Der Eintrag für die erste Woche wurde etwas lang, deswegen haben wir den aufgeteilt. Beim nächsten mal gibt es weniger Text
Erster Reisetag
Anlässlich der morgendlichen Planung haben wir den “Oh da ist ja gar keine Straße” Counter eingeführt, der jedes mal um eins erhöht wird, wenn wir feststellen, dass unsere geplante Route nicht aufgeht, weil es in Kanada echt wenig Straßen gibt. Aktueller Counter Stand ist 2. Anstatt 10km weiter die Küste entlang zu fahren, um auf die Straße nach Peggys Cove zu kommen, mussten wir die 25km wieder zurück nach Halifax fahren. Wir lernen bestimmt noch daraus. Es fällt generell auf, dass wenig Tiere zu sehen und zu hören sind. Im Provincal Park, aber auch im Hafen von Halifax gab es kaum Möwen. Kann sein, dass die Tiere hier einfach sehr viel Platz haben und sich nur besser verteilen, wir beobachten das.
Angekommen in Peggys Cove gab es bei bestem norddeutschen Sommerwetter(Wind, Nieselregen und 3°C, für die paar nicht norddeutschen Mitlesenden) ein paar obligatorische Leuchtturm Fotos. Das zugehörige Café versorgte uns auch noch mit einem Stück Kuchen(wir haben dazugelernt) und warmen Getränken. Hier war es überraschend günstig, Kaffee und heiße Schokolade haben maximal 3€ jeweils gekostet. Für so eine Touristenfalle echt überraschend. Bretti hatte mich überzeugt hier doch vorbei zu fahren, was sich auch gelohnt hat. Zumindest wenn wenig los ist und man eine Begeisterung für Nieselregen am Meer hat.
Weiter ging es zum nächsten klassischen Tourispot Lunenburg. Lunenburg ist bekannt für seine Waterfront mit den bunten Holzhäusern direkt am Hafen. So sieht das hier aber überall aus und auf dem Weg nach Lunenburg hatten wir schon etliche bunte Häuschen gesehen, entsprechend fanden wir Lunenburg eher unspektakulär. Allerdings mussten wir eh Wasser auffüllen und etwas einkaufen. Unser Walmart Ausflug hatte uns zwar mit dem Nötigsten versorgt, aber irgendwie ist da kein ganzes Gericht bei rausgekommen. Neben dem Supermarkt gab es hier auch einen Laden für alkoholische Getränke, da mussten wir natürlich auch rein schauen und wurden direkt mit einem Probierschluck eines lokalen “italianstyle” Lagers empfangen. Generell ist Alkohol hier teurer als in Deutschland, also wie fast überall. Da es unser Jahrestag war, haben wir uns aber nicht lumpen lassen und ein paar Getränke eingepackt. Auf dem Parkplatz haben uns Monique und ihr Partner angesprochen. Sie hat eine Weile in Deutschland gelebt und uns ein paar Tipps für die Gegend gegeben. Falls wir nichts zum Übernachten fänden, könnten wir auch gerne bei den beiden Zuhause vorbei schauen. Das war eine sehr nette Begegnung, wobei Monique im Gespräch fließend zwischen englisch, deutsch und französisch wechselte und wir absolut den Überblick verloren haben, in welcher Sprache wir nun antworteten. Wir sind dann erstmal dem ersten Tipp von Monique gefolgt und sind zur Lightship brewery gefahren, dort stehen im Sommer auch immer Camper und wenn man dort einkehrt, ist das kein Problem. Saison bedingt haben leider auch die zu. Hingestellt haben wir uns dort aber trotzdem erstmal. Man hat eine schöne Sicht über den Hafen und von da aus sind wir in die Stadt gelaufen. Es war wie schon gesagt eher langweilig, dafür gab es noch Pizza mit Blick über den Hafen. Wir entschieden uns für die mittlere Größe 16″. Nächstes mal rechnen wir das um oder teilen uns eine Pizza. 16″ sind 40cm entsprechend gab es am nächsten Tag wieder Reste.
Zurück am Auto parkten wir nochmal um. Noch standen wir vor der Brauerei, aber dadurch auch mitten auf einem Firmengelände und wir waren mittelmäßig überzeugt, ob wir da wirklich stehen dürfen. An der Straße gab es außerdem offizielle Stellplätze, die man bis Ende März nutzen darf. Dafür muss man telefonisch eine Erlaubnis einholen, die Telefonnummer gehört zur Stadt, wo Samstagabend allerdings keiner zu erreichen war. Sonderbar…
Wir hatten uns in Halifax noch eine Starlink-Antenne gekauft, welche ich am Abend dann noch “problemlos” mit der mitgebrachten Halterung auf dem Auto befestigt habe. Während ich auf dem Dach rumwerkelte, hielt ein Sportwagen von BMW mit deutschem Kennzeichen neben uns. Dort stieg Charlie aus, mit dem ich schnell ins Gespräch kam und der ein paar Fotos von den beiden Fahrzeugen nebeneinander machte. Charlie ist ein älterer Herr der eine Begeisterung für deutsche Autos hat. Überwiegend Mercedes, aber auch BMW. Wie immer bei solchen Gesprächen nicke ich freundlich, auch wenn ich von den ganzen Fahrzeugbezeichnungen und Kennnummern absolut keine Ahnung habe. Charlie fragte, ob wir auch Facebook hätten, er mache da viel Content mit seinen Autos. Ich verneinte, musste aber später dann doch mal gucken, ob ich ihn dort finde und bin dort auch auf die “nova scotia vehicle spotters” (siehe oben) gestoßen, wo er natürlich auch Mitglied ist. Er erzählte noch etwas über verschiedene seiner Fahrzeuge. 8 Zylinder müssten es schon sein, meinte er, aber er hat einen kleinen 6 Zylinder, wenn er es mal etwas ruhiger angehen will. Wir verabschiedeten uns irgendwann und seiner Aussage entsprechend brauste er mit durchdrehenden Reifen davon. Ich frage mich echt, was er in dieser Gegend mit Sportwagen vorhat. Die Straßen sind geteert, aber meistens in einem so schlechten Zustand, da würde ich mich mit einem Sportwagen kaum trauen schneller zu fahren.
Sonntag 22.03
Nach dem Frühstück mit Blick auf Lunenburg haben wir unser Wassersystem in Betrieb genommen. Am Vortag hatten wir gegen eine Gebühr von 5$ unseren Tank vollgemacht. Eigentlich hatten wir das Wasser vor dem Einfüllen probiert, das machen wir immer vorher, aber nun schmeckt es auch durch unseren Filter nach Chlor. Das Leitungswasser ist hier immer gechlort, aber wir dachten, wenn wir schon zahlen bekommen wir auch Trinkwasser. Andere Reisende, die den selben Filter nutzen, aber auch eine Kooperation mit der Firma haben, meinten, dass der Chlorgeschmack mit Filter auch rausgeht. Naja, wir beobachten. Das Wassersystem war sonst aber dicht (Spoiler: Ist es nicht). Nach dem augenscheinlichen Erfolg spazierten wir noch etwas am Wasser entlang und konnten unseren ersten Geocache in Kanada erfolgreich bergen.
Nach diesen Erfolgen ging es nach Hirtel’s Beach. Der Parkplatz stand halb unter Wasser, was uns eigentlich einen wunderbaren Hinweis für die richtige Schuhwahl hätte geben können. Natürlich tat es das nicht und wir spazierten Müll sammelnd am steinigen Strand entlang. Es waren ca. 1,5km bis der eigentliche Wanderweg los ging und dieser begrüßte uns dann auch mehr als Bachlauf denn als Weg. Davon ließen wir uns nicht aufhalten und gingen, nach kurzer Zeit mit nassen Füßen, durch den sehr schönen Küstenwald. Nach einem weiteren erfolgreichen Geocache entschieden wir uns aber zurück zu gehen. Noch zusätzliche 5km mit nassen Füßen zu laufen löste in uns keine Begeisterung aus. Außerdem mussten wir den Weg am Strand auch noch zurück und irgendwie steckten uns die Tage mit über 15.000 Schritten doch etwas in den untrainierten Körpern. Wieder am Auto gab es ein Stück Gebäck und wir entschieden uns, Monique nicht zu besuchen. Die Idee klang grundsätzlich verlockend, aber wir waren einfach zu geschafft. Die Anreise, der Stress bei der Fahrzeugabholung und die ganzen Eindrücke zerrten schon an uns. Wir haben schon einige längere Reisen gemacht und entsprechend versuchen wir, aus unseren Fehlern zu lernen. Die Reisemüdigkeit ist der Tod für jegliche Freude an der Reise. Entsprechend planten wir für den nächsten Tag einen Pausentag ein und fuhren noch 100km zu einem Recreation Park am Springfield Lake. Hier gibt es kein Atomkraftwerk, dafür eine sehr matschige, mit tiefen Pfützen ausgestattete, Zufahrtstraße. Solche Straßen gefallen uns natürlich sehr und der Volvo sieht langsam wieder vernünftig aus. Wir hatten noch einen entspannten Abend, die Fußbodenheizung hatte die Pizza vom Vortag während der Fahrt schön aufgewärmt und wir waren sogar bis 22:00 wach. Rekord!
Pausentag
Entsprechend der Grundidee lassen wir es heute ruhig angehen. Wir starten mit einem nachträglichen Jahrestag Sektfrühstück. Die Fenster auf dem Dach und zur Seeseite sind eingefroren. Wir haben sowas schon erwartet und entsprechend die Tür nicht abgeschlossen, diese lässt sich auch normal öffnen. Bretti startet nach dem Frühstück mit dem Backen eines Bananenbrotes und ich rege mich über verschiedenste Technik auf. Nachdem ich mich der Technik geschlagen gegeben habe, ziehe ich noch eine Schelle am Boiler nach, das Wassersystem ist natürlich nicht dicht. Als das Bananenbrot fertig ist machen wir einen kleinen Spaziergang durch den Schnee und ich mache mich ans Blogschreiben. Da hat sich in den paar Tagen schon einiges angesammelt, wir müssen mal schauen wie wir das weiter machen machen. Vermutlich passiert auch einfach weniger. Mit dem leckeren Bananenbrot lassen wir den Tag ausklingen und hoffen, dass die Tür morgen auch wieder auf geht.










