Am nächsten Morgen ging die Tür ohne Probleme auf, denn die Sonne schien schon fleißig auf die rechte Seite des Volvos. Diese Nacht war sehr erholsam, denn wir haben zum ersten Mal passend zur Zeitzone geschlafen. Wie immer gab es erstmal Frühstück, heute leider ohne Sekt, denn wir wollen zu unserem ersten Nationalpark in Kanadas, dem Kejimkujik-Nationalpark. Vorher nutzen wir das wunderbare Wetter noch, um einen Geocache einzusammeln und das Auto von Schnee zu befreien. Da hatte sich doch einiges angesammelt und so wird das nichts mit Solarenergie. Nach einem Tag ohne Fahren, mit Heizen und allem drum und dran ist unser Akku nur noch bei 40%. Völlig ausreichend, aber bevor der Schnee noch komplett festfriert, runter damit.

Nach dem es wieder gratis Energie von unserem Lieblings-Fusionsreaktor gab, ging es los zum Park. Wir wussten, dass der Park “seasonal closed” ist, aber man trotzdem rumlaufen kann. Was das genau bedeutet und ob man trotzdem Eintritt zahlen muss, wussten wir nicht. Vor Ort waren alle Gebäude bis auf ein Plumpsklo geschlossen, aber der Parkplatz war offen und keiner wollte Geld von uns haben. Es wäre auch niemand da gewesen zum Kassieren. Wir machten eine kurze aber seeeehr schöne Wanderung entlang des Flusses und durch den verschneiten Wald. Es schien die ganze Zeit die Sonne, sodass ich mein Gesicht eingekremt habe. Alleine durch den Sonnencremegeruch fühlte es sich gleich 1 bis 2 °C wärmer an.



Nach unser Wanderung haben wir die gut sortierten Mülleimer des Parks genutzt, um etwas Müll loszuwerden. Generell versuchen wir auf Reisen, Müll dort loszuwerden, wo er am einfachsten abgeholt werden kann. Also in Städten, an Straßenrastplätzen etc. und nicht dort, wo es viel Aufwand macht oder es tendenziell zu wenig Mülleimer gibt. In Kanada haben wir allerdings bisher nur an solchen Parks und Sportplätzen öffentliche Mülleimer gefunden. Das widerspricht zwar unserem Grundprinzip, aber irgendwo muss der Kram ja hin. Verpackungssparsam einkaufen ist hier hoffnungslos. Wir schauen weiter. Die Mülleimer im Park sind zumindest riesig, sodass genug Platz für andere Menschies bleibt.
Die deutsche Bäckerei in Annapolis Royal
Weiterging es zu einer deutschen Bäckerei, die zwar saftige Preise aber noch besseres Brot und Deutsches Gebäck verkaufen soll. Die Bäckerei war leider auch zu. Man merkt schon stark die Off-Season. Man sah uns unseren Wunsch nach Kaffee und Gebäck vermutlich schon an den Gesichtern an, denn wir wurden direkt von einem älteren Pärchen angesprochen. Die beiden meinten, das Örtchen sei im Winter quasi tot, aber um die Ecke gäbe es noch ein Café welches offen habe. Sie wären sonst im Winter immer in Asien unterwegs, denn im Winter in Kanada bleiben könnten sie immer noch, wenn sie zum Reisen zu alt sind. Wie alle Begegnungen bisher war es ein kurzes, aber sehr nettes Gespräch. Irgendwie sprechen uns immer nur ältere Leute an.
Nach Heißgetränk, Brownie und fleißigem Nutzen des kostenlosen WLans machten wir noch einen Spaziergang um die alte Festungsanlage und erfuhren viel über die abwechslungsreiche Geschichte des Ortes vor und nach den europäischen Siedlern. Wir schauten noch in einem kleinen Bio/Unverpackt-Laden vorbei. Ein paar vegane Sachen konnten wir finden, da es aber unter anderem keine dunkle Schokocreme für Bretti gab, zogen wir etwas unzufrieden weiter.
Der Hummerhafen
Zum Übernachten fuhren wir die Bay of Fundy entlang zu einem kleinen Hummerhafen. Bevor wir uns ins gemütliche warme Auto verzogen, machten wir noch einen Spaziergang am Strand. Wie immer wenn wir unterwegs sind, haben wir auch hier Müll gesammelt. Dieses Unterfangen mussten wir aber nach kurzer Zeit aufgeben, die Mengen an Müll der Fischereiindustrie war nicht mehr zu beseitigen. Es ist etwas kontraproduktiv, wenn man seinen Müll schon nicht los wird, auch noch Müll zu sammeln, aber liegen lassen ist auch keine Option. Die großen gesellschaftlichen Veränderungen für Müllvermeidung müssen natürlich trotzdem passieren. Allerdings wäre die Welt für uns alle ein kleines bisschen schöner, wenn jeder Spaziergänger oder Spaziergängerin etwas von dem Müll mitnehmen würde.


Wir haben uns den Luxus gegönnt und eine Dusche in den Volvo gebaut. Diese sollte heute zum ersten mal auf der Reise genutzt werden. Es wäre sicherlich vorteilhaft gewesen, vorher zu testen, ob wir nicht zu schräg stehen, damit das Wasser vernünftig ablaufen kann. Habe ich aber nicht. In weiser Voraussicht habe ich aber immerhin den Boden um die Dusche abgedichtet, sodass wir das Wasser einfach aus der Tür haben ablaufen lassen. Nicht optimal aber die Heizungsrohre werden etwaige Undichtigkeiten schon wieder trocknen.
Nach dem Duschen, Kochen und hitzigen Gesprächen über den ganzen Müll, den wir Menschen in die Landschaft werfen, erreichte das Thermometer zwischenzeitlich 35°C im Auto. Somit ließen wir den Abend in T-Shirt und Boxershorts ausklingen, während der Wind ums Auto heulte.
Cape Split
Heute ist ein “restock”-Tag. Der gestern gesammelte Müll will weg gebracht werden und eingekauft wird auch wieder. Ja, wir kaufen momentan gefühlt jeden Tag ein. Wir hoffen immer noch auf eine bessere Auswahl bei der nächsten Supermarktkette. Die gab es hier leider wieder nicht. Außerdem müssen wir mal wieder tanken. Der Volvo war schon immer ein durstiger Zeitgenosse, aber in Kanada gönnt er sich gerne noch 2-4l mehr auf 100km. Das mag an der bergigen Landschaft liegen, am Reisegewicht von über 4 Tonnen oder daran, dass es jeden Morgen Bacon und Eggs gab. Wir werden es nie erfahren. Das Benzin ist zwar relativ günstig, aber der Tank bleibt im Verhältnis zum Verbrauch klein. An Tankstellen sind wir immer das Highlight und man ist schnell in einem kurzen Gespräch über Autodinge verwickelt oder man beschwert sich zusammen eben über die Spritpreise. Alles wie zuhause. So lief es auch in Canning mit dem Unterschied, dass der Herr einen absolut brutalen Akzent gesprochen hat, dass wir kaum was verstanden haben. Vorher hatten wir alle Menschies gut verstanden, von daher waren wir hier etwas überfahren. Das scheint hier üblich zu sein, ergab unsere Stichprobe von Gesprächspartner Nr. 2 beim Einkaufen kurz darauf.
Um den Tag nicht nur im Auto zu verbringen, sind wir zum Wanderparkplatz von Cape Split gefahren. Allein die Aussicht vom Parkplatz aus ist schon den Weg wert. Uns war klar, dass wir mit dem Start um 14:00 Uhr und mangels Kondition nicht die ganze 13km lange Runde bis an die Spitze schaffen würden. Auf der Karte waren mehrere Aussichtspunkte eingezeichnet und zumindest zum ersten wollten wir noch hinlaufen. Auf dem Weg haben wir wieder recht fleißig Geocaches eingesammelt, was aber dazu führte, dass wir erst nach 1,5 h im Bereich des ersten Aussichtspunkts ankamen. Die Geocaches ließen sich gut finden, der Aussichtspunkt war hingegen nicht aufzutreiben. Der einzige passende “Weg” führte uns ziemlich weit wieder nach unten und die Position passte auch nicht zur Karte. Aussichtspunkt unten ist ja auch mal völliger Quatsch, den ganzen Weg müssen wir ja auch wieder hoch. Nach einigem hin und her brachen wir die Suche nach dem Aussichtspunkt ab. Der nächste Aussichtspunkt in 2km wirkte auch nicht vielversprechender und untrainiert sind wir natürlich auch noch, also machten wir uns auf den Rückweg. Am Ende waren es ca. 6km auf und ab, 3 1/2 gefundene Geocaches und ein verschollener Aussichtspunkt. Wir hätten gerne die ganze Wanderung gemacht, aber am nächsten Tag ist viel Regen angesagt und somit bleibt Cape Split unbewandert. Wieder am Parkplatz suchte ich noch das Loch in unserer Benzinleitung. Es scheint keins zu geben, somit muss der erhöhte Verbrauch wohl am Baconkonsum liegen. Gut, dass der Bacon alle ist, das schont in mehrfacher Hinsicht die Reisekasse.
Service Hinweis: Parkt nicht so, dass ihr beim Öffnen des Werkzeugfachs in einem Dornenbusch hängt. Für euch getestet, keine Empfehlung.



Burntcoat. Spazieren auf dem Meeresgrund
Heute soll es seeehr viel regnen und deswegen fahren wir viel Auto. Allerdings gibt es hier an jeder Ecke was zu sehen und wir haben einen Zwischenstop am Burntcoat Head Park eingeplant. Hier kann man bei Niedrigwasser auf dem felsigen Meeresgrund rumlaufen und in die Höhlen gehen, die das Wasser in den roten Sandstein gegraben hat. Vorher heißt es aber erstmal 120km Auto fahren. Gefühlt ist immer alles zwischen 100 und 150km weit weg. Während wir als mobile Verkehrsberuhigung auf dem Highway unterwegs sind, hat es auch ordentlich angefangen zu regnen. Wenn der Wind dann noch richtig steht, tropft es im Fahrerhaus auch fleißig auf das Armaturenbrett. Bisher haben wir nicht rausgefunden, wo genau das Wasser reinkommt, aber es ist so wenig, dass das bei so einem alten Auto auch nicht weiter tragisch ist. Es sind ja genug Löcher im Boden, wo es wieder abläuft. Passenderweise tropft es genau auf unseren Autoabmessungsaufkleber, bei dem ich während ich ihn festklebte noch sagte: “Wie soll der hier denn nass werden? Der braucht keine Schutzschicht” Naja… nicht so gut gealtert.
Angekommen am Park stellten wir wieder mal fest, dass der Parkplatz gesperrt ist. Auch dieser Park ist seasonal closed, warum dann aber teilweise der Parkplatz und nicht der Zugang zum Park gesperrt wird, ist uns schleierhaft. Wir waren zu Niedrigwasser da, entsprechend hatten wir ausreichend Zeit uns umzuschauen. Das Herkommen hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Dimensionen und der rote Sandstein sehen beeindruckend aus. Weniger beeindruckend ist, dass unsere beiden Regenjacken dem Dauerregen bedingt standhalten wollten, also zog es uns dann doch zeitig zum Auto zurück.



Den restlichen Tag sind wir noch durch regnerische Wälder gefahren und haben uns einen Übernachtungsplatz gesucht. So wie diesen Platz stellen wir uns noch ganz viele Plätze unserer Reise vor. Kurz von der Straße abfahren und direkt einen schönen Stellplatz am Fluss finden. Ab und zu hört man ein Auto, aber der Fluss übertönt alles mit seinem Rauschen und wiegt einen in den Schlaf.



Da es doch wieder viel zu erzählen gab, haben wir diese Woche auch wieder auf zwei Teile aufgeteilt. Mehr also in Teil 2.
