Vom Wanderparkplatz aus starten wir heute nach dem Frühstück zur ehemaligen Siedlung La Manche. Diese liegt in einer kleinen Bucht und ist Namensgeberin des Provincal Parks. Über die Bucht führt eine Hängebrücke, die das Highlight des Parks ist. Der Weg bis zur ehemaligen Siedlung und zur Brücke ist so ca. 2-3km lang und man kann dann noch weiter der Küste folgen. Der Weg geht erstmal durch dichten Wald, der noch voller Schnee und Eis ist. Rund um St Johns ist der Schnee schon viel mehr geschmolzen als im Rest von Neufundland, aber das Schmelzwasser friert nachts ein, sodass es teilweise eine ganz schöne Schlidderpartie ist. Zusätzlich liegen viele Bäume quer über dem Weg, was die Wanderung zu einer vielfältigen Gymnastikübung macht, hier ein Ausfallschritt, dort unter dem Baum durch, hier wieder rüber. Auf der Wanderung können wir noch einige Geocaches einsammeln und sehen (vermutlich) Elchspuren. Wir würden gerne Elche sehen, aber im dichten Wald müsste das jetzt nicht sein. Ein Teil des Weges hat der Elch auch als seine Toilette auserkoren, es gibt sehr viele Hinterlassenschaften oder es sind viele Elche hier unterwegs. Am Ende sehen wir aber keinen. Dafür erspähen wir auf dem Weg zurück über die Brücke eine Robbe, die sich sonnt. Ich (Chris) hatte zum ersten mal meine Kamera dabei und es hat sich direkt gelohnt. Wir fotografieren sonst alles mit den Smartphones, aber Tiere sind dafür oft zu weit weg.




Wir wollen die Robbe nicht zu lange stören, deswegen geht es auch bald weiter zurück zum Parkplatz. Heute soll es nämlich noch weiter gehen und zwar nach Dildo.
Dildo (*höhö*)
Warum wir nach Dildo gefahren sind braucht man glaube ich nicht wirklich erklären. Es ist einfach lustig. Die Einheimischen nehmen den Namen auch mit Humor, zumindest spricht der Schriftzug am Hang sehr dafür. In Dildo selbst haben wir nicht wirklich was gemacht, das meiste hat natürlich auch zu und das meiste ist in dem kleinen Ort eh schon nicht so viel. Uns sprach noch ein Polizist an, er versicherte uns direkt, dass wir nichts falsch gemacht hätten oder sowas, er wollte nur wissen, was für komische Kennzeichen wir am Fahrzeug haben und wo wir herkommen. Wie immer ein nettes und kurzes Gespräch. 200 Meter hinter dem Ort kann man direkt am Meer stehen und dort hverbringen wir auch eine entspannte Nacht. Der Platz wird von den lokalen Quadfahrern auch als kleiner Offroadpark benutzt, zumindest weisen diverse Spuren durch die Matschlöcher darauf hin. Am nächsten Morgen können wir es uns mit unserem Offroad Fahrzeug natürlich nicht nehmen lassen, auch ein paar “Hindernisse” abzufahren, was aber etwas unspektakulärer abläuft. Nach dem Offroad Abenteuer geht es noch ins Dildo Coffee House, welches neben gutem Kaffee eine fantastische Aussicht auf die Bucht hat. Hier packen wir auch noch zwei Stück Kuchen für später ein.


Auf der Suche nach den richtigen Teilen
Es fehlen uns noch ein paar Autodinge und deswegen haben wir heute wieder eine paar Läden abgeklappert. Überwiegend suchen wir immer noch Blei-Adaptiv , weil unser Vorrat zu neige geht. Wir schneien kurz vor Ladenschluss noch in einen Napa Autoparts rein (keine Ahnung wieso das hier Auto und nicht car heißt, aber das ist überall so). Hier scheint man zumindest Ahnung zu haben, denn der Mitarbeiter erklärt uns, dass wir nirgends in Kanada Blei-Adaptiv bekommen werden, denn das sei inzwischen verboten. Dafür gibt es allerdings Ersatzprodukte mit dem selben Effekt, aber nicht so Fatal für die Umwelt. Da wir eh keine wirkliche Wahl haben, nehmen wir eine große Flasche mit. Das Problem ist, dass wir erst merken werden, ob das Zeug wirkt bzw. nicht wirkt, wenn der Motor kaputt ist, also drückt die uns Daumen. Wir sprechen noch über den Volvo, nach Aussage des Mitarbeiters genau das richtige Fahrzeug, bei den kaputten Straßen in Kanada. Wir kaufen noch Motoröl, denn auch das möchte der Volvo in regelmäßigen Abständen bekommen und fahren weiter. Die Stellplatzsuche ist heute leider nicht so erfolgreich. Beim ersten Platz ist die Straße mehrere Kilometer vorher schon nicht mehr geräumt. Wir hatten uns eigentlich schon vom Schnee verabschiedet, in Dildo lag kaum noch was, aber 100km weiter nördlich sieht das ganz anders aus. Der spontan recherchierte Platz ist auch etwas eingeschneit, aber es ist nur ein kurzes Stück und es geht bergab. Mit Allrad fräsen wir uns einen Weg durch den Schnee und haben einen entspannten Abend.
Dafür haben wir ihn ja
Nach dem wie immer entspannten Frühstück, schaue ich mir die Schneepassage an, durch die wir gestern auf den Platz gefahren sind. Der Schnee ist doch ganz schön tief und nass durch das Antauen, aber es bleibt uns ja eh nichts übrig, also versuchen wir es. Mit Allrad und Untersetzung klappt es beim ersten Versuch schon mal nicht. Erstmal zurück und etwas schaufeln. Das Schaufeln hat vermutlich nichts gebracht aber mit allen Differenzialsperren und sechs fleißig durchdrehenden Reifen ruckeln wir uns hoch auf die Straße. Nasser Schnee ist schon der Endgegner, aber für sowas haben wir den Volvo ja. Wir hätten auch noch mehr Optionen gehabt, Reifendruck ablassen oder Sandbleche, aber das sparen wir uns für das nächste Mal auf. Im Notfall hätte man hier auch zwei Spuren reinschaufeln können, sonst wären wir auch gar nicht erst runter gefahren. Um diese Erfahrung reicher und mit ordentlich Herzklopfen geht es weiter nach Cape Bonavista.

Ganz viele Möwen
Am Cape Bonavista wollen wir einen Ruhetag einlegen, aber vorher wollen wir uns einen Teil der spektakulären Küstenlandschaft anschauen. Am Spillars Cove, versuchen wir dem Wanderweg zu folgen, aber dieser verliert sich ständig im nichts. Am Ende folgen wir einfach der Küste, genießen die Sicht und beobachten die Möwen. Hier gibt es im Frühling auch viele Papageitaucher, für die sind wir aber leider noch zu früh bzw. der Frühling dieses Jahr zu spät. Dafür können wir wieder mal beobachten wie ein Weißkopf Seeadler von Möwen attackiert wird. Irgendwann schaffe ich es auch noch einen zu fotografieren, aber heute geht alles viel zu schnell. Dafür habe ich jetzt viele schöne Möwen- und Felsenbilder.




Nachdem wir auf dem Rückweg auch unseren Wanderweg wieder gefunden haben, fahren wir das kurze Stück zum Leuchtturm am Kap. Der Weg führt durch den Dungeon Provincial Park und bietet eine tolle Sicht auf die Küste. Am Parkplatz angekommen, steht ein neues Projekt an: In zwei Ecken ist es feucht und schimmelt sogar etwas. Also alles raus, mit Essigreiniger abwischen und lüften. Feuchtigkeit ist im Womo im Winter echt ein Problem. Wir werden die Tage noch Schimmelentferner besorgen und beim fahren die Ecken leer räumen, damit es besser lüftet. Hoffentlich sind das die einzigen Stellen. Nachdem wieder etwas Ordnung herrscht entspannen wir etwas. Morgen ist Ruhetag angesagt und so wollen wir auch diesen Tag ausklingen lassen.
Dinge-tun-Tag statt Ruhetag
Am Donnerstag werden wir früh morgens vom Nebelhorn geweckt. Klar, wir stehen neben einem Leuchtturm, hätte man erwarten können. Wir starten den Tag wie immer mit einem gemütlichen Frühstück bei strahlendem Sonnenschein. Das macht gute Laune. Allerdings lässt uns der Schimmel keine Ruhe, deshalb starten wir danach damit, die Ecken freizuräumen, sie zu bearbeiten und durchzulüften. Dafür müssen wir an die Hecktür ran. Der Heckträger ist mit einem Schloss gesichert, dass wir gerade so aufbekommen. Damit das in Zukunft keine Probleme macht, wird er erstmal mit einem Spanngurt gesichert. Dafür müssen wir an ein anderes mit Schloss gesichertes Fach ran, dieses will sich aber partout nicht öffnen lassen. Öl, ruckeln, Hammer, nichts nützt etwas, also machen wir am Ende kurzen Prozess und schneiden das Schloss mit der Flex auf. Das geht erstaunlich schnell, zu leicht eigentlich für so ein theoretisch “hochwertiges” Schloss. Chris legt sich nun noch unters Auto. Eines der Löcher im Auspuff möchte abgedichtet werden. Dabei hat er auch noch ein paar Öl-Leckagen gefunden, die werden wir weiter beobachten. Im Auto selbst haben wir einen weiteren Versuch gestartet, den Boiler dicht zu bekommen, leider nicht erfolgreich. Dafür hängt der Feuerlöscher nun wieder.
Zwischendurch werden wir von Kanadiern angesprochen, die uns erzählen, wir seien zu früh hier, ab Mai könne man dann Puffins und Eisberge, manchmal auch Wale sehen. Das wissen wir tatsächlich schon. Wenn wir einen Counter starten würden, wie viele Leute uns das schon gesagt haben, wären wir bestimmt schon bei zehn. Das macht es nicht besser! Unsere Reisepläne lassen es leider nicht zu, dass wir noch bis Mai/Juni hier auf Neufundland bleiben, wir wollen schließlich im August in Alaska sein und das sind noch einige tausende km. Puffins gibt es leider nur am Atlantik. Wir müssen dann wohl nochmal nach Island, da kann man sie auch gut beobachten. Kann man nichts machen…
Nachdem wir dann alles auf- und umgeräumt haben machen wir noch eine kleine Runde um den Leuchtturm herum und beobachten die Möwen in der langsam untergehenden Sonne. Ein richtiger Ruhetag war das nicht, dafür haben wir ein paar Sachen erledigen können. Morgen geht es dann auch schon weiter.

