll und dann zum Hafen. Die Agentur ist das Gegenstück zu unserer Hamburger Agentur, wo wir ein “Alle Kosten sind schon bezahlt” Angebot abgeschlossen hatten. Die Agentur Mitarbeiterin war freundlich, will irgendwann auch mal so eine Tour machen, wenn sie sich schon ständig die Pläne der ganzen Reisenden anhört und nach 10 Minuten waren wir mit unseren Papieren wieder draußen.

    Wieder quer durch die Stadt ab zum Zoll. Hier macht die Technik wie zuhause Probleme, aber auch hier waren alle sehr freundlich. Nach dem wir bestätigt haben, keine Schusswaffen und Drogen zu schmuggeln, wurde noch kurz beim Hafen nachgefragt, ob unser Fahrzeug schon fertig kontrolliert sei. Dies wurde bestätigt und wir bekamen unseren Stempel. Hier kennt man seine Zielgruppe, deswegen gab es auch einige Flyer für Reisende, zum Beispiel dass man kein Feuerholz transportieren darf, weil man somit invasive Arten verbreiten kann. Hier war nun alles geklärt und mit weniger, aber dafür gestempelten Papieren ging es zum Hafen.

    Entgegen unseres Wissens durften wir beide den Hafen betreten und so fuhr uns ein Security-Mitarbeiter die 400m zum richtigen Gebäude. Dort konnten wir unser Auto auch schon sehen und zunächst lief der weitere Prozess problemlos. Dann war aber eine Lagergebühr nicht bezahlt, wir erinnern uns an das “alle Kosten sind bezahlt” Angebot, dass die Agentur alle Zahlungen übernimmt, hat keinen interessiert und ohne Zahlung bekommen wir unser Auto nicht wieder. Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass wir das Geld von irgendjemanden wiederbekommen, aber wir haben unsere Agenturen diesbezüglich angefragt. Mittlerweile standen wir im Großraumbüro des Terminals bei einem Mitarbeiter, wo weitere Probleme auftauchten. Die Zollkontrolle, die die Zollmitarbeiterin extra nachgefragt hatte, sei nicht abgeschlossen. Es scheint zwei Kontrollen zu geben, von zwei Abteilungen, warum die Mitarbeiterin des Zolls das nicht wusste, keine Ahnung. Niemand wusste ob diese Kontrolle heute noch passieren würde und nun sei eh erstmal Mittagspause also sind wir erstmal wieder raus aus dem Hafen. Wir hatten immerhin eine Telefonnummer bekommen, damit wir nachfragen können ob das Auto fertig ist.

    Das Wetter war schön, also sind wir zu Fuß zum Halifax Explosion Memorial gelaufen. Dabei sind wir viel durch Wohngebiete geschlendert. Ich finde es immer sehr spannend wie die Menschen leben im Vergleich zu uns, mehr dazu aber ein anderes mal. Was wir bei dem Plan nicht berücksichtigt hatten, Halifax ist sehr bergig und der Hafen ist(Überraschung) unten und das Memorial oben auf einem Hügel. Am Ende des Tages sollten es über 19.000 Schritte werden. Wir stärkten uns in einem Café mit Kuchen, warmen Getränken und Croissants mit Bacon und Spiegelei. Alles sehr lecker und es gibt sogar Sauerteigbrot, was unsere Hoffnung stärkte an vernünftiges Brot zu kommen. In dem Café fiel uns zum ersten Mal eine Diskrepanz zwischen den Preisen auf der Speisekarte und unserem Kreditkartenbeleg auf. Es scheint so, dass in Kanada die Preise ohne Steuern angezeigt werden, was unserer Meinung nach absolut keinen Sinn ergibt. So muss man immer ca. 9% obendrauf rechnen. Vielleicht versucht die kanadische Regierung damit auch nur die Kopfrechenfähigkeiten ihrer Bevölkerung zu stärken. Das passt gut zu den ganzen Straßenschildern, die anstelle von Zeichen wie bei uns, Text beinhalten. Dies soll dann vermutlich die Lesefähigkeiten fördern. Ich schweife ab.

    So gegen 13:30 Uhr riefen wir im Hafen an. Alles klar wir können das Fahrzeug abholen. Dafür, dass bis 13.00 Uhr Mittagspause war, bezweifeln wir, dass noch irgendwas am Fahrzeug gemacht worden ist. Zurück am Hafen ging auch alles ziemlich schnell und wir konnten nach etwas Zettelchaos an der Schranke den Hafen verlassen. Im Hafen stehen alle angekommen Fahrzeuge zusammen. Neben unserem sehr “unauffälligen” Fahrzeug standen dort auch noch zwei andere deutsche Vans und zwar aus Segeberg und aus Plön. Es scheint viele Schleswig-Holsteiner mit ihren eigenen Fahrzeug nach Nordamerika zu treiben.

    Unser Volvo scheint doch etwas auffälliger zu sein und ist im Hafen noch auf der Facebook Seite “novascotia vehicle spotters” gelandet. dazu später mehr wenn wir euch von Charlie und seinen kleinen Autos erzählen.

    Nach dem Verlassen des Hafens sind wir auf den nächsten Parkplatz gefahren um das Ersatzrad und co von innen wieder nach außen zu befördern. Das Ganze sollte uns dann noch 2h beschäftigen bevor wir zurück zum Airbnb sind. Wir waren nach dem Tag ganz schön geschafft und haben sonst nichts mehr gemacht, außer Pizza holen. Meine Pizza kam mit süßer Knoblauchsoße. Wer macht sowas…. Sonst war die Pizza aber gut. Somit haben wir den ganzen Tag nichts gesundes gegessen und fühlten uns dadurch schon sehr integriert.

    Es geht los

    Um an den Vortag kulinarisch anzuschließen, gab es erstmal Pizzareste zum Frühstück. Wir nutzten das Airbnb noch zum Duschen und dann wurde alles in den Volvo geworfen und es ging wirklich los.

    Zuerst stand aber noch Halifax Touriprogramm auf dem Plan. Super Eingewöhnung an das Fahren mit dem Volvo durch die engen und sehr steilen Innenstadtstraßen Halifaxs zur Waterfront. Vom Parkplatz ging es erstmal hoch zur Zitadelle. Auch wenn man im Winter nicht auf die Mauern darf, hat man eine schöne Sicht auf die Stadt und das Meer. Dann ging es den ganzen Weg wieder runter an die Promenade. Es ist sicher schicker im Sommer, aber so wirklich lohnen tut sich das nicht. Dafür kann ich das Café Creme sehr empfehlen. Es ist zwar etwas teurer, aber hier haben wir entschieden, uns in Zukunft erstmal ein Tortenstück zu teilen. Es schmeckt alles sehr gut und dieser übertrieben kitschige Blumen-Rosa-Einrichtungsstil gefällt mir sehr gut.

    Zurück am Auto ging es zum nächsten Nordamerika Touripunkt: Walmart. Ich war etwas enttäuscht muss ich zugeben, auch wenn ich keine konkreten Vorstellungen hatte. Der Walmart superstore in Halifax ist mit einem Famila zuhause zu vergleichen. Allerdings gibt es weniger Auswahl, da durch die breiten Gänge weniger Regale auf die gleiche Fläche passen. Praktisch ist allerdings, dass es Apothekenprodukte wie Ibuprofen und Laktase Tabletten direkt im Laden gibt. Das Sauerkraut im “ausländische Spezialitäten”-Regal brachte uns dann schon zum schmunzeln. Es werden nicht alle Dinge in übertrieben großen Portionen verkauft, aber kleiner als 1,5kg Zwiebeln, 2kg Zucker und den 750g Salzstreuer gab es dann auch nicht. Noch fix Super+ für 1,25€/l tanken und ab ging es zum ersten Stellplatz Crystal beach provincial park.

    Die Fahrt war kurz, ca 25km. Wir machten noch einen kleinen Spaziergang am Strand und durch den Park. Die Zufahrt zum Park war gesperrt, vermutlich saisonal bedingt, aber davor gab es einen Platz, wo auch die Locals parken. In der Saison muss hier die Hölle los sein. Es gibt riesige Parkplätze, die scheinbar gerade noch erweitert worden sind. Dort wollten wir auch eigentlich hin, mit Aussicht aufs Meer, durch die Sperrung war dies leider nicht möglich. Allerdings waren wir eh nach wieder über 19.000 Schritten sehr platt. Auch die Zeitverschiebung kickte und wir waren schon um 21:00 Uhr im Bettchen.

    Foto: Flugzeug bereit zum Boarding am Hamburger Flughafen, im Hintergrund der Sonnenaufgang.
    Sonnenaufgang am Flughafen in Hamburg während wir auf’s On-Boarding warten.
    Foto aus dem Flugzeug heraus auf Kanadas Ostküste mit Blick auf Meer und das verschneite Ufer.
    Sicht auf Kanadas Ostküste.
    Foto vom Volvo am Hafen in Halifax während Chris einen Gurt um das Ersatzrad tüdelt.
    Ersatzrad anbringen auf dem Parkplatz vor dem Hafen.
    Foto von uns beiden auf dem Dach vom Volvo, Chris mit wehendem Bart, während wir die Staukisten anbringen.
    Staukisten auf dem Dach anbringen bei ordentlich Wind.
    Foto vom Eingang der Waterfront in Halifax. Graffiti von einem Hummer an einem der Container neben dem Holzdielenweg.
    Waterfront in Halifax. Saisonal bedingt hat das meiste zu.
    Foto der Inneneinrichtung vom Café Crème: Blumentapete, viel rosa und Kronleuchter.
    Dieses blümerante Café “Crème” hatte auf. Auch das Geschirr war entsprechend blumig.
    Crystal Beach: hier haben wir einen Spaziergang gemacht und in der Nähe die erste Nacht wieder im Auto verbracht.