Backen eskaliert
Der Freitagmorgen startet mit dem Geräusch von Regentropfen auf dem Dach. Im Bett in die Decke eingemummelt ist das schon sehr gemütlich. Wir können aber nicht den ganzen Tag liegen bleiben, denn heute verabschieden wir uns wieder vom Cape Bonavista. 200 km Strecke liegen vor uns. Wir fahren zu einem uns schon bekannten Platz in der Nähe von Butts. Zwischenstopp ist eine Tankstelle, die mit einem Alkoholgeschäft kombiniert ist, beste Kombi sowas.
Am bekannten Übernachtungsplatz angekommen ist dieser schon besetzt. Eine Familie hat dort zwei Zelte aufgeschlagen. Zum Glück gibt es hier mehrere Parkmöglichkeiten und mit Allrad kommen wir auch entspannt über den zusammengeschobenen Schnee. Freundlicherweise hat sich der Regen nun auch in Sonnenschein verwandelt. Erstes Projekt vor Ort ist duschen. Damit wir diesmal wirklich warmes Wasser haben, wollen wir das gleich als erstes machen, solange das Wasser im Boiler noch von der Fahrt aufgeheizt ist. Es klappt und wir können beide warm duschen. Das Wasser läuft diesmal auch ab, wenn auch nur langsam. Wir sind dem Problem aber schon auf der Spur.
Nachdem wir nun wieder fresh und funky sind, starte ich (Bretti) das nächste Projekt, kochen und backen. Und was für ein Projekt das werden würde. Kochen ist schnell erledigt, denn zum Rest der Soße vom Vortag werden einfach nur Nudeln gekocht. Das Backen wird jedoch zu einem tagfüllenden Akt. Ich habe mir nämlich vorgenommen, Donauwelle zu machen, jedoch bin ich irgendwie von meinem Plan, nur das halbe Rezept zu machen, abgekommen. Dementsprechend habe ich viel zu viel Teig, den ich auf zwei Kuchen aufteilen muss. Wir backen in unserem Omnia, für den wir zwei Silikonformen haben, die nun auch beide in Anspruch genommen werden. Allerdings kann nur eine zur Zeit in den Omnia rein, weshalb die Kuchenteige nacheinander backen müssen.

Währenddessen bereite ich die Pudding-Buttercreme vor. So 100% funktioniert das leider auch nicht, da der Instantpudding, den ich im Laden als Puddingpulver gefunden habe, sich nicht so gut mit der Margarine vermischt. Es flockt leicht. Außerdem bemerke ich jetzt erst, dass die Margarine etwas salzig ist. Aber naja, mit dem süßen Teig zusammen wird das schon schmecken. Anstatt Kirschen nehme ich übrigens Kirschmarmelade. Die Kuchenböden sind fertig und das Schichten beginnt. Beide Formen sind am Ende gut gefüllt und werden noch mit geschmolzener Schokolade überzogen. Nun gilt es nur noch einen kühlen sicheren Platz zu finden, wo die Kuchen sicher stehen können. In einem Camper, wo jeder Platz genutzt wird, gar nicht so einfach. Nun ist es auch schon später Abend. Ich falle zu Chris auf’s Sofa und wir gucken noch ein bisschen was, bevor es dann ins Bett geht. Was für ein Tag. Viele Schritte haben wir heute nicht gemacht, nur 650, Rekordtief, fast schon wie Zuhause, wenn wir einen langen Arbeitstag im Home-Office verbringen.

Auf nach Twillingate
Der Samstag beginnt sonnig aber kalt mit Minusgraden, sogar unser Abfluss ist mal wieder eingefroren. Heute geht es nach Twillingate, vorher müssen wir noch einkaufen, diesmal im Dominion. Dort finden wir soweit alles, was wir brauchen. An der Kasse sehen wir ein Heft von National Geographic zu Nationalparks. Wie passend, denken wir, da können wir schon mal stöbern für die nächsten Reiseziele und auch in Deutschland wieder mal reingucken, um in Erinnerungen zu schwelgen. Was wir nicht gesehen haben, es geht gar nicht um Nationalparks in Kanada, sondern in den USA. Naja, gut, dass wir da ja auch noch hinwollen. 😀 Ein weiteres “Highlight” im Supermarkt ist für mich eine Tüte mit “Eggs to go”. Da sind gekochte, schon gepellte Eier drin. Warum man die nicht auch unterwegs einfach pellen kann, ist mir ein Rätsel, aber gut. Hier werden die Eier ja auch gewaschen, was super unpraktisch ist, weil die dann gekühlt werden müssen.
Die weitere Fahrt nach Twillingate ist richtig schön. Wir fahren bei bestem Wetter an der Küste entlang und glauben, eventuell sogar zwei Otter im Wasser gesehen zu haben. Kurz bevor wir ankommen, machen wir noch eine Pause und essen ein Stück Kuchen. An dem Parkplatz gibt es auch einen Mülleimer. Eine Möglichkeit für uns mal wieder Müll loszuwerden? Leider nicht. Der Mülleimer ist zugeschraubt, mit einer Vierkantschraube. Warum auch immer. Vierkantschrauben scheinen die hier viel zu nutzen, das ist uns schon im Baumarkt aufgefallen. Torxschrauben gibt es zwar auch, die kosten dafür dann gleich richtig viel. Ein Mysterium für sich.
Spiller’s Cove – kein Photoshop
Weil wir bei dem schönen Wetter und der schönen Küste nicht nur im Auto sitzen wollen, haben wir uns heute auch noch einen Trail rausgesucht an der Spiller’s Cove. Der Weg dahin ist ein bisschen abenteuerlich, da er zum Teil mit durchgefrorenem und dann wieder angeschmolzenem Schnee bedeckt ist. Dazu gibt es noch tiefe Spurrillen und Schlaglöcher. Hier lenkt das Auto selbst. So sammeln wir ein bisschen “Offroad-Erfahrung”.
Die Wanderung führt direkt an der Küste entlang und liefert richtig schöne Aussichten aufs Meer und die einzelnen Buchten. Es geht viel auf und ab und immer wieder durch Schneefelder, die entweder durchgefroren und spiegelglatt sind oder in die man knietief einsinkt. Es wird also mal wieder eine richtig schöne und recht anstrengende Wanderung. An einzelnen mit Eis überfrorenen Abstiegen hangeln wir uns von Baum zu Baum. Die größeren Erhebungen bestehen aus Granitfelsen. Der Wechsel aus Schnee und Granit wirkt irgendwie surreal als hätte jemand Photoshop benutzt.



Stellplatzsuche auf Twillingate
Gegen 17 Uhr kommen wir dann wieder beim Auto an und es wird Zeit, einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Der erste, den wir anfahren, hat eine wunderschöne Aussicht und der Platz ist sogar schneefrei. Allerdings liegt auf dem relativ steilen Weg dahin mindestens 1 m Schnee und wir haben Sorge, ohne den genauen Verlauf der Straße zu sehen, seitlich in den verschneiten Graben zu rutschen. Bevor wir Option Nr. 2 anfahren, statten wir dem Long Point Lighthouse noch einen Besuch ab. Wieder ein wunderschöner Ausblick mit einer untergehenden Sonne. Hier gibt es ein Café, das aber natürlich entgegen der Behauptung von Google zu hat. Offseason halt. Die Insel ist zum Glück nicht groß, so dass der nächste mögliche Stellplatz nicht weit enfernt ist. Im Zweifel haben wir auch noch den Wanderparkplatz an der Spiller’s Cove als Backup. Option Nr. 2 ist aber zum Glück erreichbar. Die Zufahrt ist nur etwas eingeschneit und mit Allrad ohne Probleme befahrbar. Als wir uns die Gegend noch einmal genauer angucken, entdecken wir, dass der Weg noch weiter geht und zum Strand führt. Den Quad-Spuren folgend fahren wir über den steinigen Strand an einen sogar ziemlich geraden Platz. Die Räder drehen nur an einer kleinen sandigen Stelle leicht durch. Wieder ein paar Offroad-Eindrücke, die die heutigen Erfahrungen ergänzen, von Schnee, Sand und Steigungen war alles dabei. Bei allem fühlten wir uns recht sicher, wobei wir ja schon gelernt haben, dass Schnee gepaart mit Steigung echt der Endgegner sein kann. Heute haben wir auch wieder ein “normaleres” Schrittepensum von 12.000 Schritten erreicht. Bei dem ganzen Kuchen auch nötig.


Bestes Badewetter
Der Tag begrüßt uns mit Sonnenschein und gepaart mit dem Blick auf’s ruhige Meer ist es einfach zu verlockend, um nicht kurz hineinzuspringen. Sobald wir aus dem Auto hüpfen, zweifeln wir an unserer Entscheidung, doch nun ziehen wir das auch durch. Ein richtiges Baden ist es vielleicht nicht, die Füße sind drin und der restliche Körper wird nass gespritzt. Eine kurze arschkalte Erfrischung bei 4°C Luft- und Wassertemperatur. Die Füße spüren wir danach nicht mehr, aber das wars wert. Das erste Mal im Meer in Kanada *wuhu*.
Heute bleibt das Auto stehen. Wir haben Schimmel-Spray besorgt und bearbeiten nochmal die hinteren Ecken im Auto. Dafür wird rumgeräumt und ordentlich gelüftet. Chris guckt sich außerdem auch nochmal den Zündverteiler an. Dann wird noch geputzt, unsere Ausgaben durchgerechnet und am Blog geschrieben. Kleiner Downer bei den Ausgaben, wir zahlen 100€ mehr für Sprit im Monat als wir eingeplant hatten. Die Spritpreise steigen auch hier deutlich, obwohl Kanada den Sprit eigentlich selbst herstellt. Aber was fahren wir auch mit so einem Spritschlucker rum. 😀
Nach getaner Arbeit wollen wir uns in die Sonne setzen und aufs Meer gucken, nur dass die Sonne sich nun hinter Wolken versteckt und es mit dem Wind doch ganz schön frisch wird. In Wolldecken eingemummelt verbringen wir dort trotzdem einen Moment. Während wir da so sitzen kommt eine Neufundländerin vorbei und schnackt uns an. Sie flucht etwas darüber wie kalt es hier ist und dass sie doch wieder nach Nova Scotia ziehen wolle, wo sie eine Zeit lang gelebt habe. Sie erzählt uns auch von den Eisbergen, die letztes Jahr im April wohl schon zu tausenden vor Neufundland schwammen. Dieses Jahr ließen sie aber auf sich warten, so wie das Ende des Winters. Nachdem sie sich von uns verabschiedet hat, wärmen wir uns drinnen bei einem Stück Kuchen wieder auf. Etwas später wollen wir noch einen Spaziergang machen.


In Yellowknife trägt man kurze Hosen
Am späten Nachmittag bricht der Himmel wieder auf und die Sonne kommt nochmal raus. Als wir uns für unseren Spaziergang bereit machen kommt ein weiterer Spaziergänger vorbei. Auch er schnackt uns an. Er habe beim Anblick unseres Autos schon die Befürchtung gehabt, Putin oder Trump würden nun hier einmarschieren. Außerdem hat er sich gewundert, wo wir stehen, denn die meisten würden ein paar Meter weiter vorne auf dem steinigeren Part des Strands parken. Als er unser Auto dann aber sah, verstand er, dass uns der sandigere Teil sowie die Mini-Mini-Flussdurchfahrt nicht aufhalten konnten. Er erzählt, dass er eine Zeit lang in Yellowknife weiter im Norden Kanadas gelebt habe, wo die Leute selbst bei -50°C im Winter noch Fahrradfahren und bei Schnee kurze Hosen tragen. Vor einer Woche habe an der Stelle, an der wir gerade stehen auch noch dick Schnee gelegen. Er erzählt uns auch von den Eisbergen letztes Jahr. Wie es scheint hätten wir hier letztes Jahr zu dieser Zeit eingies mehr zu sehen bekommen, aber gut, sowas weiß man im Voraus ja nie. Schön ist es hier auch ohne Eisberge. Er macht noch Witze darüber, dass die Inseln, die man von hier aus sieht North Trump und South Trump heißen und empfiehlt uns direkt hier die Küste entlang von Bucht zu Bucht laufen. Und genau das haben wir auch vor.
Während des schönen Spaziergangs sammeln wir Müll, was hier leider hoffnungslos ist. Neben dem leider üblichen Fischereimüll liegen hier auch super viele 70 mm Patronenhülsen. Was die hier machen, keine Ahnung. Elche gibt es auf Twillingate wohl nicht wirklich, hauptsächlich Füchse und Hasen. Wir sammeln so viel auf wie wir tragen können und was am ehesten gefährliche Schlaufen bildet und versuchen, uns den Spaziergang dadurch nicht vermiesen zu lassen, denn es ist sonst echt schön hier. Wieder am Auto angekommen lassen wir den Abend noch mit Abendessen, Blogschreiben, Wellenrauschen und Möwengeschrei ausklingen.























































































































