Bade- und Fahrtag
Bretti ist vom gestrigen Badeerlebnis so begeistert, dass sie heute morgen direkt noch mal “rein springt”, also minimaler kurzer Wasserkontakt. Ich stecke nur meine Füße ins Meer und trinke dabei Kaffee, lange halte ich das am Stück aber nicht aus, es ist schon sehr kalt. Deswegen geht’s immer wieder aus dem Wasser, ist das schon eine Kneippkur?

Heute fahren wir wieder weiter. 250km zum Alexander Murray Trail, den wir morgen bewandern wollen. Die Fahrt geht recht ereignislos an der schönen Küstenlandschaft entlang. Zwischendurch gibt es eine Kuchenpause, der Blinker hinten links geht mal wieder nicht und Bretti fährt das erste Mal in Kanada. Ich mache mich als Beifahrer und automatischer Scheibenwischerbetätiger auch nicht schlecht, sagt sie. Wir haben zwei Geschwindigkeiten beim Scheibenwischer, die sind aber meistens viel zu schnell. Deswegen habe ich jeweils Taster für Fahrer und Beifahrer eingebaut, mit denen der Wischer einmal wischt. So hat der Beifahrer auch was zu tun und man hat quasi eine automatische Regenerkennung mit einstellbarer Geschwindigkeit. Nicht schlecht für ein 48 Jahre altes Auto. Diese Automatik tendiert aber durch das Beobachten der schönen Landschaft und Tiere am Wegesrand dazu, gelegentlich Auszufallen.
Wir stoppen mal wieder am Highway an einer Quelle und füllen unser Wasser auf. Dabei komme ich mit einem Einheimischen ins Gespräch. Er gibt sich extra Mühe akzentfreier zu sprechen, denn am Anfang verstehe ich nichts. 8 Fuß Schnee gab es diesen Winter, ca. 2,4 Meter. Auch den Einheimischen reicht es langsam mit dem Schnee und er versichert, das wars jetzt für dieses Jahr. Spoiler: Stimmt nicht, während ich das hier schreibe sind wieder ca. 5 cm gefallen. Das ist jetzt aber sicher der letzte Schnee, ab nächster Woche soll es wärmer werden. Auch das sagen unsere Wetter-Apps schon seit wir in Kanada sind.
Mit vollem Tank geht es weiter zum Übernachtungsplatz. Dieser liegt wunderbar an einer Bucht, ist aber noch komplett eingeschneit. Entsprechend fahren wir weiter. Es findet sich leider kein Platz in der Nähe, Nähe heißt so ca. 30 km Fahrstrecke, sodass wir uns entscheiden, die Wanderung ausfallen zu lassen. In den nächsten Tagen stehen noch genug Wanderungen an. Nach der enttäuschenden Stellplatzsuche, entscheiden wir uns, auf Nummer sicher zu gehen und fahren einen Platz an, den wir schon kennen. Das heißt aber noch mal 100 km weiter fahren. Dafür ist hier der Schnee schon viel mehr getaut, so dass wir sogar den schöneren Platz nutzen können. Schlammig aber auf einer Insel mitten im See. Wir sind jetzt wieder auf der Ecke, wo wir auf dem Weg nach Osten das Karibu gesehen hatten.
Wer hat mein Schloss gesehen?🏰
Nach den 360 km Strecke wollen wir nicht mehr viel machen. Als ich nach dem Aussteigen die Fahrertür abschließen will, sehe ich dass das Schloss weg ist. Das muss seit dem letzten Stopp vor 100 km einfach rausgefallen sein. Dass man die Tür jetzt nicht mehr abschließen kann, ist unpraktisch, aber immerhin kann man die von außen jetzt auch nicht mehr auf machen, top. Dafür wird uns schon noch was einfallen. Unser Schlossverschleiß nimmt langsam echt wilde Züge an.

Bretti hat schon Hunger und würde gerne einfach nur Nudeln kochen. Das kann ich mit Schokolade aber abwenden und bekomme Zeit, doch den ganzen Nudelauflauf zu machen. Während ich diesen zeitlichen Aufschub nutze, kommt noch ein älterer Herr mit seinem Pudel vorbei. Der Hund stört sich nicht am Matsch und möchte von Bretti gestreichelt werden. Süße Tiere und Schokolade sind der sicherste Weg eine hungrige Bretti bei Laune zu halten. Der Auflauf wird rechtzeitig fertig und das Unheil konnte wieder einen Tag abgewendet werden.
Beim Abwaschen fängt die Pumpe an, komische Geräusche zu machen. Der Schlauch an der Pumpe ist abgegangen und sie hat fleißig Wasser ins Auto gepumpt. Das hat heute noch gefehlt. An der tiefsten Stelle im Schrank, wo die Kühlwasserschläuche vom Motor in den Koffer kommen. Da meine Abdichtversuche scheinbar nicht 100% erfolgreich waren, läuft das meiste Wasser einfach raus. Der restliche Inhalt des Schranks wird vorne in die Fahrerkabine geräumt und nach etwas wischen, stellen wir hier unseren Ventilator auf. Durch die Kühlwasserschläuche ist der Schrank nach der nächsten Fahrt auch schon wieder trocken.

Gros Morne Nationalpark
Ich sammle noch die Reste des Schlosses aus der Tür und wir starten zum Gros Morne Nationalpark, das ist der bekannteste Nationalpark auf Neufundland. Wir haben gelesen, dass der Park auch im Winter teilweise geöffnet ist. Das bedeutet auch, dass man Eintritt zahlen muss, deswegen ist unser erstes Ziel das Visitor Center in Rocky Harbour. In den vielen Buchten des Parks soll es Robben geben und wir haben das Glück, eine schon bei der Fahrt zum Visitor Center auf dem Eis liegen zu sehen. Die Robbe verschwindet dann auch direkt in ihrem Atemloch. Wir haben viel gutes über die Visitor Center der Parks gehört und hier werden wir nicht enttäuscht. Es gibt viele Informationen über die Tierwelt des Parks und die geologische Entstehungsgeschichte. Wir werden mit Infomaterial und Karten überschüttet während das Gespräch mit der Mitarbeiterin immer weiter ins Französische abdriftet. Das Besucher-WLAN macht entspannt 300 Mbit Downloadgeschwindigkeit, was wir direkt nutzen, um die nächsten Spiele bei Steam runter zu laden und Fotos zu sichern.
Wie gesagt kostet dieser Park auch Eintritt und wir entscheiden uns für den Discovery Pass. Damit hat man, neben anderen Rabatten, freien Eintritt zu allen National Parks und Historic Sites. Das sind schon einige, siehe diese Karte. Viele von denen stehen eh auf unserer TODO-Liste. Der Pass kostet 167C$ das sind ca. 104€, gilt für 12 Monate und gilt für bis zu 7 Personen. Finden wir fair und falls uns einer von euch besuchen will, seid ihr schon inklusive. Leider ist beim Drucken der Gültigkeitsaufkleber ein Fehler unterlaufen, sodass es nur welche bis 03.27 gibt. Bis 04.27 sollten wir eigentlich bekommen. Wir sollen dann einfach durchrufen, die Leute vom Visitor Center regeln das dann. Ja… wir sind mal gespannt. Potentiell sind wir dann eh nicht in Kanada, aber man weiß ja nie.
Da das Wetter mittlerweile grau und kalt ist, wollen wir heute nicht mehr wandern, sondern fahren die Panoramastraße des Parks gen Norden. Die Sicht auf die Berge und das Meer ist wunderbar. Wir fahren bis zum the Arches Provincial Park um dort zu Übernachten.

Es sind wieder 100km, aber im Nationalpark darf man nicht übernachten, dafür lässt die Aussicht die Zeit schnell verfliegen. Es wird überall vor Karibus gewarnt, aber es zeigen sich erstmal keine. Bretti kann dann irgendwann zwei Tiere im Vorbeifahren erspähen, diese sind aber ziemlich weit weg. Als wir den Park nach Norden verlassen sind wir deswegen etwas enttäuscht. Kurz vor dem Übernachtungsplatz erspäht Bretti erst eins, dann noch eins und dann ganz viele Karibus, die recht nahe an der Straße auf einer Wiese rumliegen. Es bietet sich eine passende Parkbucht an, also stoppen wir direkt.

Das Bild ist nicht optimal, die Karibus lagen mit dem Rücken zum Wind auf der Wiese rum, aber wer will es ihnen verübeln. Das hier dürfte ein Weibchen sein, die Männchen haben ihr Geweih nach der Brunft im Herbst schon abgeworfen.

Wir beobachteten die Herde noch eine ganze Zeit und fahren dann weiter.
Die Bögen des Arches Provincial Parks sehen schon cool aus, leider ist es hier extrem vermüllt. Wir sammeln ein paar Hände voll ein, aber es ist hoffnungslos. Bevor wir uns wieder in den Volvo verziehen, tausche ich noch die kaputte Blinkerbirne. Diese zerspringt beim Versuch des Ausbauens direkt, vermutliche hatte sie von vorne rein eine Macke. Die nächste Ersatzbirne ist auch schon kaputt, aber die letzten zwei sind heil. Langsam wird es Zeit, neue aufzutreiben. Die Sicht auf das Meer ist hier wunderbar und wir schauen der Sonne beim Untergehen zu. Es gibt Reste vom Nudelauflauf und wir testen die neuen Spiele. Es ist ein gelungener Abend.




Besuch auf dem Campingplatz
Wie geplant soll heute gewandert werden, passend dafür ist es windig und es schneit bei maximal -1°C. Wir genießen noch die Aussicht aus dem Warmen beim Frühstück und dann geht es los zum Wanderweg. Wir hatten uns auf der Fahrt nach Norden noch ein paar Stellen markiert, wo man potentiell Robben beobachten kann. Diese mögen aber keinen Regen und scheinbar auch keinen Schnee. Da bleiben sie lieber im Wasser und liegen nicht auf den Felsen vor der Küste. Also gibt es für uns leider keine Robben zu sehen.
An der Stelle, wo wir gestern die Karibus beobachtet haben, hängen immer noch einige ab. Scheint ein guter Platz zu sein. Der Wanderweg startet von einem der Nationalpark Campingplätze und bevor wir dort einbiegen trottet noch ein Karibu gemütlich über die Straße zu seiner Herde, die dort wartet. Die Mitarbeiterin des Visitor Centers hatte uns gesagt, dass der Campingplatz auch im Winter “auf hat”. Das bedeutet, dass man gegen Geld übernachten darf, es ein Plumpsklo gibt und das Küchenhaus offen sein sollte. Wir vermuten, dass hier diesen Winter noch niemand war, zumindest nicht mit einem Auto. Mit Allrad überwinden wir den Schneeberg vor dem Eingang und fahren zum Anfang des Trails. Hier suchen wir uns eine gemütliche Parzelle aus, es sind alle frei.

Wir wollen hier den Coastal Trail wandern, dieser hat die besten Chancen, nicht eingeschneit zu sein. Der Weg führt zuerst durch den Küstenwald und dann hinter dem Strand entlang. Im Wald gibt es zwar einige hohe Schneewehen, aber diese sind komplett eingefroren. Anstatt im Schnee einzusinken, müssen wir hier eher aufpassen, nicht auszurutschen. Der Hinweg ist richtig schön und uns ist angenehm warm. Ein paar Gänse sind nicht sehr begeistert von unserer Anwesenheit, machen aber nach etwas Geschnatter auch Platz. Nach ca. 3km erreichen wir das Ende und machen uns auf den Rückweg. Mittlerweile haben Schnee und Wind ordentlich zugenommen. Der Wind bläst uns fleißig ins Gesicht und unsere Spuren sind unter neuem Schnee verschwunden. Zum Glück kommt einem der Rückweg immer kürzer vor und wir erreichen zufrieden das Auto.



Wieder am Auto entscheiden wir uns gegen eine zweite Wanderung und fahren nach Norris Point. Hier stehen wir direkt am Wasser und hoffen, noch eine Robbe zu sehen. Morgen geht es in den südlichen Teil des Parks zum Tablelands Trail. Kalt und grau soll es weiterhin sein, aber dafür weniger schneien. So zumindest der Plan, wie das geklappt hat lest ihr in Teil 2.


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