Category: Canada

  • Woche 1 | Teil 1: Ankommen

    Woche 1 | Teil 1: Ankommen

    Am Anfang der Woche waren wir noch in Deutschland, haben den LT abgemeldet und eingemottet, jetzt sitzen wir in Kanada im warmen Auto an einem zugefrorenen See. Aber erstmal zum Anfang.

    Flug

    Dienstagabend haben wir uns von unserer Hausgemeinschaft verabschiedet und Mittwochmorgen um 4:30 Uhr ging es nach Hamburg zum Flughafen. Wir konnten beide nicht wirklich schlafen und somit starteten wir schon übermüdet in unsere (planmäßig 20h) Reise nach Halifax. Am Hamburger Flughafen lief alles entspannt und somit waren wir viel zu früh am Gate. Biri wollte uns noch verabschieden, aber da ich (Chris) nie mitbekomme, wenn mich jemand anruft, wurde es nur eine Verabschiedung auf Distanz vor der Sicherheitskontrolle.

    Unser erster Stopp war London, wo schon 30 Minuten Verspätung für unseren Anschluss angesagt waren. In Ottawa, dem zweiten Stopp, hatten wir 1h40 Zeit, von daher nahmen wir an, dass das schon passen würde. Spoiler: Es passte nicht. Jetzt ging es erstmal darum die 5h Aufenthalt rumzubekommen, mit überteuertem Frühstück und ich habe zwischen Baulärm und Kindergeschrei noch etwas geschlafen. Nach absolutem Boarding Chaos teilte uns der Pilot mit, dass unser Abflug sich noch verzögern sollte.

    Am Ende kamen wir mit über 2h Verspätung in Ottawa an, die wir schon komplett in London eingesammelt hatten. Zwischenzeitlich hatten wir viel der Verspätung wieder aufgeholt, aber in Ottawa mussten wir offiziell in Kanada einreisen und unseren Koffer einsammeln und wieder aufgeben. Entsprechend hätten wir den Anschluss vermutlich nur ohne Verspätung erreicht. Wir waren damit zum Glück nicht alleine, entsprechend hatte Air Canada schon alles organisiert und der nächste Flieger hat auf die ca. 50 Leute aus London gewartet. Das ganze wäre mit Kommunikation an die betroffenen Leute vermutlich sehr viel entspannter von statten gegangen.

    Somit sind wir um 21:40 Ortszeit(1:40 Deutscher Zeit) in Halifax gelandet. Die Einreise verlief soweit problemlos, allerdings mussten wir dem Beamten erstmal ausführlich unseren Plan für die Reise erklären. Das Kofferabholen ging ziemlich fix und unsere erste Fahrt mit Uber brachte uns dann direkt zum Airbnb, wo wir nur noch ins Bett gefallen sind.

    Fahrzeugabholung, Donnerstag

    Der Wecker klingelte um 8:00 Uhr, zumindest für mich war das ok, da ich eh schon einige Stunden wach war. Zuhause in Deutschland ware es ja schon 12:00 Uhr. Wir liefen dann zum nächsten Tim Hortons für ein schnelles Frühstück. Ziemlich kleine Portionen, sonst kann man gegen Rührei mit Speck und frittierte Kartoffelpuffer nichts sagen. Danach ging es los mehrfach quer durch die Stadt. Wir wollten uns nicht mit den Öffis rumschlagen und sind wieder Uber gefahren. Das kostete uns zwar 40€ war dafür aber sehr entspannt. Generell fahren die Menschies hier genau so schlecht wie bei uns. Die Straßen sind viel breiter, aber auch in einem viel schlechteren Zustand. Es gibt soweit ich weiß kein Rechtsfahrgebot, nur eine Empfehlung, wenn es nicht extra ausgeschildert ist. Entsprechend wird aber auch beliebig überholt. Auch das Fahren mit Fernlicht, welches aber sehr niedrig eingestellt ist, scheint hier sehr verbreitet zu sein. Sonst gibt es am Service von Uber nichts zu meckern. Wir mussten nie mehr als 5 Minuten warten und die Fahrten verliefen unauffällig.

    Der Plan für die Abholung sah wie folgt aus: zur Agentur, zum Zoll und dann zum Hafen. Die Agentur ist das Gegenstück zu unserer Hamburger Agentur, wo wir ein “Alle Kosten sind schon bezahlt” Angebot abgeschlossen hatten. Die Agentur Mitarbeiterin war freundlich, will irgendwann auch mal so eine Tour machen, wenn sie sich schon ständig die Pläne der ganzen Reisenden anhört und nach 10 Minuten waren wir mit unseren Papieren wieder draußen.

    Wieder quer durch die Stadt ab zum Zoll. Hier macht die Technik wie zuhause Probleme, aber auch hier waren alle sehr freundlich. Nach dem wir bestätigt haben, keine Schusswaffen und Drogen zu schmuggeln, wurde noch kurz beim Hafen nachgefragt, ob unser Fahrzeug schon fertig kontrolliert sei. Dies wurde bestätigt und wir bekamen unseren Stempel. Hier kennt man seine Zielgruppe, deswegen gab es auch einige Flyer für Reisende, zum Beispiel dass man kein Feuerholz transportieren darf, weil man somit invasive Arten verbreiten kann. Hier war nun alles geklärt und mit weniger, aber dafür gestempelten Papieren ging es zum Hafen.

    Entgegen unseres Wissens durften wir beide den Hafen betreten und so fuhr uns ein Security-Mitarbeiter die 400m zum richtigen Gebäude. Dort konnten wir unser Auto auch schon sehen und zunächst lief der weitere Prozess problemlos. Dann war aber eine Lagergebühr nicht bezahlt, wir erinnern uns an das “alle Kosten sind bezahlt” Angebot, dass die Agentur alle Zahlungen übernimmt, hat keinen interessiert und ohne Zahlung bekommen wir unser Auto nicht wieder. Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass wir das Geld von irgendjemanden wiederbekommen, aber wir haben unsere Agenturen diesbezüglich angefragt. Mittlerweile standen wir im Großraumbüro des Terminals bei einem Mitarbeiter, wo weitere Probleme auftauchten. Die Zollkontrolle, die die Zollmitarbeiterin extra nachgefragt hatte, sei nicht abgeschlossen. Es scheint zwei Kontrollen zu geben, von zwei Abteilungen, warum die Mitarbeiterin des Zolls das nicht wusste, keine Ahnung. Niemand wusste ob diese Kontrolle heute noch passieren würde und nun sei eh erstmal Mittagspause also sind wir erstmal wieder raus aus dem Hafen. Wir hatten immerhin eine Telefonnummer bekommen, damit wir nachfragen können ob das Auto fertig ist.

    Das Wetter war schön, also sind wir zu Fuß zum Halifax Explosion Memorial gelaufen. Dabei sind wir viel durch Wohngebiete geschlendert. Ich finde es immer sehr spannend wie die Menschen leben im Vergleich zu uns, mehr dazu aber ein anderes mal. Was wir bei dem Plan nicht berücksichtigt hatten, Halifax ist sehr bergig und der Hafen ist(Überraschung) unten und das Memorial oben auf einem Hügel. Am Ende des Tages sollten es über 19.000 Schritte werden. Wir stärkten uns in einem Café mit Kuchen, warmen Getränken und Croissants mit Bacon und Spiegelei. Alles sehr lecker und es gibt sogar Sauerteigbrot, was unsere Hoffnung stärkte an vernünftiges Brot zu kommen. In dem Café fiel uns zum ersten Mal eine Diskrepanz zwischen den Preisen auf der Speisekarte und unserem Kreditkartenbeleg auf. Es scheint so, dass in Kanada die Preise ohne Steuern angezeigt werden, was unserer Meinung nach absolut keinen Sinn ergibt. So muss man immer ca. 9% obendrauf rechnen. Vielleicht versucht die kanadische Regierung damit auch nur die Kopfrechenfähigkeiten ihrer Bevölkerung zu stärken. Das passt gut zu den ganzen Straßenschildern, die anstelle von Zeichen wie bei uns, Text beinhalten. Dies soll dann vermutlich die Lesefähigkeiten fördern. Ich schweife ab.

    So gegen 13:30 Uhr riefen wir im Hafen an. Alles klar wir können das Fahrzeug abholen. Dafür, dass bis 13.00 Uhr Mittagspause war, bezweifeln wir, dass noch irgendwas am Fahrzeug gemacht worden ist. Zurück am Hafen ging auch alles ziemlich schnell und wir konnten nach etwas Zettelchaos an der Schranke den Hafen verlassen. Im Hafen stehen alle angekommen Fahrzeuge zusammen. Neben unserem sehr “unauffälligen” Fahrzeug standen dort auch noch zwei andere deutsche Vans und zwar aus Segeberg und aus Plön. Es scheint viele Schleswig-Holsteiner mit ihren eigenen Fahrzeug nach Nordamerika zu treiben.

    Unser Volvo scheint doch etwas auffälliger zu sein und ist im Hafen noch auf der Facebook Seite “novascotia vehicle spotters” gelandet. dazu später mehr wenn wir euch von Charlie und seinen kleinen Autos erzählen.

    Nach dem Verlassen des Hafens sind wir auf den nächsten Parkplatz gefahren um das Ersatzrad und co von innen wieder nach außen zu befördern. Das Ganze sollte uns dann noch 2h beschäftigen bevor wir zurück zum Airbnb sind. Wir waren nach dem Tag ganz schön geschafft und haben sonst nichts mehr gemacht, außer Pizza holen. Meine Pizza kam mit süßer Knoblauchsoße. Wer macht sowas…. Sonst war die Pizza aber gut. Somit haben wir den ganzen Tag nichts gesundes gegessen und fühlten uns dadurch schon sehr integriert.

    Es geht los

    Um an den Vortag kulinarisch anzuschließen, gab es erstmal Pizzareste zum Frühstück. Wir nutzten das Airbnb noch zum Duschen und dann wurde alles in den Volvo geworfen und es ging wirklich los.

    Zuerst stand aber noch Halifax Touriprogramm auf dem Plan. Super Eingewöhnung an das Fahren mit dem Volvo durch die engen und sehr steilen Innenstadtstraßen Halifaxs zur Waterfront. Vom Parkplatz ging es erstmal hoch zur Zitadelle. Auch wenn man im Winter nicht auf die Mauern darf, hat man eine schöne Sicht auf die Stadt und das Meer. Dann ging es den ganzen Weg wieder runter an die Promenade. Es ist sicher schicker im Sommer, aber so wirklich lohnen tut sich das nicht. Dafür kann ich das Café Creme sehr empfehlen. Es ist zwar etwas teurer, aber hier haben wir entschieden, uns in Zukunft erstmal ein Tortenstück zu teilen. Es schmeckt alles sehr gut und dieser übertrieben kitschige Blumen-Rosa-Einrichtungsstil gefällt mir sehr gut.

    Zurück am Auto ging es zum nächsten Nordamerika Touripunkt: Walmart. Ich war etwas enttäuscht muss ich zugeben, auch wenn ich keine konkreten Vorstellungen hatte. Der Walmart superstore in Halifax ist mit einem Famila zuhause zu vergleichen. Allerdings gibt es weniger Auswahl, da durch die breiten Gänge weniger Regale auf die gleiche Fläche passen. Praktisch ist allerdings, dass es Apothekenprodukte wie Ibuprofen und Laktase Tabletten direkt im Laden gibt. Das Sauerkraut im “ausländische Spezialitäten”-Regal brachte uns dann schon zum schmunzeln. Es werden nicht alle Dinge in übertrieben großen Portionen verkauft, aber kleiner als 1,5kg Zwiebeln, 2kg Zucker und den 750g Salzstreuer gab es dann auch nicht. Noch fix Super+ für 1,25€/l tanken und ab ging es zum ersten Stellplatz Crystal beach provincial park.

    Die Fahrt war kurz, ca 25km. Wir machten noch einen kleinen Spaziergang am Strand und durch den Park. Die Zufahrt zum Park war gesperrt, vermutlich saisonal bedingt, aber davor gab es einen Platz, wo auch die Locals parken. In der Saison muss hier die Hölle los sein. Es gibt riesige Parkplätze, die scheinbar gerade noch erweitert worden sind. Dort wollten wir auch eigentlich hin, mit Aussicht aufs Meer, durch die Sperrung war dies leider nicht möglich. Allerdings waren wir eh nach wieder über 19.000 Schritten sehr platt. Auch die Zeitverschiebung kickte und wir waren schon um 21:00 Uhr im Bettchen.

    Foto: Flugzeug bereit zum Boarding am Hamburger Flughafen, im Hintergrund der Sonnenaufgang.
    Sonnenaufgang am Flughafen in Hamburg während wir auf’s On-Boarding warten.
    Foto aus dem Flugzeug heraus auf Kanadas Ostküste mit Blick auf Meer und das verschneite Ufer.
    Sicht auf Kanadas Ostküste.
    Foto vom Volvo am Hafen in Halifax während Chris einen Gurt um das Ersatzrad tüdelt.
    Ersatzrad anbringen auf dem Parkplatz vor dem Hafen.
    Foto von uns beiden auf dem Dach vom Volvo, Chris mit wehendem Bart, während wir die Staukisten anbringen.
    Staukisten auf dem Dach anbringen bei ordentlich Wind.
    Foto vom Eingang der Waterfront in Halifax. Graffiti von einem Hummer an einem der Container neben dem Holzdielenweg.
    Waterfront in Halifax. Saisonal bedingt hat das meiste zu.
    Foto der Inneneinrichtung vom Café Crème: Blumentapete, viel rosa und Kronleuchter.
    Dieses blümerante Café “Crème” hatte auf. Auch das Geschirr war entsprechend blumig.
    Crystal Beach: hier haben wir einen Spaziergang gemacht und in der Nähe die erste Nacht wieder im Auto verbracht.