Richtung Alaska mit Aussicht auf Wolken
Wir starten den Tag mit Nebel verhangenen Bergen und einem Bad im eiskalten Fluss/See. Gut, dass wir hier gestern die Aussicht noch genießen konnten, denn heute sieht man nicht mal mehr den Fuß der umliegenden Berge.
Wir fahren den Weg zurück zur Straße und schrecken eine Gruppe Ptarmigans auf. Zwei der Gruppe entscheiden sich aufgeschreckt, vor uns die Straße lang zu laufen, anstatt in das seitliche Gebüsch zu verschwinden. Wir halten irgendwann einfach an und warten etwas. Bei unserer Weiterfahrt sind sie immerhin verschwunden.
Es folgt noch die spektakuläre Flussdurchfahrt mit dem folgenden Anstieg, der uns diesmal gar nicht so schräg vorkommt wie noch auf dem Hinweg. Beim Hinweg steckte uns wohl die letzte Tour noch zu sehr in den Knochen.
Es geht weiter Richtung Süden, also Richtung Haines in Alaska. Es ist schon irgendwie sonderbar, wieso Alaska hier an der Küste entlang geht und Kanada vom Meer abschneidet. Die Städte dürften als Versorgungspunkt für Seereisen nach Alaska früher sicher sinnvoll gewesen sein. Dass ihr einziger Landzugang nur durch Kanada führt, ist schon etwas schräg, gerade wenn man an den aktuellen Handelsstreit der beiden Länder denkt. Wäre sicher interessant, wie die Bewohner von Haines, Skagway und der ganzen anderen Städte ohne Landverbindung in die USA das ganze sehen.
Für uns bedeutet das heute aber nur, dass wir noch nicht bis an den Pazifik fahren können. Wir stoppen auf dem Weg bis an die Grenze immer wieder und bestaunen die alpine Landschaft mit ihren wolkenverhangenen Bergen. Je näher wir der Grenze kommen desto mehr senkt sich das Gelände ab und wir stecken bald mitten in der Wolkendecke mit Sichtweiten unter 50 m. Das hält die meisten anderen Autofahreries nicht vom Rasen ab. Wir sind etwas unschlüssig, ob langsam fahren so eine gute Idee ist, wenn uns die Leute mit Vollgas einholen. Wir entscheiden uns für eine mittlere Geschwindigkeit und Warnblinklicht, eine Nebelschlussleuchte besitzen wir leider nicht.


Durch die wenige Sichtweite, sehen wir auch keine Wildtiere. Wir versuchen, noch etwas dichter an den Fluss in der Talmitte zu kommen, aber der einzige Zufahrtsweg endet 20 m über dem Fluss in den Bäumen. Wir hatten gehofft, hier vielleicht Lachse zu sehen, denn dieser Fluss fließt direkt in den Pazifik bei Haines. Das Gebiet ist bekannt für seine Lachswanderung und die fischenden Grizzlies. Aus der Distanz und im Nebel sehen wir so leider nichts von beidem. Dafür war der Weg sogar für unsere Verhältnisse recht zugewachsen. Die Äste waren sehr dünn und mit den ganzen nassen Blättern ist der Volvo vorne und an den Seiten jetzt richtig sauber. Natur Waschanlage quasi.

Wir drehen an der letzten Wendemöglichkeit vor der Grenze um und fahren den ganzen Weg wieder hoch. Die Wolken reißen sogar etwas früher wieder auf und wir haben wieder einen schönen Blick auf die Berge. Unser Weg führt uns heute auf den Wanderparkplatz des Chuck Creek Trails. Eine größtenteils flache dafür mit 22 km recht lange Wanderung. Dafür lockt am Ende die Aussicht auf den Samuel Gletscher. 22 km sind für uns definitiv zu viel, aber wir hoffen, morgen immerhin einen Blick auf den Gletscher zu erspähen. Morgen soll das Wetter auch wieder besser werden, heute bleibt es bewölkt und regnerisch, deswegen bleiben wir im Volvo. Bretti macht noch einen Apfelkuchen bzw. eine schwedische Apfeltorte ohne Sahnetopping. Wir kochen auch noch und nutzen einen neuen Sahneersatz, dieser taugt leider nicht in herzhaften Speisen. Auch ungesüßt bringt es zu viel Süße selber mit, im Kuchen macht er sich dafür ganz gut. So hat die Soße einen besonderen Touch, kann man aber trotzdem gut essen. Wir lassen den Abend dann noch gemütlich im Volvo ausklingen.



Dienstag ist Wandertag
Der Titel ist heute Programm, aber bevor es los geht wird natürlich gut gefrühstückt und ein paar Brote geschmiert. Während des Frühstücks sieht Chris einen SUV auf der Straße vorbei fahren. Er meint daraufhin, dass seine Wahrnehmung von Autos völlig verzerrt ist, da sein erster Gedanke war: “Oh ein kleines Auto”. Es wird sicher wieder spannend, in Europa auf normale Autogrößen zu stoßen, auch wenn sie dort ebenfalls immer größer werden.
Nun brechen wir zur Wanderung auf. Sie führt durch sehr schön blühende Berglandschaften. Wir sehen viele Bärenhinterlassenschaften, aber keine größeren Wildtiere. Dafür unzählige Erdhörnchen, was Chris beim Fotografieren regelmäßig entzückte Ausrufe ausstoßen lässt.








Wir sehen noch zwei Northern Harrier (Hudsonweihe), wieder Ptarmigans (Schneehühner) und einige kleinere Vögel. Nach 7 km kommt auch der Gletscher langsam in Sicht. Wir sind motiviert und der Aussichtspunkt ist nur noch 4 km entfernt. Da wir den ganzen Weg natürlich auch noch zurück gehen müssen, entscheiden wir uns aber, vor der zweiten Flussquerung eine Pause zu machen und dann umzudrehen, den Gletscher sehen wir auch von hier schon. Das ist auch definitiv die bessere Entscheidung, denn am Ende werden wir nach 15,5 km ganz schön platt sein.


















Der Rückweg ist genau so schön wie der Hinweg und so haben wir auch ohne den Aussichtspunkt eine super Zeit. Es sind noch richtig viele Hummeln unterwegs, damit hätten wir schon gar nicht mehr gerechnet, nachts fallen die Temperaturen hier schon unter 0°C. Zurück am Auto gibt es Kaffee und Kuchen. Schön, die geschafften Beine hochlegen zu können, die letzten 4 km haben sich noch ganz schön gezogen.

Da wir in einer Woche Besuch bekommen, bricht nun schon das Ende unserer Zeit in der Gegend hier an. Wir können uns an der Landschaft ehrlich gesagt gar nicht satt sehen. Die nächsten Tage stehen aber über 1000 km Strecke an, also fahren wir heute noch 120 km den Weg zurück bis kurz vor Haines Junction. Um uns den Abschied noch schwerer zu machen, sehen wir auch noch einen Schwarzbären am Straßenrand. Dieser ist aber sichtlich durch unsere Anwesenheit irritiert, also fahren wir nur an ihm vorbei. Wir stehen heute an einem kleinen Fluss, wo wir seit langem mal wieder mehrere andere Reisende sehen. Viele Plätze sind dank der späten Ankunftszeit schon belegt, aber hier gibt es zum Glück endlos viele weitere und so finden wir auch noch einen Platz direkt am Fluss mit einem tollen Blick auf die Berge. Geschafft lassen wir den Tag hier ausklingen.





Erster Fahrtag Richtung Terrace
Wir werden unseren Besuch in Terrace einsammeln, dafür geht es die nächsten Tage den Alaska Highway zurück nach British Columbia. Durch die Tage hier in den Bergen sind unsere Vorräte ziemlich aufgebraucht und so starten wir heute ohne Frühstück. Zum Glück ist die Village Bakery in Haines Junction nicht weit. Wir essen was zum Frühstück vor Ort und packen noch 4 Stück Brownie ein. Man kann schließlich nie genug Kuchen haben und es steht ein Geburtstag ins Haus. Leider enttäuscht der Kaffee diesmal etwas. Chris hat diesmal einen großen Americano bestellt und Bretti meint, der wurde am Ende noch mit heißem Wasser aufgefüllt. So hat er leider auch geschmeckt.


Außer dem Kaffee ist hier alles wieder sehr lecker und so kann es frisch gestärkt weiter gehen. Wir stoppen wieder beim Visitor Center des Kluane Nationalparks, denn letztes Mal hatten wir das inkludierte Cultural Center der lokalen Natives nicht mehr geschafft. Auch dieses ist ganz ansprechend gestaltet und wir lernen viel über die Geschichte und die Traditionen. Lohnt sich auf jeden Fall auch, man muss nur ordentlich geistige Kapazität zum Lesen der ganzen Texte mitbringen. Wir fragen uns, wie lange es wohl gedauert hat, den Text über die Vertreibung und Wiederansiedlung der Natives, so zu schreiben, dass beide Seiten zufrieden waren. Hier unter einem Dach ist man sicher bemüht, das ganze neutraler dazustellen. Die Realität war sicher grauenhaft. Immerhin wird das ganze hier nicht verschwiegen und aus Geschichtsbüchern gelöscht wie in anderen Teilen Nordamerikas.




Nach diesem Stopp geht es 120 km zurück nach Whitehorse. Hier kaufen wir wieder neue Vorräte. Gut ausgestattete Supermärkte gibt es im Yukon nur hier. Ein Stopp bei Chris Lieblingsbrauerei in Kanada, Yukon Brewing, darf natürlich auch nicht fehlen. Wir nutzen noch die günstige Tankmöglichkeit und fahren weitere 200 km bis über die Grenze nach British Columbia. Kurz vor unserem Ziel futtert sich ein sehr großes Stachelschwein durch die Begrünung an der Straße. Chris verdrängt irgendwie, dass er auch Aussteigen könnte zum Fotos machen, durch die dreckige Scheibe sind die Bilder so lalala.



Bretti lässt in alter Posermanier den Motor aufheulen, sie kann einfach nicht aus ihrer Haut. Unerwarteterweise verzieht sich der Baumstachler dann ins Gebüsch und nimmt nicht ihre Aufforderung zu einem Rennen an. Bergauf wäre das vermutlich ein Kopf an Kopf Rennen geworden.
So kommen wir ohne Rennen am heutigen Ziel an, die Recreation Site Morley Lake. Hier haben wir auf dem Hinweg schon ein paar Tage verbracht und so werden wir es auch diesmal machen. Im Gegensatz zum letzten Mal ist es recht voll, aber wir finden noch ein Plätzchen mit netter Sicht auf den See. Da Morgen Brettis Geburtstag ist, werden wir eine Pause von unserem rasanten Reisetempo einlegen und hier bleiben. Sektfrühstück, Kuchen essen und Boot fahren steht auf dem Programm.

Wie es Bretti in ihrem neuen Lebensjahr geht lest ihr dann im nächsten Teil.


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