Migräne mit Aussicht
Heute Nacht war es kalt, 1°C ca. und wir hatten natürlich die Fenster auf. Solche Temperaturen sind wir gar nicht mehr gewohnt. Der Tag startet trotzdem schön und wir genießen es, nicht weiter zu fahren. Dafür wollen wir heute ein paar Dinge erledigen. Nach dem Frühstück fällt Chris auf, dass der Shop für die Autoteile aus Europa diese Woche Urlaub macht. Das steht nicht auf der Webseite, sondern nur in der Bestellbestätigung. Also noch eine Woche länger auf Teile warten, bzw. später wissen, ob die das auf die Kette bekommen. Das ist für unsere Planung natürlich nicht gerade förderlich.
Die Werkstatt, die den Auspuff reparieren soll, meldet sich natürlich auch nicht. Als wir nachmittags nachfragen heißt es, morgen wissen sie das ganz bestimmt. Morgen fahren wir eh nach Calgary um Brettis Schuhe abzuholen, im Zweifelsfall fahren wir da noch mal direkt vorbei. Generell besprechen wir, was wir die nächsten Tage machen wollen, aber ohne zu wissen wann und ob die Werkstatt Zeit hat, ist es etwas schwierig.
Chris schaut sich noch an, wieso unser Kompressor nicht geht. Es stellt sich heraus, dass der Anschalter kaputt ist. Damit können wir leben, wenn der Kompressor gebraucht wird, wird der Schalter einfach überbrückt.

Ab dem Mittag fällt Chris mal wieder wegen Migräne aus und existiert zuerst im Auto und dann auf unserer Bank rum. Neben bei lauscht er Bretti wie sie Blog-Beiträge für unsere Audiothek einliest. Dort gibt es alle Blog-Einträge zum Anhören.


Als es ihm etwas besser geht, entzündet er schon mal das Lagerfeuer. Bisschen was zu tun haben ist auch nicht schlecht, meint er. Zum Glück geht es ihm abends wieder einigermaßen besser, sodass wir den Abend noch richtig genießen können.
Was uns an dem Platz hier aufgefallen ist, es gibt kaum Tiere. Fast keine Vögel, keine Eichhörnchen geschweige denn was größeres. Kurz nach dem wir drüber sprachen, rennt eine Herde Rehe vorbei, diese haben wohl nur auf ihr Stichwort gewartet.

Noch mehr Werkstätten
Wir verlassen heute den Platz am Ghost River. Mal schauen ob wir nochmal wieder kommen, wir werden ja etwas länger in der Nähe von Calgary sein… Von unserem gehackten Holz lassen wir den Großteil hier. Feuerholz darf man eh kaum durch die Gegend bewegen, weil es immer die Gefahr der Verbreitung von Schädlingen und Krankheiten gibt. Wir erinnern uns noch an das Faltblatt im Zoll Büro in Halifax.

Wir rufen die Werkstatt nochmal an, erst sagen sie, sie können das nicht machen. Allerdings nur weil sie unser Auto nicht auf die Hebebühne bekommen. Wir versichern ihnen wieder, dass sie das auch nicht müssen, das kaputte Rohr kann man einfach abschrauben. Nach einigem Hin und Her können wir Freitag Morgen vorbei kommen. Wir bleiben gespannt, ob das was wird.
Parallel zur Forststraße, die uns hier her gebracht hat, gibt es auch noch eine Spur mit Matsch, tiefen Pfützen und ordentlich Verwindungen, die hatte uns auf dem hinweg schon angelacht. Entsprechend geht es für den Rückweg hier lang, macht direkt mehr Spaß. Man hat das Gefühl auf einem Segelschiff bei Sturm zu sein, so sehr geht es hin und her, aber dafür ruckelt es nicht so doll wie auf dem “Wellblechweg”. An der Einfahrt zum Forstweg treffen wir noch auf dieses kleine Gespann.

Solche Gespanne hier in die Natur zu schleppen, scheint üblich zu sein. Weiter oben hatten wir noch einen größeren Wohnwagen gesehen.
Zurück in Calgary sammeln wir fix Brettis Wanderschuhe ein, hoffentlich hält das diesmal. Danach geht es zur Oldtimer Werkstatt, die uns noch empfohlen worden ist. Die haben aber keine Lust auf unsere englischen Vergaser, die machen viel VW und Porsche. Wie immer haben wir aber ein nettes Gespräch. Dafür hat der Mitarbeiter allerdings eine Empfehlung für uns. Eine Werkstatt, die sich auf alte englische Autos spezialisiert hat. Da hätten wir eigentlich auch selber drauf kommen können. Es sind nur 200 m Luftlinie also fahren wir direkt rüber zu Auto Mann.
Wir merken schnell, dass wir hier richtig sind. Nach dem wir erklärt haben, was wir wollen und welche Vergaser wir haben, schlägt der ältere Mitarbeiter direkt den Katalog mit der Zeichnung des Vergasers auf. Er erklärt uns einiges über Vergaser. Bretti versteht nur die Hälfte und Chris weiß das schon alles, aber naja. Eigentlich hätten sie keine Zeit, aber er hole mal einen Mitarbeiter, der kenne sich mit dem Typ aus. Der Kollege ist auch ein älterer Herr und besitzt selber zwei alte Volvos. Nicht ganz so alt, aber er kennt sich mit den Vergasern grundsätzlich aus. Morgen früh kann er sich das mal anschauen. Wir quatschen noch etwas und wir dürfen gerne direkt bei der Werkstatt übernachten, sei ja viel praktischer, wenn wir direkt hier wären.
Gespannt, was uns morgen erwartet, machen wir uns noch auf den Weg, ein paar Besorgungen machen. Um das Radlager richtig einzustellen, benötigen wir eine Kofferwaage. Diese bekommen wir bei Lee Valley. Ein spannender Laden für Heimwerkerbedarf. Vom Bastelzubehör bis zur Tischkreissäge bekommst du hier alles. Vermutlich haben die im Lager auch noch einen Minibagger. Nebenan ist ein Europäisches Spezialitäten Geschäft. Hier finden wir leider wieder keine Sauce Hollandaise, dafür findet sich für Chris, die ungarische scharfe Paprika Paste Erös Pista. Zuhause gibt es die zu jedem Frühstück, hier ist es eine nette Abwechslung. Als letzten Stopp geht es, wie sollte es auch anders sein, Autoteile kaufen. Neben ein bisschen Werkzeug kaufen wir uns auch eine neue Camping-Couch. Unsere alte hat uns lange begleitet, sie wurde oft geflickt, aber wir kommen seit längerem nicht mehr mit dem Reparieren hinterher. Am letzten Stellplatz ist die Lehne auch komplett eingerissen. Die neue Camping-Couch passt kaum in den Schrank, mit der alten war es auch schon immer etwas hakelig, aber mit etwas Liebe geht’s.
Bevor wir zurück zur Werktstatt fahren, setzen wir uns noch zu Tim Hortons, Updates herunter- und Bilder hochladen. Dann geht’s zum Parklplatz vor der Werkstatt, nicht gerade leise, aber für eine Nacht wird’s passen und so sind wir zumindest schon zeitig da.

Bester Service ohne Gebühr
Wir schlafen eher mittel, weniger wegen der lauten Straße, sondern eher wegen dem Stress. Um 9 Uhr können wir dann das Auto auf den Hof hinter die Werkstatt fahren, in die Halle passt er mal wieder nicht. Dann kommen erstmal alle Mechaniker zum Gucken und wir schnacken ein wenig.

Der Vergaser-Experte schaut sich die Vergaser an, stellt ein bisschen was ein und erklärt Chris ein paar Eigenheiten der Vergaser. Insgesamt sehen die ganz gut aus und das Auto läuft auch gut. Es sind also erstmal keine größeren Reparaturen notwendig. Durch den kaputten Auspuff ist das Auto natürlich viel zu laut, für den Motor selbst ist das aber kein Problem. Als wir uns lange verabschieden kommen wieder alle Mechaniker und scherzen ein bisschen, wenn wir doch nicht in die USA fahren, könnten wir den Volvo auch bei denen über den Winter abstellen. Wir fragen sie, was sie für den Service bekommen, aber sie wollen keinen Geld, nicht mal für die Kaffeekasse. Sie freuen sich einfach, dass sie uns dabei helfen können, unsere Reise fortzusetzen. Diese alten Herren sind viel zu lieb. Etwas wehmütig lassen wir unsere alte Camping-Bank zurück, die wir in ihrem Schrott entsorgen dürfen. Dann geht’s für uns weiter.
Da wir bei der Werkstatt noch nicht gefrühstückt haben, geht’s für uns erstmal ins Red Diner, wie immer nicht das gesündeste, aber sehr lecker.
Die Hoodoos vom Willow Creek
Wir fahren 150 km zum Willow Creek. Dort wollen wir uns die Hoodoos, Sandstein-Säulen, angucken. Der Parkplatz direkt gegenüber kostet eigentlich Geld, aber man kann den Weg auch ein paar Hundert Meter weiter reinfahren und dort parken. Dort wollen wir eh für die Nacht stehen bleiben.

Wir laufen zu den Hoodoos, die sind kleiner als erwartet, aber kann man sich schon mal angucken, wenn man schon mal hier ist.

Wir überlegen, ob wir heute noch zu einem Minen-Museum fahren, entscheiden uns aber für einen entspannten Nachmittag hier. So können wir auch noch am Blog schreiben. Auf dem Weg sind einige Matschpfützen, denen wir beim hierherfahren ausnahmsweise ausgewichen sind. Wie sich zeigt, war das nicht die schlechteste Entscheidung.
Heute ist abends Gewitter angesagt, es bleibt aber in der Ferne, dafür frischt der Wind auf und pustet sehr feinen Sand durch jede Ritze ins Auto. Der ganze Sand in der Luft und der Sonnenuntergang tauchen die Landschaft in ein einzigartiges Licht. Gut, dass wir gerade so entspannt sind, denn es gibt mal wieder Probleme mit der Post. Brettis Kumpel berichtet, das Post Office in Hamilton sage, es könne das Paket nicht nach Calgary schicken, denn das von uns angegebene Post Office existiere nicht. Wir überprüfen nochmal die Adresse und schauen auch auf deren offizieller Website nochmal nach, da ist es so, wie wir es geschrieben haben. Er wolle das morgen nochmal mit unserem Link zu Google Maps und der offiziellen Website versuchen. Im Zweifelsfall haben wir mittlerweile die Adresse eines Verwandten seiner Nachbarin, der nahe Calgary wohnt.


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